Ein schwerer Tag im Leben eines Physikers

14. August 2008 von Andreas Müller in Unterhaltung

Ich wachte morgens auf und hatte einen tierischen Carter. Ich war planck, schoss es mir durch den Kopf. Ich versuchte zu erinnern, was passiert war. Der letzte Abend hatte mich meine letzten liquiden Mittel gekostet. Vermutlich war eine der fünf Flaschen Bohrdo verdorben gewesen. Manchmal hört man ja, dass der Weinberg von Parasiten befallen ist. Guth, dachte ich, nach so einem inflationärem Trinkgelage mussten die Finanzen ja auf der Strecke bleiben. Nie wieder wollte ich nach St. Pauli schwor ich mir! Ich entsann mich auch, was mich zu diesem ungewohnt exzessiven Verhalten brachte: die Festplatte meines Arbeitsrechners hatte einen Crash! Leider war ich etwas nachlässig, was die Backups anging, so dass einige Monate Arbeit für Schrödingers Katze waren. Macht nichts, dachte ich. Schließlich ist Einstein noch nie vom Himmel gefallen. Ich beschloss mir zunächst einen frischen Kaffee zu kochen, um wieder auf die Beine zu kommen. Tolman, keine Filtertüten mehr da! So musste ein Handtuch als Provisorium herhalten. Vermutlich unterschätzte ich bei dieser Technik die Kaffeemenge. So stark schmeckte der Kaffee noch nie: Mein Hertz raste, und meine Hände haben unglaublich desittert. So müsste man sich wohl in einem materiefreien Universum vorcompton. Doch halt: etwas hatte ich fermisst. Gehörte nicht noch etwas Kaubares zu einem Frühstück? Die Lage war ernst, denn mein Kühlschrank gähnte mich mit nihilistischer Lehre an. Zum Glück hatte die Bäckerei schon auf. Ich entschied, trotz meines geistig umnachteten Zustands und der inneren, koffeinbedingten Unruhe, auf die Straße zu gehen. Auch wenn der andere Teil meiner Wellenfunktion bereits im Nirwana einem Vernichtungsoperator anheim gefallen sein musste. Bei den ersten Schritten wurde mir schwarzschild vor Augen. Ich musste mich ziemlich zusammenreissnern, um nicht zu stolpern. Das Knurren meines Magens erinnerte mich an ein Untier, auf das prähistorische Jäger und Sammler gestoßen sein mögen. Ich hingegen jagte nur ein Brötchen, das unschuldig belegt hinter einer Glasscheibe auf potentielle Käufer lauerte. Ich ergriff meinen Speer, äh Schirm und machte mich auf in ein regennasses Chaos, das jeder Theorie entbehrte. Nicht schon wheeler! Meine Darmperistaltik erzeugte Geräusche, die an einen startenden Jumbo erinnerten. Ich wollte so schnell wie möglich in der Bäckerei notlanden. Zum Glück erblickte ich schon das Schild. Oh Gott, ich hatte 't hooft, dass der Laden leer sei, doch eine moderate Schlange hatte sich aufgestaut. Eine Nanosekunde dachte ich an Umkerr. Weyl der Hunger jedoch meine Schlangenphobie besiegte, stellte ich mich an. Ich glaubte, ich stünde im Wald! Nach endlos dilatierter Zeit war ich endlich an der Reihe. Mein Anblick schien erträglich zu sein, denn die Verkäuferin lächelte mich mildtätig, aber nicht aufmunternd an. Auf einem Teller oder zum Mitnehmen, fragte sie. Ich wollte natürlich schleunigst aus dem Geschäft verschwinden. So reichte sie mir das Corpus delicti über die Theke. Welcher Price mich wohl erwarten würde? 5 Euro Fuffzich, hörte ich sie noch sagan, doch in Gedanken war ich schon bei den belegten Köstlichkeiten, die mit Schnitzel Wiener Art belegt ihre Schönheit hinter einer braunen Tüte versteckten. Wie vom Tachyon gehetzt, fanden meine 2 Promille schweren Beine den Weg die Treppe hinauf. Die kaffeeartige Flüssigkeit dampfte noch, als ich eines dieser kulinarischen Wunderwerke vernaschte. Aber schon beim ersten Bissen musste ich feststellen: das Brötchen war steinhardt
Was für ein misner Tag!

Im Text befinden sich Nachnamen von berühmten Physikern - wie viele sind es?

 

LÖSUNG:

Es sind 33 Physiker. Hier kommt das versprochene Bonbon nach der Auflösung durch Lars, Stefan und Marco *tusch*: die Koryphäen in voller Schönheit und ihr Arbeitsgebiet (stars in order of appearance):

Brandon Carter (*1942)
australischer Relativist und Astrophysiker, erforschte die Eigenschaften der rotierenden Schwarzen Löcher, insbesondere die Geodäten in der Kerr-Geometrie. Er entdeckte mit Bardeen und Hawking die Hauptsätze der Schwarzen Löcher und konnte zeigen das sie keine Haare haben.

Max Planck (1858 - 1947)
deutscher Quantenphysiker, gilt als Vater der Quantentheorie, quantisierte die elektromagnetische Strahlung eines Schwarzen Körpers. Nach ihm wurde die Planck-Kurve, die Verteilung der Energiedichte bzw. des Strahlungsflusses eines thermischen Strahlers und die Planck-Skala benannt, Nobelpreis 1918.

Niels Bohr (1885 - 1962)
dänischer Quantenphysiker, Atomphysik, Bohrsches Atommodell, nach dem die Elektronen strahlungsfrei den Atomkern umlaufen, Nobelpreis 1922.

Steven Weinberg (*1933)
amerikanischer Teilchenphysiker, arbeitet auf dem Gebiet der schwachen Wechselwirkung und vereinheitlichte sie mit den Kollegen Abdus Salam und Sheldon Lee Glashow zur Elektroschwachen Theorie. Im Rahmen dieser ersten Vereinheitlichten Theorie, die zwei fundamentale Naturkräfte vereinigt, gelang die Prognose des Z-Teilchens und der W-Teilchen (Weakonen). Nach ihm wurde der Weinberg-Winkel benannt, der in der Elektroschwachen Theorie, die Mischung von Photon und Z-Teilchen parametrisiert, zusammen mit Salam und Glashow Nobelpreis 1979 für die Vorhersage des Z-Teilchens. Seither arbeitet Weinberg an der Vereinigung dreier Naturkräfte (Grand Unified Theories, GUT) und aller vier Kräfte inklusive Gravitation (Unified Theories, UT). Diese Konzepte finden Anwendung in der Kosmologie, in den frühen Phasen des Universums. Eine vielversprechendes Konzept ist die Einbindung der Supersymmetrie. Weinberg ist Autor zahlreicher empfehlenswerter Bücher.

Alan H. Guth (*1947)
Kosmologe am MIT, Vater der Inflation (1981), nach der das Universum eine Phase exponentieller Expansion durchlief. Die Inflationstheorie beseitigte bekannte Probleme der Kosmologie: Homogenitäts-, Flachheits-, Horizontproblem und Fehlen Magnetischer Monopole.

Wolfgang Pauli (1900 - 1958)
österreichischer Quantenphysiker, Quantentheorie des Spins, theoretischer Entdecker des Pauli-Prinzips und Spin-Statistik-Theorems, forderte die Existenz des Neutrons aus dem Betazerfall, Nobelpreis 1945.

Erwin Schrödinger (1887 - 1961)
österreichischer Quantenphysiker, fand die Schrödinger-Gleichung, die Bewegungsgleichung der Quantentheorie auf der Basis der Wellenmechanik von de Broglie (Materiewellen). Diese fundamentale Gleichung geniesst in der Quantenmechanik denselben Stellenwert, den die Einsteinschen Feldgleichungen in der Relativitätstheorie haben. Mit der Schrödinger-Gleichung war das fundamentale Objekt Wellenfunktion geboren, dessen räumliche und zeitliche Verteilung Teilchen und Felder beschreibt, Nobelpreis 1933 zusammen mit P. Dirac, dem theoretischen Pionier der Antimaterie.

Ernst Mach (1838 - 1916)
österreichischer Physiker und Philosoph, er entwickelte 1893 das Machsche Prinzip, ein fundamentales Prinzip für Bewegung und Trägheit von Massen, das Einstein zur Allgemeinen Relativitätstheorie leitete. Auch Machzahl und Machscher Kegel sind nach ihm benannt.

Albert Einstein (1879 - 1955)
Begründer der Relativitätstheorie, die bahnbrechende Erkenntnisse über Bewegung, Raum, Zeit (zusammengefasst als Raumzeit), Materie, Energie und Gravitation ermöglichte. Den Nobelpreis erhielt er allerdings 1921 für den Photo-Effekt, den er mit der (bis dato noch nicht allgemein akzeptierten) Lichtquantenhypothese erklärte.

Richard Chase Tolman (1881 - 1948)
Relativist und Astrophysiker, Arbeiten über relativistische Sterne, besonders kompakte Neutronensterne. Er entwickelte die TOV-Gleichungen zusammen mit Oppenheimer und Volkoff, die die Newtonschen Sterne verallgemeinern und wesentlich für den Gravitationskollaps sind.

Johannes Stark (1874 - 1957)
deutscher Atomphysiker, entdeckte Stark-Effekt 1913, d.h. eine Aufspaltung von Spektrallinien, wenn die Atome einem starken, elektrischen Feld ausgesetzt sind. Dieser Prozess ist quantentheoretisch verständlich, Nobelpreis 1919.

Gustav Ludwig Hertz (1887 - 1975)
deutscher Atomphysiker, untersuchte Anregungs- und Ionisationsenergien in der Elektronenhülle, die sich im Franck-Hertz-Versuch manifestieren. Dafür gab es den Nobelpreis 1925 zusammen mit J. Franck.

Willem de Sitter (1872 - 1934)
deutscher Relativist, Astronom und Kosmologe, er beobachtete die Bewegung der Jupitermonde und bestimmte fundamentale Konstanten der Astronomie neu. Berühmtheit hat er bis heute wegen des Einstein-de Sitter-Universums (1917), einer Lösung der Einsteinschen Feldgleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie, die materiefrei ist und aufgrund einer positive kosmologische Konstante (Lambda-Term) expandiert (siehe auch Dunkle Energie).

Arthur Holly Compton (1892 - 1962)
Röntgenspektroskopiker, untersuchte Polarisation der Röntgenstrahlung, entdeckte 1923 den Compton-Effekt: die Zunahme der der Wellenlänge (Energieverlust) elektromagnetischer Strahlung bei der Streuung an freien Teilchen, z.B. Elektronen. Diesen Vorgang nennt man Compton-Streuung, eine charakteristische Grösse die Compton-Wellenlänge. Comptonisierung bezeichnet den umgekehrten Prozess: inverse Streuung erhöht die Energie gestreuter Strahlung, Nobelpreis 1927 zusammen mit C.T.R. Wilson.

Enrico Fermi (1901 - 1954)
italienischer Quantenphysiker, viele Arbeiten auf dem Gebiet der Quantentheorie, besonders Quantenstatistik (Fermi-Gas, Fermi-Energie, Fermion) und Fermi's Goldene Regel, die zur Berechnung von Übergangsraten von quantenmechanischen Zuständen wichtig ist, Nobelpreis 1938.

Frederick J. Ernst
fand 1968 die (im Allgemeinen komplexen) Ernst-Potentiale, die Lösung der Ernst-Gleichung sind. Diese Differentialgleichung erlaubt eine Ableitung von axialsymmetrischen und stationären Raumzeiten, wie der Kerr-Lösung (rotierendes, ungeladenes Schwarzes Loch), Kerr-Newman-Lösung (rotierendes, elektrisch geladenes Schwarzes Loch) oder Neutronensterne.

William G. Unruh (*1945)
Relativist, beschäftigt sich mit Quantenfeldern auf flachen und gekrümmten Raumzeiten. Seine Arbeit (zusammen mit R. Wald) - und unabhängig davon die von Paul Davies - mündet in eine Relativität des Teilchenbegriffes. Es hängt vom Bezugssystem ab, ob ein Teilchen real oder virtuell ist. Der Unruh-Effekt beschreibt ein Analog zur Hawking-Strahlung, das Unruh "Beschleunigungsstrahlung" nannte: ein beschleunigter Beobachter in der flachen Minkowski-Raumzeit nimmt das Quantenvakuum als thermisches Teilchenbad wahr. Gemäss dem Äquivalenzprinzip ist das Pendant zu diesem Phänomen ein frei fallender Beobachter in einer gekrümmten Raumzeit: dieser misst die Hawking-Strahlung.

Karl Schwarzschild (1873 - 1916)
deutscher Relativist und Astronom, fand die ersten Lösungen der Feldgleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie 1916, nach ihm wurden nicht nur diese Schwarzschild-Lösungen benannt, sondern auch der Schwarzschild-Radius, der Radius des Ereignishorizontes eines nicht-rotierenden Schwarzen Loches.

Hans Jacob Reissner (1874 - 1967)
deutscher Physiker, Mathematiker und Ingenieur, studierte Physik mit Max Planck. Nach Reissner und G. Nordstrøm ist die Raumzeit geladener, nicht rotierender Punktmassen (geladenes Schwarzes Loch) benannt (Reissner-Nordstrøm-Lösung), die auf Arbeiten aus den Jahren 1916 und 1918 zurückgehen. Die Grossteil der Forschung widmete er der Flugtechnik.

John Archibald Wheeler (1911 - 2008)
amerikanischer Relativist und Astrophysiker, erfand den Begriff "Schwarzes Loch" und den Satz "Schwarze Löcher haben keine Haare" (Keine-Haare-Theorem), bildete zahlreiche prominente Relativisten, wie Kip Steven Thorne, Charles W. Misner, William G. Unruh, Robert M. Wald, Dieter Brill etc. aus. Wheeler arbeitete aber auch mit Niels Bohr auf dem Gebiet der Kernspaltung und leitete ein Team zum Bau der Wasserstoffbombe. Arbeitet auch auf dem Gebiet der Quantengravitation.

Alfred Schild (1921 - 1977)
deutscher (geboren in der Türkei) Relativist und Astrophysiker, arbeitete auf dem Gebiet der Tensorrechnung und entwickelte eine Atomuhr mit (zur Messung relativistischer Zeitdilatation). Die Kerr-Schild Koordinaten zur Beschreibung rotierender Schwarzer Löcher sind nach ihm und Roy P. Kerr benannt.

Richard J. Gott
Relativist, arbeitet auf dem Gebiet der Wurmlöcher, Kausalität, kosmischen Strings und Zeit bzw. Zeitmaschinen.

Gerard 't Hooft (*1946)
niederländischer Teilchenphysiker und Relativist, arbeitet an vielen Aspekten der Teilchenphysik: Eichsymmetrie, Renormierung, Symmetriebrechung, Determinismus, Quanteninformation etc., aber auch auf dem Gebiet der Schwarzen Löcher und Quantengravitation.

Roy Patrick Kerr (*1934)
Mathematiker, fand 1963 rotierende, ungeladene Punktmassen (axialsymmetrische und stationäre Schwarze Löcher), die man seither Kerr-Lösung nennt.

Hermann Weyl (1885 - 1955)
Mathematiker und Relativist, wichtige Beiträge zur Natur der Materie, nach ihm wurde der Weyl-Tensor benannt, dessen Symmetrieeigenschaften zur Klassifikation von Raumzeiten dienen.

Robert M. Wald (*1947)
amerikanischer Relativist, erforscht Gravitationskollaps, Schwarze Löcher und Störungen sowie elektromagnetische Felder auf diesen Raumzeiten. Zusammen mit J.M. Cohen beschrieb er elektrische Punktladungen in der Nähe Schwarzer Löcher (1971). 1974 fand er die heute nach ihm benannte Wald-Lösung, ein rotierendes Schwarzes Loch, das in ein uniformes Magnetfeld eingetaucht ist.

Edvard Teller (*1908)
amerikanischer Physiker, ungarischer Herkunft, war massgeblich am Bau der Atombombe am Los Alamos Projekt beteiligt.

Richard H. Price (*1943)
amerikanischer Astrophysiker, erforscht Schwarze Löcher und zeigte deren "Haarverlust" (Keine-Haare-Theorem) durch Abstrahlung.

Carl Edward Sagan (1934 - 1996)
Astrophysiker und Science Fiction Autor, beschäftigte sich vor allem mit der Suche nach extraterrestrischem Leben und schrieb u.a. das Buch zum Film "Contact".

Wilhelm Wien (1864 - 1928)
Theorie der Wärmestrahlung; Wien-Ast als Hochenergielimes beim Planck-Strahler; Wiensches Verschiebungsgesetz, das der Temperatur eines Schwarzen Strahlers die Wellenlänge maximaler Intensität zuordnet, Nobelpreis 1911.

Karl Ferdinand Braun (1850 - 1918)
erfand 1897 die Braunsche Röhre, die bis heute das Herzstück des Fernsehapparats ist. In diesem evakuierten Behälter werden Elektronen beschleunigt und abgelenkt. Sie treffen auf einen Schirm und erzeugen dort das Fernsehbild. Nobelpreis 1909 mit G. Marconi.

Wernher von Braun (1912 - 1977)
Raketenforscher, erfand im 2. Weltkrieg die V1- und V2-Rakete. Nach dem Krieg arbeitet er massgeblich an der bemannten Raumfahrt in den USA.

Paul Steinhardt
Kosmologe, wendet die Branenwelt auf ein Modell an, dass er mit Neill Turok erfand: Ekpyrosis und das Zyklische Universum.

Charles W. Misner (*1942)
amerikanischer Relativist, erforscht Gravitationskollaps und Schwarze Löcher und entdeckte, dass elektromagnetische Wellen dem Loch Rotationsenergie entziehen können. Er fand die chaotischen Oszillationen der Raumzeit (mixmaster oscillations) in der Nähe von Singularitäten. Misner ist einer der Autoren der Standardwerke der Allgemeinen Relativitätstheorie zusammen mit Thorne und Wheeler, MTW, mit dem Titel "Gravitation"

 


26 Kommentare zu “Ein schwerer Tag im Leben eines Physikers”

  1. Andreas Ihlenfeld Antworten | Permalink

    Deutsche Sprache, schwere Sprache...

    "erinnern" ist ein reflexives Verb. Der dritte Satz sollte also lauten:
    Ich versuchte mich zu erinnern, was passiert war.

  2. Martin Huhn Antworten | Permalink

    Stammt das aus Deiner Feder, Andreas? Super! Aber ob ich alle Namen herausfische? Einige sagen mir nichts, es fällt nur auf, daß mit der Schreibweise etwas nicht stimmt.

  3. Fischer Antworten | Permalink

    Also...

    Ich finde 27. Glaub ich. :-)

    Sehr unterhaltsam. Die Bonusfrage ist natürlich: Wie viele von denen haben auch Nobelpreise bekommen?

  4. Marco Antworten | Permalink

    Die GANZE Wahrheit

    Müller sah zwar schon bald alles doppler, konnte sich nachher aber allenfalls an die Hälfte erinnern. Deshalb wollen wir hier seinem Gedächtnis etwas auf die Sprünge helfen.

    Auf dem Weg zum Schwingerclub "Gay-Lussac" hatte er bei der Überquerung des Heisenbergs das wunderschöne Sommerfeld im Tal übersehen, denn ein merkwürdiges Geräusch hatte ihn abgelenkt. War es ein Apple-Ton oder gar ein Edding-Ton?

    Was Gay ist, wissen wir alle, was aber Lussac ist, verrate ich hier besser nicht. Der Club war ziemlich groß, es gab sogar mehrere Spielcassini, doch Müller betrat den Club durch eine Türe, auf der "Minkowsky-Raum" stand. Im inneren traf er einen bizarren Lederman, der sich Jan Sky nannte und einen Zeeman, der Kapetyn einer Fregatte war. "Volta nicht ein Bier mit mir trinken ?" lud er die beiden ein. Man einigte sich dann aber auf eine Flasche Oppenheimer Krötenbrunnen. Ein stinkfowler Kellner, der stark sexlte, brauchte ewig, um die Bestellungen auszuführen. Es gesellte sich noch ein bornierter Schwabe, der von Beruf Baademeister war, zu ihnen, der nach jedem Satz "gell" sagte und eine mit einer Perle verzierte Taschenuhr an einem Ketterle trug. Müller taufte ihn den Gell-Mann. Da der Wein doch nicht so gut war und auch der aragonesische Landwein nicht schmecken wollte, tranken die Zecher später noch einige Hefeweizsäcker mit einer schönen Krone aus Quantenschaum.
    Bei den Longdrinks fand vor allem das Bose-Einstein-Kondensat gemischt mit Batida de Coco, Pitralon, einem Spritzer Tabasco und viel Eis reissnernden Absatz - trotz des astronomischen Preises. Zu essen gab es elsässer Flammarionkuchen. Dirac'n-Roll-Band "The Newtones" machte ziemlich viel Lärm. Später wurde auch Lambada getanzt. Der Gell-Mann befürchtete, daß de Sitterpolizei den Laden auseheben könnte.

    Inzwischen war man beim beliebten Thema Krankheiten angelangt. Sowohl Jan Sky alsauch der Zeeman hatten Gallensteine. Beschwingt eröffnete Müller den staunenden Zuhörern, daß er gerade dabei sei, eine Möglichkeit zu entwickeln, wie man Gallensteine mit Hilfe von Gravitationswellen völlig schmerzfrei ambulant zertrümmern könnte. Diese Methode sei unschlagbar günstig, da das Universum ja voller Gravitationswellen sei, und damit ein Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen. Zum Glück war dies nicht das Rigorosum, denn Müller schmiß wahllos alle möglichen Tensoren durcheinander und erfand neue hinzu. Seine Zuhörer hielten "Tensor" für den Titel des nächsten Films mit Arnold Schwarzenegger.

    In den frühen Morgenstunden hatte Müller dann blitzartig die Idee, wie er Relativitätstheorie und Quantentheorie zur GUT versöhnen könnte. Es schien geradezu unfaßbar einfach zu sein. Grinsend versuchte er sein Nobelpreisgeld in Bose-Einstein-Drinks umzurechnen, doch da war die zündende Idee schon wieder in der Singularität eines Vollrausches verschwunden.

    Ein Bothe brachte ihm die Nachricht seiner Frau, er solle sofort heimkommen. Er versuchte sie anzurufen, doch aus dem Telefonhörer kam kein Walton. Da er vor seiner Frau immer kuschte, verließ er die Schencke.

    Die laue Nacht war schwartz. Schwankend bestieg Müller ein Fahrrad (zuerst verkerrt herum) schließlich war heute Faraday (er haßte dieses Denglish !).
    Auf der unebenen Wegstrecke wurde er ziemlich durchgehubblet. Die Raumzeit kam ihm mit einem Mal verdammt stark gekrümmt vor, viel stärker, als er es im Studium gelernt hatte. Sein Ereignishorizont schient rapide zu schrumpfen. Der Hahn krähte schon (es war übrigens ein unter Naturschutz stehender Kippenhahn). Ein Hund joulte, daß es von den Wänden hallte. "Komischer Hall, ey !" dachte er. Müller bethete in einem Kirchhoff und dachte "Was für eine Chandra! Was habe ich mir da nur eingebrogliet? Jetzt bohr ich mir ein klitzingkleines Wurmloch und verschwinde darin." Es überkam ihn das hoylende Elend. Mit einem Paschentuch wischte er sich die Tränen von der Wange.

    Über die Einstein-Rosen-Brücke (war Einstein nicht noch vor ein paar Minuten was zu trinken ?) erreichte er den Quantentunnel, in dem er sich gut zurechtfand, einen Tunnelblick hatte er ja schon. Hinter dem Tunnel bog er am Oortsanfang in die Milchstraße ein, in der er wohnte.

    Zu Hause lag schon das Frühstück, einige Scheiben Toast mit Appenzeller Käse und Salami, auf dem Teller. Er war so groggy, daß er Mühe hatte, mit dem Messier zu hantieren. Frau Müller hatte ihrem Andreas einen starken fritzschen Maxwell-Instantchaffee bereitet. Lüstlos kaute er an den Toasts herum. "Fresnel, fresnel, Du kommst sonst zu spät zur Arbeit." trieb sie ihn an. "Feynman, sie ist mir nicht mal bose und ich dachte die kommt mir mit dem Kantholz, daß es nur so keplert." frohlockte Müller. Im Fernsehen lief die Wiederholung der Sendung "Vorsicht! Friedmann". Es war wie immer ein Mordstammtamm. Müllers braune Jeans saß ganz schön zwicky, doch hatte er keine Zeit, eine bequemere anzuziehen. Er kämmte sich noch kurz die strubbeligen Haare. Melancholisch blickte er auf die vielen Haare, die in dem Kamm hängen geblieben waren. Unwillkürlich mußte er an den Satz "Black Holes have no hair" von John Archibald Wheeler denken, den er auf einem Schild über dem Badezimmerspiegel hängen hatte. Na toll, dachte er, noch ein paar Jahre, dann bin ich ein schwarzes Loch. Eigentlich gar nicht so schlecht, denn damit kannte er sich aus. Schließlich hatte er über die Dinger promoviert.

    Auf dem Weg zur Arbeit ging er noch bei einem Glaser vorbei, um seine Brille reparieren zu lassen. Vor dem Geschäft stand ein Geiger, der die Münzen in seinem Hut zählte. Nebenan beim Bäcker L. wurden neuerdings herrlich duftende heiße Marconi verkauft. Sehr ungewöhnlich für die Jahreszeit, denn es herschelte eine drückende Schwüle.
    Vorbei an dem Shoemaker und dem Snyder ging Müller noch zum Metzger, um sich etwas für die Mittagspause zu kaufen. Auf dem Tresen lag ein merkwürdig spitzer Gegenstand - war es ein Wursteisen ?

    Zu seinem Glück erreichte Müller unauffällig das Institut - er hatte schon befürchtet, zur Ausnüchterung in einer d'Arrestzelle zu landen.
    "Wieman, wo kommst Du denn her ?" fragte sein Chef, als Müller ins Büro wankte - er hatte nur noch einen Schuh an. "Aus Landau oder Jordanien, ohmann watt hab ich für einen Brummschädel, mein Hirn läuft nur mit halber Taktfrequenz". Er versuchte das Lallen möglichst zu vermeitnern, aber es gelang nicht ganz.
    "Au weia, das ist ja hier fermintes Gelände." dachte er. Unwillkürlich machte er ein Boyerchen. Jetzt bekam er auch noch einen Schluckauf und einige Higgs-Bosonen stießen ihm heftig auf. Er sah ein Meer von Sternen - und das am hellichten Tag. "Binnig wach oder träume ich ?" fragte er sich. Er fühlte sich ziemlich lesch. Er war fertig mit der Welt.

  5. Katja Antworten | Permalink

    Junge, junge. Interessanter reichhaltiger Text. War eine Freude zu lesen.

    *Im Kommentar befinden sich Nachnamen von berühmten Psychologen - wie viele sind es? ;)

  6. Andreas Antworten | Permalink

    lol

    Marco, Marco ... Ich habe mich köstlich amüsiert. Vielen, vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag!

    Beste Grüße,
    Andreas

  7. Andreas Antworten | Permalink

    Tipps & eine Antwort

    @Lars
    Nein, bei mir sind es mehr als 30 und Marco hat sicher noch mehr...

    @Katja
    Sind es Jung, Reich und Freud?

    Ciao,
    Andreas

  8. Andreas Antworten | Permalink

    Aufruf zum Eintippen der Namen

    Ja, watt iss los, Leute?

    Lars war schon nah dran, aber es sind noch mehr Nachnamen von Physikern versteckt.

    Lasst es uns so machen: Jeder schreibt, die Nachnamen, die sie/er entdeckt per Kommentar hier herein.

    Wäre doch gelacht, wenn wir so gemeinschaftlich nicht alle finden würden, oder?

    Lars, wie heißen Deine 27 Gefundenenenen?

    Für die Auflösung verspreche ich auch einen Bonus-Goody für Physik-Liebhabären...

    Hier kommen die ersten drei (in order of appearance) als Teaser: Bohr, Tolman, Braun.

    Ciao,
    Andreas

  9. Lars Fischer Antworten | Permalink

    OK

    Carter, Planck, Bohr, Weinberg, Guth, Pauli, Schrödinger, Einstein, Tolman, Hertz, De Sitter, Compton, Fermi...

  10. Andreas Antworten | Permalink

    Da fehlt etwas...

    Gut, aber das sind nur 13.

    Hast Du als Primatenfreund nur angegeben? ;-P

    Gruß,
    Andreas

  11. Stefan Antworten | Permalink

    Fortsetzung

    Die 13 Namen, die Lars gefunden hat, standen auch auf meiner Liste. Und die geht so weiter:

    Schwarzschild, Reissner, Wheeler, Schild, Gott, 't Hooft, Kerr,
    Weyl, Wald, Teller, Price, Sagan, Wiener, Braun, Steinhardt, Misner
    Sind aber zusammen immer noch keine 30...

    Grüße, Stefan

  12. Andreas Antworten | Permalink

    Gut, aber nicht gut genug, hehe.

    Carter, Planck, Bohr, Weinberg, Guth, Pauli, Schrödinger, X, Einstein, Tolman, X, Hertz, De Sitter, Compton, Fermi, X, X, Schwarzschild, Reissner, Wheeler, Schild, Gott, 't Hooft, Kerr,
    Weyl, Wald, Teller, Price, Sagan, Wiener (okay, ich dachte an Wilhelm Wien), Braun, Steinhardt, Misner.

    Super, das sind 29. Mein Tipp: es sind insgesamt 33, und sie verbergen sich an den Xen. Sie sind fies - ich weiß.

    Macht das Spaß, herrlich! :-)

    Gruß,
    Andreas

  13. Stefan Antworten | Permalink

    Gut versteckt

    Danke für die Tipps - die sind ja wirklich fies versteckt. Also, mit der Hilfe finde ich dann noch Mach, Stark und Unruh - aber das vierte X? Es wird doch nicht Heim sein ;-)

    Grüße, Stefan

  14. Andreas Antworten | Permalink

    Einen Hammer noch

    Wow, jetzt machst Du aber ernst, Stefan. ;-)

    Gruß,
    Andreas

  15. Marco Antworten | Permalink

    Ist das Ernst gemeint ?

    Der Wink mit dem Zaunpfahl brachte mich darauf, nochmal den Namen Ernst in der Wikipedia zu suchen. In der englischen Version fand sich ein Emil Ernst, "german astronomer". "He did his Ph.D. dissertation in 1918 at the Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl (Königstuhl Observatory, near Heidelberg) at the University of Heidelberg." Diese Sternwarte kennt der Blogger recht gut, denke ich...
    Also mal im Ernst: Der Mann war mir bisher nicht geläufig.

  16. Andreas Antworten | Permalink

    Heureka!

    Sehr gut, Marco!

    Das ist ja in der Tat eine witzige Parallele zur LSW ;-) Gemeint ist allerdings Frederick J. Ernst. Der Mann hat 1968 die seither nach ihm benannten Ernst-Potentiale entdeckt - zugegeben ein Spezialthema, dass vielleicht nur unter Relativisten/Astrophysikern bekannter ist. Diese Potentiale finden Anwendung bei achsensymmetrischen Raumzeiten, die von rotierenden Quellen stammen.

    Experten wissen eben doch mehr als Wikipedia ;-)

    Gruß,
    Andreas

  17. Andreas Antworten | Permalink

    Auflösung online

    Liebe Leser und Mitrater,

    ich habe soeben als Anhang zum Ursprungstext die Auflösung mit dem versprochenen Goody veröffentlicht.

    Ich hoffe, das erhöht den Mehrwert und ich hoffe auch, dass es Euch genauso viel Spaß gemacht hat wie mir.

    Nochmals ein dickes Dankeschön an Lars, Stefan und Marco!

    Gruß,
    Andreas

  18. Marco Antworten | Permalink

    Falsche Fährten

    Zuerst hatte ich mich ja an dem Wort "Kaubares" (warum nicht einfach "essbares" ? dachte ich mir) festgebissen, dann an dem Wort "Darmperistaltik", in den (schon halb verdauten) Namen Ampère vermutet hatte ;-).

  19. Marco Antworten | Permalink

    Lapsus

    Ups, das war zu schnell. Könnte man vielleicht eine Vorschau-Funktion für die Kommentare einbauen, damit man seine Texte nochmal sehen kann, bevor man sie entgültig abschickt.

  20. Andreas Antworten | Permalink

    kann's nicht lassen

    Ich bin mir sicher, dass da noch mehr als 33 Nachnamen von Physikern versteckt sind - ist nur die Frage, wie berühmt/bekannt die sind.

    Lust auf ne Bonusrunde? ;-)

  21. Marco Antworten | Permalink

    Übrigens...

    ...der Teller hat den Löffel schon abgegeben, nämlich 2003.

  22. Andreas Antworten | Permalink

    Ein Geständnis

    Mein Text (das beantwortet nun auch Deine fast verjährte Eingangsfrage, Martin) ist ja eigentlich eine olle Kammelle, die schon auf meiner alten Website stand. Aber ob das 2003 war? Ich glaube es war 2005.

    Das hilft zwar dem Teller nicht mehr, belegt aber hoffentlich, dass ich noch alle Tassen im Schrank habe.

    War Teller eigentlich ein Atom-Messer?

    Bei mir ist das Glas jedenfalls halb voll! Aber ich kann hier ja viel auftischen...

    Es ist spät.
    Gute Nacht.

  23. fischer Antworten | Permalink

    Primatologie

    Ich wollt nur anderen Leuten auch noch was zu tun lassen. Schwarzschild und Wheeler solltest du mir noch zutrauen. ;-)

    Da bin ich mal zwei Tage offline, und schon ist das Rätsel gelöst.

    Die Ernst-Potentiale kenn ich nicht, aber dafür die Nernst-Potentiale. Hah!

  24. Stefan Antworten | Permalink

    Minibiographien

    Danke für die Auflösung und die Minibiographien!

    Von Ernst und seinen Potentialen hab ich tatsächlich noch nie gehört, und bei Price dachte ich eignentlich an den mit dem "Zeitpfeil" - das scheint dann ein anderer zu sein.

    Viele Grüße, Stefan

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