Chronologs Kommentar Feed http://www.scilogs.de/chrono/summary.php Geschichte Archäologie Kultur de-de den Ball weiter zu spielen... Doch ein bisschen wenigstens weiter spielen. Ich sagte ja schon, dass ich jetzt nicht einfach meine fertige Antwort zum Gesamtzusammenhang bringen will. Ich möchte nichts Gesamtes vermessen und mich nicht vermessen. Und ich will jetzt auch nicht einfach Recht haben. Sondern eben etwas einwerfen - die 3 Bälle von gestern zurückspielen. 1. Hinter Ihrer ersten Anmerkung steckt wohl die Vorstellung: Die Theologie muss, um ihr Geschäft (ihre "genuine Aufgabe") zu betreiben, so eine Art Sonder-Ontologie betreiben - jenseits der Grenze normalen Erkennens. Ich möchte dem widersprechen: behaupten, dass das eine Falle ist, in die sich die Theologie nicht locken lassen sollte. Und ich weiß gleichzeitig, dass an dieser Falle die Theologie selbst Schuld hat - dass lange theologische Traditionen diese Falle aufgebaut haben: durch die ganze Entwicklung der Dogmatik - des Bündels an Glaubenswahrheiten, denen zuzustimmen die Christen zu oft verpflichtet wurden (widrigenfalls Bestrafung in der Hölle). Das ist katholisch noch ausgeprägter; die Reformatoren polemisierten dagegen; und sie fragten dann doch einen Sterbenden die Katechismusfragen ab - und bei korrekter Beantwortung konnten sie ihm ein seliges Sterben zusichern. Die Falle schnappte wieder mal zu :-(. Eine ähnliche Falle, dass die Diskussion immer wieder fataler Weise auf die falsche, die ontologische Ebene abrutscht, hat Christian Hoppe in einem nun bereits schon sehr alten Blogbeitrag gebracht: "Fußball und Gott". Auch wenn ich nicht mit dem ganzen Artikel einig bin - den Vergleich im 5. Abschnitt finde ich immer noch für unübertroffen: Ein Vergleich an dieser Stelle: Ich hatte in einem früheren Kommentar einmal geschrieben, dass man jemandem, der einige persönliche Erlebnisse berichtet hat - "Ich habe dies erlebt, ich habe das erlebt" -, mitteilen könnte, dass sein Bericht sinnlos sei, weil es ein "Ich" nach Überzeugung der meisten Hirnforscher gar nicht gäbe. In dem Moment, wo der Angeschuldigte Widerstand leistet und behauptet: "Doch, natürlich gibt es ein Ich" - hat er verloren! Das Interessante ist, dass er das - was nun von der Gegenseite bestritten und von ihm verteidigt wird: "Es gibt ein Ich" - ursprünglich niemals behauptet hatte. Er hatte lediglich, grammatikalisch korrekt, das Wort "Ich" verwendet, um auf Erlebnisse zu verweisen, die speziell ihm widerfahren sind. Wieder diese Falle! Deshalb betone ich - kann mich auf viele (protestantische) Theologen berufen und bin doch oft allein: Es geht nicht darum eine besondere Ontologie, ein Jenseits hinter der normalen Wirklichkeit zu behaupten; sondern "in mit und unter" (da nehme ich eine alte Sakraments-Formel) der normalen Wirklichkeit das Leben wahrzunehmen: als Geschenk, das mir zunächst unverfügbar zugeflossen ist - von dem ich dann auch einiges verantwortlich zu gestalten und weiterzugeben habe. Und das - insofern ich Christ bin - nach dem Muster, Vorbild Jesu (Stichwort Nachfolge) bzw. im Lebenszusammenhang mit dem, was mir da an Kräften zufließt und im Horizont seiner Erwartungen (nehme ich mal schnell und unvorsichtig das "Gottes Wille geschehe, wie im Himmel so (doch endlich auch) auf Erden") Da engagiert zu sein, sich und andere mit zu engagieren - das nenne ich "Glauben". Glaube sollte (!) sich nicht als Akrobatik in einer religiösen Sonder-Ontologie bewähren, sondern in diesem Engagement. Und dass es keine entsprechende Sondertheorie ist, hat Thorsten Moos (im 2. Abschnitt - in Ihrem Teil 3 ) auf seine Weise auf den Punkt gebracht. Es war ja auch Thema meines letzten (und nun schon ziemlich lange zurückliegenden) Blogbeitrags "Ich glaub', ich glaube anders". Ach was, es wird zu lang. Ich gehe noch zu den anderen Punkten: 2. Natürlich - Ihr Punkt 2 - : über die Richtigkeit des Impulssatzes "macht euch die Erde untertan" muss man diskutieren. Sie haben wohl gemerkt, dass ich den "Indianern" da auch teilweise Recht gebe. In der Bibel gibt es auch Tendenzen in dieser Richtung: die Sabbath-Gesetze hängen wohl mit so etwas wie einer Tabu-Vorstellung gegenüber Mutter Erde zusammen. Also zeitenweise, jedenfalls am Sabbath muss man die Erde in Ruhe lassen. Das "untertan" wurde in den verschiedenen Zeitläuften auch unterschiedlich gewertet. "Religiös" wird so ein Impuls (meiner Definition nach !) nicht durch eine besondere Offenbarung, sondern dadurch, dass er für bestimmte Gruppen - für ihre Erzählungen, Moralvorstellungen, auch für eine Gruppenidentität - prägend, verbindlich... wird - dass er etwa zu den Leitmotiven dieser Gruppe gehört. Ja, Religion definiere ich nicht durch besondere Offenbarungen (auch wenn es derartige Gedanken in den abrahamitischen Religionen gibt, für die gesamte Bandbreite der Religionen dürfte dies nicht passen). Sondern eben dadurch, was Menschen an gemeinsamen Leitmotiven haben, die sie zB in gemeinsamen Riten pflegen. Ja - 3.: Koreaner wurden von unseren Leitmotiven nicht so geprägt. Brandenburger schon eher (warum Sie gerade diese als Gegenbeispiel nennen?!). Da habe ich wohl meinerseits auch zu brutal kurz formuliert. Es geht ja darum, dass in bestimmten Kulturzusammenhängen auch biblische Einstellungen sich prägend auswirkten (da gibt es fließende Übergänge, auf die Herr Moos doch irgendwo schon hinwies) und, hätte ich unterscheiden sollen, für Gläubige in besonderer weise verbindlich werden. Also jetzt zum Anspruch der Gläubigen, was für sie verbindlich ist. Da wird man tatsächlich - etwa analog zum Kommentar von Jordanus heute Abend - sagen können: Für den Gläubigen hat "die" Bibel bestimmte Verbindlichkeit. Mit dieser gewissermaßen im Voraus schon festgelegten Verbindlichkeit ist natürlich der Glaube kein wissenschaftliches Unterfangen. Methodisch trennen möchte ich die Theologie: Sie erklärt die Verbindlichkeit, die für den Glaubenden gilt. Aber diese Erklärung ist selber keine Glaubenstätigkeit, sondern eine (geistes)wissenschaftliche. - na ja, wenigstens zum großen Teil. Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, dass das, was ich methodisch getrennt darstelle, oft in Personalunion vereinigt ist: dass der Theologe ja auch ein Glaubender sein will; und der Glaubende, der seinen Glauben erklärt (darüber reflektiert...) , schon die ersten Schritte außerhalb macht. So wie der Tausendfüßler, der erklären will, was er da macht - er könnte stolpern. Ernsthafter: Der Tänzer, der seinen Tanz erklärt, tanzt entweder gar nicht oder demonstrationshalber, also nicht "echt". So ist das Reden über den Glauben, also die Theologie, kein Glaube. Und sie kann (! , ist’s natürlich oft nicht) wissenschaftlich agieren, reflektieren ff - über eine Lebenseinstellung, die selber natürlich keine wissenschaftliche Aktion ist. Wenn Jesus etwa über kleinen Glauben schimpft, dann meint er nicht mangelnde wissenschaftliche Erkenntnis - war ja selber keiner - sondern mangelnden Mut, mangelndes Grundvertrauen ff - womit wir wieder beim Punkt 2 wären. Und jetzt höre ich mal wirklich auf. An der Länge dieses Kommentars sieht man wieder mal, warum Schnellschüsse mir nicht liegen... Sorry, so bin ich halt. http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1271&blogId=23#comment-16224 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1271&blogId=23#comment-16224 Hermann Aichele 2012-05-24 00:57:09 Landschaft & Oekologie @Gerdes und Holzherr "Basta!(Egal ob man das nun Wildnisareal, Schutzgebiet, gar nicht (weil es der angestammte Lebensraum ist) oder sonstwie benennt: Hands off!" Entscheidend ist hier, dass man "Wildnis" wollen muss. Sie Herr Gerdes und Sie Herr Holzherr wollen, dass es Gebiete gibt in denen "der Mensch nichts tut". Auch Ludwig Trepl will das. Aber darüber hinaus geht es ihm darum, dass, wenn man das will, man eine bestimmte Perspektive einnimmt, die eine kulturelle ist. Ich glaube, weil Sie diesen Punkt missverstehen, reden Sie "aneinander vorbei". Dass "sich selbst überlassene Natur aufgrund ihrer langen Geschichte hinsichtlich ihrer Regulationskraft vertrauenswürdiger ist als menschliches Öko-Mangement" glaube ich nicht. Was wird den hier eigentlich "reguliert" und warum sollte man dem "vertrauen"? Und was sollen die "ökologischen Gründe sein", die dafür sprechen "Wildnis zu wollen"?, dass der Regenwald sonst nicht mehr da wäre und dass wir ihn nicht mehr herstellen können? - Was interessiert’s den Regenwald, was sind schon 5000 Jahre für ihn? Wie Sie sagen, wir wollen die Wildnis, wir interessieren uns für den Regenwald und nur für uns hat er einen Wert, auch (und gerade weil) wir ihn nicht berühren. Das war aber sicher nicht immer so (ist also im Menschen nicht angelegt, was eine naturalistisch-evolutionistische Perspektive rechtfertigen würde). Der Siedler, der früher den selben physischen Gegenstand vor sich hatte, als er das Land urbar gemacht hat, "die sich selbst überlassene Natur" hat mit Sicherheit ganz anders über diese Wildnis gedacht (und das ist noch keine zwei Generationen her!). Es war eine andere Kultur in der man Wildnis eben nicht wollte. Wenn man sich (wie Ludwig Trepl) fragt, warum man heute Wildnis will (und sich nicht darauf beschränkt Wildnis zu wollen), muss man unweigerlich nach der Kultur fragen, die diesen Unterschied hervorbringt, denn natürlich (das heißt durch Mutation und Selektion) dürfte er sich im Zeitraum von 100 Jahren kaum ergeben haben. Man will Wildnis natürlich wegen ihres Kulturwerts, weswegen sonnst? Und die Wildnis ist deshalb irgendetwas zwischen Kunstwerk und Heiligtum. Dass wir die Reste der Regenwälder erhalten ist ein "Kulturschaffen" ebenso wie, dass wir sie zerstört haben. Ökologische Gründe dafür gibt es nicht, nur Ursachen. Und nur nebenbei: Als "Ökosystem" ist der Regenwald etwas völlig anderes als "Wildnis" - es ist wohl geradezu das Gegenteil: Der ÖKosystembegriff beschreibt (nimmt man es etwas genauer) den Regenwald als steuer- und regelbares (als technisches) System. Wenn Sie nun meinen, das würde für ihren naturalistische Denkansatz sprechen, was sie sicher nicht tun, weil ihnen "die Technik" ein Graus ist, oder doch, weil sie die naturalistische Perspektive zu attraktiv finden, müsste ich sie enttäuschen, denn wenn man die "Kultur" hinter diesem Begriff ("Ökosystem") bedenkt (den Industriekapitalismus), wollen Sie die offensichtlich nicht. Und eine Frage noch: Wenn der Regenwald, meinetwegen durch den Klimawandel bedroht währe, d. h. sich nicht mehr wie im Moment in seinen Resten "selbst reguliert", und es gäbe ein Mittel, meinetwegen eine Chemikalie, die sie in der Atmosphäre ausbringen, um den Wald zu retten. Würden Sie es tun (wollen)? Oder würden sie den Wald zugrunde gehen lassen (wollen)? Das was dann käme, wäre ja keine Wildnis mehr, aber wäre es noch Wildnis, was Sie durch den Einsatz des Mittels erzeugen würden? http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1256&blogId=23#comment-16223 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1256&blogId=23#comment-16223 Georg Hausladen 2012-05-24 00:08:30 Landschaft & Oekologie nilhil fit sine causa Na ja, die Philosophen stellen die wesentlichen Fragen eben nicht, wenn sie zur Kenntnis nehmen, dass die Experimente zur Überprüfung der Bellschen Ungleichung nachgewiesen haben, dass es keine physikalische Theorie gibt, in der das Kausalgesetz unbegrenzt gültig ist, und die gleichzeitig mit der Quantentheorie verträglich ist, der am besten bestätigten Theorie der Materie und Strahlung überhaupt. Die Physiker stellen mit der Quantentheorie also die wesentlichen Fragen nach Kausalität, Realität und Logik - Kategorien, die zusammenhängen. Aber die Philosophen, die Sie meinen, greifen diese nicht auf. Somit ist es genau umgekehrt: die Philosophie wertlos, die die physikalischen Erkenntnisse ignoriert. http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1264&blogId=19#comment-16222 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1264&blogId=19#comment-16222 Fossilium 2012-05-24 00:05:24 Die Natur der Naturwissenschaft Hä? Mir raucht etwas der Kopf von den vielen Begriffen. Auf dem Abstraktionsniveau kann ich das meiste nicht nachvollziehen. Ich muss aber doch sagen, dass hier ein angenehm hohes Niveau und ein sehr freundlicher TOn vorgegeben wird. Schön, dass es Seiten gibt, wo so diskutiert wird. Mich als evangelisch-lutherischer Christ irritiert diese Passage von Herrn Moos: "Das heißt jedoch nicht, dass eine Begründung von religiösen Überzeugungen aus dem Text der Bibel als solche Geltung beanspruchen könnte. Immer geht es um Auslegung von Texten im Horizont von Zeitsituation und persönlicher Lebens- und Glaubenserfahrung, und diese haben immer ein kontingentes Moment." Vielleicht habe ich nicht die ganze Diskussion verstanden, aber für mich ist doch eher das Gegenteil der Fall. Meine Überzeugungen kommen aus der Bibel. woher sonst. Was die Auslegung angeht, spielen natürlich immer Zeitsituation und Horizont eine Rolle, aber vielleicht eher in dem Sinne, dass die Bibel u n s auslegt. Ist das nicht auch der Grund, warum Theologen bei solchen Veranstaltungen dabei sind? es geht auch darum, von der Bibel her zu hören, was zu diesen und jenen Zusammenhängen gesagt wird. Eine Theologie, die nicht von der Bibel her redet, hängt eigentlich hilflos zappelnd in der Luft. Man macht sich gar nicht klar, wieviel von unserem Denken von dieser Sprache durchdrungen ist. Auch der, der damit nichts anfangen kann, könnte die Theologie zur Hilfe nehmen, um sich endgültig davon zu befreien. Die Theologie kann also eine Hilfe sein, wenn man sich auf Symposien usw. darüber klar werden will, an welcher Stelle man noch in diesem alten Denken verharrt. Natürlich finde ich das nicht unbedingt wünschenswert, aber man sollte da schon fair sein:-) Ich glaube, dieser Rekurs auf die Bibel ist auch immer wieder der Punkt, an dem die Theologie den anderen Wissenschaften zweifelhaft und zwielichtig erscheint. In letzter Instanz basiert ihr Denken dann nämlich doch nicht auf der Vernunft. Es ist eher umgekehrt - erst durch den Glauben an Gottes Wort kommt die Vernunft zur vollen Entfaltung. So weit meine provokative Einlassung, danke für die freundliche Umgebung. http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1275&blogId=23#comment-16221 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1275&blogId=23#comment-16221 Jordanus 2012-05-23 22:24:55 Landschaft & Oekologie Geltung und Korrelation Natürlich kann man eine ganze Reihe von Fragen empirisch untersuchen, ob zum Beispiel Raucher früher sterben, Gläubige mehr Kinder haben, soziale Ungleichheit die Kriminalität erhöht usw. usf. Die wesentliche Frage auf religiösem Gebiet ist aber doch die der Geltung der Lehre - und die kannst du eben nicht empirisch untersuchen. Für einen Bekannten von mir, der streng katholisch Gläubig ist, ist das Leben Jesu Christi essenzieller Bestandteil seines Lebens und zwar nicht nur als Märchen, sondern als ultimative Wahrheit. Könntest du ihm jetzt eine Zeitreise zweitausend Jahre in die Vergangenheit anbieten, das würde ihn natürlich brennend interessieren; Korrelationen zwischen Gebeten und den Tagen, die man im Krankenhaus verbringt, höchstens periphär. http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1274&blogId=12#comment-16220 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1274&blogId=12#comment-16220 Stephan Schleim 2012-05-23 20:21:24 Natur des Glaubens @ludwig trepl Herr Trepl, sie gehen im Kreis. Innen sind die Sektoren der verschiedenen Kulturen. Je nachdem, wo sie stehen, mag die Wildnis, die außerhalb liegt, eine andere Perspektive haben, eine andere Bedeutung, einen anderen Namen. Aber wenn da draußen niemand etwas tut, dann ist es sich selbst überlassene Natur, die per offizieller Definition Wildnis genannt werden darf. Es kommt einigen Naturschützern nicht auf die Bedeutung, auf die kulturelle Perspektive an, sondern darauf, dass in möglichst großen Gebieten nichts getan wird.(Prozessschutz). Basta! Egal ob man das nun Wildnisareal, Schutzgebiet, gar nicht (weil es der angestammte Lebensraum ist) oder sonstwie benennt: Hands off! Deshalb reden wir aneinander vorbei. Sie haben schon recht, dass wir Bedeutungen nicht ausschalten können. Aber das heißt nicht zwangsläufig, dass wir nicht aus guten ökologischen Gründen sagen können, dass sich selbst überlassene Natur aufgrund ihrer langen Geschichte hinsichtlich ihrer Regulationskraft vertrauenswürdiger ist als menschliches Öko-Management. Deshalb wollen wir mehr Wildnis, nicht wegen ihres Kulturwertes. Wenn sie natürlich sagen, dass der Mensch nur als Mensch über Natur reden kann und in Bezug auf sich und die Kultur, der er angehört, dann ist das eine Totalimmunisierung des Bewusstsein, die letztlich jeden evolutionär-naturalistischen Denkansatz aushebeln kann. Aber erfreulicherweise können wir auf uns selbst herabsehen, können wir so sehr abstrahieren, dass wir uns zumindest seit Darwin die Welt ohne Menschen vorstellen können (nicht unbedingt wollen!). Ohne Menschen gibt es zwar Wildnis im naturwissenschaftlichen Sinn, aber weder Kunstwerk noch Heiligtum. Und anders als sie behaupten gibt es gute ökologische Gründe, "Wildnis zu wollen". Nicht nur "Kulturwert"-Gründe. Denken Sie an das klassische Beispiel des tropischen Regenwaldes, der sich über die Eiszeiten hinweg zu einem hochspezialisierten Ökosystem entwickelt hat und der nach Rodung nicht regenerierbar oder durch menschliches Kulturschaffen simulierbar ist. Er soll in den Resten, in denen er noch da ist, erhalten bleiben. Aus ökologischen Gründen. Unbenommen aber auch, weil er für alle Kulturen der Welt wertvoll ist. Das eine schließt das andere nicht aus. Man darf auf beide Weisen für seinen Erhalt argumentieren. http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1256&blogId=23#comment-16219 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1256&blogId=23#comment-16219 Jürgen Gerdes 2012-05-23 17:56:27 Landschaft & Oekologie @ Martin Holzherr. @ Martin Holzherr Ich mach’s Satz für Satz: "Thema von Jürgen Gerdes Gedanken ist das Verhältnis von Mensch und (belebter) Natur." Ja, meines aber auch. "Der Landschafts- und Kulturbegriff, den Herr Trepl hier immer wieder anspricht, spielt in diesem Zusammenhang eine andere Rolle, nämlich nicht als etwas was alles umfasst - wie das Herr Trepl immer wieder sehen will - sondern als Gegensatz." Könnten Sie erklären, wie Sie das meinen? Was meinen Sie mit der Behauptung, daß ich sehen will, daß der Landschaft- und Kulturbegriff alles umfaßt? Was meinen Sie mit "als Gegensatz"? Was steht da im Gegensatz wozu? "Neben Kultur und Landschaft soll es eben noch einen Teil der Erde geben, der nicht vom Menschen kontrolliert wird." Das ist nach Ihrer Auffassung die Meinung von Jürgen Gerdes, richtig? Und es steht gegen meine Meinung? Ich habe Ihnen doch neulich geschrieben, daß das auch meine Meinung ist. "Weil der Mensch selber aus dieser Natur stammt und früher nur ein einfaches Geschöpf dieser Natur war ..." Das ist Ihrer Meinung nach die Begründung von Jürgen Gerdes dafür, daß er will, daß ein Teil der Erde "nicht vom Menschen kontrolliert wird"? Ich weiß nicht, ob er seine Forderung wirklich so begründet. Wenn, dann wäre das ein klassischer Sein-Sollens-Fehlschluß. "... weil auch weitverbreitete Anliegen wie der Artenschutz und die Erhaltung der Biodiversität mit dem Konzept der Segregation von Mensch und Natur erreichbar sind während die herkömmlichen Naturschutzstrategien das Artensterben höchstens verlangsamen." Das ist offenbar ebenfalls als Begründung für Gerdes’ Forderung gedacht. Es ist wohl so, daß "die herkömmlichen Naturschutzstrategien das Artensterben höchstens verlangsamen". Aber darum geht nicht die Diskussion, denn das " höchstens verlangsamen" liegt nicht daran, daß die herkömmlichen Strategien nicht Segregation fordern. Wenn man sich die Forderungen der "herkömmlichen Naturschutzstrategien" alle als verwirklicht denkt, wäre das Aussterben beendet, ebenso wie wenn man sich Gerdes’ Forderungen alle als verwirklicht denkt. Die Diskussion um den Artikel von Jürgen Gerdes geht u.a. darum, ob man auch ohne Segregation alle Arten erhalten könnte. Natürlich könnte man das, mit Segregation könnte man es auch. Das ist (a) eine Frage der Erhaltung der Lebensbedingungen der Arten im Einzelnen; manche brauchen weitgehend "vom Menschen" unbeeinflußte Bedingungen, keine braucht völlig unbeeinflußte. (b) ist es eine Frage der politischen Durchsetzbarkeit der beiden Strategien. Da scheint mir der Vorschlag von Gerdes recht realistisch, einfach weil er billig ist. Andererseits ist er aber auch schwierig durchzusetzen, weil er äußerst starke Widerstände hervorruft. Jedenfalls geht es hier um Fragen ganz anderer Art (politische, soziologische, ökonomische, psychologische), als wir sie bisher diskutiert haben. "Es mag sein, dass viele oder sogar alle Menschen alles mit einer Kulturbrille wahrnehmen." Diesen Satz verstehe ich überhaupt nicht. Was wollen Sie sagen? "Das heisst aber nicht, dass die ganze Erdoberfläche zum Kulturraum werden muss und damit alles was es überhaupt gibt den jeweiligen kulturellen Moden unterworfen sein muss." Große Teile der Erdoberfläche oder überhaupt irgend etwas unberührt zu lassen ist aber auch, wenn man es so böse sagen will (ich tue das nicht), eine "kulturelle Mode". http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1256&blogId=23#comment-16218 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1256&blogId=23#comment-16218 Ludwig Trepl 2012-05-23 17:43:32 Landschaft & Oekologie "Soll man wirklich von einer kausalen Ab "Soll man wirklich von einer kausalen Abgeschlossenheit der Welt reden?" Das ist doch eine rein rhetorische Frage, zumindest wenn man das Thema vom philosophischen Standpunkt aus sieht - denn weder die Welt ist abgeschlossen, noch die Physik ist abgeschlossen, noch irgendeine andere Wissensdisziplin. Wenn Sie von dem Axiom ausgehen, dass nichts ohne Grund geschieht, heißt das jedoch nicht, wie Sie andeuten, dass es keine "übernatürliche Akteure" oder sagen wir besser: unbekannte Ursachen gibt. In einer zeitgemäß offenen Ontologie finden wir immer auch das Unbekannte, und so ehrlich sind hoffentlich die Wissenschaftler heute auch. Philosophie wäre wertlos und überflüssig, wenn sie sich in ihrer Weltsicht etwa auf die Physik verlassen wollte, die sich ihrerseits nur auf messbare Relationen verlässt und, wie Sie schreiben, über den "ontischen Charakter der Größen" kaum etwas zu sagen weiß. Auch die Philosophen wissen darüber - über das Wesen der Dinge - nicht viel mehr, aber sie stellen wenigstens die wesentlichen Fragen, denen die Realwissenschaftler immer gern ausweichen, und sie beharren auch auf Axiomen wie, dass es in der Welt prinzipiell folgerichtig zugeht - nach der alten Wahrheit Nihil fit sine causa - siehe oben. Andersrum gäbe es die Welt doch gar nicht, und was die vielzitierten Ausnahmen bei den Quanten betrifft: Immer skeptisch bleiben. In 100 Jahren sieht die Physik ganz bestimmt ganz anders aus. http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1264&blogId=19#comment-16217 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1264&blogId=19#comment-16217 Jack Elsässer 2012-05-23 17:34:39 Die Natur der Naturwissenschaft Kommentar zu Alles eine Frage der Anerkennung Es gab in dem Fall keinen konkreten Anlass, sondern nur die langjährigen Erfahrungen als Arbeitnehmer, die sehr unterschiedlich ausgefallen sind - zum Teil auch sehr positiv. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass diese zentrale Kategorie "Anerkennung" noch zu wenig mit der Praxis in Berührung gebracht worden ist. Wahrscheinlich habe ich mich nicht überall ganz klar ausgedrückt: Ich bin nicht dagegen, dass es Chefs gibt, die auch Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Es geht mir mehr um die Frage, wie das geschieht: im Sinne einer Arbeitsteilung (der Chef hat eben den Job, bestimmte Entscheidungen zu treffen) oder einer Über- und Unterordnung. Man spürt meist sehr schnell, wie es gemeint ist. Sorry, wenn ich manchmal nicht reagiere, das ist eine Nachlässigkeit, die dich mir abgewöhnen muss. http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1276&blogId=20#comment-16216 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1276&blogId=20#comment-16216 Frank Wiebe 2012-05-23 17:18:20 Gute Geschäfte Kollisionen Wer sich das Recht herausnimmt, autoritär zu sein, beansprucht aber im gewissen Sinne für sich eine Höherwertigkeit nicht nur qua Funktion, sondern auch auf der menschlichen Ebene. Derartige Sichten kollidieren auch mit dem Prinzip des Volksvertreters oder Mandatsträgers. Wertigkeiten sind aus der Position allein nicht abzuleiten. Sowas glauben heute auch nicht oder nicht einmal Grüne oder "demokratische" Linke. Derartige Strukturbildungen oder "Hierarchien" entstehen in der Wirtschaft aus dem Bedürfnis oder aus der Notwednigleit nach Entscheidung, und zwar im Sinne der Unternehmung - klar, man könnte hier jeweils allgemein abfragen und "demokratisch" Meinungen bilden lassen, allein!, diese würden dann absehbarerweise nicht Unternehmensinteressen folgen, sondern Interessen von Arbeitnehmern (die sich auch langfristig eine Zukunft in anderen Unternehmen vorstellen können, also flexibel sind, also so flexibel sind, dass sie die langfristigen Ziele einer Unternehmung nicht interessieren müssen). HTH Dr. Webbaer PS + BTW: Obwohl Sie auf Kommentare üblicherweise nicht eingehen, vielleict besteht dennoch eine Chance, was ist denn so der Antrieb derartig zu publizieren? http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1276&blogId=20#comment-16215 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1276&blogId=20#comment-16215 Dr. Webbaer 2012-05-23 15:48:42 Gute Geschäfte Wo sind die Frauen? @Michael Blume Interessante Frage, die ich aber leider auch nicht beantworten kann. Falls man aber den Begriff Religion etwas ausweitet und z.B. auch randseitige Formen religiöser Praxis, wie den Hexenglauben (Wicca), miteinbezieht, dann findet man dort jede Menge bloggender Frauen. Die kath. Kirche hat dazu letztes Jahr einen Ratgeber herausgegeben, weil etwa 70 Prozent aller Wicca-Anhänger junge Frauen sind: http://www.kath.net/detail.php?id=30091 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1274&blogId=12#comment-16214 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1274&blogId=12#comment-16214 Mona 2012-05-23 15:28:03 Natur des Glaubens Verstehen setzt verstehen wollen voraus Das deutsche Wort "Verstehen" meint sowohl das intellektuelle Verstehen im Sinne von Begreifen als auch das einfühlende Verstehen. Warum sind bei Alltagsunterhaltungen über etwas gemeinsam oder ebenfalls Erlebtes die Missverständnisse schnell aufgeklärt? Weil die Gesprächssituation meist schon das sich hineinfühlen in den Anderen beinhaltet. Wenn man sich dem Hineinfühlen verweigert ist man ja oft schnell bereit zu sagen oder irgenwie dem andern zu vermitteln "Was du da sagst versteh ich nicht". Damit lässt man den andern abtropfen. Natürlich ist es kein Zufall, dass es im deutschen Wort "Verstehen" eine intellektuelle und eine emotionale Komponente gibt. Denn oft gehen die beiden Dinge Hand in Hand. Gerade auch wenn es um schwierigere Dinge geht. Wer etwas vermeintlich schwieriges begreift und stolz darauf ist, gibt den anderen oft zu verstehen, dass sie sich ebenfalls anstrengen müssen auf dieselbe Erkenntnishöhe zu kommen. Es ist dann nicht mehr weit zur Schaffung eines eigenen Codes - eines Codes, den nur Eingeweihte verstehen, womit man sich gegen Unberechtigte und Eindringliche abgrenzt. http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1273&blogId=22#comment-16213 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1273&blogId=22#comment-16213 Martin Holzherr 2012-05-23 15:20:46 Con Text Hirn und Geist Weil gerade Konsens-Stimmung herrscht, ;-) , ärgert Sie nicht auch ein Vortrag wie der hier Verlinkte mit Aussagen wie 'Die existenziell bedeutsame Frage nach dem Zusammenhang von Gehirn und Geist kann offensichtlich nur mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methoden bearbeitet werden. ... Ihre persönliche Meinung zu diesem Thema ist daher, mit Verlaub, irrelevant ...'? Würde sich nicht gerade hier der Glauben zu Erklärungszwecken anbieten - oder zumindest die Philosophie? MFG Dr. Webbaer (der ohnehin immer ein wenig abgenervt reagiert, wenn Religiöse nicht den Glauben wertzuschätzen oder gar nicht zu glauben scheinen, wie halten Sie's mit dem Glauben, ist es egal an welchen Gott man glaubt, sind die abrahamitischen Religionen auf denselben Gott fixiert?) http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1274&blogId=12#comment-16212 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1274&blogId=12#comment-16212 Dr. Webbaer 2012-05-23 14:39:51 Natur des Glaubens @Webbaer Dann meinen wir das Gleiche. Wenn sich ein Biologe zur Religion oder eine Theologin zur Genetik äußern, dann sind auch sie erst einmal "Laien", die sich einarbeiten müssten. Dazu lädt gerade auch die Blogosphäre täglich ein - was ich gut finde. http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1274&blogId=12#comment-16211 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1274&blogId=12#comment-16211 Michael Blume 2012-05-23 14:13:21 Natur des Glaubens @Mona Ja, ich würde davon ausgehen, dass die (Online-)Religionsdebatten sehr viel besser würden, wenn sich (auch) mehr Frauen z.B. als Bloggerinnen einbringen würden. Hast Du eine Ahnung, warum es da so wenig Beteiligung gibt (obwohl die Beteiligung z.B. in sozialen Netzwerken eher höher als die von Männern ist)? http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1274&blogId=12#comment-16210 http://www.scilogs.de/chrono/index.php?op=ViewArticle&articleId=1274&blogId=12#comment-16210 Michael Blume 2012-05-23 14:10:48 Natur des Glaubens