Ende der US – Weltraumambitionen?

1. Februar 2010 von Michael Khan in Raumfahrt

Wird heute die Einstellung der "Vision for Space Exploration" (VSE) bekanntgegeben, mit der Bush eine neue Ära der bemannten Weltraumforschung einläuten wollte - ohne dafür allerdings ausreichende Mittel bereitzustellen?

(Read this post in English here) 

Dies ist ein - leider - durchaus wahrscheinliches Szenario. Die USA wären damit bis auf Weiteres auf bemannte Aktivitäten im niedrigen Erdorbit beschränkt. Keine sehr berauschende Perspektive, nachdem bereits mehr als 9 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Raketen Ares I und Ares V und die Mondlandefähre Altair gesteckt wurden, die nun aus dem Constellation-Projekt gestrichen werden könnten.

Hier sehen Sie ein Interview von Miles O'Brien von Spaceflightnow mit John Karas von der Firma Lockheed Martin, Hauptauftragnehmer für das Orion-Raumschiff ("Crew Exploration Vehicle", das ebenfalls gestrichen werden soll), zur Zukunft der VSE.

Weitere Information

Webseite von spaceflightnow.com

"This Week in Space"-Seite von spaceflightnow auf youtube mit diesem und anderen Interviews und Informationen

Artikel "White House Confirms Course Change for NASA" auf space.com

 


14 Kommentare zu “Ende der US – Weltraumambitionen?”

  1. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Karl Bednarik

    Sobald die Chinesen auf dem Mond landen, ist dies das Zeichen für die westlichen Länder, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Wir sind nicht mehr in den 50ern und 60ern.

  2. Blair Antworten | Permalink

    bemannte Raumfahrt

    Ich denke, die bemannte Raumfahrt ist zum großen Teil eine Prestigesache. Ich will damit nicht sagen, dass es nicht auch um Wissenschaft ginge. Doch wie überall ist auch bei den Weltraumagenturen das Budget begrenzt. Daraus folgt: Kosten und Nutzen müssen miteinander abgewogen werden. Die bemannte Raumfahrt verursacht extrem hohe Kosten bei relativ wenig wissenschaftlicher Erkenntnis. Unbemannte Raumsonden, Weltraumteleskope usw. sind meist deutlich billiger und ihr Nutzen viel höher.

    Natürlich wäre es schön genug Geld für beides zu haben. Aber die Mittel sind knapp. Das viele Geld das für bemannte Raumfahrt ausgegeben wird, fehlt an anderen Stellen, wo es besser angelegt wäre. Es gibt viele unglaublich spannende Projekte für unbemannte Raumsonden, deren Umsetzung abgesagt wurde oder unklar ist. Warum? Weil das Budget von NASA/ESA/ROSKOSMOS usw. knapp ist.

    Bei Sputnik oder der Mondlandung ging es erstmal auch nicht um Wissenschaft, sondern um die Demonstration von Macht. Auch China geht es bei Ihrem Mondprogramm wohl nicht in erster Linie um Wissenschaft, sondern um Machtdemonstration und um Prestige. Das aber ist das falsche Ziel. Es muss um Wissenschaft gehen, nicht darum, die Muskeln spielen zu lassen.

    Auch bei der ISS ging und geht es offensichtlich unter Anderem um Prestige. Ich habe mehrmals gelesen, dass der wissenschaftliche Wert im Vergleich zu den astronomischen Kosten äußerst gering ist. Im Klartext: Das Geld wäre anderswo wesentlich besser angelegt gewesen. Weniger spektakulär vielleicht, aber besser. Ich bin kein Experte, aber das scheint generell ein Problem der bemannten Raumfahrt zu sein.

  3. Stefan Taube Antworten | Permalink

    @blair

    "Unbemannte Raumsonden, Weltraumteleskope usw. sind meist deutlich billiger und ihr Nutzen viel höher."

    Im ersten Moment ja und es besteht ja kein Zweifel daran, dass Planetensonden und Weltraumteleskope aufregende, wertvolle Wissenschaft liefern. Aber gerade Planetensonden stoßen auch schnell an ihre Grenzen. Das, was man beispielsweise mit Marsrovern erreichen kann ist doch weitestgehend ausgeschöpft und bedenkt man den riesigen zeitlichen Aufwand, den man betreiben muss, um so einen Rover ein paar Kilometer fahren zu lassen, relativieren sich sehr schnell die Kosten.

    Das Problem ist, wenn man so etwas wie Raumfahrt nicht mit einer verbindlichen Kontinuität betreibt, kostet es hinterher sehr viel Geld, um auf einen früheren Stand zurückzukommen: Anlagen werden abgebaut, kompetentes Personal entlassen, die Jugend nicht mehr ausgebildet, praktische Erfahrungen gehen verloren. Wir fliegen ja momentan nicht nur deshalb nicht zum Mond, weil wir zu wenig Geld hätten, sondern schlichtweg, weil wir es nicht können - technisch!!! Weil wir keine Saturn V mehr haben, usw.

    Wenn die NASA also nicht ehrgeizige Ziele verfolgt, geht sie unter. Dann gibt es eben keine amerikanische Raumfahrt mehr, während Länder wie Indien und China ihrem Nachholbedürfnis nachkommen. Was das bedeutet hat Michael Khan in seinen Kommentar zu Hernn Bednarik schon beantwortet. Man muss sich schon ernsthaft die Frage stellen, welcher Strudel sich da auftut, wenn die NASA praktisch nicht mehr existiert und inwiefern wir Europäer da hineingezogen werden oder ob es uns schleimigen Wendehälsen gelingt, bei den Chinesen unterzukommen.

  4. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Blair: Prestigesache

    Natürlich ist die bemannte Raumfahrt Prestigesache. Sie ist Hochtechnologie, die wie keine andere in der oeffentlichen Wahrnehmung sichtbar ist, im Erfolg wie im Misserfolg. Selbstverständlich hat das mit dem Prestige einer Nation zu tun, die sich als Technologienation versteht. Ich verstehe nicht, wieso dieses Wort hier so verwendet wird, als sei das etwas ganz Schlimmes.

    Zum Thema der wissenschaftlichen Erkenntnis: Man muss auch mal schauen, wie etwas gemanaged wird und warum es schiefläuft. Paradebeispiele sind das Space Shuttle und die ISS, bei denen keine der Vorgaben eingehalten und alle Budgets gesprengt wurden - dank einer sehr ungesunden Mischung aus politischer Einflussnahme und überbordender Bürokratie.

    Dass die wissenschaftliche Erkenntnis der bemannten Forschung im Weltall generell minimal sein soll, sehe ich nicht. Bei der ISS ist der Verzicht auf wissenschaftliche Erkenntnis im Interesse der Kostenkontrolle allerdings bereits seit langem eine politische Vorgabe ... eine, die weitgehend erreicht wurde.

    Gerade in der Mikrogravitationsforschung (biomedizinische oder materialwissenschaftliche Experimente) oder in der planetaren Forschung sehe ich den generellen Vorteil der unbemannten Sonden keineswegs. Sie sind billiger, das stimmt. Allerdings ist gerade in diesen Feldern der wissenschaftliche Ertrag, so imposant er auf den ersten Blick erscheinen mag, im Vergleich zu dem, was menschliche Forscher vor Ort leisten koennten, erbärmlich.

    In anderen gebieten, gerade bei Weltraumteleskopen, ist es anders, da besteht kein Bedarf zur menschlichen Unterstützung. Allerdings ist es dort so, dass die bemannte Raumfahrt überhaupt erst einmal zu der Infrastruktur und den Technologien führt, die die unbemannten Sonden und Teleskope ermoeglichen. Dieser Aspekt wird gern vergessen.

    Was das Geld angeht - immer wieder steht die Wissenschaft am Pranger, gerade die Großwissenschaft und dort vor allem die Raumfahrt. Geben die Zahlen das her? Man schaue sich einmal an, wo das Geld wirklich hingeht.

    Rührt die Staatsverschuldung der USA daher, dass sie zuviel für die Raumfahrt ausgeben? Wohlgemerkt - Raumfahrt ist ein Teil der Forschung, und Forschung und Bildung sind untrennbar verbunden.

    Sollte man gerade da wirklich sparen? Haben die USA wirklich kein Geld? Oder hat die Kombination aus zwei simultanen Kriegen, einem Rüstungsbudget, so groß wie das aller anderen Nationen zusammen und zudem auch noch einer Steuerreform, die Gutverdiener entlastet, nicht an erster Stelle mit der Finanznot zu tun?

    Das Argument, dass man kein Geld hat und deswegen gerade die Weltraum-Forschung etwas abgeben soll, überzeugt mich nun wirklich nicht mehr.

  5. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Stafan Taube: Technologiebedarf

    >Wir fliegen ja momentan nicht nur
    >deshalb nicht zum Mond, weil wir zu
    >wenig Geld hätten, sondern schlichtweg,
    >weil wir es nicht können - technisch!!!
    >Weil wir keine Saturn V mehr haben, usw.

    Wir koennten es technisch schon, wenn wir es denn nur wollten. Weil wir es nicht gewollt haben, fehlt die Technik. das Know-How jedoch fehlt nicht. Selbst Europa koennte eine Rakete der Saturn-V-Klasse entwickeln, auf Basis der vorhandenen Ariane-Technologie.

    Ich kann gar nicht genug betonen, dass von einer solchen Rakete alle moegliche Raumfahrttechnik profitieren würde, auch unbemannte. Man koennte ganz andere klassen von unbemannten Mars- oder Jupitermissionen angehen und ganz neue Techniken einsetzen. Weltraumteleskope würden in andere Groeßenklassen vorstoßen.

    Wahrscheinlich würde sich ein gewaltiger Technologieschub entwickeln, einfach weil man dank einer Großrakete eben ein Stück Infrastruktur mit fast einer Groeßenordnung mehr Leistungsfähigkeit zur Verfügung hätte.

  6. Peter Antworten | Permalink

    Abenteuer

    Sir Edmund Hillary, der nebst Sherpa Tensing Erstbesteiger des Mount Everest wurde einmal gefragt, warum er denn unbedingt diesen Berg besteigen wollte : Weil er da ist, antwortete er.

    Der einzige fremde Himmelskörper, den Menschen je betreten haben, ist bekanntlich der Mond, der gerade mal so etwa 400 000 km von der Erde entfernt ist. Das ist distanzmässig in einem Leben zu Fuss machbar, und darauf sind wir stolz. Das kann doch nicht alles sein !

    Es ist noch nicht lange her, da wurde die unbemannte Raumfahrt, der Abschuss von Satelliten, als unnütze Geldverschwendung angesehen. Heute sind sie durch die Telekommunikation Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden. Der sich ergebende Nutzen ist nicht immer voraussehbar.

    Aber vielleicht wird die Raumfahrt in Zukunft tatsächlich vorwiegend durch private Firmen betrieben, was aber für die Forschung nichts Gutes verheisst.

    Ach ja, die Chinesen auf dem Mond. Vielleicht wird er dann doch noch rot angestrichen, so wie das Chruschtschov mal angedroht hat :)

  7. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Peter

    Da kann man wirklich nur zustimmen. Der Faktor "Abenteuer" ist nicht zu unterschätzen und war wahrscheinlich das, was die Leute an der Apollo-Mission am meisten anzog.

    Mit Constellation hätte man Mondmissionen machen koennen, aber solche mit der wissenschaftlichen Ausrüstung und der Kommunikationstechnik von 2020, nicht von 1970.

    Und man hätte mit derselben Hardware, gegebenenfalls mit geringem Zusatz, auch schon bemannte Missionen zu Asteroiden unternehmen koennen.

    Aber sicher hätte sich auch jemand gefunden, der das wieder kleinredet.

  8. Christian Wälbers Antworten | Permalink

    Ein wahrer Rückschlag wäre das!

    Es ist wirklich Schade, dass Obama so ziemlich das einzige abschaffe will, was die Bush-Administration gutes hingekriegt hat. Leider scheint Obama wie so viele Politiker auf der ganzen Welt nicht einzusehen, dass Investitionen in Forschung und Entwicklung immens zum Wirtschaftlichen Wachstum eines Staates und zur Steigerung des Wohlhabens der Bevölkerung beiträgt. Meiner Meinung nach hätte allein die erneute Mondlandung einen so massiven Schub an technischer Entwicklung hervorbringen können, dass die USA ihre Position gerade gegenüber Ländern wie z.b. China oder Indien über mehrere Jahrzehnte hinaus hätte festigen können, und so wohl wirtschaftlich als auch technologisch vielleicht sogar militärisch. Man denke nur an Helium-3 und die damit zusammenhängende Forschung im Bereich der Kernfusion, oder an potentielle Fortschritte im Bereich der Astronomie oder der Materialwissenschaften. Ich denke wenn dieses Programm wirklich abgebrochen wird ist das ein großer Rückschlag für die USA. Möglicherweise wird das sogar als der größte Fehler in die Geschichte eingehen, den Obama während seiner Präsidentschaft gemacht hat.

  9. Klaus Deistung Antworten | Permalink

    Krieg & WR-Forschung vertragen si. nicht

    Die Medien verbreiteten schon, dass Obama...
    Da frage ich mich doch, seit wann die USA wissen, dass ihre Shuttles eines Tages nicht mehr fliegen können?...
    Aber Kalter Krieg war damals – und da gabs auch mehr Geld für die Raumfahrt!
    Als die Mondmissionen damals eingestellt wurden, war das Programm nicht zu Ende – aber der Vietnamkrieg ging weiter. Und diese Politik zog sich bis heute mal weniger mal mehr weiter.
    Nun zeigt sich mehr als deutlich: auch die USA haben nur begrenzte Möglichkeiten.
    Damals hatte sie einen Konkurrenten, der ihnen lange Zeit voraus war. Heute sieht es so aus, dass die USA sogar von mehr als einem Konkurrenten auf dem erneuten Weg zum Mond überholt werden können. Russland, China, Japan, Indien und die ESA haben starke Projekte und sie brauchen alle noch Jahre.
    Selbst zum Mars haben nicht nur die USA Pläne (gehabt?). Es gab sogar Pläne/Gedanken, gleich „am Mond vorbei“ zum Mars zu fliegen.
    Es dauert ja nicht mehr lange – und die USA können nicht mal mehr zur ISS fliegen! Die Bush-Ära hats möglich gemacht.
    Warum arbeiten die Staaten nicht zusammen? Auf so eine Frage hat Herr Schubert schon 2007 eine klare Antwort gegeben: http://www.astronomie-heute.de/...17&_z=798888

  10. Peter Antworten | Permalink

    Enttäuschung

    Ich bin sehr enttäuscht. Ich dachte immer, dass vor 2020 eine bemannte Marsmission vollendet sein würde. Daraus wird wohl nichts, aber das war schon längere Zeit absehbar.

    Man stelle sich mal vor, welch ein mediales Interesse ein solch grosses Projekt auszulösen vermöchte, die monatelange Reise durch den Kosmos !

    Ist denn jeder Ehrgeiz trockenen Kosten-Nutzen-Analysen gewichen ? Noch hat kein Mensch einen fremden Planeten betreten, und das sage und schreibe 40 Jahre (!) nach der Mondlandung.

    Die Weichen wurden schon mit der ISS in Richtung einer Kosten und Nutzenabwägung gestellt. Ich sehe die bemannte Raumfahrt, gerade weil sie derart grosse technische Herausforderungen stellt, als einen Katalysator der technischen Entwicklung.

    Schon Ferdinand Magellan musste seinen potentiellen Geldgebern aufschwatzen, dass die Gewürzinseln, die er erreiche, reichen Profit generieren würden.

    Wer redet heute noch vom Profit, den die Gewürzinseln generieren ? Niemand. Doch der Name Magellan wird nie vergessen werden, denn er war der Erste.

    Ich muss zugeben, ich bin ein "Angefressener", und deshalb nicht objektiv. Eine Kosten - Nutzen - Analyse hat für mich bei der Exploration des Kosmos durch bemannte Raumschiffe keine Bedeutung.

  11. Michael Khan Antworten | Permalink

    Kosten-Nutzen-Analyse

    Würde man eine Kosten-Nutzen-Analyse machen, dann würde man:

    1.) ein ehrgeiziges bemanntes Forschungsprogramm auflegen, denn dessen Nutzen, wenn es richtig durchgeführt wird, rechtfertigt die Kosten, moegen sie auch hoch sein.

    2.) eine realistische Planung und eine ausreichende Finanzierung vorsehen, um zu verhindern, dass anfangs Kosten und Aufwand unterschätzt oder absichtlich zu hering angegeben werden und dann das Programm im Bemühen, unrealistische niedrige Kosten zu erzielen, zerrieben wird.

    Bei Apllo wurda beides befolgt, mit dem Erfolg, dass man einen gewaltigen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen erzielte.

    Bei den darauffolgenden Projekten Space Shuttle und ISS wurde beides missachtet.

    Es ist nicht die Tatsache, dass man bei allem eine Kosten-Nutzen-Analyse macht. Es ist einfach die Tatsache, dass Kosten an sich schon abschrecken.

  12. Detlef Köhler Antworten | Permalink

    Mond gecancelt - Obamas Entscheidung,

    Zugegeben – er war auch aus meiner Sicht ein Hoffnungsträger. Doch was ist davon geblieben? Guantanamo ist immer noch nicht zu. Im Irak und am Hindukusch wird angeblich immer noch unsere Freiheit verteidigt. Mit Mitteln, die für mindestens 10 Mondflüge pro Jahr oder eine komplette ISS pro Jahr ausreichen würden (ich rede nicht nur vom Unterhalt, sondern von den gesamten Baukosten!). Danach wäre trotzdem immer noch genügend übrig, um die restlichen Probleme dieses Planeten zu lösen.

    Darüber sollten all jene einmal nachdenken, die Obamas Entscheidung begrüßen, diese "Geldverschwendung der bemannten Raumfahrt" und das "Prestigeprojekt Mond" zu beenden. Sie sollten dabei auch reflektieren, wo unsere heutige europäische Zivilisation ohne den Wagemut und die Neugier der alten Griechen, Phönizier und Römer wäre. Denn ohne ihren Drang zu "Prestigeprojekten" – der Gründung von Kolonien an fernen Küsten – gäbe es unsere hochentwickelte Gesellschaft und unser gemeinsames Europa gar nicht. Ohne all die Seefahrer, die nach Columbus kamen, gäbe es auch die USA nicht. Doch nun verbaut ausgerechnet deren Präsident die weitere Ausbreitung des Menschen über unseren Planeten hinaus. Verbaut durch einen fragwürdigen politischen Federstrich die Gründung der ersten Kolonie der Menschheit im All und preist den niedrigen Erdorbit als ehrenwertes Ziel. Das wäre etwa so, als hätten unsere antiken Vorfahren lieber Papierschiffchen zum Spielen statt Galeeren zum Erkunden gebaut. Als hätten sie kleine Sandburgen am heimatlichen Strand der Gründung von Städten in fremden Ländern vorgezogen.

    Dass es zur Ausbreitung unserer Spezies ins Weltall letztlich keine Alternative gibt, haben die Verantwortlichen in Europa und den USA offenbar noch nicht verinnerlicht, weil sie immer nur im Vier-Jahres-Rhythmus denken. Denn dass 2050 bei 12 Milliarden Menschen für jeden nicht einmal mehr 8000m² der gesamten Landfläche der Erde übrig bleiben werden (ohne Wüsten und Eis), hat hier wahrscheinlich noch niemand berechnet. Ziemlich wenig, um es für jeden einzelnen mit Feld, Haus und Weg zu bebauen und sich dabei nicht gegenseitig auf die Nerven zu gehen!

    Inder, Chinesen, Japaner, Koreaner und sogar die Brasilianer haben das offenbar längst begriffen. Sie alle betreiben ambitionierte und durchaus kostenintensive steuerfinanzierte Programme, Menschen ins All zu schicken, dort das neue zu entdecken und letztlich irgendwann da draußen zu siedeln. Sie haben dabei – für uns in Europa kaum nachvollziehbar – ihre Bevölkerung zum Großteil hinter sich. Weil Raumfahrt eben mehr ist, als eine Kosten-Nutzen-Rechnung: Sie befriedigt die menschliche Neugier, schafft Pioniergeist und Aufbruchstimmung, kann die Jugend wieder für etwas begeistern und macht wohl auch ein wenig stolz. Was haben wir davon in Europa noch? Was ist davon in den USA nach Apollo geblieben?

    Dass die Grenzen unseres Wachstums erreicht sind und es zur Ausbreitung der Menschheit ins All somit keine Alternative gibt, haben wohl auch zahlreiche heute noch kleine Unternehmen verstanden. Sie betreiben mit privater Initiative, Mut, Engagement und letztlich viel Geld aus der IT immer mehr Raumfahrt. Ausgehend vom vielerorts belächeltem Weltraumtourismus entsteht so eine ganze neue Branche, die – Ironie des Schicksals – demnächst wohl sogar beauftragt wird, amerikanische NASA-Astronauten in einfachen Dragon-Kapseln zur ISS zu befördern. Denn deren Präsident hat ja gerade die weitere Entwicklung der eigenen Orion-Kapsel eingestellt und die Produktion von russischen Soyuz-Kapseln für den ISS-Transport ist bereits an der Auslastungsgrenze angelangt. Womit, Mister Präsident wollen sie also fliegen? Ein Black Hawk fliegt nicht zum Mond. Nicht mal bis in 10km Höhe!

    Deshalb abschließend ein ganz persönlicher Wunsch vom Autor dieses Beitrages: Mister President – give back your Nobel Peace Prize and go to the moon again!

  13. SEO Agentur Antworten | Permalink

    Bemannte Marsmissionen?

    Ich hoffe das stellt keine Gefahr für die 2030 geplanten bemannten Raumfahrten zum Mars dar - denn wenn die gesundheitlichen Probleme bis dahin gelöst sind, wäre das wirklich ein Quantensprung vom Ausmaß der Mondlandung...

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