Klimawandel: Bestandsaufnahme


Die Pariser Klimakonferenz hat den Klimaschutz nicht weitergebracht. Im Gegenteil, sie hat die Illusion erzeugt, dass die Staatengemeinschaft alles tun wird, um das Problem zu lösen. In Wahrheit geschieht erst einmal nichts. Das ist schlecht, aber Aktionismus nutzt natürlich auch nichts. Wenn man eine Katastrophe vermeiden will, muss man den Hebel an der richtigen Stelle ansetzen.

„Gute Vorsätze sind ein Scheck, der auf eine Bank ausgestellt ist, bei der man kein Konto hat“, soll Oscar Wilde gesagt haben. Die Versprechen der Staaten zur Treibhausgas-Reduktion fallen ziemlich genau in diese Kategorie. Während die globale Erwärmung weitergeht, und der CO2-Anstieg für stickig-warme Luft sorgt, suchen alle nach Argumenten, warum sie nicht schuld sind. Wirksame Maßnahmen werden als schmerzhafte Einschnitte angesehen, die man besser anderen überlässt.

Droht also die schicksalhafte Aufheizung der Welt, und der Untergang der Küstenebenen? Das mag ich nicht so recht glauben. Man kann viel erreichen, wenn man nicht mit dem Kopf durch die Wand geht, sondern berücksichtigt, welche Felsbrocken im Weg liegen und wie sie beschaffen sind. Welche Hindernisse kann man beseitigen, und welche muss man abtragen oder umgehen? Wer muss handeln, und was muss er tun?

Erst die Antworten auf diese Fragen weisen den Weg zu einem sinnvollen Plan. Er führt wohl nicht zum besten denkbaren Ergebnis, aber immerhin zum besten möglichen. Halten wir hier einen Moment an und überlegen: Darf man das ideale Ergebnis einfach verwerfen, nur weil man befürchtet, dass die Menschheit nicht mitmacht? Würde man nicht Potential verschenken? Ganz im Gegenteil: es wäre gefährlich, einer höchstwahrscheinlich unerreichbaren Lösung hinterherzujagen. Warum das? Weil man von Anfang an unterschiedliche Pfade wählen muss. Wenn wir uns also in eine Sackgasse manövrieren, müssen wir komplett neu anfangen. Und so langsam geht uns dafür die Zeit aus.

Wo wir stehen

Der anthropogene CO2 Ausstoß aus fossilen Brennstoffen betrug im Jahr 2014 mehr als 36 Milliar­den Tonnen. Wenn nichts geschieht, wird der Anteil von CO2 in der Atmosphäre von gegen­wärtig 400 ppm (Parts per Million) bis 2035 auf mehr 450 ppm wachsen.1 Vor Beginn der Industriali­sierung waren es noch 280 ppm. Genau diese 450 ppm gelten aber als Richtwert, der nicht überschritten werden sollte, wenn man eine globale Erwärmung um mehr 2° mit annehmbarer Wahrscheinlichkeit verhindern will. Ganz weit ist es bis dahin nicht mehr. Im abgelaufenen Jahr 2015 lag die globale Durchschnittstemperatur erstmals mehr als 1° höher als in der allgemein gewählten Referenzperiode von 1850 – 19002. Warum zieht man nicht das zwanzigsten Jahrhundert zum Vergleich heran? In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erhoben die Meteorologen an vielen Stellen der Welt bereits genaue und verlässliche Daten, aber die Industrialisierung zeigte noch keine weltweiten Auswirkungen. Für frühere Zeiträume fehlen die genauen Messwerte, im zwanzigsten Jahrhundert wirkte der anthropogene (von Menschen erzeugte) CO2-Ausstoß bereits auf das Klima.

Viele Klimaforscher gehen von der Faustregel aus, dass ab 2014 nicht mehr als 900 Milliarden Tonnen CO2 aus fossilen Quellen in die Luft geblasen werden dürfen, wenn ein unbeherrschbarer Klimawandel mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als zwei Dritteln vermieden werden soll. Weil der CO2-Ausstoß aus fossilen Quellen zur Zeit weiter zunimmt, wäre das komplette Kontingent bis ca. 2032 (+/-2 Jahre) ausgeschöpft. Ganz gleich, welche Lösung wir suchen, wir brauchen sie bald.

Für einen gut gemeinten, aber weitgehend hoffnungslosen Versuch ist keine Zeit mehr. Das illusionäre Klimaabkommen von Paris richtet deshalb beträchtlichen Schaden an. Erst mit der Evaluierung im Jahr 2023 wird sich seine Nutzlosigkeit zeigen, und dann sind wieder acht Jahre verloren.

Die großen Fünf: China, USA, Indien, Russland, EU

China will seine Wirtschaftsentwicklung weiter vorantreiben, das Ziel von 7% Wachstum pro Jahr bedeutet eine Verdoppelung der Wirtschaftsleistung alle 10 Jahre. Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein, aber bis 2030 sollte die chinesische Wirtschaft um mindestens 80% wachsen, der CO2-Ausstoß um mindestens 25%.3

Indien akzeptiert kein Ziel für den CO2-Ausstoß. Bis 2030 will das Land seine Wirtschaftsleistung weiter steigern, eine Verdoppelung ist durchaus möglich. Die Einwohnerzahl wächst weiter und bis 2030 werden in Indien mehr als 1,4 Milliarden Menschen wohnen. Damit steigt Indien zum bevölkerungsreichsten Land der Welt auf. Die CO2-Emissionen werden sich vermutlich bis 2030 mindestens verdoppeln, für die Abschätzung habe ich einen Anstieg von nur 80% angesetzt.

Russland wird seine CO2-Emissionen vorläufig nicht vermindern. Im Gegenteil: Aktuelle Äußerungen russischer Politiker lassen eher auf einen weiteren Anstieg schließen.

Die USA und die EU schaffen es möglicherweise tatsächlich, ihre Emissionen gegenüber dem heutigen Wert um 20% zu vermindern. In der Tabelle unten habe ich ihnen jedenfalls diesen Vertrauensvorschuss eingeräumt.

Alle übrigen Länder zusammengenommen werden ihre Emissionen vermutlich bis 2030 geringfügig steigern, in der Tabelle setze ich ganz vorsichtig 10 % an. Die enormen CO2-Emissionen des internationalen Luft- und Schiffsverkehrs werden dagegen voraussichtlich ungebremst zunehmen. Ich erwarte eine Steigerung um 20 % bis 2030. Das Ergebnis sieht so aus:

 

Land/Gruppe2014 (Mt)2030 (Mt)
 China1054013175
 USA53344267
 Europäische Union34152732
 Indien23414214
 Russland17661900
 Internationale Schifffahrt624750
 Internationale Luftfahrt492590
Summe2451227628
 Alle übrigen1115812275
Gesamt3567039903

Die Einheit Mt steht für Millionen Tonnen.

Man sieht leicht, dass es ohne durchgreifende neue Ideen schlecht ausieht für das Weltklima.

Klimapolitik als Schwarzer-Peter-Spiel

China und Indien werden im Jahr 2030 wahrscheinlich mehr als 40 % der weltweiten Emissionen kontrollieren. Beide Länder ziehen es allerdings vor, sich als Entwicklungsländer zu betrachten. Daraus leiten sie das Recht ab, ihre Wirtschaft auf das Niveau der Industrieländer bringen, bevor sie mithelfen, den Klimawandel zu bekämpfen. Das sei erst einmal Sache der traditionellen Industrie­länder, die ja schließlich schon seit mehr als 100 Jahren die Luft mit Treibhausgasen verpesteten. Andere Schwellenländer wie Brasilien, Argentinien und Südafrika stoßen in das gleiche Horn. Aber die USA und die EU erzeugen zur Zeit nur etwa ein Viertel der Treibhausgase, bis 2030 werden es weniger als ein Fünftel sein. Selbst wenn sie sich absolut vorbildlich verhalten, können sie die globale Erwärmung alleine nicht verhindern. Die Regierungen von China, Indien, Brasilien oder Südafrika wissen das sehr genau. Warum verschanzen sie sich dann hinter einer offensichtlich unsinnigen Argumentation?

Die Antwort ist – leider – ganz einfach: Sie haben keine Wahl, genauer gesagt: Sie glauben, keine Wahl zu haben. Der zerbrechliche innere Frieden in ihren Ländern beruht auf der Hoffnung, dass die Wirtschaft floriert. Viele Menschen leben dort unter erbärmlichen Bedingungen, und sind sich dessen sehr bewusst. Nur die Hoffnung auf ein besseres Leben für ihre Kinder lässt sie Armut, Korruption und Ungerechtigkeit ertragen. Die Regierungen müssen deshalb für Wirtschaftswachstum und funktionierende Infrastrukturen sorgen. Ihre Bürger erwarten eine zuverlässige Stromversorgung, sie haben zu lange unter ständigen Stromausfällen gelitten. Wind- und Sonnenenergie können in diesen Ländern deshalb nur eine geringe Rolle spielen, fossile Brennstoffe sind sehr viel verlässlicher (und immer noch billiger). Außerdem träumen viele Menschen in den Schwellenländern von einem eigenen Auto, in Indien läuft beispielsweise gerade die Massenproduktion preiswerter Kleinwagen an. Ein Verzicht auf Wachstum zur Verhinderung eines möglicherweise in fünfzig Jahren drohenden Unheils wäre für die Regierungen der Schwellenländer der sichere Weg zum Selbstmord. Darum verkünden sie wider besseres Wissen, dass die Reduktion der Treibhausgase ausschließlich Sache der Industrieländer sei.

Auch die meisten Entwicklungsländer brauchen zuallererst eine zuverlässige Stromversorgung. Umweltaspekte sind zweitrangig. Auch sie werden also in erster Linie traditionelle Kohle- oder Gaskraftwerke bauen.

Deutschland: Die Illusion der Energiewende

Warum machen es die Schwellenländer nicht wie wir? Deutschland sei für seine Energiewende weltweit berühmt, liest man immer wieder – wie zuletzt in Spiegel online. Es gehöre sogar zu den Staaten, die Saudi-Arabien als Energiemacht ablösen, steht dort. Das ist – mit Verlaub – Unsinn. Die deutsche Regierung hat im Jahr 2007 erklärt, sie wolle den Ausstoß von CO2 bis 2020 um 40% gegenüber 1990 mindern. Das war eigentlich nicht schwierig, denn die Hälfte der versprochenen Einsparungen bekam die Regierung bereits auf dem Silbertablett serviert. Im Jahr 1990 arbeiteten in der ehemaligen DDR noch die Dreckschleudern unter den Fabriken und Kraftwerken. Viele Haushalte heizten mit Braunkohle. In den nächsten Jahren verschwanden diese Altlasten, und die Treibhausgas-Emissionen gingen bis 2005 um 20,5 % zurück. Danach geschah nicht mehr viel. Der Zielwert für 2020 ist schon jetzt kaum noch erreichbar.

Die Energiewende hat seit ihrem erklärten Beginn nicht zu keiner nennenswerten Verringerung der Treibhausgas-Emissionen geführt, wohl aber zu einer massiven Verteuerung des Stroms für Privathaushalte und Kleingewerbe, während Industriestrom zugleich massiv subventioniert wird. Diese Entwicklung würde in den meisten anderen Staaten zu einem Aufstand führen. Auch der Energieverbrauch im Straßenverkehr ist kaum zurückgegangen und das Vorhaben der Bundes­regierung, bis 2020 eine Million rein elektrisch angetriebene Autos auf deutsche Straßen zu bringen, ist schon jetzt gescheitert.

Nach meiner eigenen Beobachtung genießt das deutsche Modell im Ausland eine Art mitleidige Bewunderung. Es ist das Gefühl, das man jemandem zukommen lässt, die sich nach einem exakten Plan gesund ernährt, jeden Tag Sport treibt und eine genau abgezählte Zeit schläft. Und zwar nicht etwa, um gut aussehen, sondern um in ferner Zukunft nicht der Allgemeinheit zur Last fallen. Natürlich möchte er für seine Anstrengungen als Vorbild wahrgenommen werden. Auf seine ständigen Nachfragen versichern ihm seine Freunde stets aufs neue, wie sehr sie seine Selbstlosigkeit bewundern und wie gerne sie ihm nacheifern würden – wenn sie nur könnten. Und nach einer Weile glaubt er ihnen das tatsächlich.

Zusammenfassung

  1. Ohne die aktive Mitwirkung von China, Indien, USA und Russland sind alle Anstrengungen zur Reduktion der Klimagase sinnlos. Jenseits aller Nationalstaaten sorgt auch der zunehmende Welthandel für einen Anstieg der Treibhausgas-Emissionen.
  2. Der deutsche Ansatz ist gescheitert. Der Ausstoß von Klimagasen lässt sich durch ein komplexes Geflecht von Gesetzen und Verordnungen kaum verringern. Für eine wirksame Reduktion müssten die Deutschen bereit sein, eine beträchtliche Einbuße an Lebensqualität in Kauf zu nehmen. Ob sie sich das gefallen lassen, steht in den Sternen. Ganz sicher aber ist eine so schmerzhafte Energiediät nicht exportfähig.
  3. Die Entwicklungsländer fordern eine Pauschale von 100 Milliarden US$ im Jahr für die Linderung der Folgeschäden des Klimawandels und für Anpassungsmaßnahmen. Darin sind aber keine Maßnahmen enthalten, die den Anstieg der Klimagas-Emissionen in den Entwicklungsländern selbst verringern würden.
  4. Die Bevölkerung in den Schwellenländern und in der dritten Welt verlangt zuverlässig verfügbaren, billigen Strom. Deshalb werden die Regierungen dort in erster Linie Kraftwerke bauen, die Gas, Öl oder Kohle verbrennen.

Soweit zur gegenwärtigen Lage, der nächste Beitrag befasst sich mit den Handlungsalternativen, die sich daraus ergeben.

Anmerkungen

[1] Angesichts des billigen Rohöls könnte der Anstieg auch deutlich steiler ausfallen. Ein Wert von 460 ppm bis 2030 oder 530 ppm bis 2050 ist keineswegs ausgeschlossen. Dann würde es nicht nur den Eisbären zu warm.

[3] Das entspricht einem Wirtschaftswachstum von 4 % pro Jahr. Die chinesische Regierung möchte erreichen, dass der CO2-Ausstoß nur noch halb so schnell wächst wie die Wirtschaft.


13 Kommentare zu “Klimawandel: Bestandsaufnahme”

  1. werner Antworten | Permalink

    Interessanter Artikel. Aber bitte schreib doch Mt (Megatonnen) anstatt mt ("milli"tonnen", also Kilogramm) ;-)

  2. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Vielen Dank für diese Zusammenfassung zum Status Quo!
    Webbaer schon gespannt sein bzgl. der angekündigten 'Handlungsalternativen'.
    Nicht nur ganz am Rande ergänzt: Es gibt natürlich international (vs. bundesdeutsch) noch eine weitgehende Skepsis bzgl. der "CO2-zentrierten Klimatologie mit dem Erwärmungstrend", zumindest en dé­tail; einerseits sind viele Forcings (Aerosole bspw.) unzureichend verstanden, andererseits wird am Konzept der sogenannten Klimasensitivität selbst genagt, das schlicht aussagt, dass es bei einer Verdoppelung des atmosphärischen CO2-Gehalts, der zurzeit bei vielleicht 405 ppm liegt, in prähistorischer Zeit bei ca. 180 ppm lag, zu einer Erwärmung zwischen + 1 K bis + 8 K kommen wird, wobei + 2,5 K anscheinend eine Art Durchschnittsprognose zu sein scheint.
    Dazu kommen noch die sogenannten Feedbacks, die wie das PIK meint, grundsätzlich den Erwärmungstrend verstärken müssten und andere anderes meinen.
    Dazu kommt noch die grundsätzliche Problematik, dass die physikalische Theoretisierung nicht dem Trial & Error unterworfen werden kann, dem wiederholten Versuch, denn leider leider findet die terrestrische Klimaentwicklung nur einmal statt - insofern bleibt es schwierig mit den Konfidenzintervallen, Klimamodelle werfen Konfidenzintervalle aus, umzugehen, gerade auch: politisch umzugehen. Von einer Falsifizierbarkeit der physikalischen Theoretisierung kann leider nicht ausgegangen werden.
    MFG
    Dr. W

    • gunterkrause Antworten | Permalink

      Die sog. „Skepsis“, die könnte man auch als den Versuch deuten, den jetzigen „Staus quo“ doch gerne erhalten zu wollen. Denn Macht verschwindet bekanntlich nur allzu ungern freiwillig.
      Und „en détail“ befinden sich unter den Mächtigsten auch erhebliche Carbone-Förderer.

      Auch Klima aus „prähistorischer Zeit“ lässt sich nicht 1 zu 1 mit dem heutigem in einen Topf werfen. Da hat sich nämlich weit mehr als nur die Stellschraube 'ppm CO2' gewandelt, und je langfristiger, desto erheblicher, z.T.

      Forcings z.B. zählen bei Ihnen zu den unzureichend Verstandenen. Klimasensitivität wiederum wird nicht physikalisch betrachtet, sondern einfach passend zum gegenwärtigen „Wetter“ gemacht, ohne kurzfristige klimatische Schwankungen auch nur zusätzlich mit in Betracht zu ziehen, die es bekanntlich immer gegeben hat. Ich mag auch die regelmäßigen Veröffentlichungen über neue Kurvenschiebereien bis zur Herstellung von Deckungsgleichheit bei Klimaphasen, denn i.d.R. wird da aus dem enormen Komplex aller Faktoren DER wirklich Wahre herausgefiltert ;-). Wenn Klima so einfach wäre ;-).

      Zwischen Eiszeiten/glaziale Serien gibt es nun bekanntlich seit etwa 3 Mio. Jahren zyklische Wiederholungen mit recht abrupten Wechseln von Vereisungen und deren Abschmelzen. Schon rein gefühlt könnte, konnte und kann das ohne ein paar Kipppunkte so in diesem Zeitentempo wohl kaum funktionieren - wodurch auch immer primär initiiert. Wenn ein einzelnes Primat dazu überhaupt ausreicht …
      ---
      Vermisst habe ich bei der Analyse oben an sich nur, dass es nach meiner bescheidenen Meinung nicht allein ausreicht, uns die großen Nationen herauszupicken, weil die nun einmal viel CO2 produzieren. Die Kleineren, mit den teils immens höheren Verbräuchen pro Kopf, die gehen so total durch die Lappen. Und dabei kommt die Quintessenz der Sparerei doch nur zustande, wenn wir den Ausstoß global mächtig nach unten drücken, und zwar generell!

      Pro Kopf übrigens, das öffnet uns dann möglichst die Augen, dass wir da auch gleich den Bevölkerungswachstum mit einpreisen müssen, denn je mehr Köpfe, um so weniger kann man von einer Maximalmenge CO2 auf diese Köpfe verteilen.

      • Thomas Grüter Antworten | Permalink

        Vermisst habe ich bei der Analyse oben an sich nur, dass es nach meiner bescheidenen Meinung nicht allein ausreicht, uns die großen Nationen herauszupicken, weil die nun einmal viel CO2 produzieren.

        Die Wikipedia listet 12 Staaten auf, die pro Kopf der Bevölkerung mehr als doppelt so viel CO2 in die Luft blasen wie Deutschland. Darunter sind die Golf-Emirate, Kuwait, Brunei und einige Kleinstaaten. Es ist ärgerlich, dass sich diese Länder so benehmen, als ginge die Welt sie nichts an, aber realistisch betrachtet ist ihr Beitrag zum anthropogenen CO2-Ausstoß sehr gering. Für die
        Gesamtbilanz ist es weitgehend unerheblich, ob sie ihre Energieerzeugung auf Sonne und Wind umstellen oder nicht.

      • Dr. Webbaer Antworten | Permalink

        Sischer, Herr Krause, oben lag ja nur eine kleine Ergänzung vor, die "Klimagläubigkeit" unterscheidet sich halt regional und auf die Individuen bezogen, der Schreiber dieser Zeilen glaubt und hofft bspw. auf eine etwas geringere Klimasensitivität als in den sogenannten IPCC-Sachstandsberichten beschrieben, hat vor diesem Hintergrund auch die Datenlagen dilettantisch [1] und mit beträchtlichem Zeitaufwand geprüft.
        Noch vor 2010 war der Schreiber dieser Zeilen "klimagläubiger, hat seine Prüfungen hauptsächlich deshalb vorgenommen, weil Skepsis auch erkennbar Vernünftiger zu diesem Topic vorlag.
        Skepsis darf übrigens gerne ohne einem 'sogenannt' und ohne Anführungszeichen auskommen, es soll skeptisch geblieben werden: "Science is not settled." [2]
        Was da in der BRD ablief mit dem von Merkel spontan verkündeten Atomausstieg (auch: als Rechtsbruch) war sicherlich nicht hilfreich, was die globale CO2-Reduktion betrifft, war keine Werbemaßnahme,
        MFG
        Dr. W (der, wie bereits geschrieben, auf weitere Analysen und Vorschläge unseres Herrn Dr. Grüter gespannt bleibt)

        [1]
        In etwa so, wie jeder fast überall Ausländer ist, ist jeder fast überall nur interessierter Laie.

        [2]
        Vgl. :
        -> http://www.pik-potsdam.de/~stefan/mare-interview.html

    • Wizzy Antworten | Permalink

      Ich bezweifle sehr stark, was Sie hier schreiben. Daher würde ich gern die Quellen für folgende Behauptungen wissen. "International" gebe es weitgehende Skepsis. Das ist meines Betrachtens unter internationalen Klimawissenschaftlern nicht der Fall; einzelne abweichende Meinungen gibt ist in der Fachwelt dazu ja auch in Deutschland. Also, wo ist ein (nicht gerade 60 Jahre altes) peer-reviewtes Paper, dass die Dominanz des anthropogenen Anteils der Erwärmung oder deren Größenordnung in Frage stellt? Es gibt in der Klimaforschung tausende, wenn nicht zehntausende Paper. Ich kenne zu Ihrer Behauptung jedoch keines.
      2. Wo/Was (Wissenschaftliches) nagt am Konzept der Klimasensitivität? Referenz?
      3. Welche (Zitat) "anderen" meinen (Zitat) "anderes" zu Feedbacks? Ist das wieder eine "Skeptiker"kritik ohne konsistentes Framework (das heißt, auch nicht ordentlich veröffentlicht)?
      4. "grundsätzliche Problematik" Falsch. Mit dem gleichen Argument könnten Sie auch die Evolutionstheorie kritisieren. Es gibt zur Wirkung des CO2 sowohl falsifizierbare Experimente also auch paläoklimatologische Rekords, genauso wie eine mathematisch-physikalische Theorie und rezente Daten (unserer Atmosphäre und anderer Planeten), zuallerletzt (aber nicht unwichtig) kommen Simulationen, die mittlerweile zu den methodisch und auf physikalische Plausibilität best-überprüftesten jemals und überhaupt gehören. Insgesamt ist AGW eine wissenschaftliche Theorie - halt also die gleiche Evidenzbasis wie z.B. Evolutions- oder Relativitätstheorie (gerade erstere ist von der Evidenz her absolut vergleichbar wegen des starken historischen Aspekts!)

  3. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Kompliment für die detallierte, auf Zahlen abgestützte Klimapolitik-Diagnose. Es fehlt nur die Therapie!
    Die der Diagnose zugrundeliegende Annahme ist schwer zu widerlegen. Möglichst allgemein formuliert ist dies folgende Annahme: Es gibt Trends/Entwicklungen, die sich nur langsam ändern und dazu gehört alles was mit der Rolle und dem Einsatz von Energie zu tun hat. Kostengünstige Energie ist die Voraussetzung für eine kompetitive Industrie, für mehr Mobilität und für bessere Arbeitsbedingungen in klimatisierten anstatt überhitzten Räumen. Diese Bedingungen sind in den entwickelten Ländern alle schon erfüllt, ein Energiewachstum pro Person ist in diesen Ländern nicht mehr nötig und Effizienzsteigerungen können den Energieverbrauch sogar senken. Ganz anders ist die Situation in Afrika, Indien und vielen anderen asiatisch/pazifischen Staaten (Indonesien, Philippinen, etc.). Sie sind unterversorgt mit Energie und wollen den Rückstand aufholen. Die 1.2 Milliarden Afrikaner (2050 2 Milliarden, 2100 3-4 Milliarden) verbrauchen heute pro Kopf 10 Mal weniger als ein Europäer und das ist fast das sichtbarste Zeichen ihres Entwicklungsrückstandes. Die IEA-Prognose für das Welt-Energiewachstum bis 2040 + 40% ist deshalb sehr realistisch.

    Wie können nun in den nächsten Jahrzehnten die CO2-Emissionen gesenkt werden wobei der Welt-Energieverbrauch zugleich steigt? Darauf wird Thomas Grüter sicher in einem der Folgeartikel eingehen. Für mich ist es technisch möglich dieses Ziel zu erreichen. Dazu müssen die Erneuerbaren-Evangelisten ihre Wunschvorstellung einer dezentralisieren und rein lokalen Energieversorgung nur mit Wind, Sonne und Wasser aufgeben. Erneuerbare allein könnten die ganze Welt mit Strom versorgen - aber nur dann wenn es ein verlustarmes globales Supergrid gibt, welches den Strom jederzeit dorthin transportieren kann wo er gerade gebraucht wird. Leider ist das nicht aus technischen oder aus Kostengründen sondern aus politischen und Sicherheitsgründen in nächster Zeit nicht möglich (beispielsweise wurde kürzlich eine Hochspannungsleitung auf der Krim in die Höhe gejagt). Wenn es aber eine Art Schutzmacht für grenzüberschreitende Stromleitungen gäbe, wäre ein globales Supergrid eine gute Option. Zwei weitere Optionen neben den Erneuerbaren wären
    - neue Formen von Nuklearkraft zulassen (Salzschmelzereaktoren versprechen zugleich günstig und sicher zu sein)
    - aktive Erforschung und Förderung von Carbon Capture & Storage
    - grosse Investionen in die Erforschung von Stromspeichern

    Keine dieser Optionen ist zurzeit en vogue oder wird überhaupt aktiv erwogen. Dies bedeutet, dass Thomas Grüter's pessimistische Einstellung zur Klimazukunft wohl Realität wird.

    • Martin Holzherr Antworten | Permalink

      Renewables+Long-Distance-Transmission könnte bei gleichen Strompreisen 80% der Emissionen einsparen nach einer NOAA-Studie. Voraussetzung wäre ein Supergrid von HochspannungsGleichstromübertragungsleitungen. Die Autoren sehen aber grosse nichttechnische Hindernisse für ein solches Netz in den USA. Es gibt eine (Fundamental-)opposition gegen nicht im Boden verlegte Hochspannungsleitungen. Auch die Finanzierung wäre ein Problem, wenn sie nicht vom Staat übernommen wird sondern von den einzelnen Energiefirmen getragen werden müsste.

  4. Paul Stefan Antworten | Permalink

    "Selbst sie sich absolut vorbildlich verhalten, können sie die globale Erwärmung alleine nicht verhindern. "

    Hier gibt es einen kleinen Fehler, es fehlt das "wenn":

    Selbst wenn sie sich absolut vorbildlich verhalten, ...".

  5. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Alle in den letzten 10 Jahren installierten Solarpanels in Deutschland erzeugen gleich viel Strom wie ein grosses Kohlekraftwerk.. Die Kosten dafür betrugen 40 Milliarden Euro, ein Betrag der für Deutschland gering, aber für die meisten Entwicklungsländer zu gross ist. Bill Gates sieht deshalb Energiesubventionen und Einspeisetariffe kritisch, wie er in einem MIT-Interview sagt. Er glaubt, dass vor allem die Energieforschung gefragt ist. Viel mehr Geld müsste in die Energieforschung investiert werden und das nicht anstatt sondern zusätzlich zu dem was heute auf dem Gebiet der neuen Energien gemacht wird. Einige Leute/Experten aus dem Eneriebereich halten solche Äusserungen von Bill Gates allerdings für gefährlich ( too dangerous to hear) um sie in der Öffentlichkeit zu äussern.
    Tatsächlich werden heute von der US-Regierung nur 5 Milliarden Dollar pro Jahr für Energieforschung ausgegeben, 25 Milliarden aber für die Gesundheit und fast 80 Milliarden für das Militär. Dieser Verteilschlüssel hat sich nicht etwa geändert, seitdem von der Energiewende und von der Dekarbonisierung gesprochen wird. Das scheint auch mir völlig unverständlich.
    Oft wird Gates vorgeworfen, er fordere Energieforschung anstatt der heutigen Form der Investition in Erneuerbare Energien. Doch das stimmt nicht. Allerdings glaubt Bill Gates, dass ein Preis auf Kohlenstoff in Form von Steuern oder einem Emissionshandelssystem nicht die nötige Innovation anschiebt und der nötige Preis für CO2-Emissionen auch politisch nicht durchgesetzt werden kann.

    Von den Unterstütztern der Erneuerbaren hört man dagegen meist ganz andere Töne. Erneuerbare Evangelisten sprechen gerne vom exponentiellen Wachstum der Solar- und Windinstallationen. Die hohen Wachstumsraten sorgten ganz allein dafür, dass wir schon zwischen 2020 und 2030 zu einer Dominanz der Erneuerbaren Energien kämen. Und Probleme eines immer höheren Anteils von intermittierend produzierten EE-Stroms sehen die EE-Evangelisten von allein gelöst, einfach durch technische Innovationen, die sich in der neuen Situation von selbst entwickeln. Tatsächlich müssen die EE-Evangelisten sogar auf solche tehcnische Durchbrüche vertrauen. Bleiben sie aus, dann werden die Probleme durch immer mehr EE-Strom zunehmen und eine weitere Förderung unattraktiv machen. Warum dann nicht schon heute viel mehr in die Energieforschung investieren? Ich verstehe es auch nicht muss ich sagen.

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