14. März 2011, 12:00
Rezension
Ulrich Ott, Meditation für Skeptiker, Ein Neurowissenschaftler erklärt den Weg zum Selbst, O. W. Barth Verlag
Dieses Buch trifft den Nerv der Zeit. Es ist für Menschen geschrieben, die nach einer spirituellen Tiefendimension ihres Lebens suchen, ohne auf aufgeklärte Wissenschaft verzichten zu wollen. Der Autor,
Neurowissenschaftler am Bender Institute of Neuroimaging an der
Justus Liebig Universität ist ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der Meditationsforschung. In der Abfolge von fünf traditionellen Techniken der Meditation, also solchen, die sich auf Körperhaltung, Atmen, Fühlen, Denken und Sein, beziehen, entfaltet er zunächst ein Panorama der Weite meditativ-spirituellen Lebensvollzuges. Es kommt dem Autor dabei darauf an, durch diese methodische Anleitung die spirituelle Erlebnisdimension des Menschen aufzuschließen. Explizit enthält er sich dabei einer religiösen Deutung dieses Erlebens. Vielmehr kommt es ihm darauf an, die Erlebnisdimensionen mit Hilfe der neurowissenschaftlichen Forschungen auf eine naturwissenschaftliche Grundlage zu stellen und zugleich die positiven Effekte von Meditation in Bezug auf Gesundheit in all ihren Dimensionen zu identifizieren. So erfährt man einiges über die höhere Stressresistenz, geringere Depressivität von Meditierenden. Auch die Stärkung des Immunsystems kann man nach den Ergebnissen einiger Untersuchungen anführen. Der Autor führt auf diese Weise in ein spannendes, neues Forschungsfeld ein, von dem noch einiges Interessante über die Wirkungsweise des Gehirns erwartet werden kann, wenn es mit Hilfe verschiedener Meditationsmethoden trainiert wird. Dabei wird man erwarten können, dass sich vor allem das Konzept der Neuroplastizität als ein Zukunftskonzept der Hirnforschung herausstellen wird, ein Konzept, das weit über die methodischen und ideologischen Engführungen von deterministischen Menschenbildern hinausgeht, die von einigen Hirnforschern vertreten werden. Dies wird besonders in den Forschungen von Britta Hölzel deutlich, die nachgewiesen hat, dass Meditierende in mehreren Hirnregionen eine größere Dichte grauer Substanz aufweisen. Damit ist auch im Hinblick auf die allgemeine Gesundheitslage der Bevölkerung ein neues Tor aufgestoßen. Denn es ist klar, dass sowohl die weite Verbreitung psychischer Probleme wie auch unser marodes und kostenträchtiges Gesundheitssystem Indikatoren sind, die auf eine unheilsame Lebenseinstellung vieler Menschen hinweisen. Meditation empfiehlt sich hier als kostengünstiges Heilmittel, da es dem Menschen eine Methode an die Hand gibt, selbst seine Gesundheit in Eigenverantwortung in die Hand zu nehmen.
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