Lesch bleibt Lesch

4. September 2008 von Stefan Oldenburg in Aktuelles

Der Münchener Astrophysiker Harald Lesch übernahm nun das Ruder der ZDF-Sendung "Abenteuer Forschung", von der die erste Folge gestern Abend über den Äther ging – und ich bin durchaus angetan.

Sein Vorgänger dieser Sendereihe, Joachim Bublath, war ja bekannt für eher oberflächliche Informationen und teuer produzierte Animationen, in denen oft UFOs herum schwirrten und immer wieder Schwarze Löcher aus ZDF-Sicht zu sehen waren. Seichte Kost für Zuschauer jenes Fernsehsenders, mit dem man laut Werbeslogan "besser" sehen soll. Das war weniger Wissenschaft als bunte Unterhaltung und hatte mit seriösem Wissenschaftsjournalismus rein gar nichts zu tun. Folglich konnte es mit einem neuen Moderator nur besser werden. Aber wie viel "besser"?

Harald Lesch ist nicht nur Professor für theoretische Astrophysik am Institut für Astronomie und Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, sondern unterrichtet daneben Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München. Wissenschaft ohne Scheuklappen, das ist einer der Gründe, weshalb er auch von vielen Amateurastronomen für seine wohl bekannteste Fernsehsendung alpha-Centauri immer wieder gelobt – teilweise euphorisch gefeiert – wird, von der es zwischen 1998 und 2007 mehr als 200 Folgen gab.

Wer Sendungen dieser Perle des Wissenschaftsjournalismus je verfolgt hat, der war wohl ähnlich gespannt wie ich, ob Harald Lesch seine hemdsärmlige Art der Wissensvermittlung auch im ZDF beibehalten würde. Ja, er ist sich treu geblieben, soweit das nach nur einer Folge des neuen "Abenteuer Forschung" gesagt werden kann. Wir haben keinen glatt gebügelten Harald Lesch gesehen, sondern einen, dessen Sprache genau so umgangssprachlich ist wie präzise. Ab und an ein "ne", das ist es, was seine Fangemeinde an ihm schätzt. Mit Harald Lesch hat der Titel der Sendereihe "Abenteuer Forschung" wieder eine Bedeutung erhalten und mehrfach betonte er gestern, was "Forschung" in seinen Augen ist, ja sein muss: Forschung schaut nach vorne und will Lösungsansätze für drängende Probleme finden. Das gefällt mir, wenn ein Wissenschaftler ab und an einen Schritt zurück tritt und versucht, die Meta-Ebene seines Wirkungsfeldes zu beleuchten. Offenkundig war das Redaktionsteam der Sendung, das ja sicher nicht komplett ausgetauscht worden war, ebenso heiß auf etwas Neues, und agiert in Leschs Sinne.

Nun hatten sich Harald Lesch und seine Redaktion für das ZDF-Debüt ein heikles Thema ausgesucht: Die Begrenztheit und Verknappung von Rohstoffen. Aktuell, inhaltlich fundiert, anspruchsvoll und vor allem engagiert wurde wohl auch dem letzten Zuschauer deutlich, dass all die Rohstoffe, auf denen Wohlstand und Fortschritt seit Beginn der Moderne basieren, nur sehr begrenzt verfügbar sind. Der Hubbert-Peak ist beim Erdöl wohl schon überschritten; die Vorräte anderer wichtiger Rohstoffe wie Kupfer werden schon in wenigen Jahren bis Jahrzehnten komplett zur Neige gehen. Und dann? Die Umweltzerstörungen bei der Ausbeutung unseres Planeten sind gigantisch. Das sind nur wenige Beispiele aus der ersten Lesch-Folge, die zeigen: Er nutzt seine ZDF-Auftritte, um aktuelle Probleme zu beleuchten und bringt es auf den Punkt. Damit hat er die Möglichkeit, viele Zuschauer zu erreichen und wach zu rütteln.

Was mir nicht gefallen hat: Die Sendung folgt in ihrer Art der Darstellung dem Zeitgeist etwas zu sehr und verlangt daher dem Zuschauer mehr Konzentration ab, als notwendig wäre. Die Filmbeiträge sind mit ständigen Schnitten visuell überladen. Ich musste zeitweise an einen Film denken, den ich dereinst im Kino nur unter heftigen Qualen überstand: Moulin Rouge, ein Streifen von Baz Luhrmann aus dem Jahre 2001, in dem keine Szene länger dauert, als zwei bis drei Sekunden... Aber vielleicht ist das die Mischung, die verschiedene Zielgruppen anspricht, sie für Wissenschaft begeistern kann. Für Wissenschaft, die nicht im Elfenbeinturm betrieben wird und uns einen Spiegel vor die Augen hält. Wohl die meisten Zuschauer werden ihr Mobiltelefon nach der Sendung nun mit Argusaugen betrachten, wo nun klar ist, wie viel Energie und Rohstoffe selbst ein solcher Alltagsgegenstand enthält.

Ich bin gespannt auf die nächste Folge, in der es um Zugvögel gehen wird. Ich bin mir sicher, dass Harald Lesch dann auch auf das drängende Problem der Lichtverschmutzung eingehen wird...

Clear Skies!

Stefan Oldenburg


Ein Kommentar zu “Lesch bleibt Lesch”

  1. Jörg Woker Antworten | Permalink

    The same procedure as last year?

    The same procedure as evera year!

    Ja, das war er wieder, Lesch as Lesch can. Und das ist gut so. Sicher wird es noch ein wenig Zeit und die eine oder andere Folge brauchen, bis auch das Feintuning stimmt, aber seine Art und Weise hat er beibehalten.

    Das was an Joachim Bublath mehr und mehr fehlte, der unbequeme Touch der Wahrheit, war wieder zu spüren, und der "Lehrer" war präsent, auch wenn das "Klassenzimmer" nun anders aussieht.

    Lassen wir uns überraschen, ich denke, diese Erwartung wird nicht enttäuscht!

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