SciLogs-Treffen 2011 in Deidesheim: Die wahre Geschichte

20. März 2011 von Sebastian Reusch in Ansichten

Am gestrigen Samstag wurde im Rhein-Neckar-Kreis eine erhöhte Nerdkonzentration gemessen! Zum vierten Mal fanden sich die Blogger der SciLogs traditionell im rheinland-pfälzischen Örtchen Deidesheim zusammen, um die Zukunft der SciLogs zu diskutieren. Alles fing mit einer Bahnfahrt mitten in der Nacht an, zumindest für Martin Ballaschk vom Blog "Detritus", der aus Berlin anreiste und mit dem ich bereits Morgens um 6 Uhr vor dem Treffen twitterte. Wie bei ihm, so war auch bei allen anderen die Vorfreude groß, schließlich sollte es ordentlich Wein und gutes Essen geben. Da konnte man den eigentlich Grund des Treffens leicht aus den Augen verlieren. Meine Anreise führte mich zuerst nach Mannheim, wo ich auch prompt zufällig auf Martin stieß und mit ihm zusammen den Rest der Anfahrt zurücklegte. Bereits hier wurde schon ordentlich über Wissenschaft, Forschung und über das Bloggen diskutiert.

Auf dem Weg stieß man dann auch auf die restliche Gemeinde und die erste Schnupperstunde begann, zumindest für mich, da ich das erste Mal dabei war. Wie bestellt, traffen wir um 12 Uhr im Weingut Bürklin-Wolf ein, wo wir tagten und schlemmten, was das Zeug hielt.

 
 
Bild 1: Das Hofgut Bürklin-Wolf als Tagungsort der Sciblogger.

 
Zuerst gab es Kaffe, kalte Getränke und etwas zum Essen. Schließlich musste man sich kennenlernen und warm werden, denn später sollten und wollten wir ordentlich diskutieren und neue Ideen brauchten eben erst einmal Energiezufuhr. Dann ging es auch schon los mit ein paar begrüßenden Worten des Spektrum-Verlages, der alles organisiert hatte. Dem folgte ein Impulsvortrag von Lou Woodley, der Community-Spezialistin bei nature.com. Sie referierte über die wissenschaftliche Bloggerszene, die Pepsigate-Geschichte der ScienceBlogs.com und deren Folgen, wie sich Wissenschaftblogs im allgemeinen derzeit machen und was es für Blog-Plattformen gibt. Das alles mit einem charmanten londoner Akzent. Darauf folgten vier Workshops in denen gezielt einzelne Themen angesprochen und diskutiert wurden, u.a. wie man etwa an die Weltherrschaft gelangt. Am Abend dann nach ausgiebiger Tagung und erster Auswertung der Workshop-Ergebnisse wurde das Mega-Luxus-8-Sterne-Super-Hotel bezogen, dass gleich um die Ecke des Hofguts lag und welches durch seine hoch-moderne Asphaltierung erreicht werden konnte.
 
 
Bild 2: Die hoch-moderne Asphaltierung diente dem Hotel als Zugang.

 
Kaum hatte man aber seine Sachen auf das Zimmer gebracht und die sich im Zimmer befindene Kunst beäugt, so ging es prompt weiter mit einer Weinprobe im Weingut von Michael Endres. Dies gestalte sich aber schwieriger als geplant: Der Weg dorthin wurde schlichtweg nicht gefunden. Nach intensiver Recherche durch etliche Iphone-Besitzer und Befragung der Einheimischen, von denen wir immer in verschiedene Richtungen geschickt wurden, gelang es nach einem mühevollen Streckenmarsch, dass Ziel schlussendlich unverletzt zu erreichen. Interessant zu beobachten war hier die Grüppchenbildung und die Wahl der Themen, über die gesprochen wurde. Wie aber nicht anders zu erwaten, ging es um Blogerfahrungen und um Wissenschaft.
 
Bild 3: Die Kunst in den Hotelzimmern brachte sicherlich den Einen oder Anderen zum Nachdenken.
Nach der Eroberung des Weinguts ging es zurück zum Hofgut, wo zu Abend gegessen wurde. Hier begonn nun ein noch intensiveres Diskutieren und Miteinander, der Wein hatte angefangen zu wirken....
In einer wirklich sehr familiären Stimmung wurden nach dem Essen durch drei externe und kompetente Nicht-Blogger die Kandidaten für den SciLogs-Preis 2011 nominiert. Auf der möglichen Gewinner-Liste standen so Anatol Stefanowitsch mit seinem "Sprachblog", Björn Lohmann mit seinem Blog "Öko-Logisch?" und Gunter Dueck mit dem "Wild Dueck Blog". Nach einer geheimen Abstimmung, bei der die Zahlen auf Arabisch und nicht auf Griechisch (!) auf die Stimmzettel niedergeschrieben wurden, gewann Anatol Stefanowitsch knapp mit 16 Stimmen. Björn kam auf den zweiten Platz mit 12 und Gunter auf Platz drei mit 11 Stimmen. Anatol bedankte sich und erwähnte, dass ja kein Blogger aus den "harten" Wissenschaften nominiert wurde. Dies sorgte nachher richtig für Gesprächsstoff, so diskutierte man, was "harte" und was "weiche" Wissenschaft überhaupt sei und ob man solch eine Unterscheidung generell treffen dürfe.

Uns allen war aber klar, Anatol hatte Recht: In Wahrheit hätte er den Preis nicht annehmen dürfen oder hätte ihn zurückgeben müssen. Quatsch beiseite. Der Abend verlief noch recht interessant und es wurde später und später als ich u.a. ausgiebig mit Simone Wiedenhöft vom Blog "Sustain O'Brain" über das universitäre System in Deutschland und über die Schnittstelle zwischen Natur- und Geisteswissenschaften diskutierte.

Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück noch etwas müde mit der Diskussion über die Workshop-Ergebnisse weiter. Ausreichend Kaffee sorgte für Durchhaltevermögen. Danach wurden Blog-Statistiken besprochen und es fand ein bischen Zukunftsmusik statt. Alles natürlich begleitet von extensiven Diskussionsrunden und Meinungsaustauschen. Wie kann man Wissenschaftsblogs interessanter und erfolgreicher gestalten, um so eine bessere Wissenschaftskommunikation zu betreiben? Nur eine von vielen Fragen, die besprochen wurden. So langsam neigte sich das Treffen aber seinem Ende und man verblieb dabei, zu reflektieren und sich weiterführende Gedanken über angesprochene Themen zu machen. Schließlich soll einiges davon auch umgesetzt werden. Am Ende gab es dann noch einmal Kaffee und Kuchen und das wilde Organisieren von Fahrgemeinschaften fand statt. Am Ende ergatterte ich einen begehrten Sitzplatz im Auto von Michael Blume, Autor des Blogs "Natur des Glaubens".

Man verabschiedete sich und war schon leicht melancholisch, weil es ein intensives, aber produktives und schönes Wochenende mit Gleichgesinnten war. Nun freuen sich alle auf 2012. Ich reserviere am besten schon mal mein Zimmer, denn ich bin nächstes Jahr sicherlich wieder mit dabei.

Vielen Dank noch einmal an alle Organisatoren und an alle Anwesenden für ein sehr tolles Wochenende und anregende Gespräche! Hoffentlich bekommen wir die restlichen Blogger und Leute, die leider nicht dabei sein konnten, dann zu Gesicht.
 
 
P.S.: Fundstück des Wochenendes war übrigens...
 
  ...eine Radkappe!
 
 
 

Weitere Beiträge, die sich mit dem diesjährigen SciLogs-Treffen befassen:

 


6 Kommentare zu “SciLogs-Treffen 2011 in Deidesheim: Die wahre Geschichte”

  1. Klugscheisser Antworten | Permalink

    Jaja die Städter auf dem Land!

    Also ... das Weingut liegt in Rupertse net in Deidese (Rupptersberg nicht in Deidesheim) und natürlich ist die Straße nicht asphaltiert, wenn man dreißt durch den Wingert (Weinberg) abkürzt statt den langen Weg durch den Ort zu nehmen!
    Aber davon abgesehen das Weingut ist echt gut ;)

  2. Joachim Antworten | Permalink

    Luxus Hotel?

    Von wegen, Luxus Hotel, es gab keine Schokolade auf den Kopfkissen :-(

    Danke für den Beitrag. Deidesheim war mal wieder Großartig. Und so schön kontrovers, diesmal.

  3. Sebastian R. Antworten | Permalink

    @Klugscheisser

    Ja, das Hofgut lang ja streng genommen auch in Ruppertsberg. Daher haben die Blogger in Deidesheim übernachtet, aber in Ruppertsberg getagt. Die Entfernung war aber echt minimal.

  4. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    Plagiat!

    Hey, dasselbe Kunstwerk hing auch bei mir auf dem Zimmer. Zum Glück konnten wir dieses Plagiat dank Web 2.0 aufdecken. :-)

    Übrigens dachte ich, Ruppertberg sei ein Teil von Deidesheim. Offiziell heißt es doch:

    Staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort ist Ruppertsberg in der Verbandsgemeinde Deidesheim. (deutsche-wein-strasse.de)

    Wie war das mit den Städtern auf dem Land? ;-)

  5. Michael Blume Antworten | Permalink

    Gottvertrauen :-)

    Habe Dich gerne mitgenommen. Zumal es doch ein Ausweis impliziten Gottvertrauens war, mit mir am Steuer in Opas Automatik zu steigen. :-)

    Aber es haben ja alle überlebt, wir sind halt mit Diesel UND Karma gefahren. ;-)

Einen Kommentar schreiben


9 × sieben =