Schweizer Gemeinde sagt: Licht aus!

3. Februar 2010 von Jan Hattenbach in Lichtverschmutzung

Schlechte Nachrichten aus der Schweiz für alle, die sich um drei Uhr morgens gerne hell erleuchtete Hauswände anschauen oder sich nach Mitternacht in der Innenstadt zum Schaufensterauslagenansehen treffen: Wie die Basler Zeitung heute berichtet, will es der Einwohnerrat der Gemeinde Pratteln bei Basel in Zukunft verbieten, von Mitternacht bis sechs Uhr morgens Hauswände mit Scheinwerfern anzustrahlen und Schaufenster durchgängig zu beleuchten. Dei meisten der betroffenen Firmen scheinen damit auch keine Probleme zu haben.

Auch der Einsatz von Skybeamern, Himmelslasern und ähnlichen Lichtverschmutzungen soll gleich mit verboten werden. Slowenien lässt grüßen! Ausgangspunkt dieser Regelung war der Basler Zeitung zufolge eine Initiative der Sozialdemokratischen Partei in Pratteln zur Vermeidung von unnötigen Lichtemissionen. Diese Initiative sei von 747 Einwohnern der kleinen Gemeinde unterstützt worden. Das Blatt zitiert auch einen Mitarbeiter der Organisation Dark Sky Schweiz, die das geplante Gesetz naturgemäß begrüßt.

Klar - das tue ich natürlich auch. Nur frage ich mich manchmal, ob es denn wirklich sein muss, dass für jedes Problem ein Gesetz oder eine behördliche Regelung her muss. Sollten die vielen Argumente gegen unnötige Lichtemissionen nicht ausreichen, die Leute freiwillig zum Lichtausmachen zu bewegen? So wie sie es zu Hause im Schlafzimmer doch auch tun? Schön wärs - doch die nicht endenwollende Reihe von Negativbeispielen zeigt ein ums andere Mal, dass dem so nicht ist. Leider. Zumal sich ohne Zweifel auch in Pratteln wieder diejenigen zu Wort melden werden, denen im Dunklen Angst und Bange ist - und die wider besseren Wissens glauben, dass es im Hellen sicherer sei


4 Kommentare zu “Schweizer Gemeinde sagt: Licht aus!”

  1. Stefan Taube Antworten | Permalink

    Apropos Basel

    Zum Basler Morgenstraich - das ist deren Version von Fasnet - werden morgens um 4 Uhr alle Lichter in der Stadt gelöscht. Das ist immer schön gespenstisch, wenn es in dieser Großstadt plötzlich dunkel wird. Allerdings sollte man dafür keine Werbung machen, weil dann noch mehr Touristen kommen, denen nichts Blöderes einfällt als mit ihren Blitzlichtern die Stimmung zu ruinieren. So sieht das dann aus: http://www.youtube.com/watch?v=Jtb2l2Jzx58
    Das Gequietsche kommt übrigens aus dem Video. Nein, der Lüfter des PC ist nicht kaputt gegangen.

  2. Jan Hattenbach Antworten | Permalink

    Andreas, Deine epische Diskussion im SciFi-Forum verfolge ich schon seit einiger Zeit. Ich finde es wichtig, dass man sich der Diskussion immer wieder stellt, auch und gerade mit Kritikern. Danke also für deine Ausdauer! Das wichtigste ist doch, das überhaupt über Lichtverschmutzung gesprochen wird - und Beispiele wie Pratteln zeigen zudem, dass es eben doch mehr als nur ein paar Hobbyastronomen sind, die sich von dem Lichtoverkill gestört fühlen. Deshalb auch dieser Blogpost.

  3. Christian Antworten | Permalink

    So schade es auch ist...

    ...dass es ein Gesetz braucht, so schön ist es doch, dass sich so viele Anwohner hinter die Initiative gestellt haben. Immerhin tut sich endlich auch mal was im deutschsprachigen Raum - das lässt doch hoffen. Und was die Notwendigkeit von Gesetzen betrifft: Ein vernünftiger und umsichtiger Fahrstil schützt ebenfalls die eigene Gesundheit (und nicht nur die) - und obwohl das sicher auch jedem bewusst ist, möchte ich nicht wissen, wie es auf unseren Straßen ohne StVo aussehen würde... Leider ist es in vielen Fällen eben doch notwendig - und dass sich in der Gesetzgebung in Sachen Lichtverschmutzung endlich mal was bewegt, war nun wirklich überfällig...

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