Der Koran – Eine kurze Einführung

30. Mai 2009 von Hussein Hamdan in Koran

Über den Koran wird viel gesprochen. Jedoch fällt mir immer wieder auf, dass viele Menschen nicht einmal Grundkenntnisse über das heilige Buch des Islam besitzen. Im Folgenden einige wichtige Informationen:

Der Koran gilt der islamischen Tradition nach als das offenbarte Wort Gottes. Es handelt sich also nicht um inspiriertes Menschenwort, sondern um die wörtliche Offenbarung von Gott. Im Klartext heißt das: nicht Muhammad, der ohnehin Analphabet gewesen sein soll, ist der Verfasser des Koran, sondern Gott.

Als Überbringer der göttlichen Botschaften fungierte der Erzengel Gabriel. Den Quellenangaben nach soll Gabriel Muhammad erstmals in einer Nacht des arabischen Monats Ramadan im Jahre 610 in einer Höhle auf dem Berge Hira in der Nähe Mekkas, wohin sich Muhammad des Öfteren zurückzog, aufgesucht und ihm die ersten Verse (Sure 96, Verse 1-5) des Korans überbracht haben. Diesem Aufeinandertreffen liegt auch die Berufung Muhammads zum neuen Gesandten Gottes zugrunde, wie noch in einem späteren Artikel verdeutlicht werden wird.

Von diesem Zeitpunkt an überbrachte Gabriel dem Propheten bis zu seinem Tod im Jahre 632 in Medina regelmäßig Abschnitte der heiligen Schrift. Das heißt also, dass die Offenbarungen mit dem Tode Muhammads abgeschlossen waren. In seinem Auftrag wurden breite Teile des Korans vor allem durch Zaid ibn Thabit, der in der wissenschaftlichen Sprache auch gerne als Prophetensekretär bezeichnet wird, schon schriftlich festgehalten; viele Gefährten Muhammads pflegten die Texte aber nach altarabischer Sitte auswendig zu lernen und mündlich zu tradieren. Die ersten beiden Kalifen Abu Bakr (reg.632-34) und Umar (reg. 634-44) sammelten die niedergeschriebenen Texte, bevor der dritte Kalif Uthman (reg. 644-56) im Jahre 653 eine Redaktion vornehmen ließ, bei der eine Anordnung der Suren erfolgte und somit eine einheitliche Koranform entstanden ist.

Die Anordnung der insgesamt 114 Suren folgt dem Prinzip der Länge, wobei Ausnahmen enthalten sind. Sure 2 ist die längste, Sure 108 und 110 sind die kürzesten. Die erste Sure heißt al-Fatiha (die Eröffnende) und gilt als das wichtigste Gebet im Islam, das nicht nur den Hauptteil der Ritualgebete dominiert, sondern auch zu vielen verschiedenen Anlässen (Eheschließung, Tod etc.) vorgetragen wird.

Die Anordnung der Suren folgt also weder der chronologischen Reihenfolge ihrer Offenbarung noch ergibt sie einen fortlaufenden, zusammenhängenden Text. Somit ist jede Sure für sich zu betrachten. Jede Sure hat einen Namen, der entweder auf den Anfang oder den Inhalt der Sure Bezug nimmt.

Bis auf die neunte Sure leitet die Basmala-Formel „Im Namen Gottes des Erbarmers des Barmherzigen“ alle Suren ein, was als Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes verstanden wird.

Die islamische Tradition unterscheidet die einzelnen Suren nach dem Ort und der Zeit ihrer Offenbarungen (nuzul) und überliefert auch die Umstände und Anlässe, die zur Offenbarung der einzelnen Suren oder Abschnitte geführt haben soll, als die so genannten „Ursachen der Offenbarungen“ (asbab an-nuzul). Letzteres ist für die Koranexegese von großer Bedeutung, denn anhand der Gründe, die zu einem Korantext geführt haben, kann festgestellt werden, ob dieser Text nun einen historischen oder einen ewigen Charakter hat. Alleine den Koran zu lesen ohne die verschiedenen Suren oder Verse einordnen zu können oder die Hintergründe zu kennen, kann in vielen Passagen zu Irritationen und Missinterpretationen führen.

Weiter unterscheidet die Grobeinteilung zwischen mekkanischen Suren, die vor der Auswanderung nach Medina (610-622) offenbart wurden, und medinensischen Suren, die aus der Zeit nach der Auswanderung (622-632) stammen.

Der grundlegende Unterschied dabei ist, dass die in Mekka erfolgten Offenbarungen kurze, schwungvolle, durch Reimwörter stark rhythmisch geprägte Suren sind, die oft vom drohenden Jüngsten Gericht handeln. Die medinensischen Suren sind länger, in denen häufig ausführliche kultische oder rechtliche Vorschriften, z.B. über die Erbteilung angeführt werden.

Der Inhalt des Koran besteht größtenteils aus Verordnungen und Empfehlungen, Ermahnungen und Belehrungen, endzeitlichen Warnungen, Schilderungen und Ankündigungen des Jüngsten Gerichts, sowie Erzählungen von Propheten wie Abraham, Noah, David, Moses und Jesus. Letzteres soll nicht nur verdeutlichen, dass sich der Koran zu denselben Wurzeln wie Christentum und Judentum bekennt, sondern auch Muhammad zeigen, dass die Propheten vor ihm ebenfalls Anfeindungen von ihren Völkern ausgesetzt waren. Oft nimmt der Koran auch Bezug zu einem bestimmten Ereignis aus der Zeit Muhammads.

Des Weiteren vertritt der Koran Grundwerte wie Gerechtigkeit, Gemeinwohl vor Eigennutz, Verantwortlichkeit, Familiensinn sowie die Wertschätzung von Güte, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Aufrichtigkeit, Sauberkeit, Tapferkeit, Mitgefühl, Opferbereitschaft, Geduld, Fleiß, Bescheidenheit, Genügsamkeit und Ähnliches.

Die grundlegende Botschaft des Korans ist: Es gibt nur einen Gott, er ist der Schöpfer aller Dinge.

Zum Abschluss noch zwei kurze Erläuterungen:

Das Wort Koran ist von dem arabischen Verb qara`a- laut lesen, vorlesen, rezitieren abgeleitet und kann mit Rezitation, Lesung oder auch Vortrag übersetzt werden.

Wegen seiner Heiligkeit pflegen Muslime einen sehr vorsichtigen Umgang mit ihren Koranexemplaren. Es wird empfohlen sich einer Ritualwaschung zu unterziehen, bevor man im Koran lesen möchte. Zudem wird er meist an einem hohen Platz abgelegt.


33 Kommentare zu “Der Koran – Eine kurze Einführung”

  1. Robert Gruenstein Antworten | Permalink

    Allah der Allerbarmer?

    Der "heilige Koran" ist für die Rechtgläubigen das offenbarte Wort Allahs und für jeden Nichtmoslem ein Buch zum fürchten. Denn in diesem Buch wird unzählige Male zum Töten Andersgläubiger aufgefordert z.B.:

    66:9 O Prophet! Bekämpfe die Ungläubigen und die Heuchler; und sei streng gegen sie. Ihre Herberge wird Gahannam sein, und dies ist ein schlimmes Ende!

    Sure 9:5. Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet.
    Darüberhinaus ist dieses Buch übervoll mit Höllenlyrik, in dem in sadistischer Genauigkeit beschrieben wird, welche Qualen die Ungläubigen erwartet weil sie den Islam nicht angenommen haben:

    18:29. Und sprich: "Siehe, Wir haben für die Frevler ein Feuer bereitet. Und wenn sie um Hilfe schreien, so wird ihnen mit Wasser gleich geschmolzenem Metall, das die Gesichter verbrennt, geholfen werden.

    38:57. Dies ist für die Ungläubigen. Mögen sie es denn kosten: siedendes Wasser und eine Trankmischung aus Blut und Eiter.

  2. Ulrich Antworten | Permalink

    stimmt

    Ja, geredet wird viel über den Islam und die Muslime. Auch in den Medien. Aber so recht auskennen tut sich glaub ich kaum einer. Meist wird nur nachgeplappert und man nimmt sich dann das heraus, was gut in das eigene Weltbild passt. Ein altes menschliches Phänomen ;-)

  3. Günter Buchholz Antworten | Permalink

    Koran

    Alle so genannten heiligen Texte - Offenbarungstexte - sind von Menschen geschrieben worden. Und damit ist alles gesagt.

  4. KRichard Antworten | Permalink

    Al Kaida, Taliban

    Ich habe den Koran gelesen und kann es jedem empfehlen, damit man mehr von der mulimischen Lebensweise/Gedankenwelt versteht.

    Es wäre aber schön, wenn ihn auch Muslime lesen würden - denn dann gäbe es keine Verbrecher wie AlKaida/Taliban in muslimischen Ländern. Und die Leute dort könnten endlich in Frieden leben.
    (Als der Anschlag in New York war, sprach ich mit einem Moslem, der sich darüber freute, dass die USA so attakiert wurde. Als ich ihm sagte, dass der Koran das Töten unschuldiger Menschen verbietet, verstand er mich gar nicht - weil er keine Ahnung vom Koran hatte.)

  5. Michael Blume Antworten | Permalink

    Linkesche These

    Interessant ist ja, dass sowohl die hebräische Bibel wie auch der Koran je in vokalarmen Alphabeten geschrieben wurden, deren Rezitation mit besonderen Erfahrungen einhergeht und Übersetzungen keinen liturgischen Charakter besitzen (im Gegensatz zur griechischen, dann lateinischen und inzwischen in Hunderte Sprachen übersetzten Bibel). Der Neurologe Detlef Linke formulierte dazu einmal eine sehr spannende These, die ggf. unsere Perspektive auf heilige Schriften erweitern könnte.

    Selbst im Dialog von Natur- und Religionswissenschaft haben wir noch kaum an der Oberfläche des zu Entdeckenden gekratzt...

    Weiterhin viele erfolgreiche Beiträge, Hussein! :-)

  6. theologie-der-vernunft Antworten | Permalink

    Ist der Sprecher jetzt still?

    Wenn es - wovon ich ausgehe - einen gemeinsamen Grund aller Schöpfung, aller Kreativität gibt, dann hat er auch dazu beigetragen, dass in seinem Namen Bücher verfasst wurden, eine Verschriftung des alles Werdens bewirkenden Wortes (selbst der Papst redet dabei von einer universalen schöpferischer Vernünftigkeit, nicht von Zauberwort) stattfand. In diesem Sinne kann sicher auch der Koran als Wort Gottes gesehen werden.

    Doch hat der Sprecher aufgehört? Oder zeigt nicht gerade die ganze Aufregung um die Aussagen und die Auslegung des Koran, was gerade hier wieder deutlich wird, dass es höchste Zeit wäre (nicht auf die Bibel umzusteigen, die die gleiche Probleme bringt, sondern) neu in einer gemeisamen Welterklärung zu hören?

    Heute denken wir über die Herkunft des Islam nach, wissen um die Monotheismusaufklärung der Zeitenwende und ihre verschiedenen Strömungen, die auch zum Koran führten. Aufgeklärt wissen wir, dass auch die Buchstaben des Koran nicht geheimnisvoll vom Himmel gefallen sind oder der Hoheitsgestalt des personifizierten Glaubensgrundes/-gründers im Traum diktiert wurden, sondern können über den antiken Geist nachdenken, der zum damaligen Gehör führte.

    Im Pfingsttext wird berichtet, dass plötzlich Araber, Juden... alle eine Sprache verstanden. Mit wundersamem Feuer auf dem Kopf hatte dies sicher wenig zu tun. Vielmehr mit dem gemeinsamem Verstand eines Wortes bzw. einer Vernunft allen natürlichen Werdens und dem daraus abzuleitenden Lebenssinn (Logos).

    Wenn das logisch-vernünftige Werden, dieser Lebensinn heute wieder von Evolutionsbiologen für Moslems und Christen als gleichermaßen geltenden erklärt, warum kann das nicht als Wort des altbekannten Sprechers verstanden werden? Warum müssen wir uns weiter an Buchstaben halten, die nicht nur zum Blutvergießen, sondern Vermittlung eingener Moral missbraucht werden und die die die Kulturen trennen?

    Können uns Koran und Bibel nicht auf ein Wort (kreatie Vernünftigkeit) verweisen, das heute in der gemeinsamen Wissenschaft bzw. Welterklärung erst wieder verständlich wird?

    In weiterer Pfingsthoffnung

    Gerhard Mentzel

  7. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ R. Gruenstein

    Ja, der Koran enthält Gewalttexte. Man darf aber auch hier nicht den historischen Kontext vergessen. Darauf hatte ich auch hingewiesen (Gründe der Offenbarung..). Zum von ihnen angeführten Vers (9;5) gibt es in der Übersetzung von M. Henning (von M. W. Hofmann überarbeitet) eine Erläuterung. Dort heißt es, dass dies Verordnungen für einen bereits ausgebrochenen Verteidigungskrieg sind. Der Vers behandelt nicht das Recht zum Krieg sondern das Recht im Krieg.
    Der Text geht aber auch weiter. Denn es heißt im darauf folgenden Vers, dass wenn ein Götzendiener Zuflucht sucht, ihm auch Zuflucht gewährt werden soll, damit er Gottes Wort vernimmt. Danach soll man ihn den Ort erreichen lassen, an dem er sich sicher fühlt. Dann ist u.a. die Rede von einem Vertrag, den man mit den Götzendienern in der Nähe der unverletzlichen Moschee (Mekka) geschlossen hat. Damit ist der Waffenstillstand von Hudaibiyya im Jahre 628 gemeint. Ich bin kein Koranexeget; jedoch scheint es mir hier um eine bestimmte Situation/ Phase zu gehen.
    Interessant finde ich, dass man in Zusammenhang mit Ungläubigen (damit sind übrigens m. W. im koranischen Kontext vorwiegend die Götzendiener aus der Zeit Muhammads gemeint) immer nur die Kriegstexte anführt.
    Sure 109 scheint wohl kaum jm. zu kennen bzw. zu interessieren.

    „Sprich: „O ihr Ungläubigen! Ich verehre nicht, was ihr verehrt. Und ihr verehrt nicht, was ich verehre. Und ich werde kein Verehrer dessen sein, was ihr verehrt. Und ihr werdet kein Verehrer dessen sein, was ich verehre. Euch euer Glaube und mir mein Glaube!“

    Die Hölle wird im Koran sehr genau geschildert. Aber nicht nur die Ungläubigen oder die Schriftbesitzer könnten dort landen, sondern auch Muslime. Dazu gibt es verschiedene Aussagen.
    Bemerkenswert ist aber, dass folgender Vers kaum in Betracht gezogen wird, wenn von nichtmuslimischer Seite über die Haltung des Korans zu Andersgläubigen berichtet wird.

    2; 62: Siehe, die da glauben, auch die Juden und die Christen und die Sabäer- wer immer an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag und das Rechte tut, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn. Keine Furcht kommt über sie, und sie werden nicht traurig sein.

    Das sollte hier kein Plädoyer für den Koran sein. Vielleicht täten wir aber alle gut daran nicht gleich zu urteilen.

  8. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ Ulrich

    Danke für die Zustimmung. Den Medien geht es leider häufig nicht um Aufklärung; Stimmung machen, Einschaltquoten usw. sind da wichtiger. In meinem letzten Artikel (jüdisch-islamischer Dialog in Stuttgart) habe ich kurz darauf hingewiesen. Es waren einige Meidenvertreter zu diesem Treffen eingeladen, gekommen ist nur einer. Immerhin!

  9. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ KRichard

    Ich stimme ihnen zu. Mir fällt auch immer wieder auf, wie wenig manche Muslime vom Koran wissen; auch wenn sie gerne darüber reden bzw. damit argumentieren. Oft fehlt das Hintergrundwissen um die einzelnen Suren richtig einordnen/ interpretieren zu können, was wiederum gerne von Menschen ausgenutzt wird, die bestimmte Ziele verfolgen.
    Was das Ergebnis sein kann, haben sie gut beschrieben.

  10. Yoav Sapir Antworten | Permalink

    @ Hussein

    Da ich damals keine Antwort bekommen habe, versuche ich es nochmals, vielleicht hätte ich heute mehr "Glück":

    Sicherlich hat der Koran und andere, teilweise noch schlimmere Grundschriften des Islam einen historischen Kontext. Das bestreitet m. W. keiner. Die Frage ist aber, ob man die Mehrheit der überzeugten Muslime, die diese Texte - nicht nur die schönen, sondern auch die entsetzlichen Teile - so versteht, wie sie geschrieben stehen, dazu zwingen kann, sich in Wissenschaftler nach abendländischem Muster zu verwandeln? Ob man Hundertmillionen Muslimen - wenn nicht mehr - verbieten kann, die Schriften, die sich für heilig halten, nur so zu verstehen, wie du es (zu Recht!) verstehen willst, und nicht so, wie der Text da einfach geschrieben steht?

    Sollte die Antwort "Nein" lauten, so stellt sich die Frage, ob du nicht abermals am Eigentlichen vorbeiredest.

    Und für deine Leser, die sich auch mit der anderen Seite der Münze bekannt machen wollen:

    Radikaler Islam vs. Islam: Wo steckt die Gefahr?

  11. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ Michael

    Hallo Michael,

    danke dir für den interessanten Hinweis. Von der Linkeschen These habe ich leider noch nichts gehört.
    Kannst du vielleicht ein paar Sätze dazu schreiben oder mir einen link schicken. Das könnte auch noch andere interessieren.
    Alles gute!

  12. Yoav Sapir Antworten | Permalink

    Korrektur

    Diese Frage hab ich vollkommen durcheinander gebracht:

    "Ob man Hundertmillionen Muslimen - wenn nicht mehr - verbieten kann, die Schriften, die sich für heilig halten, nur so zu verstehen, wie du es (zu Recht!) verstehen willst, und nicht so, wie der Text da einfach geschrieben steht?"

    Es muss natürlich so lauten:

    Ob man Hundertmillionen Muslimen - wenn nicht mehr - gebieten kann, die Schriften, die sie für heilig halten, nur so zu verstehen, wie du es (zu Recht!) verstehen willst, und nicht so, wie der Text da einfach geschrieben steht?

  13. Mona Antworten | Permalink

    Sehr schön wie Sie hier den Koran erklären. Ich besitze einen eigenen Koran, der ist zwar schon etwas älter und natürlich auf Deutsch. Leider gibt es z.T. sehr unterschiedliche Übersetzungen, können Sie da eine Empfehlung geben?

    Es wird auch wird immer wieder behauptet, der Islam würde die Frauen unterdrücken. Auf der Website Qantara.de las ich nun, dass auch der Koran so etwas wie Interpretationsfreiheit zulässt:

    http://de.qantara.de/.../_c-296/_nr-28/_p-1/i.html

    Was sagen Sie dazu, finden Sie diese Sichtweise richtig?

  14. KRichard Antworten | Permalink

    @Yoav; Koran Friedfertigkeit

    Der Koran und die meisten Muslime ist/sind friedfertig.

    Grundlagen dafür sind im Koran zu finden. Z.B. Soll es nicht einmal einen Zwang zum Glauben geben 2:256, 10:99 - und die Völker der Schrift (= Juden, Christen, Muslime) sollen sich vertragen 29:46.
    Die aktuellen Sprengstoffanschläge mancher Verbrecher, mit Selbstmorden, wiedersprechen dem Koran: 4:92, 17:33.

    Dass es sich beim Djihad eigentlich um den ´Kampf´ für die eigene sittlich/religiöse Vollkommenheit handelt - wird von Verbrechern gerne unterschlagen - und auch, dass Krieg nur im Verteidigungsfalle (bei direktem Angriff) erlaubt ist.

    Wie ich oben schon schrieb, es lohnt sich, den Koran zu lesen - und AlKaida/Taliban als das zu bezeichnen, was sie sind. Verbrecher - die nicht im Sinne des Koran handeln.

  15. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ G. Mentzel

    Lieber Herr Mentzel,

    ich danke Ihnen für Ihren Kommentar. Inwiefern solch eine Welterklärung zustande kommen könnte, kann ich leider nicht beantworten. Ich glaube jedoch, dass es immer wieder jm. geben würde, der auch solch eine Erklärung für seine Zwecke missbrauchen könnte.
    Was wir dringend brauchen ist Aufklärung und den Mut zum Dialog. Bereit zu sein, einander zu zuhören und uns die Chance zu geben den anderen zu verstehen. Ich habe sowohl im interreligiösen als auch im interkulturellen Dialog die Erfahrung gemacht, dass Menschen aus verschiedenen Religions- und Kulturkreisen z.B. gemeinsam für den Frieden zw. den Menschen zusammenstehen können. Davon brauchen wir mehr.
    Verschiedene Weltanschauungen müssen kein Hindernis sein.

  16. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ Yoav

    Bisher hast du auf jeden deiner Kommentare eine Antwort bekommen; wenn meine Antworten dich aber nicht zufrieden stellen, dann kann ich nichts dafür. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass du nur etwas Bestimmtes hören möchtest.

    Mit Zwang kann man meiner Meinung nach nichts Positives erreichen.
    Es ist die Aufgabe der Koranexegeten die Korantexte sinn- und auch zeitgemäß zu interpretieren, damit die Menschen sich nicht mehr nur nach dem geschriebenen Text richten, sondern auch die Dinge im Zusammenhang sehen.
    Was ich in meinem Artikel erklärt habe ist nichts Neues. Es handelt sich dabei auch nicht um meine Meinung, sondern lediglich um die Kriterien einer seriösen Koranexegese.

    Wenn du meinst, ich rede am Eigentlichen vorbei, dann ist es okay für mich. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich mich nicht auf Diskussionen einlasse, die man mir aufdrängen möchte.

  17. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ Mona

    Vielen dank für Ihren Kommentar. Ich kann Ihnen die Koranübersetzung von Max Henning, die von Murad Wilfried Hofmann überarbeitet und herausgegeben ist (Kreuzlingen; München: Hugendubel, 1999 (Diederichs; ISBN 3-424-01498-2) empfehlen. Sie bietet immer wieder kurze Erläuterungen zu einzelnen Versen und lässt sich gut lesen.

    Interpretationfreiheit lässt der Koran zu, das stimmt. Das gilt zwar nicht für alle Texte, aber ich möchte Ihnen zwei weitere einfache Beispiele geben, die unter den Muslimen in Deutschland oft diskutiert werden. Im Koran gibt es das Schweinefleischverbot. Darf man dann aber auch keine Gelatine essen? Oder: Im Koran heißt, dass die Speisen der Schriftbesitzer den Muslimen erlaubt sind. Gilt das aber auch für Fleisch oder darf man nur Fleisch essen, was von einem Muslim geschlachtet wurde?
    Dazu gibt es verschiedene Interpretationsmöglichkeiten.
    Das Beispiel im link halte ich für sehr spannend und wichtig. Ich glaube auch, dass sich diese Meinung immer mehr durchsetzen wird.

  18. Yoav Sapir Antworten | Permalink

    @ Richard

    Deine Interpretation des Islam bzw. mancher Aspekte im Islam finde ich nachvollziehbar (bis auf deine statistische Aussage, die keine ist), aber dieses Bild vom deines Erachtens richtigen Islam musst du nicht mir verkaufen, der ich mich ja nicht auf bestimmte Stelle in manchen Grundschriften des Islam berufe, sondern denjenigen, die diese Textstellen in die Tat umsetzen, was du - nicht sie - "Verbrechen" nennst (m. E. zu Recht), sowie ihren extrem zahlreichen Unterstützern überall in der islamischen Welt.

    Auch Husseins Interprationen finde ich ganz in Ordnung. Es würde mich sehr freuen, wenn die Mehrheit der Muslime so wären wie er. Aber ich verstehe nicht, wie es der islamischen Welt weiterhilft, wenn *wir* das für gut befinden.

  19. Yoav Sapir Antworten | Permalink

    @ Hussein

    Du schreibst: "sondern lediglich um die Kriterien einer seriösen Koranexegese" - wer entscheidet darüber, was als seriös zu gelten hat? Du? Mit anderen Worten: Wie hilft es uns weiter, wenn du die Arbeit zahlreicher Islamlehrer in der islamischen Welt für "unseriös" hältst? Ändern sie deswegen ihre Meinung?

    Meines Erachtens redet man beim Thema Islam immer dann am Eigentlichen vorbei, wenn man die größte Problematik, aufgrund deren sich das Abendland so intensiv mit Islam auseinandersetzen muss, vollkommen außer Acht lässt, nämlich die Gewalt, die als Umsetzung bestimmter Textstellen in islamischebn Grundschriften ausgeübt wird.

    Insofern habe ich auch dieses Mal keine richtige Antwort bekommen. Einerseits gibst du zu, dass man der islamischen Welt die Sicht der abendländischen Islamwissenschaft nicht aufzwingen kann. Andererseits erklärst du nach wie vor nicht, inwiefern unser wissenschaftliches Bild vom "eigentlichen" Islam überhaupt relevant sein kann - wenn es mit den islamischen Massen gar nicht so viel zu tun, die sich ja nur "irren".

  20. Michael Blume Antworten | Permalink

    @ Hussein: Linkesche These & Obama

    Lieber Hussein,

    zur Linkeschen These ist ein Kapitel in Gott, Gene und Gehirn enthalten, online findest Du etwas z.B. hier:
    http://religionswissenschaft.twoday.net/...122256/

    Sehr gefreut hat mich übrigens heute die Rede des US-Präsidenten Obama, der gerade auch als Christ gegenüber dem Koran sehr respektvoll sprach, mehrfach auf ihn Bezug nahm und ihn zitierte, für eine friedliche Zweistaatenlösung in Nahost eintrat und den extremistischen Kräften aller Seiten entgegen trat. Text und Video habe ich hier eingestellt:
    http://www.chronologs.de/...he-welt-text-und-video

    Herzliche Grüße!

  21. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ Yoav

    Was ich als Kriterien einer seriösen Koranexegese bezeichnet habe, sind die Kriterien, die die islamische Tradition der Koranexegese zuschreibt. So habe ich es in meinem Studium der Islamwissenschaft gelernt.

    Außerdem habe ich überhaupt nichts zugegeben. Ich habe nur versucht zu erklären, dass man mit Zwang nichts erreichen kann.
    Du schreibst: „Meines Erachtens redet man beim Thema Islam immer dann am Eigentlichen vorbei, wenn man die größte Problematik, aufgrund deren sich das Abendland so intensiv mit Islam auseinandersetzen muss, vollkommen außer Acht lässt, nämlich die Gewalt, die als Umsetzung bestimmter Textstellen in islamischen Grundschriften ausgeübt wird.“
    Wenn du das glaubst, dann ist das deine Sache. Ich glaube aber, dass der Islam noch mehr zu bieten hat und dass die Muslime zu sehr mit dieser Gewaltfrage konfrontiert werden. Vor allem die, die am wenigsten dafür können. Islam/ Muslime = Gewalt: das ist das Bild, das uns die Medien vermitteln.

    Es muss in einem seriösen Dialog auch über die Gewalt(texte) gesprochen werden, aber das kann nicht das einzige Thema sein. Es kann nicht sein Yoav, dass man versucht aus jeder Diskussion eine Gewaltdiskussion (oder Islam/ Muslime sind die Bedrohung) zu machen.

  22. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ Michael

    Vielen dank für den Hinweis zur Linkeschen These. Ich habe es mir kurz im Buch angeschaut, werde mich aber bei Gelegenheit etwas mehr damit beschäftigen.
    Durch den link haben ja jetzt aber auch andere die Möglichkeit etwas darüber zu lesen.

  23. Michael Blume Antworten | Permalink

    @ Krichard & Hussein: Islam und Gewalt

    Ich möchte Ihnen beiden zustimmen.

    Sowenig wie jeder Deutsche ein Nazi ist (deren Untaten in Verfassungsschutzberichten verzeichnet sind) oder jede Jude ein Extremist ist (und diese haben u.a. einen israelischen Ministerpräsidenten, ein Massaker in Hebron u.v.m. verübt), so wenig neigen Muslime per se zur Gewalt. Oft identifizieren sie sich sogar stärker mit ihrer Wahlheimat & Demokratie als die etablierte Bevölkerung, vgl.
    http://www.tagesspiegel.de/...treue;art270,2792776

    Und sie tun das nicht nur in Umfragen: Obwohl sie von Terroristen bedroht wurden, beteiligten sich z.B. je Iraker und Afghanen mit über 70% bei den Wahlen ihrer Länder, mehr als in den meisten bereits sicheren Demokratien. Die allermeisten Muslime wünschen ein Leben in Freiheit und Sicherheit bei Wahrung ihrer jeweiligen Identität - so wie Christen, Juden, Anders- und Nichtglaubende auch.

    Natürlich wollen Nationalisten aller Art Minderheiten stets als gefährliche und verschwörerische Bedrohungen erscheinen lassen, um daraus das Recht auf Diskriminierung (oder z.B. in Israel auch weiteren Besetzung und Vertreibung) dieser Minderheiten abzuleiten. Mit der Realität hat das nichts zu tun. Wie hat es der US-Präsident gestern so klar formuliert? Der Islam ist nicht Teil des Problems bei der Bekämpfung gewalttätiger Extremisten, sondern ein wichtiges Element bei der Förderung des Friedens. Deswegen gilt es, gemeinsam Extremisten und Nationalisten aller Couleur entgegen zu treten und stärker gemeinsam für Frieden, Menschenrechte und Bildung einzutreten.

    Der Scilog "Der Islam" ist ein wertvoller, aufklärender Beitrag dazu.

  24. Michael Blume Antworten | Permalink

    Ergänzung

    Im Beitrag zuvor ist ein Wort entfallen: ...und diese (jüdische Extremisten) haben u.a. einen israelischen Ministerpräsidenten "ermordet".

    Gemeint ist hier natürlich der Friedensnobelpreisträger Yitzhak Rabin, der von einem Fanatiker ermordet wurde, der sich dabei meinte auf das Judentum zu berufen zu dürfen.
    http://www.hagalil.com/...rabin/yitzhak/aruz-7.htm

    Extremismus und Gewalt bilden erkennbar Probleme (nicht aber das Wesentliche!) jeder Religion und Weltanschauung!

  25. KRichard Antworten | Permalink

    Wo ist Profit

    Man sollte immer sehen, wo die Gründe für Gewalt liegt -> wem nützt es?: Wer kassiert Geld, wer liefert die Waffen?

    Z.B. Als Yassir Arrafat starb war die größte Frage: was passiert mit seinem schwarzen Notizbuch (in dem die Kontonummern des angehäuften Vermögens verzeichnet waren) => während das Volk in Elend lebte hat er Vermögen abgehäuft.
    Und heute ist es noch genau so: Raketen auf Israel => Gegenangriff mit Zerstörungen => dann kommen die Wiederaufbauhilfen der EU/Welt. => wer am Hebel sitzt kann das Geld verteilen.

    Z.B. Pakistan (bzw. die regierende Schicht) wurde/wird von den USA massiv finanziell unterstützt im Kampf gegen die Taliban => wenn es keine Taliban mehr gibt, dann gibt es auch kein Geld mehr. => dieser Konflikt ist militärisch nie zu lösen.

  26. Martin Huhn Antworten | Permalink

    Koran Glaubenstolerant?

    Was sagt der Koran dazu, wenn man seinen Glauben wechselt?

    Hintergrund meiner Frage ist ein Fall, den ich schon länger aus der Ferne verfolge. Es handelt sich um Maryam Rostampour und Marzieh Amirizadeh aus dem Iran. Die sind zum Christentum übergetreten und seit dem 05. März 2009 inhaftiert. Im August standen sie dann vor Gericht und sollten dem christlichen Glauben abschwören und wieder dem Islam beitreten, was diese jedoch nicht gemacht haben. Nun droht ihnen schreckliches.

  27. Charly Antworten | Permalink

    Der Koran - Eine kurze Einführung

    Wieder was gelernt heute, wusste vieles nicht.
    Das find ich gut:
    Des Weiteren vertritt der Koran Grundwerte wie Gerechtigkeit, Gemeinwohl vor Eigennutz, Verantwortlichkeit, Familiensinn sowie die Wertschätzung von Güte, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Aufrichtigkeit, Sauberkeit, Tapferkeit, Mitgefühl, Opferbereitschaft, Geduld, Fleiß, Bescheidenheit, Genügsamkeit und Ähnliches.
    Wenn sich daran jeder halten wuerde, wuerds unter den Religionen/Voelkern keine Probleme geben ?

    Gruesse Dich Hussein

  28. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ Martin

    Hallo Martin,

    entschuldige bitte, dass es mit meiner Antwort mal wieder etwas länger gedauert hat.
    Der Koran äußert sich nicht zum Glaubenswechsel; das war damals auch nicht so wichtig, denn in der Entstehungszeit des Koran ist es -soweit mir bekannt ist- nicht vorgekommen, dass jmd. aus der noch jungen Gemeinde Muhammads zum Christen- oder Judentum gewechselt ist.
    Es soll aber vorgekommen sein, dass einige vom Glauben abgefallen sind. Für sie sieht der Koran im Diesseits keine Strafe vor; ihnen wird eine Strafe im Jenseits angedroht bzw. vorausgesagt. Z.B. Sure 3, Vers 106: An einem Tag, da manche Gesichter weiß und manche Gesichter schwarz sein werden. Und was jene anlangt, deren Gesichter schwarz wurden: "Wurdet ihr ungläubig, nachdem ihr geglaubt hattet? So kostet die Strafe, weil ihr ungläubig wurdet."

    Es soll aber einen Ausspruch Muhammads geben, indem er anordnet, diejenigen zu töten, die einen anderen Glauben annehmen. Dieser Ausspruch scheint sich im Mittelalter, als Rechtsgelehrte eine Systematisierung der Rechtsnormen vornahmen durchgesetzt zu haben.
    Die Aussprüche Muhammads sind nach dem Koran die 2. Quelle des Islam, jedoch weiß man, dass es durchaus Aussprüche gibt, die mit der Zeit verfälscht oder neu erfunden und Muhammad dann in den Mund gelegt wurden, um eigene Maßnahmen zu rechtfertigen. Auch den ersten Kalifen (Nachfolgern Muhammads) wurden gerne Aussagen in den Mund gelegt, die sie vermutlich nie gesagt haben. Hauptsächlich geht es hier um solche politischen und rechtlichen Fragen.
    Ich bin in meiner Arbeit schon auf einige Maßnahmen gestoßen, die nicht ganz nachvollziehbar sind. Z.B. Kirchenbau: in vielen islamischen Ländern ist der Bau von Kirchen verboten. Im Koran wird dazu nichts gesagt, Muhammad soll aber einer Überlieferung nach einer christlichen Delegation, die in Medina zu Gast war einen Teil der Moschee als Kapelle überlassen haben, damit sie ihren Gottesdienst abhalten können. Später entstanden dann Überlieferungen, die den Bau von Kirchen in islamischen Gebieten verboten haben. (Dazu werde ich bei Gelegenheit mal etwas schreiben).
    Das ist alles nicht immer sehr einfach zu verstehen, weil es widersprüchliche Angaben gibt.

    Ich hoffe sehr, dass die beiden Frauen freikommen, denn ein koranisches Prinzip ist ja, dass es keinen Zwang im Glauben gibt.

    Viele Grüsse,
    Hussein

  29. Ferdinand Knauß Antworten | Permalink

    Offenbarung

    Sie schreiben von Offenbaruntg und dem Erzengel gabriel, als gäbe es keinen Grund, daran zu zweifeln, dass Allah persönlich, den Koran diktierte. Bei allem Respekt für Ihren glauben, aber was hat das bitteschön mit Wissenschaft zu tun, um die es hier doch gehen soll.

    nehmen Sie doch mal Stellung zu den verschiedenen Thesen über die tatsächliche historische Genese des Koran, des Islam und die Historizität Mohameds.

    Wir sind ja alle wohlwollend, aber Sie können uns als aufgeklärten menschen doch nicht vom Erzengel Gabriel erzählen, ohne auf die wirklichen Autoren zu sprechen zu kommen.

    Zumal Sie in der Diskussion dann wieder -um die schrecklichen Gewalt- und Hass-Tiraden im Koran zu erklären - vom "historischen Kontext" schreiben. Also was nun? Wenn der Koran von Allah persöhnlich diktiert wurde, kann es ja wohl keine historischen Relativierungen geben. Und so - überhistorisch - verstehen sehr viele Muslime ihren Koran ja auch offenbar.

  30. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    @ Ferdinand Knauß

    Nochmal hallo Herr Knauß,

    ich habe den Eindruck, dass Sie bisher noch keine wissenschaftliche Einführung in den Koran gelesen haben. Lesen Sie eines der folgenden Bücher: Der Islam von Heinz Halm, Der Koran von Murad Hofmann oder Der Koran von Michael Cook. Dann werden Sie feststellen, dass diese Wissenschaftler ebenfalls von Offenbarung und Gabriel schreiben. Natürlich gibt es immer den Hinweis, dass dies die Haltung der islamischen Tradition ist. Etwas anderes habe ich hier nicht erklärt. Es hat also wenig mit meinem persönlichen Glauben zu tun.
    Sie möchten, dass ich etwas zu den wirklichen Autoren des Korans schreibe. Das und die anderen Themen, zu denen Sie eine Stellungnahme wünschen, könnten Gegenstand anderer Artikel sein (wann und ob ich dazu etwas verfasse, kann ich noch nicht sagen). Da es hier aber nur eine kurze Einführung ist, kann ich nicht alle möglichen Theorien über die Entstehung des Koran berücksichtigen. Ohnehin haben wir keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, wer der wirkliche Autor des Koran ist.

    Sie schreiben: "Wenn der Koran von Allah persöhnlich diktiert wurde, kann es ja wohl keine historischen Relativierungen geben."
    Es gibt in der Koranwissenschaft etwas, was man "nasikh wa al-mansukh" nennt. Es geht hier um Verse, die von anderen, später entstandenen Versen inhaltlich aufgehoben sein sollen. Ein Beispiel ist das Alkoholverbot, das zunächst urteilsfrei behandelt wird. Dann wird festgestellt, dass es Nutzen hat, der Übel aber größer sei. Der nächste Schritt ist, dass das Beten im betrunkenen Zustand missbiligt wird, ehe schließlich das allgemeine Verbot kommt.

    Ob sehr viele Muslime den Koran überhistorisch verstehen oder nicht, dafür kann ich nichts, weil ich nur darstelle; so wie ich es im Studium gelernt habe.

    Dass Sie an meinen wissenschaftlichen Fähigkeiten zweifeln, ist kein Problem. Das ist Ihre Meinung und damit kann und muss ich leben.

  31. Ferdinand Knauß Antworten | Permalink

    Evolution und Islam

    An meine bisherigen Artikel im Handelsblatt ( http://www.handelsblatt.com/...de-umarmung;1173049 )und die Kommentare in diesem Blog anknüpfend habe ich in "Freie Welt" einen Essay über Wissenschaft (am Beispiel der Evolutionslehre) und ihre Stellung in islamischen Gesellschaften verfasst.
    http://www.freiewelt.net/...win-und-der-islam.html

    Leider sind die Kommentare darauf von einem muslimischen Leser sehr unqualifiziert. Mich interessiert, was Sie dazu denken.

  32. Hussein Hamdan Antworten | Permalink

    Ferdinand Knauß

    Hallo Herr Knauß,

    endlich habe ich Zeit gefunden, um Ihren Artikel zu lesen. Danke schön für den link.

    Die Evolutionstheorie ist in der Tat unter Muslimen ein sehr schwieriges Thema. Viele (besonders die ältere Generation) wissen noch nicht einmal etwas darüber. Zumindest ist das mein Eindruck. Armut allein ist keine Begründung wie sie zu Recht schreiben; es sollte aber in diesem Zusammenhang berücksichtigt werden. Ich habe auch oft den Eindruck, dass die islamische Welt sich dem Westen unterlegen fühlt und daher auch frustiert ist. Statt z.B. dem Westen in der Forschung nachzueifern (auch wenn manchmal die Mittel bescheiden sind) verfällt man in Gemütlichkeit und verweist nur auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Muslime im Mittelalter (die man auch nicht leugnen darf und die der westlichen Welt auch weitergeholfen haben) und begegnet "westlichen" Erkenntnissen mit Ablehnung. Dabei ruft der islamische Glaube zu Bildung und Wissenserwerb auf. Viele Prophetenaussprüche machen das deutlich. So heißt es in einem Ausspruch: "Strebt nach Wissen auch wenn es in China wäre." China schien den Menschen damals unerreichbar zu sein und ist daher eher als Metapher zu verstehen. Es ist aber ein Auftrag auch in anderen Spären nach Wissen zu suchen.

    Was die Evolutionstheorie angeht, so plädiere ich persönlich weder dafür noch dagegen. An was jm. glaubt und wie er glaubt ist meiner Meinung nach jedem selbst überlassen. Ich finde es aber sehr schade, dass man sich noch nicht einmal damit befasst.
    Emina Corbo-Mesic, eine der vier Autoren von "Das Islamische Wort" auf SWR.de hat im März 2009 einen m.E. schönen Beitrag mit dem Titel "Islam und Darwin- Ein Widerspruch?" verfasst. Vielleicht hilft Ihnen dieser Beitrag weiter.

    Ich frage mich aber, ob es die Lösung ist, wenn man der islamischen Welt stets Ihre "Rückständigkeit" vorzuhalten versucht. Meiner Meinung nach wird man damit nicht so viel erreichen; eher wird dies nur negative Auswirkungen haben. Ich bin seit vielen Jahren im interreligiösen und interkulturellen Dialog tätig und habe es oft selbst erlebt mit welcher Arroganz und Ignoranz Muslimen begegnet wird. Wenn man wirklich nach Lösungen strebt, dann kann es nur einen Weg geben, nämlich einen gleichwertigen Dialog auch wenn die Perspektiven weit auseinander liegen. Wir unterschätzen oft die Bedeutung des guten Tons. Das sollten vor allem gebildete und aufgeklärte Menschen berücksichtigen.

    Zu Ihrem muslimischen Kommentator möchte ich nicht viel sagen. Mit solchen unqualifizierten Aussagen müssen wir in diesen Foren einfach leben und damit umgehen können. Ich werde hier auch gerne mal angegriffen, sowohl fachlich als auch persönlich.

    Viele Grüße!

  33. Max Schumacher Antworten | Permalink

    Der Koran ist...

    die wörtliche Offenbarung von Gott? Das ist eine Zumutung, die Ihnen als (gelegentlich) wissenschaftlich denkendem Menschen eigentlich (Sie können es sich aussuchen) nachdenkliche Stirnfalten/Schamröte ins Gesicht treiben müsste! Solcher Schwachsinn stellt tatsächlich die Basis von sog. "gemäßigten" Muslimen bis zu den Salafisten dar, das ist einfach gruselig. Solange Sie nicht dazu in der Lage sind, auch hinsichtlich Ihrer Religion die Fähigkeit zum eigenen Denken zu entwickeln, haben Sie diese Fähigkeit noch nicht einmal halb entwickelt.
    Tut mur leid, wenn das zu polemisch klingt, aber bei jemand, der es besser wissen könnte bzw, müsste, verliere ich leichter die Geduld.

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