First we take Europa … then we take Titan

18. Februar 2009 von Michael Khan in Raumfahrt

Breaking News: Heute wurde die Entscheidung von NASA und ESA bekanntgegeben, als nächste große, gemeinsame Mission ins äußere Sonnensystem der Untersuchung des Jupitersystems den Vorzug zu geben.

darstellung der Laplace-Sonden, Quelle: ESADie weitere Erforschung des Saturnsystems, insbesondere des Saturnmondes Titan, wird nicht aufgegeben, aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Ich habe mich in meinem Blog bereits mit beiden Missionen auseinandergesetzt und das Für und Wider dargelegt.

Jetzt muss noch ESA-seitig entschieden werden, ob tatsächlich der ESA-Beitrag zur Jupitermission realisiert wird, nämlich der Ganymed-Orbiter, oder ob am Ende dann doch eine andere große "Cornerstone"-Mission, entweder LISA oder das orbitale Röntgenteleskop IXO gewählt wird. Aber fürs Erste ist heute ein Freudentag für diejenigen, die neugierig auf die faszinierenden Welten des Jupitersystems sind. Sie haben nämlich eine gute Chance, einen wissenschaftlichen Großangriff auf das Jupitersystem mitzuerleben.

Ich bin sicher, dass sich am Ende jeder, egal ob Astronom, Planetologe, Raumfahrtingenieur oder auch interessierter Laie, mit der getroffenen Entscheidung anfreunden kann. Spätestens, wenn Reihe um Reihe hochaufgelöster Aufnahmen von der Oberfläche der galileischen Monde für Jedermann verfügbar sind.

Hier geht's zur Mitteilung der ESA

Hier ist die Pressemitteilung der NASA, mit Links zu schönen Filmen der Missionen

 


3 Kommentare zu “First we take Europa … then we take Titan”

  1. Daniel Fischer Antworten | Permalink

    Was wirklich *entschieden* wurde

    Das entscheidende Meeting hat ja bereits letzte Woche stattgefunden (und eine weichenstellende Telecon angeblich noch einige Tage früher); dann haben NASA und ESA offenbar noch etliche Tage gebraucht, um ihre exakt wortgleichen Pressemitteilungen zu verfassen.

    Außer dass das Saturnprojekt nicht als erstes fliegt (wegen angeblich größerer technischer Hürden; ein Editorial in Nature sah das vor ein paar Wochen genau andersherum), steht aber eigentlich bedenklich wenig drin: nämlich, dass Studien zu beiden Missionen weitergehen werden.

    Sie schreiben, dass als nächstes entschieden werden müsse, "ob tatsächlich die Mission zu Europa und Ganymed realisiert wird, oder ob am Ende dann doch eine andere große Flagschiffmission wie LISA oder das orbitale Röntgenteleskop IXO gewählt wird."

    So verstehe ich die PM - und auch den bisherigen Gang der Dinge - aber nicht: Noch nie war die Rede davon, dass die gemeinsame Mission wahlweise zu einem äußeren Planeten gehen oder ein Astrophysik-Satellit werden könnte. Die NASA versteht unter ihrem (neu uns Leben gerufenen) "Flagship" allein aufwändige Planetensonden.

    Davon gänzlich separat ist die Entscheidung der ESA zwischen einem substanziellen Beitrag zu nämlicher NASA-Mission (bei der es auch andere Bewerber um Mitfluggelegenheiten gibt; Russland hat vor kurzem eine Io-Sonde angeboten) oder einem Astrophysik-Satelliten. Richtig?

  2. Marco Antworten | Permalink

    Hoffentlich werden die dafür benötigten Gelder nicht allesamt für Staatshilfe für "notleidende" Banken und Industrieunternehmen verballert...

  3. Michael Khan Antworten | Permalink

    Antwort an Daniel Fischer

    Ihre Darstellung ist korrekt, meine Formulierung war es nicht: Ich hatte in der Tat nicht deutlich gemacht, dass die noch ausstehende Entscheidung sich allein auf den ESA-Anteil an der Jupiter-Mission bezieht. Ich habe meinen Artikel inzwischen entsprechend angepasst.

    Auch dies ist übrigens ein Argument für EJSM eher als TSSM, also für Jupiter gegenüber Saturn: Diese Mission ist robust gegenüber einem Aussteigen der Europäer, die Saturnmission deutlich weniger. Meine persönliche und unmaßgebliche Hoffnung ist aber, dass es nicht dazu kommt und dass sich auch eine ESA-Sonde im Jahre 2020 auf den Weg Richtung Jupitersystem macht, Endstation Ganymed.

    Was die technologischen Risiken angeht, da sehe ich bezüglich des ESA-Teils ganz klar den Ganymed-Orbiter im Vorteil gegenüber der Titan-Montgolfiere.

    Beim amerikanischen Teil der Mission könnte sich das anders darstellen, die gewaltige Strahlendosis, der ein Europa-Orbiter ausgesetzt sein wird, ist nicht einfach zu beherrschen. Das ist bei einem Titan-Orbiter schon wesentlich entspannter zu sehen.

    Von einer russischen Io-Sonde ist mir nichts bekannt, Sie meinen sicher den in meinem vorherigen Blog-Artikel erwähnten Europa-Lander. Da fehlen mir die Informationen, um abzuschätzen, wie die Chancen zur Realisierung stehen, auch ist nach meinem Kenntnisstand überhaupt erst einmal zu klären, wie dieser Lander überhaupt bis ins Orbit um Europa mitgeschleppt werden soll. Das müsste mit den Massenbudgets in Einklang gebracht werden.

Einen Kommentar schreiben


− fünf = 0