AKTUELLE POSTS chronologs

 
 

Herrschaftlicher Wald

Auf der Suche nach dem Frühling stolperte ich mit einer Gruppe Freunde am vergangenen Wochenende mitten im Odenwald über diese interessante Konstellation. Wild wucherten sogleich die Mutmaßungen über den ehemaligen Zweck, von denen die meisten (jüdischer Friedhof, keltischer Ringwall, Limesreste …) mit Hohn bedacht und umgehend disqualifiziert wurden. Im Rennen blieben: der Hinweis auf eine nur im südöstlichen Odenwald verbreitete Tradition des Zaunbaus mit Stellsteinen, z. B. zur Sicherung des Viehtriebs oder zum Schutz gegen Wild. Der andere Tipp: eine ... weiter

 

War Barack Obama ein gescheiterter Messias? Anmerkungen zu einem Problem säkular-politischer Kultur

Wohl zum letzten Mal besuchte Barack Obama als US-Präsident die Bundesrepublik Deutschland. Dabei hielt er in Hannover auch eine Art "Abschiedsrede", die neben Danksagungen an Angela Merkel vor allem den Wert und die Bedeutung der Europäischen Union im Angesicht neo-nationalistischer Strömungen unterstrich. (Und die Hoffnung, einmal als Nicht-mehr-Präsident das Oktoberfest besuchen zu dürfen.) Es ist eine durchaus bemerkenswerte Rede und ich hatte auch kurz mit dem Gedanken gespielt, sie (wie eine frühere) zu übersetzen. Ich kann sie nur empfehlen. Doch ... weiter

 

Wider den Nationalstaat

Es begab sich aber zu einer Zeit, da Menschen gerne Urlaub an weit entfernten Gestaden machten, ihre Geschäfte international abwickelten, per Internet in den USA einkauften, TV-Shows aus  Japan sahen und Freundschaften rund um die Welt schlossen, als ein kleines Monster, das längst als weitgehend ausgestorben gesehen ward, seinen Kopf hob: Nationalismus. ... weiter

 

Pastoren und Politik? „…dieweil sie das gar nichts angeht”

Kirche und Politik – immer wieder eine spannende Sache. Wer da genauer hinschaut, wird immer wieder Wechselwirkungen sehen, mitunter auch gute.. Schließlich geht’s ja in den Kirchen um Menschen, und da fängt die Politik schon an: wie organisieren Menschen ihr Zusammenleben und wie werden sie organisiert? Auf welche Melodien singen sie und welchen Weisungen folgen sie? Eine Bemerkung des alten Kaisers Wilhelm II vom Jahr 1896 ist mir immer noch eindrücklich: „Politische Pastoren sind ein Unding. Die Herren Pastoren sollen ... weiter

 

Stolz auf osmanisch-türkische Eroberungen, empört über westlichen Imperialismus. Ein rationales oder narratives Phänomen?

Zu meinem sciebook über "Öl- und Glaubenskriege" erreichen mich immer wieder sehr interessierte und erfreuliche Reaktionen - und zwar sowohl von christlichen und konfessionsfreien wie auch von muslimisch-sunnitischen, alevitischen und yezidischen Leserinnen und Lesern. Manche fügen auch eigene Beobachtungen oder Fragen hinzu, so dass sich mitunter vertiefende Dialoge ergeben. Dabei fällt mir jedoch ein Phänomen ins Auge, dass ich hiermit vorstellen möchte: Unterschiede in der Deutung osmanischer und westlicher Eroberungen. Das sciebook über die "Öl- und Glaubenskriege" löst vielerlei Reaktionen ... weiter

 

Link: Is There a “Bad” Shakespeare Play?

Während ich noch darüber grübele, wie ich die Ebenen von Kritik, den Unterschied zwischen individuellem 'gefällt mir' und generellem 'ist gut' in einen Artikel giesse, der verständlich bleibt, gibt es passend zum 400-sten von William Shakespeare eine Kontemplation der Historie von gut vs. schlecht im Kontext seiner Stücke in der 'Arts & Culture'-Abteilung der Smithsonian-Website. Ein höchst lesenswerter Essay, an dem entlang jeder Leser seine eigene Einschätzung der gewählten Werke - oder ausgelassener - überprüfen kann: Welches Stück mag ich nicht? Warum mag ich es ... weiter

 

Jagende Frauen und sammelnde Männer

Die Deutung von steinzeitlichen Geschlechterrollen ist ein spannendes Phänomen. Nicht zuletzt, weil die Idee, dass Männer Jäger und Frauen Sammlerinnen seien, in der breiten Gesellschaft dominiert. Doch was steckt hinter diesen Rollenbildern? Und belegen die archäologischen Funde tatsächlich eine eindeutige Rollenzuweisung? Im gängigen Verständnis von den Geschlechtern ist der Mann das starke und die Frau das schwache Geschlecht. Die Vorurteile lauten: Männer sind schlauer, können besser einparken und sind insgesamt besser im logischen Denken. Frauen sind hingegen etwas gedankenlos, verstehen ... weiter

 

Freude am Wissen, Sorgen um Medien – Der #scilogs16

Kalte Regentropfen rauschen gegen die Fenster und die Kinder suchen Zeit und Nähe. Soll ich nun wirklich gen Wiesloch zum #scilogs16-Bloggertreffen aufbrechen? Es ist wieder mal Zehra, die mir den richtigen Schubs gibt: "Geh da wieder hin, das tut Dir gut!" Im Regionalexpress sitze ich einer Frau im Niqab gegenüber und stelle wieder fest, dass ich mich an die Vollverschleierung des Gesichts nicht gewöhnen kann und will. Doch dann steigt eine Horde besoffen-gröhlender Fussballfans hinzu, die meine Musikkenntnisse um das ... weiter

 

SciLogs16

Ein bisschen traurig war ich ja schon, dass die SciLogger sich nicht mehr im schönen Deidesheim getroffen haben. Aber Wiesloch konnte dann doch auch mit ein paar Trümpfen aufwarten. Für viel Freude und manche Spekulationen sorgte zum Beispiel schon der schöne Name Wiesloch: Ein großes Loch in der Wiese oder lauter zu einem Loch abfallende Wiesen, oder „finster wie’s Loch“…? In Wahrheit war natürlich mal wieder alles ganz anders: Der Ort ging aus einer Gründung des 6. Jahrhunderts namens "Wezzinloch" ... weiter

 

Religiosität in Hirn- und Evolutionsforschung beim ZIT Münster

Das Zentrum für islamische Theologie in Münster (ZIT) gehört mit den Professoren Mouhanad Khorchide und Milad Karimi zu den hörbarsten Stimmen einer innerislamischen Erneuerung, die sich gegen Hass, Extremismus und fehlende Bildung stemmt. Zuletzt ist z.B. das Debattenbuch von Prof. Khorchide und Hamed Abdel-Samad: "Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren". Vor drei Jahren war ich schon mal zu einem Vortrag zum Thema "Zeit, Evolution und Glaube" eingeladen worden - und habe mich nun über eine weitere Einladung zu einem ... weiter

 

Altes wiederentdecken

Vermutlich kennt der eine oder andere Leser die Wayback Machine, auch als Internet Archive bekannt. Vielleicht haben Sie schon einmal eine ältere Fassung eines Blogartikels dort gesucht, eine, die einen eklatanten Fehler dokumentiert, der später vom Autor heimlich, still und leise entfernt worden war. aber das ist  nicht das einzige, was Sie dort finden, nicht einmal das Interessanteste. ... weiter

 

Funktionen und Gefahren von Vorurteilen. Zum berühmten Aphorismus von Georg Christoph Lichtenberg – oder von Friedrich II

Wenn ein Aphorismus - ein "geistreicher Sinnspruch" - auch noch nach Jahrhunderten frisch und wahr wirkt, so ist dies gerade auch aus evolutionärer Perspektive interessant. Der Pfarrerssohn und Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799) gilt geradezu als Begründer der deutschen Aphoristik - und eine der ihm zugeschriebenen Aussagen über Vorurteile erlebt gerade als Online-Mem neue Popularität. So habe Lichtenberg angeblich gesagt oder geschrieben: Gesetzt den Fall, wir würden eines Morgens aufwachen und feststellen, dass plötzlich alle Menschen die gleiche ... weiter

 

Ökologistische Glaubenssätze und Ökologie Teil 3: Interspezifische Superorganismen

Es gibt zwischen zwei Lebewesen Beziehungen verschiedener Art: solche, die beiden Seiten Vorteile bringen, solche, die nur einer Seite Vorteile bringen, solche, die beiden Seiten Nachteile bringen. Und man kann zwischen fortpflanzungsbiologischen und ökologischen Beziehungen unterscheiden. Mutualistische Beziehungen sind für beide Seiten von Nutzen. Mutualismus hat nun die Tendenz, in dem Maße zuzunehmen, wie Organismen stammesgeschichtlich sich auf unterschiedlichen Anpassungswegen voneinander entfernen. Sie tendieren dann dazu, Leistungen zu erbringen, die dem Interaktionspartner nicht möglich sind, in denen aber doch ein ... weiter

 

Ökologistische Glaubenssätze und Ökologie, Teil 2: Populationen als Superorganismen

[1]Das Wort Population wird in der Ökologie verschieden gebraucht. Manchmal werden darunter alle Individuen einer Art, als Einheit genommen, verstanden, sofern sie in einem bestimmten Raum zusammenzuleben. Hier gebrauche ich das Wort so, wie es meist in der Populationsgenetik verwendet wird: Als Population wird diejenige Gesamtheit der Individuen einer Art bezeichnet, die sich (erfolgreich) paaren können, weil sie zur Paarungszeit nahe genug beieinander leben. Ihre Mitglieder müssen nur in zweierlei Hinsicht miteinander zu tun haben: (1) Sie können miteinander Nachkommen erzeugen ... weiter

 

Newsblog April 2016 mit Veranstaltungskalender

"Herr Blume, haben Sie irgendwo einen Veranstaltungskalender?" - "Michael, wann hast Du mal wieder einen Vortrag in der Nähe?" - "Sorry, der Algorithmus auf Facebook hat Dich irgendwie rausgeblendet." Seit Längerem grübele ich schon über die Frage, wie ich einerseits Interessierten Rückblicke und Veranstaltungshinweise zukommen lassen kann, ohne andererseits Leute zuzuspammen. Mich ärgert es selbst ja auch, wenn Benachrichtigungen oder Newsletter-Mails über Ganz-weit-weg-Termine den ohnehin übergroßen Informationsstrom verstopfen. Wir haben doch alle (hoffentlich) auch noch ein Offline-Leben! Andererseits kann ich ... weiter