Adventskalender – 18. Türchen

18. Dezember 2013 von Lars Fischer in Allgemein, Verhaltensforschung

Natürlich kommt auch die Philosophie in diesem Adventskalender vor. Und auch dort gibt es Experimente, wenn auch Gedankenexperimente, und eines davon sehen wir hier. Es ist wahrscheinlich das berühmteste Gedankenexperiment der Ethik, wenn nicht der Philosophie überhaupt. Wie würdet ihr entscheiden?

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9 Kommentare zu “Adventskalender – 18. Türchen”

  1. Delano Antworten | Permalink

    Dieses Gedankenexperiment kenne ich noch mit einer weiteren Steigerungsstufe: 4 Todkranke liegen im Krankenhaus und benötigen dringend eine Transplantation jeweils eines Organs. Spaziert 1 Gesunder zu Besuch herein...

  2. Reinhold Antworten | Permalink

    Solche Probleme, und das am frühen Morgen.

    Ich kann bei beiden Fällen nur vermuten, wie ich evtl. entscheiden würde.
    Endgültig würde ich spontan und aus dem Bauch entscheiden.

    Also, zu Fall 1:
    Ich würde wahrscheinlich nicht umleiten.
    Aber die Situation ist eine andere, wenn z.B. auf einer Seite jemand steht, zu dem man irgend eine Beziehung und sein es nur ein kurzes Gespräch vorher hat.
    Für eine Entscheidung für und wider die Umleitung spielen viele Faktoren eine Rolle, deshalb kann ich meinen Teil kann da keine rationale Antwort geben sondern nur vermuten.

    Dasselbe gilt auch für den Fall 2:
    Hier würde ich auch höchstwahrscheinlich den Menschen nicht herunterstoßen.

    Die Verfassungsrichter hatten sich im Rahmen des Luftsicherheitsgesetzes auch mit einem ähnlichen Problem zu beschäftigen. Stichwort: Abschuss von entführten Flugzeugen.
    Der Link dazu.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Luftsicherheitsgesetz#Verfassungswidrigkeit_des_.C2.A7.C2.A014_Abs..C2.A03_LuftSiG

  3. Jeky Antworten | Permalink

    Erinnert mich an die eine oder andere "Problemstellung" bei "SAW". Einen anderen opfern, um sich selbst zu retten oder einen aus einer Gruppe opfern, um den Rest der Gruppe zu retten oder sich selbst selbst zu opfern, um einen anderen zu retten.

    Bei der obigen Problemstellung ist doch eigentlich der Knackpunkt nur, dass man im einen Fall einen Hebel umlegt, um einen zu opfern, um vier zu retten, im anderen Fall aber selbst Hand anlegen muss, um den einen da hinunterzuschubsen.

    Ergo sind die, die den Hebel ziehen würden, aber den Mann nicht von der Brücke stoßen würden, inkonsequent. In jedem Fall heisst die Entscheidung ein Opfer, vier gerettet. Konsequenterweise müsste ich, wenn ich den Hebel ziehen würde, auch den Mann runterstoßen müssen.

    Wer A sagt, schubst auch B. Ich so.

  4. Gunnar Antworten | Permalink

    Man kann eigentlich nur hoffen, niemals in so eine Situation zu kommen.

  5. Engywuck Antworten | Permalink

    je nach Höhe der Brücke stürze ich den mann sicher in den Tod, auch wenn ich das Gleis mit ihm verfehle oder der Zug doch nicht entgleist oder nach dem entgleisen genug weiterrutscht, die vier Männer doch zu töten. In allen Fällen hätte ich also "unnötig" getötet.
    Im Gegensatz dazu hat der einzelne auf dem anderen Gleis *prinzipiell* noch eine Chance. Sei es, dass er den Zug doch bemerkt (oder mich, wie ich umstelle), sei es, dass der Zug in der von mir umgestellten Weiche entgleist und rechtzeitig zum stehen kommt und so weiter.

    Die beiden Fälle sind *real* also nicht vergleichbar, egal wie die Psychologen das immer hindrehen (der einzelne ist blind und taub, der dicke Mann ist so fett, dass er gleich drei Gleise blockiert und ein unwiderstehliches Hindernis darstellt und was es sonst noch an Verfeinerungen gibt)

  6. Engywuck Antworten | Permalink

    ich kenne wie Delano noch zig Varianten: Kind vs. alter Mann, Kind mit gebrochenem Bein vs. (beliebige Person), Ehefrau vs. drei Kinder, ...

    Und dann das Ganze in zugfreien Varianten: man bemerkt bei der Deichwanderung nacht, dass der Deich bricht und kann entweder die eigene Familie retten oder die Stadt mit zehntausend Einwohnern/Krankenhaus/Altenheim/Waisenhaus

  7. Claudia Antworten | Permalink

    Die darunterliegende Tatsache ist wohl, dass wir es einerseits tolerieren können, wenn jemand durch unsere Unterlassung ums Leben kommt - siehe unterlassene Hilfeleistung bei Unfällen etc. - aber nicht aktiv töten wollen oder können. Ich könnte immerhin meine Designerschuhe opfern und die Weiche damit auf eine Zwischenstellung festkeilen, damit die Lore entgleist. Was ich vermute, dass die meisten tun würden - auch wenn sie sagen, sie legen die Weiche um - ist: Nichts. Niemand kann ihnen einen Vorwurf machen, wenn sie sagen "Auf dem anderen Gleis war auch jemand", wenn sie aber aktiv jemanden töten, dem sonst nichts passiert wäre, schon. Und bei dem Szenario mit dem dicken Mann wird irgendwie impliziert, dass er weniger wert ist und gerade als Prellblock taugt - schauder!

  8. Wendehals Antworten | Permalink

    Das Experiment an die Unterscheidung zwischen Haustieren und Nutztieren. Durch das Berühren entsteht Beziehung, und dann wirds schwer.

    Unter welchen Voraussetzungen wohl Leute selber Springen in Erwägung ziehen würden?
    Oder gemeinsam, den anderen "mitnehmen"?!

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