AKTUELLE POSTS chronologs

 
 

Vergangenheit in Theorie und Praxis

Begonnen habe ich diese Diskussion über »Was ist Geschichte?« mit der Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Geschichte, d.h. zwischen dem, was war und verging, und dessen gegenwärtiger Wahrnehmung. Bislang haben wir über die Geschichte, also die Wahrnehmung des Vergangenen gesprochen. Nun soll das Vergangene selbst besprochen werden: Inwiefern können wir als Historiker wissen, was war? Auf der theoretischen Ebene erscheint die Vergangenheit wie natürlich entstanden (im Gegensatz zur künstlich bzw. bewusst konstruierten Geschichte): Vergangenheit ergibt sich einfach durch den natürlichen, objektiven ... weiter

 

Wie unterscheidet sich »Geschichte« von »Geschichtsschreibung«?

Nach der ersten Differenzierung zwischen Geschichte und Vergangenheit möchte ich nun eine andere Verwechslung entwirren. Wenn wir mit einem Text über die Vergangenheit reden, ist dieser nun Geschichte oder Geschichtsschreibung? Meine Antwort wäre: weder das eine noch das andere. Ein Text ist erst mal ein Text, also wörtlich ein Gewebe (nicht zufälligerweise klingt es so ähnlich wie »Textil«, das dieselbe lateinische Wurzel hat). In einem historischen Text ist das Geschehene (res gestae), also verschiedene Geschehnisse, zu einer (schlüssigen, deutenden, sinnstiftenden) ... weiter

 

Wie unterscheidet sich »Geschichte« von »Vergangenheit«?

Die Diskussion über das Wesen der Geschichte möchte ich mit einer Differenzierung beginnen, die vielen Missverständnissen vorzubeugen vermag. Im heutigen wie auch dem früheren Sprachgebrauch wird das Wort »Geschichte« sehr oft als identisch mit »Vergangenheit« benutzt; doch auch wenn zwischen beidem eine nachvollziehbare Nähe besteht, sind sie keineswegs identisch, wie Hegel anmerkte: »Die Geschichte verbindet in unserer Sprache sowohl die objektive als auch die subjektive Seite. Sie meint die res gestae (das Geschehene) und die historia rerum gestarum (die Erzählung ... weiter

 

Kommt der Kondor oder kommt er doch nicht?

Es ist acht Uhr morgens. Auf fast 4000 Metern Höhe, mitten in den peruanischen Anden: Mirador Cruz del Condor. Schon jetzt knallt die Sonne erbarmungslos vom blauen Himmel. Vor mir öffnet sich der Colca-Canyon als gähnender Abgrund. Und kein Kondor in Sicht. Da hatten wir am Tag des Abstiegs von Capanaconde in den "Oase" genannten Ort Sagalle (Foto) mehr Glück. Beim Aufstieg von 1200 Höhenmeter war sich zumindest Frank sicher, einen gesichtet zu haben. Nur ein Fünftel der Reisenden schafft ... weiter

 

Was ist Geschichte? Zur Einführung

Seit der Entstehung einer akademischen Geschichtswissenschaft (sofern die Geisteswissenschaften auch mangels wiederholbarer Experimente überhaupt als Wissenschaft verstanden werden) im 19. Jahrhundert hat der Geschichtsbegriff viele Änderungen durchgemacht. Im Allgemeinen lässt sich eine klare Tendenz nachzeichnen, die von dem (m. E. vermeintlich) objektiven Wahrheitsanspruch eines Leopold von Ranke über eine völlig teleologische und ideologisierte Eingrenzung im Sozialismus bis hin zu dem heute vorherrschenden, postmodernen Fokus auf die eigene Subjektivität führt, welcher auch für mich gilt. Während der frühere, romantische Anspruch auf ... weiter

 

Zu Gast beim großen Bruder des Grand Canyon

Chivay ist mein derzeitiger Lieblingsort. 3652 Meter über dem Meeresspiegel liegt das kleine Nest am Eingang des Colca-Canyon, inmitten von Terrassenfelden und im Schatten mächtiger Berge. Meine roten Blutkörperchen haben sich soweit an die Höhe gewöhnt, dass sie mich nicht zur Luftschnapperin machen. Hier gibt es keinen lärmenden und stinkenden Autoverkehr, denn der einzige, wirklich befahrbare Weg führt immer weiter in den Canyon hinein, der am Ende fast doppelt so tief ist wie sein großer Bruder, der Grand Canyon, in ... weiter

 

Islamisch & kinderlos – Die kurze Geschichte der Heme Suri

Zum Verständnis der Religionsdemografie und der durchschnittlich höheren Nachkommenzahl religiös praktizierender Menschen gehört, dass nicht "die" Religion(en) kinderreich sind, sondern dass religiöse Gemeinschaften ein kooperatives und reproduktives Potential aufweisen, das sich kulturell sehr verschieden ausprägen kann. So gehören zur christlichen Religionsgeschichte die betont kinderlosen Shaker ebenso wie die betont kinderreichen Old Order Amish - die sich in der (bio-)kulturellen Evolution schließlich auch durchgesetzt haben und ohne aktive Mission exponentiell wachsen. Nun habe ich in einem hervorragenden Sammelband-Artikel von Thomas Schmidinger ... weiter

 

Schrift als Voraussetzung für Geschichtswissenschaft?

Wer sich für Geschichte interessiert, dem fällt auf: Geschichtswissen ist konserviertes Wissen. Damit Geschichte konserviert werden kann, ist Schriftlichkeit notwenig. Die Forschung der ‚Oral History‘ zeigt, dass eine mündliche Wissenskonservierung wahrheitsnah maximal über drei Generationen erfolgt. Dies entspricht einer maximalen Überlieferungsdauer von 80 Jahren.[1] Die Konservierung von Wissen durch Schrift, abhängig vom verwendeten Medium, hat eine unbegrenztere Überlieferungsdauer. Der älteste datierbare Nachweis für Alphabetschrift im antiken Griechenland ist der Nestorbecher. Der Nestorbecher entstammt der spätgeometrischen Zeit und wurde zwischen 735 ... weiter

 

Ein neuer Blog

Herzlich Willkommen auf meinem Blog Wissenschaft heißt für mich Kommunikation: Auf Konferenzen, durch Bücher, in Fachartikeln oder während Seminaren, ohne Kommunikation gibt es keine Wissenschaft. Das Internet ist ein noch immer unterschätztes Kommunikationsmedium. Von Overhead zu Powerpoint, von Kopie zu Digitalisat, von Buch zu Blog, der Weg ist lang, aber sinnvoll. ‚Antikes Wissen‘ soll die Vielfalt der Geschichte unterstreichen, zum Nachdenken anregen und zur Diskussion führen. Erst durch Kommunikation entstehen neue Perspektiven und Ideen. Forschung ist ein Prozess, kein Absolut. ... weiter

 

Alle Religionen sind gut

„Alle Religionen seindt gleich und guht, wan nuhr die Leute, so sie profesieren, erliche Leute seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land pöbplieren, so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen“. Friedrich der Große   Friedrich hat unzählige Menschen seinem Ehrgeiz geopfert, er hat die Leibeigenschaft nicht abgeschafft usw. usf. Aber allein wegen dieses einen Satzes hat er den Beinamen „der Große“ verdient.   Mein vorletzter Blogartikel paßte nicht in den Rahmen dessen, worüber ich sonst ... weiter

 

Charles Darwins Evolutionsbiologie und die Gefahr des Sozialdarwinismus – Ein Beitrag von Bernd Ehlert

Seitdem ich mir als Kind erträumte, einmal "Schriftsteller" zu werden (Autor klang zu arg nach Auto, zu wenig nach Büchern), hatte ich mir vorgenommen, "Leserpost" wirklich ernst zu nehmen. Ich hatte auch selbst hin und wieder etwas geschrieben - und mich über (seltene) Reaktionen von Autorinnen und Autoren sehr gefreut! Bis heute lese ich aufmerksam, manchmal auch mehrfach, jeden Leserbrief und jede Rezension - und habe daraus immer wieder viel gelernt. Interessanterweise brachte "Evolution und Gottesfrage. Charles Darwin als Theologe" ... weiter

 

Kostbarkeit der kleinen Dinge

Verändert es das Lebensgefühl, im Schatten eines Vulkans und auf einem Erdbeben gefährdeten Gebiet zu leben? Ich denke schon. Auf alle Fälle gelingt es, schneller wesentlich zu werden und den Blick für die kleinen Schönheiten zu schärfen. Was gefährdet ist, erscheint kostbar, vermutlich geht das allen Menschen so. Ich habe das große Glück mit Fabricio einen Spanischlehrer gefunden zu haben, der sich nicht nur mit großer Geduld meinen ungeduldigen Fortschritten in dieser wunderschönen Sprache widmet, sondern auch ein begeisterter Pädagoge ... weiter

 

Frieren für die Wissenschaft: Lauresham im Winter

Wie kam der frühmittelalterliche Mensch durch den Winter? Der Frage gingen am zweiten Wochenende im Januar kostümierte Darsteller der Living History Projektgruppe „Reges Francorum“ nach. Sie trafen sich in Deutschlands jüngstem Freilichtmuseum, dem im September 2014 eröffneten „Experimentalarchäologische Freilichtlabor karolingischer Herrenhof Lauresham“, das dem „Welterbe Areal Kloster Lorsch“ in Südhessen angegliedert ist. Lauresham: Nachbau eines fränkischen Herrenhofs Das Freilichtlabor Lauresham ist ein Projekt der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, finanziert mit etwa je einer Million Euro durch das ... weiter

 

Serendipische Entdeckung im Nichts des alten Jahres

Manchmal findet man etwas, das man gar nicht gesucht hat - das aber mindestens so wichtig ist wie das ursprünglich Gesuchte. Inzwischen hat sich für solche Zufalls-Funde der besonderen Art sogar ein eigener Terminus eingebürgert: die Serendipität. Ich wollte nur eben im Münchner Hauptbahnhof einen Caramel Macchiato trinken und in die Zeitung schauen, die dort gelegentlich ausliegt. Von der Süddeutschen lag aber nur noch ein kärglicher Rest da - und der war schon eine Woche alt: Die Beilage "Wissen". Naja, ... weiter

 

James Bond ist Public Domain – in Kanada

Das ist bisher an mir vorbei gegangen. Anders als z.B. Deutschland, die USA oder das UK, hat Kanada seine Schutzfrist für Urheber nach der Berner Konvention nicht verlängert. Dort fallen Werke bereits 50 Jahre nach dem Tod des Autors in die Public Domain, wie es Anfang des Jahres u.a. in Falle Ian Flemings geschah. Sie können nun Flemings Figuren für eigene Geschichten nutzen, oder Sie veröffentlichen neue Ausgaben seiner Romane und Stories. Doch Vorsicht, das gilt nur für Kanada! Genaueres ... weiter