Grenzen des homo sapiens


Wissenschaftsblog Auslese 2010
Einer der 15 besten wissenschaftlichen Blogartikel des Jahres 2010

Aufgrund zweier aktueller Nachrichten nehme ich mir die Freiheit, einen Schritt zurück zu treten, um den Blick für "Grenzen" der geologisch jungen Spezies homo sapiens zu schärfen. Zum einen ist es die Ölpest im Golf von Mexiko, welche einmal mehr zeigt: Der Mensch überschreitet ständig Grenzen – in diesem Fall technische Grenzen – und ist, wenn etwas schief läuft, mit den Konsequenzen überfordert. Zum anderen liegt nun der dritte UN-Bericht zur "Lage der biologischen Vielfalt" vor, der eine verheerende und beschämende Bilanz zieht. Was sind das für Grenzen, welche sind natürlich, welche anthropogen, an welche Grenzen stößt der Mensch, welche überschreitet er?

Nachricht 1: Die Ölpest im Golf von Mexiko

Seit die Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" am 20. April explodierte und zwei Tage später sank, strömen am funktionsuntüchtigen Blowout-Preventer in etwa 1500 Metern Tiefe am Meeresboden täglich geschätzte 5000 Barrel (etwa 800.000 Liter) Öl aus. Andere Schätzungen gehen sogar von mehr ausquellendem Rohöl aus. Wie wir nun zur Genüge hören mussten, ist es Technikern des BP-Konzerns auch nach mehreren hilflos wirkenden Versuchen unmöglich, weiteres Austreten von Öl zu unterbinden. Die Technik spiele nicht mit, so heißt es.

Dieselbe vom BP-Konzern betriebene Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" brach am 2. September 2009 den Rekord der weltweit tiefsten Bohrung in der Tiefsee: Im Tiber-Ölfeld trieb sie in einer Meerestiefe von 1250 Metern eine Bohrung bis hinab in 10.685 Meter Tiefe. Immer tiefer geht es, um unserem Heimatplaneten irgendwann auch den letzten Tropfen des wertvollen Rohstoffs Öl zu entringen und das deutlich absehbare Ende der Öl-Verfügbarkeit um ein paar Jahre nach hinten zu dehnen. In diesem Handeln spiegelt sich die reine Vernunft, deshalb das "sapiens" im biologischen Namen unserer Spezies.

Von diesem Rekord beflügelt, zerstreute der BP-Vorstand David Rainey noch im November vor dem US-Senat Sorgen um eine Umweltkatastrophe, wie sie nun ihren unaufhaltsamen Lauf nimmt (pro Minute treten derzeit weitere 550 Liter Öl am Meeresgrund aus). Er verwies bei der Anhörung zum Thema "Tiefseeölförderung" auf den Blowout-Preventer, der in einem solchen Fall das Bohrloch automatisch verschließen sollte, und verwischte Einwände mit einem Hinweis auf die "Hightechindustrie", die hinter solcherlei Unterfangen steht. Wo theoretisch nichts passieren kann, muss auch keine – die Rendite schmälernde – Vorsorge getroffen werden: Nun sehen wir, dass die Ölindustrie in der Tat keinerlei Vorkehrungen gegen eine derartige Katastrophe in petto hatte und sich damit selbst zum hilflosen Zuschauer einer selbst ausgelösten Umweltkatastrophe monströsen Ausmaßes degradiert hat. Für den konkreten Fall des Betreibens von Offshore-Bohrinseln ist zu postulieren: Hier sind Grenzen der technischen Beherrschbarkeit zweifelsohne weit überschritten.

Ständig überschreitet der Mensch Grenzen des Machbaren. Grenzen des Machbaren sind stets auch Grenzen des Sinnvollen. Wo das Überschätzen eigener Fähigkeiten – meist motiviert durch Verblendung durch Technik – dazu verleitet, die Grenzen des Machbaren aus den Augen zu verlieren, da macht sich jenes sinnlose Elend breit, wie wir es alle paar Jahre erleben: Seveso 1976, Amoco Cadiz 1978, Ixtoc 1979, Bhopal 1984, Tschernobyl 1986, Exxon Valdez 1989, See Empress 1996, Prestige 2002, Deepwater Horizon 2010, und so weiter und so fort (hier eine Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen, hier eine Liste chemischer Katastrophen, hier eine Liste von Ölkatastrophen). Das Muster ist stets dasselbe: Es heißt, die Technik sei beherrschbar. Sie ist es meistens nicht, und deshalb wird nach "Unfällen" – die meist dargestellt werden als "Naturkatastrophen" – Symptombehandlung betrieben, kaschiert (Beispiel Betonmantel um den explodierten Tschernobyl-Reaktor), verdrängt. Bis zum nächsten "Unglück".

Nachricht 2: Global Biodiversity Outlook 3

Der jüngste und dritte UN-Bericht zur "Lage der biologischen Vielfalt" – "Global Biodiversity Outlook 3" – liegt seit wenigen Tagen vor; hier dazu eine Presseerklärung der UN; und hier der komplette Bericht als PDF-Datei (10 MB); die deutschsprachige Version der Zusammenfassung findet sich auf dieser Website der UN.

Wir lesen auf Seite 7 der deutschen Zusammenfassung (bzw. Seite 9 des auf englisch verfassten Berichts): "Das im Jahr 2002 vereinbarte Ziel der Staatengemeinschaft, "bis zum Jahr 2010 die anhaltende Verlustrate an biologischer Vielfalt auf globaler, regionaler und nationaler Ebene als Beitrag zur Armutsbekämpfung und zum Wohle allen Lebens auf der Erde signifikant zu reduzieren", ist nicht erreicht worden."

Das ist noch arg zurückhaltend formuliert. Denn die Bilanz des dritten Berichts ist mehr als katastrophal: Nicht ein einziges der 21 Ziele zum Schutz der Biodiversität, die im Jahre 2002 für 2010 gesteckt wurden, ist erreicht worden. Vermutlich stecken wir mitten in den Anfängen des siebten globalen Artensterbens der Erdgeschichte, das zum einen das erste von einer einzigen Spezies ausgelöste Artensterben ist, zum anderen eines, das in seiner Rasanz einzigartig sein dürfte. Nur zwei Details aus der Einleitung dieses UN-Berichts untermalen dies auf erschreckende Weise (Seite 7 ff, bzw. Seite 9 ff):
- Ein Viertel aller Pflanzenarten gilt als vom Aussterben bedroht.
- Die Population von Wirbeltierarten hat zwischen 1970 und 2006 um ein Drittel abgenommen.

In diesem UN-Bericht werden fünf Hauptbelastungen genannt, "die zum Verlust an biologischer Vielfalt beitragen": "Veränderungen des Lebensraums, Übernutzung, Umweltverschmutzung, invasive gebietsfremde Arten und Klimawandel". Konkreter haben wir es auf globaler Ebene zu tun mit Entwaldung, Desertifikation, Bodenerosion und allg. Degradation von Böden, Auszehrung der Weltmeere, Überfischung, Luftverschmutzung. Allen Umwelteingriffen gemeinsam ist ihre artenreduzierende Wirkung.

Diesen allgemein gefassten Umweltveränderungen füge ich mit Nachdruck eine bislang in ihren ökologischen Auswirkungen weithin unterschätzte Form der Umweltzerstörung hinzu: Lichtverschmutzung. Wenngleich es bislang kaum Studien gibt, welche den Artenrückgang durch zu viel, falsch bzw. sinnlos verwendetes Licht quantifizieren, so besteht Einigkeit darin, es längst mit einer artengefährdenden Problematik zu tun zu haben. In regionalen Einzelstudien (die in dem 2009 erschienenen Buch "Das Ende der Nacht" auf Seite 77 ff gelistet sind, und das ich hier rezensiert habe) ist die alarmierende Größenordnung eines Artenschwundes nachtaktiver Insekten von 70 bis 90 % bestimmt worden.

Der homo sapiens als geologische Kraft

Zum ersten Mal im Verlauf der 4,56 Milliarden Jahre Erdgeschichte ist eine Spezies – jene, welche diese Zeilen hier lesen und geistig erfassen kann – zu einer geologischen Kraft geworden. Umweltveränderungen durch Rohstoff- und Energiegewinnung konkurrieren mit den Systemen Plattentektonik und Klima. Mit regionalen Konsequenzen betreibt der Mensch dies seit dem Neolithikum, mit globalen Folgen auf die gesamte Biosphäre seit etwa 250 Jahren. Der Beginn der Moderne markiert jenen Übergang in eine Epoche auf der geologischen Zeitskala, für die der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen die Bezeichnung "Anthropozän" wählte. Dereinst wird diese – fast unmerklich schmale – geologische Schicht ähnlich markant nachweisbar sein wie die Kreide-Tertiär-Grenze, und sich findigen Geologen insbesondere durch einen massiven Rückgang der Artenvielfalt darstellen.

In diesem knappen Vierteljahrtausend, das seit dem Beginn der Moderne vergangen ist, und das nicht mal einen Hauch auf der geologischen Zeitskala markiert, ist die Weltbevölkerung von einer knappen Milliarde Menschen auf nunmehr 6,9 Milliarden Menschen angestiegen. Allein innerhalb des 20sten Jahrhunderts vervierfachte sich die Weltbevölkerung. Laut UNO-Prognose könnten sich im Jahre 2025 acht Milliarden und bis 2050 9,2 Milliarden Menschen auf der Erde tummeln. Der Verbrauch von Land, Wasser und Luft übersteigt längst die Tragfähigkeit des Planeten Erde. Auf diesem Planeten leben wir, er besitzt alles, was wir zum Leben benötigen, doch erstens genügt das insbesondere den Bewohnern reicher Staaten nicht, und zweitens ist dies völlig aus dem Blick all jener Menschen geraten, die Wohlstand und Wachstum über den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen stellen.

Anthropogene Grenzen innerhalb natürlicher Grenzen

Die natürlichen Grenzen sind all jenen präsent, die um die unveränderlichen Naturgesetze und Regeln der Biosphäre wissen. Anthropogene Grenzen und Gesetze sind der Natur egal, obgleich der Mensch seine Regeln stets über diejenigen der Biosphäre erhebt. Der Mensch zieht seine Grenzen innerhalb natürlicher Grenzen. Wirtschaftliche Zwänge hindern ihn an effektivem Schutz der reichlich dünnen Lebenssphäre, die allein dem Mensch Schutz bietet und ihn überleben lässt. Der fest verankerte Glaube an "grenzenloses Wachstum" verblendet den Menschen und lässt ihn Ökologie immer nur als Anhängsel von Ökonomie betrachten. Dabei ist es genau umgekehrt: Alles hat sich ökologischen Rahmenbedingungen anzupassen, weil sich alles menschliche Handeln innerhalb natürlicher Grenzen abspielt. Zerstört der Mensch durch sein wirtschaftendes Handeln jene "Dienstleistungs-Mechanismen", welche unser Heimatplanet uns zur Verfügung stellt, so wird letztendlich eine Spezies den Kürzeren ziehen, der Mensch. Ja, es sind Dienstleistungen, die unser Planet uns bietet, und die wir als solche nicht wahrnehmen, indem wir sie als selbstverständlich betrachten: die Photosynthese, die Erzeugung von Sauerstoff, die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie, die Bestäubung von Pflanzen, alles Mechanismen, die wir auch mit noch so fortschrittlicher Technik niemals substituieren könnten.

Die Osterinsel als Metapher

Die Osterinsel wird oft als Metapher für dieses – letztlich selbstzerstörende – Handeln des Menschen angeführt: Seit der Besiedelung um 900 vergingen lediglich sechs Jahrhunderte, bis die letzte Palme des Pazifik-Eilandes gerodet, der letzte Seevogel verzehrt, und die Lebensgrundlagen zerstört waren. Dumm nur, dass eine Flucht von dieser abgelegenen Insel nicht möglich war; Kannibalismus unter den miteinander verfeindeten zwölf Restgruppen war die Folge. Die Grenzen des Wachstums wurden hier überschritten, einen Ausweg gab es nicht. Apropos "Ausweg": Den wird es von der Erde ebenfalls nicht geben. Jedenfalls nicht für unsere Generationen und die kommenden 1000 Generationen, sofern sie noch existieren werden. Der moderne Mensch geriert sich wie ein Virus, das sich allzu schnell vermehrt, seinen Wirt letztlich tötet. Mit einem Unterschied: Das Aussterben des homo sapiens wird der Erde keinen Schaden zufügen; sie wird sich schnell erholen von dieser Spezies.

Natürliche Grenzen sind trügerisch: Der Mensch sieht sie nicht, will sie nicht sehen, weil er sich bei seinem Streben nach Mehr und immer Größer, Weiter, Toller, Schneller gerne und stets aufs Neue verblenden lässt. Der Mensch nimmt natürliche Grenzen erst wahr, nachdem sie überschritten und Konsequenzen unabwendbar sind. Die größte Errungenschaft des menschlichen Bewusstseins ist gleichsam eine Täuschung, die in der Illusion gipfelt, über der Natur zu stehen, sie sich unterwerfen zu können. Doch die Natur ist nicht unterwerfbar, auch wenn dieser Irrglaube ähnlich fest im menschlichen Bewusstsein verankert ist wie der Glaube an grenzenloses wirtschaftliches Wachstum. Die Grenzen der Natur haben immer das letzte Wort, nicht der Mensch.

Tja, warum macht der Mensch das?

Warum zerstört der Mensch wissentlich und in vollem Besitz seiner geistigen Kräfte seine Lebensgrundlagen, überschreitet Grenzen, welche sein Lebensraum vorgibt?

Eine tiefsinnige Antwort auf diese Frage gibt Max Frisch in seiner ursprünglich als Hörspiel konzipierten Burleske "Biedermann und die Brandstifter": Der Kleinbürger Gottlieb Biedermann lässt einen Hausierer und dessen Kumpanen auf seinen Dachboden, wissend, dass sie dort Feuer legen werden, ganz so, wie sie es explizit ankündigen. Anstatt die Brandstifter mutig aus seinem Haus zu werfen, hilft er ihnen vor dem Brand – der auf die ganze Stadt übergreift – sogar höchstselbst beim Auslegen der Lunte. Warum? Weil er sich durch Lobhudeleien und Schmeicheleinheiten der Brandstifter verblenden lässt. Hinzu kommen Kurzsichtigkeit und Feigheit. Den Abgrund vor sich sehend, glaubt Gottlieb Biedermann bis zum Ende nicht daran, dass ihn das drohende Schicksal tatsächlich treffen könnte, welches er durch sein Handeln selbst heraufbeschwört. Der Mensch, für den Gottlieb Biedermann symbolisch steht, denkt linear, lässt sich leicht verblenden und glaubt nicht daran, dass sein Handeln Konsequenzen in der Zukunft haben könnte, weil er sie nicht sehen will – wider besseren Wissens. Beispiel Raucher: Kein Raucher glaubt ernsthaft daran, mit großer Wahrscheinlichkeit einmal an Lungenkrebs dahinzusiechen.

Max Frisch hat seinem Werk "Biedermann und die Brandstifter" übrigens den Untertitel hinzugefügt: "Lehrstück ohne Lehre".

Ach ja, das "sapiens" im "homo sapiens" heißt ja zu gut Deutsch so viel wie "weise" oder "einsichtsvoll".

"Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt der Volksmund. "Dum spiro spero", schrieb Cicero an seinen Kumpel Titus Pomponius Atticus.

Clear Mind. Stefan Oldenburg


31 Kommentare zu “Grenzen des homo sapiens”

  1. Dyrnberg Antworten | Permalink

    Wunderbarer Blog. Machte Spaß, den Gedanken zu folgen.

    Hinsichtlich der Frage "Warum macht der Mensch das?" fehlt glaube ich ein ganz, ganz relevanter Faktor, nämlich:

    Gegenwärtige Umweltschäden zeichnen sich gerade durch eine schwer zu benennende und kaum zu durchschauenede Kausalität aus, in anderen Worten: Es ist selten klar zu beantworten, wer zu welchem Anteil einen Schaden verursacht hat. Und ohne dieses Wissen will sich eben auch kein moralisches Verantwortungsgefühl einstellen.

    Wenn ein Mensch in Wien an der Supermarktkassa Produkt X kauft, fördert er beispielsweise möglicherweise die Regenwaldabrodung. Ist er verantwortlich zu machen? Wenn meine Nachbarin 3 Kinder bekommt... soll ich sie beschuldigen, die Überpopulation - möglicherweise unser dringendstes Problem - zu verschärfen?

    Will heißen: Die Menschen steuern nur bedingt auf den Abgrund zu, weil sie geblendet sind und die Konsequenzen nicht wahrhaben wollen, sondern weil wir in einer Dynamik "gefangen" sind. Milliarden wurschteln vor sich hin, und auf der Makroebene stellen sich die Schäden ein.

    Nur meine Meinung. Aber wie gesagt: Wunderbarer Blog.

  2. Horst Arndt Antworten | Permalink

    Toller Beitrag

    Mir macht das Angst! Brav habe ich letzten Sonntag meinen Wahlzettel abgegeben. Nach der Devise: nach mir die Sintflut oder solange ich atme, hoffe ich?

    Horst Arndt

  3. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Beherrschung der Technologie

    Die Photosynthese, die Erzeugung von Sauerstoff, die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie, das sind alles Mechanismen, die wir mit fortschrittlicher Technik ohne weiteres substituieren können.

    Gentechnisch veränderte Pflanzen kommen auch ganz ohne Bestäubung aus, und wachsen an Stellen, an denen das normale Pflanzen nicht mehr schaffen.

    Wie ist das Verhältnis zwischen fliegenden und abstürzenden Flugzeugen, wie ist das Verhältnis zwischen laufenden und brennenden Kernreaktoren, wie ist das Verhältnis zwischen produzierenden und explodierenden Bohrinseln, wie ist das Verhältnis zwischen sauberen und ölverschmutzten Küstengebieten?

    Ich sage, das Verhältnis spricht für die Beherrschung dieser Technologien.

    Sind denn Kaffeetassen schlecht, weil sie gelegentlich hinunter fallen und zerbrechen können?

  4. Cyrill Harnischmacher Antworten | Permalink

    Inflation der Katastrophen

    Längst sollte es jedem bekannt sein, welche Schäden der Mensch an der Natur anrichten kann. Sollte man meinen. Was aber passiert ist eine zunehmende Hilflosigkeit, Desinteresse oder auch ein überfordert sein der meisten Menschen.

    Viele Umweltprobleme sind zu komplex als daß sie sich vom Laien noch nachvollziehen lassen. Wer oder was war denn jetzt der Verursacher und kann ich da als Einzelner überhaupt was tun?

    Zu dieser Komplexität kommt erschwerend hinzu, daß vieles einfach nicht mehr verstanden wird. "Anthropogene Grenzen", "Biodiversität", "Desertifikation", "Blowout-Preventer" usw. Ein Sprachgebrauch der eher an Yuppies, Banker und Politiker erinnert und von normalen Menschen als "sich wichtig machen wollen aber trotzdem nur heiße Luft verkaufen" empfunden wird. Zu oft haben wir "Nachhaltigkeit" und Ähnliches in allen nur erdenklichen Zusammenhängen gehört als daß wir solche Begriffe noch ernst nehmen können. Übrig geblieben ist nur der Geschmack eines beliebigen Modewortes.

    Ähnlich ist es mit den gerne angeführten Statistiken. Millionen von Tonnen irgendwelcher Substanzen werden von soundsoviel Prozent der Bevölkerung freigesetzt. Wer kann so etwas noch nachvollziehen? Und wie soll der kleine (und wirklich wichtige) persönliche Beitrag zum Umweltschutz gegen solche Zahlenspiele ankommen? Was können ein paar vermiedene Kilogramm Müll gegen solche irrwitzigen Mengen ausrichten? Und ständig kommen neue Zahlenwerke hinzu, Milliarden Tonnen schlechtes Gewissen, mehrmals täglich.

    Und so kommt es wie es kommen muss, die einen schalten einfach ab weil sie mit der Situation restlos überfordert sind, die anderen fahren 20km mit dem Geländewagen zum Biobauern weil es gerade in ist Ökoäpfel zu kaufen.

    Wir haben die Grenzen schon erreicht, die Grenzen der Handlungsfähigkeit.

  5. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Natur und Technik entflechten

    Die Population der Menschen und die Art Mensch

    Tiefseebohrungen a la Deepwater Horizon um der Erde auch noch den letzten Tropfen Öl zu entreissen , Überfischung, Deforestation, Desertifikation und exzessive Verschmutzung haben gemeinsam, dass der ursprüngliche Nutzen für den Menschen, nämlich die Ressourcenbeschaffung, sich in einen Schaden verwandelt. Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens wird missachtet und eine Ressource bis zum bitteren Ende (ausgefischte Meere,verwüstete, entwaldete Landflächen) ausgebeutet.

    In diesem Grenzen missachtenden Verhalten unterscheidet sich der Mensch nicht von anderen Arten. Auch eine Bakterienkultur in der Petrischale wächst solange bis sie an den eigenen Ausscheidungsprodukten zu Grunde geht. Die menschliche Gemeinschaft entwickelt sich wie andere biologische Systeme von Krise zu Krise. Finankrise, Schuldenkrise, Entwaldung (schon durch die alten Griechen), Ausfischung haben vieles gemeinsam. Alle Individuen, die zusammengenommen die Krise verursachen, handeln für sich betrachtet rational (jeder Fischer fischt um seinen Familie zu ernähren, jeder Banker macht gute Deals für sich und seine Bank usw.). In der Summe ist das Ergebnis aber katatrophal.

    Der Mensch und die Menschheit als Summe von Individuen handelt also nicht grundsäztlich anders als andere Lebewesen. Die Technik potenziert aber menschliches Handeln und potenziert damit auch die schädlichen Auswirkungen. Den biblische Auftrag - macht euch die Erde untertan - hat der Mensch schon längst übererfüllt.

    Der Artikel Grenzen des homo sapiens und schon Die Grenzen des Wachstums zeigen aber auch die Einsichtsfähikgeit und Antizipationsfähigkeit des Menschen.

    Allerdings sind Zielsetzungen wie Erhaltung der Biodiversität, Begrenzung des CO2-Anstiegs der Atmosphäre usw. nur dann zu erreichen, wenn einzelne Menschen, Firmen und Länder bereit sind, sich diesen höheren Zielen unterzuordnen. Damit wird auch die Freiheit eingeschränkt.

    Wir wissen, dass wir unseren ökologischen Fussabdruck verkleinern müssen. Bedenkt man aber, dass noch viel notwendiges ökonomisches Wachstum in der Pipeline steckt (Schwellenländer China, Indien usw.), so kann einem tatsächlich bange werden. All die Menschen, die jetzt noch in Armut leben, beanspruchen die Ressourcen des Planeten kaum, sie werden das aber tun, wenn sie zu Wohlstand kommen.

    Beschränkung des menschlichen Einflusses auf Natur und Planeten

    Im verlinkten Artikel über die Lage der biologischen Vielfalt (Presseerklärung der UN) steht der Satz:

    "... focusing on biodiversity as the key to sustainable development for all."

    Die Idee der Biodiversität hat es am schwersten, denn die meisten Menschen kümmert die Artenvielfalt einen feuchten Dreck. Das Idealbild der meisten Menschen von der Natur ist der Garten Eden oder allenfalls die Obstplantage. In der Schweiz wurde das Jahr der Biodiversität durch den zuständigen Minister in der Tagesschau durch seinen Einkauf einer Bioapfelsorte vorgestellt und er lobte, dass es hunderte von Apfelsorten gäbe, die von den umweltbewussten Bauern angebaut würden.
    Doch die Arten, die der Mensch selbst herangezüchtet hat, sind meiner Ansicht nach viel weniger wichtig als die Arten, die einfach nur um ihrer selbst willen leben.

    Die Artenvielfalt zu erhalten verlangt danach die Natur in ihrer Ursprünlichkeit zu erhalten..

    Anstatt die ganze Welt in einen grossen Garten Eden umzuwandeln oder überall Biolandwirtschaft zu betreiben (bis hin zu Biotreibstoff) sollte der Mensch seinen Fussabdruck vermindern, indem er sich in seine eigene (möglichst kleine) Welt zurückzieht und möglichst viel Natur übriglässt.

    Technik ja, aber nicht überall, vielmehr Stoffkreisläufe so weit wie möglich von der Natur entflechten:
    - Zuchtfische anstatt leergefischte Gewässer
    - Etragsreiche Sorten auf so wenig Land wie möglich
    - Verdichtetes Bauen
    - Elektromobil anstatt Autos, die mit Bioethanol (sei es auf Korn- oder auf Zellulosebasis) laufen
    - CO2-Ausstoss in Industriestoffe umwandeln (analog wie die Natur CO2 in Zucker umwandelt)
    - Anstatt die Natur in Reservate zurückdrängen, dem Menschen Reservate zuweisen

    Der Mensch sollte in seiner technisierten Welt leben und die Natur möglichst wenig beinträchtigen.
    Ein Modell dafür ist die mittelalterliche Stadt: klein, umgeben von einer Mauer, die Natur bleibt draussen. Ein anderes Beispiel ist das Vertical Farm Projet von Dickson Despommier, der Hochäuser für die landwirtschaftliche Produktion mitten in der Stadt plant (siehe Spektrum der Wissenschaft 4/10 http://www.spektrum.de/...el/1023392&_z=798888 ).

  6. Michael Khan Antworten | Permalink

    Zielgerichteter Fatalismus?

    Vielem in deinem Abeitrag kann ich zustimmen. Aber bei den reichlich fatalistischen Aussagen bekomme ich Bauchgrimmen, z.B.:

    "Ständig überschreitet der Mensch Grenzen des Machbaren."

    oder

    "Es heißt, die Technik sei beherrschbar. Sie ist es meistens nicht,"

    Bei solchen Aussagen neigen viele gleich zum Zustimmen. Schlimm genug, wenn der Mann von der Straße gleich diese Konsequenz zieht.

    Richtig bedenklich ist es aber, wenn Politiker oder sonstige Entscheider in dieses Horn stoßen. Da ist äußerste Vorsicht angebracht, denn wenn die mit sowas kommen, herrscht Vertuschungsverdacht.

    Im Fall des Unglücks der Ölbohrplattform Deepwater Horizon schält sich im Laufe der jetzt angestellten Untersuchung nämlich mittlerweile recht deutlich eins heraus:

    http://news.yahoo.com/...n_bi_ge/us_gulf_oil_spill

    Es geht gar nicht darum, dass man mit der Technik an den Grenzen des Machbaren oder darüber hinaus gegangen ist. Es ist auch keineswegs so, dass wir es hier mit einer unbeherrschbaren Technik zu tun haben.

    Es ist allerdings schon so, dass man es mit gewissen Risiken zu tun hat. das ist allerdings noch lange kein Grund, es ganz zu lassen, aber ein sehr guter Grund, genau hinzuschauen, strenge Regelungen aufzustellen und deren Einhaltung genau zu überwachen.

    Genau das hat man allerdings versäumt. Wie sich jetzt herausstellt, liegt eine wesentliche Wurzel des Problems in mangelhafter Regulierung. Man ließ die Industrie einfach so machen, ohne genau hinzuschauen. Das geht neunundneunzig Mal gut, das hundertste Mal nicht.

    Deswegen darf man das das so nicht machen. Da haben ganz einfach die Behörden und die Politik gepennt.

    Aber jetzt soll da bitteschön keiner hinstellen und sagen "Das ist gar nicht die Schuld von irgendwem im Besonderen, sondern es liegt an der menschlichen Hybris."

    Wenn es irgendwie an allen liegt, dann liegt es an keinem, und niemand wird haftbar gemacht. Das könnte den Herrschaften so passen, aber darauf sollte man sich gar nicht einlassen.

    Das gleiche Prinzip hatte auch der damalige Kölner Oberbürgermeister Schramma versucht. Ich habe ihn in einem Radiointerview kurz nach dem Einsturz des Stadtarchivs sagen hören, der Bau von U-Bahnen in dicht bebauten Städten, vor allem mit dem gewählten Verfahren, sei infrage zu stellen. Also wieder das Argument von der angeblich nicht beherrschbaren Technik, der der Mensch nicht gewachsen sei.

    Herr Schramma mag aber damals schon geahnt haben, dass da in Wirklichkeit ganz andere Sachen im Busch waren. Wie sich bald darauf herausstellte, war es keineswegs das problem der nicht beherrschbaren Technik, sondern ganz gewöhnlicher, krimineller Pfusch und mangelnde Aufsicht seitens des Bauträgers, also etwas, wofür die verantwortung am Ende bei ihm landen würde.

    Also, ich bin bei solchen Argumenten sehr skeptisch. Vor allem beunruhigt es mich, wie stark und verbreitet das Misstrauen gegenüber der Technik ist, und wie leicht sich dieses Mißtrauen zur Manipulation der Leute ausnutzen lässt.

  7. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Nachtrag:

    Zum Thema der Katastrophen:

    Flugschreiber gibt es deshalb, damit zwei Flugzeuge nicht nach einander aus dem gleichen Grund abstürzen.

    Jeder darf ein mal einen Fehler machen, aber nicht zwei mal den selben.

    Dieses Prinzip lässt sich auf jede beliebige Technologie anwenden.

    Harrisburg und Tschernobyl wurden deshalb auch genau analysiert.

    Versuch und Irrtum kommen auch in der biologischen Evolution vor.

    Und die ersten Dampfmaschinen hatten nicht einmal ein Sicherheitsventil.

    ---

    Zum Thema "Das können wir selber besser":

    Der Wirkungsgrad der Photosynthese von Landpflanzen beträgt etwa 1 bis 2 % bei Photosynthese und anschließender Verbrennung.

    Das liegt daran, daß mehrzellige Landpflanzen eine Menge Tätigkeiten für sich selbst erledigen müssen.

    Der Wirkungsgrad der Photosynthese von Cyanobakterien in Kulturgefäßen beträgt etwa 8 bis 10 % bei Photosynthese und anschließender Verbrennung.

    Das liegt daran, daß einzellige Wasserpflanzen in Kulturgefäßen viel weniger Tätigkeiten für sich selbst erledigen müssen.

    Keine Schädlinge, keine Witterung, kein Nährstoffmangel, und für den Menschen und die Natur viel weniger Risiko und Platzbedarf.

    Der Wirkungsgrad von Photovoltaikanlagen beträgt etwa 16 %, und er steigt im Laufe der Zeit mit besseren Systemen noch weiter an.

    Die energetische Amortisationszeit von Photovoltaikanlagen beträgt etwa 50 Monate.

    Das liegt daran, daß man zum Bau von Photovoltaikanlagen hochwertige Werkstoffe benötigt.

    Der Wirkungsgrad von solarthermischen Parabolrinnenkraftwerken beträgt etwa 15 %.

    Die energetische Amortisationszeit von solarthermischen Parabolrinnenkraftwerken liegt bei etwa 5 Monaten.

    Das liegt daran, daß man zum Bau von solarthermischen Parabolrinnenkraftwerken keine so hochwertigen Werkstoffe benötigt.

    Solarthermische Parabolrinnenkraftwerke benötigen aber direkte Sicht auf die Sonne.

    ---

    Zum Thema "Vertical Farming":

    http://www.e-stories.de/...geschichten.phtml?23741

  8. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Sicherheitsventil

    1679 erfand Denis Papin das Kochen mit gespanntem Dampf.

    Hierfür konstruierte er einen Dampfdruck-Kochtopf, der bei der ersten Vorführung vor der Royal Society zerbarst.

    Erst nach dem Papin auch das Sicherheitsventil erfunden hatte, funktionierte sein Kochtopf sicher und erhielt 1681 in Paris die Patentschrift.

  9. Clear Skies Antworten | Permalink

    Risiken mit globalen Folgen

    Danke für die vielen ausführlichen Reaktionen! Mein Versuch einer Antwort auf einzelne Aspekte, die in den Kommentaren genannt sind:

    1. Komplexität und Verantwortung des Einzelnen

    Dyrnberg nennt den Aspekt der "Komplexität", und freilich stimme ich dem rundweg zu. Ich habe diesen in der Tat maßgeblichen Faktor in einer Aussage zu Frischs "Biedermann und die Brandstifter" allzu sehr versteckt, da ich schreibe: "...Der Mensch, für den Gottlieb Biedermann symbolisch steht, denkt linear, lässt sich leicht verblenden und glaubt nicht daran, dass sein Handeln Konsequenzen in der Zukunft haben könnte, weil er sie nicht sehen will – wider besseren Wissens. ..."

    Die Unmöglichkeit des Menschen, anders als linear denken zu können, beschrieb zum Beispiel Hoimar von Ditfurth in seinem 1985 veröffentlichten Rundumschlag "So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen - Es ist soweit". Hier findet sich jenes geniale Gedankenspiel, das die Grenzen menschlichen Denkvermögens in nuce aufzeigt (Erstausgabe 1985, Rasch und Röhring, Hamburg, S. 154/155):

    Man nehme ein Blatt Zeitungspapier, das 0,1 mm dick ist, und falte es 50 Mal. Einzuschätzen ist: Wie dick ist es nach dem fünfzigsten Faltungsvorgang?

    Ditfurth schreibt (S. 155): "Durch bloßes Vorstellen oder "Abschätzen" wird niemand das richtige Ergebnis auch nur annähernd treffen: Nach fünfzigmaligem Falten der Zeitungsseite hätte der resultierende Papierberg eine Höhe von mehr als hundert Millionen Kilometern erreicht, ..."

    Genau sind es: 112.589.991 Kilometer. Das ist mehr als das 281fache der mittleren Entfernung Erde-Mond. :-) Wir haben es hier lediglich zu tun mit einer exponentiellen Funktion. Und schon hier scheitert menschliches Vorstellungsvermögen komplett.

    Bei allen Eingriffen in komplexe Systeme wird es noch heikler, wie schon das einfache Spiel wie jenes von Frederic Vester 1980 erstmals vorgelegte - und später weiter entwickelte - Spiel "Ökolopoly" auf didaktisch hervorragende Weise zeigt, und das vielleicht mancher kennen mag. Rückkopplungseffekte - gleich ob positive oder negative - bewirken plötzlich genau das Gegenteil dessen, was ursprünglich und mit bestem Wissen und Gewissen beabsichtigt war.

    Die Frage der "Verantwortung" Einzelner habe ich aus diesem Grund in meinem Beitrag auch gar nicht angeschnitten. Weil sie aber in mehreren Kommentaren genannt ist: Allein in der ethischen Frage, inwieweit sich Einzelne in ihrem Verhalten zurückzunehmen haben, liegt wohl der Schlüssel für eine Lösung. Astrid Matthey vom Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena hat hierzu eine interessante Studie vorgelegt, die im Kern besagt: Je stärker der gesellschaftliche Fokus auf materiellem Konsum liegt, desto stärker sinkt die Zufriedenheit bei Konsumreduktion, und desto geringer der Rückhalt für Maßnahmen zum Umweltschutz in der Bevölkerung. Verzicht funktioniert nur, wenn alle verzichten. Und das ist schwer...

    2. Die "böse" Technik

    Wenn ich plakative Sätze schreibe wie diesen: "Es heißt, die Technik sei beherrschbar. Sie ist es meistens nicht.", so impliziert das keine "technikfeindliche" Grundhaltung. :-) Und ich sitze auch nicht in einer dunklen Höhle, weil ich Kernenergie für einen Irrweg halte und schon immer hehalten habe (auch aufgrund der ungeklärten und unklärbaren Frage der Endlagerung radioaktiver Abfälle).

    Was ich meine, sind keine Kaffeetassen, die vom Tisch fallen, oder Flugzeuge, die abstürzen. Nein, was ich anspreche, sind jene Konsequenzen technischer Selbstüberschätzung unserer Spezies, die globale Auswirkungen haben, und zur Artenreduktion beitragen. Auch wenn es hundert Mal gut geht, so belegen einzelne "Unglücke" wie Tschernobyl oder Deepwater Horizon sehr wohl, es mit Techniken zu tun zu haben, die man letztlich nicht im Griff hat. Sonst gäbe es diese "Unglücke" ja nicht. Das schöne Wort vom "Restrisiko" ist eine dieser Verblendungen, die ich anspreche.

    Freilich stimme ich auch dem Argument zu, welches Michael Khan nennt: "Richtig bedenklich ist es aber, wenn Politiker oder sonstige Entscheider in dieses Horn stoßen. Da ist äußerste Vorsicht angebracht, denn wenn die mit sowas kommen, herrscht Vertuschungsverdacht."

    Solange aber nur ökonomische Regeln menschliches Handeln beherrschen, werden Risiken nicht befriedigend minimiert. Auch das ist ja eine der Lehren der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Es ist nicht "Versuch und Irrtum", wenn Unternehmen an der Minimierung von Risiken sparen, um ihren Gewinn zu maximieren. Genau das prangere ich an, ohne deshalb auch nur ansatzweise "technikfeindlich" gestimmt zu sein.

    3. Angst

    Auf den von Horst Arndt im Zusammenhang mit derlei Endzeitgerede genannten Aspekt "Angst" antworte ich gerne mit einem Zitat aus dem o.g. Buch Hoimar von Ditfurths (Klappentext):

    "So wenig mich die Gewißheit meines individuellen Todes - aller Angst vor dem Vorgang des Sterbens ungeachtet - in Verzweiflung stürzen läßt, so wenig Grund gibt es, an dem Sinn des Auftretens der Spezies Homo sapiens auf diesem Planeten allein deshalb zu zweifeln, weil auch ihr Auftreten wie das aller anderen lebenden Kreatur naturnotwendig nur vorübergehenden Charakter haben konnte!"

  10. Maria Pflug-Hofmayr Antworten | Permalink

    Nicht bös sein

    aber eine Ölpest ist nun mal das Risiko mit unserer Entscheidung fossile Rohstoffe zu verwenden (und bei weitem nicht das einzige Risiko, das wir tragen) tragen. Risiko bedeutet, dass was schiefgehen kann. Das nehmen wir in Kauf. Wem das nicht klar war/ist, zurück in die Volksschule und von vorn anfangen! Hinterher jammern = falsche Strategie.

    Ohne Konsumenten, die diese Technologie nicht nur verwenden, sondern sogar einfordern, müsste man über solche Risken nicht weiter nachdenken. Vielleicht könnte man darüber einen kurzen Gedanken verschwenden.

    Wenn wir hohe Risiken in Kauf nehmen, kann was schief geht, egal wie genau welche Behörde geguckt oder nicht geguckt hat. Aufhören zu jammern, sondern was tun! lautet die Devise.

  11. Clear Skies Antworten | Permalink

    @ Maria Pflug-Hofmayr

    Nöö, ich bin nicht böse ;-) , aber bitte nochmal genau lesen: Ich schreibe über die Risiken der Offshore-Ölförderung! Und die sind völlig anders gelagert, als jene der Ölforderung in Flachmeeren wie beispielsweise der Nordsee. In der Tiefsee gibt es - wie das aktuelle Versagen des BOP am Bohrloch der havarierten "Deepwater Horizon" zeigt - keine technisch ausgereifte Möglichkeit des Verschließens von Bohrlöchern nach einer Plattformhavarie. Diese Erkenntnis ist im übrigen nicht neu: Aufgrund berechtigter Zweifel fanden mehrere Anhörungen vor dem US-Senat statt. Doch aufgrund bestehender, unheilsamer Verquickungen mit der Ölindustrie haben Behörden das vorher nicht wahrhaben wollen, die einen Finger auf solcherlei Risiken hätte halten müssen. Daher ist ein Hinweis darauf völlig legitim. Und stellt im übrigen auch kein "Gejammer" dar, sondern ist nüchterne Bestandsaufnahme.

    Von daher zielt die Forderung "zurück in die Volksschule" ins Leere. ;-)

  12. Michael Khan Antworten | Permalink

    so belegen einzelne "Unglücke" wie Tschernobyl oder Deepwater Horizon sehr wohl, es mit Techniken zu tun zu haben, die man letztlich nicht im Griff hat. Sonst gäbe es diese "Unglücke" ja nicht.

    Na, das ist aber ein gewagter Schluss. Allein die Tatsachem dass ein Unglück geschieht, soll schon beweisen, dass die ganze Technik nicht beherrscht wird?

    Wir wissen doch gar nicht, warum das automatischen Absperrventil nicht funktoniert haben. Vielleicht liegt es einfach an Schlamperei oder dem Versuch, an einer Stelle Geld zu sparen, wo das Sparen sehr teuer kommt. Nicht-beherrschte Technik ist doch aber ganz etwas Anderes.

    Auch Tschernobyl wird in der öffentlichen Wahrnehmung gern als der Ritt auf dem Tiger gesehen, also als etwas extrem Gefährliches, der Umgang mit einer inhärent unbeherrschbaren Technik, die sich plötzlich und ohne Vorwarnung umdreht und einen zerfleicht, obwohl man sich gar nichts hat zuschulden kommen lassen.

    So war es aber beim besten Willen nicht. Den Reaktor unter Umgehung von Sicherheitssystemen und Ignorieren aller Vorschrifen mit niedriger Last bei komplett herausgezogenen Steuerstäben zu betreiben, das ist kein Fall von "Ich habe gar nichts gemacht, und plötzlich fliegt mir das Ding um die Ohren!"

    Das ist wirklich schon vorsätzlich in tödlicher Konsequenz bis zum bitteren Ende umgesetzte Dummheit.

    Es mag Beispiele von nicht beherrschbarer Technik geben. Tschernobyl ist keins, wenn man sich das ganze Mediengeschwurbel mal nicht antut, sondern einfach mal die Fakten betrachtet. Wenn das Bedienpersonal es da nicht drauf angelegt hätte, das Ding kaputtzumachen, würde das Ding heute noch funktionieren, und niemand auf der Welt würde den Namen kennen.

    So definiere ich aber nicht "nicht beherrschbare Technik".

  13. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Maria: Irgendwann ist es zu heiß ...

    Wenn wir hohe Risiken in Kauf nehmen, kann was schief geht, egal wie genau welche Behörde geguckt oder nicht geguckt hat.

    Wenn man so ein hohes Risiko eingeht, dass ein nach menschlichem Ermessen beträchtliches Versagensrisiko verbleibt, egal, welche Kontrollmechanismen vorgesehen hat, dann würde ich mich allerdings Stefan Oldenburgs Sichtweise anschließen sagen: "Das ist wirklich zu heiß, wir sollten die Finger davon lassen."

    Es magt sicher Techniken geben, für die das zutrifft. Dies aber gleich bei jeder Schweinerei anzunehmen, obwohl ganz offensichtlich das Versagen sehr wohl hätte vermiden werden können, damit macht man es sich etwas einfach.

    Wenn man so denkte, müsste man ja angesichts der Erfahrungen mit deutschen Hochgeschwindigkeitszügen zu dem Schluss kommen, dass diese Technik den Menschen überfordert. Geborstene Radreifen, Achsbrüche, wegfliegende Türen, Schafe auf der Gleisstrecke, mit viel Glück "nur" 100 Tote in nicht einmal 25 Jahren Betrieb - gefährliche Technik, oder?

    Tja, nur betreiben Franzosen und Japaner ihre Hochgeschwindigkeitszüge schon viel länger und haben bis jetzt noch keinen einzigen toten Passagier zu beklagen gehabt, soweit mir bekannt. Gelten für die andere Gesetzmäßigkeiten? Oder haben die vielleicht, im Gegensatz zu den Deutschen, nur nicht an der falschen Stelle gespart, bei Wartung, Kontrolle und Gleisstreckensicherung?

  14. Maria Pflug-Hofmayr Antworten | Permalink

    @Michael @Stefan

    Murphy's Law: Alles, was schief gehen kann, geht auch irgendwann schief.

    Ich will damit nicht sagen, wir sollten kein Risiko eingehen - das ist nicht möglich. Aber dass was schief gehen kann, dessen sollten wir uns immer bewusst sein. Und wenn wir nur mit dem Auto zum Supermarkt fahren (ich nicht, ich hab kein Auto und will auch keins.)

    Und wenn das Risiko so hoch ist, dass EINFACH NICHTS SCHIEF GEHEN DARF, dann sollte man schon noch einen zweiten Gedanken an das Projekt verschwenden dürfen, ob es wirklich notwendig ist dieses Risiko einzugehen.

  15. Clear Skies Antworten | Permalink

    @ Michael @ Maria

    Na, das ist aber ein gewagter Schluss. Allein die Tatsachem dass ein Unglück geschieht, soll schon beweisen, dass die ganze Technik nicht beherrscht wird?

    Doch, zu genau diesem Schluss stehe ich! Um es nochmals zu betonen: Ich meine hier ausschließlich jene Technologien, deren Nichtfunktionieren grenzüberschreitende, gravierende und globale Auswirkungen haben, Artensterben verursachen oder beschleunigen, und letztlich für den Fortbestand der Spezies Homo sapiens bedeutsam sind.

    Ich spreche nicht vom Risiko auf dem Weg zum Supermarkt. Wenn ich bei einem Unfall sterbe, dann ist das Pech für mich und für Menschen, die mir nahestehen, aber das ist es dann auch schon. Ich meine auch keine Flugzeuge oder ICEs. Das sind Risiken für Einzelne, die nicht im Fokus meines Essays stehen, weil sie höchstens lokale Folgen haben, so schlimm natürlich der Unfalltod eines jeden Menschen ist. Im übrigen ist die Lebenserwartung des modernen Menschen mit all seinen Möglichkeiten der Mobilität höher denn je. Auch deshalb zielen diese Beispiele am Thema vorbei, das ich anspreche.

    Fakt ist im Fall der havarierten Tiefsee-Ölbohrplattform "Deepwater Horizon", dass das automatische Absperrventil am Meeresgrund nicht funktioniert hat und nach wie vor seinen Dienst versagt. Damit ist freilich die gesamte Technologie der Offshore-Ölgewinnung in Frage gestellt, weil ein wesentliches Element technisch offenkundig nicht soweit ausgereift ist, um unkontrolierbares Austreten von Öl im Notfall zu verhindern. Was nun im Golf von Mexiko seinen Lauf nimmt, wird wohl leider Rekorde brechen und zur weltweit größten vom Menschen je verursachten Ölkatastrophe werden.

    Wir haben es bei beiden Technologien, über die wir inzwischen diskutieren (Offshore-Ölgewinnung und Kernenergie), zu tun mit hochkomplexen Technologien. Versagt ein einziges sprichwörtliches Kettenglied seinen Dienst wie nun der Blowout-Preventer, so sind grenzüberschreitende, globale Eingriffe in Ökosysteme die Folge. Hier wurde offenkundig an der falschen Stelle gespart, weil es sich ja zunehmend zeigt, dass hier unausgereiftes Zeugs eingesetzt wurde. Übrigens ist der Mensch stets eines dieser Kettenglieder, da stimme ich Michael völlig zu. Neben Tschernobyl gibt es viele weitere Beispiele für Fehlverhalten des Bedienungspersonals von Kernkraftwerken.

    Biblis A: Der "Störfall" vom Dezember 1987

    Als besonders gruseliges Beispiel ist mir jener haarsträubende "Störfall" im AKW Biblis A am 16./17. Dezember 1987 im Gedächtnis, wo gleich zwei Schichten der Betriebsmannschaft nacheinander eine Warnlampe nicht bemerkten bzw. für einen Anzeigendefekt erachteten, welche die Störfunktion eines Ventils zwischen radioaktivem Kühlwasser des Primärkreislaufes und Notkühlsystem anzeigte. Und die dritte Schicht machte dann krasse Bedienungs-Fehler, indem sie nicht unverzüglich den Reaktor herunter fuhr, sondern ein Kontrollventil zwischen Primärkreislauf und einer Messleitung, welches für hohen Druck überhaupt nicht ausgelegt ist, mit Absicht öffneten, um das defekte Ventil zum Schließen zu bewegen. Das ging zunächst in die Hosen, mehr als hundert Liter radioaktiven Kühlwassers gelangten über die Messleitung in den Ringraum außerhalb des Sicherheitsbehälters und von dort in die Atmosphäre. Wie spätere Untersuchungen zeigten, war es wohl nur Glück, dass sich das Ventil zum Primärkühlkreislauf trotz des hohen Drucks dann doch schließen ließ. Wäre das misslungen, hätte es nach Kühlmittelverlust zur Kernschmelze kommen können. Das war einer der gravierensten Störfalle in deutschen AKW, und im weiten Umkreis von Biblis wäre heute alles unbewohnbar und entvölkert; schade um so schöne Städte wie Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Mannheim oder Heidelberg. Als die Öffentlichkeit ein Jahr später eher zufällig von diesem "Störfall" erfuhr, war auch ich im Dezember 1988 bei einer Demonstration vor dem Betriebsgelände Biblis dabei.

    Auf dieser Webseite bietet das "Bundesamt für Strahlenschutz" Berichte zu meldepflichtigen Ereignissen in kerntechnischen Anlagen der BRD (auch solchen mit "erhöhten Radioaktivitätsabgaben") als PDF-Dateien an, die eine deutliche Sprache sprechen: http://www.bfs.de/de/kerntechnik/ereignisse.

    Auch diese Webseite, auf welcher das "Bundesamt für Strahlenschutz" die Anzahl einzelner "Ereignisse" für die ja angeblich sichersten Atomkraftwerke der Welt aufführt, empfinde ich als wenig vertrauenserweckend: http://www.bfs.de/...te/karte_kw.html/printversion.

    Apropos Murphy's Law, das Du ansprichst, Maria: Alles, was schief gehen kann, geht auch irgendwann schief. Eben! Weil das so ist, muss man endlich dahin kommen, beim Umgang mit "gefährlichen" Technologien nicht wirtschaftliche Interessen über die Vernunft zu erheben.

  16. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Maria: Murphy

    Murphy's Law: Alles, was schief gehen kann, geht auch irgendwann schief.

    Aber auch Versagensfälle kann man technisch auffangen. Dass etwas kaputt geht, bedingt nicht automatisch die Katastrophe.

    Und wenn das Risiko so hoch ist, dass EINFACH NICHTS SCHIEF GEHEN DARF, dann sollte man schon noch einen zweiten Gedanken an das Projekt verschwenden dürfen, ob es wirklich notwendig ist dieses Risiko einzugehen.

    Ja, sicher, das schrieb ich doch selbst. Aber das steht doch gar nicht zur Debatte.

    Die Frage ist, was man denn in diese Kategorie einordnet und ob das aktuelle Problem nicht vielleicht sogar ganz einfach hätte vermieden werden können.

  17. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Konkrete Richtlinien

    Ab wie vielen Menschenleben handelt es sich um eine Katastrophe?

    1,
    10,
    100,
    1000,
    10000,
    100000, oder
    1000000 ?

    Ab welcher Fehlerwahrscheinlichkeit ist eine Technologie gefährlich?

    0,000001,
    0,00001,
    0,0001,
    0,001,
    0,01,
    0,1, oder
    1 ?

    Eine Fehlerwahrscheinlichkeit von 0 ist prinzipiell nicht erreichbar.

    Das liegt an der Heisenbergschen
    Unbestimmtheitsrelation und an der Brownschen Molekularbewegung.

  18. Lars Fischer Antworten | Permalink

    Bednarik: Katastrophe

    ich persönlich bin dazu übergegangen, die Katastrophe an der Berichterstattung zu messen: Eine Katastrophe ist etwas, wo Fernsehteams hingeschickt werden. Alles was dafür zu langweilig ist, ist der Normalzustand.

  19. Maria Pflug-Hofmayr Antworten | Permalink

    Riskante Geschäfte abschaffen - wie?

    Frage ist, wollen wir die Wirkung bekämpfen (nämlich dass solche Unfälle passieren) oder die Ursache (warum so riskante Geschäfte überhaupt in Angriff genommen werden), und wozu.

    Die Menschheit stirbt ja sowieso aus, spätestens in 4,5 Milliarden Jahren. Wozu sie also retten? Weil sie so weise/heroisch/geschickt/gescheit/erfinderisch/etc. ist? Hm, ich weiß nicht. (Die Dinosaurier sind schließlich auch ausgestorben, und juckt das heute noch irgendwen? Nicht die Bohne. Und andere Lebewesen interessieren uns noch viel weniger, sonst hätten wir längst artgerechte Tierhaltung.)

    Aber OK, wollen wir sie halt retten - dann sollten wir darüber nachdenken, wieso wir eine Gesellschaftsordnung aufrecht erhalten, in der die Gier einzelner Individuen belohnt wird und sich solidarisch verhaltende Individuen abgestraft werden, und zwar im Kleinen wie im Großen.

    Nur so ist es möglich, dass so riskante Dinge wie Kernkraftwerke oder Tiefseebohrungen ein Geschäft sind. Andernfalls würde Nutzen gegen Risiko abgewogen und eine vernünftige Entscheidung getroffen, nämlich die nach alternativen Energiequellen zu suchen, die ja durchaus vorhanden sind. Oder lieg ich da völlig falsch?

    PS: obwohl ich der Meinung bin, die Menschheit ist weder schützens- noch rettenswert trag ich meinen Beitrag bei - durch Verzicht auf Auto, Fernreisen, Fleisch, Gemüse außerhalb der Saison, wenig heizen, Kleidung lang tragen etc. etc. - diesen Beitrag kann jeder leisten, dem Leben auf der Erde was wert ist. Das wäre meiner Meinung nach der Angelpunkt, an dem wir ansetzen könnten - nicht Verbote. Denn verbieten wir eines, findet irgendein gieriges Individuum sofort eine andere nicht weniger riskante Möglichkeit.

    All diese riskanten Geschäfte würden nicht funktionieren ohne eine Gesellschaft, die über ihren Konsum nicht nachdenkt. Stell dir vor es gibt Öl und keiner kauft es...

  20. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Frau Pflug-Hofmayer

    Frage ist, wollen wir die Wirkung bekämpfen (nämlich dass solche Unfälle passieren) oder die Ursache

    Ich denke, bei Unternehmungen mit offenkundig hohem Schadenspotenzial sollte im Vorfeld eine Analyse zwingend sein, bei der dem zu erwartenden Nutzen der Unternehmung der Aufwand zur Beherrschung von Fehlerfällen gegenübergestellt wird, und auch das Restrisiko beziffert wird.

    Auf der Basis dieser Analyse sollte die Nutzung (ggf. mit Auflagen) erlaubt oder verboten werden.

    (warum so riskante Geschäfte überhaupt in Angriff genommen werden), und wozu.

    Weil aus ihnen ein Nutzen erwächst. Man sollte nicht gleich auf alles verzichten müssen, das mit einem Risiko behaftet ist, denn viele Risiken sind beherrschbar.

    Die Menschheit stirbt ja sowieso aus, spätestens in 4,5 Milliarden Jahren. Wozu sie also retten?

    Ist das ernst gemeint? Tut mir Leid, aber ich finde, so ein Gerede hilft nicht weiter.

    (Abgesehen davon, dass mit dem Leben auf der Erde bereits viel früher Schluss sein wird, vielleicht schon in rund 500 Millionen Jahren.)

    Andernfalls würde Nutzen gegen Risiko abgewogen und eine vernünftige Entscheidung getroffen, nämlich die nach alternativen Energiequellen zu suchen, die ja durchaus vorhanden sind. Oder lieg ich da völlig falsch?

    Soweit mir bekannt, ist das in der Tat ziemlich falsch. Die alternativen Energiequellen, mit denen fossile oder nukleare Primärenergieträger realistischerweise ersetzt werden koennten, sind bis zum großtechnischen Einsatz der Kernfusion entweder Wasserkraft oder massiver Einsatz von Biomasse.

    Dass große Wasserkraftwerke ebenfalls massive Eingriffe in Natur und Biosphäre mit sich bringen und erhebliche Risiken bergen, ist bekannt. Massive Probleme mit der Kultivierung von Pflanzen zur Biomassennutzung zeichnen sich auch deutlich ab.

    http://www.econitor.de/...andel-anheizen_4818.html

    Sie sagen ja selbst, dass man alternative Energiequellen suchen sollte. Nun ja, aber bis man sie gefunden hat, muss man schon noch auf die bekannten Energiequellen zurückgreifen. Zumal ja das Risiko besteht, dass man bei der Suche nicht erfolgreich ist.

    PS: obwohl ich der Meinung bin, die Menschheit ist weder schützens- noch rettenswert trag ich meinen Beitrag bei

    Ich denke, zynische Sprüche helfen hier ebensowenig weiter wie die Betonung der eigenen Vorbildfunktion.

    Die Menschen sind so, wie sie sind. Zu verlangen, sie sollten ganz anders werden, damit die Welt eine bessere wird, ist schoen und gut, ändert aber nichts.

    Die Industriestaaten sind schon im Umbau ihrer gesellschaften, und vielleicht wird sich hier der Energieverbrauch etwas senken. Viel wird's nicht sein. Sicher wird der Anteil erneuerbarer Energien auf ein nennenswertes Maß steigen ... irgendwann.

    Dem steht aber die tatsache gegenüber, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer sich Industrialisieren und in Lebensstandard und Energieverbrauch gleichziehen werden.

    Es wird viel gespart werden, aber im Rahmen der technischen Entwicklung, wohl eher nicht über einen bewussten, verbreiteten Verzicht. Aber in der Summe wird der Energieverbrauch weltweit ansteigen. Das ist nun einmal die Situation, und es nützt gar nichts, sich diesbezüglich igendwelcher Illusionen hinzugeben.

  21. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Stefan: Beweis durch Behauptung

    Fakt ist im Fall der havarierten Tiefsee-Ölbohrplattform "Deepwater Horizon", dass das automatische Absperrventil am Meeresgrund nicht funktioniert hat und nach wie vor seinen Dienst versagt.

    Das ist unbestreitbar.

    Damit ist freilich die gesamte Technologie der Offshore-Ölgewinnung in Frage gestellt, weil ein wesentliches Element technisch offenkundig nicht soweit ausgereift ist, um unkontrolierbares Austreten von Öl im Notfall zu verhindern.

    Diese Offenkundigkeit sehe ich nicht. Gibt es denn irgendwelche belastbaren Belege dafür, dass das Versagen an mangelder technischer Ausgereiftheit lag und nicht etwa an mangelnder Verifikation des Zustands nach der Betonierung des Bohrlochs oder an krimineller Inkompetenz?

    Ich bezweifele ja nicht, dass das so sein koennte - aber woher weißt du das?

  22. Clear Skies Antworten | Permalink

    @ Michael: ein paar Belege

    Auch für meine Aussage zum Absperrventil (BOP) am Bohrloch, dass "ein wesentliches Element technisch offenkundig nicht soweit ausgereift ist, um unkontrollierbares Austreten von Öl im Notfall zu verhindern", dienen mir diverse Medien als Informationsquelle, v.a. die Süddeutsche Zeitung.

    Hier einige Online-Quellen, aus denen eines hervorgeht: Das Absperrventil war nicht nur in diesem Fall am Bohrloch der "Deepwater Horizon" nicht einsatzbereit, sondern ist generell technisch nicht ausgereift, weil an der Entwicklung funktionierender Technik gespart wurde.

    Beispielsweise hier: 13. Mai 2010, derStandard.at, http://derstandard.at/...aster-wegen-Schlampereien.

    Oder hier: 14. Mai 2010, WeltOnline, http://www.welt.de/...den-vertrauten-BP-blind.html.

    Oder hier: 15. Mai 2010, ORF.at, http://oe1.orf.at/artikel/243949.

    Zur abstrusen Genehmigungspraxis von Ölbohrungen durch US-Behörden, die auch nach Obamas Amtsantritt offenkundig keine grundlegende Änderung gegenüber jener unter der Bush-Administration erfuhr, schreibt die Süddeutsche Zeitung am 14. Mai 2010: http://www.sueddeutsche.de/panorama/7/511118/text/.

    Als Laie blicke ich ratlos auf das Unternehmen BP,
    das einerseits 2009 einen Umsatz von 239 Milliarden US-Dollar hatte, andererseits aber über keine funktionierende Technik für den Notfall verfügt, und seit vier Wochen hilflos am Bohrloch im Golf von Mexiko herumwurschtelt. Damit hätte ich trotz meiner generellen Skepsis gegenüber besonders lobbystarken Branchen nicht gerechnet.

  23. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Stefan

    Eben. Was du da zitierst, entspricht auch meinem Eindruck aus den Berichten der letzten Tage.

    Von nicht beherrschbarer Technik lese ich nichts, schon gar nichts Begründetes. Was sich herausstellt, ist eine toxische Mischung aus Schlamperei auf Industrieseite und Unfähigkeit bei Behoerden und Politik.

    Das ist es doch, was einen rasend machen kann, dass diese ganze Riesenschweinerei so absolut vermeidbar gewesen wäre.

    Das Kind aus dem Brunnen zu holen ist nun einmal viel schwieriger als darauf zu achten, dass es nicht erst hineinfällt. Den Aufwand für die Vorbeugung darf man allerdings nicht scheuen.

  24. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Frau Pflug-Hofmayr

    Die Steinzeit ist auch nicht an einem Mangel an Steinen zu Ende gegangen.

    Das ist ein netter Spruch. Den muss ich mir merken. ;-)

    Herr Khan, Sie haben ja Recht, ich bin zynisch.

    Das glaube ich Ihnen aber nicht so ganz, angesichts der vielen Mühe, die Sie sich um die Verbreitung der Freude an der Astronomie machen.

    Ich kann schon verstehen, dass es einen so richtig nervt, wenn die Menschen wieder was ganz besonders Blödes gemacht haben. Die Kette von Ereignissen, die zu der Deepwater Horizon-Schweinerei führten, gehört sicher nicht zu den Sternstunden menschlicher Verstandesleistungen.

  25. Peter Antworten | Permalink

    Hilfreich für die Vermeidung derartiger Umweltkatastrophen in der Zukunft wäre es, wenn BP als verantwortlicher Konzern vollumfänglich für die materiellen Schäden aufzukommen hätte, auch wenn es die Kokursliquidation des Konzerns zur Folge hätte. Das würde zwar nichts an der gegenwärtigen Misere ändern, aber den potentiellen Risiken und deren Minimierung würde mit Sicherheit zukünftig mehr Beachtung geschenkt, d.h es würde mehr in Sicherheit investiert.

    Ich vermute aber, dass sich die Rechtsstreitereien über Entschädigungszahlungen Jahrzehnte hinziehen werden, und die geleisteten Zahlungen in keinem vernünftigen Verhältnis zu den tatsächlichen Schäden stehen werden, so wie das bei Exxon-Valdez der Fall war.

  26. optimus Antworten | Permalink

    die erde nimmt sich das was sie braucht da sie ja auch ein lebender organismus ist etwas grösser halt. dazukommen div. desater wie (chemieunfälle,radioaktiv-stahlung,ölkastastrophen,atomtests,infektionsraten neuer tötlicher organismen population stark vermehrend da optimale bedindungen(klima,armut ich könnte jetzt blätterweise schreiben aber ich denke das würde den rahmen sprengen)gleichzeitig schafft es der homosapiens-sapiens immer älter zu werden.also ich wolte eigentlich nur mal so dran erinnern das wir ja ein teil des ganzen sind nur mit dem unterschied die erde kann sehr gut ohne uns was andersrum etwas problematisch wäre.so war es immer und so wird es immer bleiben entweder wir passen uns an ansonsten hat die species von der gattung homo-homosapiens keine zukunft.
    vieleicht sollte man langsam aber sicher anfangen seine pläne umzusetzen sprich (energie,atom und nuklearforschung......)oder es zumindestens zum positiven einsetzen zb medizin und nicht bomben entwickeln die ganze kontinente ja sogar den planeten ernsthaft in gefahr bringen und alles was darauf lebt.hoffnung stirbt zu letzt aber glauben die menschen noch an so ewas oder haben sie schon resigniert?durchaus gigt es auch menschen dennen die natur am herzen liegt nur leider viel zu wenige. wenn sie sich entscheiden müssten zwischen porsche und vw welches auto wählt der einzenlne.die antwort kennt jeder nur will sie keiner hören .

    greating from german wake up now humanpeople OPTIMUS

    hier ein paar unfälle aktueller ölaustritt im golf von mexiko 1 mio.liter
    rohöl auswirkungen siehe nbc or another newsprogramm of U.S.A .
    have nice day

    Datum Bezeichnung Eigner Unglücksort Freigesetzte Menge [Tonnen] Gefahrstoff Ursache
    1910-03-14 !14. März 1910 Lakeview Gusher Lakeview Oil Company nähe Taft (Kalifornien) 01.230.000 !1.230.000 Rohöl Bohrunfall[1]
    1940-1950 Greenpoint oil spill Standard Oil Company und andere Greenpoint, Brooklyn 00.076.300 !55.200 - 97.400 Rohöl Ausfluß aus Ölraffinierien[2]
    1960-12-06 !6. Dezember 1960 Sinclair Petrolore Brasilianischer Eigner - 00.059.860 !59.860 Rohöl Tankerunglück.
    1965-05-22 !22. Mai 1965 Heimvard - bei Hokkaido 00.050.000 !50.000 Rohöl Tankerunglück.
    1966-02-00 !Februar 1966 Anne Mildred Brøvig in Norwegen registriert westlich von Helgoland 00.016.800 !16.800 Rohöl Tankerunglück. Kollision mit einem Küstenfahrer.
    1966-06-00 !Juni 1966 Texaco Massachusetts in den USA registriert Hafen von Manhattan 00.001.300 !1.300 Benzin, Naphtha Tankerunglück. Kollision mit der britischen Alva Cape, Brand, später Explosion.
    1967-03-00 !März 1967 Torrey Canyon Unocal (USA), gechartert von BP (GB) vor der Küste Südenglands 00.119.000 !119.000 Rohöl Tankerunglück. Kollision mit Riff.[3][4]
    1968-02-29 !29. Februar 1968 Mandoil - vor Warrenton, Oregon 00.042.860 !42.860 Rohöl Tankerunglück.
    1968-06-13 !13. Juni 1968 World Glory - etwa 100 km östlich von Durban 00.048.300 !48.300 Rohöl Tankerunglück.
    1969-01-00 !Januar 1969 Plattform A von Unocal Unocal Kalifornien Rohöl Unfall auf Ölinsel
    1969-02-00 !Februar 1969 Julius Schindler Ernst Russ, Hamburg Ponta Delgada, Azoren 00.049.500 !9000 bis 90.000 Rohöl Tankerunfall
    1970-03-20 !20. März 1970 Otello Wallenius Tralhavet Bucht östlich von Växholm 00.061.220 !61.220 Rohöl Tankerunglück.
    1970-06-01 !1. Juni 1970 Ennerdale - Seychellen 00.046.940 !46.940 Rohöl Tankerunglück.
    1971-02-00 !Februar 1971 Wafra Getty Tankers Limited Nadelkap, Südafrika 00.046.000 !27.000 bis 65.000 Rohöl Nach Maschinenraumflutung des 15-jährigen Tankers, vom Schlepp losgebrochen und gestrandet. Später freigeschleppt und versenkt.
    1971-12-00 !Dezember 1971 Texaco Denmark Texaco Overseas Tankship Ltd., London Nordsee 00.100.001 !100.000 oder mehr Rohöl Tankerunfall
    1972-06-11 !11. Juni 1972 Trader - Ostküste Griechenlands 00.037.400 !37.400 Rohöl Tankerunglück.
    1972-12-00 !Dezember 1972 Sea Star Korea Golf von Oman 00.115.000 !115.000 Rohöl Tankerunglück. Kollision mit Tanker Horta Barbosa.[3]
    1973-06-10 !10. Juni 1973 Napier - Westküste Chiles 00.038.440 !38.440 Rohöl Tankerunglück.
    1974-08-00 !August 1974 Metula Shell Tankers B.V., Rotterdam Magellanstraße 00.053.000 !53.000 Rohöl Der 6-jährige Tanker lief in der Magellanstraße auf Grund
    1974-11-09 !9. November 1974 Yuyo Maru No. 10 - Bucht von Tokyo, Honshu 00.053.740 !53.740 Rohöl Tankerunglück.
    1975-01-13 !13. Januar 1975 British Ambassador - 333 km westlich von Iwo Jima 00.048.300 !48.300 Rohöl Tankerunglück.
    1975-01-00 !Januar 1975 Jakob Maersk A. P. Møller-Mærsk vor Porto, Portugal 00.088.000 !88.000 Rohöl Tankerunglück.[3]
    1976-02-06 !6. Februar 1976 Saint Peter - 56 km westlich von Punta Manglares 00.035.030 !35.030 Rohöl Tankerunglück.
    1976-05-00 !Mai 1976 Urquiola ? A Coruña, Spanien 00.050.000 !50.000 Rohöl Tankerunglück.
    1976-10-00 !Oktober 1976 Böhlen Deutsche Seereederei Rostock (DDR) Französische Atlantikküste 00.010.000 !10.000 Rohöl Tankerunglück. auf Grund gelaufen.
    1976-12-00 !Dezember 1976 Argo Merchant Thebes Shipping Inc., Monrovia 29 Seemeilen südöstlich der Insel Nantucket 00.030.000 !30.000 Schweres Heizöl No. 6 Tankerunglück. Auf Grund gelaufen.
    1977-02-07 !7. Februar 1977 Borag - Ostchinasee, 3 km nördlich von Chilung 00.035.370 !35.370 Rohöl Tankerunglück.
    1977-02-00 !Februar 1977 Hawaiian Patriot ? 500 km vor Honolulu 00.095.000 !95.000 Rohöl Tankerunglück. Brand.[3]
    1977-04-00 !April 1977 Ekofisk Bravo ? Nordsee 00.023.000 !23.000 Rohöl Bohrinsel. Blowout.
    1978-03-00 !März 1978 Amoco Cadiz BP (GB) / Amoco (USA) vor der bretonischen Küste 00.223.000 !223.000 Rohöl Tankerunglück. Ruderausfall mit anschließendem Felsenauflauf.[3][4]
    1978-12-07 !7. Dezember 1978 Tadotsu - Dumai, Malakkastraße 00.044.900 !44.900 Rohöl Tankerunglück.
    1978-12-31 !31. Dezember 1978 Andros Patria - Biscaya, vor Kap Villano 00.049.660 !49.660 Rohöl Tankerunglück.
    1979-01-00 !Januar 1979 Betelgeuse Compagnie Navale des Pétroles, Frankreich Whiddy Island (Irland) 00.040.000 !40.000 Rohöl Tankerunglück. Explosion.
    1979-04-28 !28. April 1979 Gino - vor der Bretagne 00.034.350 !34.350 Rohöl Tankerunglück.
    1979-06-00 !Juni 1979 Ixtoc I PEMEX Golf von Mexiko 00.900.000 !400.000 bis 1.400.000 Rohöl Unglück auf einer Ölplattform. Blowout.
    1979-07-00 !Juli 1979 Atlantic Empress griechisches Schiff, in Liberia registriert vor Tobago, Karibische Inseln 00.287.000 !287.000 Rohöl Tankerunglück. Kollision mit dem Tanker Aegean Captain.[3][4]
    1979-08-26 !26. August 1979 Patianna - vor Dubai 00.038.100 !38.100 Rohöl Schiffsunglück.
    1979-11-00 !November 1979 Burmah Agate ? Küste von Texas 00.033.500 !8.500, zusätzlich 25.000 verbrannt Rohöl Tankerunglück. Schiffskollision.
    1979-11-00 !November 1979 Independent,a ? Südtürkei 00.095.000 !95.000 Rohöl Tankerunglück.[3]
    1980-02-00 !Februar 1980 Irenes Serenade in Griechenland registriert Bucht von Navarino vor der Süd-Peloponnes 00.100.000 !100.000 Rohöl Tankerunglück. Explosion und anschließender Brand.[3][4]
    1980-03-00 !März 1980 Tanio in Madagaskar registriert nördlich der Ile de Baz, Bretagne 00.013.500 !13.500 Heizöl Tankerunglück. Sturm.[4]
    1980-12-29 !29. Dezember 1980 Juan Antonio Lavalleja - Arzew, Algerien 00.037.400 !37.400 Rohöl Tankerunglück.
    1983-02-00 !Februar 1983 Nowruz-Ölfeld ? Persischer Golf 00.260.000 !260.000 Rohöl Kollision Tanker mit Bohrinsel, Kriegsfolgen des ersten Golfkriegs
    1983-08-00 !August 1983 Castillo De Bellver ? Saldanha Bay, Südafrika 00.252.000 !252.000 Rohöl Tankerunglück. Brand.[3]
    1983-12-09 !9. Dezember 1983 Pericles GC - 30 km ostnordöstlich von Doha 00.047.620 !47.620 Rohöl Tankerunglück.
    1985-12-00 !Dezember 1985 Nova ? vor der Insel Khark im Persischen Golf, Iran 00.075.000 !75.000 Rohöl Tankerunglück.[3]
    1988-04-22 !22. April 1988 Athenian Venture - 644 km südöstlich von Cape Race 00.036.050 !36.050 Rohöl Tankerunglück.
    1988-11-00 !November 1988 Odyssey ? Kanada 00.132.000 !132.000 Rohöl Tankerunglück. Brand.[3]
    1989-03-00 !März 1989 Exxon Valdez Exxon (USA) Prince William Sound, Alaska 00.037.000 !37.000 Rohöl Tankerunglück. Navigationsfehler.[3][4]
    1989-12-00 !Dezember 1989 Khark 5 ? Atlantikküste vor Marokko 00.080.000 !80.000 Rohöl Tankerunglück.[3]
    1991-04-00 !April 1991 Haven Amoco (USA) Golf von Genua, Italien 00.144.000 !144.000 Rohöl Tankerunglück. Brand.[3]
    1991-01-00 !Januar 1991 Ölpest am Persischen Golf 1991 Südkuwait, Saudi-Arabien 01.250.000 !800.000 bis 1.700.000 Rohöl Kriegsfolgen des zweiten Golfkriegs
    1991-05-00 !Mai 1991 ABT Summer ? 1000 km vor Angola 00.152.000 !49.000 bis 255.000 Rohöl Tankerunglück.[3]
    1992-04-00 !April 1992 Katina P unter maltesischer Flagge vor Maputo, Mosambik 00.072.000 !72.000 Schweröl Tankerunglück.[3]
    1992-12-00 !Dezember 1992 Aegean Sea unter griechischer Flagge A Coruña/Spanien 00.074.000 !74.000 leichtes Rohöl Tankerunglück. Auf Grund gelaufen.[3]
    1993-01-00 !Januar 1993 Braer unter liberianischer Flagge vor den Shetlandinseln 00.085.000 !85.000 leichtes Rohöl Tankerunglück. Auf Grund gelaufen.[3][4]
    1994-10-21 !21. Oktober 1994 Thanassis A - Südchinasee 00.037.075 !37.075 Rohöl Tankerunglück.
    1996-02-00 !Februar 1996 Sea Empress in Liberia registriert vor Milford Haven, Wales 00.072.000 !72.000 Rohöl Tankerunglück. Durch Lotsenfehler und unsachgemäße Bergung mehrfach auf Grund gelaufen.[3][4]
    1997-01-00 !Januar 1997 Nakhodka Eigner: Prisco Traffic Limited
    Reederei: Primorsk Shipping Japan 00.019.000 !19.000 Schweröl Öltanker, nach 26 Jahren Dienst in zwei Teile gebrochen.[5]
    1998-10-00 !Oktober 1998 Pallas italienische Reederei, unter der Flagge der Bahamas Nordsee 00.000.090 !90 Diesel Frachtschiff, auf Grund gelaufen.
    1999-12-00 !Dezember 1999 Erika TotalFina (Frankreich) in der südlichen bretonischen Küste 00.026.000 !26.000 schweres Heizöl N°2 Tankerunglück. Materialermüdung.
    2001-01-00 !Januar 2001 Jessica Acotramar Naturschutzgebiet Galapagos-Inseln 00.000.900 !900 Kraftstoff Tankerunglück. Navigationsfehler mit anschließendem Grundauflauf.
    2002-10-00 !Oktober 2002 Limburg Moray Marine, Singapur Ash Shihr-Ölterminal, Jemen 00.014.500 !14.500 Rohöl Bombenanschlag.
    2002-11-00 !November 2002 Prestige Unternehmen in Liberia 270 km vor der Küste von Galicien, Spanien 00.063.000 !63.000 Schweres Heizöl Tankerunglück. Maschinenausfall mit anschließendem Grundauflauf.[3]
    2003-07-00 !Juli 2003 Tasman Spirit Assimina Maritime /
    Pelembros Shipping, Piräus Arabisches Meer 00.018.000 !12.000 bis 24.000 Rohöl Der 24 Jahre alte Tanker strandete nahe Karachi
    2006-07-00 !Juli 2006 Ölpest im östlichen Mittelmeer 2006 Libanesische Küste 00.022.500 !10.000 bis 35.000 mittelschweres Heizöl Zerstörung des Öllagers eines libanesischen Kraftwerkes als Folge des Libanonkriegs.
    2006-08-00 !August 2006 Solar 1 Sunshine Maritime Development, Manila zwischen den philippinischen Inseln Guimaras und (West) Negros 00.002.100 !2100 Schweröl IFO 217 Tankerunglück.
    2007-07-00 !Juli 2007 Don Pedro Compania Iscomar S.A., Spanien Ibiza 00.000.200 !200 Heizöl und Bunkeröl Fähre. Auf Grund gelaufen.
    2007-12-00 !Dezember 2007 Hebei Spirit registriert in Hong Kong Südkorea; 11 km vor Küste von Mallipo; Hafen von Daesan 00.010.500 !10.500 Rohöl Tankerunglück. Schleppkran rammt Tanker.
    2009-02-00 !Februar 2009 Admiral Kusnezow Russland Südlich Island 00.000.750 !500 bis 1.000 Kraftstoff Flugzeugträger, Fehler bei der Betankung. [6]
    2009-03-00 !März 2009 Pacific Adventurer Swire Shipping Ltd., Großbritannien Australien 00.000.230 !230 Diesel, ferner Ammonium-Dünger Frachtschiff, Schäden durch Sturm.
    2009-07-00 !Juli 2009 Full City Cosco, China, in Panama registriert. 160 km vor Oslo, Naturschutzgebiet betroffen 00.000.650 !200 bis 1.100 Dieselöl Massengutfrachter. Auf Grund gelaufen.
    2009-08-00 !August 2009 Förderplattform Montara PTTEP Australasia, eine Tochtergesellschaft der PTTEP Timorsee, Australien 00.004.000 !4.000 Rohöl Unglück auf einer Förderplattform. Brand.
    2010-04-00 !April 2010 Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010 BP Golf von Mexiko 00.327.035 !180.000 bis 546.770
    (Stand 6. Juli 2010)
    ? 2700[7] bis 8200 t täglich[8] seit dem 5. Juni 2010 etwa ein Drittel weniger[9] Rohöl
    (dabei hoher Gasanteil) Unglück auf Bohrinsel Deepwater Horizon, Blowout.
    2010-05-00 !Mai 2010 Bunga Kelana 3 MISC Berhad Straße von Singapur 00.002.500 !2.500 Rohöl Tankerunglück, Kollision mit dem Massengutfrachter Waily

  27. Heinz Herz Antworten | Permalink

    Grenze des Homo Spiens

    ich wollte nur sagen, dass Ihr Artikel den Nagel auf den Kopf trifft. Können fast 7 Milld.- heutiger Sapienser diese Crux begreifen? Der Mensch wird einen schweren Gang gehen und dann ist wider paradisische
    Stille....

  28. Günter R. Müller Antworten | Permalink

    Geologische Zeitskala für den Menschen

    Wieviele Jahre schätzen Sie kann der Mensch aus geologischer Perspektive überleben? Oder kürzer: wann ist Schluß für den homo sapiens, unabhängig von seinem "Brandstifter-Verhalten"?

  29. lento4ka Antworten | Permalink

    Uns fehlt die Verantwortung!

    Wir Menschen, werden uns selbst irgendwann komplett zerstören. Jetzt gerade befinden wir uns in der Mitte dieses Prozesses. Unser Menschenbild, unsere Werte, Einsichten, Bedürfnisse und Triebe (alle zum größten Teil aufgezwungen und auferlegt)finden Echo in unserem modernen Leben und Treiben. Das viele Sachen wie Umweltverschmutzung (Land, Luft, Meer), Überfischung, Waldausrodung, Artenvernichtung, Ausbeutung der Naturreserven nicht gut sind, versteht wohl jeder. Aber die Konsequenzen dafür zu tragen oder die Verantwortung dafür zu übernehmen können sind wir nicht in der Lage. Auf einer Seite sehen wir uns als Krönung der Schöpfung, auf der andere Seite stehen wir wie kleine Kinder machtlos den Herausforderungen unseren Treibens gegenüber. Die Verntwortung fehlt!
    Warum dürfen die Ölkonzerne solche Tiefseebohrungen vornehmen, wenn sie nicht im Stande sind eventuelle Schäden zu beheben? Ein Architekt darf doch auch kein Wohnhaus bauen, ohne das er die Traglastfähigkeit des Fundaments ausgerechnet und überprüft hat. Warum werden Jahr für Jahr so vile Tonnen an Müll produziert und die Unternehmen übernehmen keine Haftung dafür? Warum werden die Meere überfischt, Wälder gerodet, Tierarten ausgerottet?
    Die Antwort ist das Geld und die Konsummentalität der Gesellschaft! Das steht über den guten Prinzipien und Werten und wird sich leider nicht von heute auf morgen ändern. Also brauchen wir andere "Waffen" wie wir das moderne Verhalten ändern können.
    Mann könnte z.B. die Konzerne dazu verpflichten, einen Rettungsplan im Falle einer gescheiterten Bohrung vorzulegen, bevor sie überhaut zu bohren beginnen. Auch eine bestimmte Summe an Geld für diesen Rettungsplan als Reserve bereit zu haben. Es darf nicht sein, dass die Folgen der Ölkatastrophen mit Steuergelder der Bürger finanziert werden.
    Auch könnte man viele Unternehmen, die ihre Verpackungen minimiren und aus recyclerbaren Material herstellen steuerlich bervorzugen oder entlasten. Dagegen werden nicht recyclebare Materialien und Verpackungen mit hohen Auflagen versehen.
    Spätestens wenn es um Geld geht und die Umweltverschmutzung und ihre Belastung auf den Geldbeutel drücken, werden die Menschen anfangen anders zu denken! Vorher, leider nur in Einzelfällen. Allerdings muss sich erstmal etwas in der Politik ändern, weil nur die Politik die nötige Druckmittel für solche Ümsetzungen hat. Leider wird heutige Politik vermehrt von eben solchen Großkonzernen und Unternehmen geleitet und gelenkt.
    Eine Unabhängige und unpartaische Umweltorganisation, die eben solche Aufgaben übernimmt wäre daher wilkommener und sinnvoller. Und vieles können wir jetz schon machen. Angefangen bei Bildung unserer Kinder im Kindergarten und in der Schule, über die Informationsumstellung bei Medien, bis zu Verantwortung jeden Einzelnen für sein täglichen leben und handeln.

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