Argumentatives Rüstzeug gegen Impfgegner

25. Oktober 2013 von Martin Ballaschk in Medizinisches

Bloße Argumente helfen oft nicht weiter. Schließlich empfindet man das als richtig, was sich für einen selbst richtig „anfühlt“, was nur wenig mit Logik zu tun hat und was erklärt, weshalb Anekdoten so eine rhetorische Durchschlagskraft haben. Wenn man überzeugen will – etwa im Patientengespräch mit einem impfkritischen Arzt oder den ewigen Diskussionen mit Eltern von „Kitakollegen“ der Kinder – dann sollte man aber neben ein paar schönen Geschichten auch die harten Fakten kennen.

Und wer sollte die nicht besser kennen, als das Robert-Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut? In einer Zwanzig-Punkte-Liste räumen sie mit typischen Vorurteilen und Lügen der Impfgegner auf. Die Antworten sind differenziert und bringen auch die Risiko-Nutzen-Rechnung und die Dosis-Wirkungs-Beziehung ins Spiel - sicher viel zu kompliziert für jede hitzige Facebook-Debatte und natürlich vergebene Liebesmüh, wenn es um militante Impfgegner vom Format eines Hans Tolzin geht.

Als Beispiel ein Vorurteil, das ich gestern wieder gehört habe: „Durch die vielen Impfungen und Mehrfachimpfstoffe wird das Immunsystem des kleinen Kindes überlastet“ – es wäre viel besser, Einzelimpfstoffe zu verabreichen. Außerdem würde eine Impfung das Immunsystem den Organismus schwächen und einen anfälliger für andere Krankheiten machen. Die Antwort:

Zwar werden Kinder heute gegen mehr Krankheiten geimpft als früher. Die Zahl der dabei übertragenen Fremdmoleküle, der so genannten Antigene, hat sich aber dennoch deutlich verringert. So beinhaltete allein der alte Keuchhusten-Impfstoff rund 3.000 solcher molekularen Fremdstoffe. In allen heutigen Schutzimpfungen zusammengenommen finden sich dagegen nur 150 Antigene. Der Grund dafür liegt darin, dass die modernen Impfstoffe hoch gereinigt sind und zumeist nur einzelne Bestandteile der Erreger enthalten. Tatsächlich muss sich das kindliche Immunsystem tagtäglich mit einer vielfach größeren Menge von Fremdmolekülen auseinandersetzen, als dies bei Impfungen der Fall ist. Auch gibt es keine Hinweise, dass Mehrfachimpfstoffe das Abwehrsystem überlasten würden.

Den (von mir) gefetteten Teil finde ich sehr überzeugend: Über unsere Schleimhäute haben wir jeden Tag Kontakt zu Unmengen an Fremdmolekülen, ohne dass wir damit unser Immunsystem überfordern würden.

Die „20 Einwände und Antworten des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts“ sind gut lesbar, zu bemängeln ist allerdings, dass die Quellenangaben nicht im Haupttext referenziert werden.

Und weil es gerade so schön in die Jahreszeit passt: Momentan ist die beste Zeit, sich eine Grippeschutzimpfung abzuholen. Meine war am Dienstag fällig und jetzt bin ich schon krank –ob da ein Zusammenhang besteht? Hier gibt es die Antwort.


7 Kommentare zu “Argumentatives Rüstzeug gegen Impfgegner”

  1. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Impfgegner gibt es heute nicht nur unter Alternativmedizinern sondern auch einige Schulmediziner gehören inzwischen dazu. Zudem geniessen alternative Heilfverahren und esoterische Krankheitsdefinitionen heute in der Öffentlichkeit mehr Rückhalt als noch vor 20 Jahren. In den Kreisen der Alternativ- und Esomediziner werden auch Impfgegner gerne akzeptiert, denn es passt in die kritische Haltung gegenüber der Schulmedizin, die in diesen Kreisen verbreitet ist. Inzwischen gibt es sogar deutsche Minister, die für Homöopathie und andere alternative Heilmethoden eintreten und es würde mich überhaupt nicht wundern, auch den einen oder anderen Impfgegner in Regierungskreisen zu finden.

    Wenn aber Impfgegner nicht mehr als Freaks und Spinner empfunden werden und ihre Meinung als vertretbar empfunden wird, dann haben sie eigentlich schon gewonnen, denn unter solchen Umständen lassen sich die hohen Durchimpungsraten, die nötig sind um Kranheiten wie Masern in Schach zu halten nicht mehr realisieren.

  2. Ludmila Antworten | Permalink

    Letztens auch wieder folgendes "tolle" Argument von Astronomen gehört. Kinderkrankheiten (sic!) waren nur früher schlimm, heute gibt es ja moderne Medizin also Impfung unnötig. Heute stirbt ja keiner an sowas. *sigh* Klar, vor allem ist das Risiko daran sterben daran oder an den Nebenwirkungen der ach so harmlosen Krankheiten zu leiden besonders hoch bei denen, deren Immunsystem entweder noch nicht voll ausgebildet oder gerade beeinträchtigt ist. Aber chronisch Kranke und Neugeborene haben ja eh keine Lobby, nicht? (sarkasmus)

    Genauso gut könnte ich diese Weihnachten viele Kerzen an meinen Weihnachtsbaum setzen und den ganz nah an die leicht entflammbare Gardine. Es gibt ja schließlich die Feuerwehr.

    Obwohl... so war auch ungefähr die Reaktion eines Badenden im Hamburg im diesjährigen Hochsommer bei einem Interview auf die Frage, warum er denn in ausgewiesen gefährlichen Gewässern bade. Antwort: Es gäbe doch die DLRG, die würde ihn im Zweifelsfall retten.

    So langsam hab ich das Gefühl, dass die Leute es förmlich darauf anlegen, ne Epidemie herbeizuführen. Weil die Mediziner und Hygieniker einen zu guten Job machen. Ich hab's inzwischen echt aufgegeben.

  3. Realist Antworten | Permalink

    Sorry Leute, Ich bin kein Impfgegner sondern Realist. Trotzdem unverständlich dass Leute ihre Kinder, diese arme Würmchen, Gift einspritzen lassen. Es gibt überhaupt KEIN Grund euer Kind diesen schlimmen Körperverletzung zukommen zu lassen. In unseren geschützten Welt ist jeder sog. "Kinder" Erkrankung notwendig um als gesunder Mensch auf zu wachsen. Warum wird und den Privileg genommen GESUND zu sein. Denn man kann davon ausgehen das wir ALLEN die geimpft sind NICHT mehr ganz gesund zu sein. Wollen wir das unsere Kinder auch antun ?

    • Martin Ballaschk Antworten | Permalink

      Danke für den Link, den habe ich sehr gern gelesen.

      Aber natürlich stimmt es: Argumente fruchten bei Extremisten nicht. Es geht hier vor allem darum, Unentschiedene nicht an die dunkle Seite zu verlieren. Wenn man sich emotional für eine Seite entschieden hat, ist es recht schwer, sich davon wieder zu distanzieren.

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