Kuriose Inschrift in Ulm

15. Februar 2013 von Eva Bambach in Kuriose Inschriften

Als ich vor ein paar Tagen durch Ulm spaziert bin, ist mir in der Nähe des Münsters diese schöne Jugendstilinschrift aufgefallen. Verwirrt war ich dann aber gleich, weil das Haus, an dem diese Inschrift angebracht ist, so gar nicht zu der Gedenktafel passen will. Ulm Schadsches Haus Neue Strasse Ulm Schadsches Haus Neue Strasse WallensteingedenktafelDiese Inschrift erinnert an eine Übernachtung Wallensteins in Ulm. Links das Planetensymbol für Mars, rechts das für Jupiter (sieht man in der vergrößerten Ansicht besser) – wohl ein Bezug auf  Wallensteins Interesse an Astrologie.

Ulm Schadsches Haus Neue Strasse Ulm Schadsches Haus Neue Strasse WallensteingedenktafelHier die Ansicht des gesamten Gebäudes am Weinhofberg, links im Bild die Gedenktafel. Weniger auratisch geht's nicht.

Ein paar Fakten dazu waren schnell ergoogelt:

Die Familie Schad war ein Ulmer Patriziergeschlecht. Während des Dreißigjährigen Krieges lenkte sie die Geschicke der Stadt maßgeblich. Wallenstein hielt sich vom 30. Mai bis Oktober  1630 in Memmingen auf und erhielt dort unter anderem seine Entlassung als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen. Am Vorabend seines Eintreffens in Memmingen hat Wallenstein also offenbar im Hause Schad in Ulm übernachtet.

Dieses Haus ist nun aber gar nicht mehr da  ̶ Ulm wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Damit ist die Tafel nun auch zum Gedenkstein für das verschwundene Haus geworden.

Es bleiben aber doch Fragen:

Gestiftet wurde die Tafel anscheinend nicht von Nachkommen der Patrizierfamilie, sondern von der Stadt Ulm, wie die kleine Inschrift unterhalb des anmutigen Kanonenkugelhaufens besagt. Gab es 1910 wohl einen besonderen Anlass? Oder war es ein Ersatz für eine Vorgängertafel? Wovon nährt sich der Stolz auf eine einzige, immerhin doch recht banale Übernachtung?

Vielleicht gibt es Ulmer, die hier Rat wissen?

 

 


2 Kommentare zu “Kuriose Inschrift in Ulm”

  1. Gerald Fix Antworten | Permalink

    Ich kann weder zur Tafel noch zum Stolz auf die Übernachtung etwas beitragen. Aber so ganz banal scheint der Besuch nicht gewesen zu sein. Martin Nestler berichtet in "Ulm - Geschichte einer Stadt", Sutton-Verlag, zum Gefolge Wallensteins hätten 630 Personen gehört. Die haben wohl die Geld- und Lebensmittelvorräte der Stadt weitgehend aufgebraucht und die Ulmer hätten, so Nestler, mit gewisser Freude den nächsten Besuch Wallensteins verhindern können.

  2. Eva Bambach Antworten | Permalink

    Übernachtung für 630 Personen

    Wie das Gros der Leute untergebracht war, möchte man sich da auch lieber nicht ausmalen ...

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