Angst vor Datenklau oder “europäischer Weg”? – Das Debakel um die Rosetta-Bilder


Die finale Phase der Rosetta-Mission könnte eine Sternstunde für die europäische Raumfahrt werden - und zum PR-Debakel. Denn anstatt die Welt mit atemberaubend guten Bildern eines noch nie gesehenen Kometenkerns in Begeisterung zu versetzen, erlauben uns die ESA und ihre Partner erst einmal nur einen flüchtigen Blick auf die "zweite Garde" - die richtig guten Bilder bleiben unter Verschluss. Kritik an dieser Politik verhallt seit Monaten. Kein Wunder, dass die europäische Raumfahrt oft im Schatten ihrer weniger öffentlichkeitsscheuen amerikanischen Kollegen steht.

Noch ein Monat, dann wird es spannend: Am 12. November soll der kleine Lander Philae, derzeit noch huckepack auf der europäischen Kometensonde Rosetta montiert, sich auf den Weg hinunter zur Oberfläche des zerklüfteten Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko machen. Wird Philae wie geplant sanft aufsetzen und zum ersten Mal in der Raumfahrtgeschichte Daten von der Oberfläche eines Kometen senden? Vieles hängt davon ab, ob die Wissenschaftler eine geeignete Landestelle finden. Hierfür stehen ihnen die Bilder der in Deutschland entwickelten OSIRIS-Kamera zur Verfügung, die derzeit Strukturen von 50cm auf dem Kometen darstellen kann.

Seltene Ehre: Ein OSIRIS-Bild einer Oberflächenstruktur auf Komet 67P. Aufgenommen am 19. September, widerwillig(?) veröffentlicht am 9. Oktober - und damit rund 5 Monate früher als viele andere OSIRIS-Bilder, die wir noch nicht sehen dürfen. (Bitte kein wissenschaftliches Paper über das Bild schreiben!) Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Seltene Ehre: Ein OSIRIS-Bild einer Oberflächenstruktur auf Komet 67P. Aufgenommen am 19. September, veröffentlicht am 9. Oktober - und damit rund 5 Monate früher als viele andere OSIRIS-Bilder, die wir noch nicht sehen dürfen. (Bitte kein wissenschaftliches Paper über das Bild schreiben!) Quelle: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Man könnte nun glauben, die ESA und das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, unter dessen Leitung die Kamera entwickelt wurde, würden die OSIRIS-Bilder stolz der Welt präsentieren. Doch von einzelnen Ausnahmen abgesehen (siehe oben) bekommen wir nur Aufnahmen der weniger leistungsstarken Navigationskamera NavCam zu Gesicht.

"Live" dabei? Von wegen!

Es gibt also keine hochauflösenden (Fast-)livebilder, zumindest nicht für die Öffentlichkeit. Denn die Bilder der OSIRIS-Kamera unterliegen einem sogenannten "Embargo": Sie sollen erst nach einer sechsmonatigen Sperrfrist veröffentlicht werden - solange bleiben sie unter Verschluss. Das haben ESA und Max-Planck-Institut vor langer Zeit vereinbart. Und bis auf wenigste Ausnahmen wird das Embargo auch eingehalten.

Statt dessen wird die Welt von der ESA mit weniger gut aufgelösten Bildern der Navigationskamera NavCam bei Laune gehalten, und selbst das nur widerwillig, um die Arbeit des OSIRIS-Teams nicht zu "unterminieren". Das (mehr oder weniger) tägliche NavCam-Bild gibt es erst, seit es im Juli zu einer spektakulären, unautorisierten Veröffentlichung kam (womöglich war jemandem in Frankreich der Kragen geplatzt).

Also noch mal zum auf der Zunge zergehen lassen: Jahrelang wurden Raumfahrtenthusiasten auf die Ankunft von Rosetta am Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko heiß gemacht, und jetzt, wo es so weit ist, dürfen wir auf die richtig spektakulären Bilder ein halbes Jahr warten. Wer das blöd findet, ist nicht alleine. Schon im Juli hat Daniel Fischer im NewScientist einen sehr guten Artikel zu dieser "europäischen" Art der Öffentlichkeitsarbeit verfasst, der eigentlich alles sagt und als Lektüre wärmstens empfohlen sei.

Es ist zu befürchten, dass die Rosettamission dafür ebenso in Erinnerung bleiben wird wie für die hoffentlich erfolgreiche Landung im November.

Angst vor dem Datenklau

Natürlich gibt es auch eine Begründung für die Sperrfrist auf die OSIRIS-Bilder: Ihr Sinn soll es sein, den Projektwissenschaftlern, die Jahre für die Entwicklung der Instrumente investiert haben, Zeit zu geben für Kalibration und Verifikation ihrer Daten. Und auch, damit sie einen Vorsprung haben, der sie davor schützt, dass irgendwer mit ihren Daten Wissenschaft betreibt und ihnen womöglich mit spektakulären Entdeckungen zuvorkommt. So jedenfalls lautete das Statement der ESA, mit dem nach der „ungeplanten Veröffentlichung“ des genannten NavCam-Bilds am 15. 7. die Forderung nach einer zügigen Bereitstellung zukünftiger Bilder abgelehnt wurde. (Ein Statement der Max-Planck-Gesellschaft ist mir nicht bekannt.)

Diese Begründung kann höchstens auf den ersten, flüchtigen Blick überzeugen. Die zurecht laut gewordene und in den vergangenen Tagen erneut aufgeflammte Kritik an der Embargopolitik wäre bereits mit hochauflösenden, zeitnah und regelmäßig veröffentlichten OSIRIS-Bildern zufrieden zu stellen, die vollen Roh- und Kalibrationsdaten benötigte man dafür nicht. Haben die Forscher wirklich Angst, dass jemand mit unkalibrierten JPGs aus dem Netz sinnvolle Veröffentlichungen schreiben würde? Von was für einer Wissenschaft reden wir da? Es ging anders bei früheren Missionen von ESA und NASA, und meines Wissens kam es dabei noch nie zu einem Datenklau.

Nicht "irgendeine" - die europäische Mission!

Sperrfristen auf Beobachtungsdaten kommen vor und mögen sinnvoll sein bei Missionen und Observatorien, die „tiefe“ Daten von bereits bekannten Objekten sammeln. Rosetta ist aber nicht irgendeine Mission, es ist die europäische Vorzeigemission! Die Sonde besucht einen noch nie im Detail untersuchten Kometen und liefert zum ersten Mal Bilder seiner Oberfläche. Eine weiche Landung auf einem Kometen wurde noch nie versucht! Wer das nur in PR-Ansprachen herunterspult, dann aber die das Projekt finanzierende Öffentlichkeit (Rosetta kostete nach ESA-Angaben rund 1,3 Milliarden Euro) eben nicht "live und hautnah" dabei sein lässt, hat seinen Elfenbeinturm wohl noch immer nicht verlassen.

Somit hat sich meine Begeisterung, die Rosettamission hier im Blog zu begleiten, merklich abgekühlt. Meine leise Hoffnung, die Verantwortlichen bei ESA und Max Planck würden ihren Fehler erkennen und umsteuern, hat sich seit Juli nicht erfüllt.

Wie aus dem letzten Jahrhundert

Zehn Jahre lang war Rosetta zu seinem Zielkometen unterwegs, zehn Jahre lang hat man sich Gedanken darüber machen können, wie und wann man der Welt die besten ihrer Bilder zur Verfügung stellt. Herausgekommen sind eine Veröffentlichungsstrategie aus dem letzten Jahrhundert und ein drohendes PR-Debakel für die europäische Weltraumfahrt, das zeigt, dass das europäische Modell überarbeitet werden muss: Raumfahrtmissionen, die mit Steuermillionen finanziert werden, müssen verpflichtet werden, einen angemessenen Teil ihrer Daten unverzüglich der Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Wer mit dieser Bedingung nicht einverstanden ist, ist halt nicht mit dabei - und bekommt auch kein Geld. Bereits jetzt halten viele Menschen in Europa die Erforschung des Sonnensystems für Geldverschwendung. Eine öffentlich finanzierte Raumfahrt kann nur Akzeptanz finden, wenn diejenigen, die für sie zahlen, auch daran teilhaben können. Und zwar dann, wenn sie passiert.

In diesem Sinne also vielleicht später dann etwas zu Rosetta und ihrer Mission hier im Blog - eventuell in sechs Monaten oder so. Wenn die Konkurrenz von der NASA nicht in der Zwischenzeit Neues auf Lager hat – live.


40 Kommentare zu “Angst vor Datenklau oder “europäischer Weg”? – Das Debakel um die Rosetta-Bilder”

  1. John Doe Antworten | Permalink

    Eigentlich ist über dieses PR-Debakel der ESA schon alles geschrieben worden, was man schreiben kann. Die Öffentlichkeit interessiert es nicht, weil es kaum jemand mitbekommt. Für die großen Nachrichtenagenturen ist es auch kein spektakuläres Thema, deshalb findet die ganze Mission in der Berichterstattung kaum statt. Mannomann, was hätten die Öffentlichkeitsarbeiter anderer Raumfahrtagenturen daraus alles gemacht! Manchmal erwische ich mich bei dem Wunsch, dass jemand dieses unheimlich geheime Bildarchiv der OSIRIS-Gralshüter hacken und die Bilder einfach offen legen möge.

  2. Uwe Reichert Antworten | Permalink

    Man kann das Zurückhalten der OSIRIS-Bilder ein "PR-Debakel" nennen, einen "Skandal" oder wie auch immer. Das trifft die Wahrheit – aber nur einen Teil davon. Festzuhalten ist erstens, dass auch die NavCam-Bilder schon sensationell sind. Und was machen die Medien daraus? Wo außer in Zeitschriften, Blogs und Webseiten, die der Astronomie gewidmet sind, findet eine Berichterstattung über Europas sensationelle Kometenmission Rosetta statt? Die Meldungen in Tageszeitungen, Nachrichtenmagazinen und TV sind an einer Hand abzuzählen. Diese Ignoranz der allgemeinen Medien wäre wohl auch nicht geringer, wenn die noch spektakuläreren OSIRIS-Bilder vorliegen würden. Zweitens ist zu bedenken, dass allein das OSIRIS-Team über die Freigabe der Bilder entscheidet. Verträge zwischen der ESA und dem MPI für Sonnensystemforschung (MPS) wurden vor einigen Jahren geschlossen, als noch nicht abzusehen war, wie der Druck durch soziale Medien und Blogger auf eine Echtzeit-Berichterstattung zunehmen würde. Ich will jetzt niemandem zu nahe treten oder in Schutz nehmen – aber ich denke, die ESA wäre heilfroh, wenn das MPS seine bisherige Zurückhaltung in der Veröffentlichungspolitik aufgeben würde. Leider schiebt auch der von Jan zitierte "sehr gute" Artikel aus dem New Scientist den schwarzen Peter den Falschen zu.

    • Jan Hattenbach Antworten | Permalink

      "Diese Ignoranz der allgemeinen Medien wäre wohl auch nicht geringer, wenn die noch spektakuläreren OSIRIS-Bilder vorliegen würden."

      Wahrscheinlich (leider) nicht - oder doch? Wer weiß, vielleicht hätte ein spektakuläres OSIRIS-Bild zumindest einen Zeitungsredakteur dazu veranlasst, der Rosettamission mehr Raum einzuräumen. Aber das Finale kommt ja noch.

      "Verträge zwischen der ESA und dem MPI für Sonnensystemforschung (MPS) wurden vor einigen Jahren geschlossen, als noch nicht abzusehen war, wie der Druck durch soziale Medien und Blogger auf eine Echtzeit-Berichterstattung zunehmen würde."

      Das überzeugt mich nicht. Wir reden hier von Vereinbarungen zwischen Organisationen und nicht von Naturgesetzen. Man hätte sich innerhalb des letzten Jahrzehnts genug Gedanken machen können, wie man die Öffentlichkeitsdarstellung von Rosetta optimieren kann - und auch gemachte Verträge überarbeiten können. Will man denn nun die europäische Raumfahrt glänzen lassen oder nicht? Ja - das MPS ist verantwortlich für die Bilder, aber das spricht die ESA nicht frei: Man hätte diese Vereinbarung so gar nicht treffen sollen. Die ESA schadet sich damit nur selbst.

      • Michael Khan Antworten | Permalink

        Man hätte die Vereinbarung so nicht treffen sollen - das sagt sich leicht dahin. In einer Verhandlung muss man, wenn man etwas nicht will, auch Druck ausüben können.

        Die NASA hat ein starkes Druckmittel. Sie bezahlt jedes der Experimente auf ihren Raumsonden entweder ganz oder zum Teil und sie kann sich gegenüber allen Instrumenten und ihren PIs als ultima ratio die Abschaltung des Instruments bei Nichterfüllung getroffener Vereinbarungen vorbehalten.

        Das zumindest ist für die ESA schon einmal unmöglich. Und nach meinem Dafürhalten ist das auch der Hauptgrund für den Unterschied in der öffentlichen Aufarbeitung. Man solle sich nicht der absurden Illusion hergeben, US-Wissenschaftler wären per se weniger ich-bezogen als ihre europäischen Kollegen.

        Wie soll man denn nun Druck machen, wenn jeder weiß, dass die ESA im Ernstfall ja doch höchstens bellen, aber keinesfalls beißen kann? "Keine Zähne im Maul, aber trotzdem La Paloma pfeifen"? Fat chance.

  3. Alexander Stirn Antworten | Permalink

    Volle Zustimmung dazu, dass öffentlich finanzierte Forschung ihre Bilder auch der Öffentlichkeit zugänglich machen muss. Diese ständige Argumentation mit Verträgen und Verantwortlichkeiten soll davon doch nur ablenken.

    Das PR-Debakel sehe ich allerdings nicht. Schon jetzt hat "Rosetta" in den klassischen Medien in meinen Augen überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit erzeugt. Kaum eine Tages- oder Wochenzeitung, kaum ein Magazin, das nicht eine oder mehrere größere Geschichten oder Aufmacher dazu hatte. Das Thema ist, jedenfalls bis zum Beginn der Landung, erst einmal auserzählt. Jede Woche noch ein Bild würde eher zur Übersättigung führen. (Die wöchentlichen ESO-Bilder, die sehr ansehnlich sind, denen aber meist die interessante Geschichte dahinter fehlt, finden ja auch so gut wie keinen Niederschlag in den Redaktionen.)

    Und zur Landung wird die Esa in Darmstadt wieder eine routinierte, perfekt choreografierte PR-Show abspulen, die einer Werbeverkaufsveranstaltung in Nichts nachsteht. Die Medien werden zu Hunderten kommen und unreflektiert verbreiten, wie toll alles ist. Die Tagesschau wird von der Landung berichten (was für PR-Manager offenbar noch immer das Höchste der Gefühle ist). Die Esa wird sich hinterher in den Unmengen von Clippings und fragwürdigen Social-Media-Statistiken suhlen. Und nichts wird sich ändern...

    • Jan Hattenbach Antworten | Permalink

      Interessant, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen doch sind: Siehe dazu Uwe Reicherts Kommentar oben.

      Aber warum diese Fixierung auf klassische Medien? Vieles gerade in der technik. und raumfahrtaffinen Welt läuft heute über soziale Medien und dergleichen. Auch das gehört zur PR, und hier ist die Frustration über das OSIRIS-Embargo seit Monaten spürbar.

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Volle Zustimmung dazu, dass öffentlich finanzierte Forschung ihre Bilder auch der Öffentlichkeit zugänglich machen muss. Diese ständige Argumentation mit Verträgen und Verantwortlichkeiten soll davon doch nur ablenken.

      In meinem Zweig der Realität ist die Welt nicht so, wie sie sein sollte, sondern sie ist so, wie sie ist. Und da ist es auch so, dass im Zweifelsfall jeder das tut, was er muss. Man muss dass, wozu man vertraglich verflichtet ist. Wer meint, das sei egal, der macht sich etwas vor.

      Meint wirklich jemand, da müssten ein paar Blogger daher kommen und den PR-Leuten der ESA erzählen, was das Problem ist, damit denen dann ein Licht aufgeht und sie endlich mal durchblicken?

      Ich sehe das so richtig vor mir, wie die in den Blogs lesen und sich sagen "Ach so! Wir hätten das anders verhandeln sollen! Na, darauf wären wir nie gekommen! Gut, das wir das jetzt wissen, für das nächste Mal."

      Mal im Ernst, stellt ihr euch das wirklich so vor?

      Die ESA macht eben aus dieser für sie eindeutig unbefriedigenden Situation das Beste. Es ist doch immer noch allemal besser, wenigstens das Ereignis wird weithin publik gemacht, als wenn es ganz unter de Tisch fällt. Oder sehe ich da etwas ganz falsch?

      • Stefan Antworten | Permalink

        "Man muss dass, wozu man vertraglich verflichtet ist."

        In meinem Zweig der Realität kann man zwischen Partnern nachverhandeln und Verträge anpassen. Schlimmstenfalls lernt man aus Erfahrung: In Zukunft besser ohne MPI.

        Ich weiß nicht, ob das so viel mit Bloggern und Social Media zu tun hat. Wenn in einer Demokratie einer staatlichen Raumfahrtagentur ein "First" gelingt, ein spektakuläres erstes Mal, dann hat die Agentur diese "First"-Bilder mit der Weltöffentlichkeit zu teilen. Das war auch schon vor der Erfindung der Social Media so. Die Vorstellung, dass es da eine Gruppe von Leuten gibt, die über Bilder des Kometen verfügen und diese erst einmal unter Verschluss halten, ist schon skandalös.

      • Jan Hattenbach Antworten | Permalink

        Wir wären schon einen großen Schritt weiter, wenn wir zugeben würden, dass Verträge nicht Egleichemzehquadrat sind, sondern von Menschen gemacht und von Menschen änderbar.

      • Mona Antworten | Permalink

        "In meinem Zweig der Realität ist die Welt nicht so, wie sie sein sollte, sondern sie ist so, wie sie ist. Und da ist es auch so, dass im Zweifelsfall jeder das tut, was er muss. Man muss dass, wozu man vertraglich verflichtet ist. Wer meint, das sei egal, der macht sich etwas vor."

        Warum diese verbalen Verrenkungen? Es würde doch jeder verstehen, wenn Sie einfach schreiben würden, dass Sie nicht gegen Ihren Arbeitgeber opponieren möchten.

        "Meint wirklich jemand, da müssten ein paar Blogger daher kommen und den PR-Leuten der ESA erzählen, was das Problem ist, damit denen dann ein Licht aufgeht und sie endlich mal durchblicken?"

        Einerseits will man zwar Kinder und Jugendliche für die Raumfahrt begeistern, andererseits wird das Interesse daran bewusst blockiert. Das passt irgendwie nicht zusammen. Wir sprechen hier doch nicht über Gesetze, die in Stein gemeißelt sind, sondern über Verträge, die sich ändern lassen.

        Und weil ich gerade dabei bin: Wer ist eigentlich für die Kinderseite der ESA verantwortlich? Unter der Überschrift "Kometen und Meteore" heißt es dort: "Im Weltall ist es dunkel und einsam, deshalb reist Rosetta gemeinsam mit einem Freund! Als die Raumsonde vor zehn Jahren die Erde verließ, nahm sie eine kleine Tochtersonde namens Philae mit." Wer zum Teufel ist der Freund? Doch nicht etwa ihre "kleine Tochtersonde"? Wer denkt sich nur so einen Unsinn aus?
        http://www.esa.int/esaKIDSde/SEMFG2M100I_OurUniverse_0.html

        • Michael Khan Antworten | Permalink

          Da ich ausdrücklich begründert habe, wie die rechtliche Situation ist und woran es liegt, finde ich es ungerechtfertigt, wenn das einfach als Versuch gewertet wird, die ESA vor Kritik in Schutz zu nehmen. Umso mehr, als ich mich an anderer Stelle deutlich genug ausgesprochen habe.

          Ich denke halt, man sollte die Hintergründe verstehen. Ich sehe nicht, dass jemand außer mir versucht, das Problem konkret zu benennen.

          Verträge lassen sich ändern, wenn sich die rechtliche Ausgangssituation geändert hat oder wenn die benachteiligte Seite mehr Druckmittel in der Hand hat als vorher. Es ist mir nicht bewusst, dass das so ist.

          Kritik an Texten auf der Webseite der ESA kann über eine der hier gelisteten Webseiten oder Telefonnummern eingereicht werden.

  4. Michael Khan Antworten | Permalink

    Ich habe wirklich manchmal das Gefühl, in einer Zeitschleife gefangen zu sein. Da wird alles durchgekaut, die Situation wird so erklärt, wie sie ist, und kurz danach geht alles wieder genau von vorne los, so als wären alle Erklärungen ungelesen verhallt.

    Hier treten wirklich interessante physikalische Phänomene zu Tage. Phänomene, die ich lange Zeit ins Reich der Fabel verwiesen hätte. Zeitschleifen. Unterschiedliche Zweige der Realität. Dolle Sache, das,

    In meinem Zweig der Realität ist es so, dass Nachverhandlungen mit dem Ziel der Anpassung von Verträgen nur dann zielführend sind, wenn beide Vertragspartner dazu bereit sind oder wenn der, der die Änderung will, mehr Druckmittel in der Hand hat, um den, der das nicht will, zu einem Einlenken zu bewegen.

    Wenn mal bitte jemand mir anzeigen könnte, wo genau - das heißt konkret, also genau das, woran es in Diskussionen um dieses Reizthema meist hapert - die Verhandlungsgrundlage der ESA sich nun deutlich verbessert hat, dann wäre ich sehr dankbar. Ich weiß das nämlich nicht.

    Nach meinem Kenntnisstand ist es so, wie genau hier ausgeführt, nämlich dass die ESA, die, anders als im Fall der NASA, nicht das Mandat zur Finanzierung der wissenschaftlichen Instrumentierung ihrer planetaren Raumsonden erhalten hat und deswegen auch, anders als im Fall der NASA, über kein Druckmittel verfügt, um die Überlassung von wissenschaftlichem Datenmaterial von den Rechteinhabern durchzusetzen, Ob nun der Rechtehinhaber MPI heißt oder anders, ist da eher egal.

    Wer belastbare Kenntnisse darüber hat, dass ich die Situation falsch wiedergegeben habe, möge sie mir bitte darlegen. Wer keine solchen Kenntnisse hat, könnte ja vielleicht auch einmal - nur so als Arbeitsgrundlage - annehmen, dass ich weiß, wovon ich rede. Aber das bloße Ignorieren der Faktenlage, wenn sie einem nicht passt, finde ich wenig hilfreich.

    Da der Hinweis auf die Demokratie erfolgte, lege ich dar, wie sich das damit in meinem Zweig der Realität verhält: Da gibt es durchaus übergeordnete Rechtsgüter. Dass etwa einmal vertraglich zugestandenes Eigentum, auch geistiges Eigentum, jemandem einfach so weggenommen werden kann, weil es der anderen Seite jetzt nicht mehr passt, was sie zuvor vetraglich zugesichert hat, ist in meinem Zeig der Realität sehr schwierig und bedarg besonderer Umstände. Das finde ich ehrlich gesagt im Prinzip auch gut so. Wenn das in den anderen Zweigen der Realität anders ist, dann bin ich froh, dass ich in meinem lebe.

    In meinem Zweig der Realität ist es leider auch so, das eine ganze Menge skandalöser Dinge geschehen. Beispielsweise hat hier die EU das Projekt eines zivilen Satellitennavigationssystems aufgrund von haarsträubender Inkompetenz an die Wand gefahren. Und noch vieles andere mehr. Auch mein Zweig der Realität ist weit von Perfektion entfernt.

    Ich habe mich auch klar zur Öffentlichkeitsarbeit bei planetaren europäischen Missionen geäußert, auch und gerade zum Thema Rosetta. Beispiele hier oder hier. Das nur mal so am Rande, falls jemand meinen sollte, er müsste mir jetzt erklären, dass da was im Argen liegt.

    Wir wären schon einen großen Schritt weiter, wenn wir endlich mal von der alten Leier "Die ESA rückt ihre Bilder nicht raus" wegkämen und uns vielleicht mal dafür interessieren, wo denn genau das Problem liegt, und wie man es lösen könnte.

    Was wir brauchen - auch das habe ich bereits oft genug gesagt - ist ein Outreach-Plan für jedes einzelne Instrument, nicht nur auf interplanetaren Sonden. Ein Outreach-Plan stellt durchaus Verpflichtungen. Verpflichtungen, die erfüllt sein müssen, weil sonst genau benannte Konsequenzen drohen. "Switch-Off" ist eine sehr wirksame Drohung, die sich in der Praxis bewährt hat.

    Aber ein Outreach-Plan enthält eben nicht nur Verpflichtungen. Er stellt auch Mittel zur Verfügung, und zwar planbar und zuverlässig. Guter Outreach kostet Ressourcen. Es muss seitens der Rechteinhaber nicht einmal böser Wille sein, wenn sie einfach nicht liefern. Vielleicht können sie es einfach nicht, weil es hinten und vorne nicht reicht. Wenn man jetzt aber sagt "3% des Gesamtbudget geht zweckgebunden ins Outreach", dann ist das eine klare Ansage.

    Aber beides, Peitsche und Zuckerbrot, bedarf eines klaren Mandats. Hier ist die Politik gefragt. Die ESA kann sich nicht einfach Rechte zuschustern, die sie nicht hat. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer. Es ist doch gar nicht gewollt, dass nationale Privilegien wie die staatliche Finanzierung eines nationalen Forschungsinstituts an eine übernationale Körperschaft abgetreten werden.

    Ja gut ... wenn man lieber Kleinstaaterei will, dann muss man eben auch mit den Nachteilen der Kleinstaaterei leben. In diesem Fall der Tatsache, dass nationale Egoismen aller Art die übernationale ESA ausbremsen. Letztes könnte dadurch abgefedert werden, dass dann eben die nationalen Wissenschafts- oder Wirtschaftsministerien, die Geld für nationale Forschungsinstitute zum Bau und Betrieb von Instrumenten auf ESA-Raumsonden Outreach-Pläne erstellen.

    Aber: Wie sollen die deren Einhaltung durchsetzen? Das Wirschaftsministerium betriebt ja nicht die Raumsonden und kann schlecht der ESA befehlen, das Instrument X mal eben abzuschalten, weil der betreffende PI sich sehr ungezogen benommen hat.

    Fazit: dieses ganze politische Konstrukt, auf dem die Welteraumforschung in Europa beruht, passt hinten und vorne nicht zusammen. Wir kriegen auch nicht wirklich viel gebacken. Ja, gut: Rosetta. Da sind noch viele "Firsts". Aber das ist ein Erbe des vergangenen Jahrhunderts.

    Danach ist nichts mehr in der Pipeline. Ich sehe nichts mehr, wo wir in absehbarer Zukunft noch etwas Nennenswerte reißen. Und unsere besten jungen Leute und unsere klügsten Köpfe laufen uns in Scharen davon. Recht haben sie.

  5. Michael Khan Antworten | Permalink

    Ich habe alles, was es aus meiner Sicht zum Thema zu sagen gibt, in einem zugegebenermaßen etwas längeren Kommentar zusammengefasst, der aber offenbar noch der Genehmigung harrt. Aber eigentlich steht da auch nichts drin, was ich nicht bereits mehrfach gesagt habe und was bis jetzt immer noch zuverlässig ignoriert wurde.

    Da, wo es im obigen Artikel konkret wird, halte ich die Aussagen für schlicht unzutreffend. Auch der angeblich sehr gute Artikel von Daniel Fischer im "New Scientist" glänzt nicht gerade durch Informiertheit. Ich kann damit nicht viel anfangen, dass offensichtlich bewusst Mal um Mal der zentrale Sachverhalt beiseite geschoben und dieselben unzutreffenden Behauptungen einfach wiederholt werden. Wer hat denn davon etwas?

    • Jan Hattenbach Antworten | Permalink

      Ich habe wirklich nicht die Zeit, alle deine Ausführungen im Detail einzugehen. Aber bleiben wir beim jetzt konkreten Thema (Rosetta und OSIRIS), dann ist offenbar klar: ESA würde gerne MPI mauert, ESA hat diesem Prozedere vor Jahren zugestimmt, darf also nicht jammern wenn das nun kritisiert wird. Sofern also bei Max Planck niemand die Kurve kriegt, war's das mit den OSIRIS-Bildern für die Öffentlichkeit. ESA hat keine Handhabe, aber bitte: Auf diese Misere hat man sich nun mal eingelassen.

      Daher ja auch meine Forderung für die Zukunft (s.o.): "Raumfahrtmissionen, die mit Steuermillionen finanziert werden, müssen verpflichtet werden, einen angemessenen Teil ihrer Daten unverzüglich der Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Wer mit dieser Bedingung nicht einverstanden ist, ist halt nicht mit dabei - und bekommt auch kein Geld."

      Es gibt in Europa bestimmt andere Institute die gute Kameras bauen können als das MPS.

      Deinen Ausführungen zum Thema Outreach stimme ich zu.

      • Michael Khan Antworten | Permalink

        Es begab sich aber zu der Zeit, da Europa beschloss, sich eine Raumfahrtagentur zuzulegen. Und diese internationale Raumfahrtagentur war die erste ihrer Art und ward ESA genannt. Das ist fast 40 Jahre her. Vorher gab es noch die ESRO, aber die riss nicht wurklich was.

        Die Politiker damals verfolgten ein Ziel mit der Gründung der ESA. Sie sollte die europäische Raumfahrtindustrie auf Augenhöhe mit der übermächtigen Konkurrenz aus Amerika bringen. Auzslöser war, dass die Europäer anfingen, im lukrativen Markt geostatoinärer Satelliten mitzumischen. Die Amerikaner wollten da aber keine Konkurrenz zulassen und stellten die Bedingung, dass die europäischen Symphonie-Satelliten, übrigens die ersten dreiachsenstabilisierten GEO-Satelliten, nicht kommerziell eingesetzt werden durften, wenn sie mit einer US-Rakete gestartet werden sollten. Da war klar, dass Europa in dieser Schlüsseltechnologie eigenständig sein muss. Von vorneherein stand also nicht die Weltraumforschung, sondern die Technologieförderung im Vordergrund.

        Die ESA wurstelt nicht einfach so dahin. OK, manchmal schon, aber das meine ich nicht, sondern: die ESA hat ein Mandat. Das Mandat beschreibt, was sie darf, wie es darf, und was sie nicht darf. Im Wesentlichen ist die Rolle, die die Politik der ESA in der Weltraumforschung zugedacht hat, die des Lastenträgers. Die ESA darf die Instrumente transportieren, aber deren Entwicklung finanziert sie nicht. Das ist nicht überall durchzuhalten, aber in der planetaren Forschung schon.

        Wenn sie aber die Finanzierung nicht übernimmt, wie nun mittlerweile mehrfach dargelegt, dann hat sie nun mal de facto auch keine Rechte an den Daten. Das ist keine Sache von Verhandlungen. Man kann verhandeln bis zum jüngsten Tag, niemand wird einem ein Mitspracherecht zugestehen, wenn sie nicht bezahlt. UInd die Rolle des Bezahlenden gesteht ihr das Mandat nicht zu. Das ist politisch so gewollt. Ob auf der andferen Seite MPI oder wer auch immer sitzt, spielt keine Rolle. Das Problem bestand genau so bei der Huygens-Mission, und da waren die PIs des DISR-Kamerasystems beim LPL in Arizona.

        Vielleicht dringe ich hiermit ja mal zum einen oder anderen durch. Aber da hoffe ich wahrscheinlich zu viel.

        • Mona Antworten | Permalink

          Ihre Rede von anderen Realitäten oder Erklärungen im Stile der Weihnachtsgeschichte finde ich nicht gerade zielführend. Kann man irgendwo nachlesen, welches Mandat die ESA genau hat oder wie die Verträge aussehen, die sie abschließt? Sie sitzen doch an der Quelle, da wäre es doch ein leichtes mal einen Blogartikel über die ESA zu verfassen. Dann gibt es bestimmt auch nicht mehr so viele Missverständnisse.

        • Hans Antworten | Permalink

          Wenn die Sache so ist, warum erklärt dann nicht mal der Herr Dordain oder jemand aus seinem näheren Umfeld, wie die Sache aussieht? - Die Damen und Herren werden diese Diskussion doch sicher auch mitbekommen, auch wenn sie sich bisher nicht dazu geäussert haben. Denn wenn immer nur die (nach eigenen Bekunden) unwichtigen Leute diese Erklärungen hervor bringen, wird die Diskussion in einer Endlosschleife verharren, weil die Kleinen wahrscheinlich nicht so Ernst genommen werden, wie sie es verdient hätten, eben weil sie nur kleine Räder im Getriebe der Organisation sind. Wenn dagegen mal jemand aus der Chefetage sagt, wie die Dinge liegen und dabei klar und deutlich erklärt, wie der Hase läuft, und dass für Richtugsänderungen einzig und allein die Politik zuständig ist, dann sollte es doch möglich sein, die Aufregung in diese Richtung zu kanalisieren, so dass alle Verärgerten den dafür zuständigen Politikern so lange auf die Nerven gehen, bis die was an den Zuständen ändern.

      • Harald Steininger Antworten | Permalink

        Schade, daß sich alle so über die nicht freigegebenen OSIRIS Bilder Ärgern müßen. Die NavCam Bilder sind doch gut genug als PR.

        Die Steuermillionen die geflossen sind sind ja nicht für die Bilder geflossen sondern damit das MPI Forscher Nature Publikationen schreiben und die wissenschaftlichen Erkenntnisse veröffentlicht werden. Das wird ja auch passieren aber halt nicht in Echtzeit.
        Nur für die Bilder ist da ja auch keiner hin geflogen wäre ziemliche Geldverschwendung gewesen.

        Klar kann man Kameras in Deutschland entweder bei Horst Uwe Keller oder Gerhard Neukum bekommen, aber beide verhandeln sicher mit harten Bandagen und würden ihre Ergebnisse und damit Ihre Bilder erst nach Ablauf einer Frist freigeben. Bei der Industrie kann man auch kaufen nur dann muß man leider einen Stab von Leuten haben die das ganze bis ins Kleinste überwachen. Da landet man dann auch wieder bei den beiden Adressen die ich oben genannt habe.

        Eine exklusive auswerte Phase gibt es bei Marsexpress und bei fast allen Missionen bei denen die Bilder die Hauptgrundlage für die Wissenschaft sind.

        • Jan Hattenbach Antworten | Permalink

          Manchmal kommt es mir vor, als möchte man mich absichtlich falsch verstehen: Wer hat denn gesagt, dass man "nur für die Bilder" hinfliegen sollte? Natürlich geht es um die Forschung, worum denn sonst? Was habe ich denn oben zu den "unkalibrierten" Bildern" geschrieben, die es für eine vernünftige Öffentlichkeitsarbeit braucht? Drücke ich mich so undeutlich aus?

          Um es deutlich zu machen: Die Steuermillionen sind geflossen, damit das MPI Publikationen schreiben und die wissenschaftlichen Erkenntnisse veröffentlichen kann. Und dafür soll das MPI seinen Geldgebern, *den Steuerzahlern*, eine angemessene Teilhabe ermöglichen. Ist das so schwer zu verstehen? Dabei ist es doch einmal egal, ob die Mehrheit der Steuerzahler zwischen Navcam und OSIRIS-Bildern unterscheiden kann. Was sollen solche Fragen eigentlich, außer vom eigentlichen Thema abzulenken?

          Ich sehe keine Hoffnung, dass das MPI das freiwillig macht, das geht wohl nur mit Zwang. Deshalb meine Forderung: Zukünftig müssen Institute verpflichtet werden, einen angemessenen Teil ihrer Bilder zeitnah zu veröffentlichen. Das ist Aufgabe der Politiker, die die Steuerzahler vertreten sollen.

          • Michael Khan | Permalink

            Ich bin ja echt froh, dass sich hier mal einer der beteiligten Wissenschaftler geäußert hat. Da sehen dann auch die Leute, die mir da so nonchalant "Dann muss man halt nachverhandeln und die Verträge ändern" erklären, gegen was für eine Einstellung sie anverhandeln würden. Wobei die hier geäußerten Ansichten ja noch moderat sind. Sehr moderat. Im Vergleich.

        • Michael Khan Antworten | Permalink

          Ich denke, Verhandlungen mit Gerhard Neukum wärem zum jetzigen Zeitpunkt wohl eine eher einseitige Sache.

          • Harald Steininger | Permalink

            Also ein Publikation über die Oberflächen Strukturen braucht nicht die kalibrierten Daten auch ein auszählen von Kratern geht ganz gut ohne.

            Das man aus abfotografierten Daten vom Planck Satelliten eine Meldung zusammen basteln kann die in jeder Wissenschaftsredaktion einschlägt, hat man ja vor ein paar Monaten gesehen.

            Ich habe leider nur immer den Flurfunk und keine Einsichten in wer welche Daten wann und wo als Publikation einreichen wollte, aber es scheint da doch wahre Ehrenmänner unter den Forschern zu geben.

            Ist das mit Neukum echt oder eine Ente? Habe nur einen einzigen Tweet gesehe ansonsten nix. Ich würde mich sehr wundern wenn man das nicht erfahren hätte.

  6. Harald Steininger Antworten | Permalink

    Gibt es eigentlich hier eine Abschätzung wie viele Leute OSIRIS Bilder wirklich von NavCam Bildern unterscheiden könnten? Also wie viele Leute gibt es die dieser Diskussion jetzt noch folgen nachdem ja viele NavCam Bilder in schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht werden? Ist ja nicht so das ich nicht auch gerne noch ein paar mehr Bilder gesehen hätte, aber ich arbeite ja genau in dem Gebiet und auch noch mit Daten von Philae. Aber ich habe den Eindruck, daß es nur noch ein kleines Häuflein ist das noch mehr will.

    • Mona Antworten | Permalink

      Eine ganze Reihe von Leuten hat sich dafür stark gemacht, dass Astronomie/Kosmologie in der Schule gelehrt wird. Meistens wird es als Wahlfach angeboten, man kann also davon ausgehen, dass sich interessierte Schüler auch mit den Unterschieden von OSIRIS Bildern und NavCam Bildern befassen möchten. Ich finde es jedoch kontraproduktiv, wenn es dann heißt: Ach Kinder, für sowas interessiert sich doch eh nur ein "kleines Häufchen", also gebt es auf!

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Was für eine Phantomdebatte. Wäre Rosetta eine NASA-Mission, dann wäre kjedes an der Instrumentierung beteiligte Institut zum Outreach von vorneherein verpflichtet, hätte dafür aber auch Mittel bekommen. Dann gäbe es keine Spekulation darüber, ob das viele interessiert. Die zugrisszahlen auf die NASA-Webseiten sprechen da ohnehin eine deutliche Sprache. Es interessiert viele. Punkt.

      Also, das würde so gemacht werden, aber das Wichtigste ist: Die beteiligten Wissenschaftler würden damit besser fahren als mit der ESA. Sie könnten sich darauf einstellen, dass sie in absehbarer Zeit (d.h. noch während ihrer Karriere) eine Nachfolgemission sehen, also eine Folge komplementärer Daten besserer spektraler, räumlicher und zeitzlicher Auflösung. Sie würden eine größere Community bilden. Ihnen würden die Leute zu- statt weglaufen. Und niemand würde ihnen ihre Daten stehlen. Auch Carolyn Porco schreibt Papers. Keine Sorge.

      • Harald Steininger Antworten | Permalink

        Die funding agencies DLR, ESA und NASA und die von ihnen bezahlten Missionen bzw Instrumente unterscheiden sich ziemlich. Das liegt an der Grundausrichtung. DLR ist deutlich mehr auf Wirtschaftsförderung aus. Die ESA ist vom Rückverteilungsproporz geprägt. Die NASA muß sich direkt aus dem Kongress und dem Senat Geld besorgen.

        Die PR und Öffentlichkeitsarbeit wird auch sehr unterschiedlich finanziert. Was bei unseren Kollegen bei der NASA so einfach als PR möglich ist verschlägt einem hier wirklich die Sprache, aber wenn die nicht vom Kongress oder Senat wahrgenommen werden dann fehlt halt massiv Geld.

  7. Daniel Fischer Antworten | Permalink

    Da hier nun wirklich alles gesagt zu sein scheint, was man über die europäische Situation - öffentlich; da gäbe es noch manches mehr - feststellen kann, stattdessen ein ganz aktuelles Beispiel von jenseits des Atlantiks, wo die NASA vor ein paar Stunden eine Telecon zu den neuesten Ergebnissen von MAVEN am Mars abgehalten hat. Die fand ich so bemerkenswert, dass ich die PR-Abteilung nach den näheren Umständen fragte - und die raschen Antworten überrachend gleich vom Missions-PI selbst (Outreach ist bei der NASA offensichtlich Chefsache) haben es in sich. Da haben wir sie also, die - m.E. - 'best practice'. Bitte folgen ...

    P.S.: In den New-Scientist-OpEd hatte ich die Situation schon korrekt wiedergegeben: "The European Space Agency [...] insisted on a six-month moratorium on circulating mission data, images included. It said these rights had been granted to the teams which designed and built the scientific instruments."

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Hätten Sie es wirklich richtig dargestellt, würde im OpED-Artikel im New Scientist nicht gleich oben drüber stehen:

      The European Space Agency should change tack and not sit on pictures from a pioneering mission to a comet

      Man sollte doch recherchieren und sagen, wo die Rechte am zu veröffentlichenden Material liegen, d.h., wer da wirklich worauf "sitzt".

      Dr. Bruce Jakosky, der PI der NASA-Mission Maven, ist nicht von der NASA. Er ist ja nicht der Project Scientist, sondern der Principal Investigator, und er ist Professor an der Universität von Colorado.

      Sie sagen aber, dass Outreach bei der NASA Chefache sei. Richtig ist, dass Outreach von den beteiligen Wissenschaftlern ernster genommen wird als in Europa. Das wiederum ist ganz zweifelsohne zutreffend und das sehe ich auch so.

      Ich kann Ihnen aber versichern: Wenn sie sich bei der ESA an diverse Project Scientists von wenden, werden Sie von denen in aller Regel auch ausführliche Informationen bekommen. Bei PIs an ESA-Missionen, die eben nicht bei der ESA sitzen, ist das aber ganz anders, zumindest nicht nach meiner Erfahrung. Egal, ob diese PIs in Europa sitzen oder in den USA.

      Ich habe die Verantwortlichen am LPL in Arizona für die DISR-Kamera auf der Titansonde Huygens mehrmals um Bildmaterial gebeten, das ich für die ESA-Öffentlichkeitsarbeit brauchte. Die haben mir mit vielen freundlichen und warmen Worten irgendwelche Uraltbilder vom Tag der Landung geschickt, die damals jeder schon seit Monaten kannte. Da kamm ich mir dann schon etwas veräppelt vor, um es mal milde zu sagen.

      Als ich mal etwas vom PI der Kamera auf SMART-1 wollte, auch für eine ESA-Veranstaltung, bekam ich von niemanden an dem Institute (SPaceX in der Schweiz) auch nur eine Antwort. DLR war alles andere als hilfreich, wenn man mal was von der HRSC wollte, auch wenn deutlich gesagt wird, dass man es für ein ESA-Event braucht.

      Nach meiner Erfahrung sind einfach alle Wissenschaftler ein Problem. Wenn es um Outreach für NASA-Missionen geht, sind sie etwas hilfreicher, weil sie es müssen. Man beißt nicht die Hand, die einen füttert. Das ist aber auch schon alles.

  8. Michael Schomann Antworten | Permalink

    Wenn ich daran denke wie publikumswirksam die NASA vor über zwei Jahren die Landung von Curiosity auf dem Mars live im Internet gezeigt hat, habe ich zu der Landung von Philae die Befürchtung nichts erleben zu können. Nicht einmal in Braunschweig, wo der Laender entwickelt wurde ist ein Live-Event geplant. Lediglich einige Tage später wird es eine Veranstaltung geben.

    Zu einem anderen Teil der Öffentlichkeitsarbeit bin ich mir nicht sicher, ob das überhaupt gesagt werden darf. Für Shows in Planetarien gibt es derzeit kein 3D Rosetta Modell von der ESA. Zum Glück hat die NASA eine 3D Version bereitgestellt, die leider nicht sehr detailliert ist. Vor diesem Hintergrund ist es dann auch nicht mehr verwunderlich, das es keine Planetariums-Show zu der Rosetta Mission gibt. Selbst die kleine japanische Mission Haya-Busa hat gleich mehrere Shows.

    • Mona Antworten | Permalink

      Ich verstehe das Ganze auch nicht, vor allem weil hier so viel über PR gesprochen wurde. Anscheinend haben die Verantwortlichen immer noch nicht begriffen, dass es viele interessierte Menschen gibt, die jede Menge kostenlose Öffentlichkeitsarbeit für die Sache machen würden, wenn man sie nur ließe. Stattdessen nimmt man in Kauf, dass sich das Interesse verliert oder auf andere Dinge konzentriert. Begreift man denn nicht, was heutzutage ein positives Image wert ist?

  9. 67P/Churyumov-Gerasimenko: Beträchtliche Aktivität › Go for Launch › SciLogs - Wissenschaftsblogs Antworten | Permalink

    […] Jetzt wäre es natürlich schön, wenigstens ein paar OSIRIS-Bilder der Oberfläche sehen zu können, auf denen man mit höherer Auflösung sehen kann, wie die Oberfläche denn an den Stellen aussieht, wo der Austritt von Gast und Staub. Aber wie uns hier unlängst ein Mitglied des OSIRIS-Teams am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung wissen ließ, haben die NAVCAM-Bilder der Öffentlichkeit gefälligst zu reichen. […]

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