AKTUELLE POSTS chronologs

 
 

Kann es Sinn in der Zeit geben? Die Achillesferse des Säkularismus

Es spricht sich zunehmend herum: Nichtreligiöse Weltanschauungen haben ein demografisches Problem - wie zunehmend auch alle, die weiterhin auf Kapitalverzinsung setzen. Selbst der Zustrom von Flüchtlingen aus den Kriegs- und Armutsregionen des Planeten sowie die Abwerbung junger Leute aus Krisenregionen auch der Europäischen Union vermag das demografische, wirtschaftliche und kulturelle Verebben wohlhabender Regionen nur noch zu verzögern. Und laut welt.de bieten bereits 198 Geldinstitute den deutschen Sparern keine Zinsen mehr ("Nullkommanix") - und verzeichnen dennoch kaum Mittelabflüsse. Die wachsende Zahl ... weiter

 

Terror und Realpolitik – einige weitere Überlegungen

Vor etlichen Jahren saß ich bei einem Charlottenburger Österreicher mit einem Freund. Wir hatten beide einen exzellenten Tafelspitz und diskutierten über die jüdische Scheu vor dem eigenen Terror. Gemeint ist damit zweierlei: sowohl die Zwanghaftigkeit, mit der mögliche, selten auch tatsächliche Terrorangriffe jüdischerseits abgelehnt werden; wie auch die Verdrängung der eigenen Geschichte von den eigenen Terroristen, von Samson bis Ben-Gurion. Der heutige Durchschnittsjude empfindet also den Terror als Unkultur, als etwas, was sich nicht gehört und dem weniger entwickelten Orient, ... weiter

 

Zum österreichischen Scheinwerfer auf »Deutschland«

Irgendwann habe ich das RSS-Feed von www.geschichtsforum.de abonniert, da tauchen ab und an interessante Diskussionen auf, so etwa heute mit dieser Diskussion um den ganzen deutschösterreichischen Komplex, der hier ja öfter thematisiert wurde. Der Initiator schreibt: Wenn ich nach Österreich komme, dann fühle ich mich nicht wirklich "im Ausland". Dem kann ich mich anschließen: In Wien fühle ich mich erst recht in Deutschland, wesentlich mehr als etwa in Berlin. Nun sollte man mir aber erwidern: "Das ist ja deine subjektive ... weiter

 

Die Renaissance der russisch-orthodoxen Kirche im religiös vielfältigen Russland

Der Volksmund weiß schon lange, was sich religionssoziologisch heute klar bestätigt: "Not lehrt beten" - unter den Bedingungen existentieller Sicherheit schmilzt religiöses Engagement dagegen tendenziell ab. Deswegen erfolgte nach den Jahrzehnten der staatlichen Unterdrückung in den Gebieten der ehemaligen DDR - in denen der bundesdeutsche Sozial- und Rechtsstaat eingeführt wurde - kaum eine Belebung der religiösen Landschaft. In den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion dagegen, in denen das staatliche und wirtschaftliche Leben über lange Zeit praktisch zusammenbrach, erfolgte eine religiöse Renaissance. ... weiter

 

Kommentarregeln

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Lesefortschritt

Vor einigen Tagen machte die statistische Aufbereitung des Leseverhaltens von Kindle-Besitzern die Runde. Nein, nicht des Leseverhaltens, wie Markus Pössel erläutert, sondern des Markierverhaltens. Der so genannte Hawking-Index wird in den [deutschen] kulturpessimistischen Medien fälschlicherweise als Mass dafür genommen, wie wenig die Menschen lesen – sie kaufen sich die SPIEGEL-Bestsellerliste rauf und runter, um die Werke dann auf dem Kindle versauern zu lassen. In mach Fall mag das sogar stimmen, auch wenn ich nicht so recht sehe, wo der Sinn ... weiter

 

Asiatische Religionen in Deutschland – Einblicke von Manfred Hutter

Immer noch gibt es unter manchen "klassisch" arbeitenden Religionswissenschaftlern und Religionswissenschaftlerinnen Vorbehalte gegen das Internet, nach dem Motto: Nur was an schwer zugänglichen Leseorten und in möglichst unverständlicher Fachsprache publiziert ist, "zählt". Umso mehr freue ich mich, dass inzwischen auch gestandene Kollegen wie Prof. Dr. phil. Dr. theol. Manfred Hutter (Bonn) der Öffentlichkeit verständliche Arbeiten online und kostenfrei zur Verfügung stellen. So nutze ich diesen Blog gerne, um auf sein reich bebildertes Vortragsskript "Asiatische Religionen in Deutschland. Pluralismus in "fremder" ... weiter

 

Terror und Normalität (einige Überlegungen)

Laut der israelischen Tageszeitung "haaretz" sind die meisten Israelis kaum erschrocken, dass einige Juden auf den dreifachen Mord jüdischer Jugendlicher mit einem Mord an einem arabischen Jugendlichen reagiert haben. Als Journalist frage ich mich, warum das eine "Nachricht" sei. Wären etwa in Italien angesichts immerwährender Mafia-Morde wesentlich andere Emotionen zu erwarten? Wir sind ja in den alltäglichen Terror hinein geboren, mit explodierenden Bussen und rumliegenden, zerfetzen Körperteilen aufgewachsen. Da fällt es einem schwer, sich immer wieder ganz aufs Neue aufzuregen. ... weiter

 

Begeistert von Jeanne Hersch – und damit alleine?

Zu den mich am meisten bewegendsten Entdeckungen der Lese- und Schreibpause nach "Religion und Demografie" gehört die Schweizer Philosophin Jeanne Hersch (1910 - 2000), wie Hannah Arendt eine Schülerin von Karl Jaspers (1883 - 1969), u.a. der Entdecker der sog. "Achsenzeit". Während aber Hannah Arendt weltweit berühmt wurde, erreichte Hersch noch nicht die Bekanntheit, die ihr meines Erachtens zustehen sollte. Sie - die Tochter einer berühmten Ärztin sowie eines Professors der Demografie (!) & Statistik - nahm die Empirie und empirische Wissenschaften ... weiter

 

Das Foto vom Einmarsch der Amerikaner in Deutschland

Eines der bekanntesten Fotos vom Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland und dem Einmarsch der Amerikaner wurde zufällig in der Kleinstadt gemacht, in der ich wohne. Das Foto zeigt eine alte Frau, die erschüttert vor den Ruinen ihrer Wohnung steht, mitten in der Doppelreihe der einmarschierenden Amerikaner. Aufgenommen hat es Jerry Rutberg,  ein junger amerikanischer Soldat und ausgebildeter Fotograf. Ich frage mich oft, warum ausgerechnet dieses Foto so bekannt wurde. Schließlich dokumentierten ganz  viele Fotos des U. S. Signal Corps ... weiter

 

Quanten, Physik & Philosophie – Was ist eigentlich Realität? – Einführung in die Tropenontologie von Meinard Kuhlmann

Wenn man den interdisziplinären Dialog ernst nimmt, ist er nicht einfach, sondern verlangt allen Beteiligten viel ab. Als ich diese Woche wieder bei der "Ringvorlesung Evolution" der Evolutionsbiologie an der Universität Tübingen vortrug, wurde mir bewusst, wie weit wir in der interdisziplinären Evolutionsforschung der letzten Jahre schon gekommen sind - und wie normal und zunehmend informiert die Zusammenarbeit geworden ist. Zur Chemie oder gar Physik sind aber noch ein paar Emergenzen mehr zu überschreiten; und es mangelt nicht an Gefahren ... weiter

 

Publish or Post

Erinnern wir uns, Peer Review bedeutet Kollegen rund um die Welt nutzen und prüfen wissenschaftliche Beiträge. Verlage hingegen machen Lektorat - to cover their arses. Dass sie dafür auch die Expertise von gestandenen Wissenschaftlern nutzen, ist zwar kein Zufall, aber auch nicht systembedingt. Überhaupt ist die Rekursion auf prestigereiche Wissenschaftsverlage oder Magazine wie Nature unwissenschaftlich, da nicht der Inhalt und die Methoden, die in den Beiträgen beschrieben werden Massstab für die Qualität der Forschung sind, sondern der Ruf des Herausgebers. ... weiter

 

Sollten Evolution, Leben, Glauben rational oder logisch sein?

Wieder und wieder begegnen mir - auch auf dem Blog - Menschen, die irgendwoher annehmen, dass die Evolution, das Leben oder die Religion(en) "rational" oder "logisch" sein müssten. Über diesen seltsamen Glauben staune ich immer wieder, sind doch "Rationalität" und "Logik" nur sehr schwammige Begriffe, die noch dazu viele Phänomene des Lebens wie Kunst, Musik, Liebe oder Poesie kaum zu erfassen vermögen.   In einem Text von Erich Jantsch fand ich neulich ein Zitat aus dem SF-Klassiker "Dune". Dort sagt ... weiter

 

Gedächtnis und Wahrheit

Als Kind war ich kein guter Fußballspieler (daran hat sich übrigens bis heute nichts geändert). Auf dem Schulhof, wenn die guten Spieler ihre Mannschaften aussuchten, war ich immer der letzte. Einmal kam es zu so einem Elfmeter - ich nehme an, es waren in Wirklichkeit weniger als elf. Das kannst du machen, sagten mir die anderen und ehrten mich mit der wichtigen Aufgabe. Ich schoss den Ball so stark ich konnte. Direkt gegen die Latte. Davon habe ich diese Nacht, ... weiter

 

Und Gott in allem?

Seit langem - einige Jahre sind es inzwischen - habe ich mich hier kaum mit Gott beschäftigt. Diese Woche allerdings habe ich (endlich) Elie Wiesels "Prozess von Schamgorod" gelesen, ein kleines Buch über ein großes Thema (Vorsicht: der nachstehende Text enthält Spoiler). Als gläubiger Jude lässt Wiesel in diesem Stück seine Juden über Gott streiten - inwiefern ist dieser für das Leiden des jüdischen Volkes verantwortlich (zu machen)? Der dramaturgische Kniff besteht in der Versetzung der Handlung bzw. des Prozesses, ... weiter