Menschen zerstören das Universum?

27. November 2007 von Andreas Müller in Allgemein

Wir haben kürzlich die traurige Gewissheit erhalten, dass die Menschheit für die irdischen Klimaveränderungen verantwortlich ist. Das könnte ein frühes Ende des belebten Planeten Erde nach sich ziehen. Vor wenigen Tagen erschütterte eine noch gravierendere Pressemeldung die Leserschaft [1, 2]: die Menschheit würde durch astronomische Beobachtungen ein frühes Ende des ganzen Universums herbeiführen! In diesem Beitrag soll es darum gehen, was an dieser aberwitzig anmutenden Meldung dran ist.

Die Verursacher
Anlass der Meldung ist eine neue Publikation von den US-Wissenschaftlern Lawrence M. Krauss und James (nicht Arthur) Dent mit dem Titel “The late time behavior of false vacuum decay: possible implications for cosmology and metastable inflating states” [3]. Das Thema hat mehr Substanz, als man vordergründig glauben könnte. Zur Einordnung: es geht um das Universum, den quantenmechanischen Messprozess und das “falsche Vakuum”.

Der Kosmos als Ganzes
Klassisch wird das Universum als Ganzes mit der Allgemeinen Relativitätstheorie beschreiben, d.h. mit einer unquantisierten Gravitationstheorie. Es gibt jedoch auch neuere Ansätze dem Universum eine Wellenfunktion zuzuordnen und damit sämtliche Erkenntnisse aus der Quantenphysik auf das Universum anzuwenden. Dieser Zweig der Kosmologie ist die Quantenkosmologie (weitere Beschreibungen dazu unter [4])

Der quantenmechanische Messprozess
Beim quantenmechanischen Messprozess wird eine Beobachtungsgröße (Observable) bestimmt. Es handelt sich dabei um den Erwartungswert eines quantenmechanischen Operators, z.B. Spin oder Energie (Hamilton-Operator). Diese Erwartungswerte sind im Prinzip Eigenwerte des Problems und dazu gehören bestimmte Eigenfunktionen. Konkret sind das bestimmte Wellenfunktionen, die den beobachteten Zustand sehr klar charakterisieren.

Vor der Beobachtung ist ein Zustand nicht festgelegt und existiert als Überlagerung (Superposition) aller erlaubten Zustände (z.B. Spin up und Spin down; Stichwort: Schrödingers halbtote Katze). Der Messprozess legt mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit einen Zustand fest (z.B, 50% Spin up und 50% Spin down). Mit der Messung kollabiert die Wellenfunktion, d.h. es liegen diejenige Wellenfunktion mit Erwartungswert fest, die den Zustand charakterisieren (z.B. Spin up).

In Bezug auf die vorliegende Arbeit von Krauss & Dent ist die Kenntnis des Quanten-Zeno-Effekts (eigentlich benannt nach dem grch. Philosophen Zenon) von Bedeutung. Er besagt, dass die Beobachtung das Messergebnis stark beeinflussen kann. Im Extremfall kann der Zerfall eines radioaktiven Elements durch Dauerbeobachtung unterdrückt werden! Schön erklärt ist das z.B. bei Wikipedia [5].

Die experimentelle Verifikation dieses Effekts ist höchst erstaunlich. In der Schule lernt man doch, dass der radioaktive Zerfall “statistisch und ohne jeden äußeren Einfluss” stattfinde. Offensichtlich vergisst man bei dieser Behauptung den Quanten-Zeno-Effekt. Außerdem belegt das abermals die wichtige Rolle des Beobachters in der Quantenphysik.

Das falsche Vakuum
Der schwierigste Aspekt an dem Thema ist das “falsche” Vakuum. Dieser Zustand hat einen Vakuumerwartungswert endlicher Energie – das ist also genauso wie bei quantenmechanischen harmonischen Oszillator. Anschaulich bedeutet es, dass auch ein scheinbar völlig ruhendes mechanisches Pendel schwingt und dabei eine endliche, kinetische Energie hat – hochtrabend heißt sie “endlicher Vakuumerwartungswert”.
Meines Wissens nennt man den Vakuumzustand des harmonischen Oszillators nicht ‚falsch‘. Das ist eher eine Benennung, die in der Quantenfeldtheorie gebräuchlich ist. So begegnet man beim Higgs-Mechanismus und bei den Inflationsmodellen dem falschen Vakuum. Anschaulich meint man damit einen metastabilen Zustand, der leicht (z.B. durch geringe äußere Störungen) zerfällt und bei diesem Zerfall seinen Vakuumerwartungswert von endlich auf einen eines kleineren endlichen Wertes oder von null ändert. Der Vorgang heißt “Zerfall des falschen Vakuums in ein echtes Vakuum”. Das Ganze ähnelt dem Übergang von einer instabilen in eine stabile Gleichgewichtslage in der klassischen Mechanik. Im Zusammenhang mit Inflation und dem so genannten W-Potential gibt es weitere Informationen unter [6].  

Halten wir als wichtigen Punkt fest: In Inflationsmodellen ist das falsche Vakuum bedeutsam, weil es eine exponentielle Expansion des Universums treibt. Damit assoziiert ist ein hypothetisches Feld/Teilchen, das Inflaton genannt wird.

Die neue Interpretation
Was haben nun Krauss & Dent genau gemacht und wie kommen sie zu ihrer spektakulären These?

Krauss & Dent haben die Quantenkosmologie angewandt, d.h. sie haben Gesetze der Mikrowelt auf die Makrowelt – das Universum! - übertragen. Schon das mag ein strittiger Punkt sein, weil wir bislang keinen überzeugenden Hinweis haben, dass dieser Schritt notwendig und richtig ist. Allerdings befinden sich Krauss & Dent in guter Gesellschaft renommierter Physiker wie Hawking, Wheeler, Linde, Hartle und Vilenkin, die die Quantenkosmologie intensiv anwenden.

Krauss & Dent gehen von der Richtigkeit des quantenmechanischen Messprozesses und insbesondere des Quanten-Zeno-Effekts aus. Jeder Physiker ist wohl auch gut beraten das zu tun.

Schließlich greifen Krauss & Dent zunächst eine Arbeit von Khalfin (1958) auf: er zeigte, dass langfristig der zeitliche Zerfall eines metastabilen Quantenzustands (also z.B. des falschen Vakuums) nicht etwa exponentiell ist (das gilt kurzfristig), sondern vielmehr nach einem Potenzgesetz. Damit zerfällt das falsche Vakuum für Zeiten, die sehr lang gegenüber der charakteristischen Zerfallszeit sind (im so genannten “late time behavior”), nicht so schnell.
Nun kommt der eigentlich neue Aspekt des ganzen Themas hinsichtlich des falschen Vakuums: Krauss & Dent meinen, dass wir in einem solchen Bereich des Universums leben, der vom falschen Vakuum dominiert wird. Sie schließen das, weil diese Bereiche ja nicht so schnell zerfallen (da mit Potenzgesetz) und daher bis ins heutige Universum bevorzugt überdauern. Das würde die beobachtete geringe Vakuumenergie (= Dunkle Energie) erklären.
Wie gesagt: diese Bereiche falschen Vakuums sind metastabil. ‚Das Universum wird weiter zerfallen‘ oder genauer ausgedrückt:  der Vakuumerwartungswert wird weiter sinken. Das könnte im Prinzip jederzeit passieren und - laut Pressemeldung - unser bisheriges Universum vernichten. Jetzt kommt der Bezug zum Quanten-Zeno-Effekt: Krauss & Dent werfen die Frage auf, ob wir als astronomische Beobachter  der Dunklen Energie (= des Vakuums) ständig den Zerfall in das echte Vakuum des Kosmos hinauszögern und dadurch einen Zustand des falschen Vakuums präparieren, der mit sehr viel höherer Wahrscheinlichkeit (exponentiell) wieder zerfällt. Das führt zu dem radikalen Schluss, dass  wir durch unsere Beobachtungen tatsächlich das All schneller sterben lassen würden!

Und Ihr Urteil?
Was halten Sie davon? Ist das hanebüchener Unsinn oder eine wissenschaftlich ernst zu nehmende These? Bitte schreiben Sie Ihren Kommentar dazu!

Quellen:
[1] New Scientist, 22.11.07: Has observing the universe hastened its end?
[2] Spiegel online, 23.11.07: Lassen Forscher das All schneller sterben?
[3] Vorabveröffentlichung von Krauss & Dent: Possible Implications for Cosmology and Metastable Inflating States
[4] Astronomiewissen, Lexikoneintrag: Quantenkosmologie
[5] Wikipedia, Eintrag: Quanten-Zeno-Effekt
[6] Astronomiewissen, Lexikoneintrag: Inflation


13 Kommentare zu “Menschen zerstören das Universum?”

  1. L. Carone Antworten | Permalink

    Einige Ungereimtheiten

    Alle Welt hängt sich an dieser "Beobachtungen zerstören das Universum?"-Idee fest, obwohl gerade diese in dem Paper von Krauss& Dent mit gerade mal drei Sätzen ganz am Rand abgehandelt wird - mit einem dicken Fragezeichen versehen.

    Also Entschuldigung! Das erscheint mir wie ein Marketinggag. Allerdings ein höchst erfolgreicher.

    In 95% der Arbeit geht es eher um Wechselwirkung zwischen Gravitation, Inflation und Vakuumenergie und warum gerade Lösungen mit möglichst kleiner Vakuumsenergie bevorzugt werden, weil die anderen sehr schnell zerfallen. So habe ich das zumindest verstanden. Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liegen sollte.

    Ansonsten tun die Forscher gut daran, die Sache mit der Beobachtung mit einem dicken Fragezeichen zu versehen.

    Entweder habe ich nämlich etwas grundlegend nicht verstanden oder die Autoren sind etwas zu sorglos damit, Quantenmechanik (QM) auf den Makrokosmos anzuwenden.

    Das geht nämlich i.A. nur mit Einschränkungen. Hawking und co waren sich dieser Einschränkung immer bewusst. Bloß weil diese Autoren erfolgreich waren, heißt das aber noch lange nicht, dass Krauss & Dent nicht ein Denkfehler unterlaufen ist. Und das passiert schnell, wenn man mit Quantenmechanik (QM) hantiert. Daher ist gerade auf diesem verminten Terrain eine mathematisch saubere Beschreibung als Wegweiser unabdingbar. Die QM ist so abseits jedes menschlichen Begriffvermögens, dass man allzu leicht Gefahr läuft, falsche Analogien und Schlussfolgerungen zu ziehen.

    So fehlt in der deutschen Wikipedia im Rahmen der Erklärung des Quantum-Zeno-Effektes ein absolut entscheidender Satz, der aber in der englisch-sprachigen Version vorhanden ist:
    strong suppression of the evolution of a quantum system due to environmental coupling has been observed in a number of microscopic systems

    Environmental coupling! Das ist hier der entscheidende Punkt.

    Die Unterdrückung tritt nur auf, wenn eine aktive Interaktion zwischen Beobachter und quantenmechanischem System auftritt. Also nur dann, wenn es einen Informationsaustausch zwischen beiden Seiten gibt. Das ist aber so ziemlich das Gegenteil von passivem Zuschauen, was anscheinend viele Menschen mit dem Begriff "Beobachtung" assozieren. Im Zusammenhang mit QM ist dieser Begriff daher missverständlich. Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liegen sollte.

    So habe ich das zumindest verstanden und erlebt. Sonst würde der Quanten-Zeno-Effekt auch dann auftreten, wenn man von außen einfach nur scharf eine radioaktive Zerfallsquelle anstarrt. So etwas haben aber weder ich noch irgendjemand anderer im Fortgeschrittenen-Praktikum unseres Studiums entdeckt. Wir bekamen wunderschöne Poisson- der Gaußkurven raus. In diesen Fällen gibt es also offenbar keine Kopplung zwischen der Umgebung und dem Quantensystem.

    Warum sollte das bitte bei kosmologischen Beobachtungen anders sein? Inwiefern ist diese Beobachtung anders, als die, welche ich in meinem Studium durchgeführt habe: In beiden Fällen wird passiv die zeitliche Entwicklung eines quantenmechanischen Zustandes aufgezeichnet.

    Im Falle des radioaktiven Zerfalls haben wir z.B. die Anzahl der emitierten Elektronen nach dem Zerfall der Quelle gemessen.

    Im Falle der kosmologischen Beobachtungen werden aus den Tiefen des Kosmos stammende Photonen und Élementarteilchen mit immer genaueren Detektoren passiv aufgezeichnet. Das ist aber keine aktive Untersuchung der Raumzeit. Wie soll diese aktive Untersuchung überhaupt aussehen? Gelten ins All abgestrahlte Funksignale als kosmologische Beobachtung?

    Wie ist der Begriff "Beobachtung" in diesem Zusammenhang definiert?

    Das Paper liefert hierfür keine Hinweise. Ohne eindeutige mathematische Beschreibung des Konzeptes ist diese Idee daher reine Spekulation und kann noch nicht mal als Hypothese bezeicnet werden.

    Wer außergewöhnliche Behauptungen aufstellt, muss auch außergewöhnliche Beweise liefern! Drei hingeworfene Sätze erfüllen diese Vorgabe meines Erachtens bei weitem nicht.

    Alles natürlich unter dem Vorbehalt, dass ich irgendetwas nicht ganz richtig verstanden habe. In dem Falle lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

  2. Andreas Müller Antworten | Permalink

    Mein persönliches Urteil

    Lieber Herr/Frau Carone,

    im Prinzip sind wir uns einig.

    Was ich an der These von Krauss & Dent so interessant finde, sind die drei angeschnittenen Themen (Kosmos, Quantenphysik, falsches Vakuum) für sich genommen. Die Herausforderung ist, wie man die These entkräftet.

    Ich persönlich erachte die These von Krauss & Dent als zu gewagt; oder anders gesagt: ich möchte erstmal gute Belege sehen, dass quantenkosmologische Berechnungen dieser Art Sinn machen und die Natur beschreiben. Bislang sind das Hypothesen, wenn auch interessante, aber eben nicht durch die experimentelle Kosmologie gesicherte.

    Falls diese experimentelle Sicherung der Quantenkosmologie erfolgt, muss man als Nächstes schauen, ob die gemachten Interpretationen richtig sind. Unklar ist beispielsweise inwiefern Gravitationseffekte den Zerfall der Vakua verändern. Hinsichtlich Interpretationen zeigt die aktuelle und jahrzehntelange Forschung in der Quantenphysik, dass da viele Probleme und Fallstricke auftreten (Sie nennen als gutes Beispiel den radioaktiven Zerfall).

    Deshalb finde ich die These von Krauss & Dent des das Universum manipulierenden Beobachters sehr interessant, bin aber sehr skeptisch, ob dieser Schluss korrekt ist. Insofern sollte man zurückhaltend sein.

    Beste Grüße,
    Andreas Müller

  3. Markus Enz Antworten | Permalink

    Warum ist die Materie im Universum elektrisch neutral?

    Lieber Herr Müller,

    ich mache mir auch keine Sorgen um die Stabilität des Universums oder um unseren Beobachter-Effekt darauf. Ich denke, dass Quanteneffekte sich nur in Ausnahme-Situationen bis in makroskopische Bereiche halten können. Vermutlich misst die Natur sich selbst auch ohne Beobachter. D.h. es gibt im Allgemeinen keine Schrödinger Katzen. Beim radioaktiven Zerfall scheint schon der Atomkern in diesem Sinn eine makrokopische Umgebung zu sein. Allerdings ist der Mechanismus dafür nicht verstanden und Dekohärenz kann vermutlich den Kollaps der Wellenfunktion nicht leisten, da sie reversibel ist.

    Eine andere kosmologische Frage treibt mich seit längerem um. Gibt es im Standard-Modell eine Erklärung dafür, warum die Materie im Universum elektrisch neutral ist?

    Die Tatsache, dass es nur Materie gibt und keine Anti-Materie wird mit einer Dichte-Schwankung erklärt. Das Problem damit ist, dass im Big-Bang nach der Inflation die Protonen und Elektronen zu unterschiedlichen Zeiten "kondensiert" sind. D.h. es müsste zu unterschiedlichen Zeiten der gleiche Überschuss an Protonen wie Elektronen gegenüber den Anti-Protonen und Positronen entstanden sein. Gibt es eine Symmetrie, die das erklärt?
    Mit freundlichen Grüssen

    Markus Enz

  4. Niedermayr Antworten | Permalink

    Anthropozentrismus

    Bescheiden war der Mensch zwar nie, aber dass er sich jetzt auch noch einbildet tatsächlich Einfluss auf die zukünftige Entwicklung des Weltalls zu haben ist eigentlich mehr als lächerlich. Dabei ist noch nicht einmal endgültig bewiesen, dass die Klimaerwärmung letztlich nur auf den Menschen zurückzuführen ist. Um auf die Hypothese von Krauss & Dent zurückzukommen ist zu sagen, dass der Quanten-Zeno-Effekt noch nicht einmal auf der Erde bewiesen wurde (lediglich unter äußerst strittigen Bedingungen) und kann also nicht dazu verwendet werden eine derartige Aussage zu machen.
    Wie gesagt, ich finde diese Hypothese ist übertrieben anthropozentristisch und der Mensch hat sich wieder einmal selbst überschätzt.

  5. Andreas Müller Antworten | Permalink

    @Markus Enz

    Lieber Herr Enz,

    besten Dank für Ihren Kommentar. Sie stellen hier im Prinzip zwei Fragen: eine zur Ladungsneutralität kosmischer Materie und eine zur Materie-Antimaterie-Asymmetrie.

    Ladungsneutralität
    Nach dem kosmologischen Standardmodell bildeten sich nach dem Urknall geladene Teilchen (Quarks und Leptonen), die sich nach wenigen hunderttausend Jahren zu den neutralen Atomen verbanden. Dabei wurde die kosmische Hintergrundstrahlung frei.
    Als die ersten Sterne und aktiven Galaxien (u.a. Quasare) nach weiteren wenigen hundert Millionen Jahren entstanden waren, waren wieder Strahlungsquellen vorhanden, die ihre Umgebung ionisieren konnten. Die so ionisierten Gebiete wuchsen, wurden zahlreicher und überlappten, so dass nach einiger Zeit das ganze Universum wieder ioniert war. Im kosmologischen Standardmodell nennt man das die Epoche der Reionisation und datiert sie bei einer Rotverschiebung von z ~ 10.
    Man kann also nicht unbedingt von einem neutralen Kosmos sprechen - ebensowenig von einem leeren. Genauso wie es "Materieinseln in der Leere" gibt, gibt es "geladene Inseln im neutralen Meer".
    Astronomen beobachten diese Ladungen ja auch als Plasma auf Sonnen, als kosmische Strahlung aus Galaxienzentren und aus der Sonne, als Plasma in Akkretionsscheiben um Schwarze Löcher oder in Jets, als radioaktive Strahler in den Weiten des Weltraums etc.
    Dazu noch ein Link im Portal "Astronomiewissen":
    http://www.wissenschaft-online.de/...02.html#reion

    Materie-Antimaterie-Asymmetrie
    Der Ursprung dieser Asymmetrie ist in der Teilchenphysik zu suchen. Wie Sie sicher wissen, sind bei Umwandlungen von Teilchen in neue Teilchen Erhaltungssätze zu beachten. So müssen z.B. die Energie, der Drehimpuls, die elektrische Ladung und kompliziertere Größen vor und nach der Umwandlung gleich sein. Die Teilchenphysiker nennen solche Größen allgemein Quantenzahlen. Dazu gehören auch die Baryonenzahl B und die Leptonenzahl L. Im Prinzip zählt man vor und nach der Umwandlung die Leptonen und Baryonen ab. Unter Normalbedingungen sind B und L auch Erhaltungsgrößen.

    In der Frühphase des Universums galt das nach favorisierter Vorstellung nicht: In der so genannten GUT-Phase zerfielen schwere Bosonen (hypothetische X-Bosonen und Y-Bosonen) zu Quarks und Antiquarks. Weil die Erhaltungssätze für B und L nicht galten, entstanden so unterschiedliche Häufigkeiten von Materie zu Antimaterie.

    Trifft ein Teilchen auf ein Antiteilchen, so zerstrahlen sie zu hochenergetischer, elektromagnetischer Strahlung. In einer Vernichtungsschlacht verschwand so die Antimaterie und die Materie überdauerte. Aus ihr entstand unser heutiger Materiekosmos.

    Auch hierzu ein Link im Portal "Astronomiewissen", bei dem Sie auch Zerfallsgleichungen für X- und Y-Bosonen finden:
    http://www.wissenschaft-online.de/..._g05.html#gut

    Beste Grüße,
    Andreas Müller

  6. Markus Enz Antworten | Permalink

    Neutrales Universum

    Lieber Herr Müller,

    herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Ich verstehe, dass es ionisierte Gebiete gibt im Universum.

    Meine Frage hat sich auf die im Grossen gleiche Anzahl Elektronen und Protonen bezogen. Der Paar-Erzeugungs-Prozess aus Photonen hat ja für Proton-Anti-Protonen zu einem früheren Zeitpunkt aufgehört als für Elektron-Positronen.

    Heisst das, dass der Elektronen- und Protonen-Überschuss schon in der GUT-Zeit entstanden ist und die Super-Symetrie dafür gesorgt hat, dass es gleichviele waren?
    Gruss

    Markus Enz

  7. Hans Antworten | Permalink

    Zeno

    Die Wissenschaft weiß absolut nichts über Gravitation. Sie kann Sie berechnen. Das ist alles. Das Wissen was Gravitation ist führt zum Wissen was in der Quantenwelt passiert. Natürlich passiert das wo keiner etwas Genaues nachweisen kann genau das was passieren muss. Mann erzählt aus Unwissen Gläubigen und Andächtigen die moderne Form von Gott. Der Vermittler ist heute nicht mehr der Priester sondern der Wissenschaftler. Sobald es an eine Sache geht von der keiner sofort das Gegenteil nachweisen kann wird genau das erzählt was in der Mythologie schon immer erzählt wurde. Das wichtige wissenschaftliche Gehabe und der Formelsalat sollte uns nur nüchtern erkennen lassen das der Mensch als solches ein Bedürfnis hat an Wunder oder Götter zu glauben genauso wie an den Teufel oder vernichtende Kräfte die bestrafen. Der Vermittler des Geheimwissens nimmt sich fürchterlich ernst. Er wäre empört wenn man ihm nicht glaubte. Lassen wir uns nichts erzählen. Es gibt auf unserer Erde viele Märchenerzähler. Dummerweise werden unter dem Tarnmantel eines Wissenschaftlers noch viel größere Märchen erzählt. Das ist die Realität. Und ich bin ein Ketzer.

  8. Andreas Müller Antworten | Permalink

    @Hans

    Was soll denn dieser unqualifizierte Kommentar?

    Dazu nur so viel: Wissenschaft ist keine Märchenerzählerei, sondern misst sich an der Realität, nämlich der beobachteten Natur.

    Erklärt eine Hypothese eine Beobachtung nicht, so muss sie modifiziert oder ersetzt werden. Daraus resultiert das erfolgreiche Theoriegebäude der modernen Naturwissenschaft. Und diese Theorien erlauben schon sehr viel von dem zu verstehn, was z.B. Gravitation ist bzw. wie man sie korrekt beschreibt.

    Beste Grüße,
    Andreas Müller

  9. Atömchen Galakticus Antworten | Permalink

    Schrödingers Katze

    Der Ansatz von kollabierenden Wellenfunktion, die letztlich zum "Experiment" Schrödingers Katze führt, ist eigentlich widerlegt (siehe "Alpha Centauri" auf BR Alpha, Vortrag von Prof. H. Lesch zu Dekohärenz). Tatsächlich bildet sich danach diese Art von Wellenfunktionen nie aus, da die wechselwirkung der Partikel untereinander für geordnete Zustände sorgt.

  10. Sara Antworten | Permalink

    Menschen zerstören die Erde

    Also, ich denke schoon, dass die Menschheit hauptsächlich an der Erderwärmung schuld ist.

    Es ist doch soo, dass die Menschen mit den Raketen durch die eigentlich die Erde schützende Ozonschicht geflogen sind und sie somit kaputt gemacht haben!!

    Es kommen mehr Sonnenstrahlen in die Erde, durch das Ozonloch, aber sie kommen nicht alle wieder durch das Ozonloch heraus. Mehrere bleiben in der Erde.

    Und durch den CO2 Ausstoß vergrößert sich das Loch immer mehr!! Somit kommen noch mehr Sonnenstrahlen in die Erde. Dadurch entsteht dann irgendwann eine extreme Hitze!!

    Ich denke, dass dies Alles ein langsamer Vorgang ist.
    Aber in ein paar 100 Jahren werden wir Menschen noch richtig Probleme bekommen, denke ich.

    Darum sollte man, meiner Meinung nach, jetzt schon etwas dagegen unternehmen!!!

    So sehe ich das... :))

    Bis daann!! :)

  11. J.S. Antworten | Permalink

    Dekohärenz

    Dekohärenz existiert auch ohne daß wir hinschauen.
    Ich denke hier muss man wohl darüber wegkommen, daß ein Meßprozess ein "magisches" Verfahren wäre, welches "irgendwie" aus der Quantenmechanik heraus führt. Meßanordnungen unterliegen ebenfalls der QM.

  12. Tim Boson Antworten | Permalink

    Am Personen-Beschleuniger.

    Beitrag von Tim Boson entfernt. Alte Beiträge reinkopieren hat nicht viel mit einer Diskussion zu tun.

    Martin Huhn, 22.09.2010, 19:21 Uhr

  13. Hans-Jürgen Steffens Antworten | Permalink

    Notizen zum Quanten-Zeno-Effekt

    1. Krauss & Co scheinen dem menschlichen Boebachter eine Sonderrolle gegenüber nichtmenschlichen Messapparaturen zu geben. Damit sind sie mit Wigner (und vielleicht auch mit Wheeler) in guter Gesellschaft, aber müsste dies nicht dennoch einmal besonders begründet werden?

    2. (auf "die Schnelle" und nur aus meinem persönlichen "cash" heraus): Wenn der Zerfall irgendwo eintritt, dann ist er hier noch nicht messbar. Die Idee des EPR-Paradoxons würde doch über das Zerreißen hinaus gedehnt, wenn eine Beobachtung hier und "jetzt" den Zerfall im "jwd" aufhalten würde.

    3. Mit dem "Aufhalten des radioaktiven Zerfalls" habe ich meine "statistischen" Probleme: die Überlagerung eines zerfallen und eines nichtzerfallenen Teilchens wird durch den Messprozess (innerhalb eines kurzen Zeitintervalls) natürlich in den meisten Fällen auf den Zustand des nichtzerfallenen Teilchens projiziert, in wenigen Fällen aber auch auf den Zustand des zerfallenen, mit der Folge, dass die Gesamtstatistik der Zerfallszahlen wieder stimmte. (Eine Bemerkung in Ihrer Referenz [5] scheint das auch zu bestätigen.)

    Mit freundlichen Grüßen

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