Himmelslichter http://www.scilogs.de/himmelslichter ein Blog über alles, was am Himmel passiert Mon, 04 Jan 2016 01:46:12 +0000 de-DE hourly 1 Planetenparade Supreme: Das Sonnensystem auf einen Blickhttp://www.scilogs.de/himmelslichter/planetenparade-supreme-das-sonnensystem-blick/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=planetenparade-supreme-das-sonnensystem-blick http://www.scilogs.de/himmelslichter/planetenparade-supreme-das-sonnensystem-blick/#comments Mon, 04 Jan 2016 01:46:12 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2765 ... weiter]]> Es kommt nicht oft vor, dass alle hellen Planeten des Sonnensystems gemeinsam am Himmel stehen. Im Januar und Februar 2016 ist es wieder soweit. Frühaufsteher haben zum Monatswechsel kurz Gelegenheit, alle mit bloßem Auge sichtbaren Planeten auf einen Blick sehen. Ein Planet macht die Sache aber schwierig, zumindest in mitteleuropäischen Breiten. Zum Monatsende bis Anfang Februar wandert auch der abnehmende Mond die Planetenparade ab.

Die letzte "Planetenparade Supreme" liegt schon etwas zurück: das war im Dezember 2004 und Januar 2005. Uranus und Neptun sind in der Regel ohne Hilsmittel nicht zu erkennen, und spielen hier nicht mit.

Planetenparade am 30.01.2016 für Heidelberg. Erstellt mit Stellarium.

Planetenparade am 30.01.2016 für Heidelberg. Erstellt mit Stellarium.

Das erste Bild zeigt den Himmelsanblick für den Morgen des 30. 01. kurz nach Beginn der Dämmerung, gerechnet für Heidelberg. Von Ost nach West zeichnen die Planeten Merkur, Venus, Saturn, Mars und Jupiter die Hauptebene unseres Planetensystems nach: die Ekliptik. Diese Linie markiert die Projektion der Erdbahn um die Sonne an die Himmelssphäre. Wie man sieht, befinden sich alle Planeten (und der Mond) nahe der Ekliptik.

Leider steht die Ekliptik in unseren Breiten Ende Januar recht flach zum Osthorizont. Es ist daher eine echte Herausforderung, Merkur in der Dämmerung zu erkennen. absolut wolkenfreier Himmel und ein Fernglas helfen bei der Suche.

Weiter südlich steht die Ekliptik im Januar steiler. Auf Teneriffa z. B. lässt sich Merkur einfacher sehen, er steht hier schon vor Beginn der bürgerlichen Dämmerung hoch genug am Himmel. In südlicheren Breiten ist die Planetenparade daher in einem relativ breiten Zeitraum zwischen dem 20. 01. und 20. 02. zu sehen.

Planetenparade auf Teneriffa. Erstellt mit Stellarium.

Planetenparade auf Teneriffa. Erstellt mit Stellarium.

Auf der Südhalbkugel steht bekanntlich alles auf dem Kopf. Auch die Planetenparade läuft hier verkehrt herum. So sieht sie beispielsweise am 30. 01. in Santiago de Chile bei Stromausfall aus:

Planetenparade von Santiago de Chile. Erstellt mit Stellarium.

Planetenparade von Santiago de Chile. Erstellt mit Stellarium.

Und wenn es am 30. 01. bewölkt ist? Simulationen für andere Tage und Orte kann man sich ganz einfach selbst erstellen. Dazu die freie Software Stellarium herunterladen und loslegen. Damit kann man dann auch versuchen, die nächste Planetenparade vorauszuberechnen.

Clear Skies!

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Komet Catalina betritt die Bühnehttp://www.scilogs.de/himmelslichter/komet-catalina-betritt-die-himmelsbuehne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=komet-catalina-betritt-die-himmelsbuehne http://www.scilogs.de/himmelslichter/komet-catalina-betritt-die-himmelsbuehne/#comments Sun, 06 Dec 2015 23:06:02 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2751 C/2013 US10 Catalina wird zwar kein Komet für das bloße Auge (visuelle Beobachtungen vom Sonntagmorgen bestätigen weiter seine Helligkeit von etwa 6mag), Astrofotografen haben aber bereits ihre Freude an ihm. Das hier mit freundlicher Genehmigung gezeigte Bild hat Michael Jäger mit einem 10"  f/4.0 Teleskop (Lacerta) und einer Moravian G3-11002 CCD Kamera aufgenommen.

C/2013 US10 Catalina am 6. Dezember 2015 gegen 04:30 UT. L-4x5 min 2x2 bin RGB je 4 Minuten 4 bin mit 10"/4.0 (Lacerta) und CCD Moravian G3-11002. Aufnahmeort: Jauerling, Österreich. Bildrechte: Michael Jäger

C/2013 US10 Catalina am 6. Dezember 2015 gegen 04:30 UT. L-4x5 min 2x2 bin RGB je 4 Minuten 4 bin mit 10"/4.0 (Lacerta) und CCD Moravian G3-11002. Aufnahmeort: Jauerling, Österreich. Bildrechte: Michael Jäger

Zugegeben, da steckt neben erstklassigem Equipment, Knowhow auch jede Menge Bildverarbeitung drin. Was mit einfacherer Ausrüstung (Canon EOS 6D DSLR und Teleobjektiv) geht, zeigt Ian Sharp auf seiner Webseite. Um den Kontrast zwischen Komet und Venus von 10 Größenklassen (Faktor 10000!) aufs Bild zu bekommen, brauchte er noch nicht einmal HDR-Techniken. Das Bild zeigt also einigermaßen realistisch, wie hell (oder eben schwach) Catalina gegenüber dem Planeten ist.

Am Montagmorgen steht der Mond ganz in der Nähe von Catalina und Venus, Bilder von diesem Trio dürften nicht lange auf sich warten lassen. Nachtrag: Hier sind schon ein paar.

Mehr zu den Aussichten zur Beobachtung des Kometen bei Sterne und Weltraum.

Aufsuchkarten als pdf von Andreas Schnabel.

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C/2013 US10 Catalina – Wird’s was mit dem Weihnachtskometen? UPDATEhttp://www.scilogs.de/himmelslichter/c-us10-catalina-wird-weihnachtskometen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=c-us10-catalina-wird-weihnachtskometen http://www.scilogs.de/himmelslichter/c-us10-catalina-wird-weihnachtskometen/#comments Sun, 22 Nov 2015 23:44:08 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2715 ... weiter]]> (Fast) alle Jahre wieder - Rätselraten um einen möglichen "Weihnachtskometen". Der Fall des berühmt-berüchtigten Kometen "ISON" von 2013 ist noch gut in Erinnerung, letztes Jahr sorgte ein Lovejoy für eine nette Show, und in diesem Jahr heißt der Kandidat C/2013 US10 Catalina. Am 15. November stand der Schweifstern im sonnennächsten Punkt seiner Bahn (Perihel) und in diesen Tagen entscheidet sich, auf was für einen Auftritt im Dezember und Januar wir hoffen können.

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UPDATE 01.12.: Die frühe Prognose der Helligkeit scheint sich zu bestätigen. Dafür werden immer mehr detaillierte Bilder des Kometen veröffentlicht, die seine interessante Schweifstruktur zeigen. Wie es mit Catalina (höchstwahrscheinlich) weitergeht, habe ich für Sterne und Weltraum aufgeschrieben.

UPDATE 06.12.: Schöne Bilder gibt es mittlerweile zuhauf - morgen früh (7.12.) bietet sich darüber hinaus die Gelegenheit, den Kometen mitsamt Mond und Venus auf ein Bild zu bekommen. Wie die Fotografen dabei mit dem gewaltigen Helligkeitskontrast fertig werden, wird interessant zu sehen sein. Es darf vermutet werden, dass sich einige wieder HDR-Tricks bedienen werden, ohne darauf hinzuweisen.

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Zwei Größenklassen schwächer als erwartet

Optimistische Prognosen gingen von einer maximalen Helligkeit von etwa 4mag aus, Catalina wäre damit ein Komet für das bloße Auge. Nach den ersten fotografischen und visuellen Beobachtungen nach seinem Perihel sieht es aber danach aus, als würde der Komet mit höchstens 6.0mag deutlich hinter dieser Voraussage zurückbleiben.

Doch alle Prognosen sind, wie immer, mit Vorsicht zu genießen. Die Beobachtungen werden zur Zeit von der Morgendämmerung erschwert, gegen die Catalina ankämpfen muss. Noch bis Anfang Dezember braucht es einige Erfahrung und sehr klaren Himmel, um den Kometen überhaupt ausmachen zu können.

Diese Aufnahme von C/2013 US10 gelang Chris Schur aus Arizona am Morgen des 22. November 2015. Sie Zeigt den Kometen mit einer deutlich grün gefärbten Koma und zwei Schweifen. Stellarvue SV80s Refraktor und Canon XTi, 1,5 Minuten Belichtungszeit. Mit freundlicher Genehmigung.

Diese Aufnahme von C/2013 US10 gelang Chris Schur aus Arizona am Morgen des 22. November 2015. Sie zeigt den Kometen mit einer deutlich grün gefärbten Koma und zwei Schweifen. Stellarvue SV80s Refraktor und Canon XTi, 1,5 Minuten Belichtungszeit. Mit freundlicher Genehmigung, s.a. hier.

Erste Post-Perihel-Bilder vom 19. und 20. 11. aus Asien zeigten einen höchstens 6-7mag hellen Lichtfleck, spätere aus den USA einen Schweifansatz, das bislang beste mir bekannte Bild des Kometen vom 22.11. aus Arizona einen schönen Kometen mit typisch grün gefärbter Koma und einem Gas- sowie einem Staubschweif. Gleichzeitig melden erfahrene Kometenbeobachter erste visuelle Helligkeitsschätzungen, die mit 6,1 bis 6,5mag am helleren Ende des aus den Fotografien abgeleiteten Bereichs liegen.

Das obige Bild genordet und kontrastverstärkt. Leider mangelt es an geeigneten Vergleichssternen, aber anhand des 6,7mag hellen HD126131 sieht es so aus, als habe der Komet tatsächlich rund 6,0mag. Die Sonne steht östlich des Kometen, der sich in nördlicher Richtung bewegt. So sind auch die beiden Schweife eindeutig zuzuordnen. Bild: Chris Schur

Das obige Bild genordet und kontrastverstärkt. Leider mangelt es an geeigneten Vergleichssternen, aber anhand des 6,7mag hellen HD126131 sieht es so aus, als habe der Komet tatsächlich rund 6,0mag. Die Sonne steht östlich des Kometen, der sich in nördlicher Richtung bewegt. So sind auch die beiden Schweife eindeutig zuzuordnen. Bild: Chris Schur

Woher weiß man, wie hell ein Komet wird? Im Gegensatz zu seiner Bahn weiss man das eben leider nicht genau. Die Helligkeit hängt von der Menge volatilen Materials (Gas und Staub) ab, die durch die Einwirkung der Sonne aus dem Kometen schießt. Seine absolute, d.h. intrinsische Helligkeit ist demnach am größten, wenn er der Sonne am nächsten steht - also während seines Perihels. Heißt: seine hellste absolute Helligkeit hatte Catalina unmittelbar um den 15. November. Da er sich nun wieder von der Sonne entfernt, wird er schon wieder schwächer.

Allerdings hängt seine von der Erde aus wahrgenommene, scheinbare Helligkeit noch von anderen Faktoren ab - von seiner Position am Himmel, dem Blickwinkel und vor allem von seiner Entfernung zur Erde. Da sich Catalina noch bis zum 17. Januar 2016 der Erde nähert, wird die Abnahme seiner absoluten Helligkeit teilweise kompensiert. Wie stark dieser Effekt ist, bleibt abzuwarten, Prognosen dazu sind notorisch unsicher. Es ist möglich (und meiner Meinung nach wahrscheinlich), dass sich die scheinbare Helligkeit des Kometen in den nächsten Wochen kaum ändert, also bei etwa 6mag bleibt.

Komet für Fernglas und Kamera?

Sollte sich das bewahrheiten, dann wird es nichts mit einem freisichtigen Kometen im Dezember. Eher wird Catalina ein Objekt fürs Fernglas sein, seine Schweife könnten darüber hinaus ein schönes Fotomotiv ergeben. Es gibt aber auch Optimisten, die sogar von einer Zunahme der scheinbaren Helligkeit ausgehen.

In den nächsten Nächten werde ich versuchen, den Kometen selbst zu finden und eigene Helligkeitsschätzungen zu machen. Updates gibt es hier im Blog (langsamer) und auf Twitter (schneller).

Lesestoff:

Mehr zu C/2013 Catalina im Dezemberheft von Sterne und Weltraum. Andreas Schnabel hat wieder eines seiner ausgezeichneten Kometendossiers zusammengestellt - es enthält detaillierte Aufsuchkarten und alles, was man zur Beobachtung von Catalina wissen muss (pdf).

Auch Bob King hat Catalina am Sonntagmorgen erfolgreich aufgespürt, und Daniel Fischer hat eine amfangreiche Linksammlung und seine eigene Einschätzung veröffentlicht.

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Es regnet nicht in Hamburg. Das sind nur Meteorite.http://www.scilogs.de/himmelslichter/es-regnet-nicht-in-hamburg-das-sind-nur-meteorite/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=es-regnet-nicht-in-hamburg-das-sind-nur-meteorite http://www.scilogs.de/himmelslichter/es-regnet-nicht-in-hamburg-das-sind-nur-meteorite/#comments Thu, 19 Nov 2015 01:32:12 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2684 ... weiter]]> Die nicht gerade arme Geschichte der Meteoritenfakes darf um eine äußerst bizarre Episode erweitert werden: Ein Experte findet einen Meteoriten seiner eigenen Sammlung in einem Hamburger Vorgarten, bemerkt den Irrtum nicht, ist dafür überraschend schnell bei der Boulevardpresse. Die Meteoritensammlergemeinde ist empört und fordert Konsequenzen.

Vorweg: Wer für diesen Schlamassel verantwortlich ist, wird man endgültig erst wissen, wenn sich der Schuldige geständig zeigt. Bisher ist das nicht passiert. Was die Himmelslichter von den Beteiligten dieses Falles erfahren haben lässt aber keinen Zweifel, dass er zu den dreistesten Meteoritenfakes aller Zeiten gehört.

Der Reihe nach. Am 28.09.2014 entdeckte Michael M. nach eigener Aussage eine defekte Glasscheibe am Vordach seiner Hamburger Wohnung. Das Glas war zersplittert, offenbar durch Einwirkung eines von oben gefallenen Gegenstandes. Das kam M. mysteriös vor, denn oberhalb des Dachs befindet sich kein höheres Gebäude oder ähnliches, von dem der Gegenstand hätte fallen können. M. konnte sich keinen Reim auf diese Geschichte machen, und hatte die Sache fast bereits wieder vergessen, bis…

Detailaufnahme des zersprungenen Glasdachs, der Abdruck des vermutlich Verursachers ist eingerahmt. Foto: Michael Möhl

Detailaufnahme des zersprungenen Glasdachs, der Abdruck des vermutlich Verursachers ist eingerahmt. Foto: Michael M.

…bis er am 14.10.2015, also gut ein Jahr später, einen Vortrag von Marc W. über Meteoriten hörte. M. und W. sind Mitglieder im selben Verein für Hochbegabte, und W. hielt seinen Vortrag in seiner Eigenschaft als Meteoritensammler (Korrektur: mir wurde mitgeteilt, dass W. kein Mitglied des Vereins sei, sondern nur mit ihm "sympathisiere"). W., der sich bei solchen Vorträgen als „anerkannter Gutachter“ und „Mitarbeiter der Hamburger Sternwarte“ bezeichnen lässt, soll meist auch einige Exemplare seiner Sammlung dabei haben, und ab und an auch welche verkaufen. Bei diesem Vortrag, so W. später, sei seines Wissens aber kein Verkauf getätigt worden.

M. sprach W auf sein zersplittertes Glasdach an, auch wenn ihm die Möglichkeit eines Meteoritenfalls sehr unwahrscheinlich vorkam, so M. diesem Blogger gegenüber. W. habe sich sehr aufgeschlossen gezeigt und gleich einen Ortsbesuch zugesagt. Man könne ja mal gucken.

Der Besuch fand am 26.10.15 statt, M.und W. sind sich da einig. Gefunden wurde nichts. W. aber hielt die Wahrscheinlichkeit eines Meteoritenfalls offenbar für hoch genug, noch am selben Tag Kontakt zur „Bild-Zeitung“ aufzunehmen und Bilder des Glasdachs an eine Redakteurin dieser für ihre inhaltliche Korrektheit bekannten Boulevardzeitung zu schicken.

Am 02.11.15 wandte sich W. noch einmal an die „Bild“-Redakteurin. Er werde am Folgetag wieder an M.s Wohnung sein, „zur Entscheidung“. Wenn tatsächlich ein Meteorit gefunden würde, wäre das ein schließlich ein Highlight – noch nie hat es einen Meteoritenfund in der Hansestadt gegeben. Den Schriftverkehr mit der Redakteurin, der diesem Blogger vorliegt, bestätigte W. auf Anfrage: „Für den Fall eines Erfolges hatte ich Frau S. in Bereitschaft gehalten.“

Phantasievolle Leser könnten nun ahnen, wie es weitergeht.

Am 03.11.15 gegen Mittag fand W. tatsächlich einen „verdächtigen Stein“ in einem Beet vor der Wohnung des Herrn M. Um 12:10 Uhr habe er Frau S. angerufen, zehn Minuten später sei sie vor Ort gewesen, so berichtet W. auf Anfrage. Am 04.11. erschien folgerichtig ein Artikel in der Hamburger Ausgabe der „Bild-Zeitung“ mit dem Titel „Das Meteoritenrätsel vom Mittelweg“. Auch M. wird von W. informiert, per Email: Er habe etwas „sehr interessantes“ gefunden, genaueres müsse noch überprüft werden. Details habe W. noch keine nennen wollen (also M. gegenüber nicht).

Die erfuhr M., wiederum seiner eigenen Aussage nach, am nächsten Tag, dem 05.11., als er zur Mittagszeit zu seiner Wohnung kam. Zu seiner Überraschung traf er dort W. und ein Kamerateam des Privatsenders „Hamburg 1“ an. Jetzt erst will M. von dem „Fund“ zwei Tage zuvor erfahren haben, und auch dieser Blogger erfuhr kurz darauf zum ersten Mal davon, durch den dabei entstandenen Fernsehbericht.

Der angebliche Verursacher. Screenshot aus dem Video von Hamburg 1.

Der angebliche Verursacher. Screenshot aus dem Video von Hamburg 1.

Der Bericht hält sich mit Fakten zurück (etwa zur möglichen Fallzeit des Meteoriten – wir erinnern uns: das wären 13 Monate vor dem „Fund“ gewesen). Dafür ist der Stein (nunja, das Steinchen) gut zu erkennen. Er sieht tatsächlich sehr nach einem Meteoriten aus (anders als beispielsweise der Krümel der Essener Schulweggeschichte). Auch meine Wenigkeit hielt die Geschichte zu diesem Zeitpunkt für glaubhaft, wenngleich der Stein sehr klein ist. Aber vielleicht gab es ja mehrere Meteoriten bei diesem Fall, und ein anderer hat das Glasdach beschädigt?

Ohne weitere Informationen, v.a. zum Zeitpunkt des angeblichen Falls, konnten offene Fragen nicht geklärt werden. Aber es gibt ja das Forum der deutschen Meteoritensammler. Dort hatte W. selbst, am 07.11.15, über seinen Fund berichtet. Und jetzt wird die Geschichte interessant.

Nur acht Stunden nach W.s erstem Posting stellte eine aufmerksame Forenteilnehmerin eine interessante Frage: Könne es sein, dass der von W. präsentierte Meteorit einem Exemplar seiner eigenen Sammlung verdächtig ähnlich sieht? Genauer, einem Stück des berühmten Tscheljabinskmeteoriten, der im Februar 2013 über Russland niedergegangen war? Einem Stück, das W. selbst auf einer Tagung im Mai 2013 präsentiert hatte, und dessen Bild er im Internet veröffentlicht hat?

Der angeblich in Hamburg gefundene Meteorit hat nicht nur eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem hier markierten Tscheljabinsk-Exemplar aus Herrn W.s eigener Sammlung (zumindest am 13. Juni 2014 befand er sich noch in W.s Besitz) - es ist derselbe Stein.

Der angeblich in Hamburg gefundene Meteorit hat nicht nur eine verdächtige Ähnlichkeit mit dem hier markierten Tscheljabinsk-Exemplar aus Herrn W.s eigener Sammlung (zumindest am 13. Juni 2014 befand er sich noch in W.s Besitz) - es ist derselbe Stein.

Um es kurz zu machen (wer es ausführlich mag, lese hier nach): Es ist derselbe Stein. Das gab auch W. nach kurzer Zeit zu.

Das führt natürlich zu einer interessanten Frage: Wie kommt ein Tscheljabinsk-Meteorit zweieinhalb Jahre nach seinem Fall über Russland über den Umweg eines Hamburger Sammlers in einen Hamburger Vorgarten, um dort von eben jenem Hamburger Sammler gefunden zu werden? Spontan fallen vier Erklärungsmöglichkeiten ein:

  • Der Meteorit geriet auf ungeklärte Weise erneut in den erdnahen Weltraum, fiel kurz vor dem 28.09.14 auf Hamburg (verglühte dabei nicht – physikalisch hochinteressant) verwitterte in 13 Monaten praktisch nicht (auch sehr interessant) und hatte das unglaubliche Glück, wieder bei seinem früheren Besitzer zu landen (eine Story für die Geschichtsbücher, dass W. sein Stück erst gar nicht wieder erkannte, gibt ihr einen geradezu tragischen Touch). Einen zugehörigen Meteoritenfall hat jedoch niemand bemerkt. Es gab jedenfalls keinen in Frage kommenden Feuerball, wie eine Anfrage beim Feuerkugelnetz des DLR schnell klärte.
  • M. hatte die glorreiche Idee, W. einen seiner Meteoriten abzukaufen, seine Dachglasscheibe zu zertrümmern, und dann W. seinen eigenen Meteoriten wieder finden zu lassen. Diese Version würde Fragen über M.s Geisteszustand aufwerfen wie die erste über die Physik. M. hat seiner Aussage nach aber nie einen Meteoriten von W. gekauft, und W. erinnert sich seiner Aussage nach nicht, wo und wann der fragliche Stein verkauft worden ist. Er sei aber verkauft worden, und habe sich vor dem Fund am 03.11.2015 nicht mehr in seinem Besitz befunden, sagt W.
  • W. sah nach M.s Erzählung von der Glasscheibe seine Chance auf Ruhm und platzierte seinen eigenen Stein vor M.s Wohnung, um ihn dann praktisch vor den Augen der „Bild-Zeitung“ zu finden, die er am Tag vorher „vorbereitet“ hatte. Ist W. allerdings der Experte, der er vorgibt zu sein, dass weiß er sicher, dass sein Stein erstens gut im Internet dokumentiert ist und damit wieder erkannt werden würde, dass ein Steinmeteorit zweitens nach einem Jahr bei Wind und Wetter erheblich verwittert, dass man drittens die Zeit nach dem Fall auf die Erde auf etwa ein halbes Jahr genau mittels Radioisotopanalyse eingrenzen kann und dass viertens ein Steinchen dieser Größe wohl kaum eine Scheibe zertrümmern kann. Als „Gutachter für Meteoriten“ kann sich allerdings jeder bezeichnen, und W. ist auch kein Mitarbeiter der Universitätseinrichtung Hamburger Sternwarte, sondern allenfalls Mitglied im Förderverein der Hamburger Sternwarte. Wie tiefgehend seine Kenntnisse von der Materie sind, kann ich nicht beurteilen. W. jedenfalls streitet ab, den Stein selbst platziert zu haben und kann seiner Aussage nach diesem Blogger nicht erklären, wie er in M.s Vorgarten kam.
  • Ein mysteriöser Dritter, nennen wir ihn „Mister X.“, hatte den teuflischen Plan, W. einen seiner Meteoriten abzukaufen, M.s Glasdach zu zertrümmern, den Stein im Blumenbeet zu verstecken, und dann darauf zu hoffen, dass M. W. anspricht, um ihn… ok, vielleicht auch nicht.

Ich weiß nicht, welche Version der Wahrheit entspricht, oder ob sich alles ganz anders abgespielt hat. Ich habe auch keine Erklärung für die zersprungene Glasscheibe. Ich überlasse es Ihnen, werter Leser, Ihre eigenen Schlüsse zu ziehen. Einige der Meteoritensammler scheinen jedenfalls einen Favoriten unter den obigen vier Möglichkeiten zu haben, und wollen W. nun die Mitgliedschaft der International Meteorite Collectors Association entziehen.

Die Moral dieser Geschichte? Meteoriten bieten Stoff für die abenteuerlichsten Räuberpistolen, und was zuerst in der „Bild“ steht, fasst man am besten mit der sprichwörtlichen Kneifzange an. (Das wussten Sie jetzt aber, oder?)

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Asteroidenjäger Sentinel – die NASA steigt aushttp://www.scilogs.de/himmelslichter/asteroidenjaeger-sentinel-die-nasa-steigt-aus/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=asteroidenjaeger-sentinel-die-nasa-steigt-aus http://www.scilogs.de/himmelslichter/asteroidenjaeger-sentinel-die-nasa-steigt-aus/#comments Mon, 09 Nov 2015 01:58:19 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2647 ... weiter]]> Bereits Ende September war bekannt geworden, dass die Nasa die Zusammenarbeit mit der privaten „B612-Foundation“ für den Betrieb eines Asteroiden-Frühwarnsatelliten namens „Sentinel“ eingestellt hat. Ein Rückschlag für private Initiativen, die vor folgenschweren Asteroideneinschlägen warnen und seit Jahren mächtig PR-Wind machen.

[tl;dr]: Ein eigentlich sinnvolles Projekt zur Asteroidensuche hat Finanzierungsprobleme, jetzt ist auch noch die Nasa als Partner ausgestiegen. Das Scheitern seiner angstbasierten PR muss man aber nicht betrauern.

Rauchspur des etwa 20 Meter großen Himmelskörpers, der am 15. Februar 2013 über dem russischen Tscheljabinsk explodierte. Fenster gingen zu Bruch, rund 1000 Menschen vurden verletzt. Bild: Alex Alishevskikh

Rauchspur des etwa 20 Meter großen Himmelskörpers, der am 15. Februar 2013 über dem russischen Tscheljabinsk explodierte. Fenster gingen zu Bruch, rund 1000 Menschen wurden bei der Explosion des Miniasteroiden in der Atmosphäre verletzt. Bild: Alex Alishevskikh

Die B612-Foundation, die bislang nicht einmal ansatzweise die nötigen Gelder für das Projekt aufgebracht haben soll, hat laut Nasa einen wichtigen Meilenstein nicht erreicht: den Start der eigentlichen Entwicklung des Satelliten. Der Starttermin hat sich folgerichtig bereits mehrfach verschoben, von anfangs 2016 auf jetzt frühestens 2019. Um nicht weitere Ressourcen zu binden, werde das Space Act Agreement (SAA) mit der Initiative daher beendet.

Die Meldung kam für mich seinerzeit zur Unzeit, weswegen sie im Wust der täglich einprasselnden Neuigkeiten zunächst unterging. Vergangene Woche aber veröffentlichte der Astronom und Blogger Ethan Siegel einen Kommentar zum Nasa-Ausstieg, was mich wieder an das Thema erinnerte. Siegels Urteil: Gut so – der Plan, der Milliarden Dollar kosten würde, ist reine Verschwendung. Das Risiko, wirklich einmal von einem Asteroiden getroffen zu werden, rechtfertige den Aufwand nicht.

Asteroidenexperten kritisieren seit längerem die PR-Strategie der B612-Foundation und der mit ihr eng verwobenen Initiative „Asteroid Day“ als überzogen und angstbasiert. Für Sterne und Weltraum (deutsch) und Sky&Telescope (englisch) habe ich das Thema vor einigen Monaten zusammengefasst (Lesetipp!).

Die Kritik ist aus meiner Sicht berechtigt. In Promotionsvideos wie dem folgenden vermittelt die B612-Foundation den Eindruck, die Erde werde fortwährend von gefährlichen „Massenvernichtungswaffen“ aus dem All bombardiert und es sei reines Glück, dass es nicht schon längst zur Katastrophe gekommen ist.

Tatsache ist aber, dass keiner der im Video dargestellten und irreführend „impact“ genannten Boliden eine echte Bedrohung für die Menschheit oder auch nur einen Teil derselben war. Ja – ein Asteroid der 40-Meter-Klasse kann unter sehr ungünstigen Bedingungen eine Stadt zerstören und in Tscheljabinsk wurden Menschen verletzt. Mit dem Verweis darauf, dass solche sogenannten „City-Killer“ im statistischen Mittel alle 100 Jahre vorbeischauen und der damit verbundenen Suggestion, wir stünden praktisch unter permanenter Bedrohung, verkennt die B612-Foundation aber eine wichtige Tatsache: Nur drei Prozent der Landfläche der Erde ist urbanisiert, die Zielscheibe ist also sehr, sehr klein. [1]. In all den Jahrtausenden, in denen die Menschheit schon auf diesem Planeten Städte baut ist folglich noch keine einzige von einem Asteroiden vernichtet worden ist (dafür aber nicht gerade wenige von eben diesen Menschen selbst).

Sentinell soll auf einem Orbit nehe der Venusbahn stationiert werden. Von dort könnte auch der Bereich innerhalb der Erdbahn nach Asteroiden abgesucht werden, der von Erd Erdoberfläche aus nicht beobachtbar ist. Bild: B612-Foundation

Sentinel soll auf einem Orbit nahe der Venusbahn stationiert werden. Von dort könnte er auch der Bereich innerhalb der Erdbahn nach Asteroiden absuchen, der von Erdoberfläche aus nicht beobachtbar ist. Bild: B612-Foundation

In einem Punkt stimme ich Siegel also zu: Das Risiko durch kleine Asteroiden (der ~40-Meter-Klasse) ist aufgebauscht. Damit endet unsere Übereinstimmung aber. Sentinel wäre ein Früherkennungssatellit geworden (vielleicht wird er es auch noch, die B612-Foundation will auch ohne Nasa weitermachen), und es spricht nichts dagegen, den Himmel verstärkt nach potentiellen Störenfrieden abzusuchen. Die Idee ist, Sentinel innerhalb der Erdbahn um die Sonne kreisen zu lassen, um so auch den Bereich des erdnahen Weltraums anzusuchen, den erdgebundene Teleskope nicht erreichen können. Das wäre gut. Anders als Siegel bin ich nicht der Meinung, dass Asteroiden überhaupt keine Gefahr für die Menschheit darstellen, beziehungsweise dass wir uns um sie kümmern sollen, wenn „unsere Spezies noch ein paar tausend Jahre“ durchhält.

Das – von B612 und Asteroid Day hausgemachte – Problem liegt meiner Meinung nach bei der Definition von „Störenfried“. Große Asteroiden mit Durchmessern von 100 Meter oder mehr sind in der Tat eine Bedrohung: Sie sind zwar viel seltener als die sogenannten „City-Killer“, würden bei einem Einschlag aber nicht nur lokale Schäden verursachen. Ein 100m-Brocken kann halbe Kontinente verwüsten [2]. Wir kennen längst noch nicht erdnahen Asteroiden dieser Klasse (Schätzungen gehen von bis zu 1000 noch unentdeckten aus), und es wäre dumm, sie zu ignorieren. Es müssen Mittel aufgebracht werden, um diese potentiell gefährliche Asteroiden rechtzeitig zu erkennen. Rechtzeitig heißt: Jahrzehnte im Voraus.

Wer aber harmlose Miniasteroiden dämonisiert und zu potentiellen „City-Killern“ macht, erzeugt zwar Aufsehen, handelt sich aber ein Glaubwürdigkeitsproblem ein. Sentinel soll sich nämlich gar nicht auf diese Zwerge, sondern völlig richtig auf die Problembärkategorie 100m+ konzentrieren. Würde auch die PR der Initiative das korrekt transportieren, könnte man natürlich nicht so werbewirksame Videos wie das obige produzieren. Die Entdeckung aller Kleinkörper unter 100 Meter (es sind vermutlich mehr als eine Million in Erdnähe) würde Milliarden Dollar kosten, sagen Experten – eine enorme Summe für ein (im Vergleich zu anderen Naturkatastrophen) geringes Risiko [3].

Die Asteroidensuche muss ein. Unter Dauergefahr, wie Videos wie das obige suggerieren, steht unser Planet aber auch nicht. Sentinel wäre ein gute Sache, aber dass sich die Fundingcrowd offenbar nicht von Panik-PR beeindrucken lässt (so lese ich die schleppende Finanzierung des Projekts), hat auch etwas Positives.

[1] Das ist gerade für Stadtbewohner komplett kontraintuitiv, weswegen die die Argumentation der B612-Foundation auch so gut wirkt.

[2] Die Menschheit auslöschen kann auch so einer nicht. Ein zweiter „Dinokiller“ müsste einen Kilometer oder mehr durchmessen, und dass so einer nicht in Sicht ist, wissen wir bereits.

[3] Solche Kleinkörper würden dann ohnehin erst kurz vor Aufprall entdeckt, womit sich die Frage stellt, wie man solche Miniasteroiden dann „bekämpfen“ soll. Über Sinn und Unsinn einer besonders drastische Idee einer dänischen Initiative (die genau die gleiche PR-Schiene fährt wie die oben genannten) habe ich mich bereits geäußert.

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Sechs sind vier zuvielhttp://www.scilogs.de/himmelslichter/sechs-sind-sechs-zuviel/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sechs-sind-sechs-zuviel http://www.scilogs.de/himmelslichter/sechs-sind-sechs-zuviel/#comments Sun, 01 Nov 2015 23:45:45 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2620 ... weiter]]> Man hat ja beizeiten solche Momente, in denen man am liebsten laut ausrufen möchte „nee, das kann aber jetzt nicht richtig sein“ - und sich im selben Augenblick fragt, ob man nicht vielleicht selbst auf dem Holzweg ist. Ist ein Sachverhalt, von dem man ganz fest überzeugt ist, doch ganz anders? Einen solchen Moment hatte ich vor ein paar Wochen im Wiener Globenmuseum, und zwar beim Betrachten dieses Ausstellungsstücks:

Das fragliche Drehplanetarium im Globenmuseum Wien. Ganz links Uranus, mit sechs Monden.

Das fragliche Drehplanetarium im Globenmuseum Wien. Ganz links Uranus, mit sechs Monden.

Fällt es Ihnen auf? Sieben Planeten hat dieses schöne alte Tischplanetarium, in dem Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn und Uranus dargestellt sind. Filigran eingebaut sind auch die Monde der Erde (1), des Jupiter (4), Saturn (7) und des Uranus (6). Sechs Uranusmonde und der Planet Neptun fehlt – kann das sein?

Uranus wurde am 13. März 1781 entdeckt, Neptun am 23. September 1846 – auf den Zeitraum dazwischen lässt sich das Modell also leicht datieren. Die Museumsplakette ist noch etwas genauer, da steht „London, Firma Ebsworth, 1794“. Dreizehn Jahre nach Uranus’ Entdeckung durch den großen Astronomen Wilhelm Herschel waren also schon sechs Uranusmonde bekannt, der achte Planet dagegen noch nicht. Kann das sein?

Die zugehörige Infotafel.

Die zugehörige Infotafel.

Mein erster Gedanke: nie im Leben. Doch ist es wirklich unvorstellbar? Uranus wurde sicher nach seiner Entdeckung nicht nur von Herschel intensiv beobachtet. Dass Neptun viel leichter zu sehen ist als die Uranusmonde, ist irrelevant. Man wusste im Falle eines unbekannten Planeten nicht, wohin man schauen musste, im Falle möglicher Uranusbegleiter dagegen schon. Also ist es plausibel, dass die Monde gleich nach dem Planeten selbst gefunden worden waren.

Der Nicht-Amateurastronom mag es dabei belassen und sich dem nächsten Exponat der sehr empfehlenswerten Sammlung zuwenden. Wir aber sind hier ja erstens in den Kosmologs, also unter Astro-Geeks, und zweitens keine Anfänger, sondern haben selbst einige Erfahrung, was Uranus-und-Monde-Beobachtungen angeht. Und wissen daher, dass der Versuch, Monde dieses fernen Planeten im Teleskop zu sehen, zur Königsklasse der visuellen Beobachtung zählt. Es ist eine ziemliche Herausforderung.

Von den über 25 bekannten Monden des Uranus liegen nur fünf im Bereich (größerer) Amateurteleskope. Der größte von ihnen, Titania, ist mit 1576 Kilometer Durchmesser nicht einmal halb so groß wie der Erdmond, der kleinste, Miranda, misst gerade noch 471 Kilometer. Ihre maximalen Helligkeiten bei einer Uranusopposition liegen zwischen 13,8 (Titania) und 15,8mag (Miranda). Visuell am Teleskop gesehen habe ich nur die hellsten vier, und auch das nur unter allerbesten Bedingungen mit ruhigster Luft, mindestens 12“ Objektivöffnung und höchster Vergrößerung. Sechs Monde sind für Amateurastronomen unerreichbar. Bei allem Respekt vor Herschel und seiner Erfahrung als Beobachter: Er war definitiv nicht besser ausgerüstet als (fortgeschrittene) Amateurastronomen heute.

Die vier hellsten Monde des Uranus, gemeinsam mit dem Planeten selbst aufgenommen vom Monschauer Sternfreund Hans Kirch mit einem 12"-Teleskop. Diese vier sind das Maximum, was einem normal ausgestatteten Amateurastronom vor auf Netzhaut oder Chip kommt (Nummer 5 geht eventuell noch) - und das Maximum, was Herschel hätte sehen können.

Die vier hellsten Monde des Uranus, gemeinsam mit dem Planeten aufgenommen vom Monschauer Sternfreund Hans Kirch mit einem 12"-Teleskop. Diese vier sind das Maximum, was einem normal ausgestatteten Amateurastronom auf Netzhaut oder Chip kommt (Nummer 5 geht eventuell noch) - und das Maximum, was Herschel hätte sehen können.

Ein Blick in die Wikipedia bestätigt dann auch den Verdacht: Nur die hellsten beiden Uranusmonde, Titania und Oberon, hatte Herschel selbst entdeckt, und zwar 1787. Die nächsten beiden, Ariel und Umbriel, fand William Lassell im Jahr 1851, Nummer fünf (Miranda) Gerard Kuiper im Jahr 1948, und Nummer sechs (Puck) hat man gar erst im Jahr 1985 mit Hilfe der Raumsonde Voyager 2 aufgespürt. Sechs Uranusmonde waren 1794 ganz sicher nicht bekannt. Punkt.

Wie kamen sie dann aber in dieses alte Planetarium? Die Antwort wird klar, wenn man sich im Netz ein bisschen weiter zum Thema umschaut: Herschel war zwar ein exzellenter Beobachter, aber eben auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut, der manchmal zu sehen glaubte, was er eben gerne sehen wollte, auch wenn es in Wirklichkeit nicht da war. Was mich wiederum an eine bemerkenswerte Alpennacht vor etlichen Jahren erinnert, in der ich so lange auf Uranus und seine Umgebung starrte, dass ich am Ende allerhand lichtschwache „Monde“ um ihn herum sah. Keiner davon war real – die „Sichtungen“ waren eher durch Müdigkeit, körperliche Anstrengung und Wunschvorstellungen zu erklären. So dürfte es auch dem Astronomen Herschel ergangen sein: Etliche seiner vermeintlichen Mondentdeckungen stellten sich später als „spurious“ heraus: als Irrtum.

Vier der sechs Monde sind also definitiv nicht durch Herschel entdeckt worden. Dass sie dennoch im Modell der Londoner Firma Ebsworth enthalten sind, erkläre ich mir mit einem allzu gut (nicht nur in der Wissenschaft) bekannten Phänomen: Autorität wirkt. Wilhelm Herschel war eine Autorität in der Astronomie, wenn Wilhelm Herschel, Planetenentdecker und Mitglied der Royal Society sagt, dass Uranus sechs Monde hat, dann hat Uranus eben sechs Monde. Wer wollte da widersprechen. Der Planetariumsbauer der Firma Ebsworth jedenfalls nicht, der baute die Monde in sein Orerry ein – und da sind sie noch heute.

Eine interessante Sache, die eigentlich auch auf der Objektbeschreibung im Museum hätte vermerkt sein können. Gut, dass sie es nicht ist. Sonst gäbe es jetzt diesen Blogeintrag nicht.

Anmerkung: In einer früheren Version habe ich einen Fehler eingebaut und das Baudatum des Planetariums mit "1784" angegeben, was, wie man leicht sieht, falsch ist. Asche auf mein Haupt. Und Dank an den aufmerksamen Leser, der mich darauf hingewiesen hat!

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KIC 8462852 – Den “mysteriösesten Stern unserer Galaxie” selbst beobachten!http://www.scilogs.de/himmelslichter/kic-8462852-den-mysterioesesten-stern-unserer-galaxie-selbst-beobachten/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=kic-8462852-den-mysterioesesten-stern-unserer-galaxie-selbst-beobachten http://www.scilogs.de/himmelslichter/kic-8462852-den-mysterioesesten-stern-unserer-galaxie-selbst-beobachten/#comments Thu, 22 Oct 2015 10:48:28 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2605 ... weiter]]> Manchmal braucht es offenbar Journalisten mit ein bisschen zu viel Phantasie (Außerirdische! Dyson-Sphäre!), um die Sache ins Rollen zu bringen. Nun also, nachdem der Hype um den merkwürdigen Stern KIC 8462852 abgeklungen ist und sich "das Internet" wieder mit anderem beschäftigt ist, dürfen sich Berufs- wie Privatastronomen wieder in Ruhe um ihr Objekt kümmern. Und das ist, ganz ohne Alienblödsinn, ziemlich interessant. Karl Urban hat sich schon vor ein paar Tagen dazu geäußert.

Zur Erinnerung: KIC 8462852 ist ein eigentlich ziemlich normaler Stern des Spektraltyps F. Ab und an aber zeigt er ziemlich wirre Veränderungen seiner Helligkeit. Entdeckt wurde das schon vor längerer Zeit, und zwar den Planet Hunters, einer Gruppe von "Citizen Scientists", die in den Daten des inzwischen abgeschalteten Weltraumteleskops Kepler nach ungewöhnlichen Schwankungen in stellaren Lichtkurven suchen. Die automatischen Algorithmen, die die Keplerdaten sonst auswerten, suchen nach periodischen Schwankungen in der Helligkeit, die auftreten, denn Planeten vor den Sternen vorbeilaufen und dabei einen kleinen Teil ihres Lichts abschatten. Alles, was irgendwie vom Exoplanetenmuster abweicht, kann den Algorithmen schon mal entgehen. Weswegen es lebende Menschen braucht, um sie zu entdecken.

Die von Kepler aufgezeichnete Helligkeitskurve von KIC 8462852 zeigt einen meist konstanten Verlauf, der von unregelmäßigen, teils heftigen "Ausschlägen" unterbrochen wird - "etwas" scheint den Stern von Zeit zu Zeit zu verdunkeln, aber nicht so, wie ein Exoplanet es täte. Quelle: Boyajian et al. 2015, http://arxiv.org/abs/1509.03622

Die von Kepler aufgezeichnete Helligkeitskurve von KIC 8462852 zeigt einen meist konstanten Verlauf, der von unregelmäßigen, teils heftigen "Ausschlägen" unterbrochen wird - "etwas" scheint den Stern von Zeit zu Zeit zu verdunkeln, aber nicht so, wie ein Exoplanet es täte. Quelle: Boyajian et al. 2015, http://arxiv.org/abs/1509.03622

KIC 8462852 also zeigt einen ziemlich wirren Helligkeitsverlauf, der sich bislang durch kein natürliches Phänomen erklären lässt. In einem ebenfalls schon einen Monat alten Paper beschäftigten ich Wissenschftler eingehend mit diesem Stern und stellten dabei fest, dass das seltsame Muster nicht durch Defekte des Teleskops oder dessen Detektor ausgelöst wurde. Als einzige, nicht eben wahrscheinliche aber auch nicht unrealistische Erklärung favorisieren sie eine Wolke aus zerbrochenen Kometen. Eine solche Wolke könnte in der Tat die heftigen Schwankungen der Helligkeit des Sterns über viele Tage hinweg erklären, es wäre aber ein ziemlicher Zufall, wenn Kepler ein solch nicht eben häufiges Ereignis wie einen zerbrechenden Kometen in einem fernen Sonnensystem beobachtet hätte (was per se nicht gegen die Hypothese spricht).

Diese Bilder zeigen einen vergrößerten Ausschnitt des rechten Bereichs der obigen Helligkeitskurve. In einem 90-tägigen Intervall von tag 1420 bis 1580 sind die Abschattungen bessonders heftig. Quelle: Boyajian et al. 2015, http://arxiv.org/abs/1509.03622

Diese Bilder zeigen einen vergrößerten Ausschnitt des rechten Bereichs der obigen Helligkeitskurve. In einem 90-tägigen Intervall von tag 1490 bis 1580 sind die Abschattungen bessonders heftig - der Stern wird immerhin um einige Prozent abgeschwächt. Quelle: Boyajian et al. 2015, http://arxiv.org/abs/1509.03622

Interessiert hat sich für diesen - ziemlich spannenden - Fall kaum jemand, bis der berüchtigte Artikel erschien.

Nun also sieht sich sogar die AAVSO genötigt, einen Beobachtungsaufruf an Amateurastronomen zu starten - denn mit 11,9mag ist KIC 8462852 hell genug, um auch mit mittelgroßen Teleskopen leicht gesehen zu werden. Konkret geht es darum, die Helligkeitsentwicklung des Sterns weiter zu verfolgen. Erscheint das wilde Muster erneut? Ist es periodisch? Wenn ja, wie groß ist die Umlaufdauer des zugehörigen Objekts? Verändert sich das Muster bei jedem Umlauf? Die Antworten darauf werden entscheidend sein bei der Lösung des Rätsels um KIC 8462852.

Der Stern steht bei den Koordinaten RA 20 06 15.46, Dec +44 27 24.8, also im Sternbild Schwan, das derzeit noch am Abendhimmel zu sehen ist. Gefragt sind insbesondere Amateurastronomen, die sich mit der Photometrie veränderlicher Sterne auskennen. Dabei geht es um recht kleine Veränderungen - mit dem Auge am Teleskkop wird wohl nichts auffallen, aber mit langfristigen, fotografischen Methoden sollten auch Amateure in der Lage sein, Helligkeitsschwankungen des Sterns zu erkennen. In Deutschland koordiniert die Bundesdeutsche Arbeitsgemeinschaft für Veränderliche Sterne e.V. (BAV) solche Beobachtungen. Auf den Seiten der BAV findet man allerlei wertvolle Informationen dazu.

Das Sternbild Schwan ist zur Zeit (Ende Oktober / Anfang November) nach Sonnenuntergang leicht im Südwesten hoch über dem Horizont zu finden.

Das Sternbild Schwan ist zur Zeit (Ende Oktober / Anfang November) nach Sonnenuntergang leicht im Südwesten hoch über dem Horizont zu finden.

Der Stern KIC 8462852 befindet sich im nördlichen Bereich des Schwans. Ich habe zwei Aufsuchkarten erstellt, die das Finden erleichtern sollten (Norden ist jeweils oben, Osten links). Auf der AAVSO-Seite kann man Karten (fast) beliebiger Größe und Orientierung selbst erstellen.

Aufsuchkarten für KIC 8462852, links mit 20° Blickfeld, rechts 1°. Auf der linken Abbildung ist das Sternbild Schwan zur Orientierung eingezeichnet. Quelle AAVSO.

Aufsuchkarten für KIC 8462852, links mit 20° Blickfeld, rechts 1°. Auf der linken Abbildung ist das Sternbild Schwan zur Orientierung eingezeichnet. Quelle AAVSO.

Statt sich also mit sinnlosen Spekulationen über Aliens zu beschäftigen - selbst beobachten!

Viel Erfolg und Clear Skies!

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Bilderrätselhttp://www.scilogs.de/himmelslichter/bilderr%c3%a4tsel/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=bilderr%25c3%25a4tsel http://www.scilogs.de/himmelslichter/bilderr%c3%a4tsel/#comments Sun, 20 Sep 2015 15:05:16 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2595 ... weiter]]> Frage: Was stimmt nicht mit dem Kometen auf diesem Bild des SOHO Lasco-C3-Koronografen vom vergangenen Freitag? (Auflösung morgen.)

Aufnahme des Lasco C2 Koronografen vom 18.09.2015, 19:42 UTC (SOHO/ESA/NASA)

Aufnahme des Lasco C2 Koronografen vom 18.09.2015, 19:42 UTC (SOHO/ESA/NASA)

Genug geraten - hier kommt die Auflösung!

Natürlich hat einer meiner geschätzen Leser das Rätsel gelöst. Doch fand die Raterei mehr auf Twitter statt als hier in den Kommentaren (das ist dann wohl das Internet wasweissichwieviel Punkt Null). Aber gut, hier die Erklärung.

Dass es sich bei dem obigen Objekt nicht um einen Kometen handeln konnte, war den meisten wohl sofort klar. Der Schweif eines Kometen zeigt stets von der Sonne weg, vor allem in unmittelbarer Sonnennähe. Ein Blick auf diese Animation (zu finden auf der SOHO-Seite) zeigt noch mal deutlich, dass es kein Komet sein kann - das Objekt ist nur auf einem einzigen Frame zu sehen. Kometen ziehen deutlich langsamer und sind über mehrere Einzelbilder hinweg zu verfolgen.

Eine angebotene Lösung waren energiereiche Teilchen aus der Sonne. Die treffen den SOHO-Satelliten auch mal ganz gerne, insbesondere nach Ausbrüchen auf der Sonne, sehen aber anders aus - eher wie kleine Blitze, die den Detektor sättigen.

Des Rätsels Lösung: Teile der Wärmeisolation, über die Jahre spröde geworden, brechen von Zeit zu Zeit ab und können dann vor die Kameralinse geraten. Vermutlich sind Mikrometeoriten dafür verantwortlich. So ist es wohl auch in diesem Fall gewesen - der aber keinesfalls der erste seiner Art war!

Herzlichen Dank an alle Mitrater und -innen und herzlichen Glückwunsch an Mike Beckers für die richtige Antwort!

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Eine Google-Map der globalen Lichtverschmutzung – Crowdfunder gesucht!http://www.scilogs.de/himmelslichter/eine-google-map-lichtverschmutzung-crowdfunder/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=eine-google-map-lichtverschmutzung-crowdfunder http://www.scilogs.de/himmelslichter/eine-google-map-lichtverschmutzung-crowdfunder/#comments Thu, 20 Aug 2015 07:58:21 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2580 ... weiter]]> Nichts macht die Ausbreitung der menschlichen Zivilisation besser sichtbar als Aufnahmen unseres Planeten Erde bei Nacht. Überall, wo Menschen sind, wo sie nachts wach sind (und schlafen), beleuchten sie ihre Umwelt in nie dagewesenem Maße. Sie machen die Nacht wörtwörtlich zu Tag - und lassen sich das einiges kosten: einer Studie spanischer Astronomen zufolge rund 6,3 Milliarden Euro pro Jahr alleine in der Europäischen Union.

Mit der sich bereits in vollem Gange befindlichen Umstellung auf LED-Beleuchtung wird die Erleuchtung des Planeten Erde weiter zunehmen - Licht wird schließlich billiger. Doch statt zu sparen, wir eben mehr und heller beleuchtet, ein typischer Bumerangeffekt. Die Folgen dürften drastisch sein, für Ökosysteme, Mensch und unsere Möglichkeit, das Universum mit eigenen Augen zu sehen. Selten hat der Mensch seine Lebensumwelt so schnelle und so radikal verändert. Die Nacht stirbt.

Die Nacht verschwindet aus Städten, Dörfern und zunehmend auch auf dem Land. Denn der Mensch hat der Dunkelheit den Krieg erklärt. Dass er gewinnt, zeigen Satellitenaufnahmen besonders deutlich. (NGDC/DMSP/ESA)

Die Nacht verschwindet aus Städten, Dörfern und zunehmend auch auf dem Land. Denn der Mensch hat der Dunkelheit den Krieg erklärt. Dass er gewinnt, zeigen Satellitenaufnahmen besonders deutlich. (NGDC/DMSP/ESA)

Bislang wurde die Ausbreitung der weltweiten Lichtverschmutzung vor allem von Satelliten verfolgt. Die aber haben neben dem Vorteil der globalen Abdeckung unseres Palneten auch einige Nachteile. Der wichtigste betrifft ihre mangelnde Fähigkeit, die Lichtfarbe eingesetzter Beleuchtungsmittel zu differenzieren. Vor allem im blauen Spektralbereich - in dem LEDs häufig besonders hell strahlen, und der der aus vielen Gründen besonders schädlich ist - sind sie beinahe blind.

Alejandro Sánchez von der Universidad Complutense in Madrid und einige Kollegen haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, Fotografien, die von Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation gemacht worden sind, zu einer globalen Karte der Erde bei Nacht zusammenzusetzen. Diese Karte soll mittels Google-Maps jedermann zugänglich sein und anderen Forschern bei der Untersuchung der Folgen der weltweiten Erleuchtung helfen.

Erste Version von "Cities at Night" einer interaktiven Karte der Weltweiten Lichtverschmutzung, erstellt mit Fotos von ISS-Astronauten. Noch sieht die Karte wie ein Flickenteppich aus. Damit sie online bleibt (und wachsen kann) sammeln die Ersteller Geld per Crowdfunding.

Erste Version von "Cities at Night", einer interaktiven Karte der weltweiten Lichtverschmutzung, erstellt mit Fotos von ISS-Astronauten. Noch sieht die Karte wie ein Flickenteppich aus. Damit sie online bleibt (und wachsen kann) sammeln die Ersteller Geld per Crowdfunding.

Eine erste Version dieser Karte zeigt: da ist noch viel zu tun. Und Arbeit kostet Geld, welches Sánchez und seine Mitstreiter mittels einer Crowdfundingkampagne auf dem Portal kickstarter.com aufzutreiben erhoffen. Stand heute (20. August) sind gerade einmal 1300 Euro von den anvisierten 50000 € zuammengekommen, da bleibt noch ein weiter Weg. Aber vielleicht finden sich ja noch ein paar finanzkräftige Unterstützer. Ich hätte mir zum Beispiel gewünscht, eine Raumfahrtorganisation wie die Esa hätte das Geld, das sie zur dekorativen Beleuchtung einer Antenne einsetzt, in dieses Projekt gesteckt.

Drei Beispiele zeigen eindrucksvoll, was man auf den ISS-Bildern erkennt. Diese Aufnahmen von Mailand etwa zeigen, wie sich das Bild einer Stadt in kürzester Zeit ändern kann. Auf dem linken Bild von 2012 wurde die Stadt noch hauptsächlich von gelblich leuchtenden Natriumdampflampen erleuchtet. Rechts das Bild von 2015 - nun ist die Innenstadt auf blauweiße LED-Beleuchtung umgerüstet. Der Blauanteil des von diesen Lampen ausgesandten Lichts ist höher, der Einfluss des Lichts auf die Umwelt und Gesundheit damit größer. Sterne sieht man wohl noch weniger als zuvor schon.

Mailand bei Nacht, 2012 (links) und 2015. Aufgenommen von den Austronauten André Kuipers (links) und Samantha Cristoforetti (rechts). Bildrechte: ESA/NASA

Mailand bei Nacht, 2012 (links) und 2015. Aufgenommen von den Austronauten André Kuipers (links) und Samantha Cristoforetti (rechts). Bildrechte: ESA/NASA

Auf der Kanareninsel La Palma ist zum Schutz der dortigen Observatorien der Einsatz von blauweißem Licht zur Außenbeleuchtung verboten. Nicht immer wird dieses Verbot beachtet, der Kreis zeigt einen möglichen Fall von unzulässiger Lichtverschmutzung. ISS-Bilder helfen, solche Verstöße aufzuspüren.

La Palma bei Nacht - ein Schutzraum für die dunkle Nacht. Bild: NASA/ESA/A. Sánchez de Miguel

La Palma bei Nacht - ein Schutzraum für die Dunkelheit. Bild: NASA/ESA/A. Sánchez de Miguel

Wie unterschiedlich das Ausmaß der Lichtverschmutzung in verschiedenen Ländern ist, zeigt dieses Beispiel des Dreiländerecks Niederlande-Belgien-Deutschland, ein kleiner Ausschnitt aus der Cities-at-Night-Karte. Belgien, weltbekannt für seine beleuchteten Autobahnen, ist weit heller erleuchtet als die Nachbarländer.

Georeferenzierte ISS-Aufnahme der Region Niederlande-Belgien-Deutschland. Bild: Cities at Night project/NASA/ESA

Georeferenzierte ISS-Aufnahme der Region Niederlande-Belgien-Deutschland. Bild: Cities at Night project/NASA/ESA

Wäre eine vollständige Karte nicht eine tolle Sache? Ich denke ja, und habe die Kampagne bereits unterstützt. Hoffentlich tun es noch ein paar mehr, damit die Zielsumme zusammenkommt!

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Milchstraßenpanorama 3.0: Der Weg ist das Zielhttp://www.scilogs.de/himmelslichter/milchstrassenpanorama-3-0-der-weg-ist-das-ziel/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=milchstrassenpanorama-3-0-der-weg-ist-das-ziel http://www.scilogs.de/himmelslichter/milchstrassenpanorama-3-0-der-weg-ist-das-ziel/#comments Sun, 26 Jul 2015 22:59:38 +0000 http://www.scilogs.de/himmelslichter/?p=2571 ... weiter]]> Dass dieser kluge Spruch auch für die Milchstraßenpanoramafotografie gilt, wurde mir erst langsam bewusst. "Bloggen werde ich erst, wenn das Bild fertig ist", so mein fester Vorsatz. Aber was heißt "fertig"? Das Phänomen, dass ein mühsam fertig bearbeitetes Bild nach ein paar Tagen selbst seinem Schöpfer nicht mehr richtig gefällt, dürfte jeder Astrofotograf kennen. Irgendwas hakt immer. Daher hier und jetzt, aber keineswegs abschließend: mein Milchstraßenpanorama 3.0!

Bilder anklicken für große - und doch gehörig kleingerechnete - Versionen!

Gesamtansicht des neuen Milchstraßenpanoramas. Das Bild wirkt insgesamt noch etwas "unruhig", weswegen ich es noch nicht als endgültige Version ansehe.

Gesamtansicht des neuen Milchstraßenpanoramas. Der Bildhintergrund wirkt insgesamt noch etwas "unruhig", auch fehlen etliche Bildfelder, weswegen ich es noch nicht als endgültige Version ansehe.

Der wichtigste Unterschied zum Vorgängerpanorama: Alle Aufnahmen wurden mit 50mm Brennweite gemacht. Bei der Vorgängerversion waren es noch 17mm. Die erhöhte Brennweite bringt ein erhebliches Mehr an Detail und Farbe, aber auch an Arbeit. Bei einem Panoramabild werden viele Einzelbilder am Rechner zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Dabei kommt es einerseits darauf an, die Bilder passgenau aneinanderzufügen, und andererseits unvermeidliche Helligkeitsgradienten und Farbunterschiede zu korrigieren und so ein natürlich aussehendes Panorama zu erzeugen.

Zusammengesetztes Panorama, wie aus aus der freien Panoramasoftware Hugin kommt. Deutlich erkennbar sind die vielen Einzelbilder, aus denen das Gesamtbild besteht.

Zusammengesetztes Panorama, wie aus aus der freien Panoramasoftware Hugin kommt. Deutlich erkennbar sind die vielen Einzelbilder, aus denen das Gesamtbild besteht.

Jedes Einzelbild hat eine Bilddiagonale von etwa 25°, da ich wiederum eine Kamera mit 1,6x-Crop-Faktor verwendet habe (Canon EOS 450D, astromodifiziert). Insgesamt wurden (mit einigen Ergänzungen im Jahr 2015) 41 Einzelfelder belichtet. Nicht alle davon sind im obigen Panorama enthalten, insbesondere fehlen Felder auf der nördlichen (linken) Seite des Panoramas. Als Software habe ich (wie beim letzten Mal) Fitswork (zum Stacken der Einzelaufnahmen) und Hugin (zum Zusammenstellen des Panoramas) verwendet.

41 einzelne Bildfelder und je ~4 Einzelbilder pro Bildfeld bedeuten, dass im fertigen Panorama etwa 160 einzelne Fotos stecken (im obigen sind es ein paar weniger, da noch mehrere Bildfelder fehlen, s.o.).

Was 50mm Brennweite bringen, mag dieser Vergleich zeigen: Dargestellt ist jeweils die Regien um den Eta-Carinae-Nebel, links aus dem Milchstraßenpanorama 2.0 (mit 17mm), rechts mit 50mm.

Was 50mm Brennweite bringen, mag dieser Vergleich zeigen: Dargestellt ist jeweils die Region um den Eta-Carinae-Nebel, links aus dem Milchstraßenpanorama 2.0 (mit 17mm), rechts mit 50mm.

Viele der Arbeitsschritte des Vorgängerpanoramas wurden auch hier vollzogen. Wesentliche Unterschiede liegen neben der höheren Brennweite auch in der längeren Belichtungszeit (10 Minuten statt drei, möglich dank der Nachführung per Astrotrac), und eine damit mögliche höhere Blende von 4,0-5,6 (statt 2,8), was sich wiederum positiv auf die Bildqualität ausgewirkt hat. Auch habe ich dieses Mal auf einen Weichzeichnungsfilter als Hardwarelösung verzichtet.

Ein alternativer Ausschnitt des Panoramas, zu sehen ist vor allem das Milchtraßenzentrum (Sternbilder Schütze und Skorpion) und mehrere helle Gasnebel. Diese Version kann bereits als Posterdruck erworben werden.

Ein alternativer Ausschnitt des Panoramas, zu sehen ist vor allem das Milchtraßenzentrum (Sternbilder Schütze und Skorpion) und mehrere helle Gasnebel. Diese Version kann bereits als Posterdruck erworben werden.

50mm Brennweite bedeuteten auch, dass ich dieses Mal nicht versucht habe, die Milchstraße in ihrer Gesamtheit aufzunehmen, sondern mich statt dessen auf dei interessantesten Regionen beschränkte. Die Idee war, vom klassischen Längspanorama abzuweichen und unsere Milchstraße auf etwas ungewohntere Art darzustellen. Das obige und untere Bild sind zwei Bespiele dafür. Beide sind übrigens bereits als Posterdruck bei Posterlounge.de bestellbar, und zwar hier und hier.

In diesem Ausschnitt steht die Region um Antares und Rho Ophiuchi mit ihren verschiedenfarbigen hellen Nebeln und Dunkelwolken im Mittelpunkt. Auch dieses Bild ist bereits bei Posterlounge.de als Druck bestellbar.

In diesem Ausschnitt steht die Region um Antares und Rho Ophiuchi mit ihren verschiedenfarbigen hellen Nebeln und Dunkelwolken im Mittelpunkt. Auch dieses Bild ist bereits bei Posterlounge.de als Druck bestellbar.

Warum diese beiden und nicht das erste? Weil ich mit dem Längspanorama noch nicht hundertprozentig zufrieden bin. Es fehlen noch mehrere Bildfelder und außerdem sind etliche unschöne Gradienten erkennbar, die ich noch nicht ordentlich bearbeiten konnte. Ich werde aber sukzessive neue Bilder in den Posterlounge-Shop hochladen, sobald die fertig sind. Das kann erfahrungsgemäß dauern, wie gesagt: der Weg ist das Ziel.

Noche eine Version - hier zu sehen: das "Lama"

Noch eine Version - hier zu sehen: das "Lama"

Die Beschränkung auf den interessantesten, zentralen Teil der Milchstraße hat den Vorteil, dass ein brauchbares Panorama innerhalb einer Neumondphase und von einem einzigen Ort aus fotografierbar ist. Die Neumondphase war in diesem Fall Juni 2014, der Ort das Observatorium La Silla in Chile. Auf einem richtigen Observatorium hat man nicht nur den besten Himmel zur Verfügung, man muss sich außerdem nicht selbst um Behausung und Verpflegung kümmern. Zelten im Nationalpark hat zwar auch was (sehr viel sogar), aber Astrofotografie kann eben auch in Arbeit ausarten. Man wird zudem nicht jünger.

Vorbereitung auf die Nacht. Da die Kamera weitgehend alleine zurecht kommt, braucht man ein Spielzeug, um sich die Zeit zu vertreiben. In unserem Fall war das ein 12" Dobson.

Vorbereitung auf die Nacht. Da die Kamera weitgehend alleine zurecht kommt, braucht man ein Spielzeug, um sich die Zeit zu vertreiben. In unserem Fall war das ein 12" Dobson.

Kamera (Canon EOS 450D, astromodifiziert) und Objektiv (Standard Canon 50mm Festbrennweite) sind natürlich nur ein Teil der notwendigen Ausrüstung. Nachgeführt wurde die Kamera mit einer Astrotrac-Reisenachführung (die ohne Probleme auch längere Brennweiten trägt). Statt Stativ benutze ich eine Reisesäule des Typs "Vela", ein Selbstbaumodell aus dem Hause Tobias Häusler. Die Belichtungszeiten betrugen, wie bereits geschrieben, jeweils 10 Minuten pro Bild bei Blende 4,0 bis 5,6  und ISO 800. Da ich zur Rauschreduzierung mehrere Bilder pro Feld aufnehmen muss, dauert die Belichtung pro Feld dann schon mal eine knappe Stunde. Die drei zur Verfügung stehenden Nächte auf La Silla mussten daher voll genutzt werden. Da kommen pro Nacht schon mal 10 Stunden reine Photonensammelzeit zusammen.

Kamera und Zubehör, bereit für die Nacht. Im Hintergrund einige Kuppeln des La-Silla-Observatoriums.

Kamera und Zubehör, bereit für die Nacht. Im Hintergrund einige Kuppeln des La-Silla-Observatoriums.

Das heißt auch: Viel Zeit, den Himmel mit bloßem Auge, Fernglas und 12"-Teleskop zu betrachten - und nebenbei noch ein paar Zeitrafferfilmchen zu drehen. Man kann die Nacht auch mit Unangenehmerem verbringen.

Die eigentliche Arbeit ensteht wie someist erst nach der Beobachtung. Ich kann die Stunden am PC nicht zählen, die bereits in dieses neue Panorama geflossen sind. Und fertig wird man, wie nun gelernt, ohnehin nie.

Bereits fest vorgenommen habe ich mir die Erstellung eines (verbesserten) Tutorials, das die Entstehung eines astronomischen Panoramabilds von der Planung und Vorbereitung der Aufnahmen bis zum letzten Schliff des Endprodukts Schriff für Schritt erklärt. Ob ich das dann hier in den Blog stelle oder an anderer Stelle, wird sich noch zeigen. Ich werde auf jeden Fall an dieser Stelle über alle Fortschritte informieren. Clear Skies!

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Besonderen Dank gilt der Europäischen Südsternwarte (ESO), insbesondere Laura Ventura und Hernán Julio, für die Unterstützung und die Ermöglichung eines unvergesslichen Aufenthalts auf La Silla!

 

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