Dennis L Meadows, die Grenzen des Wachstums 2012 und die Systemfrage

28. November 2012 von Lars Fischer in Klima und Umwelt

In die Zukunft zu blicken, sagt Dennis L. Meadows, ist wie einen Code zu entschlüsseln. Deswegen spielte er heute zuerst einmal ein kleines Spiel mit seinem Publikum beim Symposium. Anhand einiger von ihm gemalter Symbole sollten wir entschlüsseln, welche der Zahlen von eins bis fünf er gerade im Sinn hatte. Natürlich hatte das Gekrakel nichts mit irgendeinem Code zu tun - er zeigte, wie sich schnell herausstellte - beim Zeichnen einfach mit der anderen Hand an, welche Zahl er meinte.

Danach wissen wir zwar immer noch nicht, was die Zukunft mit Codes zu tun hat, aber die Botschaft bringt er so auf jeden Fall rüber: Wenn man wissen will, wie die Zukunft wird, muss man über den Tellerrand hinausblicken. Und der Teller ist die nachhaltige Entwicklung. Meadows ist Koautor der Grenzen des Wachstums von 1972 und damit ziemlich zentral für diese Veranstaltung, er tritt in gleich drei Panels auf. Die VolkswagenStiftung[1] will auf dem Symposium eine Art Bilanz ziehen über die letzten 40 Jahre, seit die Studie erschien, wie wir heute dastehen und natürlich auch wie es in Zukunft weitergehen könnte. Die erste Veranstaltung mit Vorträgen von Harald Welzer und ihm war dann auch gleich ein schöner Rundumschlag, den ich euch nicht vorenthalten will.

alt(Ich berichte im Auftrag der Stiftung von der Konferenz, zum Hintergrund und Disclaimer geht es hier lang)

Man kann das erste Panel kurz so zusammenfassen: Es sieht ziemlich gruselig aus. Die Welt hat zwar die grundsätzliche Idee von Grenzen des Wachstums so leidlich akzeptiert, und es gibt haufenweise Konferenzen, Initiativen und Strategiepapiere gegen das Problem, aber es ändert sich halt nichts. Am besten kann man das bei der Klimapolitik sehen. Da wächst nicht nur der CO2-Ausstoß weiterhin, sondern inzwischen auch die COP-Klimakonferenz selbst, mit der Zeit exponentiell. Aber bei Rohstoffen, Wasser, Boden und so weiter läuft es ähnlich.

Im Zentrum des Problems ist laut unserer Panelisten die nachhaltige Entwicklung. Die basiert laut Meadows auf fünf Grundannahmen: Erstens behalten alle Reichen was sie haben, zweitens werden die Armen dabei genauso reich wie die Reichen. Drittens funktioniert das Ganze, ohne dass wir irgendwas am Wirtschaftssystem ändern müssen, viertens wird Technik den Energieverbrauch von der Wirtschaftsleistung abkoppeln und fünftens wird das ganze überhaupt erst ermöglicht durch ganz viel Wachstum, das uns ganz viele wichtige Ressourcen bringt, mit denen wir die Probleme lösen, die wir durch das Wachstum... äh...

alt

Dennis L. Meadows im Gespräch mit einem Nachwuchswissenschaftler.

Meadows überzeichnet das natürlich maßlos, aber er beschreibt die Verlockungen des Ansatzes für die Politik: Niemand muss wegen der unschönen Sache mit dem Weltuntergang irgendetwas ändern oder gar auf Dinge verzichten, schon gar nicht die, die schon gut versorgt sind - also wir. Im Grunde ist es ein globales Kartell des Wunschdenkens, das die globale Zukunftsplanung besetzt. Es gibt sehr wohl Nachhaltigkeitsinitiativen, die nicht so naiv daherkommen wie Meadows sie hier zeichnet, aber dass sie wenig ändern, ist anhand der Zahlen leicht ersichtlich: Das exponentielle Wachstum ist seit 1972 an allen Fronten weiter gegangen und wird es - siehe Kohlendioxid - weiterhin tun. Der einzige Lichtblick ist die Bevölkerung, aber auch die wächst jetzt nur langsamer exponentiell. Und beim gegenwärtigen Wirtschaftssystem ist sie schon jetzt viel zu groß. Insofern lässt sich die Schlussfolgerung kaum umgehen, dass das ganze gerade voll in die Hose geht, selbst wenn man nicht so ein bekennender Apokalyptiker ist wie ich. Oder halt Meadows. Er hat sogar eines meiner Lieblings-Weltuntergangs-Paper zitiert, den Blogpost findet ihr hier. Ihr könnt euch sicher denken, dass man mich nicht dafür zu bezahlen braucht, dass ich ihm Recht gebe.

Womit wir auch zum eigentlich spannenden Punkt kommen, nämlich was machen wir nun? Mal abgesehen von der klassischen Independence-Day-Antwort natürlich. Dabei geht es um die Widerstandskraft einer Gesellschaft gegenüber Veränderungen und Katastrophen, und für diesen zentralen Punkt hat besonders die industrialisierte Welt, laut Harald Welzer von FUTURZWEI in der gleichen Veranstaltung, kein Konzept: Im Notfall sind wir als Einzelne meist hilflos und verlassen uns auf Institutionen wie Feuerwehr oder generell den Staat, um mit den Folgen von Katastrophen und Veränderungen klarzukommen. In Zukunft kann der Staat das nicht mehr leisten (warum eigentlich nicht? Discuss!) und die einzelnen Bürger werden quasi aus Eigeninitiative den Veränderungsdruck auffangen müssen.

Für Meadows und Welzer ist die ganze heutige Diskussion um Ressourcen, Klima, Nahrungsmittel und so weiter pure Augenwischerei. Meadows geht allerdings davon aus, dass die nächsten 30 Jahre mehr Veränderungen bringen als die letzten 100, Technik hin oder her. Das Zeitfenster für eine sanfte Landung, sagt er, hat sich geschlossen, und jetzt müssen wir zusehen, dass wir die eher ruppige und unkontrollierte Korrektur des überschießenden Wachstums einigermaßen heil überstehen.

Das erfordert erhebliche soziale, nicht technische Veränderungen, und das in einer Zeit, die eigentlich alle ihre Probleme technisch lösen will. Deswegen fordert Welzer auch, die Debatte zu re-politisieren: Weg von technischen oder ökonomischen Lösungen hin zu der Frage, wie die Gesellschaft in Zukunft aussehen kann und wird. Zur Systemfrage, so gesehen.


10 Kommentare zu “Dennis L Meadows, die Grenzen des Wachstums 2012 und die Systemfrage”

  1. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Sich in die Hände Charons begeben?

    Meadows will uns also wie der Fährmann Charon über die Stelle hinwegführen, die Growth- von PostGrowth-Welt scheidet, denn wir sind schon zu weit ohne Absicherung und Voraussicht vorgedrungen, als dass wir eine von uns angelegte bequeme Brücke benutzen könnten.

    Vielleicht hat er ja recht. Vielleicht aber gibt es immer noch Optionen.

    Tendenziell sehe ich selbst in einer Kombination von Entschlussbereitschaft und Technik den Weg nach vorn. Um beispielsweise das Klimaproblem zu lösen muss man zuerst einmal dazu bereit sein, dann aber benötigt man auch Technik, denn das Budget-Modell der Klimatologen erlaubt uns nur noch 750 Gigatonnen an CO2 zu emittieren. Anschliessend müssen wir ohne Öl, Kohle und Erdgas auskommen. Ohne Ersatz und damit Technik, die diesen Ersatz liefert, geht es aber nicht.

    Das wäre also der Weg in Bezug auf das Klimaproblem. Doch es fehlt der Menschheit leider bereits an der Entschlussbereitschaft. Vor allem den Besitzern von Öl, Kohle und Gas, müssten sie doch viele Billionen Dollar im Boden lassen.

    Weil es uns aber an Entschiedenheit fehlt, gehen wir letztlich den bisherigen Weg weiter, bis wir dann vor dem Scheideweg stehen.

  2. Michael Blume Antworten | Permalink

    Hmmm...

    Ich weiß nicht - ich bin ja nun wirklich kein Laissez-Faire-Vertreter und erkenne z.B. die m.E. starken Belege für menschgemachten Klimawandel durchaus an. Aber zugleich sind eben ganz viele bisherige apokalyptische Szenarien - wie Waldsterben, Peak Oil, ungebremstes Bevölkerungswachstum etc. - bislang gerade nicht eingetreten und ich sehe auch kaum Bereitschaft, das erst einmal aufzuarbeiten.

    Und wenn Meadows wirklich verkündet, die Bevölkerung würde weiter - wenn auch langsamer - exponentiell wachsen, nimmt er nicht nur den überaus scharfen Geburtenrückgang weit unter die Bestandserhaltungsgrenze in immer mehr Gesellschaften nicht zur Kenntnis, sondern sogar den Club-of-Rome-Nachfolgebericht, der eine Umkehrung des Bevölkerungswachstums in eine -schrumpfung noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts erwartet:
    http://www.scilogs.de/...lkerung-schrumpft-ab-2042

    Über die evolutionspsychologische Faszination der Apokalyptik biete ich ja Mitte Dezember sogar ein Seminar an der Uni Jena und ein sciebook an - aber ich warne doch davor, sich dem allzusehr hinzugeben! Was natürlich nicht heißen soll, dass Du Dir & Meadows die Weltuntergangs-Laune versauern lassen solltest... ;-)

  3. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Es gibt Grenzen, aber wo?

    Jedes System mit begrenzten Ressourcen erlaubt auch nur für begrenzte Zeit Wachstum , selbst wenn die Ressourcen erneurbar sind.

    Insoweit drückt der Bericht "Grenzen des Wachstums" nur eine Trivialität aus, die allerdings bereits dannzumal gegen den Zeitgeist verstiess.

    In der Natur wird überschiessendes Wachstum - versinnbildlicht durch die bis an den Rand der Petrischale wachsende Keimkolonie - mit dem Tod bestraft. Zwar nicht mit dem Tod aller, aber halt mit dem Tode der Überzähligen.

    Beim Menschen ist diese Rechnung aber nicht mehr so simpel, denn er selbst kann die Grenzen durch Technologie herausschieben.

    Schon sehr kurz nach dem Erscheinen des Berichts "Limits to Growth" erschien mit Cesare Marchettis 10^12 - A Check on Earth Carrying Capacity for Man eine überzeugende Darstellung unter welchen Umständen sehr viel mehr Menschen bei hohem Wohlstand auf der Erde leben könnten. Er kam schon dazumal zum Resultat, dass die Menschen sich dazu in selbstversorgende Städte mit geschlossenen Stoffkreisläufen zurückziehen müssten.

    Kurz skizziert wäre diese 1000- Milliarden-Menschen-Welt durch folgende Technologien charaketerisiert
    - Vertikal verdichtete Stadträume komplett selbstversorgended mit Indoor-Landwirtschaft, Energieselbstversorgung mit Solar- und Nukleartechnologie
    - Nahrungsgewinnung hauptsächlich mit Mikroben und anderen Verfahren, die ohne Land auskommen
    - 100%-Wiederverwendung aller metallischen und anderen Baustoffe
    - 90% der Erdoberfläche bleibt vom Menschen unverändert

    Die dazu nötige Technologie ist zwar noch in weiter Ferne, verstösst jedoch gegen keine physikalischen Grenzen.

    Die meisten Menschen hier geben sich aber immer noch der Illusion hin, wir könnnten unser gewohntes Leben unbegrenzt weiterführen ohne dass wir schon bald an Grenzen stiessen. Das kann man definitiv nicht. Schliesst man aber Stoffkreisläufe innerhalb der vom Menschen organisierten Stadtwelt und nimmt nicht mehr die Natur als Rohstoffquelle und Abfallkübel in Anspruch, dann verschieben sich die absoluten Grenzen des Wachstums und der Tragfähigkeit der Erde deutlich nach oben.

  4. naturundwirtschaft Antworten | Permalink

    Die Grenzen des Wachstums mussten schon ein paar Mal seit 72 stark korrigiert werden. Wenn jemand so ungenaue Modelle in die Welt posaunt, die sich ex post nicht bestätigen und immer nur oberflächlich angepasst werden sich aber im Kern nicht verändern bzw. die Hypothese nicht abändert, rückt er bei mir immer weiter in Richtung Dogmatiker.

    Klar ist zwar, dass der Spareffekt (Ressourcen) nahezu ausgeschöpft ist, andererseits wird ein Großteil des Wirtschaftswachstum eben nicht mehr durch den Spareffekt erzielt, sondern durch neue Technologien. Heutige Smartphones sind deutlich Leistungsfähiger als Computer um 72 herum mit deutlich geringerem Ressourcenverbrauch. Die Technologie für bessere und mehr Nahrungsmittel bei geringerem Einsatz haben wir auch, nennt sich Genetik. Viele Rohstoffe können wir aus dem Weltall holen (http://www.spiegel.de/...n-ausbeuten-a-828952.html).
    Bei der Energiefrage hätte ich gerne einen Mix aus regenerativen Energien und Atomkraftwerken, bis wir (hoffentlich) irgendwann auf Kernfusionsenergie zurückgreifen können.

    Das alles ist möglich, ohne auf Wachstum zu verzichten.

  5. DH Antworten | Permalink

    Ökologisches Wachstum

    Ist Wachstum das entscheidende Problem?
    Man stelle sich theoretisch vor , wir hätten über 5 Jahre ein Minuswachstum von zusammen 20 % und dadurch auch einen 20 % geringeren Ressourcenverbrauch.

    Würde das genügen ?
    Nein , selbst eine ökonomisch derart desaströse Rezession würde nicht reichen , um ökologisch umzukehren.

    Das spricht eher dafür , daß es die Art des Wirtschaftens und Lebens ist , die uns in den Abgrund zieht , und wenn die immer weiter wächst , ist das folgerichtig ein Problem.

    Wir müssen ohnehin unsere gesamte Wirtschaft auf Nachhaltigkeit umstellen , wenn das mal so richtig angelaufen ist , ist das ein ökonomischer Wachstumsmotor , der sich gewaschen hat.

  6. Suse Antworten | Permalink

    Ich glaube, dass die Systeme, die Menschen bilden, also Familien, Nationen, Wirtschaftsräume etc alle viel simpler sind als der menschliche Organismus, insbesondere zeigen sie weder Auffassungsgabe oder Intelligenz.
    Daher kann sich die paradoxe Situation ergeben, das Beteiligte ein Problem erkennen und trotzdem nicht aufhören können, das Problem durch ihre Beteiligung weiter zu verschärfen.
    Das System, das durch die allgemeine Beteiligung entstanden ist (technologische Zivilisation, industrielle Wirtschaft, Kapitalismus, Konsumismus oder wie immer man es nennen mag) hat sich bereits alternativlos installiert, das heisst wenn wir aufhören würden, unter irrsinnigem Energieaufwand hergestellte Wegwerfartikel immer neu zu kaufen, verlören wir alle unsere Arbeitsplätze und könnten uns dann auch nicht mehr ernähren, denn ohne Arbeit keine Produktion, kein Steueraufkommen und kein Sozialstaat (siehe 1929 ff oder aktuell Griechenland).
    Aus der Geschichte wissen wir, das erst mal eine schwere Krise kommen muss, in der sich ein System selbst zerstört, damit die Beteiligten einen Lernfortschritt machen und aus den Trümmern etwas Besseres aufbauen ohne die alten Fehler, wie zum Beispiel ein friedliches Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.
    Daher denke ich, es wird alles noch viel schlimmer werden müssen, bevor wir kollektiv die Nachhaltigkeitslektion kapieren, solange wir aber noch Öl, Kohle und Gas zum Verbrennen haben, wird das nicht passieren, es schrumpft zwar die Mittelklasse mitsamt ihrem Lebensstandard, aber seit es das Internet gibt, gehen in den noch reichen Ländern nicht genügend Leute zum Protestieren auf die Strasse sondern tun das in Foren, sehr zur Freude des (mit Zustimmung immer mehr Ängstlicher wachsenden) Überwachungsstaates...

  7. KRichard Antworten | Permalink

    Prioritäten

    Während man sich bei uns noch daran aufgeilt, welche Fehler man der 1972 veröffentlichten Studie ´Grenzen des Wachstums´ nachweisen kann - schafft China neue, andere Fakten: China kauft und erschließt derzeit weltweit wichtige Rohstoffvorkommen und Ackerflächen oder sichert sich zumindest die Nutzungsrechte daran.
    So hat eben Jeder seine eigenen Prioritäten: rückwärtsgerichtet oder vorwärts-planend.

  8. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    LimitstoGrowth as civilisation diagnosis

    Limits to Growth kann als Zivilisationsbeschreibung aus den 1970er Jahren aufgefasst werden analog etwa zu Samuel Huntington's Clash of Civilizations.
    Als Zivilisationsbeschreibung macht uns Limits to Growth einen Aspekt unserer Gesellschaft bewusst und versorgt uns mit einem Modell, das uns diesen Aspekt verständlich und fassbar macht.
    Rückblickend gesehen hat Limits to Groth Pionierleistungen auf mehreren Gebieten vollbracht. So verwendete es als erste bekannte Weltbeschreibung Weltmodelle (world3). Diese Weltmodelle modellierten die ganze Welt nach den Parametern und Kräften, die die damalige US-Industriegesellschaft formten. Damit nahmen diese Weltmodelle - ohne das dem irgendjemand widersprach (auch nicht diejenigen, die mit den "Prognosen" nicht einverstanden waren) - bereits die erst später ins Bewusstsein rückende Globalisierung vorweg, also die Tatsache, dass die ganze Welt nun nach Muster der westlichen Industriegesellschaft tickte.

    Eine weitere Pionierleistung von Limits to Growth war die Bewusstmachung des Phänomens exponentielles Wachstum, also eines jährlichen Wachstums in Prozenten des Standes, der im Vorjahr erreicht wurde. Limits to Growth betonte vor allem die fehlende Nachhaltigkeit von exponentiellem Wachstum und die Zwangsläufigkeit eines Systemkollaps bei ungebrochener Fortsetzung.
    Es gäbe aber auch eine andere Sichtweise, die interessanterweise im Buch fehlt, nämlich das exponentielle Wachstum als Phase aufzufassen in einem Prozess, der insgesamt einer S-Kurve entspricht, also einem sigmoidalen Wachstum wie es gut zum beobachteten Populationswachstums Europas, Japans oder Russlands passen würde.
    Heutzutage spielt exponentielles Wachstum weiterhin eine entscheidende Rolle, allerdings mehr in bestimmten Technikbereichen als in der Gesellschaft und Technik insgesamt. Im Bereich Elektronik/Digitalisierung verbindet sich die exponentielle Zunahme der Leistungsfähigkeit mit dem Begriff des Mooreschens Gesetzes, welches ursprünglich eine Verdoppelung der Integrationsdichte alle 2 Jahre voraussagte und heute - nach 15 Generationen und damit einer Verzehntausendfachung der ursprünglichen Performanz - immer noch gilt.
    Transhumanisten vom Schlage eines Ray Kurzweil sehen das Mooresche Gesetz und damit exponentielles Wachstum allerdings nicht nur in der Elektronik, sondern in vielen, wenn nicht fast allen technischen Bereichen am Werk, beispielsweise in den Erfolgen der Genetik, der Nanotechnologie oder der Artificial Intelligence. Sie sprechen vom Law of Accelerating Returns und sehen nicht etwa den Kollaps als baldige Konsequenz sondern die Singularität, einen Punkt in naher Zukunft wo Technologie eine völlig andere Welt schafft in der nicht mehr gestorben und gehungert wird, sondern in der eine neue von uns geschaffene Super-Intelligenz den weiteren Verlauf bestimmt.
    Limits to Growth selber sah exponentielles Wachstum negativ, nämlich als exponentielle Zunahme der Verschmutzung, exponentielle Zunahme der Bevölkerung und exponentiell schnelle Erschöpfung von endlichen Ressourcen, womit der Zeitpunkt absehbar war, an dem der letzte Tropfen Öl oder der letzte Klumpen Gold ans Tageslicht geholt würde. Daraus entstand die heutige Peak-Oil Bewegung, welche den Niedergang der Gesellschaft infolge Erschöpfung von Erdöl, Erdgas und Kohle voraussah, denn diese fossilen Rohstoffe gelten in der Peak-Oil Bewegung nicht nur als schon bald erschöpft sondern in der vorwiegend aus US-Amerikanern zusammengesetzten Bewegung auch als unsersetzlich (My drum of oil is my home)

    Anmerkung zu Phänomenen, die mit Limits to Growth im Zusammenhang stehen
    Globalisierung (Zitat Wikipedia): Den Begriff „Globalisierung“ machte der US-amerikanische Trendforscher John Naisbitt populär. In seinem Buch Megatrends (1982) beschrieb er am Beispiel der Autoindustrie die Funktionsweise der Globalisierung. Naisbitt gilt als Erfinder des Begriff

    Moore'sches Gesetz (Zitat Wikipedia): Das mooresche Gesetz (englisch Moore's law; deutsch „Gesetz“ im Sinne von „Gesetzmäßigkeit“) sagt aus, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise mit minimalen Komponentenkosten regelmäßig verdoppelt; je nach Quelle werden 12 bis 24 Monate als Zeitraum genannt.

    Peak Oil (Zitat Wikipedia): Peak oil is the point in time when the maximum rate of petroleum extraction is reached, after which the rate of production is expected to enter terminal decline

  9. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Wachstum bleibt die grosse Hoffnung:

    Dass Wachstum von allein zurückgehen könnte haben die Autoren von Limits to Growth gar nicht in Erwähnung gezogen - und sie haben bis heute weitgehend recht bekommen.
    Wachstum ist auch heute für viele die grosse Hoffnung. Gerade jetzt wollen und brauchen die westlichen Länder Wachstum um ihre Schulden abzutragen. Immerhin kann man sich in den industrialisierten Ländern noch eine steady state economy vorstellen.
    Ganz anders in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Wachstum soll dort aus der Armut herausführen und eine ganz neue Gesellschaft schaffen. Eine Hoffnung, der der Rio+20-Gipfel am deutlichsten Ausdruck gab. Er hatte nicht mehr wie Rio 1992 die Ökologie, sondern die extreme Armut als Thema und als Lösung dieses Problems wurde "sustained, inclusive and equitable economic growth" gesehen.
    Mit Wachstum ist also auf allen Entwicklungsstufen sehr viel Hoffnung verbunden. Das wird wohl auch in den nächsten 20 Jahren so bleiben.

    Wenn Wachstum eben nicht nur Probleme löst, sondern auch Probleme schafft - über die Verschmutzung, den Ressourcenverbrauch, die Zerstörung der natürlichen Umwelt - muss man sich die Frage stellen, was die Alternative ist.

    Richtig ist, dass Wachstum in vielen Bereichen aufhören muss und auch wird. Richtig ist aber auch der Kommentar von DH mit der Überschrift " DH Ökologisches Wachstum" (29.11.2012, 20:07), indem er schreibt:
    "Man stelle sich theoretisch vor , wir hätten über 5 Jahre ein Minuswachstum von zusammen 20 % und dadurch auch einen 20 % geringeren Ressourcenverbrauch. Würde das genügen ?
    Nein , selbst eine ökonomisch derart desaströse Rezession würde nicht reichen , um ökologisch umzukehren."

    Was braucht es dann um ökologisch umzukehren? Die Antwort ist einfach und wurde schon lange gegeben. Wir müssen eine eigene Güter- und Menschenweltökologie aufbauen, die nicht mehr parasitär von den natürlichen Ökosystemen abhängt. Analog zu den Verhältnissen in den natürlichen ökologischen Systemen müssen wir also Stoffkreisläufe schliessen und das innerhalb der vom Menschen bewohnten Welt. Das scheint mir zwingend, wenn man die jetzt 7 Milliarden Menschen sicher in die Zukunft bringen will. 1650, vor Beginn der Industrialisierung gab es 500 Millionen Menschen, jetzt sind es 14 Mal so viel. Technologie hat diesen Menschen- und Wirtschaftsboom zusammen mit den leicht zugänglichen fossilen Rohstoffen ermöglcht. Technologie braucht es auch um diese nicht-nachhaltige Primitivform der Industrialisierung mit der wir leben durch eine nachhaltige Form abzulösen.

  10. Martin Schmidt Antworten | Permalink

    Peak Everything?

    Seit ich

    http://judithcurry.com/2013/01/05/peak-farmland/

    gelesen hab, sehe ich die Menschenwachstumsfrage etwas gelassener.

    Und wenn man sich dazu die Vorträge von Hans Gosling anschaut, stellt man fest: in den letzten 40 Jahren ging es doch krass aufwärts mit dem Wohlbefinden der Menschen. Komisch.

    Menschen sind doch ein ziemlich robuster Haufen. Kommen einfach auf so verrückte Ideen wie Internet, Beton, Dünger und Medikamente. Immer, wenn man sie triezt (oder sie sich selbst), denken sie sich etwas Neues aus und wollen einfach nicht sterben.

    Und das mit dem CO2 wird sich auch noch richten. Das Klima zu Beginn des Industriezeitalters war nicht erstrebenswert. Etwas wärmer als damals ist ganz gut, da blüht die Menschheit auf.

    Das Scheitern anderer Menschen vorherzusagen, dafür habe ich nicht mehr viel Respekt. Es ist einfach, negativ und man liegt oft falsch.

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