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  <link>http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig</link>
  <description> Wien. Heidelberg. Berlin: ein israelischer Blick auf Deutschland 
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  <pubDate>Fri, 13 Apr 2012 18:15:25 +0200</pubDate>
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    <item>
   <title>&#x4c;&#x65;&#x62;&#x65;&#x6e;&#x73;&#x7a;&#x65;&#x69;&#x63;&#x68;&#x65;&#x6e;</title>
   <description>
    Nach einer langen Pause melde ich mich hier wieder zu Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum habe ich so lange geschwiegen? Vor allem aus beruflichen Gr&amp;uuml;nden, denn ich habe momentan sehr viel zu tun. Aber auch, weil ich seit einigen Monaten etwas nachhole, was ich mehr oder weniger jahrelang vernachl&amp;auml;ssigt habe, n&amp;auml;mlich das Schreiben in meiner Muttersprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende 2010 bin ich der Deutschlandkorrespondent von Maariv, einer israelischen Tageszeitung (eigentlich der zweitgr&amp;ouml;&amp;szlig;ten unter den verkauften), geworden. Da geht es nat&amp;uuml;rlich in erster Linie um die Druckausgabe, aber als Verlagsautor habe ich auch auf der Zeitungswebsite einen Kolumne bzw. einen Blog bekommen, wo ich meinen bizarren Gedanken an der Schnittstelle zwischen Deutschland und Israel, Jerusalem und Berlin freien Lauf lassen kann. Und ich muss zugeben, dass dieser erneute Kontakt zu meinen Landleuten f&amp;uuml;r mich momentan noch eine ganz interessante Erfahrung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;hr width=&quot;100%&quot; size=&quot;2&quot; /&gt;
&lt;br /&gt;
In letzter Zeit sind mir aber auch mehrere Leute &amp;uuml;ber den Weg gelaufen, die ich bis dahin nicht gekannt habe, die aber mich von diesem deutschen Blog kennen. Da wurde mir allm&amp;auml;hlich klar, dass ich hier, ohne es zu planen oder gar zu wollen, nichtsdestoweniger treue Leser vernachl&amp;auml;ssigt habe&amp;hellip;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Womit befasse ich mich also zurzeit noch? Zum Beispiel mit der &amp;Uuml;bersetzung eines Buches, das ein israelischer Denker &amp;uuml;ber Paulus geschrieben hat. Ich finde es gro&amp;szlig;artig, wie Israelis ihre verlorenen Kulturg&amp;uuml;ter wie etwa das Neue Testament langsam dorthin zur&amp;uuml;ckbringen, wo diese Kulturg&amp;uuml;ter auch hingeh&amp;ouml;ren; und wie Deutsche, also etwa der Verlag, f&amp;uuml;r den ich diese &amp;Uuml;bersetzung anfertige, solchen Israelis Zug&amp;auml;nge in die deutsche &amp;Ouml;ffentlichkeit erm&amp;ouml;glichen. Ende des Monats findet im Literarischen Colloquium Berlin die erste deutsch-israelische &amp;Uuml;bersetzerwerkstatt mit 12 Teilnehmern statt, die entweder aus dem Hebr&amp;auml;ischen ins Deutsche oder umgekehrt &amp;uuml;bersetzen &amp;ndash; ich bin auch eingeladen und freue mich sehr darauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;hr width=&quot;100%&quot; size=&quot;2&quot; /&gt;
&lt;br /&gt;
Au&amp;szlig;erdem versuche ich ab und zu auch wieder ehrenamtlich t&amp;auml;tig zu sein, z. B. als Mitorganisator eines neuen israelischen Kulturhauses in Berlin, genannt &amp;raquo;habait&amp;laquo; (die Initiatoren hei&amp;szlig;t Nirit Bialer, die ihr wohl noch nicht kennt, aber mich d&amp;uuml;nkt, euch wird ihr Name in Zukunft mal wieder begegnen). Gestern fand die zweiteilige Auftaktveranstaltung statt: Markus Flohr las aus seinem Buch &amp;raquo;Wo samstags immer Sonntag ist&amp;laquo; vor und sprach nat&amp;uuml;rlich auch dar&amp;uuml;ber (ein gen&amp;uuml;ssliches Muss f&amp;uuml;r jeden Deutschen, der sich f&amp;uuml;rs j&amp;uuml;dische Land interessiert), dann trat eine israelische S&amp;auml;ngerin auf, die jetzt in Berlin lebt und deren Songs mich um Jahre zur&amp;uuml;ckversetzt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da geschah es pl&amp;ouml;tzlich, mittendrin im Konzert: Ich wusste nicht mehr, was ich hier denn tue und warum ich noch in Deutschland bin. Will sagen: Es gibt nat&amp;uuml;rlich zig Gr&amp;uuml;nde daf&amp;uuml;r, die ich aufz&amp;auml;hlen kann, nur leuchtet mir das Ganze mit der Zeit irgendwie immer weniger ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;hr width=&quot;100%&quot; size=&quot;2&quot; /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind jetzt ca. f&amp;uuml;nf Jahre, dass ich &amp;raquo;hier&amp;laquo; bin. Viel hat sich in dieser Zeit ge&amp;auml;ndert (vieles auch nicht). Nun habe ich einen gewissen Status, den ich mir erarbeitet habe, und knapp vier verschiedene Berufe, die mich ganz in Anspruch nehmen &amp;ndash; doch je besser es mir geht, umso weniger wei&amp;szlig; ich, was ich wirklich will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor f&amp;uuml;nf Jahren habe ich mein Land verlassen, um Deutschland zu erforschen, gleichsam ein Ethnograf die deutsche Seele zu ergr&amp;uuml;nden, oder zumindest das, was davon noch &amp;uuml;brig bleibt. Was ich direkt zu diesem Thema zu sagen hatte, habe ich hier in vielen Texten beschrieben und erl&amp;auml;utert. Ich habe mir zwar keine gro&amp;szlig;e M&amp;uuml;he gegeben, aber ab und zu doch versucht, wenige Grundtexte irgendwo unterzubringen &amp;ndash; bislang ohne Erfolg, was ich schlie&amp;szlig;lich auch verstehen kann, denn es ist keine leichte Kost. Jedenfalls steht dank der Chronologs meine kleine &amp;raquo;Germanologie&amp;laquo; oder Deutschlandphilosophie im Netz und somit lasse ich mein Brot &amp;uuml;bers Wasser fahren (vgl. Prediger 11:1). Meine Feldforschung, sozusagen, d.h. meine pers&amp;ouml;nliche Auseinandersetzung mit Deutschland und den Deutschen, ist im Wesentlichen beendet: Was ich hierzulande an Menschen und Anregungen gefunden habe, habe ich gefunden, und was ich nicht gefunden habe, habe ich nicht gefunden &amp;ndash; viel wird sich hieran in absehbarer Zukunft wohl nicht &amp;auml;ndern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;hr width=&quot;100%&quot; size=&quot;2&quot; /&gt;
&lt;br /&gt;
Was mich hier noch h&amp;auml;lt, ist nunmehr nur noch das Berufsleben. Und dennoch &amp;ndash; oder auch gerade deswegen &amp;ndash; komme ich nicht zur Ruhe. Je weniger Sorgen ich mir machen muss, umso schlechter kann ich nachts schlafen, wenn sich mir die Fragen aufdr&amp;auml;ngen: Wo soll das aber hinf&amp;uuml;hren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bin ich ehrlich zu mir selbst, so muss ich zugeben: Ich bin hier nicht gl&amp;uuml;cklich, f&amp;uuml;hle mich auch nicht zu Hause. Wie lange das noch gehen kann, wei&amp;szlig; ich nicht, desgleichen aber, ob es mir anderw&amp;auml;rts besser ginge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beschweren aber darf ich mich nicht, also versinke ich lieber, ohne tiefe Gedanken an die Zukunft und den Sinn meiner kleinen Existenz, wieder in die j&amp;uuml;dische Psychoanalyse der Paulusbriefe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PS.&lt;br /&gt;
Dieser war der 160. Text in &amp;raquo;un/zugeh&amp;ouml;rig&amp;laquo;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
   </description>
   <link>http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/allgemein/2011-06-20/lebenszeichen</link>
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      <dc:creator>sapir</dc:creator>
      
    <category>Allgemein</category>
         <pubDate>Mon, 20 Jun 2011 12:25:43 +0200</pubDate>
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     </item>
    <item>
   <title>&#x44;&#x69;&#x65;&#x20;&#x6a;&#xfc;&#x64;&#x69;&#x73;&#x63;&#x68;&#x65;&#x6e;&#x20;&#x47;&#x72;&#x75;&#x6e;&#x64;&#x6c;&#x61;&#x67;&#x65;&#x6e;&#x20;&#x64;&#x65;&#x73;&#x20;&#x6d;&#x6f;&#x64;&#x65;&#x72;&#x6e;&#x65;&#x6e;&#x20;&#x4e;&#x61;&#x74;&#x69;&#x6f;&#x6e;&#x61;&#x6c;&#x73;&#x74;&#x61;&#x61;&#x74;&#x73;</title>
   <description>
    &lt;p&gt;
Das Jerusalemer Forschungsinstitut &amp;raquo;Shalem&amp;laquo; (s. &lt;a href=&quot;http://www.shalem.org.il/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;) hat sich zum Ziel gesetzt, unsere Perspektiven aufs J&amp;uuml;dische an sich sowie auf dessen Bez&amp;uuml;ge zur Welt zu erweitern.
&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;
Dazu geh&amp;ouml;rt auch seine wissenschaftliche Arbeit auf der Schnittstelle zwischen Staatspolitik, Judentum und Ideengeschichte, die es &lt;a href=&quot;http://www.shalem.org.il/Program-Description/Political-Hebraism.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Politischen Hebraismus&lt;/a&gt; nennt.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Das Institut ist jetzt im Begriff, eine Hochschule zu werden. Es agiert auf Englisch (seine Existenz verdankt es dem nordamerikanischen Finanzjudentum) und nat&amp;uuml;rlich auf Hebr&amp;auml;isch, denn schlie&amp;szlig;lich geht es darum, zeitgem&amp;auml;&amp;szlig;e &amp;raquo;Ideen f&amp;uuml;r die j&amp;uuml;dische Nation&amp;laquo; herauszuarbeiten - so der Wahlspruch seiner englisch-hebr&amp;auml;ischen Zeitschrift. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Und warum schreibe ich das gerade jetzt? Weil ich heute &amp;uuml;ber ein sehr interessantes Video gestolpert bin, in dem &lt;a href=&quot;http://www.shalem.org.il/Biography-Current/Faculty-Meirav-Jones.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Meirav Jones&lt;/a&gt;, eine wiss. Mitarbeiterin des Instituts, erkl&amp;auml;rt, warum der moderne Nationalstaat im J&amp;uuml;dischen verwurzelt ist (und hei&amp;szlig; ist sie auch): 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&amp;nbsp;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
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&lt;/p&gt;
   </description>
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      <dc:creator>sapir</dc:creator>
      
    <category>Geschichte</category>
         <pubDate>Mon, 28 Feb 2011 21:57:49 +0100</pubDate>
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     </item>
    <item>
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   <description>
    &lt;p&gt;
Einige Erinnerungen und Gedanken zur Ehrlichkeit in den Wissenschaften.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;a href=&quot;http://www.scilogs.de/artikel/1064849&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.scilogs.de/artikel/1064849&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: center&quot;&gt;
&lt;img src=&quot;http://www.wissenslogs.de/wblogs/gallery/31/previews-med/2656-2654-eidw_white.png&quot; width=&quot;322&quot; height=&quot;104&quot; /&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;br /&gt;
I.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Ende
des Wintersemesters 2002/03 trafen sich die Teilnehmer an der 
geschichtswissenschaftlichen &amp;Uuml;bung zum Thema al-Andalus zum letzten Mal 
vor den &amp;raquo;Ferien&amp;laquo;. Wie ich hier schon mal erkl&amp;auml;rt habe, dauern die 
Lehrveranstaltungen in Israel meistens doppelt so lange wie in 
Deutschland, n&amp;auml;mlich ein Studienjahr bzw. zwei Semester. Das letzte 
Treffen im Wintersemester dient also immer auch zur Erteilung der 
Aufgaben f&amp;uuml;r die vorlesungsfreie Zeit.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Wohl wissend, wie viel 
wir sonst schon zu tun hatten, erkl&amp;auml;rte uns der Dozent &amp;ndash; ganz nach dem 
Motto &amp;raquo;Schwer bei der &amp;Uuml;bung, leicht im Einsatz&amp;laquo; &amp;ndash; f&amp;uuml;nf oder sechs 
Aufgaben, von denen jede v&amp;ouml;llig ausgereicht h&amp;auml;tte. Man verabschiedete 
sich f&amp;uuml;r die Zwischenzeit mit deutlicher Verzweiflung.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Anfang des
Sommersemesters kamen die ca. drei&amp;szlig;ig Teilnehmer wieder zusammen. Drei 
oder vier bekamen ihre Arbeiten vom Dozenten benotet zur&amp;uuml;ck. Alle 
anderen, hie&amp;szlig; es, sollten zu seiner Sprechstunde. Auf einmal war uns 
klar, dass fast alle der Herausforderung nicht gewachsen waren und diese
zu zweit zu erledigen suchten. Und: Dass der Dozent ganz genau gewusst 
hatte,&amp;nbsp; was er tut.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Wir trafen uns also, knapp 13 Paare, vor 
seinem B&amp;uuml;ro. Gr&amp;uuml;nde f&amp;uuml;r den ganzen Schlammassel gab es genug. In meinem 
Fall lag es am Partner, der zu faul war, um meine Antworten f&amp;uuml;r die 
gr&amp;ouml;&amp;szlig;te und schwierigste Aufgabe ausreichend abzu&amp;auml;ndern.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Der 
Dozent aber zeigte sich wohlwollend mit seinen Spielfiguren: Ihm ging es
nicht darum, uns das Leben noch mehr zu erschweren; vielmehr wollte er 
uns abh&amp;auml;rten. Ein feiner Zweck. Es wurde also keiner von uns &amp;raquo;angezeigt&amp;laquo;
(wie h&amp;auml;tte er als Dozent wohl auch erkl&amp;auml;rt, dass fast alle Teilnehmer 
sich dazu gezwungen sahen?). Daf&amp;uuml;r sollten wir die ganze Drecksarbeit 
von vorne beginnen &amp;ndash; mit neuen Aufgaben. Hinzu kamen am Semesterende 
auch die Jahresabschlussaufgaben, sodass alles ziemlich schlimm aussah.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Da
ich von meinem Kumpel nur eine Antwort &amp;uuml;bernahm, fand ich meine 
Situation a bissl ungerecht. Wir gingen also zusammen zum Dozenten und 
der Kumpel erkl&amp;auml;rte den Sachverhalt. Er blieb mit den Strafaufgaben, ich
jedoch musste nur noch f&amp;uuml;r die eine Aufgabe kompensieren, die der 
Kumpel mir gab.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Das tat ich dann auch. Ich bestand die &amp;Uuml;bung mit
einer guten Note und konnte weitermachen bis zur magna cum laude. Der 
Freund kriegte es aber nicht mehr hin &amp;ndash; es waren einfach zu viele 
Aufgaben f&amp;uuml;r einen kurzen Sommer. Er verzichtete auf die ganze, zwei 
Semester lange &amp;Uuml;bung. Doch weil der Geschichtsstudium extrem 
hierarchisch aufgebaut ist, hatte es zur Folge, dass sein ganzes Studium
sich um ein Jahr verz&amp;ouml;gert h&amp;auml;tte &amp;ndash; dann lie&amp;szlig; er diesen Studiengang 
schlie&amp;szlig;lich komplett liegen und wurde nur noch Germanist.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Als 
Trost bekam er von mir ein Jahresstipendium in Berlin, das mir gew&amp;auml;hrt 
wurde. Ich f&amp;uuml;hlte mich damals noch nicht reif genug f&amp;uuml;r die deutsche 
Erfahrung, verzichtete f&amp;uuml;nf Minuten vor zw&amp;ouml;lf auf das Stipendium und 
erz&amp;auml;hlte nur ihm davon, sodass er der einzige Neubewerber war.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Waren
wir ehrlich? Wahrscheinlich nicht. Sowohl der Kumpel als auch ich 
wussten es. Aber das ist ja banal. Viel wichtiger ist die Frage: 
Inwiefern war der Dozent ehrlich, der mit Absicht provozierte?&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Aus
seinem unterm Strich doch irgendwie wohlwollenden Verhalten w&amp;uuml;rde ich 
schlie&amp;szlig;en, dass er sich seiner Unehrlichkeit bewusst war, auch wenn er 
nicht alle Konsequenzen im Blick hatte.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
II.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
In 
meinem letzten Jahr in Jerusalem belegte ich bei einer Gastdozentin aus 
Kontinentaleuropa eine Lehrveranstaltung zu Konstruktionen des 
Holocaustbegriffs. Es war ein Seminar, aber ich hatte kein Seminar mehr 
n&amp;ouml;tig, also reichte ich nur eine kurze Arbeit ein. Ich bekam sie mit 
einer (umgerechnet) 1,3 zur&amp;uuml;ck. So weit, so gut.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Einige Wochen 
sp&amp;auml;ter traf ich in der Stadt auf einen anderen Teilnehmer aus diesem 
Seminar. &amp;raquo;Eine spannende Arbeit hast du geschrieben&amp;laquo;, sagte er mir, &amp;raquo;nur
leider etwas zu kurz f&amp;uuml;r eine Seminararbeit, daher konnte ich dir keine
glatte Eins geben.&amp;laquo;&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Erst dann erfuhr ich, dass die Professorin 
ihre Aufgabe an ihn &amp;raquo;ausgelagert&amp;laquo; hatte. An einen anderen Teilnehmer! Und gegen Bezahlung, nat&amp;uuml;rlich. Sie hatte n&amp;auml;mlich sonst so viel zu tun und f&amp;uuml;r unsere Erzeugnisse viel zu wenig
Zeit - und wohl auch Interesse - gehabt... (So wenig, dass sie ihm nicht einmal dar&amp;uuml;ber unterrichtet 
hatte, von wem was zu erwarten gewesen war.)&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
III.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Als
ich meine Studien in Deutschland fortsetzte, war ich wesentlich 
erfahrener und inzwischen schon &amp;raquo;geisteswissenschaftsgewandt&amp;laquo;. Da bekam 
ich von deutscher Seite Anfragen, die mich &amp;uuml;berraschten, weil ich in 
Israel so etwas nie beobachtete (was freilich nicht bedeutet, dass es 
dort nicht passiert). Aber Ghostwriter zu werden, erwies sich als ein 
ziemlich lukratives Gesch&amp;auml;ft: ein paar Hundert Euro pro Seminararbeit &amp;ndash; 
und das in Themenbereichen, f&amp;uuml;r die ich mich sowieso interessierte.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Bin
ich ethisch gescheitert? Vielleicht. Aber wenn die Dozenten nicht 
einmal merken k&amp;ouml;nnen, dass ihre Studenten ihnen die Ergebnisse 
intellektueller Prostitution feilbieten &amp;ndash; dann sind die Dozenten doch 
selber schuld, dass sie sich nicht die minimale M&amp;uuml;he geben, ihren 
akademischen Nachwuchs gut genug kennen zu lernen. Freilich haben die 
meisten Dozenten kaum Zeit f&amp;uuml;r so etwas &amp;ndash; aber ist das wirklich eine 
Ausrede?&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Unehrlichkeit setzt dort an, wo man glaubt, a priori 
&amp;uuml;ber eine Leistung urteilen zu k&amp;ouml;nnen. Betr&amp;uuml;gt der Student, so kann er 
das nur, weil sich der Dozent lieber betr&amp;uuml;gen l&amp;auml;sst als sich mit seiner &amp;ndash;
freilich menschlichen &amp;ndash; Unzul&amp;auml;nglichkeit als Gutachter auseinander zu 
setzen.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
IV.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Meine Magisterarbeit, die im R&amp;uuml;ckblick 
eine Promotion h&amp;auml;tte werden sollen, wurde zweifach ausgezeichnet, da 
seinerzeit (2006) noch keine nennenswerten Analysen des Judenbildes im 
Spielfilm der DDR vorlagen. Das d&amp;uuml;rfte heutzutage schon anders sein.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Damals
dr&amp;auml;ngte man mich zu Ver&amp;ouml;ffentlichungen in Zeitschriften etc. Ich war 
vielleicht naiv und gab mir die M&amp;uuml;he nicht, sondern zog das Internet als
Plattform vor. Ab und zu bekomme ich Feedback, aber was hindert &amp;ndash; 
grunds&amp;auml;tzlich betrachtet, zumal mir keine konkreten F&amp;auml;lle bekannt sind &amp;ndash;
Studierende, Promovierende oder meinetwegen auch Habilitierte aus 
meiner Arbeit &amp;raquo;intelligent&amp;laquo; abzuschreiben?&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Eigentlich nichts. 
Das w&amp;uuml;rde zudem wohl bei keinem Peer-Review-Verfahren auffallen. Was 
sagt das &amp;uuml;ber die Wissenschaft, die Wahrnehmung derselben, &amp;uuml;ber 
wissenschaftliche Ver&amp;ouml;ffentlichungen und das Peer-Review-Verfahren?&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Auf
der anderen Seite: Was st&amp;ouml;rt es mich, wenn man bei mir (ggf.) 
abschreibt? W&amp;uuml;rden meine &amp;ndash; wenn auch nur geringf&amp;uuml;gigen &amp;ndash; Leistungen 
dadurch abgewertet?&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Ich glaube nicht.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
V.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
In
den Naturwissenschaften ist es &amp;ndash; vermutlich &amp;ndash; schwer, die Bedeutung 
einer Arbeit zu manipulieren. Entweder stimmen die Ergebnisse (die These
ist nachweisbar, das Experiment wiederholbar etc.) - oder sie tun es 
nicht. So oder so gibt es eine weitgehend objektive Wirklichkeit, an der
sich die G&amp;uuml;ltigkeit der Arbeit messen l&amp;auml;sst.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
In den Geistes- 
und Sozialwissenschaften ist es meistens weit davon entfernt. Eine 
schlechte Arbeit kann aus unsachlichen (etwa politischen) Gr&amp;uuml;nden locker
aufgewertet werden, w&amp;auml;hrend es kaum Hindernisse gibt, eine gute Arbeit 
aus genauso unsachlichen Gr&amp;uuml;nden au&amp;szlig;er Acht zu lassen.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Dabei 
spielt Ehrlichkeit fast nirgends eine Rolle. Denken wir z. B. an Walter 
Benjamin: Heute total in Mode, damals jedoch v&amp;ouml;llig randst&amp;auml;ndig. Nicht 
an seinen Schriften liegt es, sondern an der historischen Perspektive, 
an den &amp;auml;u&amp;szlig;erlichen Umst&amp;auml;nden also, die sich grunds&amp;auml;tzlich nicht als 
&amp;raquo;ehrlich&amp;laquo; verstehen lassen.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&amp;nbsp;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
VI.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Als ich am 
Judenbildprojekt bastelte, wollte, aber auch musste ich auf andere 
Forscher Bezug nehmen, die schon zum Thema geschrieben hatten. Ihre 
(meistens nur deskriptive) Arbeit war nicht immer leicht zug&amp;auml;nglich, 
doch gab ich mir die M&amp;uuml;he, derlei zu suchen.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Gilt nun, wo meine 
Arbeit ja von &amp;uuml;berall frei zug&amp;auml;nglich ist, dasselbe Prinzip auch f&amp;uuml;r 
diese anderen Forscher, sofern sie sich weiterhin mit dem Thema befassen
wollen?
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
In der Praxis freilich nicht - aufgrund der &amp;auml;u&amp;szlig;erlichen 
Umst&amp;auml;nde. In diesem Fall ist es die unterschiedliche Stellung des jew. 
Autors in der akademischen Welt.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Der Wissenschaftsbetrieb ist 
also von Grund auf nicht &amp;raquo;ehrlich&amp;laquo;. Er ist indes nicht unbedingt 
&amp;raquo;unehrlich&amp;laquo;. Vielmehr hat er mit &amp;raquo;Ehrlichkeit&amp;laquo; recht wenig bis gar 
nichts zu tun. Es ist einfach eine Kategorie, die man nicht ohne 
weiteres auf die Wissenschaften anwenden kann bzw. soll, wenn man
die Sache realit&amp;auml;tsnah betrachten m&amp;ouml;chte.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Aber wen sollte es eigentlich &amp;uuml;berraschen oder st&amp;ouml;ren?&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/offene-fragen/2011-02-27/ehrlichkeit-mal-ehrlich...</link>
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      <dc:creator>sapir</dc:creator>
      
    <category>Offene Fragen</category>
         <pubDate>Sun, 27 Feb 2011 02:15:13 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.scilogs.de/chrono/rss.php?blogId=8&amp;profile=rss20">un/zugeh&amp;ouml;rig</source>
     </item>
    <item>
   <title>&#x44;&#x69;&#x65;&#x20;&#x50;&#x65;&#x72;&#x66;&#x65;&#x6b;&#x74;&#x69;&#x6f;&#x6e;&#x20;&#x61;&#x6c;&#x73;&#x20;&#x48;&#x65;&#x72;&#x61;&#x75;&#x73;&#x66;&#x6f;&#x72;&#x64;&#x65;&#x72;&#x75;&#x6e;&#x67;&#x20;&#x75;&#x6e;&#x64;&#x20;&#x47;&#x65;&#x66;&#x61;&#x68;&#x72;</title>
   <description>
    &lt;p&gt;
Eine der gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Herausforderungen im heutigen Abendland ist wohl die uns umgebende Perfektion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hochglanzmonitoren erzeugen f&amp;uuml;r uns perfekte Bilder, Grafikprogramme verwandeln subjektiv sch&amp;ouml;ne Frauen in die perfekten Models, digitale Schriftarten sorgen f&amp;uuml;r immer und immer wieder perfekte Buchstaben, Hi-Fi-Anlagen geben zuverl&amp;auml;ssig jedes Mal mit perfektem Klang unsere Lieblingsmusik wieder, Computer mischen in der Parf&amp;uuml;mindustrie perfekt abgestimmte D&amp;uuml;fte zusammen &amp;ndash; und zwar massenweise.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Unsere Sinne werden verw&amp;ouml;hnt, unsere Psyche immer weiter verblendet und vergesslich f&amp;uuml;r die sonstige Realit&amp;auml;t unserer Welt, die ja nach wie vor &amp;raquo;analog&amp;laquo; bleibt. Ist man zudem perfektionistisch veranlagt oder hat man einfach eine Schw&amp;auml;che f&amp;uuml;r immer h&amp;ouml;here Anspr&amp;uuml;che, kann diese st&amp;auml;ndige Versuchung wohl auch gef&amp;auml;hrlich werden und zu Hindernissen im Alltagsleben f&amp;uuml;hren.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Wie geht ihr damit um?
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&amp;nbsp;
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/offene-fragen/2011-02-24/der-perfektion-als-herausforderung-und-gefahr</link>
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      <dc:creator>sapir</dc:creator>
      
    <category>Offene Fragen</category>
         <pubDate>Thu, 24 Feb 2011 22:52:04 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.scilogs.de/chrono/rss.php?blogId=8&amp;profile=rss20">un/zugeh&amp;ouml;rig</source>
     </item>
    <item>
   <title>&#x43;&#x6f;&#x6e;&#x74;&#x72;&#x61;&#x20;&#x4c;&#x69;&#x6e;&#x67;&#x75;&#x61;&#x6d;</title>
   <description>
    &lt;p&gt;
Es begegnen sich zwei Menschen, zwei Wesen, zwei Seelen, die aneinander gelangen, miteinander sein, kommunizieren wollen, zwischen ihnen der Mittel zum Zweck, der Golem, die Sprache, nicht die eine oder andere, sondern das Verbale an sich, welches beide voneinander trennt, sie nicht zueinander l&amp;auml;sst, nur scheinbar vermittelt aber nie genau, eher verzerrt und verdreht, verwirrt und verf&amp;auml;lscht, Gedanken verderben den Kontakt, beherrschen den Moment, verdecken den Schmerz, verdr&amp;auml;ngen das Sein.
&lt;/p&gt;
&lt;div align=&quot;center&quot;&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;
Es begegnen sich zwei Menschen, ein dunkles Schlafzimmer, fahles Licht dringt durch Glas und Vorhang ein, beleuchtet H&amp;auml;nde, Haar, Konturen, guten Morgen, sagt sie ihm, ich hei&amp;szlig;e
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/dichtung-und-literarisches/2011-02-21/contra-linguam</link>
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      <dc:creator>sapir</dc:creator>
      
    <category>Dichtung und Literarisches</category>
         <pubDate>Mon, 21 Feb 2011 20:07:41 +0100</pubDate>
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     </item>
    <item>
   <title>&#x53;&#x63;&#x68;&#x75;&#x6c;&#x64;</title>
   <description>
    Ich trage die Schuld an dem, was ich alles tat, dem Falschen, dem Ahnungslosen, dem B&amp;ouml;swilligen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich trage auch die Schuld an dem, was ich nicht tat, nicht rechtzeitig oder gar nicht, dummerweise oder vors&amp;auml;tzlich, aus Eitelkeit oder aus Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber vor allem trage ich die Schuld daran, was mir unterlief, was von meiner Person getan wurde, ohne es tun zu wollen, was ein anderes Ich vollzog gegen meinen Willen, was aus Verwirrung und Vers&amp;auml;umnis, Versuchung und Verfehlung zustande kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pecco, ergo sum?
   </description>
   <link>http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/offene-fragen/2011-02-20/schuld</link>
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      <dc:creator>sapir</dc:creator>
      
    <category>Offene Fragen</category>
         <pubDate>Sun, 20 Feb 2011 20:58:26 +0100</pubDate>
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     </item>
    <item>
   <title>&#x44;&#x69;&#x65;&#x20;&#x4c;&#x61;&#x67;&#x65;&#x20;&#x64;&#x65;&#x72;&#x20;&#x4e;&#x61;&#x74;&#x69;&#x6f;&#x6e;</title>
   <description>
    &lt;img src=&quot;http://www.chronologs.de/chrono/gallery/8/Deutschlandhaus%202.JPG&quot; width=&quot;408&quot; height=&quot;544&quot; /&gt;
   </description>
   <link>http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/offene-fragen/2011-02-12/die-lage-der-nation</link>
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      <dc:creator>sapir</dc:creator>
      
    <category>Offene Fragen</category>
         <pubDate>Sat, 12 Feb 2011 23:30:39 +0100</pubDate>
   <source url="http://www.scilogs.de/chrono/rss.php?blogId=8&amp;profile=rss20">un/zugeh&amp;ouml;rig</source>
     </item>
    <item>
   <title>&#x44;&#x69;&#x65;&#x20;&#x42;&#x61;&#x6e;&#x61;&#x6c;&#x69;&#x73;&#x69;&#x65;&#x72;&#x75;&#x6e;&#x67;&#x20;&#x64;&#x65;&#x73;&#x20;&#x44;&#x65;&#x75;&#x74;&#x73;&#x63;&#x68;&#x65;&#x6e;&#x3a;&#x20;&#x4e;&#x6f;&#x74;&#x69;&#x7a;&#x65;&#x6e;&#x20;&#x7a;&#x75;&#x72;&#x20;&#x64;&#x65;&#x75;&#x74;&#x73;&#x63;&#x68;&#x65;&#x6e;&#x20;&#x45;&#x69;&#x6e;&#x68;&#x65;&#x69;&#x74;</title>
   <description>
    &lt;p&gt;
Nach langen &amp;Uuml;berlegungen bin ich zum Schluss gekommen, dass ich die deutsche Einheit doch nicht so toll finde.&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Das ist nat&amp;uuml;rlich nicht objektiv gemeint: Wer diesen Blog verfolgt, wei&amp;szlig; schon, dass ich zur Geschichte &amp;uuml;berhaupt und insbesondere zu deutschen eine sehr romantische Einstellung habe. Also, nat&amp;uuml;rlich wirkte sich der SED-Untergang sehr positiv auf zahlreiche Einzelpersonen. Aber der Zusammenbruch eines Regimes ist nicht gleichbedeutend mit dem Verschwinden eines Staates, auch wenn diese Entwicklung in diesem Fall aus wirtschaftlichen, vielleicht auch nationalen Gr&amp;uuml;nden eher unausweichlich war. Und wenn ich vom Leben des Einzelnen absehe und diese Z&amp;auml;sur als Ganzes bewerte, muss ich dann sagen:&lt;br /&gt;
&amp;nbsp;&lt;br /&gt;
Dieses Verschwinden hat die deutsche Geschichte nunmehr furchtbar banalisiert, ja fast zu Tode normalisiert. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Seit seinen mittelalterlichen Anf&amp;auml;ngen stand dem Deutschen eine zentrale Rolle zu: Bei der Entstehung Europas war es der vermittelnde Faktor zwischen West und Ost, Alt und Neu, dem romanischen Kulturkreis und der slawischen Wildnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was w&amp;auml;re aus dem Nordosten ohne die deutsche Hanse geworden? Ein jahrhundertelanges Projekt der Ausdehnung der Kultur, der Erweiterung Europas. Das erfolgreiche Ergebnis der mehrarmigen Ostsiedlung zeigte sich, als die ehemals wichtigsten Siedlungsgebiete tats&amp;auml;chlich in die EU integriert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Moderne war die deutsche Geschichte lange von der Spannung zwischen Viel- und Einstaatlichkeit, herausfordernder Vielschichtigkeit und verbl&amp;ouml;dender Einf&amp;auml;ltigkeit. Nach dem drastischen Pendelschwingung hin zur Einstaatlichkeit im Dritten Reich, kam die entsprechende Auf- Zerteilung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch dann behielt Deutschland seine gewohnte Position als Kristallisationspunkt des Geschichtsverlaufs: Mit der BRD und Westberlin als Vorposten des Westens, der DDR als Vorbild des Sozialismus und &amp;Ouml;sterreich dazwischen als eine Art Mittelweg im Herzen Europas war Deutschland auf jeder &amp;raquo;Party&amp;laquo; dabei. Entsprechend tief gor damals das Deutsche &amp;ndash; und &amp;raquo;Deutschland&amp;laquo; stand geopolitisch f&amp;uuml;r den Zusammenprall der Kulturen schlechthin, lange bevor man auf die Idee kam, durch diesen Begriff Unkulturen mit Hochkulturen zu vergleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In jenen Zeiten durfte sich Deutschland nicht ausruhen: auf den unglaublichen Rausch unter Hitler folgte kein s&amp;uuml;&amp;szlig;er Schlaf, sondern eine mit der letzten Energie gef&amp;uuml;hrte Afterparty, die noch Jahrzehnte dauern musste. Entsprechend hochbeladen war seinerzeit die gespaltene Volksseele. Erst am n&amp;auml;chsten Abend, gegen Ende des 20. Jahrhunderts, durfte Deutschland wieder ins Bett. Es kam die Wiedervereinigung und der kurze Gl&amp;uuml;cksausbruch desjenigen, der sich nach schlaflosen N&amp;auml;chsten endlich hinlegen darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das fl&amp;uuml;chtige Gl&amp;uuml;cksgef&amp;uuml;hl ist inzwischen wieder dahin, erholt hat sich das Deutsche allerdings nicht. Die Tiefe und Komplexit&amp;auml;t, die es einst kennzeichneten, wurden mit einem Zangengriff zunichte gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits verschwand die Ostsiedlung, aus der sich seine Mehrdimensionalit&amp;auml;t gespeist hatte, fast g&amp;auml;nzlich, ohne dass das reiche Erbe in der heutigen Republik erhalten bliebe; vielmehr wird alles inzwischen wieder gleichgeschaltet und reif gemacht f&amp;uuml;r &amp;raquo;Deutschland sucht den Superstar&amp;laquo;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits konsolidierte sich der Rest zu einem riesengro&amp;szlig;en Einfaltsapparat, in dem nur noch verwaltet wird. Vertriebene? Museum. Holocaust? Mahnmal. Zuwanderung? Kursscheine. Kein Wunder, dass keine Kultur mehr entsteht, seitdem die Vorkriegsgeneration, die noch vom lebendigen Geist der deutschen Geschichte gepr&amp;auml;gt war, nicht mehr da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einst war das Deutsche eines der wichtigsten Momente in Europa, gleichsetzbar vielleicht mit dem J&amp;uuml;dischen. Heute entbehrt es jeglicher Besonderheit und w&amp;auml;re fast Polen, Ungarn oder Spanien gleich, wenn es den Holocaust nicht g&amp;auml;be. Ja, der Holocaust, der wie Deutschland nur noch als der Schatten von sich selbst figuriert, als eine Parodie, in der sich die Deutschen wiedererkennen k&amp;ouml;nnen, um auf etwas, irgendetwas, stolz zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder K&amp;uuml;nstler wei&amp;szlig;: Die Farben, Noten oder Buchstaben alleine reichen nicht, auch wenn sie reichlich vorhanden sind. Im Gegenteil: Erst die Engp&amp;auml;sse bringen wirklich Wertvolles hervor. So war es einst auch hierzulande, als Deutschland sich zwischen Romanischem und Slawischem, zwischen Nord und S&amp;uuml;d, Ost und West durchsetzen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist jetzt eigentlich alles vorbei. Den deutschen Landen geht es zu gut &amp;ndash; daran w&amp;uuml;rde wohl erst die unausweichliche, sich schon abzeichnende Auseinandersetzung mit den kulturfernen Gemeinschaften etwas &amp;auml;ndern. Denn in dieser Herausforderung steckt dialektischerweise gro&amp;szlig;es Revitalisierungspotenzial f&amp;uuml;r die Deutschen, die dies noch sein m&amp;ouml;chten (auch dar&amp;uuml;ber habe ich hier mehrmals geschrieben). 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Zur gegenw&amp;auml;rtigen Situation kann ich aber nur sagen:
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Deutschland hat einen Kater.&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/geschichte/2011-02-10/die-banalisierung-des-deutschen-notizen-zur-deutschen-einheit</link>
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      <dc:creator>sapir</dc:creator>
      
    <category>Geschichte</category>
         <pubDate>Thu, 10 Feb 2011 15:30:47 +0100</pubDate>
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     </item>
    <item>
   <title>&#x44;&#x69;&#x65;&#x20;&#x41;&#x75;&#x66;&#x73;&#x74;&#xe4;&#x6e;&#x64;&#x65;&#x20;&#x75;&#x6e;&#x64;&#x20;&#x64;&#x65;&#x72;&#x20;&#x46;&#x72;&#x69;&#x65;&#x64;&#x65;&#x6e;&#x73;&#x70;&#x72;&#x6f;&#x7a;&#x65;&#x73;&#x73;</title>
   <description>
    &lt;p&gt;
Ganz kurz zu den Tagesthemen:
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Mehrmals habe ich hier &amp;uuml;ber Ostisrael/Ostpal&amp;auml;stina bzw. Transjordanien geschrieben: das oft &amp;uuml;bersehene Teil des Landes, in dem der Schl&amp;uuml;ssel zur L&amp;ouml;sung des Konflikts liegt. Allerdings in fast unerreichbarer Tiefe, seitdem die haschemitischen Fremdherrscher 1970 den pal&amp;auml;stinensischen Volksaufstand mit einem tausendfachen Blutbad unterdr&amp;uuml;ckt haben (damals waren die Haschemiten sogar auf j&amp;uuml;dische Hilfe angewiesen, um den gleichzeitigen &amp;Uuml;berfall durch Syrien zu &amp;uuml;berstehen).
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Nun, wo eine Wutwelle an der bestehenden Ordnung der arabischen Welt r&amp;uuml;ttelt, tauchen mehrere Fragen auf. Einige dieser Fragen werden auch in den deutschen Medien, von denen in puncto Nahost nicht viel zu halten ist, besprochen. Wird das zu einer demokratischen &amp;Auml;ra in der arabischen Welt f&amp;uuml;hren? Diejenigen, die sich mit der arabischen Kultur und Demographie auskennen, wissen die Antwort; allerdings sind sie kaum in den deutschen Medien oder unter deutschen &amp;quot;Islamwissenschaftlern&amp;quot; zu finden.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
V&amp;ouml;llig &amp;uuml;bersehen wird jedoch die Pal&amp;auml;stinafrage. Schlie&amp;szlig;lich steht der Konflikt - wenn auch zu Unrecht - schon seit Jahrzehnten im Mittelpunkt der regionalen Problematik. Und tats&amp;auml;chlich ist es nun auch zu Protesten im haschemitischen K&amp;ouml;nigreich gekommen, deren weiterer Entwicklung der jetzige Herrscher vorerst mit einem Kabinettwechsel vorzubeugen sucht.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Sollten aber die Araber in den Nachbarstaaten ihre Despoten wirklich umst&amp;uuml;rzen, so k&amp;ouml;nnten auch die Pal&amp;auml;stinenser den erforderlichen Mut bekommen, um sich mehr als 40 Jahre nach dem Septembermassaker wieder gegen die Haschemiten aufzulehnen.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
In einer solchen Konstellation ist es schwer, die j&amp;uuml;dischen Interessen zu definieren. Einerseits ist Israel auf die Despoten angewiesen, wenn es um Frieden geht: In der arabischen Welt war bislang und ist auch heute noch Frieden mit den Juden nur durch Unterdr&amp;uuml;ckung des Volkswillens zu erreichen (keiner der bisherigen Vertr&amp;auml;ge ist je von den arabischen Massen akzeptiert worden). Was Transjordanien angeht, so hat Israel eigentlich keinen Friedensvertrag mit der pal&amp;auml;stinensischen Mehrheit, die von den Haschemitischen beherrscht wird, sondern de facto mit der Herrscherfamilie, die es 1970 vor dem Untergang rettete. Auch in &amp;Auml;gypten wird Israel nach wie vor gehasst; k&amp;auml;me es auf den arabischen P&amp;ouml;bel an, so h&amp;auml;tten die Juden keine Chance.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Andererseits beweisen die letzten Entwicklungen, dass man sich in den Beziehungen zu den Arabern nicht auf Vertr&amp;auml;ge verlassen darf. Ob in &amp;Auml;gypten bald eine islamische Republik entsteht oder nicht, ist kaum so wichtig wie die reale Chance, dass die breite Unterst&amp;uuml;tzung f&amp;uuml;r die Muslimbr&amp;uuml;der zu so etwas f&amp;uuml;hren wird und wir dann mit einem riesengro&amp;szlig;en Reich zu tun h&amp;auml;tten, der dank des Friedens mit Israel mit US-amerikanischer Produktion bis an die Z&amp;auml;hne bewaffnet ist. Dagegen hilft dann kein Vertrag mehr - und wegen des R&amp;uuml;ckzugs aus dem Sinai sind die &amp;Auml;gypter ohnehin kaum eine Stunde von Tel-Aviv entfernt.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
F&amp;uuml;r die Pal&amp;auml;stinafrage bedeutet das, dass Israel dem Frieden mit den Haschemiten die Zukunft der Region vorzuziehen hat. Konkret hei&amp;szlig;t es: &lt;strong&gt;dem K&amp;ouml;nig diesmal nicht zu helfen, sondern ihn fallen zu lassen&lt;/strong&gt;. Dann entsteht in Ostpal&amp;auml;stina, in dem 70% der Bev&amp;ouml;lkerung Pal&amp;auml;stinenser sind, ein echter Pali-Staat.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
W&amp;uuml;rde das die Region vor dem demographischen und islamischen Elend retten? Leider nicht. Aber den Konflikt mit den Juden k&amp;ouml;nnte es etwas entsch&amp;auml;rfen, indem die historische Teilung des Landes, die Teilung am Jordan, endlich vollzogen w&amp;auml;re.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Da auch heute - trotz des Friedensvertrags - jenseits des Flusses sowieso kein Land an Juden verkaufen werden darf und Zuwiderhandlungen mit dem Tode geahndet werden, k&amp;ouml;nnen die Juden auf ihr historisches Ostisrael verzichten. Wenn die Pal&amp;auml;stinenser dann vern&amp;uuml;nftig genug w&amp;auml;ren, um im Gegenzug auf das cisjordansiche Westpal&amp;auml;stina zu verzichten, k&amp;ouml;nnte man - vielleicht! - von Frieden tr&amp;auml;umen.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Bis dorthin ist es freilich noch ein langer Weg; beginnen kann er indes schon heute in Amman. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&amp;nbsp;
&lt;/p&gt;
   </description>
   <link>http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/palastina/2011-02-03/die-aufst-nde-und-der-friedensprozess</link>
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      <dc:creator>sapir</dc:creator>
      
    <category>Palästina</category>
         <pubDate>Thu, 03 Feb 2011 14:09:41 +0100</pubDate>
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     </item>
    <item>
   <title>&#x56;&#x6f;&#x6e;&#x20;&#x6a;&#xfc;&#x64;&#x69;&#x73;&#x63;&#x68;&#x65;&#x6e;&#x20;&#x75;&#x6e;&#x64;&#x20;&#x64;&#x65;&#x75;&#x74;&#x73;&#x63;&#x68;&#x65;&#x6e;&#x20;&#x53;&#x74;&#x75;&#x64;&#x69;&#x65;&#x6e;</title>
   <description>
    &lt;p&gt;
Im &lt;a href=&quot;http://www.chronologs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/allgemein/2010-12-30/j-dische-kulturpolitik-so-macht-man-s-richtig&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;letzten Post&lt;/a&gt; &amp;uuml;ber die j&amp;uuml;dische Nationalbibliothek habe ich die Hebr&amp;auml;ische Universit&amp;auml;t zu Jerusalem und deren sonstige Beitr&amp;auml;ge zur Pflege j&amp;uuml;discher Kulturg&amp;uuml;ter erw&amp;auml;hnt. Hierzu f&amp;auml;llt mir eine Anekdote ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
J&amp;uuml;dische Einrichtugen in Deutschland standen einst mit mir hinsichtlich m&amp;ouml;glicher Lehrt&amp;auml;tigkeiten in Kontakt. Es scheiterte jedoch immer daran, dass ich keinen Abschluss als &amp;raquo;Judaist&amp;laquo; habe und somit die festgelegten Voraussetzungen nicht erf&amp;uuml;lle...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass in Israel und insb. an der Hebr&amp;auml;ischen Universit&amp;auml;t alle Geisteswissenschaften von J&amp;uuml;dischem durchwoben sind und es daher keine gesonderte Judaistik gibt, k&amp;ouml;nnen sich hierzulande viele kaum vorstellen. Naja, ich warte also noch den Tag ab, an dem in Deutschland der Studiengang &amp;raquo;Deutsche Studien&amp;laquo; gegr&amp;uuml;ndet w&amp;uuml;rde oder zumindest die hiesigen Judaisten, allgemein gesehen, mit Absolventen der Hebr&amp;auml;ischen Universtit&amp;auml;t konkurrieren k&amp;ouml;nnten.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
In Deutschland, lernte ich damals schnell, z&amp;auml;hlt nicht der Inhalt, sondern die Form. Das Papier muss stimmen; was dahinter steckt, interessiert kaum jemand. Und so muss ich einstweilen wie Karl Kraus mit seiner &amp;raquo;Fackel&amp;laquo; verfahren: als eine One-Man-Show. Aber das ist auch gut so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;raquo;deutschen Studien&amp;laquo; sind indes nichts, was mir jetzt eben eingefallen ist. Sie existieren in Israel genau so wie hierzulande die j&amp;uuml;dischen Studien. An fast jeder Universit&amp;auml;t gibt es ein Zentrum und Lehrst&amp;uuml;hle zu deutscher Geschichte etc., &amp;uuml;berhaupt z&amp;auml;hlt das Deutsche zu den in Israel am meisten erforschten (geisteswissenschaftlichen, nichtj&amp;uuml;dischen) Themengebiete.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
An der Hebr&amp;auml;ischen Universit&amp;auml;t wird dieser Studiengang im B.A.-Stadium angeboten und besteht aus Geschichts-, Sprach-, Literatur- und Kulturstudien, d.h. man besucht deutschlandbezogene Kurse in den Abteilungen f&amp;uuml;r Geschichte, Germanistik, Kulturstudien usw., wobei auch die &amp;ouml;sterreichische Thematik selbstverst&amp;auml;ndlich dazugeh&amp;ouml;rt und entsprechend akkreditiert wird. Wir Juden wollen uns n&amp;auml;mlich keiner falschen Diskriminierung schuldig machen. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Das sind dann insg. f&amp;uuml;nfzehn Jahres-Lehrveranstaltungen, was 30 Semester-LV in Deutschland entspricht: In Israel werden die meisten Kurse ein Studienjahr bzw. zwei Semester lang unterrichtet oder man trifft sich zweimal die Woche f&amp;uuml;r jew. zwei akademische Stunden; sonst bekommt man nur die H&amp;auml;lfte der Kreditpunkte.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Bei erfolgreichem Abschluss steht im Zeugnis auch &amp;raquo;Deutsche Studien&amp;laquo; geschrieben. Allerdings ist es unvermeidlich, dass in jedem Kurs sowohl j&amp;uuml;dische als auch nicht j&amp;uuml;dische Aspekte des deutschlandbezogenen Themas besprochen werden. Grunds&amp;auml;tzlich k&amp;ouml;nnte man es noch um Kunst-, Musik-, Politik- oder Rechtsstudien durch Einbeziehung des bereits existierenden Angebots in den entsprechenden Universit&amp;auml;tsabteilungen erweitern. Das h&amp;auml;ngt jedoch schon von der Nachfrage ab und f&amp;uuml;r viele Studierende sind 15 bzw. 30 Kurse schon &amp;raquo;deutsch genug&amp;laquo; f&amp;uuml;r einen B. A., der zudem auch die gew&amp;ouml;hnlichen Grundstudien und noch einen anderen, nichtdeutschen Studiengang umfassen muss.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Man sieht also: Die Geisteswissenschaft sind, wie wir wissen, orts- und kulturabh&amp;auml;ngig, was wiederum die inzwischen alte Frage aufwirft, inwiefern hier &amp;uuml;berhaupt von &amp;quot;Wissenschaft&amp;quot; die Rede sein kann.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&amp;nbsp;
&lt;/p&gt;
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      <dc:creator>sapir</dc:creator>
      
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         <pubDate>Fri, 31 Dec 2010 16:45:26 +0100</pubDate>
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