Atommüll – Energiequelle statt Entsorgungsproblem

6. November 2010 von Lars Fischer in Physik

Angesichts der aktuellen Proteste in Gorleben und des nach wie vor ungelösten Problems der nuklearen Abfälle nutze ich die Gelegenheit, auf einen älteren Beitrag von mir hinzuweisen. Darin geht es um eine prinzipielle Möglichkeit, abgebrannte Brennstäbe unschädlich zu machen und dabei noch Energie zu gewinnen.

Die langlebigen und stark strahlenden Isotope in den Brennstäben kann man nämlich zerstören, indem man sie mit Neutronen beschießt. Diverse Forschungseinrichtungen beschäftigen sich mit dem Verfahren, allerdings ist das wegen der benötigten Mengen an Neutronen aufwendig und teuer. Neutronen allerdings entstehen auch bei der Kernfusion, und die ist mit dem Trägheitseinschlussverfahren technisch machbar, aber bisher ebenfalls nicht ökonomisch.

Der Trick ist nun einfach, beides zu kombinieren: Die Neutronen spalten die radioaktiven Elemente aus den Brennstäben und erzeugen dadurch zusätzliche Energie, die die Kosten eines solchen Kraftwerks deckt. Und wir werden unseren Atommüll los. Wenn's gut läuft entstehen bei den Zerfallsketten auch noch wertvolle Sondermetalle.

Der Beitrag stammt vom 4. November 2009 und heißt: Atommüll beseitigen mit Kernfusion.


11 Kommentare zu “Atommüll – Energiequelle statt Entsorgungsproblem”

  1. Michael Antworten | Permalink

    Kernfusion

    Nun, Kernfusion ist so etwas, wenn man sich kritisch damit auseinandersetzt kommt man schnell zum Schluss, dass man all die Millionen besser in die Forschung anderer (erneuerbarer) Energien steckt. Weil falls Kernfusion tatsächlich mal zur Stromerzeugung genutzt werden kann, wird (hoffentlich?) sowieso schon der Grossteil der Energieversorgung auf der Erde erneuerbar sein.

  2. Carolin Liefke Antworten | Permalink

    Zukunftstechnologie Transmutation

    Wer sich allerdings kritsch mit den sogenannten erneuerbaren Energien auseinandersetzt, wird auch hier feststellen, daß nicht alles Gold ist, was glänzt.

    Über kurz oder lang wird sich ein Land wie Deutschland daher darauf besinnen (müssen), was sinnvoll ist und wo man seine Vorteile ausspielen kann. Und das ist weder das Zupflastern der Landschaft mit Windrädern, noch die milliardenschwere Subventionierung von Solarenergie, die nunmal in anderen Breiten zwangsläufig besser funktionieren muß als hierzulande. Auch bei der Nutzung von Wasserkraft stehen andere Länder aufgrund ihrer Geologie einfach besser da.

    Noch steht Deutschland dagegen für Innovation und Knowhow in der Ingenieurskunst, auch wenn sich Technikfeindlichkeit leider immer weiter auf dem Vormarsch befindet.

    Konzepte wie das von Lars vorgestellte und die allgemeine Idee der Transmutation werden aus einem ganz einfachen Grund zum heimlichen Feindbild der Kernenergiegegner: Hier schlummert nämlich das Potential, ihnen allen Wind aus den Segeln zu nehmen. "Saubere" Kernenergie ohne radioaktive Abfälle - das könnten die Leute womöglich gut finden. Welch Alptraum.

    Nun haben gute Ideen allerdings die Angewohnheit, daß sich schon irgendwer findet, der sie weiterentwickelt. Wenn wir also die Chance vertun, dann nehmen uns andere gern die Lorbeeren ab. Vielleicht die Belgier? (http://myrrha.sckcen.be/) Dank allgemein herrschendem Kernphysikermangel werden es aber vermutlich andere auf diesem Gebiet aufstrebende Nationen sein, die hier das Ruder übernehmen.

    Wir stehen dann da und müssen uns überlegen, welche der Milliönchen, die wir sinnlos verpulvert haben, anderswo besser angelegt gewesen wären. Immerhin, wir haben dann wertvolle Rohstoffe, nämlich die heutigen nuklearen Abfälle.

  3. Michael Khan Antworten | Permalink

    Technologie vor dem Durchbruch?

    Wahrscheinlich hat die verzweifelt anmutende Art, mit der heute das schon mit einer Religion zu vergleichende Mantra von 100% erneuerbaren Energien beschworen wird - man muss es einfach glauben, egal wie viel dagegen spricht - eine ganze Menge damit zu tun, dass mit der Fusionstechnik und der Transmutation Technologien bereits vor der Schwelle zur Einsetzbarkeit stehen, die einerseits das Potenzial zur sicheren, sauberen Deckung des Grundlastbedarfs und andererseits zur Lösung des aufgelaufenen Abfallproblems (das man bei Umstieg auf die Fusionstechnik nicht mehr haben wird) aufweisen.

    Zum Thema Transmutation ist auch dies von Interesse:

    http://iktp.tu-dresden.de/...TUD-Arnd_Junghans.pdf

    Erneuerbare Energien mit aller Gewalt, das bedeutet gewaltige Stauseen, mit dem dazugehörigen Problemen Landschaftsverbrauch, soziale Umwözung, Verlust an Kulturgütern, Umweltverschmutzung und Lebensgefahr für Millionen Anlieger.

    http://www.zeit.de/...na-staudamm-zwangsumsiedlung
    http://www.inwent.org/E+Z/zeitschr/ez601-5.htm

    Das bedeutet auch (und zwar heute schon) Monokulturen von Nutzpflanzen, mit den dazugehörigen Problemen Landschaftsverbrauch, Umweltverschmutzung und auch soziale Probleme wie Ausrottung indigener Bevölkerungen und Mangel an Nahrungsmitteln genau bei denen, die jetzt schon zuwenig haben.

    http://www.spiegel.de/...sch/0,1518,589829,00.html
    http://www.gfbv.de/report.php?id=28

    Das alles heute schon - obwohl wir noch weit von 100% EE entfernt sind und der Energiebedarf in Zukunft noch stark ansteigen wird, weil die jetzigen Entwicklungsländer zu den Industrienationen aufschließen.

    Wenn man unvoreingenommen an die Sache herangeht, kann die Konsequenz eigentlich nur lauten: EE - Nein Danke. Zu umweltverschmutzend, zu starke langfristige Konsequenzen, zu gefährlich. Lokal und unter Abwägung des Nutzens und der Schäden, warum nicht, als dezentraler Beitrag zum Energiemix.

    Aber allein auf so gefährliche Dinge wie EE zu setzen erscheint mir sehr unklug.

  4. hair Antworten | Permalink

    Atommüll

    Nukleare Abfälle mit Kernfusion zu beseitigen,erinnert mit fatal an das Wortspiel "den Teufel mit dem Beelzebub zu vertreiben". Unabhängig von der jeweiligen individuellen Einstellung zur Atomenergie möchte ich genauso wenig in der Nähe eines AKW wohnen wie neben einem "End- oder Zwischenlager".

  5. Jürgen Bolt Antworten | Permalink

    @hair: Negativliste für Wohnorte

    "...möchte ich genauso wenig in der Nähe eines AKW wohnen wie neben einem "End- oder Zwischenlager"." Falls es Ihnen sinnvoll scheint, in Ihre Negativliste für Wohnorte auch Gebiete mit erhöhtem Risiko für Naturkatastrophen aufzunehmen, finden Sie hier (z.B. auf Seite 41) nützliche Informationen:

    http://mars.geographie.uni-halle.de/...schland.pdf

  6. Michael Khan Antworten | Permalink

    So einige Paradoxa

    Nukleare Abfälle mit Kernfusion zu beseitigen,erinnert mit fatal an das Wortspiel "den Teufel mit dem Beelzebub zu vertreiben".

    Erstens ist Ihre Umschreibung dessen, worum es geht, doch wohl etwas sehr stark verkürzt.

    Zweitens ist "X erinnert an Y" ja nicht wirklich gegen oder (oder für) irgendetwas.

    Ferner und generell finde ich, dass man sich als mündiger, informierter Bürger mal mit einer Sachlage beschäftigen muss, bevor man urteilt. Ablehnen kann man es dann ja immer noch ... hinterher, nicht von vorneherein.

    Unabhängig von der jeweiligen individuellen Einstellung zur Atomenergie möchte ich genauso wenig in der Nähe eines AKW wohnen wie neben einem "End- oder Zwischenlager".

    Das glaube ich Ihnen gerne, denn es ist nichts Ungewöhnliches. Keiner möchte nahe an einem internationalen Großflughafen wohnen, auch nicht die, zu deren Lifestyle es gehört, mal eben zum Wochenende mit Schuh-Einkauf nach Mailand zu jetten. Niemand möchte an einer Autobahn oder einem Frachtbahnhof wohnen, aber wehe, die Amazon-Bestellung ist nicht am 24 Stunden da.

    Ich unterstelle wohlgemerkt niemandem, solche Einstellungen zu pflegen, sondern möchte lediglich darauf hinweisen, dass das Argument: "Ich möchte aber nicht neben ABC wohnen ..." nicht besonders aussagekräftig ist.

    Hierzulande haben wir die spezielle Situation, dass die Leute zwar billigen Strom wollen, aber weder neben einem Fissionskraftwerk (und wahrscheinlich zukünftig auch nicht neben einem Fusionskraftwerk) wohnen wollen - wobei "neben" ein beliebig dehnbarer Begriff ist, allemal in einem dicht bevölkerten Land -, auch nicht neben einem Kohle- oder Gaskraftwerk, aber auch nicht neben oder auch nur in Sichtweite einer Windkraftanlage, aber auch nicht in Nähe einer Stromtrasse, die nun einmal unabdingbar ist, wenn man ihn von da, wo seine Produktion keinen stört, dahin transportiert, wo man ihn braucht.

    Es ist hochgradig nichttrivial, eine Energiepolitik zu entwerfen, die allen diesen Wünschen Rechnung trägt.

  7. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    LIFE: Clean Energy from Nuclear Waste

    LIFE, das für Laser Inertial Fusion Engine steht, will mit einem hybriden Fusions-/Fissionskraftwerk radioaktiven Müll transmutieren. Hier der Link https://lasers.llnl.gov/about/missions/energy_for_the_future/life/

    Uebrigens: 100% Erneuerbare sind möglich. Mit allen benötigten Speichern steigt der Strompreis allerdings um den Faktor 3 bis 4. Dies kann sich Deutschland leisten, aber Deutschland gehört zu den reicheren Nationen. Warum beispielsweise hat Indien am Weltenerigiegipfel 2010 in Montreal, verkündet, in Zukunft verstärkt auf Kohle zu setzen: Weil nur Kohlekraftwerke billig im Betrieb sind und im Wochentakt gebaut werden können (China baut schon seit Jahren mindestens ein oder zwei Kohlekraftwerke pro Woche).

    LIFE-Reaktoren sollen, wenn einmal kommerziell verfügbar (frühestens ab 2030), Strom kostengünstiger produzieren als selbst Kohle. Um mit Kohlekraft zu konkurrenzieren bräuchte es aber zusätzlich noch industriell vorfabrizierte LIFE-Reaktoren, denn die Schwellenländer haben nicht die Zeit, Jahre auf das nächste Kraftwerk zu warten.

  8. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Martin Holzherr

    100% Erneuerbare sind möglich. Mit allen benötigten Speichern steigt der Strompreis allerdings um den Faktor 3 bis 4.

    Ich nehme aber mal an, bei dem Faktor 3-4 sind solche Sachen wie ein gelegentlicher Groß-Staudammbruch mit Überschwemmung der darunterliegenden Großstadt oder die Folgekosten der Brandrodung von Urwäldern zur Schaffung von Anbaufläche für die Nutzpflanzen zur Biomasseerzeugung noch gar nicht eingerechnet.

    Wenn man wirklich mit Gewalt auf 100% EE will, ist es nicht mehr plausibel, dass auf solche Details wie Sicherheit oder Umweltschutz noch Rücksicht genommen werden kann.

    Neulich sagte ein Freund etwas sehr Richtiges. Er meinte, die EE-Lobby wiederholt heute die Fehler der Nuklearlobby in den 50ern und 60ern.

    Damals wurde immer alles in den rosigsten Farben gemalt. Dein Freund, das Atom. Bald würde aller Strom mit Kernkraftwerken erzeugt. Das goldene Zeitalter bräche an. Umweltverschmutzung sei beendet. Strom würde so billig sein, dass man die Zähler nicht mehr bräuchte. Probleme? Welche Probleme?

    Solche Bilder waren noch nicht einmal auf die Werbebotschaften der Industrie beschränkt. Das war einfach Mainstream.

    Dass das alles nicht so hinhaute, wissen wir inzwischen, wir wundern uns nur noch über die grenzenlose Naivität von damals. Aber wie sich die Bilder doch gleichen. Die EE-Lobby ist es nun, die die rosigen Bilder malt.

    In ein paar Jahren kommt auch da die große Ernüchterung. Jede Wette, dass keiner der heutigen Propagandisten dann noch dafür geradestehen wird, was er uns heute weismachen will.

  9. Jan-Schungit Antworten | Permalink

    Atommühll

    Ich meine, bis es ein Endlager gibt, soll der Müll da bleiben wo er ist. Aber ein Endlager muss da aufgebaut werden wo sich eine Erdplatte unter eine andere schiebt. So kommt der Atommühl in das Innere der Erde und nicht zu uns nach Oben.Haben Sie Meinungen dazu, wo man den Atommühl lagern soll?

  10. Jens Antworten | Permalink

    Isotopentrennung

    Atomkraft war eine politische Entscheidung. Sie war und ist in der Summe aller Kosten, Risiken und politischer Fehlentscheidungen nicht wirtschaftlich.
    Was bleibt ist der Atommüll.Er enthält Restenergie in Form von Teilchenstrahlung. Diese könnte als Energiequelle genutzt werden.

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