268 Megapixel für den Sternhimmel

17. Juni 2011 von Stefan Oldenburg in Aktuelles

Die Herzen aller Astronomen schlagen höher, da erste mit dem VLT Survey Telescope (VST) am Paranal gewonnene Aufnahmen nun vorliegen. Die ESO beeindruckt u.a. mit einem Bild des Kugelsternhaufens Omega Centauri, das schlicht atemberaubend ist und wohl detailreicher als alle bisherigen Abbilder dieses ungewöhnlichen Himmelsobjekts.

Das VLT Survey Telescope (VST) kombiniert mehrere Eigenschaften, die es für Aufnahmen im Bereich des sichtbaren Lichts einzigartig machen; die ESO spricht vom "... largest telescope in the world designed for surveying the sky in visible light...": Mit seiner Öffnung von 2,65 Metern und einer aus 32 2Kx4K CCDs zusammengefügten 268-Megapixel-Kamera bildet das modifizierte Ritchey-Chrétien ein riesiges Gesichtsfeld von 1°x 1° ab; das entspricht einem Durchmesser, der doppelt so groß ist wie der Durchmesser der Vollmondscheibe. Jeder Amateurastronom, der beispielsweise mit einem 10-Zoll-f/5-Newton visuell ein maximales Gesichtsfeld von knapp 2° erreichen kann, ahnt, wie riesengroß dieses Gesichtsfeld bei einem Teleskop mit dieser Öffnung ist.

Omega Centauri, VLT Survey Telescope (VST), ESO, Aufnahmedatum: 08.06.2011, Credit: ESO/INAF-VST/OmegaCAM. Acknowledgement: A. Grado/INAF-Capodimonte Observatory

 

Schon mit den ersten abgelichteten Himmelsobjekten Omega Centauri im Sternbild Zentaur und Omeganebel M 17 im Sternbild Schütze zeigt das neue Teleskop, was es kann – und ganz sicher noch erwarten lässt. Omega Centauri ist der größte Kugelsternhaufen, der die Milchstraße begleitet, leider nur von der Südhemisphäre der Erde aus sichtbar, und gleichsam derjenige Milchstraßenbegleiter mit den ungewöhnlichsten Eigenschaften. Zum einen ist seit 2008 ja bekannt, dass sich im Zentrum von Omega Centauri ein Schwarzes Loch von etwa 40.000 Sonnemassen befindet. Zum anderen unterscheidet sich Omega Centauri von kleineren Kugelsternhaufen, weil sich in ihm nicht nur eine alte, sondern mehrere Sternpopulationen unterschiedlichen Alters finden.

Gebaut wurde das neue Teleskop freilich nicht für "schöne" Bilder, sondern für großflächige Himmelsdurchmusterungen (auch in Kombination mit dem seit Dezember 2009 ebenfalls am Paranal betriebenen Infrarot-Teleskop VISTA), die auch auf Entdeckungen weit entfernter Himmelsobjekte wie Galaxienhaufen und hochrotverschobenen Quasaren aus der Kinderzeit des Universums hoffen lassen. Aber zunächst darf es auch mal "nur schöne" Bilder geben.

Die sagenhaft detailreichen Aufnahmen von Omega Centauri und M 17 kann sich jeder, der über einen flotten Internet-Zugang und einen PC mit großem Arbeitsspeicher verfügt, von der ESO-Website als .tif-Datei mit stolzen 529,6 MB beziehungsweise 663,9 MB herunterladen. Ich hoffe, das VST stürzt all jene Astrofotografen nun nicht in Depressionen, die mit ihren deutlich kleineren Instrumenten oftmals nicht weniger eindrucksvolle Astrobilder produzieren als dieses Monstergerät der Europäischen Südsternwarte. Aber eben nicht ganz so eindrucksvolle Bilder... ;-)

Clear Skies, Stefan Oldenburg

Website der ESO zum VST
Pressemitteilung der ESO zum VST vom 8.06.2011
ESO-Bilder des VST samt Kamera
Die VST-Aufnahme von Omega Centauri
Die VST-Aufnahme von M 17
Wikipedia zum VST

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