Bürgerkonferenz: Was noch zu erledigen ist…

26. September 2010 von Lars Fischer in Technik

Der zweite Tag der Bürgerkonferenz beginnt mit der eher steilen These, dass Unternehmen die einzigen im Lande sind, die überhaupt in der Lage sind, Innovationen hervorzubringen. Uni-Wissenschaftler können also Montag guten Gewissens im Bett liegen bleiben. Die Idee stammt von Gerhard Prätorius von Volkswagen, der ansonsten (wenig überraschend) Verkehrspolitik bearbeitet und außerdem an der TU Braunschweig lehrt. Hm.

Auf jeden Fall geht es heute darum, was so alles passieren muss, damit die schönen Wunschzettel von gestern Wirklichkeit werden. Wir erinnern uns, die Klientel besteht zu einem großen Teil aus Energiespar-Fans, die jede sich bietende Gelegenheit ergreifen, ihre persönliche Klimabilanz zu verbessern. Ganz oben auf der Wunschliste steht deswegen mehr Wissen darüber, welche Geräte, Dienstleistungen oder Verrichtungen des Alltags besonders viel oder wenig Energie verbrauchen. Am besten geliefert von einer unabhängigen Stelle – trotz allem Klimaschutz- und Energiespar-Engagement traut man der Industrie nicht über den Weg. Woran das wohl liegen mag?

Ich hatte gestern ja schon angemerkt, dass die Leute hier nicht wirklich repräsentativ sind – der große Teil der grausamen Welt da draußen dürfte einigermaßen renitent sein, wenn es zum Beispiel darum geht, die Waschmaschine mit dem Nachbarn zu teilen[1]. Hier setzt man auf Mischungen aus Einsicht und Erziehung einerseits und staatlicher Intervention andererseits, wie das im Einzelfall ausbalanciert ist, schwankt teilweise sehr stark zwischen den einzelnen Diskussionsrunden. Bei allem wortreich bekräftigten Glauben an Erziehung und Bildung, den meisten scheint klar zu sein, dass wir um die eine Unannehmlichkeit nicht herumkommen werden, und dass nur wenige Menschen gerne verzichten.


Foto: Marc Scheloske

Ich verzichte mal darauf, die nötigen technischen Neuerungen in Geräten und Infrastruktur aufzuzählen, die hier zur Sprache gekommen sind. Fast alle Bereiche der Technik sind 80 Jahre lang auf alles mögliche optimiert worden, nur nicht auf Energieeffizienz, insofern gibt es kaum einen Bereich, in dem nicht noch ordentlich Luft nach oben ist – bei der Technik selbst wie bei den Nutzungsmustern. Bei dieser Bürgerkonferenz ist jedenfalls beides hinlänglich berücksichtigt[2]. Überraschend ist das alles natürlich nicht, was die Teilnehmer hier zusammengetragen haben – wie auch? Das Thema ist hinlänglich abgehandelt.

Irgendwer hat’s gestern schon gesagt – wir wissen längst, was zu tun ist, wir tun es nur nicht. Eine andere Welt mag möglich sein, von einfach hat aber keiner was gesagt. Ich bin gespannt, was nachher im Empfehlungspapier drinsteht.

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[1] Car- und Küchengerätesharing ist eine der Ideen, die hier überall auftauchen, und das zu Recht.

[2] Ein bisschen kurios finde ich allerdings, dass wir nichts von der Landwirtschaft hören.


5 Kommentare zu “Bürgerkonferenz: Was noch zu erledigen ist…”

  1. Sören Schewe Antworten | Permalink

    "Fast alle Bereiche der Technik sind 80 Jahre lang auf alles mögliche optimiert worden, nur nicht auf Energieeffizienz,..."

    Wie bitte? Das kannst Du so wohl kaum ernst meinen oder ich habs falsch verstanden. Bei uns sind zuletzt einige Geräte kaputtgegangen und die neuen sind um einiges effizienter als die alten.
    Letztes Jahr hat unsere Heizung den Geist aufgegeben. Trotz des kalten Winters haben wir gegenüber den vorigen Winter Energie gespart.
    Energie-Effizienz ist also durchaus ein Thema, das auch umgesetzt wird.

  2. Lars Fischer Antworten | Permalink

    Ja und?

    Das ist noch nicht sooo lange her, dass sich kein Schwein dafür interessiert hat, wieviel Strom so ein Kühlschrank verbraucht.

  3. Sören Schewe Antworten | Permalink

    Richtig, aber es ist eben doch schon ein Thema - auch ohne eine solche Konferenz - und muss nicht erst dort als solches für due Zukunft festgelegt werden.
    Das kam mir in Deinem Artikel nicht so richtig raus^^

  4. Lars Fischer Antworten | Permalink

    Was ich meine ist folgendes: Es gibt natürlich diese Forschungen in Richtung Energieeffizienz, und die bringen auch was.

    Aber das ganze System ist eben wesentlich älter als der Effizienzgedanke, und deswegen sind die Strukturen auch eher darauf optimiert, immer überall alles machen zu können. Systematisches Energiesparen erfordert wahrscheinlich andere Strukturen als die gewachsenen.

  5. Sören Schewe Antworten | Permalink

    gewachsene Strukturen

    Naja, du hattest gerade schon völlig richtig auf Twitter festgestellt, dass Energiesparen etwas sehr unpopuläres ist, was sich nie in irgendeiner Art als Trend durchsetzen wird.

    Ich denke, dass die gewachsenen Strukturen gar nicht so unbrauchbar sind. Nehmen wir mal Autos: einen Mercedes SLS braucht niemand. Sollte man ihn deshalb aus Energiespar-Gründen verbieten? Nö, denn die Leute, die ihn fahren, kann man an einer Hand abzählen. Und im Kleinwagen-Bereich - dem Massenbereich - tut sich auch einiges.
    Ebenso bei den Küchengeräten. Dort ist die Energie-Effizienz mittlerweile ein nicht zu unterschätzendes Verkaufsargument.

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