Bodenleuchten sind Blödsinn!

8. September 2010 von Jan Hattenbach in Lichtverschmutzung

Man kennt diese Dinger: Sie beleuchten Denkmäler, Gebäudefassaden oder einfach nur spirrelige Sträucher - Bodenleuchten. Wobei sie eigentlich etwas anderes erhellen: den Himmel. Der absolute Großteil ihres Lichts geht senkrecht nach oben und trägt maßgeblich zur Lichtverschmutzung bei. Warum gibt es diese Dinger überhaupt?

Zur Beleuchtung der Verkehrswege tragen sie nichts bei, im Gegenteil. Durch ihre Lichtführung von unten nach oben sind sie mindestens eine Belästigung für Fußgänger, im schlimmsten Fall eine echte Verkehrsgefährdung. Wenn ihr Licht nämlich blendet und man blind über den Fußweg stolpert. Wenn man dann lesen muss wieviel dieser Unsinn kostet, kann einem schon mal anders werden. Wie Stefan Oldenburg in Clear Skies kann ich dann gar nicht anders als mich klammheimlich freuen, wenn Städte so pleite sind, dass sie kein Geld mehr für diesen Mist ausgeben können.

"Bodenleuchte" im Einsatz - Bild: Christian Reinboth

Der einzige "Zweck" von Bodenleuchten ist ihr Einsatz als "Designelemente" - zur zweifelhaften "Verschönerung" des Stadtbilds. Wobei die ästhetische Wirkung dieser Form der Beleuchtung erstens Geschmackssache ist und man zweitens fragen darf, ob ein solcher Zweck all die Nachteile rechtfertigt, die mit der Installation und dem Betrieb von Bodenleuchten einhergeht. Dass die nächtliche Lichterflut nämlich nicht nur positive Auswirkungen hat, sollte sich langsam in den Köpfen festsetzen. Daran, dass der Sternenhimmel Stadtplanern nichts wert ist, hat man sich gewöhnt. Richtig ist es dennoch nicht. Und ganz ehrlich: Jeder setzt diese Dinger ein. Wo ist der Stadtplaner, dem mal was wirklich originelles einfällt?

Wem das hier nun alles zu emotional ist (und wer sich von Astronomiefanatikern in Sachen Beleuchtung gar nichts sagen lassen will) der lese eben den Beitrag von Christian Reinboth in seinem Blog Frischer Wind. Christian arbeitet beruflich in Sachen Beleuchtung, ich denke, er kennt sich aus. Ganz rational und mit Hilfe einer Demonstrationssoftware erklärt er, warum Bodenleuchten Blödsinn sind. Stadtplaner: Lesen!  


17 Kommentare zu “Bodenleuchten sind Blödsinn!”

  1. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Schwarze Astronomenfraktion

    Warum sollten Astronomen eigentlich immer zurückstehen. Wäre eigentlich Zeit für eine "schwarze Astronomenfraktion", die uns mit ihren Aktionen den Nachthimmel zurückgeben.

  2. Mark Korn Antworten | Permalink

    Schwarze Astronomenfraktion

    Oha! Jetzt wird's politisch. Aber in diese Partei würde ich gerne eintreten.

  3. Jan Hattenbach Antworten | Permalink

    Wobei die Aktionen der Schwarzen Astronomenfraktion sich selbstredend am Prinzip des gewaltfreien Widerstands orientieren. Im Falle der Bodenleuchten käme mir ein "Stand-on" in den Sinn.

  4. Heidemarie Waldhausler Antworten | Permalink

    Abhilfe bei Bodenleuchten

    Was bei Bodenleuchten immer hilft: Lackspray, schwarz, mit Eisenglimmerzusatz. Das ist eine besonders wirksame Form gewaltfreien Widerstands.

  5. Trebla Antworten | Permalink

    Lichtverschmutzung

    Sie haben Recht mit der Lichtverschmutzung, doch wenn Baudenkmäler in den Städten angestrahlt werden ist es schon ein Lichtblick im grauen einerlei der Häuser.
    Allerdings wenn ich im Sommer lange auf der Terasse sitzen kann, geniesse ich die Dunkelheit und den Sternenhimmel - es ist immer wieder ein Erlebnis.

  6. Christian Reinboth Antworten | Permalink

    Danke fürs Aufgreifen...

    ...wobei ich leider bezweifle, dass man tatsächlich viele Stadtplaner mit dem Effizienzargument überzeugen kann, denn darum geht es ja letztendlich gar nicht. Bodenleuchten sind - aus welchen Gründen auch immer - 'chic' und 'trendy' und werden - so zumindest mein Eindruck - auf viele Planungen nachträglich aufgepfropft, weil es ohne Bodenleuchten eben einfach nicht mehr geht. Da hilft vermutlich wirklich nur der Sparzwang (auch wenn man sich knappe kommunale Kassen aus vielen anderen Gründen auf Dauer kaum wünschen kann...). Unschön wird es natürlich, wenn die Leuchten irgendwann günstiger und effizienter (im Sinne der Lichtabgabe, nicht der -verwendung) werden, z.B. durch Bestückung mit derzeit noch kaum verfügbaren, billigen Hochleistungs-LEDs...

    Was die Simulationen anbelangt kann ich nur anbieten, dass, wer mir einen einigermaßen brauchbaren Lageplan und die genauen Herstellerdaten von Boden- und Mastleuchten liefert, von mir gerne eine grobe Simulation mit den entsprechenden Kennzahlen zurückbekommt, so denn die Lampentypen in DIALux verfügbar sind und die Anfragen nicht überhand nehmen. Vielleicht nützt es ja irgendwo doch mal etwas, auf die faktische Null-Effizienz solcher Leuchten hinzuweisen...

  7. Christian Reinboth Antworten | Permalink

    "Schwarze Astronomiefraktion"

    Zum Thema "Schwarze Astronomiefraktion" fällt mir noch ein Kommentar ein, den vor Jahren mal jemand in meinem Blog zum Thema Energisparen hinterlassen hat: "Ich bin kein Grüner, sondern ein Dunkler"

  8. Jan Hattenbach Antworten | Permalink

    @Trebla

    Es ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn bestimmte historische Gebäude etc. zu bestimmten Zeiten angeleuchtet werden, solange dies maßvoll geschieht, da stimme ich Ihnen zu.

    Was mich wirklich ärgert, ist dsss Bodenleuchten inzwischen aber auch zum Anleuchten von allem und jedem verwendet werden, und das meist die ganze Nacht lang, auch wenn niemand mehr auf den Straßen ist. Oder gerade Bäume: die werden angeleuchtet, egal, ob sie gerade drei Äste haben (weil gerade erst gepflanzt) oder im Winter völlig laubfrei seind. Da sieht man die Beleuchtung doch praktisch gar nicht!

    Was soll das? Subventionsprogramm für Stromversorger auf Steuerkosten?

  9. Clear Skies Antworten | Permalink

    @ Jan

    Zudem ist bekannt, dass nächtliches Licht für Bäume Stress bedeutet. Zu erkennen an lichtexponierten Ästen, die schon im Sommer Laub abwerfen.

  10. Michael Khan Antworten | Permalink

    @Heidemarie Waldhausler:

    Was Sie anregen, wäre Sachbeschädigung und die ist nach Paragraph 303 StGB verboten. Auch Paragraph 304 StGB koennte hier greifen:

    http://bundesrecht.juris.de/stgb/__303.html
    http://bundesrecht.juris.de/stgb/__304.html

    @Jan, Christian:

    Es wäre doch mal interessant und auch überzeugend (wenn auch aufwändig), zu modellieren, wie ein Denkmal oder ein Gebäude, sagen wir eine Kathedrale, anders als mit Bodenstrahlern von außen beleuchtet werden kann. Gerade bei einer gotischen Kathedrale lassen sich doch sicher im steinernen Stützwerk ohne bauliche Eingriffe auf die Gebäudewand und nach unten gerichtete Strahler installieren.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf diese Weise bei gleicher Wahrnehmbarkeit des beleuchteten Objekts auch nur annähernd so viel Strom verbraucht wird wie mit Bodenstrahlern.

  11. Christian Reinboth Antworten | Permalink

    Beleuchtung öffentlicher Gebäude

    @Michael Kahn: Das wäre sicher machbar, vermutlich aber auch mit einem enormen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden, also sicher nur kollaborativ zu stemmen. An der FH Köln gab es im Sommersemester 2006 mal ein spannendes studentisches Projekt, bei dem der Kölner Dom samt Außenbeleuchtung in DIALux simuliert wurde. Die Präsentation lässt erahnen, wie groß der Aufwand dabei in etwa gewesen sein muss:

    http://www.fh-koeln.de/...ner%20Dom%20Schulten.pdf

    Wenn man natürlich irgendwie an dieses Modell herankäme, könnte man sich eine Menge Arbeit sparen - falls also jemand zufällig Prof. Dr. Nickich kennen sollte...

    Ansonsten gibt es in DIALux auch generische Modelle von Brunnen und Kirchen, die man eventuell für ein solches Projekt heranziehen könnte. Schwierig stelle ich mir die Klärung der Frage vor, ob Beleuchtungselemente, die man für eine effizientere Beleuchtung "von oben nach unten" an den einzelnen Gebäuden selbst anbringen müsste, mit allen jeweils relevanten baulichen und denkmalschutzrechtlichen Vorschriften vereinbar sind...

  12. Jan Hattenbach Antworten | Permalink

    @Heidemarie Waldhausler

    Liebe Frau Waldhausler,

    Ihr Vorschlag mag zwar eine kurzfristige Abhilfe schaffen, ist aber nicht rechtens und damit nicht empfehlenswert. Werden Sie erwischt, zahlen Sie dem Betreiber der Leuchten seinen Schaden, ansonsten tut es die Versicherung. Im Ergebnis ändert sich nichts, nur stehen die Lichtverschmutzungsgegner einmal mehr als Fanatiker da. Und womöglich haben Sie noch eine Anzeige am Hals.

    Besser ist m.E., die Kritik an solcher Verschwendung und Umweltverschmutzung öffentlich zu äußern, dass kann in Form von Leserbriefen, Beschwerden, Vorträgen an Volkssternwarten oder eben Blogs wie diesem hier geschehen. Gerade Volkssternwarten und Amateurastronomen könnten hier mMn noch mehr tun.

  13. Stefan Taube Antworten | Permalink

    "Stand-on"

    Ich finde die Idee mit dem "Stand-on" sehr nett. Wir treffen uns um eine Bodenleuchte wie um ein Lagerfeuer und rezitieren als "Club der toten Astronomen" astronomische Texte.

  14. Jan Hattenbach Antworten | Permalink

    Stand-on

    ...und das Ganze gepaart mit ein bisschen Sidewalk-Astronomie. Ein Dobson auf jeden Bodenstrahler und schon gehts los!

    (Meine Rockerbox ist lichtundurchlässig, btw.)

  15. Andreas Hänel Antworten | Permalink

    ... und die EU fördert das auch noch

    so gesehen beim European Dark Sky Symposium in Kaposvar in Ungarn: die Hauptstraße wurde mit EU-Mitteln saniert und eine Vielzahl Bodenleuchten eingebaut. Und ein Teilnehmer aus Rumänien berichtete über den gleichen Unsinn in seinem Land. Zudem werden Straßen und Fassaden viel zu hell erleuchtet - wie lange können dort die Kommunen wohl noch ihre Stromrechnung bezahlen?

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