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Willensfreiheit in der Theologie

07. April 2011, 10:02

Das Problem der  Willensfreiheit bewegt doch immer noch sehr die Gemüter. Wer sich für die theologischen Aspekte interessiert, der sei auf folgendes Interview verwiesen, das Arvid Leyh mit mir geführt hat. Schaut mal rein ...

Freier Wille und Religion - Video

Die Theologie hat ein etwas umfassenderes Menschenbild und kann vielleicht sogar damit die Hirnforschung inspirieren. Mehr darüber in einem späteren Blog.

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Willensfreiheit Verantwortung Ethik

05. April 2011, 10:17

Nach der freundlichen Rezension meines Buches "Willensfreiheit in Theologischie und Neurowissenschaft - Ein historischer und systematischer Wegweiser" durch Michael Blume fühle ich mich ermutigt, den dort entwickelten Gedankenfaden in Bezug auf die Rettung menschlicher Verantwortung und Ethikfähigkeit noch einmal aufzunehmen und zu konkretisieren. Wie bekannt lautet das mit großem öffentlichen Pomp verkündete Evangelium führender Neurowissenschaftler, dass aufgrund der Ergebnisse der der Libetexperimente, dem Menschen keine Willensfreiheit zukomme und er deswegen von der Last der Verantwortung für seine Taten entbunden sei. Zwar lässt man sich ein taktisches Hintertürchen offen, indem man argumentiert, die Verantwortung sei eine Zusprechung an den Einzelnen durch die Gesellschaft, um selbst nicht verantwortlich zu sein für ein drohendes Chaos angesichts eines dann möglichen anything goes. Wenn aber die Willensfreiheit fällt, fällt nicht nur die Verantwortung, sondern auch die Ethik, macht doch ethisch verantwortetes Verhalten nur einen Sinn vor dem Hintergrund der Freiheit. Es ist erstaunlich, mit welchem missionarischen Eifer diese Selbstversklavung des Menschen durch führende Neurowissenschaftler als Evangelium verkauft wird. » weiter

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Mystik - Meditation - Glaube - Spiritualität - Wissenschaft

14. März 2011, 12:00

Ulrich Ott: MeditationRezension

Ulrich Ott, Meditation für Skeptiker, Ein Neurowissenschaftler erklärt den Weg zum Selbst, O. W. Barth Verlag

Dieses Buch trifft den Nerv der Zeit. Es ist für Menschen geschrieben, die nach einer spirituellen Tiefendimension ihres Lebens suchen, ohne auf aufgeklärte Wissenschaft verzichten zu wollen. Der Autor, Neurowissenschaftler am Bender Institute of Neuroimaging an der Justus Liebig Universität ist ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der Meditationsforschung. In der Abfolge von fünf traditionellen Techniken der Meditation, also solchen, die sich auf Körperhaltung, Atmen, Fühlen, Denken und Sein, beziehen, entfaltet er zunächst ein Panorama der Weite meditativ-spirituellen Lebensvollzuges. Es kommt dem Autor dabei darauf an, durch diese methodische Anleitung die spirituelle Erlebnisdimension des Menschen aufzuschließen. Explizit enthält er sich dabei einer religiösen Deutung dieses Erlebens. Vielmehr kommt es ihm darauf an, die Erlebnisdimensionen mit Hilfe der neurowissenschaftlichen Forschungen auf eine naturwissenschaftliche Grundlage zu stellen und zugleich die positiven Effekte von Meditation in Bezug auf Gesundheit in all ihren Dimensionen zu identifizieren. So erfährt man einiges über die höhere Stressresistenz, geringere Depressivität von Meditierenden. Auch die Stärkung des Immunsystems kann man nach den Ergebnissen einiger Untersuchungen anführen. Der Autor führt auf diese Weise in ein spannendes, neues Forschungsfeld ein, von dem noch einiges Interessante über die Wirkungsweise des Gehirns erwartet werden kann, wenn es mit Hilfe verschiedener Meditationsmethoden trainiert wird. Dabei wird man erwarten können, dass sich vor allem das Konzept der Neuroplastizität als ein Zukunftskonzept der Hirnforschung herausstellen wird, ein Konzept, das weit über die methodischen und ideologischen Engführungen von deterministischen Menschenbildern hinausgeht, die von einigen Hirnforschern vertreten werden. Dies wird besonders in den Forschungen von Britta Hölzel deutlich, die nachgewiesen hat, dass Meditierende in mehreren Hirnregionen eine größere Dichte grauer Substanz aufweisen. Damit ist auch im Hinblick auf die allgemeine Gesundheitslage der Bevölkerung ein neues Tor aufgestoßen. Denn es ist klar, dass sowohl die weite Verbreitung psychischer Probleme wie auch unser marodes und kostenträchtiges Gesundheitssystem Indikatoren sind, die auf eine unheilsame Lebenseinstellung vieler Menschen hinweisen. Meditation empfiehlt sich hier als kostengünstiges Heilmittel, da es dem Menschen eine Methode an die Hand gibt, selbst seine Gesundheit in Eigenverantwortung in die Hand zu nehmen. » weiter

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Religion - Ort der Beheimatung und Identität?

17. Oktober 2010, 11:42

„The clash of cultures“ des amerikanischen Politologen Samuel Huntington war Alarmsignal in einer Welt, die sich auf eine sich immer mehr vereinheitlichende Globalkultur hinzubewegen meinte. Man könnte – spätestens seit dem 11. September – seine Thesen auch umformulieren und von „The clash of religions“ sprechen. Dass dies verhindert werden muss, versteht sich von selbst. Wie aber kann angesichts der ungeheuren Verschiedenheit der Religionen ein Miteinander gedeihen?

Reicht das optimistische und vielleicht etwas zu optimistische Weltethosprojekt von Hans Küng dazu aus? Hat eine auf Ethik verdünnte Religiosität die Kraft, zentrifugale Tendenzen abzufangen? Gibt es so etwas wie eine Beheimatung in den Religionen, eine Identität, die sich gegenüber so verschiedenen Religionen wie die der Sikhs und dem französischen Katholizismus durchhält, ohne in allgemeine Appelle eines friedlichen Miteinanders abzugleiten? Oder positiv gefragt: Gibt es in den Religionen selbst Aspekte, die in einer globalisierten Welt das Moment der Beheimatung und der Identität gleichermaßen befördern?  » weiter

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Heimat und Identität: Technosapiens und Cyborg

06. Oktober 2010, 13:49

Das Internet mit seinen vielfältigen Informationsressourchen und Foren aller Art wird immer mehr für viele Menschen zur zweiten Heimat – zur virtuellen Heimat. Manche legen sich im Internet auch eine zweite oder gar mehrere neue Identitäten zu, bis hin zu einem vollständig virtuellen Leben wie in Second Life. Ist das Internet damit der Ort, an dem neue Heimaten, neue Identitäten generiert werden?  » weiter

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Heimat - notwendig und ambivalent

29. September 2010, 08:01

Heimat ist in der Tat ein hochemotional besetzter Begriff, da hat Michael Blume recht. Und Herbert Gronemeyer sicher auch, wenn er meint: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.“
Aber er ist nicht nur hochemotional, er ist auch hochambivalent. Dies ist er insofern, als Heimat immer auch mit Abgrenzung oder gar Ausgrenzung gegenüber dem Nichtheimatlichen verbunden ist. Ist der Weltbürger und Kosmolopit ein heimatloser Geselle, ein Vagabund und Nomade? Und ist der Heimatverbundene derjenige, der rückständig an der Enge seiner kleinen Scholle klebt?

Ich habe diese Ambivalenz von Heimat in meinem Leben in sehr unterschiedlichen Formen erlebt, die ich nun kurz skizziern möchte. Meine geographische Heimat ist ein kleines landschaftlich sehr reizvolles Dorf in Hessen, in dem ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe. Es wurde jedoch nie zu meiner seelischen Heimat. Dies lag daran, dass mein heimatvertriebener und mit Krankheit geschlagener Vater niemals in diesem Dorf innerlich heimatlich wurde, wie viele andere Heimatvertriebene wahrscheinlich auch. Wie brisant gerade das Los der Heimatvertriebenen immer noch ist, zeigt der Fall Erika Steinbach und das Berliner Museum für Vertreibung. Die Welt der Schützenvereine, Sportvereine etc., die dörfliche Gemeinschaft mit ihrer Geborgenheit und Vertrautheit, aber auch ihrer Enge, sozialen Kontrolle und Vereinsmeierei blieb ihm verschlossen. Dies übertrug sich auf mich, mir ging es auch so.  » weiter

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Denkanstöße - ... Und Darwin hat doch recht.

12. August 2010, 11:02

Wer sich über neueste Fragestellungen, Ergebnisse und Probleme der modernen Evolutionsbiologie informieren will, wird bei diesem Buch von Volker Sommer, Professor für evolutionäre Anthropologie in London, reichlich Stoff finden. Wer sich von eigenständigem Denken, ideologiekritischem Diskurs und dem Infragestellen lieb gewonnener Vorurteile nicht abschrecken lässt, wem auch heilige Kühe den Nachweis ihrer Heiligkeit erbringen müssen, der wird in diesem Buch auf seine Kosten kommen. Wer darüber hinaus Wert auf eine gute Prosa legt und auch Unterhaltung in einem wissenschaftlichen Buch nicht verschmäht, wird von dem Wortkünstler Volker Sommer in diesem an flotten Formulierungen, überraschenden Vergleichen, Wortwitz, anekdotischen und autobiografischen Ingredienzien reichen Buch reichlich mit Stoff zur Heiterkeit versorgt. In jedem Fall ist das Buch unabhängig von seinem wissenschaftlichen Gehalt ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Worum aber geht es, wenn der Autor Horizonte der Evolutionsbiologie aufzeigen will? In sieben Kapiteln verhandelt Sommer verschiedene Themen, die für die Evolutionsbiologie relevant sind. » weiter

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Denkanstöße - Wege zu einer Philosophie der Biologie

07. August 2010, 11:17

Es ist nicht jedem Wissenschaftler gegeben, im Alter von 100 Jahren die Früchte eines langen Forscherlebens noch einmal in einem brillant geschriebenen Buch zusammenzubringen und zugleich Perspektiven für die Zukunft der eigenen Wissenschaft zu entwickeln. Dem großen deutsch-amerikanischen Evolutionsforscher und Ornithologen Ernst Mayr (1904-2005) war diese Krönung eines reichen Forscherlebens vergönnt.

Ein großartiges Buch von einem großartigen Forscher, der mit Recht als der Darwin des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird. Wer etwas über das Wesen der Evolution und den wissenschaftstheoretischen und philosophischen Status der Biologie erfahren will, der wird in diesem Buch, das alle zentralen Probleme der Evolutionstheorie souverän behandelt und in einer glänzenden wissenschaftlichen Prosa darbietet, reichlich Inspirationen finden. Das Buch stellt eine Sammlung von Aufsätzen dar, teilweise viele Jahre auseinanderliegend, die Mayr dennoch so gegliedert hat, dass der rote Faden und das zentrale Anliegen des Autors deutlich werden. Es geht Mayr in seinem letzten großen Werk um drei Dinge, erstens die Klärung dessen, was die Evolution eigentlich ist, zweites um die Besonderheit der Biologie im Verhältnis zu den „harten Naturwissenschaften“ wie Physik und Chemie und drittens um den daraus sich ergebenden wissenschaftstheoretischen Status der Biologie. Schauen wir uns diese drei Aspekte genauer an.  » weiter

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Denkanstöße - Von der Adaption zur Illusion

05. August 2010, 09:10

Der Wiener Wissenschaftstheoretiker Franz Wuketis verspricht in seinem Buch über Willensfreiheit Erkenntnis und Unterhaltung. Wissenschaft mit Unterhaltungswert ist an sich eine gute Sache, doch wenn der Wissenschaftler zugleich Schauspieler sein will, ist die Gefahr nicht ganz ausgeschlossen, dass die Suche nach der Wahrheit der Effekthascherei durch Showelemente und verkürzter Argumentation um des griffigen Witzes willen geopfert wird. In der Tat erfährt man einiges über den Kater Simla des Autors und seine Essgewohnheiten. Wir werden sehen, ob der Autor den Gefahren des Sciencetainments erlegen ist.

Im Konzert der vielen marktgerechten Stimmen zur Willensfreiheit besticht zunächst die Leitfrage, die Wuketis stellt. Kann die Willensfreiheit des Menschen – Wuketis unterscheidet Gedankenfreiheit, Entscheidungsfreiheit und Handlungsfreiheit – evolutionstheoretisch begründet werden. Man sollte erwarten, dass der Autor dann daran geht, im Sinne optimaler Adaption an die Umwelt, oder auch optimaler Umgestaltung der Umwelt im Sinne des Menschen die Willensfunktion des Menschen und ihre verschiedenen Handlungsoptionen evolutionär zu begründen. Weit gefehlt! Es geht dem Autor im Gegenteil darum, die Evolution der Unfreiheit des Menschen darzulegen und die Willensfreiheit unter evolutionärem Gesichtspunkt nicht ohne ein gewisses aufklärerisches Pathos als Illusion zu entlarven. Dazu muss dem Leser zunächst einmal klargemacht werden, dass auch Illusionen adaptiv sein können, ein verblüffender Gedanke, scheinen sich doch Adaption und Illusion zunächst logisch auszuschließen.

Der Autor nimmt indessen einen langen Anlauf, um zu begründen, dass Illusionen durchaus evolutionär gesehen vorteilhaft sein können. Als Mitglied der Giordano Bruno Gesellschaft weiß Wuketis, dass beispielsweise Religionen zwar einerseits illusionär sind, andererseits aber durchaus evolutionär vorteilhaft sein können. Bekanntlich ist auch Astrologie eine große Illusion, aber wie vielen Menschen spendet sie Trost und Zuversicht! Der Autor spricht vom Menschen geradezu als von einem illusionsbedürftigen Wesen. Aber wie in der Astrologie kann auch die Illusion der Religion dem Menschen evolutionäre Vorteile bringen: „Vielmehr darf das Gehirn sogar die größten Irrtümer produzieren, sofern die seinem Träger nicht schaden. Im Falle der Religion bzw. Religiosität liegt aus evolutionstheoretischer Sicht die Annahme nahe, dass der Gottesglaube oder der Glaube an irgendwelche ‚höheren Mächte‘ Anpassungsvorteile mit sich brachte.“ (S. 45)  » weiter

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Mathematik, Wissenschaft und Mystik

21. Mai 2010, 17:00

Wer fragt, ob es möglich, nötig oder auch wünschenswert ist, alle Wissenschaften zu mathematisieren, muss die Rückfrage erlauben, wie wissenschaftliches Wissen überhaupt zustande kommt. Untersucht man die Wissenschaftsgeschichte unter dieser Fragestellung und damit auch den unleugbar voranschreitenden Prozess der Mathematisierung der Wissenschaften, so ist nicht zu übersehen, dass mit der Verwissenschaftlichung der „Wirklichkeit“ eine entscheidende Umprägung zentraler Kategorien unserer Wirklichkeitserfassung einhergeht. Schlagwortartig möchte ich dies folgendermaßen formulieren: Naturwissenschaft ist die Transformation von qualitativer Wahrnehmung in quantitative Begriffe. Anhand einiger Beispiele möchte ich verdeutlichen, dass damit die wissenschaftliche Weltsicht in symbolischen Akten erzeugt wird. Wissenschaft ist also das Ergebnis eines schöpferischen Symbolbildungsprozesses. Sehen wir uns dazu verschiedene Formen quantitativer Wahrnehmung an.  » weiter

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