Syrien, Paris und die Flüchtlinge

30. November 2015 von Lars Fischer in Klima und Umwelt, Politik

Über Syrien hat sich während des arabischen Frühlings keiner Sorgen gemacht. Das Land sei so stabil, waren sich 2010 nahezu alle Experten sicher, dass Syrien einigermaßen immun gegenüber den Umwälzungen anderswo sei: Prasident Assad sitze sicher im Sattel. Das hat sich als bemerkenswerter Irrtum erwiesen. Nun sind Nahost-Experten nicht völlig ahnungslos, und Syrien war wegen seines autoritären Regimes tatsächtlich lange eines der stabilsten Länder der Region.

Die Lage kippte wahrscheinlich durch eine schwere Dürre von 2006 bis etwa 2010. Hunderttausende ruinierte Landwirte wanderten in die Städte ab und verschärften die sozialen und ethnischen Spannungen, die das Regime bisher unterdrückt hatte. Und so weiter. Bis zur Flüchtlingskrise 2015.

Welchen genauen Anteil der Klimawandel nun konkret an dieser einen Dürre hatte, ist letztendlich ziemlich unerheblich. Jedenfalls verwandelte sich in dieser Zeit der größte Teil des Ackerlandes Syriens in Wüste. Das Regime bekämpfte den Notstand nicht, sondern nutzte die Lage, um die eigenen Leute mit Wasserrechten besser zu stellen. Keine besonders gute Idee.

Es gibt viele Länder wie Syrien

Wie ich neulich schon schrieb: Erst menschliche Dummheit macht ein Naturereignis zur Katastrophe. Unglücklicherweise ist Dummheit recht weit verbreitet, und extreme Wetterereignisse werden mit dem Klimawandel häufiger auftreten. Machen wir uns nichts vor: Es gibt viele Länder wie Syrien.

Fast forward nach Paris 2015. COP21, Klimawandel eindämmen, Zwei-Grad-Ziel und so. Vor allem aber müssen wir uns jetzt - nicht zuletzt angesichts der Situation an Europas Grenzen - dringend fragen, ob Syrien ein allgemeiner Vorgeschmack auf die Zukunft im Klimawandel ist. Dass die globale Erwärmung auch Konflikte und Migration befördert, geistert schon eine Weile als Hypothese durch Medien und Fachliteratur. Bisher allerdings eher als Argumentationshilfe für besseren Klimaschutz statt als zentrale, zu bewältigende Zukunftsaufgabe.

Friedliche Demonstration in Damaskus. Bild: Syriana2011, CC BY-SA 2.0

Friedliche Demonstration in Damaskus. Bild: Syriana2011, CC BY-SA 2.0

Aber gibt es so eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Klima und Konflikt überhaupt? Diese Frage ist offen. Ein Zusammenhang ist durchaus intuitiv plausibel zwischen Niederschlägen und sozialen Unruhen wie eben in Syrien. Man braucht sich nur anzugucken, was mit Indien los ist, wenn der Monsun ausbleibt. Das Problem dabei ist, dass solche Korrelationen global statistisch ausgesprochen schwer nachzuweisen sind. Schließlich ist das Wetter nur einer von Dutzenden Faktoren, die über Krieg und Frieden bestimmen.

Ein gutes Beispiel dafür, wie umstritten das Thema ist, liefert diese (frei einsehbare) Untersuchung von 2009, in der ein Wissenschaftlerteam Klima und Konflikte im subsaharischen Afrika zwischen 1981 und 2002 erfasst. Dabei findet die Gruppe um Marshall Burke nicht nur einen Zusammenhang, sondern berechnet anhand von Klimamodellen auch, dass die Zahl Konflikte mit mehr als 1000 Toten bis zum Jahr 2030 um etwa die Hälfte steigt.

Klimakrieg oder kein Klimakrieg?

Das blieb natürlich nicht unwidersprochen, denn mit anderen Modellen und Annahmen kommt man natürlich auch zu anderen Schlussfolgerungen - der Widerspruch kommt von einem Konfliktforscher, der die Jahre von 1960 bis 2005 auf Konflikte mit mehr als 25 Toten untersucht. Halvard Buhaug kommt zu dem Ergebnis, dass die Trends von Klima und Konflikten in der Region gegenläufig sind - es mit zunehmender Erwärmung also weniger Krieg in Afrika gab.

Buhaug wiederum bekommt dafür ausführlich von Hsiang und Meng auf den Deckel, die ihm - zu Recht - vorwerfen, Äpfel und Birnen zu vergleichen. Anschließend rechnen sie vor, dass seine Daten im Wesentlichen das Ergebnis von Burke bestätigen, wenn man die Statistik... Hsiang publiziert übrigens oft mit Burke zusammen über das Thema.

Ich kürze das mal ab: Wenn man sich die etwas gesetzter formulierten Studien so anguckt, klingt es oft so wie in diesem Paper: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Wärme, Trockenheit und Konflikten, aber er hat nur wenig Vorhersagekraft für individuelle Länder und Situationen. Wenn der nächste Sommer im Iran oder sonstwo trocken ist, sagt das noch gar nichts. So einfach ist es nicht: Das Wetter ist ein Faktor, aber einer unter vielen.

Gedanken sollten wir uns über Klima, Konflikt und Migration trotzdem machen, denn die latent instabile Länder gibt es rund um Europa genug. Aktuelles Beispiel: Mali ist derzeit ein Beispiel für einen köchelnden sozialen und ökonomischen Konflikt zwischen Bauern und Tierhaltern, der durch eine größere Dürre in der Sahelzone an Wucht gewänne. Man kann einige andere nennen, wie Ägypten. Das Land hängt am Nil und der wiederum an den Niederschlägen weiter südlich.

Die Flüchtlingskrise geht weiter

Gleich um die Ecke liegt dann Somalia, und auch dort gibt es Indizien für einen Zusammenhang zwischen Dürre und Konflikt. Das Konfliktpotenzial in Levante und Nahem Osten... hatten wir schon. Klimamodelle sagen konsistent für den gesamten Mittelmeerraum inklusive Nordafrika weniger Niederschläge voraus. Man muss kein eingefleischter Klimadeterminist sein, um da ein bisschen nervös zu werden. Es gibt, wie in dieser ausführlichen Diskussion beschrieben, einfach zu viele Möglichkeiten, wie Klimawandel Gesellschaften zerlegen kann.

Einige latent neomalthusianisch angehauchte Szenarien zur Migration sind ziemlich drastisch. Hier zum Beispiel geht es gleich mal um hunderte Millionen Flüchtlinge vor Europas Toren, weil der Nil angeblich austrocknet - das Klimathema soll da wohl rechtzeitig zum Gipfel mit Sicherheits- und Terrorismusfragen druckbetankt werden.

Auch wenn man über solche Geschichten eher schmunzelt - dass das sich wandelnde Klima zusammen mit anderen Faktoren dauerhaft regionale Konflikte und damit Migration in Richtung Europa antreibt, darauf sollte man zumindest vorbereitet sein. Das Zwei Grad-Ziel können wir womöglich erreichen, doch die Folgen dieser zwei Grad Erwärmung sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Am stärksten betroffen sind zwangsläufig jene Länder, die zu arm, zu zersplittert oder zu schlecht regiert sind, um diese Effekte abzufangen. Einige von ihnen habe ich schon genannt. Von der akademischen Diskussion über Statistik, Klimadeterminismus und dergleichen einmal abgesehen: Ich habe da ein eher schlechtes Gefühl, was die Widerstandskraft vieler Staaten gegen ein verändertes Klima angeht - und auch unsere Fähigkeiten, ihnen dabei zu helfen. Die Leute werden bei uns anklopfen. Die Flüchtlingskrise geht wohl weiter.


41 Kommentare zu “Syrien, Paris und die Flüchtlinge”

  1. KRichard Antworten | Permalink

    Es ist bezeichnend, dass immer wieder Begiffe wie globale Erwärmung, Klimakatastrophe/-wandel diskutiert werden - die Hauptursache dafür aber weitgehend ignoriert wird.
    Wenn ökologische Systeme dadurch zerstört werden, weil sie übernützt werden - dann muss man als Ursache vor allem die Bevölkerungszahl diskutieren. Statt über Grenzwerte für CO2-Ausstoß zu befinden, müsste man deutliche Maßnahmen und Ziele für Geburtenkontrolle diskutieren und festlegen.

    • Ute Gerhardt Antworten | Permalink

      Ich finde, das ist eine großartige Idee! NRW zum Beispiel ist ohnehin viel zu dicht bevölkert. Wenn wir hier um ein Drittel ausdünnen, reicht der gewonnene Platz glatt schon für ca. 5 Mio. Flüchtlinge! Die Infrastruktur zur flächendeckenden Verteilung von Pille, Kondomen & Co haben wir ja bereits, die Handhabung muss man auch nur noch wenigen erklären, ist also gar kein Problem.

    • Paul Stefan Antworten | Permalink

      Sie meinen, WIR sollten über Geburtenkontrolle z.B. in Syrien oder Ägypten diskutieren? Was bringt das?
      Die Länder mit großem Bevölkerungswachstum in Afrika oder im Nahen Osten gehören nicht zu den Großemittenten von CO2, auch der Pro-Kopf-Ausstoß in China liegt deutlich unter dem europäischen oder US-amerikanischen.
      Überbevölkerung und globale Erwärmung: es handelt sich durchaus um zwei verschiedene Probleme.

      • Mona Antworten | Permalink

        @Paul Stefan: "Überbevölkerung und globale Erwärmung: es handelt sich durchaus um zwei verschiedene Probleme."

        Wie will man das eine vom anderen trennen? Eine Erhöhung der Bevölkerungszahl geht auch immer mit einem erhöhten Verbrauch von Ressourcen einher. Und die Rolle Chinas würde ich nicht kleinreden, die hat durchaus noch Potential:
        http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/china-stoesst-weitaus-mehr-co2-aus-als-bekannt-a-1061018.html

        Im Falle Syriens treffen allerdings mehrere Stressfaktoren aufeinander:
        http://www.spektrum.de/news/wie-der-syrische-buergerkrieg-mit-dem-klimawandel-zusammenhaengt/1335050

        • Paul Stefan Antworten | Permalink

          "Eine Erhöhung der Bevölkerungszahl geht auch immer mit einem erhöhten Verbrauch von Ressourcen einher."

          Für viele Ressourcen stimmt das, aber nicht so sehr für CO2.
          Wenn wir in den hochentwickelten Ländern unseren CO2-Verbrauch auf syrisches oder afrikanisches Niveau reduzieren könnten und würden, dann, ja dann wäre die Erreichung des 2-Grad-Ziels wohl kaum ein Problem.

          • Axel | Permalink

            Die Menschen in den tiefentwickelten Ländern wollen und werden über kurz oder lang alle so leben wie wir heute. Jeder einzelne will sein eigenes Auto und rund um die Uhr Strom und Heizung oder Kühlung, je nach Region. Und mit Sicherheit werden die nicht mit Velomobilen und Photovoltaik beginnen, sondern darauf bestehen, die selben Fehler machen zu dürfen wie wir in den hochentwickelten Ländern.

          • Mona | Permalink

            @Paul Stefan: "Wenn wir in den hochentwickelten Ländern unseren CO2-Verbrauch auf syrisches oder afrikanisches Niveau reduzieren könnten und würden, dann, ja dann wäre die Erreichung des 2-Grad-Ziels wohl kaum ein Problem."

            Allerdings möchten sich auch diese Länder auf unser Niveau "entwickeln" und am Beispiel Chinas sieht man, dass das nicht ohne Konsequenzen für den CO2-Ausstoß bleibt. Im Umkehrschluss müssten wir unsere moderne Lebensweise aufgeben und uns dem syrischen oder afrikanischen Niveau angleichen. Was in der Praxis kaum möglich sein dürfte, da in unseren Breitengraden ein großer Teil der Energie zum Heizen draufgeht, da sind wärmere Länder von Haus aus im Vorteil.

      • Ute Gerhardt Antworten | Permalink

        Es handelt sich zwar um verschiedene, nicht aber um voneinander unabhängige Probleme. Aber die Herrenländermentalität haut mich aus den Socken. Nach Jahrzehnten, in denen wir großen Industrienationen unseren Reichtum auf der weltweiten Ausbeutung und Verschmutzung der Natur gründeten und irreparablen Schaden an Tierwelt, Landschaft, Fauna und Klima angerichtet haben, wollen einige von uns nun Geburtenkontrolle, Verzicht und Einschränkung von ausgerechnet den Völkern verlangen, auf deren Rücken all das geschehen ist? Das darf doch nicht wahr sein...

  2. Mona Antworten | Permalink

    Man sollte in diesem Zusammenhang vielleicht erwähnen, dass die Bevölkerung Syriens zwischen 1950 und 2010 von vier Millionen auf über 20 Millionen anwuchs, was den Druck auf die natürlichen Ressourcen in einem sowieso schon dürregeplagten Land entsprechend erhöhte. So sank der Grundwasserspiegel in der Region von Damaskus zeitweise um bis zu sechs Meter.
    Siehe dazu auch: http://www.nzz.ch/duerreopfer-als-speerspitze-der-revolte-1.18278792

  3. KRichard Antworten | Permalink

    @all: Ich habe schon erwartet, dass sich einige von Euch gleich furchtbar empören - nur weil ich auf ein wichtiges Problem hinweise.
    (@Axel: Du hast vollkommen recht)

    Zu Paris: Ich erwarte sowieso nicht, dass in Paris etwas sinnvolles herauskommt: Es werden vermutlich Ziele beschlossen werden - aber weil der Energiebedarf wegen der zunehmenden Bevölkerungszahl (welch eine Überraschung) steigt, wird sich dann sowieso niemand daran halten.
    Übrigens: die fossilen Wasservorkommen Lybiens reichen vermutlich nur noch 10 - 15 Jahre. Dann werden sich auch von dort Flüchtlinge auf den Weg machen.

    • Paul Stefan Antworten | Permalink

      Der Hinweis auf das Bevölkerungswachstum hat einen Bart wie Methusalem. Immer dieselbe Leier. Warum predigen Sie es nicht in Ägypten, Libyen, Jemen oder sonstwo? In Europa schrumpft die Bevölkerung, in China auch.
      Das CO2-Problem kann man nicht über eine Geburtenkontrolle lösen, weil das viel zu lange dauern würde.
      Selbstverständlich müssten und sollten die Länder mit einer zu hohen Geburtenrate etwas tun, ich verteidige das ja nicht. Aber statt Allgemeinplätze würde ich gerne einmal etwas Konkretes und Realisierbares hören. Diese Länder sind in der Regel stockkonservativ-patriarchalisch und die betroffenen Regierungen denken nicht daran, Restriktionen einzuführen. Dass diese aus menschenrechtlicher Sicht auch problematisch sind, ist noch ein anderes Thema.
      Wie viele Menschen mit unserem Lebensstandard kann das Ökosystem Erde nachhaltig tragen? Eine Milliarde oder zwei? Auf diesen Stand wird man mit Geburtenkontrolle nicht in dem Zeitrahmen kommen, den wir zur Verfügung haben, um einen Kollaps abzuwenden.

      • Gerhard Antworten | Permalink

        Realisierbar: nicht die Überbevölkerung auch noch unterstützen indem man den Überschuss importiert und nach westlichen Standards versorgt. Denn damit hat man die Nachteile der Bevölkerungsexplosion nicht behoben sondern statt dessen die Nachteile des intensiven Lebensstils verbreitert.

  4. DH Antworten | Permalink

    Ich würde bezweifeln , daß es eine Art Dauerkrieg um Ressourcen geben wird , wie er heute vielfach umhergeistert . Kriege wurden meist dann geführt , wenn Ressourcen dafür übrig waren , ein Dauerkrieg um selbige ist unwahrscheinlich , weil das Problem irgendwnn gelöst werden muß , und das international.
    Wie lange sollen solche Auseinandersetzungen dauern? Bis der Klimawandel rückgängig gemacht ist?
    Vielleicht ist das zu optimistisch , aber diese globale Herausforderung könnte auch dazu führen , daß der Mensch ethisch über das Bisherige hinauswächst , einfach weil er es muß.

    @Paul Stefan

    Zustimmung , es gibt keinen Zusammenhang zwischen Geburten und ökologischer Zerstörung , dafür ist Europa der beste Beweis.
    In Europa gingen die Geburten bekanntlich schon Jahrzehnte vor den ersten Auswirkungen der ökologischen Krise zurück , also muß es dafür andere Gründe geben. Eine Geburtenkontrolle ist wenig sinnvoll , mal abgesehen vom ethischen Aspekt , ökologisch bringt sie nichts , sonst wäre Europa ökologisches Vorbild.
    Der einzig sinnvolle Weg ist die Umgestaltung der Lebensweise .

  5. Dr.van Brügge Antworten | Permalink

    Die Vereinten Nationen befürworteten im Jahr 2000 die "Ablösung" der Bevölkerung Europas durch muslimische Migranten.

    Dieser Sichtweise scheint eine wirtschaftliche Voraussetzung zugrundezuliegen: dass die muslimische Welt en masse nach Europa zu importieren von wechselseitigem Nutzen ist. Die Masseneinwanderung von Muslimen nach Europa ist inzwischen seit Jahrzehnten als "Bereicherung" bezeichnet worden. "Islamophobie" zu brüllen widerlegt nicht, dass es praktisch unmöglich ist auch nur ein einziges Land zu nennen, das tatsächlich davon bereichert wurde.

    Selbst in einem Land mit einer etablierten islamischen Bevölkerung wie Großbritannien stagniert die muslimische Arbeitslosigkeit um 50% bei Männern und 75% bei Frauen.

    Diejenigen, die eine wirtschaftliche Begründung zur Umsetzung der demografischen Umwandlung Europas verwenden, versagen dabei die Komplexitäten des Islam zu erkennen: Sie ignorieren das fundamentalistische Wiedererwachen, das seit mehr als einem Jahrzehnt im Gang ist. Ein Merkmal für die wachsende Begrüßung der buchstäblichen Auslegung ist eine - von den heiligen Schriften für gültig erklärte - Überzeugung, dass Muslime berechtigt sind ohne eigenes Tun von der Produktivität der Ungläubigen zu profitieren.

    Die Vorstellung, dass die religiösen Lehren des Islams sich allein durch die Unterbringung in Europa irgendwie mäßigen und auflösen werden, ist Wunschdenken, besonders in Gemeinden, in denen muslimische Migranten bereits einheimische Europäer zahlenmäßig übertreffen.

    Das Wegsehen bei Polygamie in Großbritannien - und in Frankreich, Belgien und Deutschland - sichergestellt, dass einige muslimische Männer mehr als 20 Kinder von mehreren Frauen haben, fast immer zulasten staatlicher Ausgaben. Das sind in der Tat betrübliche Nachrichten für die Integration: Familien mit fundamentalistischen Ansichten werden ihre moderateren Religionsgeschwister durch die Zahl der gezeugten Kinder überflügeln.

  6. Xian Antworten | Permalink

    Das es angeblich keinen Zusammenhang zwischen Anzahl Geburten und Umweltbelastung gäbe, stimmt nur, wenn man davon ausgeht, dass auch in Zukunft viele Menschen auf einem niedrigen wirtschaftlichen Niveau verharren. Wenn man also schon vollmundig bei Geburtenkontrolle das Thema Ethik anspricht, sollte man so fair sein, dies dann auch anzusprechen.
    Klar produzieren aktuell z.B. ca. 6 Inder oder 2,5 Chinesen soviel CO2 wie 1 Deutscher. Nur wird das nicht so bleiben, was man aus indischer oder chinesischer Sicht ja absolut verstehen kann.

    • Paul Stefan Antworten | Permalink

      "Klar produzieren aktuell z.B. ca. 6 Inder oder 2,5 Chinesen soviel CO2 wie 1 Deutscher. Nur wird das nicht so bleiben, was man aus indischer oder chinesischer Sicht ja absolut verstehen kann."

      Wer bestreitet das?
      Was das CO2 betrifft: es macht keinen Sinn eine Geburtenkontrolle von anderen Ländern zu verlangen, wenn unser Verbrauch so hoch bleibt. China überaltert aufgrund einer 1-Kind-Politik gerade massiv. Indien beginnt erst mit der Industrialisierung.
      Nochmals: Um das 2-Grad-Ziel zu erreichen, muss man schneller reagieren, als man es mit Bevölkerungspolitik tun kann, ganz abgesehen von ethischen Fragen oder Fragen der Durchsetzbarkeit..
      Ansonsten befürworte ich keineswegs ein massives Bevölkerungswachstum. Darum hätten sich die Staaten schon längst kümmern müssen, durch Aufklärung über Verhütung und Emanzipation. Allerdings kenne ich auch nicht alle Mechanismen, die dahinter stehen. Kinder dienen in armen Ländern ja auch als Sozialversicherung für die Alten, irgendjemand muss sich ja um sie kümmern. Wohlstand wirkt in der Regel so, dass die Reproduktionsrate sinkt.

      • Xian Antworten | Permalink

        Niemand sagte, dies werde von irgendjemandem bestritten und ich habe auch keine Geburtenkontrolle von irgendjemandem verlangt.
        Anzahl Bevölkerung ist ein Faktor des Produktes welches zu mehr ökologischer Belastung führt. Nicht der einzige, aber eben doch einer.
        Nur als Beispiel: Indien hat seinen pro Kopf-CO2 Ausstoß in den letzten 25 Jahren de facto verdoppelt, China nahezu verdreifacht und sie sind noch weit von "uns" entfernt. Und selbst die schon recht hoch entwickelten Industrienationen haben in dieser Zeit ihren CO2-Ausstoß gesteigert.
        Kein Land wird sich die Geschwindigkeit seiner wirtschaftlichen Entwicklung vorschreiben lassen. Wirtschaftlichers Wachstum wird in weiten Teilen der Erde mindestens die nächsten Jahrzehnte noch mit einer stark wachsenden CO2 Produktion einhergehen. Von stark wachsendem Methan-Anteil durch mit steigendem Wohlstand stark ansteigender Nachfrage nach (Rind)Fleisch haben wir noch nicht einmal gesprochen.
        Womit wollen sie also schneller reagieren?

  7. Mona Antworten | Permalink

    Der Klimawandel ist bereits voll im Gange und kann nicht von heute auf morgen durch eine wie auch immer geartete Reduzierung des CO2-Ausstoßes zum Stillstand gebracht werden. Der Hinweis auf das Bevölkerungswachstum spielt deshalb besonders in den am meisten vom Klimawandel betroffenen Ländern eine große Rolle, weil dort oft die notwendigen Ressourcen fehlen, um sich an die wandelnden Umweltbedingungen anzupassen. In einem Artikel des christlich geprägten Vereins "Medizinische Missionshilfe" heißt es: "Durch das starke Bevölkerungswachstum in vielen Entwicklungsländern erhöht sich zum einen die Zahl der Menschen, die den negativen Umweltfolgen ausgesetzt sind. Zum anderen wächst mit einer wachsenden Bevölkerung auch der Druck auf knappe Naturressourcen wie Wasser, Wald oder Ackerflächen, die vielfach durch den Klimawandel zusätzlich gefährdet sind."

    http://www.mmh-mms.com/news/bevoelkerungsentwicklung/bevoelkerungswachstum-und-klimawandel/index.php

  8. Paul Stefan Antworten | Permalink

    Beim jetzigen Emissionspfad sind begeben wir uns auf den Weg, der in den Totalschaden führen kann. Klaus Ragaller hat unter dem Titel "Die extremen Risiken müssen unser Handeln bestimmen" darüber etwas geschrieben.

    "Wagner und Weitzmann schätzten ab, wie gross die Wahrscheinlichkeit einer noch wärmeren Welt in Abhängigkeit des prognostizierten Temperaturanstiegs ist. Bei einem vorhergesagten Anstieg um 1,3 Grad liegt demnach die Wahrscheinlichkeit einer Sechs-Grad-Erwärmung bei 0,04 Prozent, bei 2,2 Grad bei 1,2 Prozent und bei 3,4 Grad bereits bei 11 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einer Sechs-Grad-Welt steigt also schon bei einer geringen Zunahme der vorhergesagten Temperatur über zwei Grad hinaus sehr schnell an. Je länger wir also warten mit Handeln, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Extremereignis eintreten wird.
    (...)
    Wagner und Weitzman wiederum kommen zum Schluss, dass die Verluste einer Klimakatastrophe für die Gesellschaft derart gross wären, dass eine Kosten-Nutzen-Rechnung keinen Sinn ergibt: Einen schier unendlich grossen Verlust zu vermeiden wäre unendlich profitabel.!

    https://www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2015/10/die-extremen-risiken-muessen-unser-handeln-bestimmen.html

  9. DH Antworten | Permalink

    @xian

    Die Befürworter einer Geburtenkontrolle fordern letztendlich einen Rückgang des westlichen Niveaus auf das der "dritten Welt" , sonst macht die Forderung keinen Sinn.
    Gleichzeitig gehen sie davon aus , daß sich das Verbrauchsniveau nichtwestlicher Länder dem westlichen angleichen wird oder daß zumindest das Recht dazu besteht.

    Beides wird nicht funktionieren , beides sind nichtlegitime Forderungen , außerdem ist es keinesfalls gesagt , daß das ökologische Verhalten der nichtwestlichen Länder so unproblematisch ist , daß es reichen würde , um die Probleme zu lösen.
    Die These der Geburtenkontrolle hat weiterhin den Fehler , daß sie sich nicht vorstellen kann , daß der Verbrauch gesenkt werden kann durch eine Um-und nicht Einstellung der heutigen Lebensweise , und geht damit an der einzig realistischen Perspektive vorbei.

    Es ist äußerst unwahrscheinlich , daß die nichtwestlichen Länder dem Westen folgen werden , sehr viel plausibler ist , daß davon viele auf die Idee kommen werden , direkt auf nachhaltige Lebensweise hinzuarbeiten. Dafür haben sie sogar die besseren Voraussetzungen , weil sie beim Aufbau von Strukturen direkt neue Ideen umsetzen können und keine Rücksicht auf alte Strukturen nehmen müssen.
    Es ist nur eine Frage der Zeit , bis immer mehr Länder die Chance erkennen werden , die für sie im weltweiten Zwang zur Ökologisierung liegt , und der Westen sollte sich dann warm anziehen , das kann durchaus der schon lange in der Luft liegende Anlaß zur Beendigung der ökonomischen Hegemonie des Westens sein.

    • Mona Antworten | Permalink

      @DH: "Es ist äußerst unwahrscheinlich , daß die nichtwestlichen Länder dem Westen folgen werden, sehr viel plausibler ist , daß davon viele auf die Idee kommen werden , direkt auf nachhaltige Lebensweise hinzuarbeiten."

      Wenn Sie in den letzten Tagen Zeitung gelesen oder Fernsehen geschaut haben und die Berichte über die Smog-Probleme in China verfolgt haben, dann müssten Sie erkennen, dass die "nichtwestlichen Länder" momentan nur sehr zögerlich auf eine "nachhaltige Lebensweise" hinarbeiten, weil Umweltmaßnahmen ihre Produkte, die wir hier so gerne kaufen, verteuern würden. China gab kürzlich bekannt, dass es seine Emission erst ab dem 2030 drosseln könne. Und sogar Polen führt einen unsäglichen Eiertanz auf, weil es in erster Linie immer ums Geld geht, die Umwelt scheint zweitrangig zu sein:
      http://derstandard.at/2000026519244/Die-Luft-in-Polenwird-immer-dicker

      • DH Antworten | Permalink

        @Xian

        China gehört zu denen , die auf alte Art wirtschaften , "nichtwestlich" war etwas ungenau.

        Es wird im Zuge der ökologischen Zerstörung viele Länder geben , die nichts mehr zu verlieren haben ,wahrscheinlich solche , an die heute noch keiner denkt. Solche Situationen , und vielleicht nur solche , sind oft der Nährboden für die Bereitschaft , radikal Neues zu versuchen.

        • DH Antworten | Permalink

          Vorheriger Kommentar @mona , nicht @Xian , sorry.

          • DH | Permalink

            @mona

            So ist es , leider. Totschlagargument Arbeitslosigkeit , dabei ist längerfristig genau das Gegenteil der Fall , irgendwann wird der Markt gnadenlos zuschlagen und die Preise , etwa für Rohstoffe , in schwindelerregende Höhen schrauben.

  10. KRichard Antworten | Permalink

    @DH @xian: Als Befürworter von Geburtenkontrolle gehe ich davon aus - dass die Erde ein Planet ist: Sollten sich Lebensbedingungen darauf verschlechtern, betrifft dies alle Bewohner gleichermaßen.
    Da alle Menschen gleich sind, ist es normal, dass auch die Bewohner ´unterentwickelter´ Regionen den gleichen Lebensstandard anstreben werden - wie er von den Industrieländern vorgelebt wird.
    Es kann durchaus sein, dass einzelne Menschen/Regionen durch neue Technologien ihren Verbrauch senken bzw. nachhaltig wirtschaften könnten - da die Erde ein Planet ist, hat dies keine Wirkung, wenn die Bevölkerungszahl weiter steigt.

    Wir haben bereits jetzt schwere Probleme - ohne eine Idee zu deren Lösung: z.B.
    die Meere sind überfischt
    Abholzung von Urwäldern (Sauerstofflieferant, Bewahrer biologischer Vielfalt)
    viele Küstenregionen entnehmen soviel Grundwasser, dass nicht genug nachgefüllt werden kann - dadurch dringt Salzwasser ein und diese Vorkommen werden unbrauchbar
    die steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre brauche ich nicht nochmals zu erwähnen
    Phosphor ist lebenswichtig für den Zellaufbau: die nutzbaren Vorkommen sind in 60 bis 130 Jahren erschöpft - so dass dann nicht mehr ausreichend Nahrungsmittel für alle Menschen zur Verfügung stehen werden.
    usw. usw.

    • DH Antworten | Permalink

      @KRichard

      Wenn die Geburtenkontrolle etwas bringen könnte , also ein "Einfrieren" auf jetzigem Niveau gelingen könnte , dann ist es doch gar nicht so erheblich , ob die Erde 7 oder 10 Milliarden Menschen beherbergt. In beiden Fällen klappt es oder auch nicht.

      • KRichard Antworten | Permalink

        @DH: Meine Kritik an der Klimakonferenz in Paris ist, dass kaum deutlich erkennbare Schritte diskutiert werden, um die Lebensqualität auf der Erde langfristig zu sichern. z.B. Ohne wirksame Geburtenkontrolle steigt sowohl der Flächen- wie auch der Energie-/Rohstoff- und Nahrungsmittelbedarf dauernd an. Zudem dürfte sich die Bereitschaft dafür nur sehr schwer und langsam durchsetzen lassen. (z.B. China hat vor kurzem das Ziel der ´ein Kind Politik´ offiziell beendet).

        Viele der besten, fruchtbaren Ackerflächen sind ehemaliges Schwemmland zwischen steinigen Bergen und salzigen Ozeanen. Wenn mit dem klimabedingten Anstieg des Wasserspiegels diese Ackerflächen überschwemmt bzw. das unterirdische Grundwasser durch zunehmenden Wasserdruck versalzt wird - dann fehlt diese Fläche sowohl für die Nahrungsproduktion, wie auch als Siedlungsfläche.
        Dies bedeutet, dass der Druck auf die noch verbleibenden nutzbaren Gebiete deutlich ansteigen muss. Und dabei spielt die Bevölkerungsanzahl eine große Rolle.

        • DH Antworten | Permalink

          @KRichard

          Stimmt , man sollte nur nicht glauben , daß es mit Geburtenkontrolle getan wäre.
          Die einzige Geburtenkontrolle , die human ist , geht eben nur über den erhöhten Lebensstandard , und damit beißt sich die Katze in den Schwanz.
          Vielleicht liegt in den von Ihnen beschriebenen Vorgängen ja die einzige Chance , irgendwie vernünftig damit umzugehen , gerade wenn der Druck so groß werden wird , bleibt eigentlich nur der Ausweg , damit irgendwie zivilisiert umzugehen , aus purer Not. Wär ja nicht das erste Mal.

          • KRichard | Permalink

            @DH: Sie haben recht, Geburtenkontrolle allein reicht nicht. Aber ein Apell an die Vernunft kann sofort umgesetzt werden - wenn man ihn ausreichend nachvollziehbar begründet.

            Bisherige Hochrechnungen gehen davon aus, dass bis 2050 etwa 9 Mrd. Menschen - bzw. bis zum Jahr 2100 etwa 11-12. Mrd. Menschen auf der Erde leben könnten.
            Irgendwann wird man sich mit dem Thema ´Überbevölkerung´ beschäftigen müssen - wenn man nicht die eigenen Lebensgrundlagen zerstören will: sei es durch Übernutzung oder durch kriegerische Verteilungskämpfe.

            Wenn ich die aktuellen Verhandlungen in Paris richtig deute, dann will man etwa ab 2030 vielleicht eventuell mit der Reduktion von Treibhausgasen beginnen - vorausgesetzt natürlich, dass genug Geld für Maßnahmen da ist.

          • Mona | Permalink

            @KRichard: "Aber ein Apell an die Vernunft kann sofort umgesetzt werden - wenn man ihn ausreichend nachvollziehbar begründet."

            Das wird leider nicht viel nützen, weil die Klimaskeptiker anscheinend über mächtige Lobby-Gruppierungen verfügen, die gezielt klimaskeptische Botschaften verbreiten:
            http://science.orf.at/stories/1765025/

          • KRichard | Permalink

            @Mona: Ich habe geschrieben, dass ein Appell sofort umgesetzt werden kann.
            Dass ein solcher Appell allerdings sehr große Effekte bringt - glaube ich allerdings nicht wirklich. Denn es gibt kaum Menschen, die wirklich daran interessiert sind - wie es ihren Kindern/Enkeln einmal gehen wird.

          • DH | Permalink

            @KRichard @mona
            Um sich Frust zu ersparen , ist es wohl besser , gar nicht erst irgendwas zu erwarten von derlei Konferenzen , schade , daß man auf die obligatorischen Nicht-Ergebnisse nicht wetten kann...
            Wahrscheinlich wird sich erst dann was tun , wenn die Folgen sehr unmittelbar spürbar sind , obs dann noch reicht mit dem Umsteuern , wird sich zeigen.

          • Mona | Permalink

            @DH
            Natürlich darf man sich von "derlei Konferenzen" nicht zu viel erwarten. Wie heute auf SPON zu lesen war, geht es momentan bei den Klimaverhandlungen in Paris nicht nur um eine Eindämmung der Emissionen, sondern auch darum, wie sich die Folgen des Klimawandels mit Geld lösen lassen. Einen Gewinner gibt es auch schon, nämlich die Versicherungswirtschaft. Geplant sind Unwetter-Versicherungen für die betroffenen Länder, das sind jedoch keineswegs nur die ärmeren Länder, auch Ölförderländer wie Saudi-Arabien zählen dazu. Die Saudis arbeiten allerdings seit Jahren daran, ein definiertes Klimaabkommen zu verhindern.

            http://www.cicero.de/weltbuehne/klimafluechtlinge-und-die-arabische-klimapolitik-klimaschutz-als-unangemessene-buerde

          • DH | Permalink

            @mona

            Die Saudis als Klimaschützer , das ist so , wie wenn der Hund den Wurstvorrat bewacht.

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