Himmelslichter http://www.scilogs.de/himmelslichter ein Blog über alles, was am Himmel passiert Mon, 18 Apr 2016 07:55:09 +0000 de-DE hourly 1 Merkurtransit am 9. Maihttp://www.scilogs.de/himmelslichter/merkurtransit-am-9-mai/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=merkurtransit-am-9-mai http://www.scilogs.de/himmelslichter/merkurtransit-am-9-mai/#comments Mon, 18 Apr 2016 02:00:31 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2796 ... weiter]]> Obwohl das astronomische Ereignis des Jahres 2016 schlechthin am hellichten Tag stattfindet, darf davon ausgegangen werden, dass Normalsterbliche so gut wie nichts davon mitbekommen werden. Am Nachmittag des 9. Mai ereignet sich ein Merkurtransit, der erste in Mitteleuropa sichtbare seit 2003.

Verlauf des Merkurtransits am 9. mai. Quelle: Vereinigung der Sternfreunde

Verlauf des Merkurtransits am 9. Mai. Quelle: Vereinigung der Sternfreunde

Die beiden inneren Planeten, Merkur und Venus, umkreisen die Sonne innerhalb der Erdbahn. Sie können von der Erde aus gesehen direkt vor der Sonne vorbeiziehen. Dass sie es nicht jedes Mal tun, wenn sie zwischen Sonne und Erde stehen (also während jeder unteren Konjunktion), liegt daran, dass die Bahnen von Merkur bzw. Venus und die der Erde nicht in einer Ebene liegen. Nur wenn sich Merkur oder Venus in der Nähe ihrer Bahnknoten befinden, und gleichzeitig in unterer Konjunktion stehen, ereignet sich ein Transit. Aus dem gleichen Grund sehen wir nicht bei jedem Neumond eine Sonnenfinsternis.

So entsteht ein Merkurtransit. Quelle: Vereinigung der Sternfreunde

So entsteht ein Merkurtransit. Quelle: Vereinigung der Sternfreunde

Merkur beispielsweise umrundet alle 116 Tage einmal die Sonne, steht also mehrmals pro Erdjahr in unterer Konjunktion. Merkurtransits kommen aber nur alle paar Jahre vor. Die gute Nachricht: Anders als bei einer Sonnenfinsternis ist das Ereignis überall dort zu sehen, wo während des Transits die Sonne am Himmel steht.

Am 9. Mai 2016 ist es wieder soweit: Etwa gegen 13:12 Uhr MESZ (die genauen Zeiten hängen vom jeweiligen Beobachtungsort ab) tritt die Merkurscheibe vor die Sonne. Gegen 16:56 MESZ erreicht sie die Hälfte ihres Wegs über die Sonnenscheibe, um 20:40 MESZ verlässt sie sie wieder. Im Norden und Westen Deutschlands ist der Transit also in voller Länge zu sehen, im Süden und Osten endet er bei oder kurz nach Sonnenuntergang.

Das Ereignis zieht sich über 7,5 Stunden hin und ist damit länger als ein vergleichbarer Venustransit – und das, obwohl sich Merkur schneller um die Sonne bewegt als Venus. Der Grund: Merkur ist von der Erde weiter entfernt (am 9. Mai 83,3 Millionen Kilometer) als die Venus, seine Bewegung erscheint uns daher langsamer.

Wichtig: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken!

Anders als bei einem Venustransit ist von Merkur mit bloßem (aber gut geschütztem!) Auge nichts zu sehen. Das Merkurscheibchen ist nicht mehr als ein schwarzer, runder Fleck mit einem Durchmesser von 12,1“, das ist weniger als ein typischer Sonnenfleck. Ohne (ebenfalls mit Sonnenfiltern gut geschütztem) Fernglas oder Fernrohr geht nichts. Weil Merkur auch keine nennenswerte Atmosphäre besitzt, gibt es auch keinen „Feuerring“ während des Ein- und Austritts. Bezogen auf die Fläche der Sonnenscheibe deckt Merkur gerade einmal 0,004% ab. Es wird also auch nicht dunkler, wie bei einer partiellen Sonnenfinsternis durch den Mond.

Wer also Merkur vor der Sonne sehen will, benutzt am besten ein kleines Fernrohr mit Objektivsonnenfilter oder ein spezielles Sonnenteleskop. Niemals darf man ungeschützt in die Sonne blicken, weder mit bloßem Auge und schon gar nicht mit einem Fernglas oder Teleskop. Permanente Augenschäden sind die Folge, schlimmstenfalls muss man mit Erblindung rechnen. Als Sonnenfilter kommen nur zugelassene Glas- oder Folienfilter aus dem Astronomiehandel in Frage.

Ein schwarzer Fleck auf der Sonne: Merkur am 9. Mai. Die Simulation mit Stellarium zeigt, wie klein der Planet erscheinen wird.

Ein schwarzer Fleck auf der Sonne: Merkur am 9. Mai. Die Simulation mit Stellarium zeigt, wie klein der Planet erscheinen wird.

Wer kein geeignetes Instrument hat oder mit der Sonnenbeobachtung unerfahren ist, für den habe ich einen Tipp: Viele Volkssternwarten und amateurastronomische Vereine bieten am 9. Mai Sonderveranstaltungen an. Dort kann man sich gefahrlos und unter Anleitung den Merkurtransit mit hochwertigen Instrumenten ansehen. In München wird der Merkurtransit zum Beispiel mit dem Sonnenteleskop im Deutschen Museum gezeigt. Auch die Volkssternwarte München bietet Sonderführungen an.

Dass Beobachtungen nur bei einigermaßen klarem Himmel stattfinden können, versteht sich von selbst. Wobei Schleierwolken oder kleine Wolkenlücken schon für einen Blick auf Sonne und Merkur ausreichen. Wer den diesjährigen Merkurtransit verpasst, hat am 11. 11. 2019 die nächste Gelegenheit, danach wieder 2032, 2039 und 2049. Auf den nächsten Venustransit müssen wir bis zum 11. Dezember 2117 warten. Keine Sorge, dazu gibt es rechtzeitig noch einen Blogpost.

Und noch zwei Tipps: Die genauen Zeiten für Beginn und Ende des Merkurtransits kann man sich bequem auf calsky.com ausrechnen lassen. Und die Sternwarte Peterberg überträgt den Transit live im Internet.

Update: Eine Liste der Veranstaltungen entsteht derzeit auf astronomie.de (Dank an Daniel Fischer für den Hinweis.)

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Jupiter (erneut) vom Asteroid getroffen?http://www.scilogs.de/himmelslichter/jupiter-erneut-vom-asteroid-getroffen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=jupiter-erneut-vom-asteroid-getroffen http://www.scilogs.de/himmelslichter/jupiter-erneut-vom-asteroid-getroffen/#comments Wed, 30 Mar 2016 08:23:00 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2786 ... weiter]]> Das Weltall ist alles andere als langweilig, und auch heute noch können Amateure wichtige Entdeckungen machen. Das sind die beiden Haupterkenntnisse aus dem, was zwei Hobbyastronomen kürzlich auf dem Jupiter entdeckt haben. Beide hatten am frühen Morgen des 17. März 2016 ihre Teleskope auf den Riesenplaneten gerichtet, wie so viele andere in diesen Tagen. Jupiter stand Anfang März in Opposition zur Sonne und ist derzeit besonders gut am Abendhimmel zu sehen. Was sie später auf ihren Videos fanden, überraschte die beiden sehr, und versetzte nicht nur die Amateuramastromengemeinde in Aufregung.

Den Anfang machte Gerrit Kernbauer, der am 27. März seine Beobachtung im Forum auf astrotreff.de postete und sein Video online stellte. Kernbauer hatte mit einem 200mm Newtonteleskop bei f/15 von Mödling in Niederösterreich aus den Jupiter beobachtet und den Planeten mit einer Videokamera vom Typ Alccd5l-2c aufgenommen. Normalerweise verarbeiten Amateure wie Kernbauer solche Videos später zu scharfen und detailreichen Jupiterbildern, dieses Mal blieben die Rohvideos aber einige Tage unangetastet:

Das Seeing war nicht das beste, deshalb ließ ich mir Zeit mit der Verarbeitung der Videos. Als ich sie aber zehn Tage später durchsah, fand ich diesen seltsamen Lichtpunkt, der für weniger als eine Sekunde an der Kante der Planetenscheibe erschien.

Video: Gerrit Kernbauer

Der Lichtpunkt ist im Video sehr gut zu sehen. Er erschien Kernbauer zufolge genau um 00:18:33 UTC am 17. März. Nicht nur Kernbauer dachte beim Anblick des Videos gleich an die wohl spektakulärste Erklärung für dieses Phänomen: Einen Einschlag auf Jupiter.

Solche Einschläge, ausgelöst durch kleine Asteroiden oder Kometenkerne, finden tatsächlich auch in heutiger Zeit statt. Der Berühmteste war der Mehrfachtreffer des zerbröselten Kerns des Kometen Shoemaker-Levy 9 im Jahr 1994, der erste je mit Teleskopen beobachtete Einschlag auf Jupiter. Shoemaker-Levys Ende war abzusehen, denn zuvor hatten Astronomen den Kometen auf Kollisionskurs entdeckt. Doch im Jahr 2009 fand der australische Amateurastronom Anthony Wesley einen dunklen Fleck auf dem Planeten, der sich als Eischlagsnarbe wie die 1994 von Shoemaker-Levy 9 verursachten herausstellte. Jupiter ist ein Gasplanet ohne feste Oberfläche, die Spuren eines Asteroiden- oder Kometeneinschlags bleiben nur wenige Tage oder Wochen in der Wolkendecke des Planeten sichtbar.

Kernbauers Video erinnert jedoch stark an eine weitere Beobachtung von Wesley im Jahr 2010: Damals hatte der Australier einen Einschlag direkt auf Video festgehalten. Aber kann man sicher sein, dass Kernbauers Licktpunkt tatsächlich das Ende eines kosmischen Kleinkörpers war - und nicht etwa eine optische Illusion, ausgelöst etwa durch einen Fehler des Kamerachips?

Man kann - und zwar durch eine unabhängige Beobachtung: Wenn ein anderer Beobachter, von einem anderen Standort zum selben Zeitpunkt ebenfalls einen Blitz am selben Ort auf Jupiter sieht, muss es sich zwangsläufig um ein reales Phänomen auf dem Planeten handeln. Nachdem sich die Geschichte über das Internet verbreitet hatte, dauerte es nur zwei Tage, bis sich diese Bestätigung fand: John McKeon, ein Amateurastronom aus Dublin in Irland, hatte den Jupiter zur gleichen Zeit im Visier. Auch sein Video zeigt den Blitz, an der selben Stelle wie die Aufnahme des Österreichers:

Video: John McKeon

Einen kleinen Schönheitsfehler hat die Sache: Laut McKeon tauchte der Blitz um 00:17:45 UT auf, 48 Sekunden vor dem von Kernbauer angegeben Zeitpunkt. Die Erklärung dafür könnten aber nicht perfekt gleich laufende Rechneruhren sein.

Es kann sein, dass noch mehr Aufnahmen des Ereignisses existieren und in den nächsten Tagen auftauchen werden. Die Verbreitung von preiswerten Videokameras hat dafür gesorgt, dass Nacht für Nacht Hobbyastronomen weltweit tausende Bilder von den Planeten machen. Derzeit dürften einige Stunden Videomaterial gesichtet werden, und manch einer, der aus welchen Gründen auch immer am Morgen des 17. März sein Instrument nicht auf Jupiter gerichtet hatte, dürfte sich ärgern.

Bleibt die Frage, warum bislang keine Spur des Einschlags in der Jupiteratmosphäre gefunden wurde, ähnlich dem Fleck auf dem Jahr 2009. Berichte sind jedenfalls keine bekannt. Aber auch 2010 fand man keine Überreste des Impakts. Möglicherweise sind die beteiligten Asteroiden oder Kometenkerne einfach zu klein, um sichtbare Spuren zu hinterlassen.

Stellt sich das von Kernbauer und McKeon beobachtete Ereignis tatsächlich als Impakt heraus, wäre es neben Shoemaker-Levy 9 der vierte Einschlag eines Himmelskörpers auf Jupiter, der von Menschen direkt gesehen oder aufgezeichnet wurde (neben dem Ereignis 2010 war im gleichen Jahr ein zweiter Impakt gesichtet worden, sowie ein weiterer 2012). Vier Einschläge in weniger als 10 Jahren (plus womöglich etliche auf der abgwandten Jupiterseite und anderen, die einfach übersehen wurden) - auf dem Jupiter geht es offenbar rauer zu als gedacht.

Übrigens stand auch der Jupitermond Amalthea fraglichen Zeitpunkt nicht weit entfernt von der Position des Blitzes, was Spekulationen nährt, es könne sich auch um einen Einschlag auf diesen Mond handeln. Das allerdings halten Experten für unwahrscheinlich, außerdem passt die Erscheinung des Blitzes gut zu den vorher beobachteten, bestätigten Jupiterimpakten.

Nachtrag: Die Möglichkeit, dass es sich bei den Lichtblitzen tatsächlich um elektrostatische Entladungen auf Jupiter handelt, wurde schon 2010 diskutiert. Die Meinung der Experten war, dass eine Blitzentladung nicht hell genug sein könne. Raumsonden haben zwar Blitze auf Jupiter gefunden, aber weitaus schwächere als die Impaktblitze und nur auf der Nachtseite des Planeten.

Links:

Bericht über den (wahrscheinlichen) Impakt bei Sky&Telescope (englisch)

Diskussion auf astrotreff.de

Diskussion auf cloudynights.com

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Planetenparade Supreme: Das Sonnensystem auf einen Blickhttp://www.scilogs.de/himmelslichter/planetenparade-supreme-das-sonnensystem-blick/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=planetenparade-supreme-das-sonnensystem-blick http://www.scilogs.de/himmelslichter/planetenparade-supreme-das-sonnensystem-blick/#comments Mon, 04 Jan 2016 01:46:12 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2765 ... weiter]]> Es kommt nicht oft vor, dass alle hellen Planeten des Sonnensystems gemeinsam am Himmel stehen. Im Januar und Februar 2016 ist es wieder soweit. Frühaufsteher haben zum Monatswechsel kurz Gelegenheit, alle mit bloßem Auge sichtbaren Planeten auf einen Blick sehen. Ein Planet macht die Sache aber schwierig, zumindest in mitteleuropäischen Breiten. Zum Monatsende bis Anfang Februar wandert auch der abnehmende Mond die Planetenparade ab.

Die letzte "Planetenparade Supreme" liegt schon etwas zurück: das war im Dezember 2004 und Januar 2005. Uranus und Neptun sind in der Regel ohne Hilsmittel nicht zu erkennen, und spielen hier nicht mit.

Planetenparade am 30.01.2016 für Heidelberg. Erstellt mit Stellarium.

Planetenparade am 30.01.2016 für Heidelberg. Erstellt mit Stellarium.

Das erste Bild zeigt den Himmelsanblick für den Morgen des 30. 01. kurz nach Beginn der Dämmerung, gerechnet für Heidelberg. Von Ost nach West zeichnen die Planeten Merkur, Venus, Saturn, Mars und Jupiter die Hauptebene unseres Planetensystems nach: die Ekliptik. Diese Linie markiert die Projektion der Erdbahn um die Sonne an die Himmelssphäre. Wie man sieht, befinden sich alle Planeten (und der Mond) nahe der Ekliptik.

Leider steht die Ekliptik in unseren Breiten Ende Januar recht flach zum Osthorizont. Es ist daher eine echte Herausforderung, Merkur in der Dämmerung zu erkennen. absolut wolkenfreier Himmel und ein Fernglas helfen bei der Suche.

Weiter südlich steht die Ekliptik im Januar steiler. Auf Teneriffa z. B. lässt sich Merkur einfacher sehen, er steht hier schon vor Beginn der bürgerlichen Dämmerung hoch genug am Himmel. In südlicheren Breiten ist die Planetenparade daher in einem relativ breiten Zeitraum zwischen dem 20. 01. und 20. 02. zu sehen.

Planetenparade auf Teneriffa. Erstellt mit Stellarium.

Planetenparade auf Teneriffa. Erstellt mit Stellarium.

Auf der Südhalbkugel steht bekanntlich alles auf dem Kopf. Auch die Planetenparade läuft hier verkehrt herum. So sieht sie beispielsweise am 30. 01. in Santiago de Chile bei Stromausfall aus:

Planetenparade von Santiago de Chile. Erstellt mit Stellarium.

Planetenparade von Santiago de Chile. Erstellt mit Stellarium.

Und wenn es am 30. 01. bewölkt ist? Simulationen für andere Tage und Orte kann man sich ganz einfach selbst erstellen. Dazu die freie Software Stellarium herunterladen und loslegen. Damit kann man dann auch versuchen, die nächste Planetenparade vorauszuberechnen.

Clear Skies!

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Komet Catalina betritt die Bühnehttp://www.scilogs.de/himmelslichter/komet-catalina-betritt-die-himmelsbuehne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=komet-catalina-betritt-die-himmelsbuehne http://www.scilogs.de/himmelslichter/komet-catalina-betritt-die-himmelsbuehne/#comments Sun, 06 Dec 2015 23:06:02 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2751 C/2013 US10 Catalina wird zwar kein Komet für das bloße Auge (visuelle Beobachtungen vom Sonntagmorgen bestätigen weiter seine Helligkeit von etwa 6mag), Astrofotografen haben aber bereits ihre Freude an ihm. Das hier mit freundlicher Genehmigung gezeigte Bild hat Michael Jäger mit einem 10"  f/4.0 Teleskop (Lacerta) und einer Moravian G3-11002 CCD Kamera aufgenommen.

C/2013 US10 Catalina am 6. Dezember 2015 gegen 04:30 UT. L-4x5 min 2x2 bin RGB je 4 Minuten 4 bin mit 10"/4.0 (Lacerta) und CCD Moravian G3-11002. Aufnahmeort: Jauerling, Österreich. Bildrechte: Michael Jäger

C/2013 US10 Catalina am 6. Dezember 2015 gegen 04:30 UT. L-4x5 min 2x2 bin RGB je 4 Minuten 4 bin mit 10"/4.0 (Lacerta) und CCD Moravian G3-11002. Aufnahmeort: Jauerling, Österreich. Bildrechte: Michael Jäger

Zugegeben, da steckt neben erstklassigem Equipment, Knowhow auch jede Menge Bildverarbeitung drin. Was mit einfacherer Ausrüstung (Canon EOS 6D DSLR und Teleobjektiv) geht, zeigt Ian Sharp auf seiner Webseite. Um den Kontrast zwischen Komet und Venus von 10 Größenklassen (Faktor 10000!) aufs Bild zu bekommen, brauchte er noch nicht einmal HDR-Techniken. Das Bild zeigt also einigermaßen realistisch, wie hell (oder eben schwach) Catalina gegenüber dem Planeten ist.

Am Montagmorgen steht der Mond ganz in der Nähe von Catalina und Venus, Bilder von diesem Trio dürften nicht lange auf sich warten lassen. Nachtrag: Hier sind schon ein paar.

Mehr zu den Aussichten zur Beobachtung des Kometen bei Sterne und Weltraum.

Aufsuchkarten als pdf von Andreas Schnabel.

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C/2013 US10 Catalina – Wird’s was mit dem Weihnachtskometen? UPDATEhttp://www.scilogs.de/himmelslichter/c-us10-catalina-wird-weihnachtskometen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=c-us10-catalina-wird-weihnachtskometen http://www.scilogs.de/himmelslichter/c-us10-catalina-wird-weihnachtskometen/#comments Sun, 22 Nov 2015 23:44:08 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2715 ... weiter]]> (Fast) alle Jahre wieder - Rätselraten um einen möglichen "Weihnachtskometen". Der Fall des berühmt-berüchtigten Kometen "ISON" von 2013 ist noch gut in Erinnerung, letztes Jahr sorgte ein Lovejoy für eine nette Show, und in diesem Jahr heißt der Kandidat C/2013 US10 Catalina. Am 15. November stand der Schweifstern im sonnennächsten Punkt seiner Bahn (Perihel) und in diesen Tagen entscheidet sich, auf was für einen Auftritt im Dezember und Januar wir hoffen können.

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UPDATE 01.12.: Die frühe Prognose der Helligkeit scheint sich zu bestätigen. Dafür werden immer mehr detaillierte Bilder des Kometen veröffentlicht, die seine interessante Schweifstruktur zeigen. Wie es mit Catalina (höchstwahrscheinlich) weitergeht, habe ich für Sterne und Weltraum aufgeschrieben.

UPDATE 06.12.: Schöne Bilder gibt es mittlerweile zuhauf - morgen früh (7.12.) bietet sich darüber hinaus die Gelegenheit, den Kometen mitsamt Mond und Venus auf ein Bild zu bekommen. Wie die Fotografen dabei mit dem gewaltigen Helligkeitskontrast fertig werden, wird interessant zu sehen sein. Es darf vermutet werden, dass sich einige wieder HDR-Tricks bedienen werden, ohne darauf hinzuweisen.

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Zwei Größenklassen schwächer als erwartet

Optimistische Prognosen gingen von einer maximalen Helligkeit von etwa 4mag aus, Catalina wäre damit ein Komet für das bloße Auge. Nach den ersten fotografischen und visuellen Beobachtungen nach seinem Perihel sieht es aber danach aus, als würde der Komet mit höchstens 6.0mag deutlich hinter dieser Voraussage zurückbleiben.

Doch alle Prognosen sind, wie immer, mit Vorsicht zu genießen. Die Beobachtungen werden zur Zeit von der Morgendämmerung erschwert, gegen die Catalina ankämpfen muss. Noch bis Anfang Dezember braucht es einige Erfahrung und sehr klaren Himmel, um den Kometen überhaupt ausmachen zu können.

Diese Aufnahme von C/2013 US10 gelang Chris Schur aus Arizona am Morgen des 22. November 2015. Sie Zeigt den Kometen mit einer deutlich grün gefärbten Koma und zwei Schweifen. Stellarvue SV80s Refraktor und Canon XTi, 1,5 Minuten Belichtungszeit. Mit freundlicher Genehmigung.

Diese Aufnahme von C/2013 US10 gelang Chris Schur aus Arizona am Morgen des 22. November 2015. Sie zeigt den Kometen mit einer deutlich grün gefärbten Koma und zwei Schweifen. Stellarvue SV80s Refraktor und Canon XTi, 1,5 Minuten Belichtungszeit. Mit freundlicher Genehmigung, s.a. hier.

Erste Post-Perihel-Bilder vom 19. und 20. 11. aus Asien zeigten einen höchstens 6-7mag hellen Lichtfleck, spätere aus den USA einen Schweifansatz, das bislang beste mir bekannte Bild des Kometen vom 22.11. aus Arizona einen schönen Kometen mit typisch grün gefärbter Koma und einem Gas- sowie einem Staubschweif. Gleichzeitig melden erfahrene Kometenbeobachter erste visuelle Helligkeitsschätzungen, die mit 6,1 bis 6,5mag am helleren Ende des aus den Fotografien abgeleiteten Bereichs liegen.

Das obige Bild genordet und kontrastverstärkt. Leider mangelt es an geeigneten Vergleichssternen, aber anhand des 6,7mag hellen HD126131 sieht es so aus, als habe der Komet tatsächlich rund 6,0mag. Die Sonne steht östlich des Kometen, der sich in nördlicher Richtung bewegt. So sind auch die beiden Schweife eindeutig zuzuordnen. Bild: Chris Schur

Das obige Bild genordet und kontrastverstärkt. Leider mangelt es an geeigneten Vergleichssternen, aber anhand des 6,7mag hellen HD126131 sieht es so aus, als habe der Komet tatsächlich rund 6,0mag. Die Sonne steht östlich des Kometen, der sich in nördlicher Richtung bewegt. So sind auch die beiden Schweife eindeutig zuzuordnen. Bild: Chris Schur

Woher weiß man, wie hell ein Komet wird? Im Gegensatz zu seiner Bahn weiss man das eben leider nicht genau. Die Helligkeit hängt von der Menge volatilen Materials (Gas und Staub) ab, die durch die Einwirkung der Sonne aus dem Kometen schießt. Seine absolute, d.h. intrinsische Helligkeit ist demnach am größten, wenn er der Sonne am nächsten steht - also während seines Perihels. Heißt: seine hellste absolute Helligkeit hatte Catalina unmittelbar um den 15. November. Da er sich nun wieder von der Sonne entfernt, wird er schon wieder schwächer.

Allerdings hängt seine von der Erde aus wahrgenommene, scheinbare Helligkeit noch von anderen Faktoren ab - von seiner Position am Himmel, dem Blickwinkel und vor allem von seiner Entfernung zur Erde. Da sich Catalina noch bis zum 17. Januar 2016 der Erde nähert, wird die Abnahme seiner absoluten Helligkeit teilweise kompensiert. Wie stark dieser Effekt ist, bleibt abzuwarten, Prognosen dazu sind notorisch unsicher. Es ist möglich (und meiner Meinung nach wahrscheinlich), dass sich die scheinbare Helligkeit des Kometen in den nächsten Wochen kaum ändert, also bei etwa 6mag bleibt.

Komet für Fernglas und Kamera?

Sollte sich das bewahrheiten, dann wird es nichts mit einem freisichtigen Kometen im Dezember. Eher wird Catalina ein Objekt fürs Fernglas sein, seine Schweife könnten darüber hinaus ein schönes Fotomotiv ergeben. Es gibt aber auch Optimisten, die sogar von einer Zunahme der scheinbaren Helligkeit ausgehen.

In den nächsten Nächten werde ich versuchen, den Kometen selbst zu finden und eigene Helligkeitsschätzungen zu machen. Updates gibt es hier im Blog (langsamer) und auf Twitter (schneller).

Lesestoff:

Mehr zu C/2013 Catalina im Dezemberheft von Sterne und Weltraum. Andreas Schnabel hat wieder eines seiner ausgezeichneten Kometendossiers zusammengestellt - es enthält detaillierte Aufsuchkarten und alles, was man zur Beobachtung von Catalina wissen muss (pdf).

Auch Bob King hat Catalina am Sonntagmorgen erfolgreich aufgespürt, und Daniel Fischer hat eine amfangreiche Linksammlung und seine eigene Einschätzung veröffentlicht.

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Es regnet nicht in Hamburg. Das sind nur Meteorite.http://www.scilogs.de/himmelslichter/es-regnet-nicht-in-hamburg-das-sind-nur-meteorite/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=es-regnet-nicht-in-hamburg-das-sind-nur-meteorite http://www.scilogs.de/himmelslichter/es-regnet-nicht-in-hamburg-das-sind-nur-meteorite/#comments Thu, 19 Nov 2015 01:32:12 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2684 ... weiter]]> Die nicht gerade arme Geschichte der Meteoritenfakes darf um eine äußerst bizarre Episode erweitert werden: Ein Experte findet einen Meteoriten seiner eigenen Sammlung in einem Hamburger Vorgarten, bemerkt den Irrtum nicht, ist dafür überraschend schnell bei der Boulevardpresse. Die Meteoritensammlergemeinde ist empört und fordert Konsequenzen.

Vorweg: Wer für diesen Schlamassel verantwortlich ist, wird man endgültig erst wissen, wenn sich der Schuldige geständig zeigt. Bisher ist das nicht passiert. Was die Himmelslichter von den Beteiligten dieses Falles erfahren haben lässt aber keinen Zweifel, dass er zu den dreistesten Meteoritenfakes aller Zeiten gehört.

Der Reihe nach. Am 28.09.2014 entdeckte Michael M. nach eigener Aussage eine defekte Glasscheibe am Vordach seiner Hamburger Wohnung. Das Glas war zersplittert, offenbar durch Einwirkung eines von oben gefallenen Gegenstandes. Das kam M. mysteriös vor, denn oberhalb des Dachs befindet sich kein höheres Gebäude oder ähnliches, von dem der Gegenstand hätte fallen können. M. konnte sich keinen Reim auf diese Geschichte machen, und hatte die Sache fast bereits wieder vergessen, bis…

Detailaufnahme des zersprungenen Glasdachs, der Abdruck des vermutlich Verursachers ist eingerahmt. Foto: Michael Möhl

Detailaufnahme des zersprungenen Glasdachs, der Abdruck des vermutlich Verursachers ist eingerahmt. Foto: Michael M.

…bis er am 14.10.2015, also gut ein Jahr später, einen Vortrag von Marc W. über Meteoriten hörte. M. und W. sind Mitglieder im selben Verein für Hochbegabte, und W. hielt seinen Vortrag in seiner Eigenschaft als Meteoritensammler (Korrektur: mir wurde mitgeteilt, dass W. kein Mitglied des Vereins sei, sondern nur mit ihm "sympathisiere"). W., der sich bei solchen Vorträgen als „anerkannter Gutachter“ und „Mitarbeiter der Hamburger Sternwarte“ bezeichnen lässt, soll meist auch einige Exemplare seiner Sammlung dabei haben, und ab und an auch welche verkaufen. Bei diesem Vortrag, so W. später, sei seines Wissens aber kein Verkauf getätigt worden.

M. sprach W auf sein zersplittertes Glasdach an, auch wenn ihm die Möglichkeit eines Meteoritenfalls sehr unwahrscheinlich vorkam, so M. diesem Blogger gegenüber. W. habe sich sehr aufgeschlossen gezeigt und gleich einen Ortsbesuch zugesagt. Man könne ja mal gucken.

Der Besuch fand am 26.10.15 statt, M.und W. sind sich da einig. Gefunden wurde nichts. W. aber hielt die Wahrscheinlichkeit eines Meteoritenfalls offenbar für hoch genug, noch am selben Tag Kontakt zur „Bild-Zeitung“ aufzunehmen und Bilder des Glasdachs an eine Redakteurin dieser für ihre inhaltliche Korrektheit bekannten Boulevardzeitung zu schicken.

Am 02.11.15 wandte sich W. noch einmal an die „Bild“-Redakteurin. Er werde am Folgetag wieder an M.s Wohnung sein, „zur Entscheidung“. Wenn tatsächlich ein Meteorit gefunden würde, wäre das ein schließlich ein Highlight – noch nie hat es einen Meteoritenfund in der Hansestadt gegeben. Den Schriftverkehr mit der Redakteurin, der diesem Blogger vorliegt, bestätigte W. auf Anfrage: „Für den Fall eines Erfolges hatte ich Frau S. in Bereitschaft gehalten.“

Phantasievolle Leser könnten nun ahnen, wie es weitergeht.

Am 03.11.15 gegen Mittag fand W. tatsächlich einen „verdächtigen Stein“ in einem Beet vor der Wohnung des Herrn M. Um 12:10 Uhr habe er Frau S. angerufen, zehn Minuten später sei sie vor Ort gewesen, so berichtet W. auf Anfrage. Am 04.11. erschien folgerichtig ein Artikel in der Hamburger Ausgabe der „Bild-Zeitung“ mit dem Titel „Das Meteoritenrätsel vom Mittelweg“. Auch M. wird von W. informiert, per Email: Er habe etwas „sehr interessantes“ gefunden, genaueres müsse noch überprüft werden. Details habe W. noch keine nennen wollen (also M. gegenüber nicht).

Die erfuhr M., wiederum seiner eigenen Aussage nach, am nächsten Tag, dem 05.11., als er zur Mittagszeit zu seiner Wohnung kam. Zu seiner Überraschung traf er dort W. und ein Kamerateam des Privatsenders „Hamburg 1“ an. Jetzt erst will M. von dem „Fund“ zwei Tage zuvor erfahren haben, und auch dieser Blogger erfuhr kurz darauf zum ersten Mal davon, durch den dabei entstandenen Fernsehbericht.

Der angebliche Verursacher. Screenshot aus dem Video von Hamburg 1.

Der angebliche Verursacher. Screenshot aus dem Video von Hamburg 1.

Der Bericht hält sich mit Fakten zurück (etwa zur möglichen Fallzeit des Meteoriten – wir erinnern uns: das wären 13 Monate vor dem „Fund“ gewesen). Dafür ist der Stein (nunja, das Steinchen) gut zu erkennen. Er sieht tatsächlich sehr nach einem Meteoriten aus (anders als beispielsweise der Krümel der Essener Schulweggeschichte). Auch meine Wenigkeit hielt die Geschichte zu diesem Zeitpunkt für glaubhaft, wenngleich der Stein sehr klein ist. Aber vielleicht gab es ja mehrere Meteoriten bei diesem Fall, und ein anderer hat das Glasdach beschädigt?

Ohne weitere Informationen, v.a. zum Zeitpunkt des angeblichen Falls, konnten offene Fragen nicht geklärt werden. Aber es gibt ja das Forum der deutschen Meteoritensammler. Dort hatte W. selbst, am 07.11.15, über seinen Fund berichtet. Und jetzt wird die Geschichte interessant.

Nur acht Stunden nach W.s erstem Posting stellte eine aufmerksame Forenteilnehmerin eine interessante Frage: Könne es sein, dass der von W. präsentierte Meteorit einem Exemplar seiner eigenen Sammlung verdächtig ähnlich sieht? Genauer, einem Stück des berühmten Tscheljabinskmeteoriten, der im Februar 2013 über Russland niedergegangen war? Einem Stück, das W. selbst auf einer Tagung im Mai 2013 präsentiert hatte, und dessen Bild er im Internet veröffentlicht hat?

Der angeblich in Hamburg gefundene Meteorit hat nicht nur eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem hier markierten Tscheljabinsk-Exemplar aus Herrn W.s eigener Sammlung (zumindest am 13. Juni 2014 befand er sich noch in W.s Besitz) - es ist derselbe Stein.

Der angeblich in Hamburg gefundene Meteorit hat nicht nur eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem hier markierten Tscheljabinsk-Exemplar aus Herrn W.s eigener Sammlung (zumindest am 13. Juni 2014 befand er sich noch in W.s Besitz) - es ist derselbe Stein.

Um es kurz zu machen (wer es ausführlich mag, lese hier nach): Es ist derselbe Stein. Das gab auch W. nach kurzer Zeit zu.

Das führt natürlich zu einer interessanten Frage: Wie kommt ein Tscheljabinsk-Meteorit zweieinhalb Jahre nach seinem Fall über Russland über den Umweg eines Hamburger Sammlers in einen Hamburger Vorgarten, um dort von eben jenem Hamburger Sammler gefunden zu werden? Spontan fallen vier Erklärungsmöglichkeiten ein:

  • Der Meteorit geriet auf ungeklärte Weise erneut in den erdnahen Weltraum, fiel kurz vor dem 28.09.14 auf Hamburg (verglühte dabei nicht – physikalisch hochinteressant) verwitterte in 13 Monaten praktisch nicht (auch sehr interessant) und hatte das unglaubliche Glück, wieder bei seinem früheren Besitzer zu landen (eine Story für die Geschichtsbücher, dass W. sein Stück erst gar nicht wieder erkannte, gibt ihr einen geradezu tragischen Touch). Einen zugehörigen Meteoritenfall hat jedoch niemand bemerkt. Es gab jedenfalls keinen in Frage kommenden Feuerball, wie eine Anfrage beim Feuerkugelnetz des DLR schnell klärte.
  • M. hatte die glorreiche Idee, W. einen seiner Meteoriten abzukaufen, seine Dachglasscheibe zu zertrümmern, und dann W. seinen eigenen Meteoriten wieder finden zu lassen. Diese Version würde Fragen über M.s Geisteszustand aufwerfen wie die erste über die Physik. M. hat seiner Aussage nach aber nie einen Meteoriten von W. gekauft, und W. erinnert sich seiner Aussage nach nicht, wo und wann der fragliche Stein verkauft worden ist. Er sei aber verkauft worden, und habe sich vor dem Fund am 03.11.2015 nicht mehr in seinem Besitz befunden, sagt W.
  • W. sah nach M.s Erzählung von der Glasscheibe seine Chance auf Ruhm und platzierte seinen eigenen Stein vor M.s Wohnung, um ihn dann praktisch vor den Augen der „Bild-Zeitung“ zu finden, die er am Tag vorher „vorbereitet“ hatte. Ist W. allerdings der Experte, der er vorgibt zu sein, dass weiß er sicher, dass sein Stein erstens gut im Internet dokumentiert ist und damit wieder erkannt werden würde, dass ein Steinmeteorit zweitens nach einem Jahr bei Wind und Wetter erheblich verwittert, dass man drittens die Zeit nach dem Fall auf die Erde auf etwa ein halbes Jahr genau mittels Radioisotopanalyse eingrenzen kann und dass viertens ein Steinchen dieser Größe wohl kaum eine Scheibe zertrümmern kann. Als „Gutachter für Meteoriten“ kann sich allerdings jeder bezeichnen, und W. ist auch kein Mitarbeiter der Universitätseinrichtung Hamburger Sternwarte, sondern allenfalls Mitglied im Förderverein der Hamburger Sternwarte. Wie tiefgehend seine Kenntnisse von der Materie sind, kann ich nicht beurteilen. W. jedenfalls streitet ab, den Stein selbst platziert zu haben und kann seiner Aussage nach diesem Blogger nicht erklären, wie er in M.s Vorgarten kam.
  • Ein mysteriöser Dritter, nennen wir ihn „Mister X.“, hatte den teuflischen Plan, W. einen seiner Meteoriten abzukaufen, M.s Glasdach zu zertrümmern, den Stein im Blumenbeet zu verstecken, und dann darauf zu hoffen, dass M. W. anspricht, um ihn… ok, vielleicht auch nicht.

Ich weiß nicht, welche Version der Wahrheit entspricht, oder ob sich alles ganz anders abgespielt hat. Ich habe auch keine Erklärung für die zersprungene Glasscheibe. Ich überlasse es Ihnen, werter Leser, Ihre eigenen Schlüsse zu ziehen. Einige der Meteoritensammler scheinen jedenfalls einen Favoriten unter den obigen vier Möglichkeiten zu haben, und wollen W. nun die Mitgliedschaft der International Meteorite Collectors Association entziehen.

Die Moral dieser Geschichte? Meteoriten bieten Stoff für die abenteuerlichsten Räuberpistolen, und was zuerst in der „Bild“ steht, fasst man am besten mit der sprichwörtlichen Kneifzange an. (Das wussten Sie jetzt aber, oder?)

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Asteroidenjäger Sentinel – die NASA steigt aushttp://www.scilogs.de/himmelslichter/asteroidenjaeger-sentinel-die-nasa-steigt-aus/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=asteroidenjaeger-sentinel-die-nasa-steigt-aus http://www.scilogs.de/himmelslichter/asteroidenjaeger-sentinel-die-nasa-steigt-aus/#comments Mon, 09 Nov 2015 01:58:19 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2647 ... weiter]]> Bereits Ende September war bekannt geworden, dass die Nasa die Zusammenarbeit mit der privaten „B612-Foundation“ für den Betrieb eines Asteroiden-Frühwarnsatelliten namens „Sentinel“ eingestellt hat. Ein Rückschlag für private Initiativen, die vor folgenschweren Asteroideneinschlägen warnen und seit Jahren mächtig PR-Wind machen.

[tl;dr]: Ein eigentlich sinnvolles Projekt zur Asteroidensuche hat Finanzierungsprobleme, jetzt ist auch noch die Nasa als Partner ausgestiegen. Das Scheitern seiner angstbasierten PR muss man aber nicht betrauern.

Rauchspur des etwa 20 Meter großen Himmelskörpers, der am 15. Februar 2013 über dem russischen Tscheljabinsk explodierte. Fenster gingen zu Bruch, rund 1000 Menschen vurden verletzt. Bild: Alex Alishevskikh

Rauchspur des etwa 20 Meter großen Himmelskörpers, der am 15. Februar 2013 über dem russischen Tscheljabinsk explodierte. Fenster gingen zu Bruch, rund 1000 Menschen wurden bei der Explosion des Miniasteroiden in der Atmosphäre verletzt. Bild: Alex Alishevskikh

Die B612-Foundation, die bislang nicht einmal ansatzweise die nötigen Gelder für das Projekt aufgebracht haben soll, hat laut Nasa einen wichtigen Meilenstein nicht erreicht: den Start der eigentlichen Entwicklung des Satelliten. Der Starttermin hat sich folgerichtig bereits mehrfach verschoben, von anfangs 2016 auf jetzt frühestens 2019. Um nicht weitere Ressourcen zu binden, werde das Space Act Agreement (SAA) mit der Initiative daher beendet.

Die Meldung kam für mich seinerzeit zur Unzeit, weswegen sie im Wust der täglich einprasselnden Neuigkeiten zunächst unterging. Vergangene Woche aber veröffentlichte der Astronom und Blogger Ethan Siegel einen Kommentar zum Nasa-Ausstieg, was mich wieder an das Thema erinnerte. Siegels Urteil: Gut so – der Plan, der Milliarden Dollar kosten würde, ist reine Verschwendung. Das Risiko, wirklich einmal von einem Asteroiden getroffen zu werden, rechtfertige den Aufwand nicht.

Asteroidenexperten kritisieren seit längerem die PR-Strategie der B612-Foundation und der mit ihr eng verwobenen Initiative „Asteroid Day“ als überzogen und angstbasiert. Für Sterne und Weltraum (deutsch) und Sky&Telescope (englisch) habe ich das Thema vor einigen Monaten zusammengefasst (Lesetipp!).

Die Kritik ist aus meiner Sicht berechtigt. In Promotionsvideos wie dem folgenden vermittelt die B612-Foundation den Eindruck, die Erde werde fortwährend von gefährlichen „Massenvernichtungswaffen“ aus dem All bombardiert und es sei reines Glück, dass es nicht schon längst zur Katastrophe gekommen ist.

Tatsache ist aber, dass keiner der im Video dargestellten und irreführend „impact“ genannten Boliden eine echte Bedrohung für die Menschheit oder auch nur einen Teil derselben war. Ja – ein Asteroid der 40-Meter-Klasse kann unter sehr ungünstigen Bedingungen eine Stadt zerstören und in Tscheljabinsk wurden Menschen verletzt. Mit dem Verweis darauf, dass solche sogenannten „City-Killer“ im statistischen Mittel alle 100 Jahre vorbeischauen und der damit verbundenen Suggestion, wir stünden praktisch unter permanenter Bedrohung, verkennt die B612-Foundation aber eine wichtige Tatsache: Nur drei Prozent der Landfläche der Erde ist urbanisiert, die Zielscheibe ist also sehr, sehr klein. [1]. In all den Jahrtausenden, in denen die Menschheit schon auf diesem Planeten Städte baut ist folglich noch keine einzige von einem Asteroiden vernichtet worden ist (dafür aber nicht gerade wenige von eben diesen Menschen selbst).

Sentinell soll auf einem Orbit nehe der Venusbahn stationiert werden. Von dort könnte auch der Bereich innerhalb der Erdbahn nach Asteroiden abgesucht werden, der von Erd Erdoberfläche aus nicht beobachtbar ist. Bild: B612-Foundation

Sentinel soll auf einem Orbit nahe der Venusbahn stationiert werden. Von dort könnte er auch der Bereich innerhalb der Erdbahn nach Asteroiden absuchen, der von Erdoberfläche aus nicht beobachtbar ist. Bild: B612-Foundation

In einem Punkt stimme ich Siegel also zu: Das Risiko durch kleine Asteroiden (der ~40-Meter-Klasse) ist aufgebauscht. Damit endet unsere Übereinstimmung aber. Sentinel wäre ein Früherkennungssatellit geworden (vielleicht wird er es auch noch, die B612-Foundation will auch ohne Nasa weitermachen), und es spricht nichts dagegen, den Himmel verstärkt nach potentiellen Störenfrieden abzusuchen. Die Idee ist, Sentinel innerhalb der Erdbahn um die Sonne kreisen zu lassen, um so auch den Bereich des erdnahen Weltraums anzusuchen, den erdgebundene Teleskope nicht erreichen können. Das wäre gut. Anders als Siegel bin ich nicht der Meinung, dass Asteroiden überhaupt keine Gefahr für die Menschheit darstellen, beziehungsweise dass wir uns um sie kümmern sollen, wenn „unsere Spezies noch ein paar tausend Jahre“ durchhält.

Das – von B612 und Asteroid Day hausgemachte – Problem liegt meiner Meinung nach bei der Definition von „Störenfried“. Große Asteroiden mit Durchmessern von 100 Meter oder mehr sind in der Tat eine Bedrohung: Sie sind zwar viel seltener als die sogenannten „City-Killer“, würden bei einem Einschlag aber nicht nur lokale Schäden verursachen. Ein 100m-Brocken kann halbe Kontinente verwüsten [2]. Wir kennen längst noch nicht erdnahen Asteroiden dieser Klasse (Schätzungen gehen von bis zu 1000 noch unentdeckten aus), und es wäre dumm, sie zu ignorieren. Es müssen Mittel aufgebracht werden, um diese potentiell gefährliche Asteroiden rechtzeitig zu erkennen. Rechtzeitig heißt: Jahrzehnte im Voraus.

Wer aber harmlose Miniasteroiden dämonisiert und zu potentiellen „City-Killern“ macht, erzeugt zwar Aufsehen, handelt sich aber ein Glaubwürdigkeitsproblem ein. Sentinel soll sich nämlich gar nicht auf diese Zwerge, sondern völlig richtig auf die Problembärkategorie 100m+ konzentrieren. Würde auch die PR der Initiative das korrekt transportieren, könnte man natürlich nicht so werbewirksame Videos wie das obige produzieren. Die Entdeckung aller Kleinkörper unter 100 Meter (es sind vermutlich mehr als eine Million in Erdnähe) würde Milliarden Dollar kosten, sagen Experten – eine enorme Summe für ein (im Vergleich zu anderen Naturkatastrophen) geringes Risiko [3].

Die Asteroidensuche muss ein. Unter Dauergefahr, wie Videos wie das obige suggerieren, steht unser Planet aber auch nicht. Sentinel wäre ein gute Sache, aber dass sich die Fundingcrowd offenbar nicht von Panik-PR beeindrucken lässt (so lese ich die schleppende Finanzierung des Projekts), hat auch etwas Positives.

[1] Das ist gerade für Stadtbewohner komplett kontraintuitiv, weswegen die die Argumentation der B612-Foundation auch so gut wirkt.

[2] Die Menschheit auslöschen kann auch so einer nicht. Ein zweiter „Dinokiller“ müsste einen Kilometer oder mehr durchmessen, und dass so einer nicht in Sicht ist, wissen wir bereits.

[3] Solche Kleinkörper würden dann ohnehin erst kurz vor Aufprall entdeckt, womit sich die Frage stellt, wie man solche Miniasteroiden dann „bekämpfen“ soll. Über Sinn und Unsinn einer besonders drastische Idee einer dänischen Initiative (die genau die gleiche PR-Schiene fährt wie die oben genannten) habe ich mich bereits geäußert.

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Sechs sind vier zuvielhttp://www.scilogs.de/himmelslichter/sechs-sind-sechs-zuviel/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sechs-sind-sechs-zuviel http://www.scilogs.de/himmelslichter/sechs-sind-sechs-zuviel/#comments Sun, 01 Nov 2015 23:45:45 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2620 ... weiter]]> Man hat ja beizeiten solche Momente, in denen man am liebsten laut ausrufen möchte „nee, das kann aber jetzt nicht richtig sein“ - und sich im selben Augenblick fragt, ob man nicht vielleicht selbst auf dem Holzweg ist. Ist ein Sachverhalt, von dem man ganz fest überzeugt ist, doch ganz anders? Einen solchen Moment hatte ich vor ein paar Wochen im Wiener Globenmuseum, und zwar beim Betrachten dieses Ausstellungsstücks:

Das fragliche Drehplanetarium im Globenmuseum Wien. Ganz links Uranus, mit sechs Monden.

Das fragliche Drehplanetarium im Globenmuseum Wien. Ganz links Uranus, mit sechs Monden.

Fällt es Ihnen auf? Sieben Planeten hat dieses schöne alte Tischplanetarium, in dem Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn und Uranus dargestellt sind. Filigran eingebaut sind auch die Monde der Erde (1), des Jupiter (4), Saturn (7) und des Uranus (6). Sechs Uranusmonde und der Planet Neptun fehlt – kann das sein?

Uranus wurde am 13. März 1781 entdeckt, Neptun am 23. September 1846 – auf den Zeitraum dazwischen lässt sich das Modell also leicht datieren. Die Museumsplakette ist noch etwas genauer, da steht „London, Firma Ebsworth, 1794“. Dreizehn Jahre nach Uranus’ Entdeckung durch den großen Astronomen Wilhelm Herschel waren also schon sechs Uranusmonde bekannt, der achte Planet dagegen noch nicht. Kann das sein?

Die zugehörige Infotafel.

Die zugehörige Infotafel.

Mein erster Gedanke: nie im Leben. Doch ist es wirklich unvorstellbar? Uranus wurde sicher nach seiner Entdeckung nicht nur von Herschel intensiv beobachtet. Dass Neptun viel leichter zu sehen ist als die Uranusmonde, ist irrelevant. Man wusste im Falle eines unbekannten Planeten nicht, wohin man schauen musste, im Falle möglicher Uranusbegleiter dagegen schon. Also ist es plausibel, dass die Monde gleich nach dem Planeten selbst gefunden worden waren.

Der Nicht-Amateurastronom mag es dabei belassen und sich dem nächsten Exponat der sehr empfehlenswerten Sammlung zuwenden. Wir aber sind hier ja erstens in den Kosmologs, also unter Astro-Geeks, und zweitens keine Anfänger, sondern haben selbst einige Erfahrung, was Uranus-und-Monde-Beobachtungen angeht. Und wissen daher, dass der Versuch, Monde dieses fernen Planeten im Teleskop zu sehen, zur Königsklasse der visuellen Beobachtung zählt. Es ist eine ziemliche Herausforderung.

Von den über 25 bekannten Monden des Uranus liegen nur fünf im Bereich (größerer) Amateurteleskope. Der größte von ihnen, Titania, ist mit 1576 Kilometer Durchmesser nicht einmal halb so groß wie der Erdmond, der kleinste, Miranda, misst gerade noch 471 Kilometer. Ihre maximalen Helligkeiten bei einer Uranusopposition liegen zwischen 13,8 (Titania) und 15,8mag (Miranda). Visuell am Teleskop gesehen habe ich nur die hellsten vier, und auch das nur unter allerbesten Bedingungen mit ruhigster Luft, mindestens 12“ Objektivöffnung und höchster Vergrößerung. Sechs Monde sind für Amateurastronomen unerreichbar. Bei allem Respekt vor Herschel und seiner Erfahrung als Beobachter: Er war definitiv nicht besser ausgerüstet als (fortgeschrittene) Amateurastronomen heute.

Die vier hellsten Monde des Uranus, gemeinsam mit dem Planeten selbst aufgenommen vom Monschauer Sternfreund Hans Kirch mit einem 12"-Teleskop. Diese vier sind das Maximum, was einem normal ausgestatteten Amateurastronom vor auf Netzhaut oder Chip kommt (Nummer 5 geht eventuell noch) - und das Maximum, was Herschel hätte sehen können.

Die vier hellsten Monde des Uranus, gemeinsam mit dem Planeten aufgenommen vom Monschauer Sternfreund Hans Kirch mit einem 12"-Teleskop. Diese vier sind das Maximum, was einem normal ausgestatteten Amateurastronom auf Netzhaut oder Chip kommt (Nummer 5 geht eventuell noch) - und das Maximum, was Herschel hätte sehen können.

Ein Blick in die Wikipedia bestätigt dann auch den Verdacht: Nur die hellsten beiden Uranusmonde, Titania und Oberon, hatte Herschel selbst entdeckt, und zwar 1787. Die nächsten beiden, Ariel und Umbriel, fand William Lassell im Jahr 1851, Nummer fünf (Miranda) Gerard Kuiper im Jahr 1948, und Nummer sechs (Puck) hat man gar erst im Jahr 1985 mit Hilfe der Raumsonde Voyager 2 aufgespürt. Sechs Uranusmonde waren 1794 ganz sicher nicht bekannt. Punkt.

Wie kamen sie dann aber in dieses alte Planetarium? Die Antwort wird klar, wenn man sich im Netz ein bisschen weiter zum Thema umschaut: Herschel war zwar ein exzellenter Beobachter, aber eben auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut, der manchmal zu sehen glaubte, was er eben gerne sehen wollte, auch wenn es in Wirklichkeit nicht da war. Was mich wiederum an eine bemerkenswerte Alpennacht vor etlichen Jahren erinnert, in der ich so lange auf Uranus und seine Umgebung starrte, dass ich am Ende allerhand lichtschwache „Monde“ um ihn herum sah. Keiner davon war real – die „Sichtungen“ waren eher durch Müdigkeit, körperliche Anstrengung und Wunschvorstellungen zu erklären. So dürfte es auch dem Astronomen Herschel ergangen sein: Etliche seiner vermeintlichen Mondentdeckungen stellten sich später als „spurious“ heraus: als Irrtum.

Vier der sechs Monde sind also definitiv nicht durch Herschel entdeckt worden. Dass sie dennoch im Modell der Londoner Firma Ebsworth enthalten sind, erkläre ich mir mit einem allzu gut (nicht nur in der Wissenschaft) bekannten Phänomen: Autorität wirkt. Wilhelm Herschel war eine Autorität in der Astronomie, wenn Wilhelm Herschel, Planetenentdecker und Mitglied der Royal Society sagt, dass Uranus sechs Monde hat, dann hat Uranus eben sechs Monde. Wer wollte da widersprechen. Der Planetariumsbauer der Firma Ebsworth jedenfalls nicht, der baute die Monde in sein Orerry ein – und da sind sie noch heute.

Eine interessante Sache, die eigentlich auch auf der Objektbeschreibung im Museum hätte vermerkt sein können. Gut, dass sie es nicht ist. Sonst gäbe es jetzt diesen Blogeintrag nicht.

Anmerkung: In einer früheren Version habe ich einen Fehler eingebaut und das Baudatum des Planetariums mit "1784" angegeben, was, wie man leicht sieht, falsch ist. Asche auf mein Haupt. Und Dank an den aufmerksamen Leser, der mich darauf hingewiesen hat!

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KIC 8462852 – Den “mysteriösesten Stern unserer Galaxie” selbst beobachten!http://www.scilogs.de/himmelslichter/kic-8462852-den-mysterioesesten-stern-unserer-galaxie-selbst-beobachten/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=kic-8462852-den-mysterioesesten-stern-unserer-galaxie-selbst-beobachten http://www.scilogs.de/himmelslichter/kic-8462852-den-mysterioesesten-stern-unserer-galaxie-selbst-beobachten/#comments Thu, 22 Oct 2015 10:48:28 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2605 ... weiter]]> Manchmal braucht es offenbar Journalisten mit ein bisschen zu viel Phantasie (Außerirdische! Dyson-Sphäre!), um die Sache ins Rollen zu bringen. Nun also, nachdem der Hype um den merkwürdigen Stern KIC 8462852 abgeklungen ist und sich "das Internet" wieder mit anderem beschäftigt ist, dürfen sich Berufs- wie Privatastronomen wieder in Ruhe um ihr Objekt kümmern. Und das ist, ganz ohne Alienblödsinn, ziemlich interessant. Karl Urban hat sich schon vor ein paar Tagen dazu geäußert.

Zur Erinnerung: KIC 8462852 ist ein eigentlich ziemlich normaler Stern des Spektraltyps F. Ab und an aber zeigt er ziemlich wirre Veränderungen seiner Helligkeit. Entdeckt wurde das schon vor längerer Zeit, und zwar den Planet Hunters, einer Gruppe von "Citizen Scientists", die in den Daten des inzwischen abgeschalteten Weltraumteleskops Kepler nach ungewöhnlichen Schwankungen in stellaren Lichtkurven suchen. Die automatischen Algorithmen, die die Keplerdaten sonst auswerten, suchen nach periodischen Schwankungen in der Helligkeit, die auftreten, denn Planeten vor den Sternen vorbeilaufen und dabei einen kleinen Teil ihres Lichts abschatten. Alles, was irgendwie vom Exoplanetenmuster abweicht, kann den Algorithmen schon mal entgehen. Weswegen es lebende Menschen braucht, um sie zu entdecken.

Die von Kepler aufgezeichnete Helligkeitskurve von KIC 8462852 zeigt einen meist konstanten Verlauf, der von unregelmäßigen, teils heftigen "Ausschlägen" unterbrochen wird - "etwas" scheint den Stern von Zeit zu Zeit zu verdunkeln, aber nicht so, wie ein Exoplanet es täte. Quelle: Boyajian et al. 2015, http://arxiv.org/abs/1509.03622

Die von Kepler aufgezeichnete Helligkeitskurve von KIC 8462852 zeigt einen meist konstanten Verlauf, der von unregelmäßigen, teils heftigen "Ausschlägen" unterbrochen wird - "etwas" scheint den Stern von Zeit zu Zeit zu verdunkeln, aber nicht so, wie ein Exoplanet es täte. Quelle: Boyajian et al. 2015, http://arxiv.org/abs/1509.03622

KIC 8462852 also zeigt einen ziemlich wirren Helligkeitsverlauf, der sich bislang durch kein natürliches Phänomen erklären lässt. In einem ebenfalls schon einen Monat alten Paper beschäftigten ich Wissenschftler eingehend mit diesem Stern und stellten dabei fest, dass das seltsame Muster nicht durch Defekte des Teleskops oder dessen Detektor ausgelöst wurde. Als einzige, nicht eben wahrscheinliche aber auch nicht unrealistische Erklärung favorisieren sie eine Wolke aus zerbrochenen Kometen. Eine solche Wolke könnte in der Tat die heftigen Schwankungen der Helligkeit des Sterns über viele Tage hinweg erklären, es wäre aber ein ziemlicher Zufall, wenn Kepler ein solch nicht eben häufiges Ereignis wie einen zerbrechenden Kometen in einem fernen Sonnensystem beobachtet hätte (was per se nicht gegen die Hypothese spricht).

Diese Bilder zeigen einen vergrößerten Ausschnitt des rechten Bereichs der obigen Helligkeitskurve. In einem 90-tägigen Intervall von tag 1420 bis 1580 sind die Abschattungen bessonders heftig. Quelle: Boyajian et al. 2015, http://arxiv.org/abs/1509.03622

Diese Bilder zeigen einen vergrößerten Ausschnitt des rechten Bereichs der obigen Helligkeitskurve. In einem 90-tägigen Intervall von tag 1490 bis 1580 sind die Abschattungen bessonders heftig - der Stern wird immerhin um einige Prozent abgeschwächt. Quelle: Boyajian et al. 2015, http://arxiv.org/abs/1509.03622

Interessiert hat sich für diesen - ziemlich spannenden - Fall kaum jemand, bis der berüchtigte Artikel erschien.

Nun also sieht sich sogar die AAVSO genötigt, einen Beobachtungsaufruf an Amateurastronomen zu starten - denn mit 11,9mag ist KIC 8462852 hell genug, um auch mit mittelgroßen Teleskopen leicht gesehen zu werden. Konkret geht es darum, die Helligkeitsentwicklung des Sterns weiter zu verfolgen. Erscheint das wilde Muster erneut? Ist es periodisch? Wenn ja, wie groß ist die Umlaufdauer des zugehörigen Objekts? Verändert sich das Muster bei jedem Umlauf? Die Antworten darauf werden entscheidend sein bei der Lösung des Rätsels um KIC 8462852.

Der Stern steht bei den Koordinaten RA 20 06 15.46, Dec +44 27 24.8, also im Sternbild Schwan, das derzeit noch am Abendhimmel zu sehen ist. Gefragt sind insbesondere Amateurastronomen, die sich mit der Photometrie veränderlicher Sterne auskennen. Dabei geht es um recht kleine Veränderungen - mit dem Auge am Teleskkop wird wohl nichts auffallen, aber mit langfristigen, fotografischen Methoden sollten auch Amateure in der Lage sein, Helligkeitsschwankungen des Sterns zu erkennen. In Deutschland koordiniert die Bundesdeutsche Arbeitsgemeinschaft für Veränderliche Sterne e.V. (BAV) solche Beobachtungen. Auf den Seiten der BAV findet man allerlei wertvolle Informationen dazu.

Das Sternbild Schwan ist zur Zeit (Ende Oktober / Anfang November) nach Sonnenuntergang leicht im Südwesten hoch über dem Horizont zu finden.

Das Sternbild Schwan ist zur Zeit (Ende Oktober / Anfang November) nach Sonnenuntergang leicht im Südwesten hoch über dem Horizont zu finden.

Der Stern KIC 8462852 befindet sich im nördlichen Bereich des Schwans. Ich habe zwei Aufsuchkarten erstellt, die das Finden erleichtern sollten (Norden ist jeweils oben, Osten links). Auf der AAVSO-Seite kann man Karten (fast) beliebiger Größe und Orientierung selbst erstellen.

Aufsuchkarten für KIC 8462852, links mit 20° Blickfeld, rechts 1°. Auf der linken Abbildung ist das Sternbild Schwan zur Orientierung eingezeichnet. Quelle AAVSO.

Aufsuchkarten für KIC 8462852, links mit 20° Blickfeld, rechts 1°. Auf der linken Abbildung ist das Sternbild Schwan zur Orientierung eingezeichnet. Quelle AAVSO.

Statt sich also mit sinnlosen Spekulationen über Aliens zu beschäftigen - selbst beobachten!

Viel Erfolg und Clear Skies!

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http://www.scilogs.de/himmelslichter/kic-8462852-den-mysterioesesten-stern-unserer-galaxie-selbst-beobachten/feed/ 0 kosmologs
Bilderrätselhttp://www.scilogs.de/himmelslichter/bilderr%c3%a4tsel/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=bilderr%25c3%25a4tsel http://www.scilogs.de/himmelslichter/bilderr%c3%a4tsel/#comments Sun, 20 Sep 2015 15:05:16 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2595 ... weiter]]> Frage: Was stimmt nicht mit dem Kometen auf diesem Bild des SOHO Lasco-C3-Koronografen vom vergangenen Freitag? (Auflösung morgen.)

Aufnahme des Lasco C2 Koronografen vom 18.09.2015, 19:42 UTC (SOHO/ESA/NASA)

Aufnahme des Lasco C2 Koronografen vom 18.09.2015, 19:42 UTC (SOHO/ESA/NASA)

Genug geraten - hier kommt die Auflösung!

Natürlich hat einer meiner geschätzen Leser das Rätsel gelöst. Doch fand die Raterei mehr auf Twitter statt als hier in den Kommentaren (das ist dann wohl das Internet wasweissichwieviel Punkt Null). Aber gut, hier die Erklärung.

Dass es sich bei dem obigen Objekt nicht um einen Kometen handeln konnte, war den meisten wohl sofort klar. Der Schweif eines Kometen zeigt stets von der Sonne weg, vor allem in unmittelbarer Sonnennähe. Ein Blick auf diese Animation (zu finden auf der SOHO-Seite) zeigt noch mal deutlich, dass es kein Komet sein kann - das Objekt ist nur auf einem einzigen Frame zu sehen. Kometen ziehen deutlich langsamer und sind über mehrere Einzelbilder hinweg zu verfolgen.

Eine angebotene Lösung waren energiereiche Teilchen aus der Sonne. Die treffen den SOHO-Satelliten auch mal ganz gerne, insbesondere nach Ausbrüchen auf der Sonne, sehen aber anders aus - eher wie kleine Blitze, die den Detektor sättigen.

Des Rätsels Lösung: Teile der Wärmeisolation, über die Jahre spröde geworden, brechen von Zeit zu Zeit ab und können dann vor die Kameralinse geraten. Vermutlich sind Mikrometeoriten dafür verantwortlich. So ist es wohl auch in diesem Fall gewesen - der aber keinesfalls der erste seiner Art war!

Herzlichen Dank an alle Mitrater und -innen und herzlichen Glückwunsch an Mike Beckers für die richtige Antwort!

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