Komet ISON mit bloßem Auge sichtbar!

14. November 2013 von Jan Hattenbach in Allgemein, Sonnensystem

Lange Zeit hat er sich zurückgehalten, jetzt dreht Komet C/2012 S1 ISON auf: Vor zwei Tagen lag seine Helligkeit noch bei etwa 8mag, gestern wurde von einem Ausbruch seiner Gasproduktion berichtet. Auf etwa 7,4mag schätzte ein australischer Beobachter den Kometen erst vor wenigen Stunden. Gerade eben habe ich ISON ebenfalls wieder gesehen - er ist im Vergleich zu meiner letzten Sichtung vom Montagmorgen erheblich heller geworden. Im 10x50-Fernglas ist er als diffuses und rundes Wölkchen problemlos zu erkennen, und das trotz störender Wolken.

ISON stand heute morgen in einem markanten Sterndreieck wenige Grad südlich des Sterns Gamma Virginis. Durch den Vergleich zweier dieser Sterne, HD111199 (6,3mag) und HD109704 (5,9mag), schätze ich die Helligkeit des Kometen auf rund 6mag, eher heller. Auch Benjamin Knispel von der Sternwarte Hannover bestätigte diese Beobachtung. Damit hätte ISON in nur zwei Tagen zwei Größenklassen zugelegt. Unter dunklem Himmel dürfte er nun zumindest für erfahrene Beobachter mit bloßem Auge sichtbar sein (edit: erste entsprechende Berichte kommen schon rein).

IMG_2124s

Das völlig unbearbeitete Bild Zeigt die helle und auffallend grüne Koma des Kometen sowie seinen Schweif. Der Vergleichstern HD110487 kommt immerhin auf 7,7mag, kein Zweifel, dass ISON deutlich heller ist!

Edit: Hier nun das bearbeitete Bild, nicht mein bestes, da ich zwischen Wolken und Dämmerung fotogarfieren musste:

20131114_ISON_3

 


17 Kommentare zu “Komet ISON mit bloßem Auge sichtbar!”

  1. Michael Khan Antworten | Permalink

    Heh. Heute früh um halb vier aufgestanden und raus zu einem dunklen Ort mit freier Sicht nach Osten gefahren. Ich hatte mir vorher ausgeguckt, dass der ISON etwas rechts unterhalb von Porrima stehen muss, und Porrima finde selbst ich noch ohne großes Problem. Dann hatte ich also Porrima im Sichtfeld und gucke immer fleißig, bis sie aus dem horizontnahen Dunst 'raus ist - so der Plan. Wahnsinns-Sternenhimmel. Wirklich fantastisch.

    Und dann, auf einmal, im Zeitraum von zwei Minuten: Nebel. Na klasse. Hab' noch etwas abgewartet, aber der wurde immer dicker. Keine Chance.

    Ich verweise übrigens gleich noch einmal auf die Photo-Opp am 18. November (ISON und Spica).

  2. Komet ISON wird immer heller! (Und leuchtet sogar im Röntgenlicht) – Astrodicticum Simplex Antworten | Permalink

    […] Die roten Datenpunkte zeigen konkrete Messungen der Helligkeit (nicht vergessen, die Helligkeitsskala läuft in der Astronomie rückwärts – je kleiner der Wert desto heller das Objekt). Die schwarze Linie basiert auf einem vereinfachten Modell der Entwicklung der Kometenhelligkeit. Es ist keine konkrete Vorhersage und die Linie wurde auch nicht aus den Beobachtungsdaten berechnet (das Maximum der schwarzen Linie wurde deswegen auch absichtlich nicht gezeigt). Man erkennt aber den enorm starken Anstieg der Helligkeit; die Produktionsrate der Gase hat sich in den letzten Tagen verdoppelt. Mittlerweile nähert sich die Helligkeit der 6. Magnitude an; als dem Wert, ab dem man zumindest eine Chance hat, den Kometen mit freiem Auge zu sehen und hat hat die Grenze unter Umständen schon überschritten. […]

  3. Jan Hattenbach Antworten | Permalink

    Schade, aber immerhin haste es versucht!

    Wir hatten Riesenglück: mit ISON-Aufgang und drei Stunden früher als vorhergesagt kamen die Wolken. Der Himmel war schon komplett dicht, riss dann aber kurz vor Dämmerungsbeginn an der entscheidenden Stelle für einige Minuten auf für eine kurze Fotoserie und - wichtiger - eine Helligkeitsschätzung per Fernglas.

    Wir haben fürs Wochenende klaren Himmel gemelden, allerdings steht ISON am Sonntag schon nahe Spika und damit nur noch 12° überm Horizont bei Dämmerungsbeginn. Außerdem ist am Sonntag Vollmond. War vll. meine letzte ISON-Sichtung vor dem Perihel.

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Ich habe mir vorgenommen, gerade bei der Begegnung mit Spica am 18.11. die fotografische Erfassung zu versuchen. Der mond ist dann auch wurscht, der stört nicht so sehr wie die zunehmende Morgenröte. Ich werde einfach auf Spica halten und dann verschiedene Belichtungszeiten versuchen. Die beiden sind dann nur einen Vollmonddurchmesser getrennt, wenn ich Spica drin habe, muss zwangsläufig auch ISON drin sein. Entweder es klappt, oder halt nicht.

  4. Kurt Schaefer Antworten | Permalink

    Hallo Jan,
    angesichts der sehr bescheidenen Bedingungen ist die Aufnahme richtig klasse geworden!
    Kurt

  5. Wolfgang Dzieran Antworten | Permalink

    Habe den Kometen heute früh aus unserer Stadt heraus (wohne eher am Stadtrand) sehen können. Nicht mit bloßem Auge, aber mit Feldstecher und erst recht mit der DSLR-Kamera. Auch ich würde seine Helligkeit jetzt auf 6,x mag schätzen. Trotzdem müßte er in den kommenden Tagen noch deutlich heller werden, wenn er nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch ein Objekt fürs bloße Auge werden soll. Er nähert sich jetzt doch schnell der Sonne an, d.h. er wird immer schwieriger in der Dämmerung (plus Mondlicht) zu finden sein. Doch vielleicht liefert er im Dezember doch noch eine viel bessere Show ab.

  6. Detlev Antworten | Permalink

    Ein herzliches Hallo an alle Wissenden,
    sagt mir als Laien doch bitte, wann, ich in welche Himmelsrichtung und in welchem Winkel schauen muß, um den Komten ISON zu sehen. Mein Standort befindet sich im östlichen Ruhrgebiet.
    Vielen Dank
    Sternengucker Detlev

    • Michael Khan Antworten | Permalink

      Einfache Erklärung ohne Sternkarte oder Software (ich nehme an, wenn Sie sich mit sowas auskennen würden, hätten Sie nicht fragen müssen):

      Morgens um 6 Richtung Osten zum Horizont gucken. Von da aus 30 Grad nach rachts, also auf Südwesten zu. Dann etwa 10 Grad hoch. 10 Grad ist etwa der Winkelabstand, den die geballte Faust am ausgestreckten Arm überspannt.

      Da müssten Sie einen ziemlich hellen Stern sehen. Das ist Spica, der Hauptstern des Sternbilds Jungfrau. ISON befindet sich etwa in der ein-Uhr-Position von Spica. Morgen früh, am 16.11., ist ISON noch etwa 5 Grad, also eine halbe Faustbreit von Spica entfernt. Übermorgen, also am 17.11., nur noch etwa 2 Grad. Am 18. dann wird ISON Spica bereits passiert haben, ist aber fest drauf.

      Wenn ISON wirklich so hell wird, wie es den Anschein hat, dann sehen Sie ihn eh.

  7. Karl Bednarik Antworten | Permalink

    Hallo Detlev.

    Die Position des Kometen C/2012 S1 (ISON) in den kommenden Tagen gegen 6 Uhr morgens über dem Südost-Horizont.

    Beim Aufspüren könnte Spica, der Hauptstern des Sternbilds Jungfrau, helfen.

    http://www.astronews.com/news/artikel/2013/11/1311-019a.shtml

    http://www.astronews.com/news/artikel/2013/11/1311-019.shtml

    Die etwas später aufgehende Sonne kann man sich in der Verlängerung der Positionspunkte unterhalb des Horizontes vorstellen.

  8. Stephan Antworten | Permalink

    Hallo Jan, auch von mir herzlichen Glückwunsch!
    In der Tat gibt ISON gerade im wahrsten Sinne des Wortes "Gas". Aus zwei verschiedenen Quellen u.a. dem Trappist Teleskop Chile, sowie von den französischen Kometenbeobachtern, kam die Info, dass sich der Komet anscheinend in einem Aktivitätsausbruch befindet! Die Helligkeit steigt um ca. 1m in 24 Stunden und die Gasproduktionsrate hat sich verdoppelt. Bilder und Aufsuchkarten dazu auch hier: http://www.jahrhundertkomet.de
    @Michael: Viel Erfolg! Werde Spica am Wochenende auch als "Leitstern" verwenden.

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