Curiosity: Staubbürste zum ersten Mal eingesetzt

8. Januar 2013 von Michael Khan in Raumfahrt

Der Mars-Rover Curiosity hat zum ersten Mal die Drahtbürste zum Entfernen von Staub eingesetzt (DRT: Dust Removal Tool), um die Oberfläche anstehenden Gesteins zu reinigen und sie so für Analyse-Instrumente wie das Alpha-Particle-X-Ray-Spectrometer (APXS) und die optische Nahaufnahmeeinheit MAHLI zugänglich zu machen.

Bild PIA16565 mit Beschreibung, Quelle NASA/JPL/MSSS

Mahli-Aufnahme des gefegten Stücks anstehenden Gesteins im Krater Gale. Das sauber gefegte Stück ist etwa 5x6 cm groß.  Quelle: NASA/JPL-CalTech/MSSS

SPON schien diese Nachricht als Anlass zur Erheiterung zu sehen, muss da aber etwas missverstanden haben. Die Nachricht ist nicht, dass da nun ein Stück Gestein auf dem roten Planeten sauberer ist als zuvor, sondern dass ein bis jetzt noch nicht eingesetztes Stück Technik auf dem Riesenrover erstmals eingesetzt wurde und dass es funktioniert wie vorgesehen. Ja, das ist sehr wohl eine berichtenswerte Neuigkeit.

MAHLI-Nauaufnahme der gefegten Oberflaeche, Quelle: NASA/JPL-CalTech/MSSS

MAHLI-Nahaufnahme der gefegten Oberfläche aus geringem Abstand, Quelle: NASA/JPL-CalTech/MSSS

Nicht sehr erheiternd ist allerdings, dass SPON, bzw. dpa, weiterhin behauptet, die Aufgabe von Curiosity sei dei Suche nach Leben. Wozu macht sich denn NASA/JPL die Mühe, ein ausführliches und lesenswertes Press Kit zur Mission bereitzustellen? Dort steht auf Seite 8, der ersten wirklichen Textseite nach Umschlag, Inhaltsverzeichnis und Vorgeplänkel (Schrägschrift und Fettdruck von mir eingefügt):

The mission will assess whether the area Curiosity explores has ever been a potential habitat for Martian life. Whether life has existed on Mars is an open question that this mission, by itself, is not designed to answer. Curiosity does not carry experiments to detect active processes that would signify present-day biological metabolism, nor does it have the ability to image microorganisms or their fossil equivalents. However, if this mission finds that the field site in Gale Crater has had conditions favorable for habitability and for preserving evidence about life, those findings can shape future missions that would bring samples back to Earth for life-detection tests or for missions that carry advanced life-detection experiments to Mars. In this sense, the Mars Science Laboratory is the prospecting stage in a step-by-step program of exploration, reconnaissance, prospecting and mining evidence for a definitive answer about whether life has existed on Mars.

Ich hoffe, dass diese klare Ansage endlich einmal zur Kenntnis genommen wird. Wie oft denn noch?


9 Kommentare zu “Curiosity: Staubbürste zum ersten Mal eingesetzt”

  1. Hans Antworten | Permalink


    Ich hoffe, dass diese klare Ansage endlich einmal zur Kenntnis genommen wird.

    Das hoffe ich auch, oder um mal aus einer (bekannten ?) SF-Serie zu zitieren: "Das hoffen wir alle." :-)

    Aber ich glaube, in diesem Fall haben die Leute von den Nachdenkseiten wieder recht, die den Spiegel und seinen Onlineauftritt mittlerweile für "die Bild-Zeitung der Intellektuellen" halten. Leider hab ich gerade keinen Link parat um die Behauptung zu belegen, aber wer da regelmässig mitliest, wird früher oder später drauf stossen.

    Wäre noch anzumerken, dass die Kommentare unter dem SPON-Artikel auch kaum an Albernheit zu übertreffen sind. Obwohl, da die menschliche Dummheit nach Einstein ja unendlich ist, - wer weis was für ein Unsinn da noch kommen mag...

  2. Markus Antworten | Permalink

    Fachliche Kompetenz

    Leider ist es auch noch so, dass der Journalist Geophysik zumindest studiert hat. Es ist schon traurig, dass man sich so weit von der Wissenschaft entfernt, dass man wirklich bahnbrechende Experimente, die gerade auf Curiosity im Gange sind nicht zu schätzen weiss. Ich wirklich kein Gegner von einem guten Witz oder dem Einstreuen unterhaltsamer Aspekte in einem Wissenschaftlichen Artikel - wie gesagt ich bin kein Gegner von einem *guten* Witz

  3. Mona Antworten | Permalink

    Ich bin ein Olm – Holt mich hier raus!

    Vielleicht hockt ja irgendwo auf dem Mars doch ein Olm in seiner Grotte und wartet darauf entdeckt zu werden. Man kann SPON nur wünschen, dass er keinen Exklusivvertrag mit dem FOKUS abgeschlossen hat, denn der war schon mal nahe dran ihn zu entdecken:

    http://www.focus.de/...uf-dem-mars_aid_681134.html

  4. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Kontamination

    In den letzten paar Milliarden Jahren haben die inneren Planeten eine Anzahl von Meteoriten ausgetauscht.

    Der erste Planet, der Leben entwickelt hatte, hätte seine Nachbarn mit Mikroorganismen kontaminieren können.

    Vermutlich war der Mars auf Grund seiner geringeren Masse etwas früher als die Erde auf lebensfreundliche Temperaturen abgekühlt.

    Die geringere Masse erleichtert auch den Export von Meteoriten.

    ---

    Zwei heitere Videos über das Leben auf dem Mars:

    http://www.youtube.com/watch?v=8AoAJOF5GVQ

    http://www.youtube.com/watch?v=BxhEUab7294

  5. Michael Khan Antworten | Permalink

    Zum Fokus-Artikel

    Der im Kommentar von Mona zitierte Fokus-Artikel gibt meines Wissens zutreffend den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Theorie zum Thema der Möglichkeit der Existenz von Lebensformen auf dem Mars (bzw. unter seiner Oberfläche wieder. Ich sehe da nichts Unrichtiges oder Absurdes. Zudem unterstreicht der zitierte Artikel den Wissenschaftlichen Wert des gewählten Landeortes im Krater Gale.

  6. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Markus

    Also, ich finde es gut, dass da auf dem Mars endlich mal einer sauber macht. Unmöglich, wie das da aussieht. Staub, wo man hin schaut. Als hätte da schon seit Jahrmilliarden keiner mehr geputzt.

    Höchste Zeit, dass die Deutschen mal eine eigene Landesonde zum Mars schicken. Eine schwäbische, wenn möglich. Die sollte dann aber mehr putzen als nur 30 Quadratzentimeter.

  7. Carl Antworten | Permalink

    Naja...

    ...erheiternd finde ich es schon, daß die NASA uns über jedes Manöver der Mission auf dem laufenden hält, selbst über die Vorbereitungen der Experimente, insofern kann ich die Amüsiertheit von Spiegel-Online schon verstehen...

  8. Michael Khan Antworten | Permalink

    Wie man es macht, ist es falsch

    Über die NASA meckert man, weil sie zu viel Information liefert. Über die ESA, weil sie zuwenig liefert. Wie schön, dass es zumindest zum Meckern immer einen Grund gibt. ;-) Mir ist im Zweifelsfalle die NASA-Informationspolitik lieber. Wenn mich etwas nicht interessiert, muss ich die PM ja nicht bis zum Ende lesen.

    Übrigens wurde das Design der ESA-Webseiten gerade kräftig aufgeräumt, siehe z.B. hier. Wie kommt das bei den Lesern an?

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