Kontakt mit Aliens: Nützlich? Schädlich?

1. Januar 2012 von Michael Khan in Irdisches

Was könnte geschehen, wenn die Menschheit mit einer extraterrestrischen Zivilisation Kontakt aufnimmt? Geschrieben wurde dazu schon viel Gescheites und weniger Gescheites. Was fehlte, war ein systematisches Herangehen und eine Analyse aller möglichen Szenarien. Diese Lücke haben drei US-Wissenschaftler unlängst mit einer interessanten Veröffentlichung geschlossen.

Es fällt den meisten Leuten schwer, sich diesem Thema mit dem gebotenen Ernst zu nähern. Das geht mir auch so, wie ich unumwunden zugebe. Auch die Autoren besagten Papers, ein Geograph, ein Meteorologe und ein Planetologe, haben so manche feine Spitze in ihren Überlegungen untergebracht. Es ist aber - vielleicht gerade deswegen - ausgesprochen lesenswert und informativ. Lesenwert ist es vor allem dank des flüssigen Schreibstils. Obwohl das Thema mehr im philosophischen als im naturwissenschaftlichen Bereich angesiedelt ist, ist er doch erfrischend frei von jeglichem Psycho-Babble oder undurchdringlichem Sozio-Jargon. Wer wirklich etwas zu sagen hat, der braucht eben kein verbales Blendwerk.

Zur Klarstellung: Die Autoren fassen im Rahmen ihrer Analyse den Begriff "Kontakt" recht weit: Er betrifft jegliche Art, mit der eine extraterrestrische Intelligenz (ETI) auf die Menschheit einwirken kann. Dazu gehören beispielsweise auch empfangene Signale, die von einer ETI ausgehen, selbst wenn diesen, so wie irdischen Rundfunkübertragungen, keineswegs der Versuch der Kontaktaufnahme zugrundelag. Dazu gehören auch andere klare Belege für die Existenz einer ETI, soweit die der Menschheit verfügbar werden, beispielsweise der Fund eines extraterrestrischen Artefakts.

Es geht also ausddrücklich nicht nur um Kontakte der Art "Sei gegrüßt, Erdling. Bring uns zu deinem Führer."

Die Autoren machen gleich von vorneherein klar, dass es bis jetzt keinen einzigen "Kontakt" dieser Art gegeben hat. Dennoch halten sie eine systematische Analyse der Szenarien, zu denen ein Kontakt mit einer ETI führen kann, für sinnvoll. Immerhin wäre ein solches Ereignis, wie sie in der Einleitung scheiben, "eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Menschheit". Es hätte weitreichende Konsequenzen für unser Selbstverständnis als denkende, vernunftbegabte Lebewesen.

Die Autoren treffen explizit keine Aussage zu den Eintrittswahrscheinlichkeiten der von ihnen betrachteten Szenarien. Sie reißen allerdings schon - wenn auch meist knapp - die Argumente an, die für oder gegen die Wahrscheinlichkeit eines Szenarios sprechen. Ferner schränken sie die Gültigkeit ihrer Analyse ein, indem sie selbst sagen, dass sie grundsätzlich die implizite Annahme einer homogenen ETI-Population voraussetzen. Wenn sie also eine "wohlmeinenden ETI" (benign ETI) erwähnen, impliziert dies die Annahme, dass die Aktionen aller relevanten Mitglieder dieser ETI (also beispielsweise die Besatzung eines extraterrestrischen Raumschiffs) bestrebt sein wird, auf dieselbe, in diesem Fall wohlmeinende, Art mit der Menschheit zu interagieren. Die Autoren erkennen hierin eine Schwäche ihrer Erwägungen und weisen darauf hin, diesen Punkt im Hinterkopf zu behalten, zumal ja die einzige uns bekannte intelligente Zivilisation, nämlich die menschliche, alles andere als homogen ist.

Zunächst untersucht diese Arbeit den relevanten Hintergrund. Dort ist zunächst das Fermi-Paradoxon zu nennen: "Wenn ETI verbreitet sind, wo sind sie?" Für das Fermi-Paradoxon gibt es verschiedene Lösungsansätze. Vielleicht gibt es überhaupt keine ETI und wir sind allein im Universum. Oder aber, ETI könnten selten, weit entfernt oder kurzlebig sein. Es gäbe sie also grundsätzlich, aber sie wären entweder immer oder gerade jetzt nicht erreichbar. Oder aber, es gibt sie, aber wir können nicht mit ihnen kommunizieren, aus verschiedenen Gründen. Oder aber, es gibt sie, aber sie vermeiden jegliche Kontaktaufnahme zu uns. Letzteres kann ebenfalls aus verschiedenen Gründen passieren; meine Lieblingstheorie ist die, dass sie uns aufgrund unserer Fernsehprogramme für kontaktunwürdig halten.

Wichtig ist in den einleitenden Kapiteln auch die Erläuterung der Bedeutung der gegensätzlichen Motivationen "Selbstsucht" und "Universalismus". Dass ein selbstsüchtiges Handeln einer ETI negative Konsequenzen für die Menschheit haben kann und wahrscheinlich haben wird, liegt auf der Hand. Nicht alle werden sich aber klar gemacht haben, dass dies auch für eine universalistische Motivation, also eine, bei der das Handeln an der Maximierung einer definierten Wertefunktion außerhalb des unmittelbaren Eingennutzes ausgerichtet ist. Menschliches Handeln ist in aller Regel selbstsüchtig, auch wenn vorgeblich höhere Ziele angestrebt werden. Auch ist die menschliche Sichtweise (verständlicherweise) anthropozentrisch. Diese Sicht muss von einer universalistisch handelnden ETI keineswegs geteilt werden. Wer beispielsweise Artenvielfalt als höchstes, schützenswertes Gut sieht und an der irdischen Biosphäre ein besonderes wissenschaftliches Interesse hat, wird es logisch finden, die eine Spezies auszulöschen, die für dieses höchste Gut die größte Gefahr darstellt. Das wären dann wir - so wie ein irdischer Gärtner auch radikal und mitleidlos den Giersch ausrottet (wenn er es schafft), bevor der seinen Garten komplett überwuchert. 

Nun aber geht es an die eigentlichen Szenarien.

Da sind zunächst die optimistischen, nach denen Kontakt mit einer ETI vorwiegend nützlich für die Menschheit wäre. Bereits die zweifelsfreie Feststellung der Existenz einer ETI könnte die Menschheit näher zusammenrücken lassen und einem Wir-Gefühl Vorschub leisten, erwachsen aus dem Bewusstsein, dass jeder Mensch, egal, welcher Hautfarbe, jedem anderen Menschen unendlich viel näher steht als eine extraterrestrische Rasse. Noch optimistischere Szenarien setzen voraus, dass ein tatsächlicher Kontakt im eigentlichen Wortsinn zustande kommt und dass es zum Austausch von für uns nützlichen Informationen von einer technisch höher stehenden ETI kommt. Der Optimismus wird dadurch genährt, dass eine technisch weit fortgeschrittene ETI auch Strategien zur friedlichen Konfliktlösung oder zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen gefunden haben muss, sonst hätte sie wahrschelich nicht bis zu dieser Entwicklungsstufe überlebt.

Eine kleine, in meinen Augen nicht besonders überzeugende Gruppe von Szenarien umfasst alle die, bei denen Kontakt mit einer ETI neutral für die Menschheit, also weder vorwiegend positive noch negative Auswirkungen hätte. Das würde bedeuten, dass es neben den positiven Effekten des gestiegenen Wir-Gefühls und der resultierenden menschheitsumfassenden Solidarität auch negative Auswirkungen geben muss, die die positiven Effekte gerade aufwiegen. Da scheinen mir die Überlegungen in der Arbeit aber recht aunausgereift.

Die weitaus größte Zahl der Szenarien umfasst solche, bei denen Kontakt mit einer ETI schädlich für die Menscheit ware. Eine ETI könnte uns absichtlich Schaden zufügen, entweder aus einer selbstsüchtigen, aber genau so gut auch aus einer universalistischen Motivation heraus, siehe oben.

Selbstsüchtige Motivation: Sie könnten uns essen oder versklaven oder uns aus einem anderen Grunde unserer Freiheit berauben. Dieser Grund muss uns jetzt gar nicht bekannt sein, es kann eine menschliche Eigenschaft sein, die uns gar nicht bewusst ist, die aber die Individuen einer ETI interessieren oder amüsieren könnte. Die Arbeit zitiert I.S. Shklovskii und Carl Sagan, die das Beispiel von Seelöwen bringen. Seelöwen werden von Menschen in Gefangenschaft gehalten, weil sie Bälle auf ihrer Nase balancieren können, was Menschen amüsiert, den Seelöwen selbst aber vor iher Gefangennahme gar nicht bekannt war. Wie schon beschieben, kann aber auch eine universalistische Motivations seitens einer ETI dazu führen, dass sie uns Schaden zufügen wollen. das Szenario, nach dem wir als Nahrung dienen sollen, ist nicht unbedingt plausibel. Beispielsweise kann der Verzehr eines gänzlich fremdartigen Organismus für den Verzehrenden erhebliche Gefahren bergen.

Ein Schaden kann allerdings auch ohne Intention der ETI geschehen, beispielsweise durch Einschleppen von Krankheiten oder Schädlingen, gegen die es keine Abwehr gibt. Diese müssten nicht einmal die Menschen selbst befallen, um schädlich zu sein, es reicht schon, wenn sie die Nahrungsmittelproduktion unterbrechen. Unabsichtliche, aber dennoch weitreichende Schädigung kann aber auch physikalischer Natur sein, so wie Menschen bei iher Ausbreitung auf der Erde die Habitate anderer Arten vernichten.

Unabsichtliche Schädigung könnte auch durch schiere Inkompetenz erfolgen, auf die Menschen kein Monopol haben dürften. Vielleicht ein außer Kontrolle geratenes physikalisches Experiment galaktischen Ausmaßes oder die unkontrollierte Ausbreitung von von-Neumann-Maschinen, die rücksichtslos alle Materie nutzen, die sie vorfinden, um weitere Klone ihre selbst zu kreieren.

Und noch vieles Anderes mehr - die Autoren habe sich recht genüsslich ausgemalt, auf welchem Wege wir zu Schaden kommen können. Deswegen macht das Lesen dieses Abschnitts auch am meisten Spaß. Sie weisen uns auf eines hin: Wenn eine Zivilisation, Dinge unternimmt, die vollkommen außerhalb unserer Möglichkeiten liegen, wie interstellare Explorationsreisen, ist sie uns weit überlegen. Im Konflikt mit einer solchen ETI ziehen wir wahrscheinlich - aber nicht unausweichlich - den Kürzeren.

An dieser Stelle möchte ich wiederholen, dass es in dieser Arbeit darum ging, alle denkbaren Szenarien aufzulisten, ohne Berücksichtigung der Plausibilität oder Wahrscheinlichkeit.

Last, but not least, ist an dieser Arbeit das immerhin 89 Quellen umfassende Literaturverzeichnis interessant. Dieses umfasst Veröffentlichungen zur Technik der Suche nach außerirdischem Leben und ETI ebenso wie naturwissenschaftliche und philosophische Überlegungen zum Kontakt zwischen Menschen und ETI und Möglichkeiten zur Ausbreitung der menschlichen Zivilisation im Sonnensystem und darüber hinaus, aber auch manches eher obskure Papier, bis hin zu Pamphleten radikaler Sektierer wie der Church of Euthanasia. Im Text wird vielfach Bezug auf bekannte Werke der Science-Fiction-Literatur genommen. Zu Recht, denn die Kunst reflektiert und fokussiert die öffentliche Wahrnehmung.

Diese Karikatur von Gary Larson illustriert ein weiteres Problem, das sich bei der Kommunikation mit einer ETI genau so stellen könnte (Übrigens: Was soll der dritte Satz auf der Tafel bedeuten?)

PS: Ich hatte diesen Artikel schon vor Längerem auf Vorrat geschrieben, aber bisher keinen geeigneten Zeitpunkt gefunden, ihn zu veröffentlichen. Es ist nicht so, dass ich am Silvesterabend nichts Besseres zu tun habe, als vor dem Computer zu sitzen.

Weitere Information

Seth D. Baum, Jacob D. Haqq-Misra, Shawn D. Domagal-Goldman: Would Contact with Extraterrestrials Benefit or Harm Humanity? A Scenario Analysis, veröffentlicht in Acta Astronautica 2011, 68(11-12), auf ArXiv abgelegt unter der Nummer 1104.4462 am 22. April 2011, und hier für die ganz Eiligen als einseitiges Executive Summary


31 Kommentare zu “Kontakt mit Aliens: Nützlich? Schädlich?”

  1. Patrick Antworten | Permalink

    "01. Januar 2012, 00:01 "
    Du bist jetzt aber nicht an Silvester vor dem PC gesessen und hast nen Blogbeitrag geschrieben, oder?

    [Antwort: Manchmal frage ich mich, warum ich mir die Mühe mache, Artikel zu schreiben, wenn sie ja doch am Ende eh keiner liest. Im Ernst jetzt. MK]

  2. Geomann Antworten | Permalink

    Gefahr von religiösen Außerirdischen!

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Der mögliche Kontakt mit Außerirdischen wird ja oft nur positiv herbeigesehnt, eine quasi-himmlische Erlösung durch Ersatzgötter. Natürlich gibt es auch viele Invasionsängste, Projektionen des Bösen usw.

    Aber es gibt durchaus rational berechtigte Sorgen. Stephen Hawking hat ja eindringlich vor Kontaktversuchen gewarnt. Was wiederum kritisch diskutiert wurde, etwa hier:
    http://journalofcosmology.com/Aliens100.html

    Wichtig ist, nach Motivationen "böser Aliens" zu fragen, um die Gefahr einschätzen zu können. Da kommt m.E. Fanatismus als oberste Gefahr in Frage. Ihr Blognachbar Michael Blume betont ja ad nauseam die triebhafte Vermehrung der Religiösen und ihren Missionseifer. Genau das könnten auch die Aliens tun. Geoff Miller und andere haben davor ja auch bereits ausführlich gewarnt:
    http://journalofcosmology.com/Aliens114.html

    Alles Gute kommt eben nicht von oben...

    Ihnen aber alles Gute für die weitere Blogarbeit, es ist immer eine Freude, hier vorbeizulesen.

  3. Mona Antworten | Permalink

    Sind Außerirdische anders oder nicht?

    Interessante Überlegungen! Der britische Astrophysiker Stephen Hawking hat zwar keine Zweifel, dass Außerirdische existieren, er warnt aber vor einer Kontaktaufnahme, da es uns sonst so gehen könnte wie den Eingeborenen bei der Landung von Christopher Columbus in Amerika.

    Das würde aber heißen, dass die Aliens uns ziemlich ähnlich sind und ebenfalls einen Hang zu Gier und Gewalt haben. Insofern haben wir also Angst vor unseren schlechten Eigenschaften und projizieren sie auch auf andere Spezies. Freundliche Beziehungen scheinen sich auch die drei US-Wissenschaftler eher nicht vorzustellen zu können, da es bei ihren Überlegungen nur nützlich, neutral oder schädlich für die Menschheit gibt. Das erinnert doch eher an eine angedachte Geschäftsbeziehung und schließ eine umfassende Weiterentwicklung von fremden Spezies aus. Was ich recht schade finde, da mein Lieblingsaußerirdischer, der Reisende aus der Serie Star Treck, beispielweise auch die Fähigkeit hat, Gedanken zu bündeln und sie Realität werden zu lassen, d.h. seine Spezies hat sich nicht nur technisch sondern auch mental weiterentwickelt. Meine Frage wäre deshalb: Müssen uns fremde Lebensformen immer ähnlich sein?

    P.S. Ein herzliches Dankeschön an den Blogbetreiber für die vielen interessanten Beiträge und ein gutes neues Jahr für alle.

    [Antwort: Die Autoren des Papers, auf das ich mich beziehe, haben sich explizit jeglicher Annahme zu spezifischen Eigenschaften von Aliens enthalten.

    Es ging ihnen ausdrücklich nur um die Auflistung aller theoretisch möglichen Auswirkungen eines Kontaktes mit einer ETI (im Paper als "trajectories" bezeichnet). Dort sind ist ausdrücklich auch der Fall freundlicher, kooperativer ETIen aufgenommen (Kapitel 3.2, Seite 11 ff, falls es jemand nachlesen möchte).

    Im Übrigen schließt auch ein freundliches, kooperatives Verhalten die Möglichkeit einer Schädigung nicht aus. Die Arbeit widmet ein ganzes Kapitel (Kap. 6, Seite 21ff) dem Thema "Unintentional harm to us". MK]

  4. Klaus Deistung Antworten | Permalink

    Die Vorgabe ist vielseitig

    Ein gutes Blogthema zum Jahresanfang 2012; zum Jahresschluss 2011 hieß es: Aliens auf dem Mond? http://www.scilogs.de/...12-28/aliens-auf-dem-mond .
    Das Jahr ist lang und viele Erkenntnisse sind zu erwarten. G. Bruno hat ja 1584 schon ein Universum mit vielen und auch bewohnten Planeten gelehrt. Wie schnell jetzt die Zahl der Exoplaneten steigt ist schon bemerkenswert. Mit einiger Sicherheit konnte ein Leben auf ihnen – in unserer bekannten Form – ausgeschlossen werden.
    Wenn wir aber flüssiges Wasser auf Exoplaneten finden, steigt die Wahrscheinlichkeit bedeutend.
    Das muss aber noch nicht heißen, dass wir mit Ihnen auch kommunizieren könnten. Der Austausch einer Information könnte im günstigen Fall Jahrzehnte dauern. Wenn, dann müssten sie uns schon näher gekommen sein – mit viel moderneren Fluggeräten als wir sie haben.
    Und ob unsere Nachrichtentechnik mit ihrer kompatibel ist - ist zu bezweifeln.
    Prof. Kippenhahn stellt zum Leben auf der Erde in „Die Psychologie der Außerirdischen“ AH 5/2006, S. 54 – 55 die Frage: „Begann es überhaupt auf der Erde?“ - Das ist eine weise Frage in einem dem Thema nahen Beitrag. Das heißt doch, dass die ETI den entsprechenden Vorsprung haben können.
    Prof. C. Brown befasst sich ausführlich in seinem Buch „Kosmische Begegnung“ Verlagsanstalt Knauer, München 1997 mit der Frage des Blogthemas. Ein Buchthema: Die Ausbildung zum galaktischen Diplomaten.

  5. Joker Antworten | Permalink

    Arte

    "Es ging ihnen ausdrücklich nur um die Auflistung aller theoretisch möglichen Auswirkungen ..."

    Vorteilhaft, Neutral oder Nachteilig. Respekt! Andere Möglichkeiten fallen mir auch nicht ein.

    Wie wäre es mit etwas mehr Differenzierung? Vielleicht gibt es in einem Bereich Vorteile, in einem anderen Nachteile. Nur, wie wollen wir die bei ETI-Kontakt gegeneinander verrechnen, wenn wir das schon jetzt nicht können? Kennt jemand eine allgemein anerkannte utilitaristische Bewertungsfunktion, die wir verwenden könnten? Im Artikel habe ich zumindest keine gefunden.

    Vielleicht gibt es auch nur für einzelne Exemplare oder Gruppen der Gattung Mensch Vorteile und für andere Nachteile. Wie soll das verrechnet werden?

    Die aufgezählten möglichen Konsequenzen scheinen mir kaum den Anspruch auf Vollständigkeit zu erfüllen. Da vermute ich, ist jede soziologische Studie ausführlicher, die die Folgen der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus untersucht (egal ob aus Sicht der Indianer oder aus Sicht der "zivilisierten Welt"). Würde man überhaupt eine wissenschaftliche Studie veröffentlichen, die ein Aufeinandertreffen von zwei menschlichen Kulturen zum Gegenstand hat, die dies ausschließlich unter der Perspektive macht "Vorteilhaft, Neutral oder Nachteilig"? Wäre diese nicht etwas unterkomplex, oder einfach langweilig?

    "meine Lieblingstheorie ist die, dass sie uns aufgrund unserer Fernsehprogramme für kontaktunwürdig halten"

    Vielleicht halten ETI uns für kontaktunwürdig, weil sie unser Niveau kennen, auf denen wir das Kontaktproblem diskutieren.

    Niemand weiß auf welchem Gebiet ETI von uns profitieren könnten. Vielleicht ist unser Fernsehprogramm sogar noch besser als ihres, und sie nehmen gerade deswegen Kontakt zu uns auf.

    [Antwort: Mein Artikel stellt nur einen Hinweis auf die Arbeit der drei zitierten Wissenschaftler und ist deswegen selbstverständlich stark verkürzt. Ich empfehle die Lektüre des verlinkten Papers, das sich durchaus differenziert mit diversen Unterszenarien auseinandersetzt.

    Ich sehe keinerlei Vergleichbarkeit mit einer Studie zum (sogar historischen) Zusammentreffen menschlicher Kulturen. Das ist aufgrund der gänzlich anderen Datenlage ein ganz anderes Thema. Wenn Sie zu einer derartig spekulativen Fragstellung einen ähnlichen Grad der Ausarbeitung erwarten wie zu einem historischen Ereignis, dann erwarten Sie meines Erachtens einfach zu viel und werden deswegen zwangsläufig enttäuscht. MK]

  6. Nick der Bösewicht Antworten | Permalink

    Wo sind sie?

    Ich denke, solange Aliens fürchten müssen von Teilen der Menschheit aufgrund ihrer alien-mässigen - und damit sehr warhscheinlich "falschen" - Theologie die Kehle durchgeschnitten zu bekommen, so lange werden sie sich von uns zu Recht fernhalten. Kann sich ja jeder ausrechnen, wann es überwiegen Atheisten auf diesem Planeten geben wird und die Aliens damit halbwegs sicher vor Missionierung wären . Meine Rechnung sagt: nie.

  7. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Heilige/Teufel unter Menschen und ETI's

    Warum sollen Extra Terrestrial Intelligence's nicht in vielerlei Hinsicht ähnlich sein wie wir Menschen. Das heisst: auch bei den ETI's ist die UNO (United Nations Organization) mit grosser Wahrscheinlichkeit nur eine Vision und es gibt auch dort Schurkennationen und solche, die die Wohlfahrt aller Menschen (äh ETI's) fördern wollen nebeneinander. Warum nicht soll es auch bei den ETI's gerissene Privatunternehmer geben, die über Leichen gehen, Attilas, Hitlers und Ghandis. Dumm nur, dass der aufeinanderfolgende Besuch zweier ausserirdischer Ghandis einen späteren Besuch eines Attilas nicht ausschliesst.

  8. Klaus Deistung Antworten | Permalink

    Praktischer gesehen?

    Die 3 genannten Autoren mit ihren Quellen sind die eine Seite – weitere Autoren haben das etwas praktischer gesehen. St. Spielberg produzierte 10 Folgen der Serie TAKEN - das Emmy-prämierte Mystery-Drama - bei der ETI eine Rolle spielen, und er hatte zahlreiche Berater aus den USA und Kanada.
    Prof. M. Kaku ist nicht bloß einer der bekanntesten Physiker in den Vereinigten Staaten, sondern trat auch auf der A.A.S.-Weltkonferenz 2003 in Interlaken mit dem Vortrag „Herrscher über Raum und Zeit“ auf, berichtete auch über seine Arbeit als SF-Berater http://tatjana.ingold.ch/index.php?id=wk2003 .
    Prof. J. E. Mack - Pulitzer-Preis 1977 - schrieb das Buch „Entführt von Außerirdischen“. Es gab mächtigen „Gegenwind“ an der Harvard University. Wie G. Bruno änderte er seine Meinung nicht.
    Und schließlich werden Gott, bzw. Götter mit dem Himmel in Verbindung gebracht. Einer Dozentin zum Gilgamesch Epos – auch da geht es nicht ohne Götter - stellte ich in der Pausendiskussion die Frage: „Wo kommen die Götter eigentlich her?“ - Und gab 2 Vorgaben:„Sie schufen nach 1.Mo 1, 26 den Menschen – oder die Menschen schufen sich die Götter, damit sie sich erklären konnten, was sie sich nicht erklären konnten?“ - „Genau so war es!“ - sagte die erfahrene Dozentin.

  9. bergheim Antworten | Permalink

    Kontakt mit Ausserirdische - Nutzlich

    Ich sehe es als nützlich.
    Doch, es ist sehr möglich Kontakt mit Außerirdische ist bereits geschehen. Nach meiner Meinung war Billy Meier ein Kontakt Person zu Außerirdische Intelligenzen .Er lieferte sehr gute Beweise dafür. Und viele Zeugen unterstützte seine Beweise. http://www.meiersaken.info/

  10. Chrys Antworten | Permalink

    Gary Larson

    In der Karikatur, die dritte Zeile auf der Tafel lese ich als "be-in fayo", wozu der spanische Ausdruck "bien feo" phonetisch passen würde.

    Larson hat sich noch weitere Gedanken passend zum Thema gemacht:
    http://s4.hubimg.com/u/209679_f520.jpg

  11. Klaus Deistung Antworten | Permalink

    @ Mona

    Eine gute Frage! Prof. Lesch ist Verfechter der These [1], "...dass die Naturgesetze, die wir kennen, überall im Universum gültig sind..." Dann würde ich primär davon ausgehen, dass die Außerirdischen uns ähnlich sind. Über eine lange Entwicklung können sie mutieren.
    Für sie sind wir ihre „Außerirdischen“. Die Ähnlichkeit kann bis dahin gehen, dass sie sich mit uns kreuzen können – lt. Bibel geht das.
    1959 startete die 1. Rakete eine Sonde zum Mond. In den letzten 50 Jahren folgten auch Sonden zu den Nachbarplaneten und den Gasriesen. Was werden wir in den Nächsten 50 Jahren erreichen? Der Nachbarplanet Mars soll Besuch bekommen. 100 weitere Jahre, 1000 – bleiben wir allein im All auf uns gestellt? Im indischen Mahâbhârata wird schon von Fluggeräten Vimana berichtet. Kann das für uns nützlich oder schädlich sein? Fachleute müssten die Aussagen bewerten.

    [1] Koszudowski, St.; Wingerter, Th.: Nachrichten aus dem Kosmos: Interview mit Harald Lesch. AH 5/2006, S. 29 - 30

  12. Mona Antworten | Permalink

    @Klaus Deistung

    Auch wenn die Naturgesetze überall im Universum gültig sind, so kann schon eine leicht andere Genvariante oder verschiedene Mutationen zu völlig anderen Geschöpfen führen, wie beispielsweise im Tierreich. Die Gene von Mensch und Schimpanse sind zu 99% identisch, trotzdem unterscheiden sich die beiden Spezies doch gewaltig voneinander. Wenn dann noch eine etwas andere Umwelt hinzukommt, dann könnten die Unterschiede noch größer sein.

    In der sog. Prä-Astronautik werden auch Theorien zusammengefasst, die davon ausgehen, dass Außerirdische in der Frühzeit der Menschheit die Erde besucht hätten und die Menschen dadurch auch beeinflusst worden wären. Allerdings sind diese Annahmen nicht anerkannt, aber Sie befassen sich ja mit diesen Dingen und wissen da sicher besser Bescheid. Auf Wikipedia kann man folgendes dazu lesen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4-Astronautik

    Man könnte da natürlich weiter spekulieren, vielleicht gelingt es den Menschen in der Zukunft fremde Planeten zu besiedeln und aus irgendeinem Grund reißt der Kontakt zu den Siedlern für immer ab. Im Laufe von einigen hunderttausend Jahren würde man sich dann so weit auseinander entwickeln, dass man sich nicht mehr "erkennen" würde. Gut möglich, dass das in der Vergangenheit in ähnlicher Form schon einmal passiert ist - wer weiß das schon. :-)

    Allerdings sind die erdähnlichen Planeten, die neuerdings entdeckt wurden, so weit weg, dass man wohl mehrere Generationen bräuchte um sie zu erreichen oder Fluggeräte haben müsste, die mit Überlichtgeschwindigkeit fliegen würden - was kaum machbar ist. Das Reisen zu fremden Sternen und Galaxien wird wohl Science Fiction bleiben, oder?

  13. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona

    Ob die Naturgesetze, die in unserer Ecke des Universums gelten, auch genau so anderswo im Universum gelten, ist in der Tat eine nicht-triviale Frage. Dort, wo das für unsere Wissenschaft messbar ist, wurde bei fundamentalen Parametern, die den Naturgesetzen zugrunde liegen, keine Abweichung von den uns bekannten Werten entdeckt, siehe beispielsweise hier.

    Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Feststellung, dass man aus der Gültigkeit derselben Naturgesetze keine Aussage über eine mögliche Ähnlichkeit zwischen irdischen und außerirdischen Lebewesen herleiten kann.

    Völlig absurd sind in diesem Zusammenhang natürlich noch weitergehende Behauptungen, wie sie in anderen Kommentaren gefallen sind. Wer mit so etwas anfängt, sollte nicht erwarten, Ernst genommen zu werden.

  14. Mona Antworten | Permalink

    Nachtrag

    Unter Wissenschaftlern kommen inzwischen Zweifel auf, ob extraterrestrisches Leben in jedem Falle Kohlenstoffbasiert sein muss. Natürlich wird noch immer nach Planeten gesucht, die unserem ähnlich sind und von intelligenten Wesen bevölkert sind. Wie ich in meinem letzten Kommentar schon schrieb, sind diese Planeten jedoch elend weit von uns entfernt und wir können sie wohl nie erreichen. Was aber ist, wenn es extraterrestrisches Leben gibt, das nicht Kohlenstoffbasiert ist und unserem gar nicht gleicht, weil es sich aus anorganischen Bestandteilen entwickelt hat und nur in Form von Mikroben oder Ähnlichem vorkommt?
    Siehe dazu auch: http://www.freitag.de/wissen/1150-die-anderen

    @Klaus Deistung
    Ich habe mir inzwischen Ihre Homepage angesehen, aber leider fehlt mir etwas der Glaube an diese Dinge. Und ich bin auch der Ansicht, dass unsere Vorfahren oft unterschätzt wurden und sie auf manchen Gebieten mehr wussten, als wir heutzutage annehmen. Ich gehe daher davon aus, dass sie keine Hilfe von Außerirdischen hatten.

    @Michael Khan
    Danke für den Link. Leider setzen sich auch die Macher von Science Fiction Filmen gerne mal über die Naturgesetze hinweg und produzieren Unrealistisches.
    Hier eine Übersicht: http://www.kino.de/...egen-die-naturgesetze/299542

  15. Michael Khan Antworten | Permalink

    Kohlenstoff-basiertes Leben

    Über Lebensformen, die nicht auf Kohlenstoff aufbauen, wird schon seit Langem spekuliert. Zwar ist, soweit mir bekannt, kein Element bekannt, das derartig geeignet als Basis für die Biochemie ist wie Kohlenstoff. Wenn die hier gültigen Naturgesetze auch anderswo im Universum gültig sind, dann sind auch die Gesetze der Biochemie gültig. Natürlich kann es sein, dass bei ganz anderen Umgebungsbedingungen eine ganz fremdartige Biochemie besser gedeiht als die organische.

    @Mona: In ihrem letzten Kommentar haben Sie mich wohl mit Karl Bednarik verwechselt. :-) Ihren Aussagen dort stimme ich aber dennoch zu.

  16. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Hallo an alle zusammen,

    Dr. Friedrich Hecht war der Erste:

    Die Themen "Die Götter waren Astronauten" und "Atlantis" wurden bereits im Jahre 1951 von Professor Dr. Friedrich Hecht, einem Geochemiker aus Wien, unter dem Pseudonym "Manfred Langrenus" in seinem Science-Fiction-Roman "Reich im Mond" beschrieben.

    Erst im Jahre 1968, also 17 Jahre später, wurde ein grosser Teil von "Reich im Mond" von Erich von Däniken abgeschrieben, und dann schonungslos von der Science-Fiction zur Wissenschaft umgewidmet, als "Erinnerungen an die Zukunft".

    ---

    Philip K. Dick war der Erste:

    Selbstreproduzierende Mikromechanismen entstehen aus entarteten
    Roboterfabriken: "Autofac", Philip K. Dick, 1954.

    Selbstreproduzierende Mikromechanismen entstehen aus entarteten
    Von-Neumann-Sonden: "Der Unbesiegbare", Stanislaw Lem, 1964.

    Das Ende von Autofac:

    http://www.polyamory.org/...echnology/Autofac.html

    oder

    http://www.technovelgy.com/ct/content.asp?Bnum=793

    ---

    Kohlenstoff-Leben, konservativ beschrieben:

    Geschichten über das Leben

    http://www.e-stories.de/...geschichten.phtml?30976

    Kohlenstoff-Leben, innovativ beschrieben:

    Die grünen Wolken der Venus

    http://www.e-stories.de/...geschichten.phtml?29633

  17. Mona Antworten | Permalink

    Suche nach extraterrestrischem Leben

    Falls es Lebensformen geben würde, die nicht kohlenstoffbasiert sind, sondern z.B. siliziumbasiert, so könnte sie der ExoMars-Rover, der 2018 auf den Mars geschickt wird, gar nicht aufspüren. In dem von mir oben verlinkten Artikel steht zwar, dass sich an Bord des Rover ein "Life Marker Chip" mit Antikörpern befindet, der auf 25 Biomarker reagieren und auf diese Weise organische Moleküle aufspüren kann, aber das gilt nicht für Lebensformen, die ohne Wasser auskommen und Ähnliches.
    http://sci.esa.int/...d=45103&fbodylongid=2193

    Anscheinend ist es schon schwierig genug, die Experimente, die auf dem Mars gemacht wurden, zu interpretieren. Ich habe mir eben "Die Landung von Viking" durchgelesen, da wusste man nicht mal genau, ob man nun Leben (in Form von Flechten oder Moosen) gefunden hatte oder nicht. Dazu heißt es: "Alles in allem halten heute die meisten Exobiologen die Experimente von Viking für wenig aufschlussreich: Man habe an der falschen Stelle und mit den falschen Mitteln nach Leben gesucht...".
    http://www.oocities.org/mars2018de/raumsonden1.htm

    Herr Khan, ich habe Sie übrigens nicht verwechselt. Meine Antwort bezog sich auf Ihren Link zu den Naturgesetzen. Vielleicht hätte ich eine etwas ausführlichere Begründung dazu schreiben sollen. Mein Sprung von den irdischen Naturgesetzen, die auch im fernen Universum gültig sind, zu denen in Science Fiction Filmen war wohl doch etwas zu groß, das gebe ich zu.

  18. Michael Khan Antworten | Permalink

    Zur Suche nach Leben, wie wir es kennen

    @Klaus Deistung

    Herr Deistung, suchen Sie bitte einen anderen Blog heim.

    @Mona:

    Falls es Lebensformen geben würde, die nicht kohlenstoffbasiert sind, sondern z.B. siliziumbasiert, so könnte sie der ExoMars-Rover, der 2018 auf den Mars geschickt wird, gar nicht aufspüren.

    Dazu zweierlei:

    Erstens wird es keinen ExoMars-Rover der ESA geben. Die Amerikaner haben den Europäern letztes Jahr mitgeteilt, dass sie sich den Plan, 2018 einen eigenen Rover zusammen mit einem NASA-Rover zum Mars zu schicken, in die Haare schmieren können. Die Tragödie des ExoMars-Projekts habe ich hier beschrieben. Es wird den Europäern allenfalls gestattet, ein paar Experimente zu finanzieren, die auf einem US-Rover installiert werden. Naja, gut. Für eine Tragödie ist das Ganze zu lächerlich. Zugegeben.

    Zweitens haben Sie vollkommen Recht, die Suche nach Leben auf dem Mars ist eigentlich ein Kürzel für "die Suche nach Leben, wie wir es kennen, auf dem Mars". Das LMC-Experiment setzt eine ganze Menge Ähnlichkeit mit irdischen Lebensformen voraus.

    Es gab noch ein anderes Experiment zur Suche nach Lebensspuren, das aber inzwischen hinten runter gefallen ist. Jenes Experiment basierte auf einer speziellen Eigenschaft biogener Aminosäuren, nämlich der Homochiraliät.

    Biologisch wichtige Moleküle können in zwei spiegelbildliche zueinander aufgebauten Versionen vorkommen, den Enantiomeren. In der terrestrischen Biochemie kommt fast ausschließlich die linksdrehende Variante vor. Es sollte nun auf dem Mars überprüft werden, ob in Bodenproben Spuren von Aminosäuren feststellbar sind und falls ja, ob links- und rechtsdrehende annähernd gleichverteilt sind (das nennt man ein Racemat) oder ob es eine eindeutige Homochiralität gibt. Letzteres wäre ein Indiz für eine biologische Herkunft dieser Moleküle, ein Racemat dagegen ein Indiz für eine nichtbiologische.

    Anscheinend ist es schon schwierig genug, die Experimente, die auf dem Mars gemacht wurden, zu interpretieren. Ich habe mir eben "Die Landung von Viking" durchgelesen, da wusste man nicht mal genau, ob man nun Leben (in Form von Flechten oder Moosen) gefunden hatte oder nicht.

    Das ist meines Wissens so nicht zutreffend, die Experimentenausstattung der Viking-Lander war lediglich in der Lage festzustellen, ob es überhaupt Spuren darauf gibt, dass sich irgendwelche Lebensformen mit einem Stoffwechsel in den untersuchten Bodenproben befinden.

    Dazu gab es drei Experimente an Bord jenes Viking-Landers:

    1.) Gas Exchange: Probe wurde mit Nährstoffen übergossen, dann wollte man feststellen, ob sie die Atmosphäre im Behälter verändert hatte --> negativ.
    2.) Pyrolytic Release: Probe wurde mit Licht beschienen, in die Atmosphäre im Behälter wurde Kohlendioxidgas mit radioaktiven Kohlenstoffatomen gegeben. Man wollte messen, ob etwas von diesem Kohlenstoff im Boden gebunden wurde --> negativ
    3.) Labeled Release: Probe wurde mit Nährlösung begossen, die mit einem radioaktivem Kohlenstoffisotop versetzt war. Man wollte messen, ob sich etwas von diesem radioaktivem Isotop in der Atmosphäre im Behälter nachweisen lösst --> positiv! Allerdings wurde später auch eine mögliche nicht-biologische Erklärung für das positive Ergebnis gefunden, nämlich die Anwesenheit stark oxidierenden Wasserstoffperoxids in den Proben.

    Außerdem gab es noch einen Gaschromatographen/Massenspektrometer, mit dem man feststellen kann, welche chemischen Elemente und Moleküle sich in einer gasförmigen Probe befinden.

    Sie sehen, das ist alles noch ein paar Stufen unterhalb der Charakterisierung einer Lebensform angesiedelt. Es ging wirklich nur darum, überhaupt die Anwesenheit von typischen Merkmalen von Lebensformen festzustellen - auch hier Formen von Leben, wie wir es kennen.

  19. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Hallo Michael Khan,

    wurde schon bei einer Mars-Mission ein Mikroskop verwendet, das Objekte von 0,001 mm Grösse (wie Bakterien) zeigen kann (am Besten mit Long Distance Objektiv, weil berührungslos)?

    Eine Idee wäre es auch, einen CASY-Counter oder einen Coulter-Counter anzuwenden, um ein Partikel-Grössen-Häufigkeits-Diagramm zu erstellen (ich finde den CASY-Counter besser).

    Die Mikroskope und die beiden Counter lassen sich problemlos miniaturisieren und leichter machen, die Counter könnte man vielleicht als Fluidik-Chip ausführen.

    Mit diesen Methoden könnte man mehr als nur erdähnliches Leben nachweisen, denn im Prinzip sucht man nach häufigen ähnlichen Partikeln, die ein Zeichen von Selbstreproduktion sein können.

    ---

    Selbstreproduzierende Mikromechanismen, die Rover fressen, scheint es auf dem Mars nicht zu geben.

    Die Realität sieht anders aus, Video, 31 Sekunden:

    http://www.youtube.com/watch?v=8AoAJOF5GVQ

  20. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Karl Bednarik

    wurde schon bei einer Mars-Mission ein Mikroskop verwendet, das Objekte von 0,001 mm Grösse (wie Bakterien) zeigen kann (am Besten mit Long Distance Objektiv, weil berührungslos)?

    Hierin steckt auch wieder eine implizite Annahme der Ähnlichkeit, nämlich in der Festlegung der Größe.

    Sie nennen einen Wert von 1000 nanometer, das gezeigt werden soll. Die eigentliche Auflösung des Mikrosops müsste nochmals deutlich besser sein als dieser Wert.

    Wenn ich auf die Kontroverse um den Meteoriten ALH84001 verweise: Dort lag das (meines Wissens nicht abschließend geklärte) Problem darin, dass die Objekte, die man zu erkennen meinte und die man für mögliche Mikrofossilien hielt, eigentlich deutlich zu klein waren, nämlich so ab 20 nanometer. Da wären wir schon im Bereich von Elektronenmikroskopen.

    Ich weiß nicht, inwieweit sich diese Technologie miniaturisieren lässt, damit sie an Bord einer Landesonde passt, nicht mehr als einige Kilogramm wiegt und weltraumtauglich ist. Bei einer bemannten Mission wäre das kein Thema; da würde man wahrscheinlich schon am ersten Tag der wissenschaftlichen Erkundung mehr Ergebnisse bekommen als bei allen bisherigen landemissionen zusammengenommen.

    Die Diskussion um mögliche irdische Nanobakterien, die von medizinischer Bedeutung sein könnten, weist nach meinem Verständnis deutlich darauf hin, dass die Morphologie allein kein brauchbares Kriterium bei der Identifizierung neuer Lebensformen ist.

  21. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Hallo Michael Khan,

    danke für die Antwort.

    Der Grund warum die Viren und die vermuteten Nanobakterien so klein sein können, ist, dass sie zu ihrer Vermehrung fremde Hilfe von grösseren Zellen erhalten.

    Auch das Bakterium Mycoplasma genitalium mit 482 Protein codierenden Genen und 580.000 Basenpaaren lebt in warmen, feuchten Schleimhäuten von Säugetieren, wo es jede Menge an femder Hilfe erhält.

    Die absolute Mindestanzahl für ein selbstreproduzierendes System dürften die 381 Protein codierende Gene bei Mycoplasma laboratorium sein.

    Für ein selbständiges Überleben in der freien Wildbahn muss ein Bakterium wesentlich mehr Fähigkeiten haben (rund 10 mal mehr), wie zum Beispiel Escherichia coli mit 5000 Genen und 4.650.000 Basenpaaren.

    Vermutlich gilt das auch für völlig exotische fremde biochemische Vorgänge.

    Mit der femden Morphologie haben Sie aber sicher recht.

    Das Plasmodium der Schleimpilze Myxogastria kann mehrere Quadratmeter gross werden, und dabei sind zwar mehrere Zellkerne, aber keine trennenden Zellwände darin (zum Beispiel Physarum polycephalum).

    Wenn man Pech hat, dann steht der Phoenix Mars Lander auf einer einzigen riesigen Zelle.

    Das hat Stanislaw Lem vermutlich zu seinem Roman Solaris angeregt.

  22. Mona Antworten | Permalink

    @Michael Khan

    "Erstens wird es keinen ExoMars-Rover der ESA geben."

    Die Tragödie des ExoMars-Projekts" habe ich natürlich gelesen. Mit was der Mars-Rover letztlich ausgestattet ist, sollte er irgendwann tatsächlich mal starten, weiß ich nicht. Gibt es in der Sache inzwischen Neuigkeiten? Danke jedenfalls auch noch für die weitergehenden Erläuterungen.

  23. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Karl Bednarik

    Ihre Argumentation zur Mindestgröße von Mikroorganismen ist fundiert und schlüssig. Ich würde Ihnen da keineswegs widersprechen.

    Man sieht allerdings auch hier wieder, dass es offenbar gar nicht anders geht - mit gutem Grund - als dass man sich an dem orientiert, was man von der irdischen Biochemie her weiß.

    Es gibt auch gute Argumente dafür, dass eine extraterrestrische Biochemie ebenfalls kohlenstoffbasiert wäre und wie auch die irdische Biochemie auf Aminosäuren und Proteinen aufbauen dürfte.

  24. Mona Antworten | Permalink

    Leben auf fremden Planeten

    @Karl Benarik

    Sie schrieben: "Das Plasmodium der Schleimpilze Myxogastria kann mehrere Quadratmeter gross werden, und dabei sind zwar mehrere Zellkerne, aber keine trennenden Zellwände darin (zum Beispiel Physarum polycephalum).

    Wenn man Pech hat, dann steht der Phoenix Mars Lander auf einer einzigen riesigen Zelle."

    Myxogastria sind strenggenommen auch kein Pilze, sondern große Amöben. Man findet sie meist auf totem Holz (ihr wichtigstes Microhabitat), das aber dürfte auf fremden Planeten eher selten sein.

    Wenn man also vermutet, dass der Phoenix Mars Lander auf einer einzigen riesigen Zelle steht, dann sollte das genau überprüft werden, denn am Ende ist es nur ein Schmierfleck, weil dem Mars Lander das Öl ausgelaufen ist. :-)

    @Michael Khan

    Ob extraterrestrisches Leben dem irdischen gleicht? Dazu hätte es wohl genau die gleichen Umweltbedingungen gebraucht und die Entwicklung hätte ähnlich wie auf der Erde ablaufen müssen. Und natürlich hätte es die Grundbedingung für Leben geben müssen: Kohlenstoff-12.

    Kürzlich konnte der sogenannte Hoyle-Zustand von Kohlenstoff-12, der bereits seit 1954 bekannt ist, von Forschern mit einem "Supercomputer" berechnet werden.

    Man vermutet zwar, dass die Naturkonstanten genau so und nicht anders aufeinander abgestimmt sein müssten, damit leben entstehen kann. Um diese Frage abzuklären, wollen die Physiker nun aber verschiedene Parameter verändern, um zu sehen, ob dabei immer noch ein Zustand herauskommt, der die Entstehung von Kohlenstoff-12 ermöglicht. Könnte also spannend werden.

  25. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Mona

    Ob extraterrestrisches Leben dem irdischen gleicht? Dazu hätte es wohl genau die gleichen Umweltbedingungen gebraucht und die Entwicklung hätte ähnlich wie auf der Erde ablaufen müssen.

    Deswegen muss man mit dem Wort "gleichen" auch vorsichtig umgehen, denn damit meinen verschiedene Leute ganz unterscheidliche Dinge. Ein extremophiles Bakterium, das nur in einer heißen Schwefelquelle leben kann und sonst nirgends, "gleicht" einem Mauersegler darin, eine kohlenstoffbasierte Biochemie zu haben. Diese Lebensformen gleichen einander auch in der Art, wie in ihren Chromosomen Informationen kodiert werden. Dennoch sid die Unterscheide beliebig groß.

    Ich denke, man kann sich darauf einigen, dass es auch bei Annahme kohlenstoffbasierter Biochemie (wofür Einiges spricht) noch gewaltigen Spielraum für Unterschiede gibt.

  26. Hannes Antworten | Permalink

    Großer Dank an den Autor oder die Autoren für diesen Blog-Beitrag. Sollte bei führenden Suchmaschinen ruhig weiter "oben" platziert werden. Wenn alles passt und kein"x-Faktor" eintritt, wird (meiner bescheidenen Laienmeinung nach) ein erstes eindeutig zuzuordnendes Signal einer außerirdischen technologischen Zivilisation bei "uns" zwischen 38.000 und 43.000 n.chr. Eintreffen. ------good luck-------

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