Goldmine im All?

1. April 2010 von Michael Khan in Irdisches

Rhyolite, Nevada, 1. April 2010: Als Anfang des Jahres von einem Team von Wissenschaftlern um John Sutter vom American Western Center for Minor body Observations of Nevada (AWCMON) in Rhyolite, Nevada, ein weiterer erdbahnkreuzender Asteroid gefunden wurde, erregte dies wenig Aufsehen. Wir kennen Tausende solcher Objekte, und weder die Bahn noch die Größe dieses neuen Objekts waren ungewöhnlich. Man gab ihm die Identifikationsnummer 2010 AU79, trug ihn in die Datenbank ein und ging zu anderer Arbeit über.

(Read this post in English here)

Im Februar jedoch konnten erstmals auch spektroskopische Analysen des Objekts vorgenommen werden. Diese Messungen ließen die Astronomen stutzen. Zunächst glaubte man an einen Mess- oder Interpretationsfehler. Einige Wochen später bestätigten erneute, unabhängige Messungen die Daten aus dem Februar. Man musste sich nun der Tatsache stellen, dass 2010 AU79 ganz und gar kein gewöhnlicher Asteroid war.

Hierzu der Entdecker Sutter auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz in der Stadthalle des lebhaften Städtchens Rhyolite, Nevada, am Donnerstag, dem 1. April 2010:

[...]Aufgrund der hohen Rotationsrate, die sich aus der Lichtkurve ergibt, nehmen wir eine sehr schnelle Rotation von 7±0.3 Sekunden an. Ein so schnell rotierendes Objekt kann nicht gravitationell gebunden sein; es muss sich um einen Monolithen handeln.[...]

Anmerkung: Rein gravitationell zusammengehaltene Objekte können nicht allzu schnell rotieren, die Rotationsperiode muss mindestens ca. 2.2 Stunden betragen.

Sutter weiter:

[...]Dass ein Objekt der Größe von 2010 AU79 mit seinem Durchmesser von etwa  300 Metern monolithisch und schnell rotierend ist, ist ungewöhnlich, aber noch nicht umwerfend (O-Ton.: "that occasioned raised eyebrows, but no dropping jaws"). [...] Die [spektroskopische (Anm. d. Verf.)] Analyse von Asteroid 2010 AU79 weist unmissverständlich darauf hin, dass es sich um einen metallischen Asteroiden handelt. Im Gegensatz zu den meisten metallischen Asteroiden, die etwa 5% der gesamten Population [=Gesamtheit der Asteroiden (Anm. d. Verf.)] darstellen und weitgehend Eisen und Nickel enthalten, ist bei 2010 AU79 davon auszugehen, dass er zu mindestens 10% aus ... Gold besteht.

Gold entsteht ebenso wie alle anderen schweren Elemente bei Supernovaexplosionen und ist in Gas- und Staubwolken, aus denen Sterne und Planeten entstehen, ebenso vorhanden wie in Asteroiden und Kometen, allerdings in kleinen Mengen. Dass sich diesmal nun ein Objekt mit so hoher Konzentration bilden konnte, ist allerdings außergewöhnlich.

Auch wenn Sutter auf der PK sichtlich um Nüchternheit bemüht war, schlug die Neuigkeit ein wie eine Bombe - nicht nur unter Astronomen. Die Konferenz endete in Aufruhr, der Saal wurde von der Nevada State Police geräumt, die Wissenschaftler verließen das Gebäude durch einen abgeschirmten Hintereingang - ein eher ungewöhnlicher Ausgang für eine wissenschaftliche Ankündigung, selbst im Staate Nevada.

Eins ist klar: Die politischen wie wirtschaftlichen Folgen dieser Entdeckung sind unabsehbar. Die in 2010 AU79 enthaltene Goldmenge, selbst wenn nur 10% des Körpers aus Gold sind, wird auf mindestens 20 Millionen Tonnen und damit hundert Mal mehr als alles jemals auf der Erde geschürfte Gold geschätzt.

Die Aktien von Bergbauunternehmen fielen im Laufe des Tages dramatisch, fingen sich aber zunächst wieder, als klar wurde, dass zumindest auf die Schnelle kein Weg gefunden werden wird, dieses Asteroidengold industriell abzubauen. Nervosität herrscht aber in Kreisen der Politik, steht doch zu befürchten, dass staatliche Goldreserven, mit denen Währungen gedeckt werden, langfristig wertlos werden.

Auch Ufologen aller Couleur wurden durch die dramatische Ankündigung zu phantasievollen Theorien aller Art beflügelt: Für sie ist eine solche Konzentration des Edelmetalls auf natürlichem Wege ausgeschlossen, dieser Fund sei demnach ein Artefakt einer außerirdischen Zivilisation.

Ich sehe das Ganze eher positiv: Die Raumfahrtagenturen sollten Missionen zu 2010 AU79 senden, die jeweils mehrere Kilogramm Bodenproben zur Erde zurückführen. Die Untersuchung dieser Proben wird hoffentlich Klarheit über die Entstehung von 2010 AU79 liefern. Zudem können über den Verkauf des Asteroidenmaterials die Missionskosten gedeckt werden. Der Erlös pro Feinunze sollte wegen der ungewöhnlichen Herkunft um ein Vielfaches über dem Marktpreis liegen, und einige Kilogramm zurückgebrachten Materials werden zu keinem Aufruhr auf dem Weltmarkt führen.

Wir haben also die einmalige Chance zu seinem selbstfinanzierten Modell der Weltraumforschung, zumindest im Lauf der kommenden Jahrzehnte. Mit steigenden Mengen "geförderten" Asteroidenmaterials wird sich das Geschäftsmodell ändern - dort werden wir aber frühestens in einigen Jahrzehnten sein.

Sieht 2010 AU79 aus der Naehe so aus?Normalerweise gut informierte Kreise in Washington behaupteten im Laufe des Tages, dass das weiße Haus die Rücknahme der Entscheidung erwägt, das Constellation-Programm, mit dem die bemannte Erforschung auch erdnaher Asteroiden möglich würde. Diese Gerüchte konnten aber nicht bestätigt werden. Es ist auch nicht klar, ob ein direkter Zusammenhang mit 2010 AU79 besteht.

Eins steht fest: es wird sich eine Menge ändern ... alles nur wegen eines Blocks gelben, weichen Metalls.

 


13 Kommentare zu “Goldmine im All?”

  1. Lucomo Antworten | Permalink

    Der Satz "ein eher ungewöhnlicher Ausgang für eine wissenschaftliche Ankündigung, selbst im Staate Nevada" hat mir am besten gefallen. :-)

  2. Ludmila Antworten | Permalink

    Schon Jules Verne hat's gewusst

    Vielleicht hat ihn dieser Asteroid zu "La Chasse au météore" inspiriert. Der Mann war ja auch sonst ein Visionär.

  3. Timm Antworten | Permalink

    zu schön um wahr zu sein

    Der Artikel hat mit sehr gut gefallen, nur das Datum nicht!

  4. Michael Khan Antworten | Permalink

    Wie der Zufall so spielt ...

    Erst heute erfuhr ich von einem neuen Paper zum Asteroiden 5404 Uemura, wahrscheinlich auch ein Monolith, da seine Umlaufperiode deutlich geringer als 2.2 Stunden ist. 5404 Uemura wird der Spektralklasse M zugerechnet, er ist demacht vorwiegend metallisch. Allerdings ist 5404 mit einem Durchmesser von 8 km deutlich größer als 2010 AU79.

    http://www.lpi.usra.edu/...s/lpsc2010/pdf/1227.pdf

  5. Klaus Deistung Antworten | Permalink

    Scherz? - Ein ernster Hintergrund!

    Als es den „Giant impact“ gab wurden Erdkrustenstücke mit ins All geschleudert. Es ist die Erdkruste, die das Gold enthält und für den „Giant Impakt“ zugriffsfähig war. Auch wenn ich wegen Wikipedia schon einmal kritisiert wurde, trotz alledem: http://de.wikipedia.org/wiki/Gold – es geht um die Lagerstätten/Produktionskarte.
    In Amerika wussten die Ureinwohner den Spaniern zu berichten: Gold ist das gelbe Metall der Götter! Die Spanier konnten das nicht verstehen und demonstrierten ihre Vorstellung vom Gold.
    Am Titicacasee gab es schon vor Jahrtausenden, wie auch im Süden Afrikas Goldbergwerke. Ihre ersten Nutzer haben den Menschen gezeigt, wie es zu nutzen ist – und haben es sogar tonnenweise exportiert.
    Zurück zum „Giant Impact“: Da ja ein Teil der Erdkruste heute Bestandteil des Mondes sein soll – müsste es auch auf dem Mond Gold in deutlich nachweisbaren Mengen geben – wenn „Giant Impact“ stimmt! Am Anfang – keine 100 Millionen Jahre nach der Erdentstehung - gab es ja den Urkontinent, wo die herausgeschlagene Erdmasse in großen und kleinen Stücken mit Sicherheit Gold enthalten hatte. Aus den Forschungen ergibt sich: Der Mond hat gut 50% Erdkrustenteile und knapp 50% Theiaanteile. Andere sehen das sogar deutlich umgekehrt. Es gibt noch viel zu tun.
    Mit Gold an einigen Stellen angereicherter Mondboden könnte u. a. ein Beweis für „Giant Impact“ sein!
    „Giant Impact“ ist aber nur eine Variante des großen Knalls – die überlieferte Variante ist im Enuma Elisch (I-net) in verschiedenen Übersetzungen nachzulesen als „Himmelsschlacht“. Hier blieb der Mond unverändert – und die Erde entstand.
    Es wurde sogar überliefert, dass einzelne Asteroiden einen nennenswerten Anteil Gold haben müssten. Es geht dann mit Sicherheit nicht bloß um einen. Die Asteroidenbergwerke überlassen wir doch lieber unseren späteren Nachfahren, falls wir aus der großen Anzahl die „goldigen“ Asteroiden gefunden haben.

  6. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Klaus Deistung

    Ich habe Ihren Kommentar nicht entfernt, weil er immerhin noch einzelne relevante Fragestellungen in Bezug auf die Zusammensetzung von Asteroiden und primordialer Materie enthielt. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich von nun an eher bereit wäre, in meinem Blog Crank-Verhalten zu dulden.

    1.) Zum Thema Wikipedia: Es ist keineswegs grundsätzlich verkehrt, Wikipedia zu zitieren, wenn man sich der Tatsache bewusst bleibt, dass Wikipedia eben eine Enzyklopädie ist und damit nicht wissenschaftliche Veroeffentlichungen ersetzt. Wenn man Sie kritisiert hat, dann nicht wegen der Nennung der Wikipedia-Quelle, sondern wegen des Ignorierens der relevanten Fachliteratur.

    2.) Im gegebenen Kontext der Giant Impact-Theorie ist es eher albern, den babylonischen Schoepfungsmythos zu nennen. Keine Schrift aus der Antike kann zu einem Ereignis, das knapp 100 Millionen Jahre nach der Akkretion des Sonnensystems stattfand, irgendeine nenneswerte Information beitragen.

    3.) Woher stammt Ihr Wissen über einen Urkontinent auf der Proto-Erde vor dem Giant Impakt?

    4.) Was lokale Anreicherungen von Mineralien nahe der Oberfläche von Erde und Mond angeht, so sind diese im Kontext von Vulkanismus zu sehen. Auf einem flüssigen Koerper werden Mineralien hoher Dichte (darunter Schwermetalle) dazu neigen, herabzusinken; Stoffe geringer Dichte dagegen werden aufsteigen. Thermische Konvektionsprozesse führen zu einem gewissen Grad an Durchmischung. Vulkanismus ist ein Prozess, mit dem dort ansonsten seltene Stoffe zur Oberfläche transportiert und dort angereichert werden koennen. Wichtig ist auf jeden Fall, wenn man Überlegungen anstellt, die auf die Giant-Impact-Theorie Bezug nehmen, dass man auch die geologische Evolution von Erde und Mond in den seither vergangenen Jahrmilliarden betrachtet.

    5.)Alle schweren Elemente auf der Erde - außer denen, die durch radioaktiven Zerfall anderer Elemente entstanden, enstammen Staub, der bei stellaren Prozessen enstand. Wenn es auf der Erde Gold gibt, muss es das auch in primordialer Materie im Sonnensystem und auch in Asteroiden geben. Das ist gar keine Frage.

  7. Michael Khan Antworten | Permalink

    @K. Bednarik: Suchalgorithmus

    Folgender Algorithmus ist anzuwenden:

    1.) Besorgen Sie sich die genauen Bahnelemente von 2010 AU79 aus dem JPL Horizons-System. Gemittelte Bahnelemente reichen nicht.

    2.) Integrieren Sie numerisch von dem bekannten Status aus in der Zeit rückwärts, bis Sie eine nahe Begenung des Asteroiden mit der Erde finden. Gravitationelle Bahnstörungen sind dabei ebenso zu berücksichtigen wie nichtgravitationelle: Yarkovsky etc.

    3.) Für den Zeitpunkt der nahen Erdbegegung berechnen Sie die vom Asteroiden überflogenen Gebiete. Selbst wenn der Asteroid selbst die Erde nicht getroffen hat, so wird es doch sicherlich kleinere Mengen ko-orbitalen Materials geben, das bei Einschlägen anderer Meteoriten auf dem Asteroiden oder durch gravitationelle Störungen bei nahen Vorbeiflügen an größeren Himmelskörpern freigesetzt wurde.

    4.) Entlang der Zone der nächsten begegnung, die Sie am Besten auf einer möglichst guten Vermessungskarte markieren, könnten Sie fündig werden.

    Wenn nicht da, wo sonst?

    Wenn Ihnen dieses Verfahren zu aufwändig erscheint, empfehle ich das Quellenstudium sumerischer Keilschrifttexte. Wie es scheint, findet sich dort die Antwort zu Allem und Jedem.

  8. mike Antworten | Permalink

    logischer Fehler

    schon im 1. Absatz war ein Fehler der auf einen Aprilscherz schließen ließ: Der Name enthielt AU obwohl zu diesem Zeitpunkt die Zusammensetzung nicht bekannt war..

  9. Michael Khan Antworten | Permalink

    Provisorische Bezeichnung von Asteroiden

    Der Text steckt zwar voll von Hinweisen, aber gerade die verwendete provisorischen Asteroidenbezeichnung ist kein logischer Fehler - sie ist konsistent mit der Darstellung im text.

    Wenn ein Asteroid entdeckt wird, erhält er eine provisorische Bezeichnung. Diese besteht aus dem Jahr der Entdeckung, in diesem Fall 2010, und einer Buchstaben-Zahlen-Kombination.

    Der erste Buchstabe, hier "A", bedeutet, dass er in den ersten zwei Wochen des Jahres entdeckt wurde. Wäre er in Woche 3 oder 4 entdeckt worden, dann wäre der erste Buchstabe "B", usw.

    Der zweite Buchstabe und die Zahlen dienen nur dazu, alle in dem betreffenden Zwei-Wochen-Zeitraum neuentdeckten Asteroiden voneinander abzugrenzen und jeden eindeutig zu identifizieren.

    Gut, dass man so viele Asteroiden entdeckt, dass man bis zu AU79 gehen muss, ist schon eher unwahrscheinlich. Aber dennoch ist eine provisorische Bezeichnung "2010 AU79" durchaus denkbar und konsistent mit einem innerhalb der ersten zwei Wochen des Jahres 2010 entdeckten Asteroiden.

    Die provisorische Bezeichnung macht keinerlei Aussage zu den Eigenschaften des Asteroiden.

    Nun ja, dass er AU79 heißt und dann auch noch wirklich aus Gold besteht, würde natürlich schon zu die Klasse von Zufällen gehoeren, die Skepsis erregen.

    http://en.wikipedia.org/...astronomy#Minor_planets

  10. Michael Khan Antworten | Permalink

    Hesekiel 1

    Kein Wissenschaftler geht ernsthaft davon aus, dass Indizien für ein extraterrestrisches Raumschiff in der Bibel zu finden sind.

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