Faktencheck: Der BUND, Glyphosat und tote Babys

3. November 2013 von Martin Ballaschk in Kritisches

Dies ist eine stark überarbeitete Version des Artikels, die der neuen Stellungnahme des BUND Rechnung tragen soll. Die alte Version findet sich hier. Inzwischen (Stand 8.11.) hat der BUND angekündigt, das Video zurückzuziehen.

Der BUND hat ein äußerst geschmackloses Werbevideo veröffentlicht (mehr dazu in einem früheren Beitrag). Darin wird nahegelegt, dass Landwirte Pestizide einsetzen, und dabei den Tod von Babys billigend in Kauf nehmen. Der Verein verteidigt seinen Spot damit, dass das Pestizid Glyphosat „alles andere als harmlos“ sei. Selbst wenn das so wäre – rechtfertigt das einen Spot, in dem man Babys umbringt?

Screenshot

Screenshot aus dem umstrittenen Spot

Aber lassen wir für diesen Artikel die Moral außen vor. Der BUND glaubt die Wissenschaft auf der eigenen Seite und präsentiert uns „Studien und Fakten zu den Auswirkungen von Glyphosat“ und zuletzt eine Stellungnahme auf die untenstehende Kritik. Beide Dokumente legen nahe, dass der BUND sich seine ganz eigene Welt der Fakten herbeifantasiert hat.

Es wird sich im Folgenden zeigen, dass Basiskenntnisse im Lesen von wissenschaftlichen Publikationen ausreichen, um dem BUND den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Der BUND ignoriert Studien, die nicht die eigene Meinung unterstützen

Glyphosat […] schädigt Menschen, besonders die, die in den Sojaanbaugebieten Südamerikas leben. [Dort] wird Glyphosat per Flugzeug versprüht. Menschen, die dort leben, sind dem schutzlos ausgeliefert. Die Folgen sind steigende Krebsraten, Fehlgeburten und Fehlbildungen.

Die gesamte Argumentation des BUND soll den Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs, Fehlgeburten und Fehlbildungen an Neugeborenen belegen, indem er selektiv neun Studien Studien zitiert. Darunter zwei extrem umstrittene Arbeiten von Autoren aus dem Umfeld von Prof. Gilles-Eric Séralini (Universität Caen, Frankreich) und zwei Arbeiten von Andres Carrasco (Universität Buenes Aires, Argentinien). Carrasco ist ebenfalls ein erklärter Glyphosat-Gegner. Dieses Vorgehen – selektives Heraussuchen von Arbeiten, die dem allgemeinen wissenschaftlichen Konsens zuwiderlaufen – wird „Cherry Picking“, also „Rosinenpicken“ gennant.

Korrekt wäre es, den derzeitigen Stand der Wissenschaft zu berücksichtigen, wie ihn das Bundesinstitut für Risikobewertung in einem bis dato nicht öffentlich zugänglichen Report über mehr als tausend Studien getan hat. Das Institut wertete diese Studien einzeln aus und empfiehlt nun sogar, die derzeitigen Grenzwerte anzuheben. Außerdem gibt es eine Reihe von neuen epidemiologischen Übersichtsstudien zu Glyphosat und Krebserkrankungen, Glyphosat und Erkrankungen außer Krebs und zu Effekten auf Entwicklung und Reproduktion nach Exposition gegenüber Glyphosat in Tier und Mensch, die einen guten Überblick über den Stand der Wissenschaft vermitteln.

Mit Pestiziden muss verantwortungsvoll umgegangen werden

Die Bewertungsgrundlage für die Sicherheitsbehörden ist immer der ordnungsgemäße Umgang mit den Chemikalien – schließlich werden diese Regeln aus der Sicherheitsbewertung abgeleitet. Unfälle und ein unverantwortlicher Umgang stellen natürlich ein Risiko dar, das ist unbestritten, aber kaum überraschend. Wenn zum Beispiel ein brasilianisches Flugzeug das Pestizid über einer Schule versprüht, dann zählt das nicht unter einem verantwortungsvollen Umgang und wird zurecht scharf kritisiert!

Man kann diskutieren, ob die in Südamerika vielerorts herrschenden Mega-Monokulturen einen verantwortungsvollen Umgang nicht sehr erschweren. Auch muss man das Versprühen von großen Mengen Chemikalien per Flugzeug kritisch sehen. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft mahnt in einem Richtlinienpapier zu einem verantwortungsvollen Umgang: der Eintrag in Gewässer sollte verhindert werden, und auch die Anwendung zur beschleunigten Trocknen von Getreiden muss eine Ausnahme bleuben, weil hier neben Verlusten auch eine Überschreitung der Lebensmittel-Grenzwerte droht.

Wenn man aber für Missbildungen und Krebs den Wirkstoff Glyphosat verantwortlich macht, und gleichzeitig ein Gefahrenpotenzial für Europa aufbauen möchte, dann muss man auch entsprechende Belege dafür vorweisen. Der BUND versagt hier auf ganzer Linie.

Glyphosat im Urin von europäischen Großstädtern

Damit die Argumentationsstrategie aufgeht, versucht der BUND zu zeigen, dass der hiesige Verbraucher belastet ist:

[…] In Europa finden sich Glyphosatrückstände in Brötchen und Mehl (siehe Ökotest 2013 und 2012). Glyphosat wurde auch im Urin von Menschen nachgewiesen. Das zeigt die Studie des BUND und Friends of the Earth, die im Juni 2013 veröffentlicht wurde. […]

Glyphosat nahe der Nachweisgrenze im Urin von Großstädtern – dazu habe ich bereits hier etwas geschrieben. Kurz zusammengefasst: Die Relevanz darf stark bezweifelt werden. Die Untersuchung zeigt zwar in der Tat, dass es eine Hintergrundbelastung mit Glyphosat gibt, aber das ist nicht überraschend. Zum einen ist das verwendete Nachweisverfahren extrem empfindlich. Mit solch sensitiven Verfahren kann man praktisch jede Substanz aus der Umwelt nachweisen. Zum anderen wird Glyphosat im menschlichen Körper nicht abgebaut, vollständig über die ausgeschieden und im Urin konzentriert, wie wir gleich sehen werden.

Der Übergang von Glyphosat in den Körper und in den Fötus

Mit Hilfe der o.g. Urin-Studie hat der BUND den ersten Teil der Drohkulisse aufgebaut. Nun soll gezeigt werden, dass das viele Glyphosat ungehindert in ungeborene Kinder hinein gelangt:

Studien zeigen, dass Glyphosat über die Nahrung in den Körper gelangen kann und während der Schwangerschaft die Blut-Plazenta-Schranke überwinden kann (Williams et al (2000) in Toxicology and Pharmacology Vol 31 pp 117-165 sowie Poulsen et al (2009) in Toxicology In Vitro 23 pp 1380-1386).

Williams (2000) ist ein Übersichtsartikel, der andere Arbeiten zusammenfasst. Das macht ihn nicht zu einem schlechteren Artikel, es völlig in Ordnung, sich mit Hilfe eines Reviews einen Überblick zu verschaffen. Die Arbeit besagt: Glyphosat wird kaum vom Körper aufgenommen, wird praktisch nicht verstoffwechselt, wird kaum über die Haut aufgenommen, reichert sich nicht im Körper an. Eine akute, chronische oder subchronische Giftigkeit ist nicht bekannt. Es gab keine überzeugenden Nachweise für Erbgutschädigung, krebserzeugende oder fruchtschädigende Wirkungen, sowie Entwicklungsschäden. Im gesamten Dokument findet sich nirgends das Wort „Plazenta“. Der BUND hat im Nachhinein klargestellt, dass die Arbeit belegen sollte, dass Glyphosat überhaupt in den Körper aufgenommen wird. Das ist aber eigentlich keine erwähnenswerte Information – praktisch jedes kleine Molekül in der Nahrung gelangt per Diffusion in den Körper. Entscheidend ist, wie effektiv dieser Prozess ist und ob das Molekül im Körper irgendeinen Effekt hat (Toxikokinetik).

Poulsen (2009) ist eine „richtige“ Original-Forschungsarbeit. Hier wird der Einfluss der Substanzen Koffein, Benzoesäure, Phenazon und Glyphosat auf Zellkulturen untersucht. Die Arbeit hat nicht etwa die Überwindung der Plazentaschranke während der Schwangerschaft als Gegenstand der Untersuchung, sondern es wurde an einem Modellsystem „im Reagenzglas“ gearbeitet. Die Frage war, wie schnell die vier Substanzen durch eine geschlossene Schicht humaner Plazenta-Karzinomzellen hindurchtreten (BeWo (b30) cell monolayers). Von den gemessenen Substanzen hat Glyphosat die geringste Übertrittswahrscheinlichkeit. Die Autoren folgern aus ihren Ergebnissen und aus vorherigen Perfusions-Experimenten aus frisch gewonnenen menschlichen Plazenten:

Der Transport von Glyphosat war in beiden experimentellen Modellen viel langsamer als der von den anderen drei Substanzen, was darauf hinweist, dass die Plazentaschranke einen freien und schnellen Transfer von mütterlichem und fötalem Kreislauf verhindert. [Hervorhebung von mir, M.B.]

Der größte Witz ist natürlich, dass der BUND die Aussage der Autoren ins Gegenteil zu verkehren versucht. Aus den Vergleichsstudien kann man lediglich folgern, dass der Übertritt im Modellsystem vergleichsweise extrem gering ist.

Dazu kommt, so ein Reagenzglasversuch ist nicht ohne weiteres direkt auf die Situation im menschlichen Körper übertragbar – es handelt sich um ein Modellsystem. Um die „echte Situation“ abschätzen zu können, werden sowohl normalerweise Tiermodelle und Untersuchungen aus der Bevölkerung (Epidemiologie) mit in die Risikobewertung einbezogen.

Vielleicht zeigen ja andere Studien, dass der Übertritt wirklich zu einer signifikanten Belastung des Fötus führt? Der BUND hat diese nicht genannt.

Glyphosat schädigt Föten – wirklich?

Im Widerspruch zu der ersten zitierten Arbeit (Williams 2009) behauptet der BUND dann:

Glyphosat gilt als fruchtschädigend. Es wurde nachgewiesen, dass glyphosathaltige Herbizide bereits in geringen Dosen toxisch für menschliche Zellen sind, so für Embryonal- und Plazenta-Zellen (Benachour/Seralini (2009) in Toxicology Vol 22 pp 97-105).

Séralini ist ein alter Bekannter: Der französische Wissenschaftler fertigt Auftragsarbeiten etwa für Greenpeace an, verklagt seine Kritiker, ist Mitglied in einer Anti-Gentechnik-Lobbyorganisation, und ist im Herbst 2012 durch übelste Propagandawissenschaft aufgefallen. Die Ergebnisse dieser Arbeit von 2012, auf die der BUND in der Stellungnahme auch Bezug nimmt, wurde auf der ganzen Welt von Wissenschaftlern, Universitäten und Behörden abgelehnt. Inzwischen wurde sie sogar zurückgezogen.

Sie ist aber aus einem anderen Grund interessant: Sie zeigte, dass mit RoundUp/Glyphosat gefütterte männliche Ratten ihre Lebenserwartung steigern konnten! Also selbst wenn die Studie nicht Schrott wäre (was sie aber ist), sie stützt nicht die Argumentation des BUND – im Gegenteil.

In der genannten Arbeit von 2009 zeigt er übrigens, dass empfindliche Zellen in Kultur es nicht mögen, wenn man Detergenzien, die in den Herbizidformulierungen enhalten sind, darauf gibt. Diese seifenartigen Stoffe sollen die wachsige Oberfläche der Pflanzen für Glyphosat durchlässiger machen. Im Zellversuch greifen sie die Membranen der Zellen an. Deswegen ist der von Séralini beobachtete Effekt nicht überraschend und sagt leider gar nichts über die Teratogenität von Glyphosat. Diese Seifen sind gesundheitsschädlicher als das Glyphosat selbst, das ist lange bekannt. Die gleichen Effekte hätte man wahrscheinlich erreicht, wenn man Lakritze auf die Zellen gegeben hätte – rechtfertigt das nun die Forderung nach einem Lakritzverbot?

Faustregel: Wer Séralini ins Feld führt, hat das Argument bereits verloren.

In Südamerika führt Glyphosat zu Fehlbildungen und Fehlgeburten?

[…] Eine Studie aus Paraquay ergab für Frauen im Radius von einem Kilometer zu glyphosatbesprühten Feldern ein doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, ein fehlgeborenes Kind zu bekommen (Benitez-Leite et al (2009) in: Archiv de Pediatria del Uruquay Vol 80 pp 237-247).

An dieser Stelle verlasse ich mich auf Informationen aus zweiter Hand, denn die Arbeit ist spanischsprachig. Es stellt sich heraus, dass in der genannten Publikation weder das Wort „Glyphosat“, noch „Herbizid“ vorkommt, lediglich ein zitierter Zeitungsartikel erwähnt Glyphosat. Stattdessen wurde die Exposition gegenüber „Pestiziden zur Kontrolle von Schadorganismen auf dem Acker“ untersucht. Die Daten wurden durch eine Befragung erhoben, nicht etwa durch Konzentrationsbestimmung aus Blutproben. Es wurde nach der Lagerung im Haus, dem Aufhalten in oder nahe besprühten Feldern, oder versehentlichem Kontakt mit den Chemikalien gefragt – wie bereits aus dem englischsprachigen Abstract hervorgeht. Interessanterweise zeigt nicht etwa der direkte Kontakt mit den Pestiziden, sondern das Leben in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen den stärksten Effekt.

Ein kausaler Zusammenhang zwischen Glyphosat und Fehlgeburten kann aus zwei Gründen nicht belegt werden: erstens ist es unklar, welche anderen Faktoren neben Glyphosat einen Einfluss auf die Erhöhung der Fehlgeburtenrate haben könnten. Es ist zum Beispiel denkbar, dass andere, viel schädlichere Umweltgifte aus der Landwirtschaft diesen Effekt verursacht haben, oder bestimmte Inhaltsstoffe aus den fertigen Glyphosat-Herbizid-Formulierungen. Zweitens braucht man für einen solchen ursächlichen Zusammenhang auch einen Mechanismus, der nach dem Stand der Wissenschaft nicht existiert (siehe oben).

Glyphosat zählt selbst unter den Pflanzengiften zu den ungefährlichsten Mitteln. Die absolute Menge an verspritztem Glyphosat ist damit von untergeordneter Bedeutung. Es ist denkbar, dass andere, schon in geringer Konzentration viel giftigere Substanzen diesen (kausal nicht belegten) Effekt verursacht haben könnten.

Fehlbildungen an Embryonen

Im Labor zeigen sich Missbildungen bei Frosch und Hühnerembryonen, die glyphosathaltigen Herbiziden ausgesetzt sind (Paganelli et al (2010) in Toxicology Vol 23 pp 1586-1595).

Professor Carrasco und seine Mitarbeiter haben die Embryonen direkt in verdünnten Herbizidformulierungen gebadet bzw. sie in die Embryonen injiziert und daraufhin Missbildungen festgestellt. Das ist eine sehr unnatürliche Situation und entspricht nicht dem üblichen Vorgehen für die Risikobewertung.

Wenn man die Fruchtschädigung toxikologisch korrekt bestimmen will, muss man die Substanz an die Muttertiere verabreichen und sich dann die Nachkommen ansehen. In vorherigen Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass die Muttertiere schon deutliche Vergiftungserscheinungen zeigten, bevor man Missbildungen bei den Föten feststellen konnte. Die Toxikokinetik – also der Weg, den eine Substanz in den Körper hinein und zu ihrem Wirkungsort nimmt – muss also berücksichtigt werden.

Auch Koffein verursacht in ähnlichen Versuchen Missbildungen, allerdings führte das bislang noch nicht zu einem Kaffee- und Schokoladeverbot für Schwangere. Ob die Versuchsergebnisse aus dieser Art von Experimenten wirklich für das „echte Leben“ relevant sind, ist völlig unklar.

Krebserzeugend und erbgutschädigend?

Zur Genotoxizität und zum Krebsrisiko haben wir ebenfalls bereits etwas bei Williams (2000) gelesen, der keine der behaupteten Effekte gesehen haben will. Der BUND behauptet trotzdem:

Sowohl Glyphosat als auch sein Abbauprodukt AMPA wirken im Laborversuch genotoxisch. Es kann zu Mutationen führen und damit verbunden zu einem höheren Krebsrisiko. In Ecuador und Kolumbien werden glyphosathaltige Herbizide in Coca-Plantagen eingesetzt. Studien zeigten genetische Schäden und eine erhöhte Fehlgeburtsrate während der Sprühperiode. (Paz-y-Mino et al (2007) in Genetics and Molecular Biology Vol 30 pp 456-60; Bolognesi et al (2009) in Journal of Toxicology and Environmental Health Part A Vol 72 pp 986-997).

Paz-y-Mino (2007) wollte die Effekte von Herbizidversprühungen via Flugzeug untersuchen. 24 Blutproben von exponierte Menschen wurden mit 21 in der Kontrollgruppe verglichen. Es gibt keinen zeitlichen Vergleich zur „Sprühperiode“, die Kontrollgruppe besteht aus Personen aus einer anderen Region. Die Genotoxizität wurde mit dem Comet-Assay bestimmt.

Das erste Problem: die Stichprobe ist recht klein. Es gibt keine ausreichenden Informationen zu den Unterschieden der beiden Gruppen (Altersstruktur, Ethnizität, biochemische Vergleichsparameter), also kann man als Leser nicht abschätzen, ob die gefundenen Effekte wirklich auf das Herbizid zurückgehen können.  Der wichtigste Mangel: Es gab zwar irgendeine statistische Auswertung der Ergebnisse, der Leser erfährt allerdings nicht, wie die ausgesehen hat. Gerade wegen der kleinen Stichprobe ist diese Information essentiell zur Einschätzung der Studie. Zu guter Letzt kann die Studie schon per Design keine Glyphosat-Effekte nachweisen, denn sie untersucht ja nicht reines Glyphosat, sondern das gesamte Herbizid, mit allen enthaltenen Zusatzstoffen (Detergenizien, Verunreinigungen aus der Produktion, etc.). Damit kann man diese Studie nicht für die Giftwirkung von Glyphosat allein heranziehen.

Bolognesi (2009) hat 137 Personen unterschiedlichsten Alters aus fünf kolumbianischen Regionen verglichen, die jeweils unterschiedliche Exposition gegenüber Glyphosat und anderen Pestiziden haben. Als Messparameter wurden die Zellkerne von weißen Blutkörperchen untersucht. Die Studie ist detailliert und ordentlich geschrieben und kann als Gegenbeispiel für Paz-y-Mino dienen: So muss eine vernünftige Publikation aussehen! Die Diskussion der Ergebnisse ist sehr lesenswert und geht auf die vielen Schwierigkeiten bei der Erhebung der Daten ein. Der Befund (direkt nach dem Sprühen scheint es geringe und vorübergehende genotoxische Effekte zu geben) wird durch eine Vielzahl von Einschränkungen abgemildert. Auf Grundlage der Bradford-Hill-Richtlinien dürfe man nicht auf einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Glyphosat-Exposition und den erhobenen Gentoxizitäts-Parametern schließen, schreiben die Autoren. Alles in allem eine auf den ersten Blick sehr ordentliche Arbeit, sie liefert aber kaum unumstößliche Beweise.

In keiner der beiden Studien konnte ich übrigens etwas über die Fehlgeburtsrate finden.

In der argentinischen Provinz Chaco, in der Glyphosat in den Gentech-Sojakulturen intensiv gespritzt wird (Kultur Round up Ready Soja), sind die Krebsraten in den vergangenen Jahren um das Vierfache gestiegen (López et al (2012) in Advances in Molecular Biology Vol 6 pp 41-75).

Diese Arbeit ist eine Überblicksarbeit, sie fasst also andere Studien zusammen und bewertet sie. Senior-Autor Carrasco ist ebenfalls für die oben genannte Paganelli-2001-Arbeit verantwortlich. Es werden unterschiedliche Effekte von Pestiziden diskutiert. Für die Inzidenzzahlen für Krebs und Missbildungen wird auf Zahlen von Behörden verwiesen, die keinem Peer-Review unterliegen. Zitiert der BUND etwa dieses Dokument nicht, weil es in keinem wissenschaftlichen Journal erschienen ist? Zum behördlichen Report äußerte sich Detlev Gürtler in den Kommentaren unter diesem Artikel: „Er gibt auf 14 Seiten eine ganze Reihe von Zahlen an, darunter allerdings keine, die eine Vervierfachung von Krebsraten in der Provinz belegen könnte.“

Nachdem dieser Beitrag zuerst erschien, hat der BUND seine Angaben korrigiert und sieht nun noch eine Verdreifachung der Neuerkrankungsrate in der Provinz Chaco (von 2 auf 6 Fälle je Jahrzehnt). Carrasco hätte das in seiner Übersichtsarbeit falsch wiedergegeben. Das stärkt nach meinem Empfinden nicht das Vertrauen in die Arbeitsweise von Professor Carrasco.

Ob der beobachtete Zusammenhang jedoch statistisch sicher ist, sei dahingestellt. Auch kann man aus diesen Fällen nicht kausal auf eine Schädlichkeit von Glyphosat schließen, denn viele andere Faktoren der expandierenden Landwirtschaft könnten dafür verantwortlich sein. Der Report selbst listet eine Reihe von anderen Chemikalien auf, die in der dortigen 

Landwirtschaft Anwendung finden. Es wird auch darauf hingewiesen, dass andere Inhaltsstoffe der Herbizide neben Glyphosat zu Gesundheitsproblemen führen können.

Das beste zum Schluss

Zusätzlich kann Glyphosat das menschliche Hormonsystem negativ beeinflussen. Störungen in der Schwangerschaft sind möglich (Gasnier (2009) in Toxicology Vol 262 pp 184-191).

Schon wieder Séralini! Ich ziehe den Séralini-Joker und tue mir das nicht an.

Fazit

Der BUND versucht vergeblich, eine Argumentationskette aufzubauen, um den Wirkstoff Glyphosat mit verschiedenen schweren Erkrankungen in Verbindung zu bringen. Praktisch kein Glied dieser Kette ist belastbar. Dazu kommt, dass der BUND sich die Studien ausgesucht hat, die ihm am besten passen, und den Rest der Literatur ignoriert. Das heißt nicht, dass ein solcher Zusammenhang nicht vielleicht existiert, nur geht er aus der Literatur nicht hervor.

Insgesamt sind nach grober Durchsicht die vom BUND genannten Studien eher unbefriedigend: zwei Mal Dr. Frankenstein-Séralini, der bekanntermaßen nicht frei von Interessenskonflikten und ideologischen Biases ist, ursprünglich mindestens vier falsche Zitierungen (Williams 2000, Poulsen 2009, Bolognesi 2009, Benitez-Leite 2009), dann die Carrasco-Embryonenstudie mit unklarer biologischer Relevanz. Die Paz-y-Mino-Studie ist Schrott, die Bolognesi-Studie hat geringe, transiente Effekte von unklarer Kausalität gefunden, und die Zahlen über Krebsneuerkrankungen und Missbildungen von Neugeborenen können keinen Zusammenhang zu Glyphosat allein herstellen (siehe hier).

Unter dem Strich ist das alles auch nach den Rechtfertigungsversuchen des BUND ziemlich dünn für eine Kampagne, die Landwirte als Babymörder darstellt.


Hinweis: Der Artikel wurde im Nachhinein mehrmals sprachlich überarbeitet. Für eine Referenz möchte ich auf den eingangs erwähnten Original-Artikel verweisen.


Links

  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat eine Frage-Antwort-Seite zu dem Thema zusammengestellt.
  • Der Tagesspiegel (Kai Kupferschmidt) berichtet am 5.11.2013: „Der erfundene Massenmord
  • Der SWR2 hat mich zu dem Thema kurz interviewt. Wen es interessiert, findet die Aufzeichnung hier.

42 Kommentare zu “Faktencheck: Der BUND, Glyphosat und tote Babys”

  1. Daniel Antworten | Permalink

    Herzlichen Dank für diesen guten Artikel. Er hebt sich wohltuend mit seien zahlreichen Detaills von der Propaganda des BUND ab! Danke und bitte weiter so.

    Über den BUND - Film bin ich erschrocken. Es ist unglaublich auf welchem Niveau mit dem Apell an niederste Instikte diese Organisation um Spendengelder bettelt.
    Was mich besonders an dem Video stört, es wird in keinster Weise informiert, sondern äußerst plump um Spenden gebettelt. Das ist schäbig, von dem BUND hätte ich mehr Niveau erwartet.

  2. Detlef Guertler Antworten | Permalink

    Doch, den Chaco-Bericht gibt es, sogar auf Englisch:
    http://www.gmwatch.eu/files/Chaco_Government_Report_English.pdf
    Er gibt auf 14 Seiten eine ganze Reihe von Zahlen an, darunter allerdings keine, die eine Vervierfachung von Krebsraten in der Provinz belegen könnte. In einer beobachteten Kleinstadt (La Leonesa) wurde eine Verdreifachung der Krebserkrankungen von Kindern gemessen (von 2 Fällen pro Jahrzehnt auf 6 Fälle pro Jahrzehnt), in zwei anderen Orten der Provinz Chaco (Las Palmas, Puerto Bermejo) gab es keinen Anstieg. Insgesamt sehr geringe Fallzahlen.
    Eine Vervierfachung wurde im gleichen Bericht hingegen registriert bei der Geburt missgebildeter Kinder - von 19,1 auf 85,3 je 10.000 Geburten innerhalb eines Jahrzehnts. Die Autoren des Berichts sehen zumindest eine Mitverantwortung für diese Zunahme beim verstärkten Versprühen von Herbiziden über Reisplantagen.

    • Martin Ballaschk Antworten | Permalink

      Wow, das ist sehr umfangreich. Das genauer unter die Lupe zu nehmen, ist richtig viel Arbeit - in die Aufarbeitung der 9 Publikationen oben habe ich schon zwischen 4 und 5 Stunden investiert.

  3. Konfuse Antworten | Permalink

    Mal wieder ein sehr guter Beitrag zum Thema Dichtung und Wahrheit. In den YT-Kommentaren zum Video ist aber recht deutlich erkennbar, dass auf so eine blöde Propaganda nur die hartgesottensten Baumumarmer reinfallen.
    Unterdessen betreibt der agrar-industrielle Komplex weiter Volksverdummung und will doch glatt Glyphosat als Heilmittel verkaufen ( ;-) ):
    http://www.agrarheute.com/glyphosat-gegen-krebs

    • Martin Ballaschk Antworten | Permalink

      Das heißt: aus dem Netz gekommen, weil es schlecht angekommen ist. Nicht etwa, weil die Faktenlage nicht passt.

  4. H. Müller Antworten | Permalink

    akademischer Streit.

    Ich bin verwundert, nicht nur über das Video von BUND sondern auch über die Sichtweise der Wissenschaftler.
    Beispiel: "Zu guter Letzt kann die Studie schon per Design keine Glyphosat-Effekte nachweisen, denn sie untersucht ja nicht reines Glyphosat, sondern das gesamte Herbizid, mit allen enthaltenen Zusatzstoffen (Detergenizien, Verunreinigungen aus der Produktion, etc.). Damit kann man diese Studie nicht für die Giftwirkung von Glyphosat allein heranziehen."

    Aha. das mag ja bei *strenger wissenschaftlicher Betrachtung* so sein. Leider ist das den Betroffenen -die scheint es ja komischerweise doch zu geben- völlig wurst, ob das Netzmittel, das Gl. oder irgendwelche anderen im produkt enthaltenen Mittel deren Erkrankungen verursachen.

    Ich wundere mich deshalb nicht, sollte die Ungefährlichkeit des Glyphosats mit *reinem* Glyphosat bewiesen worden sein. Allerdings wundere ich mich wiederum, wieso der Autor diese von realen Bedingungen abweichende Gestaltung der Experimente nicht auch kritisiert. Dem Seralini haut mans ja auch um die Ohren...

    Elfenbeinturm. ganz großer. Aber sofort Entwarnung für das Zeugs, was in immer größeren Mengen eingesetzt wird und natürlich nicht in Reinform. Ich wette, da kommt noch was. Und dann sollte man solche Artikel wieder hervorholen.

    Sorry. Aber ich mag das Zeugs nicht. Es ist mit verantwortlich für eine Art von Landwirtschaft, die umweltzerstörend wirkt und die Biodiversivität schädigt. Und das bereits völlig unabhängig von irgendwelchen direkten Giftwirkungen.

  5. Kathrin Siebert Antworten | Permalink

    @H. Müller
    Mein sicher subjektiv gefärbter Eindruck ist, dass das was zur Zeit die deutsche (
    Kultur-)Landschaft bedroht und zerstört - nebst Biodiversitaet - die Biogaserzeugung ist. Danach kommen die Windraeder.

  6. Konfuse Antworten | Permalink

    @H. Müller

    Die Logik soll einer verstehen. Geht es doch darum, ob Glyphosat schädlich ist oder nicht. Ein Gemisch, dass alle möglichen anderen Substanzen enthalten kann (ob nun mit Absicht oder nicht), kann die Frage gar nicht beantworten. Es gibt zig Präparate von allen möglichen Herstellern.

    Woher wissen sie zum Beispiel, dass ein in Südamerika verwendetes Präparat nicht von einem chinesischen Hersteller produziert wird, der produktionsbedingte toxische Nebenprodukte nicht abtrennt und somit das Produkt wesentlich billiger anbieten kann.

    Wenn sie Andere als akademisch verblendet bezeichnen (Elfenbeinturm), sagen sie im Prinzip nur, dass sie akademisch wohl nicht sonderlich belastet sind. Überlassen sie doch den Leuten eine Bewertung, die die Komplexität der Fragestellung aufgrund ihrer Ausbildung überhaupt erst erfassen können.

    Und ihre Aussage zur Landwirtschaft spiegelt nur ihre naiv romantische Vorstellung von Harmonie zwischen Mensch und Natur wider. Die Landwirtschaft an sich ist - und dies nicht erst seit der industriellen Revolution - für die größte Umweltveränderung auf dem Planeten verantwortlich. Das Glyphosat dient scheins nur als Projektionsfläche für apokalyptische Wahnvorstellungen.

    • H. Müller Antworten | Permalink

      Logik verstehen....

      Es ist sogar recht wahrscheinlich, dass das in Südamerika verwendete Präparat aus China kommt, die Patente sind wohl schon länger ausgelaufen und in China selbst werden 50% des weltweit produzierten Gl. verwendet, glaube schon, dass es chinesische Hersteller gibt. Und immerhin scheinen auch Sie nicht ganz sicher, ob es überall und immer ein *Reinheitsgebot* für den Wirkstoff bzw. das letzlich eingesetzte Herbizid gibt, bzw. man sich daran hält.

      Die Zulassungsverfahren werden nahezu immer von den Herstellern und deren Studien dominiert. Ein klassischer Interessenkonflikt und selbst das Julius- Kühn- Institut ist sehr verwoben mit dieser Wirtschaft.

      Wenn sich herausstellt, das reines Glyphosat zwar unschädlich für die meisten Organismen ist, die Herbizide in Anwendungsform dagegen nicht, dann wäre dieser Streit rein akademischer Natur.
      Und einiges spricht dafür. Vielleicht sogar schon ein Blick in das Sicherheits- Datenblatt von einem der Roundup- Produkte.
      Übrigens ist meine *Vorbelastung* tatsächlich eher technischer Natur, vielleicht aber habe ich daher nicht nur Einzelkomponenten, sondern deren Zusammenspiel eher im Fokus.

      Meine Vorstellungen von der Natur allerdings sind keineswegs *naiv- romantisch*, sondern davon geprägt, dass die Natur Kreislaufsysteme mit verschiedensten Organismen -Biodiversität- etabliert und je mehr es davon gibt, umso mehr Interaktionen werden möglich und umso stabiler ist dieses System in der Gesamtheit. Nun schauen Sie sich die Roundup- ready Soja- Felder des Mato Grosso an, vorher vermutlich Regenwald und bewerten Sie mal die Biologische Vielfalt.
      http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11734
      So ganz nebenbei kann man ja auch mal die Situation betrachten, in die die indigene Bevölkerung solcher Landschaften kommt: deren Erwerbsgrundlagen brechen ein und verschwinden ganz.

      Das ist genau diese *moderne* Landwirtschaft, zu der mittlerweile Gl. anscheinend zwingend gehört.

      Danke für die grüne Wüsten, vielmals danke...

      Im übrigen ist meine Meinung zu den Pflanzenschutzmitteln, die die Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide enthalten, noch deutlich negativer als zu Glyphosat.

    • Horst Antworten | Permalink

      "Die Landwirtschaft an sich ist - ..."

      ... im nun "freiheitlichen" Wettbewerb um ..., systemrationaler Teil der kreislaufend-reformistischen Problematik in Kommunikationsmüll des geistigen Stillstandes seit der "Vertreibung aus dem Paradies" (geistiger Evolutionssprung - URSACHE, aber OHNE vernunftbegabte WIRKUNG) :-)

      Auch diese "skandalöse" Sündenbocksuche wird sich im Sande des blöd-, stumpf- und wahnsinnigen Zeitgeistes ver- und ablaufen ;-)

  7. Konfuse Antworten | Permalink

    @H. Müller
    Natürlich sind die Hersteller massiv in das Zulassungsverfahren eingebunden, sie müssen schließlich die Unbedenklichkeit belegen. Dazu sind umfangreiche Studien durchzuführen und zu finanzieren, natürlich vom Hersteller. Außerdem wird nicht der alleinige Wirkstoff zugelassen, sondern immer das entsprechende Präparat.

    Die Hilfsstoffe haben übrigens ihre Berechtigung. So verbessern die Tenside auch die Aufnahme des Wirkstoffes über die Blätter, es muss dementsprechend weniger Wirkstoff eingesetzt werden. Und zur "Toxizität" von Tensiden auf Zellkulturen hat Martin ja schon das Entscheidende gesagt.

    Auch scheinen sie die positiven Aspekte von Glyphosat entweder nicht zu kennen oder aus Gefälligkeitsgründen zu ignorieren. Zum Beispiel vermindert es die Erosion von Ackerböden, da diese wesentlich weniger oft gepflügt werden müssen. Wenn sie wissen, welche Schäden die Bodenerosion anrichtet, so müssten sie den Pestizideinsatz auch als das geringere Übel ansehen.

    Und wenn sie die Rodung des Amazonas bedauern und im gleichen Atemzug wieder das Glyphosat verantwortlich machen wollen, so verwechseln sie Ursache und Wirkung. Ja, es ist nicht schön, dass in solchem Ausmaß natürliche Ökosysteme in Agroökosysteme (!) umgewandelt werden. Nur sollten sie dabei bedenken, dass unsere Äcker auch mal Urwald waren und heutige Kulturlandschaften teilweise als schützenswert gelten (auch weil sie besonders Artenreich sind).

    Und natürlich geht es bei der Verteilung des Gewinns nicht immer gerecht zu, aber die Nachfrage nach Soja (nicht nur aus dem bösen Westen) ist nun mal da (der hiesige Mais wird leider für die Energiewende gebraucht). Intelligente Anbausysteme (inkl. Herbizideinsatz) können aber helfen, den Flächenverbrauch zu senken und Umweltschäden zu verringern. Mag ihnen nicht passen, ist aber auch Teil der Wahrheit.

    @Horst: Hab ich nicht ganz verstanden...

    • H. Müller Antworten | Permalink

      Zulassung: Wir sind uns also (fast?) einig, dass die Art und Weise der Zulassungsverfahren Interessenkonflikte beinhaltet und der Beantragende durch Studiendesign etc. in vorteilhafter Situation ist.

      Positive Aspekte von Glyphosat- Produkten: Diese Herangehensweise -auch: weniger bzw. flachere Bodenbearbeitung als Vorteil propagiert- ist mir bekannt. Tatsächlich! Es werden sich, da weniger Energie- und Zeiteinsatz (maschinen und Personal) betriebswirtschaftliche Vorteile ergeben. Die Vorteile des Erosionsschutzes scheinen mir aber sehr temporär, auch deshalb, weil eine Bodenbearbeitung dennoch erfolgt, auch erfolgen muss, um die Verrottung der Erntereste zu gwährleisten und damit Befallsdruck von überwinternden Pilzen, Sporen, Larven etc. zu minimieren. Direktsaatmethoden sind erst im Anfangsstadium und da wären mir welche in Grünmulch (System Wenz z. B.) lieber. Der betriebswirtschaftliche Vorteil ist aber erkauft mit einer geringeren Biodiversivität, die zwar vorerst keine betriebsinternen Kosten darstellt, allerdings -man arbeitet in der Natur- etwas zeitversetzt dazu werden kann (Schädlingsdruck durch Monokulturen, fehlende *Räuber* im System, Resistenzen; (21 *Unkräuter* haben in USA bereits resistenzen gegen Roundup entwickelt)....)

      Verantwortlichkeit des Glyphosats: Ich habe, vielleicht kam das nicht klar rüber, vordergründig die Art von Landwirtschaft kritisiert, die wir (u.a.) als modern und effizient bezeichnen. Glyphosat ist nun leider ein Bestandteil davon, anscheinend unverzichtbar...

      Agrarökosysteme: Ein beschönigendes Wort. Es sind, werden immer mehr, grüne Wüsten. Es können Kulturlandschaften daraus entstehen, sie sind es nicht per se. Bei uns könnte die Lüneburger heide als Beispiel herhalten. Durch Übernutzung entstand sie, bei völligem Nutzungsverzicht würde sich die ursprüngliche Vegetation wieder durchsetzen, Waldlandschaft statt Heide.

      Energiewende: Wir verbrauchen mittlerweile 20% der Ackerfläche in D. dafür. Importierte Produkte rechnerisch mit einbezogen, sollen es 30% sein. Irrsinn, diese Art und Weise.

      Intelligente Anbausysteme/Flächenverbrauch: Es gilt als erwiesen, dass Intensiv- gärtnerische Landwirtschaftssysteme in Bezug auf Flächenverbrauch UND eingesetzter Energie pro erzeugter Nahrungskalorie am besten abschneiden, sogar wenn sie nach Bio- Standart arbeiten. Sie tun es allerdings NICHT in Bezug auf den Arbeitskräfteeinsatz. Daraus ergeben sich vielfältige Konsequenzen, die unsere spezielle Art der Landwirtschaft, global eingebettet, zwar bedingen, hier aber OT sind.

      zu Horst: Er meint wahrscheinlich, dass in unserem System jeder jeden Müll sagen kann mangels geistiger Entwicklung und bezieht das auf mich. Er meint auch, dass man solches nicht ernstzunehmen braucht, weil sich solche Dinge von selbst totlaufen.
      Er hat recht, wenn er unseren Zeitgeist beschreibt.

      ;-)

      • chris Antworten | Permalink

        Der Horst hat schon auch recht - das aber eindeutig herrauszulesen ist nicht einfach. Man überliesst ihn deswegen zu leichtfertig.

  8. miguel Antworten | Permalink

    wie beurteilen sie den bericht des politmagazins "fakt" von gestern abend? dort wurde glyphosat sehr negativ dargestellt und die beweise dafür haben mich eigentlich schon überzeugt.

    Zitat von Herrn Pedersen, dänischer Schweinezüchter:
    “Ich habe festgestellt, dass bei einem höheren Gehalt an Glyphosat im Futter die Rate missgebildeter Ferkel, die 70 bis 75 Tage später geboren wurden, höher war.“

    ist diese aussage glaubwürdig? und wie werden hier die anderen aussagen des berichts gesehen (https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=4&cad=rja&ved=0CDgQFjAD&url=http%3A%2F%2Fmediathek.daserste.de%2Fsendungen_a-z%2F310854_fakt%2F18084104_missbildungen-durch-glyphosat-&ei=-yuDUqrpMbHV4ATpiIGoBQ&usg=AFQjCNHEkNPUv8gO3pcHwoGS2Oyw3orlWg&bvm=bv.56343320,d.Yms)?

    • Martin Ballaschk Antworten | Permalink

      Hallo miguel,

      die Sendung habe ich leider nur zum Teil mitverfolgen können, den Anfang habe ich verpasst.

      Mir erschien die Darstellung der Verbindung zwischen Glyphosat und Missbildung allerdings recht vage – man müsste die Originalaussagen noch einmal ansehen, im TV kam das sehr zugespitzt und reduziert rüber.

      Mir ist aufgefallen: Als Kronzeuge trat Carrasco auf, und es wurde kein Wort darüber verloren, dass die Experimente an Hühner- und Xenopus-Embryonen eine eingeschränkte Aussagekraft haben. Mit der Mikrobiologin (?), die die Urinproben untersucht hat, konnte ich erst einmal nichts anfangen. Sie hat davon gesprochen, dass es keine Dosis-Wirkungs-Beziehung gegeben hätte, was eigentlich gegen eine toxikologische Relevanz von Glyphosat spricht.

      Vielleicht also unter dem Strich wirklich neue Erkenntnisse, dazu kann ich aber noch nichts sagen.

  9. Gerhart Ryffel Antworten | Permalink

    Danke für den weitgehend gelungenen Versuch die Gefahr von Glyphosat ins richtige Licht zu setzen. Ich würde aber die Embryonen-schädigende Wirkung von Glyphosat an Froschembryonen nicht mit „Das ist eine sehr unnatürliche Situation und entspricht nicht dem üblichen Vorgehen“ abtun. Wenn man das Potential von Glyphosat Missbildungen auszulösen erforschen will, sind solche Experimente unerlässlich. Die Arbeiten von Carrasco und Mitarbeitern zeigen sehr überzeugend, dass Glyphosat dieses teratogene Potential hat und dass es die Signalwirkung von Retininsäure im Embryo stört. Dieser Regulationsprozess ist für die geordnete Entwicklung aller Embryonen von Wirbeltieren wichtig, also auch für den Menschen. Die Ergebnisse zeigen also, welche Prozesse durch Glyphosat zu Fehlbildungen beim Menschen führen könnten und stellen damit eine wichtige Grundlage dar, um die Gefährlichkeit von Glyphosat zu bewerten. Freilich weiss niemand, ob die Konzentration an Glyphosat im menschlichen Fötus entsprechend hoch ist. Die Resultate zeigen aber Glyphosat die Amphibienpopulation negativ beeinflussen kann, da Konzentrationen in der Grössenordnung, die Embryonen-schädigend sind, durch entsprechende Anwendung des Herbizids auftreten. Fazit: für die Biosphäre hat Glyphosat einen negativen Einfluss.

    • Martin Ballaschk Antworten | Permalink

      Hallo Herr Ryffel,

      danke für die Anmerkung! Sie haben natürlich völlig Recht – die von Carrasco gefundenen Effekte sind wahrscheinlich echt, sie stützen aber nicht die Behauptungen des BUND. Sie zeigen einen möglichen Mechanismus, wenn dieser sich aber nicht im echten Leben niederschlägt, ist das nicht viel wert. Das reicht auf jeden Fall nicht, um eine Schadwirkung bei Menschen, die in der Nähe von Glyphosat-gespritzten Felder leben, zu belegen. Dafür fehlen einfach ein paar Glieder in der Kausalkette.

      Ich würde die Carrasco-Ergebnisse gern unabhängig reproduziert sehen, und in Einklang mit den vielen GLP-konformen Studien aus der Industrie sehen. Der Konsens ist derzeit, das Glyphosat weder fötotoxisch, noch genotoxisch ist. Carrasco bügelt das mit Verweis auf die Unverlässlichkeit von industriefinanzierten Studien ab, allerdings macht er es sich damit für meinen Geschmack ein wenig zu einfach.

      Glyphosat-basierte Herbizide in Oberflächengewässern sind in jedem Fall etwas schlechtes, und zwar allein schon wegen der enthaltenen Tenside, die für alle Wasserorganismen schädlich sind.

      • chris Antworten | Permalink

        Oha, ein Glück haben sie Sorge um Wasserorganismen bezüglich der Tenside. ich bin grad nicht informiert über die Schadwirkung von Tensiden. Aber angesichts eines Pestizids (davon ist hier wohl doch die Rede, trotzdem Glyphosat wohl keines sei - aber im Roundup wohl doch enthalten?), das nervenschädigend wirken kann/wirken soll, klingt auch das etwas merkwürdig.

        Auch das Wort "Pflanzenschutzmittel" scheint mir sehr unangebracht, wenn das Zeug doch eben das Gegenteil bewirkt. Das ist wie das "F" am G3-Gewehr - das umgangssprachlich "Frieden" genannt wird, auf das man den Hebel umstellen muß, um den Abzugsmechanismus zu entsichern.

        Angesichts würde mich auch mal interessieren, ob es Pflanzenschutzmittel und/oder Pestizide in Cannabisprodukten gibt. Denn hier kommt ein entscheidender Faktor ins Spiel: nämlich der, dass Cannabis wahrscheinlich nicht zu den Lebensmittel zählt, die entsprechend niedrigen und überwachten Grenzwerten unterstehen. Das Zeug aber dennoch "verzehrt" wird und so zum Problemfall wird. Das hier Illegalität besteht, ist kein Argument. Es darf innerhalb Europas angebaut und gehandelt werden (Niederlande) und der "Gebrauch" ist in D nicht verboten.
        Angenommen, es finden sich Substanzen und die auch noch alle bisherigen Grenzwertdimensionen um Faktoren übersteigen, besteht hier ein ernstes Problem. Man könnte sogar sagen, dass es sich um Totschlag handelt, was die Gesetzgebung hier veranstaltet. Denn eine spätere Gesundheitseinschränkung (potenziel psychischer Natur) wäre dann kaum noch auf das Cannabis zu schieben, wie es derzeit geradezu arg- und sorglos getan wird. Die Schädigung träte dann nämlich ziemlich sicher wegen der "Pflanzenschutzmittel und Pestizide" ein und würde jeden "Folgeschaden" eines reinen Cannabiskonsums überlagern - faktisch aber in der Diagnose Rauschmittelmissbrauch versteckt. Die bösen Drogen eben.

        • Martin Ballaschk Antworten | Permalink

          Schadwirkung von Tensiden […] [A]ngesichts eines Pestizids (davon ist hier wohl doch die Rede, trotzdem Glyphosat wohl keines sei - aber im Roundup wohl doch enthalten?), das nervenschädigend wirken kann/wirken soll, klingt auch das etwas merkwürdig.

          Die Rede ist von Glyphosat. Es ist bekannt, dass Tenside schädlich für Wasserorganismen sind, der Effekt ist allerdings auch Dosis-abhängig. Die von Carrasco beobachtete „Nervenschädigung“ durch Glyphosat ist ebenfalls Dosis-abhängig. Die Dosis, die Carrasco getestet hat, ist sehr wahrscheinlich sehr viel höher, als im echten Leben.

          Auch das Wort “Pflanzenschutzmittel” scheint mir sehr unangebracht

          Das Wort wurde nirgends im Artikel genutzt. Gegen wen richtet sich der Einwand?

          Angesichts würde mich auch mal interessieren, ob es Pflanzenschutzmittel und/oder Pestizide in Cannabisprodukten gibt.

          Davon kann mit Sicherheit ausgehen. Beim Cannabisanbau kann man IIRC schnell Probleme mit Läusebefall oder weißer Fliege bekommen. Die Diskussion um Konzentrationen von Schadstoffen in illegalen Substanzen halte ich für müßig. Man muss immerhin davon ausgehen, dass Gras regelmäßig mit Harrspray gestreckt wird, und Dope mit allem, was die Dreckkiste hergibt.

  10. chris Antworten | Permalink

    ZDFzoom berichtet schon bedenkliches über Pestizide und deren Grenzwerte in der Frucht - die offenbar um das zehnfache angehoben wurden, als die bisherigen Grenzwerte regelmässig überschritten wurden.

    Das überhaupt Substanzen nachgewiesen werden können, ist schon unerwartet, da sich das Zeug doch schnell abbauen solle.

    Ich würde mit deinem Faktencheck mal etwas vorsichtiger sein. So, wie ich das sehe, existieren keine unabhängigen und aussagefähigen Studien darüber. Das kann es letztlich nicht geben, da das Zeug bisher nicht überwacht und einer ausreichenden Strategie an Menschen getestet wurde, sondern wohl an Versuchstieren, die nun mal keine Menschen sind, die uns berichten können, was mit ihnen passiert. Das geschieht derzeit beim Landwirt und Verbraucher - leider kaum eindeutig auswertbar, da keine gründliche Beobachtung stattfindet. Alle "Krankheiten" sind damit nicht eindeutig auf eine Ursache beziehbar.

    Und letztlich sind es Gifte. Und es ist extrem absurd, ihre "Verteidigungsrede" zu lesen, die da gewohnt sachlich und gefühlt vertrauensvoll daherkommt. Einzig sicher scheint zu sein, dass Kinder nicht direkt daran sterben - also der Film erheblich überzieht. Das kein Schaden entsteht / keine Wirkung im Menschen stattfindet, darf hier aber nicht behauptet werden. Dafür gibt es mit den derzeitigen Teststrategien und Techniken keinen sicheren und verlässlichen Beweis.

    • Martin Ballaschk Antworten | Permalink

      ZDFzoom berichtet schon bedenkliches über Pestizide und deren Grenzwerte in der Frucht - die offenbar um das zehnfache angehoben wurden, als die bisherigen Grenzwerte regelmässig überschritten wurden.

      Die Sendung habe ich zum Teil gesehen, und da habe ich auch gestutzt. Wahrscheinlich ist das eine Folge der Harmonisierung auf EU-Ebene.

      Meines Wissens stammen hohe Belastungen vor allem aus der Praxis, Getreide vor der Ernte totzuspritzen, um die Trocknung zu beschleunigen. Keine Ahnung, ob deutsche Landwirte das standardmäßig einsetzen. Wenn sie den Richtlinien der DLG folgen, sollte diese Anwendung eine Ausnahme bleiben. Ich sehe das auch kritisch, weil hier wohl die Gefahr besteht, dass man schnell die vorgschreibenen Höchstgehalte überschreitet.

      Das überhaupt Substanzen nachgewiesen werden können, ist schon unerwartet, da sich das Zeug doch schnell abbauen solle.

      Nein. Wie gesagt, kann man mit der heutigen Analytik auch noch geringste Mengen nachweisen. Außerdem ist es zu erwarten, dass man im Urin etwas findet, wenn bereits im Futter etwas zu finden ist – und das ist zu erwarten, wenn man Grenzwerte > 0 hat.

      [Es] existieren keine unabhängigen und aussagefähigen Studien darüber. Das kann es letztlich nicht geben, da das Zeug bisher nicht überwacht und einer ausreichenden Strategie an Menschen getestet wurde, sondern wohl an Versuchstieren […]. Alle “Krankheiten” sind damit nicht eindeutig auf eine Ursache beziehbar.

      Ich habe oben drei aktuelle Übersichtsstudien zu Studien in Menschen unter dem Stichwort „Epidemiologie“ verlinkt.

      Und letztlich sind es Gifte. Und es ist extrem absurd, ihre “Verteidigungsrede” zu lesen, die da gewohnt sachlich und gefühlt vertrauensvoll daherkommt.

      Die Dosis macht das Gift, wie immer. Ich kann nicht beurteilen, ob Glyphosat nicht etwa unter Umständen zu Gesundheitsschäden führt. Alles was ich sage, ist: Die vom BUND vorgelegten Studien stützen diese Annahme nicht.

      • chris Antworten | Permalink

        Zitat:
        "Alles was ich sage, ist: Die vom BUND vorgelegten Studien stützen diese Annahme nicht."

        -> Das war nicht bezweiflet und nicht angezählt. Angezweifelt wurden von mir alle Beweise zur (Un)bedenklichkeit und zwar pauschal, da im Zweifel jedes Gift in jeder Dosis Schaden anrichtet. Mir ist unwohl dabei, dass ich aufgrund von notorischer Überproduktion (wozu es gar einen Zwang gibt) eine neuronale Schädigung zwangsweise in Kauf nehmen muß - egal wie gering die sein soll oder letztlich wirklich ist..

        Wer muß jetzt was beweisen? Ich etwa das Schaden entsteht oder Produzenten und Anwender, das bei angemessener Anwendung (Dosierung) kein Schaden entsteht? Das ist eine absurde Situation. Es handelt sich um ein Gift - aber es wird mit ungenügenden Studien gerechtfertigt und arglos in die Umwelt/Kreisläufe eingebracht.

        Ich belaß mich jüngst über Organophosphate (Phosphorsäureester: Pestizide, Kampfgase). Die Symptome und Folgeschäden, die bei Kontaminierung des Menschen auftreten, sind quer durch alle medizinischen Disziplinen bekannt (Neurologie, Onkologie, Psychiatrie, Geriatrie), aber niemand stellt die Frage, ob hier zwei Begebenheiten zusammengehören. Esterasehemmung erzeugt eine neuronale Überktivität, woraufhin es zu Demyelinisierung kommt. Die Nervenbahnen "brennen" durch. Zwischendurch kann es zu allerhand psychischen Störungen , wie Angst- wahnzustände, Panikattacken und sonstiger Psychosomatik kommen. Demyelinisierung ist bekanntes Begleitsymptom bei Alzheimer (und anderen neurodegenerativen Krankheiten) oder ist schlichtweg das Hauptproblem - Neurodegeneration eben.
        Beim studieren der Wirkung von Pestiziden kam mir angesichts der Esterasehemmung der Gedanke, dass es sich dabei - wenn die Dosis angemessen sei - um eine Erhöhung der poteniellen Inteligenz handelt, weil die Grundlage im Nervensystem, durch Anreicherung der Neurotransmitter und somit zu überhaupt erst ermöglichter höherer neuronaler Aktivität, dazu geschaffen wird. Es gehen einem natürlich nicht gleich alle Lichter auf - nur weil die Synapsen auf Hochtouren feuern.

        Auf was man alles kommt, wenn man pestizidbedingt potentiel "Schlau" ist...!?

        Im ZDFzoom Beitrag war direkt die Rede von Parkinson. Eine signifikante Häufung von Parkinson bei Landwirten ist schon länger bekannt. Auch, wenn unsachgemäße Handhabung unterstellt werden kann, zeigt es doch, dass das Gefahrenpotenzial hoch ist - eine Wirksamkeit also auch über Mindermengen in der Feldfrucht zu erwarten sei. Und die Erkenntnisse müssten eigentlich "wirken" und zum Umdenken veranlassen. Stattdessen wird das Etikett überklebt und so getan, als sei alles anders, wenn man einen Teufel mit einem Belzebub auswechselt (ein Gift gegen das andere austauscht).

        Das die alten Pestizide nun nicht mehr auf dem (europäischen) Markt sind, beruhigt mich da wenig. Weil erstens sie nur scheinbar aus der Welt sind und zweitens ... neue Wundermittel verfügbar sind (die wie erwähnt, wohl sicher nicht ausgiebig und genug bezüglich ihrer Gefahrlosigkeit getestet wurden).

        Wie kann eine hochmoderne und leistungsfähige Wissenschaftsgesellschaft den Mut aufbringen, von solchen wesendlichen Gemeinsamkeiten nichts wissen zu wollen und jeweils mit konsequent angelegten Scheuklappen sein "Ding" machen - was heisst: immer schön beim Symptom bleiben - und keine Ursache suchen, sondern am Symptom "rumdoktorn"? Stattdessen beobachtet man mit Verve Plaques und andere Phänomene im toten Gehirn und simmuliert so Angagemang - leider am Unabänderlichen.
        Da meine Oma damals mit 80 Jahren geradezu ein Prototyp einer Alzheimer Demenz darstellte und daran kurios ablebte, kann ich detailiert berichten, wie sich das so ansieht - die "gnädige Schwelle" (des Vergessens des Vergessens). Und mutmaßlich werde ich ebenso verenden - allerdings mit ziemlicher Sicherheit eben nicht, weil es eine genetische Veranlagung gibt, sondern weil die Neurodegeneration eine konkrete Ursache von Extern hat.

        Angesichts des "Totspritzens" empfehle ich jeden Vegetarier keine Feldfrüchte mehr zu essen. Wenn Gifte in der Fleischmast einmal methabolisiert wurden, wird am Ende weniger Giftbelastung beim Fleischverzehr vorhanden sein.

        Gut informiert bezüglich Cannabis-Produktion unter Schutzatmosphäre! Läuse und weiße Fliegen... War bestimmt ein privates Studien-Projekt?
        Die Diskussion ist nicht müßig, nur weil der Gegenstand illegal ist. Er ist in der Welt, weswegen er Relevanz besitzt. Ich will mich aber hier nicht darauf festbeissen. Nur darauf hingewiesen haben, dass es sich hier um Vorsätzliche Körperverletzung, Totschlag oder gar Mord schon seitens des Gesetzgebers handeln könnte, wenn er Gesetzeslücken aller Art bestehen lässt und faktisch im möglichem Wissen um Folgen seine drogenabhängigen Sozialversager dadurch nachhaltig schädigt. Eine andere Art Sozialdarwinismus und subtiler Euthanasie. Der Cannabis-Bauer (oder Landwirt) ist da viel weniger in der Verantwortung, weil er selbst im Systemzwang steckt und "liefern" muß. ...

      • chris Antworten | Permalink

        Folge von Harmonisierungen auf EU-Ebene?

        Sicher ist das Bestandteil der Ursache der jetzigen Realität. Ich kenne aber einen noch primäreren Grund, warum sich diese Anpassung in einer Erhöhung der Grenzwerte zwingend ergab. Das hat auch nichts mit der regelmässigen Überschreitung der bisherigen Grenzwerte zu tun. Simple Grenzwertüberschreitung handhabt man normalerweise eigentlich anders.

  11. Thorsten Antworten | Permalink

    Der BUND hat das nächste Bauernbashing am Start. Jetzt sind die Sauenhalter Schuld an der Hormonbelastung im Abwasser/Umwelt...
    Die Pille zur Verhütung hat damit ja rein gar nichts zu tun...

    • Martin Ballaschk Antworten | Permalink

      Danke für den Hinweis. Mal sehen, ob ich die Zeit finde, darauf einzugehen. Man kann sich ja nicht über alles aufregen, derzeit habe ich andere Sorgen ;)

  12. Psiram » Die Natur der Pestizide Antworten | Permalink

    […] abgelehnt. Neuerdings setzen auch die Grünen verstärkt auf dieses Thema, der BUND e.V. nutzt das Thema gerne, um Stimmung gegen die moderne Landwirtschaft zu machen. Warum diese Vorstellungen falsch sind und die Risikowahrnehmung in Bezug auf Pestizide verzerrt […]

  13. Hans-Joachim Scheel Antworten | Permalink

    Monsanto und die Freihandelsabkommen
    hier wird offenbar versucht Glyphosat gegen den Willen der EU über einen "Umweg" mit dem TTP auf den Markt zu bringen.Studien des Agrar-Konzerns wurden in USA als wissenschaftlicher Betrug verurteilt.Eine deutsche Abhandlung zum thema gibt Monika Krügervon der med vet Fakultät der Universität Leipzig. dort findet man brauchbare Aussagen zu fFlgeschäden des Herbizids an Mensch und Tier

    • Martin Ballaschk Antworten | Permalink

      Glyphosat ist in der EU zugelassen.

      Welche Studien "wurden in USA als wissenschaftlicher Betrug verurteilt?

      Inwieweit die Aussagen von Frau Krüger "brauchbar" sind – darüber gehen die Auffassungen weit auseinander.

    • Thorsten S Antworten | Permalink

      Monsanto und TTIP, zwei Begriffe, mit denen man Leute am PC fesseln kann,
      besser wie jede Folge Akte X.

      Monsanto hat beim Glyphosat einen weltweiten Marktanteil von rund 10%,
      in Deutschland dürfte der weit unter 5% liegen.
      RoundUp setzt kaum ein Landwirt ein, da es in der Regel wesentlich teurer ist.
      Günstige Generika aus der Produktion des Marktführers (China >50% Welthandel) kosten nur einen Bruchteil.
      Monsanto setzt rund 1 Milliarde $ um mit RoundUp, da lohnt sich wohl kaum ein finanzieller Aufwand bei TTIP, wegen dem schlechten EU-Markt.

      Frau Krüger vergisst so gerne einiges, wenn es um Glyphosat geht, vor allem meist ihren Anstand. Irgendwie muss man ja Aufmerksamkeit erzielen, vielleicht wäre sie besser zu New Topia gegangen.

  14. Hardy Antworten | Permalink

    Muss man wegen vermeintlicher Harmlosigkeit immer mehr Chemiecoctails in der Nahrung dulden?
    Ich sehe diesen Artikel letztlich als Gegenpol zu den anderen Berichten. Wem soll man glauben? Denen, die versuchen Chemie im Körper möglichst gering zu halten oder denen, die mir Chemie im Körper, in den Organen als in Ordnung verkaufen wollen?
    Wenn ich kein Glyphosat einnehmen will, muss man mir die Möglichkeit geben, dies zu vermeiden.

    • Martin Holzherr Antworten | Permalink

      Nein, Glyphosphat sollte es in der Nahrung praktisch keines haben. Zitat Wikipedia:

      In der EU ist die Anwendung von Glyphosat zugelassen. Die Erlaubte Tagesdosis (ADI) beträgt 0,3 und die Annehmbare Anwenderexposition 0,2 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.[124]

      Diese Grenzwerte wurden aufgrund von Tierversuchen festgelegt, Zitat: "Die Analyse von zahlreichen neuen Dokumenten ergab keine Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat bei Versuchstieren. "

      Typischerweise erhalten Versuchstiere sehr viel höhere Dosen als schliesslich als Grenzwert festgelegt wird.

      Übrigens: Wer gegen Glyphosphat ist weil er für organische Landwirtschaft ist, erreicht mit einem Verbot keineswegs eine Verbesserung. Denn die Konkurrenzprodukte - also andere Unkrautvertilger - haben keineswegs ein besseres gesundheitliches Profil. Wenn schon müsste man sämtliche Pestizide verbieten.

  15. Richard Antworten | Permalink

    EU-Gefahrstoffkennzeichnung
    [5] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) Reizend Umweltgefährlich
    [6] Reizend Umweltgefährlich

    (Xi) (N)

    Das Zeug wird doch weltweit in größeren Mengen eingesetzt, oder? Unbedenklich? Harmlos?

    Manche sehen den Wald vor Bäumen nicht...

    • Mark Ewigleben Antworten | Permalink

      Schon mal auf Deine Haushaltsprodukte geschaut?
      Die sind ähnlich gekennzeichnet, werden zu Millionen Tonnen einfach durch die Kläranlage in die Flüsse geleitet.
      Und das Xi gilt für welches Glyphosat Produkt, vermutlich genau eines?

      Der Wald ist ein gutes Beispiel!

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