Hat die Synagoge ausgedient?
Hat die Synagoge ausgedient? Wie sieht es mit ihr aus, seitdem in Israel das Nationale wieder eingekehrt ist?
Naja, da sieht es eindeutig schlecht aus. Aber ist das Schlechte wirklich schlecht? Warum haben so viele, ja die allermeisten Juden kaum noch Interesse am Synagogalen?
Tatsache ist, dass Juden in unserem Zeitalter schlichtweg nicht mehr auf den synagogalen Schutzraum angewiesen sind. Dass das Volk sich in der Hochantike langsam in eine Religion verwandelte, ermöglichte zwar, wenn auch in extrem sublimierter Weise, das Überleben bis in die späte Neuzeit, ist dann aber offensichtlich zur Last auf dem Rücken der Geschichte geworden.
Was deutet es mir als angehendem Rabbiner an?
Ja, das gehört zu unserer Kultur mit dazu. Ja, auch von dort kommen wir her. Und: Ja, das begleitet uns ebenfalls weiter. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Und nun, wo wir wieder eine Öffentlichkeit haben, den eigenen Staat im eigenen Land, wo die Kultur sich endlich auch im Politischen entfalten darf, ist dieses real existierende Gemeinwesen, ist diese Wirklichkeit zum Guten und manchmal auch zum Schlechten unsere Synagoge.
Wenn man dieser Öffentlichkeit, also der Praxis zuhört, sagt sie deutlich und klar: Die heutige Synagoge heißt Israel. Und dieses Israel ist weit mehr als alles, was abgekapselte Synagogenräume je sein könnten. Nicht zufälligerweise interessieren sich selbst im nichtjüdischen Ausland die meisten Menschen, die sich bewusst als Juden verstehen, mehr für das Geschehen im jüdischen Inland als für den Inhalt dieses oder jenes Gebetbuches.
Unsere Zeit ist Zeuge einer gewaltigen Wiederkehr des Verdrängten. Und das hat alles erst angefangen.
Ich bin gespannt.
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