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Evolutionstheorie und die Religionen

16. April 2011, 20:02

Noch immer ist das Vorurteil zu hören, "die Religionen" oder gar "die Religion" hätte ein Problem mit der Evolutionstheorie bzw. den Ergebnissen der Evolutionsforschung. Das ist in zweifacher Hinsicht schlicht falsch:

1. Nur einige - mithin eher wenige! - religiöse Traditionen lehnen die Evolutionstheorie und -forschung ab, andere erkennen sie an oder begrüßen sie sogar.

2. Religiosität (als biologische Veranlagung) und Religionen (als biokulturelle Traditionen) werden längst selbst als Ergebnisse des Evolutionsprozesses erforscht (vgl. kostenloser Übersichtsartikel "Homo religiosus" aus Gehirn & Geist hier), u.a. auch in der (kognitiven) Archäologie.

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Religiöse Deutungen der Evolution - Von Kreationismus bis evolutionärer Theismus

14. April 2011, 23:09

Dieses Wochenende startet (m)ein neues Seminar in der Religionswissenschaft der Universität Jena: Religiöse Deutungen der Evolution - Von Kreationismus bis evolutionärer Theismus. Denn als Menschen können wir uns Geschichte(n) nur als Erzählungen vorstellen - in die wir stets (ggf. auch völlig unbewusst) unsere jeweiligen weltanschaulichen und religiösen Weltanschauungen einweben. Und welche Geschichte könnte größer sein als die Evolutionsgeschichte - die Erzählung der Entstehung von Allem?

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Der Alevismus in Deutschland

21. März 2011, 21:56

Vor Kurzem hatte ich auf diesem Blog über die Anthroposophie berichtet, die in meiner Heimatstadt Filderstadt schon lange etabliert ist, christliche und nichtchristliche Traditionen verbunden hat und u.a. ein eigenständiges Gottesbild und den Glauben an Reinkarnationen (Wiedergeburt) vertritt. Wussten Sie, dass sich auch aus dem Islam heraus Traditionen entwickelt haben, die vergleichbare Lehren vertreten? Da just heute - zum (auch) alevitischen Nouruz-(Neujahr)-Fest - in Filderstadt die Einführung von alevitischem Religionsunterricht an zwei Grundschulen gefeiert wurde, ist das eine gute Gelegenheit, auf eine religiöse Minderheit in unserer Mitte hinzuweisen.

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Richard Dawkins zu Religion und Demographie

12. Januar 2011, 15:54

In den letzten Wochen sind eine Vielzahl von Artikeln zur Evolution von Religiosität und Religionen und auch zu Religion-Demografie in der englischen Welt erschienen. Den Anfang machte ein Artikel von Jesse Bering auf Scientific American, gefolgt von einem Artikel in den Sunday Times ("Atheists a dying breed"), einer ganzen Gott-Instinkt-Debatte auf Guardian CIF u.v.m. Immer wieder wurde dabei auch auf meine Forschungen verwiesen.

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Gesichter des Islam - von Reinhard Baumgarten (ARD)

27. November 2010, 17:30

In einem aktuellen Interview bei der Frankfurter Rundschau bemerkte der Ministerpräsident von Hessen, Volker Bouffier:

Wenn von Islam die Rede ist, erfahren unsere Bürger aus den Medien das in den letzten Jahren in der Regel mit Blut, mit Terror und Tod. Die friedliche Religion des Islam ist nicht das, was unsere Bürger wahrnehmen."

Das ist sicher wahr - und man braucht zur Erklärung auch keine Verschwörungstheorien. Gerade aus der Perspektive der Evolutionspsychologie ist doch klar: Unsere Wahrnehmung wird sehr viel stärker von spektakulären und bedrohlichen Bildern angesprochen als von alltäglichen und ruhigen. Jene unserer Vorfahren, die Berichten von Gefahren höhere Aufmerksamkeit schenkten, steigerten damit ihre Überlebens- und Fortpflanzungschancen. Zu den negativen Effekten dieser Veranlagung gehört heute ein Medien-Wettlauf um Grausamkeiten, der immer mehr Menschen bedrückt. "Blut und Tote steigern die Quote.", lautet so ein bitterer Merksatz, den mir ein Journalist einmal bedrückt anvertraute. Auch Klischees über andere Völker - und besonders deren Männer - werden so verstärkt: Jeder Italiener ein Mafioso, jeder Japaner ein Samurai, jeder Deutsche ein Nazi, jeder Muslim ein Terrorist. Täter (etwa Nazigrößen oder Terrorführer) werden so schnell prominent, ihre Opfer (etwa ermordete Kinder oder die überwiegend muslimischen Opfer islamistischer Extremisten) bleiben dagegen unbekannt. Und es stellt sich die bange Frage...

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Kick it like Einstein: Wie Serbien seinen Diktator gewaltlos kickte

25. Mai 2010, 08:02

Er hatte sich einem nationalistischen Sozialismus verschrieben (was leicht ist - wo es extrem wird, berühren sich lechts und rinks seit je...). Er hatte sein Volk in eine Reihe von Kriegen verwickelt, und mit Kriegsverbrechen in Massenmorde verstrickt. Und seine Handlanger hatten begonnen, Medien und Universitäten gleichzuschalten, jede Opposition gewaltsam einzuschüchtern. Da erhoben sich junge Leute unter dem Banner der Faust und sammelten das Volk hinter sich. Als der schwankende Diktator seine Wiederwahl mit Gewalt und Betrug erzwingen wollte, brachen die Dämme: Am 5.Oktober 2000 beendete ein Volksaufstand die Amtszeit von Slobodan Milosevic. Er wurde 2001 an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert und starb 2006 in seiner Zelle.

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Die Amischen als Fallstudie in der Evolutionsforschung

21. Mai 2010, 20:42

Vor fast zwei Jahren hatte ich schon einmal einen Blogbeitrag über die Amischen veröffentlicht, auf den eine intensive Diskussion gefolgt war. Denn aus der Perspektive der Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen waren und sind über Generationen hinweg kinderreiche Gemeinschaften wie die Amischen, Hutterer, orthodoxe Juden etc. natürlich sehr interessant: Denn als Säugetiere geben wir Menschen unsere Gene nur über Fortpflanzung weiter und Merkmale, die den Reproduktions- und Überlebenserfolg zu heben vermögen, setzen sich im Evolutionsprozess durch.

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Zum Tod unserer Soldaten. Ein Gebetssong der deutschen Bundeswehr

02. April 2010, 20:17

Jede Gesellschaft hat ihre Tabus und dunklen Flecken - zumal unsere Gehirn-, Gedanken- und auch Empathiekapazitäten begrenzt sind. Nach zwei furchtbaren Weltkriegen war und ist in Deutschland das Militär immer noch ein schwieriges Thema. Die meisten von uns erkennen durchaus an, dass nicht alle Konflikte gewaltfrei lösbar sind - und dass gerade auch das NS-Regime erst durch den Einsatz von Soldaten zu seinem Ende kam. Wir wissen, dass unser Parlament junge Frauen und Männer in Einsätze entsendet - aber schauen doch selten hin. Wenn aber wie heute, am Karfreitag 2010, deutsche Soldaten in einem Hinterhalt der Taliban in Afghanistan fallen, Familien, Freunde hinterlassend, so reißt uns das doch vielleicht kurz aus dem Trott.

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Religion ohne Gott - Zen-Buddhismus

30. Oktober 2009, 18:42

Wenn jemand Religions-Definitionen hinterfragen will, wird gerne auf den Buddhismus verwiesen. Tatsächlich aber stärkt gerade das Beispiel des Buddhismus die Definition von Religiosität als "Verhalten zu übernatürlichen Akteuren". Denn wo immer sich buddhistische Traditionen über Generationen hinweg entfalteten, wurden vom zunehmend bildlich dargestellten Buddha selbst über Ahnen (vgl. japanische Ahnenverehrung), Geister, Götter und Bodhisatvas ein reiches Angebot an zu verehrenden Übernatürlichen definiert oder adoptiert. Diese sind also weniger logische Ableitungen aus einem Lehrsystem, sondern gewachsene Antwort auf die Fragen und Bedürfnisse vieler Glaubender. Und dennoch bewegt sich der Buddhismus - gerade auch in seinen Rezeptionen durch westliche Suchende - immer wieder besonders nah an Grenzbereichen religiöser und philosophischer Systeme und ist auch deswegen religionswissenschaftlich besonders interessant. Ich bin daher froh und dankbar, dass Mona - vielen hier als sorgfältig lesende, selbständig recherchierende und angenehm fair diskutierende Kommentatorin bekannt - sich bereit erklärt hat, uns einmal ihr persönlich gewonnenes Verständnis des Zen-Buddhismus zu schildern. Sie hat dem Blog und damit Ihnen allen zudem zwei wunderschöne Fotos gestiftet, die für konstruktive Zwecke frei verwendet werden dürfen. Für Diskussionsbeiträge und Fragen steht Mona auch gerne zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen allen eine informative und anregende Lektüre & Diskussion! M.B.

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Warum gibt es noch Atheisten?

22. Oktober 2009, 23:13

Mit Wolfgang Achtner, Eckart Voland und Ulrich Frey finden sich an der Universität Gießen gleich drei Wissenschaftler, die bereits spannende Beiträge zur Evolutionsforschung der Religion veröffentlicht und auch Tagungen dazu (mit-)organisiert haben. Hinzu kommen noch viele interessierte Kolleginnen und Kollegen sowie Studentinnen und Studenten, die sich mit den Themen schon intensiver befasst haben - und so haben die Diskussionen dort längst besondere Qualität und ich freue ich mich jedes Mal besonders, wenn eine Einladung nach Gießen (diesmal zur ESG von Wolfgang Achtner) erfolgt. Im Rahmen eines Vortrags- und Diskussionsabends sollte ich vor einigen Monaten die (z.B. in Gott, Gene und Gehirn ausführlich dargestellten) empirischen Befunde noch einmal kurz zusammenfassen und etwas Stoff zu weiterführenden Debatten liefern.

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Geschrieben in Grundlagen , Phänomene , Vorurteile , Säkularstudien | 48 Kommentare | 0 Trackbacks | Permalink


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