Elgar, Turing, Mozart, und ein wenig Jazz: Musik liegt in der Luft


Das Heidelberg Laureate Forum hat begonnen. Man kann wohl mit Fug und Recht sagen, der erste Tag war vom standing ovations begleiteten, "Pomp and Circumstance March No. 1" (Edward Elgar, Op. 39) umrahmten Einzug der LaureatInnen in die große Aula der Neuen Universität als Teil der Eröffnungszeremonie, bis hin zu Max Regers "Mozart-Variationen" (Op. 132) am Ende des abendlichen Benefizkonzerts des SAP Sinfonie Orchesters, ein überaus positiver und vielversprechender Einstieg.

Doch vor lauter Musik kam auch die Wissenschaft nicht zu kurz: Anstelle eines "normalen" Abendkonzerts hatten sich die Veranstalter für eine "Mozartiana con spirito scientifico" im szenischen Konzertformat entschieden. Kurze Theaterepisoden bildeten also den Rahmen zwischen den einzelnen Musikstücken - und vermittelten in Form einer fortgesetzten Geschichte rund um eine Auseinandersetzung zwischen einem Musikkritiker und einer IT-Expertin dem Publikum im Saal einen augenzwinkernden Blick auf einige der fundamentalen Fragen der Künstlichen Intelligenz-Forschung (KI) innerhalb der Informatik.

Die dabei diskutierten Themen (ihren Anfang eben in einer Konzertsituation findend) spannten einen Bogen von den Anfängen der KI bis in die Gegenwart:

  •  Ist ein Computersystem grundsätzlich dazu in der Lage, Musik "vom Blatt" gleich einem Orchester wiederzugeben?
  •  Sollte dies gelingen, könnte ein Computersystem jemals ein Musikstück selbst komponieren, sodass es menschliche Zuhörer nicht mehr von einer menschlichen Komposition unterscheiden können? (Als kleine Warnung vor vorschnellen Antworten lohnt es sich vielleicht, einen Blick auf David Copes Computersystem "Emmy" zu werfen.)
  •  Und falls auch dies möglich sein sollte, wo liegt dann die Grenze in den Fähigkeiten zwischen Mensch und Maschine - oder gibt es überhaupt eine derartige Grenze?

Diese Diskussion ist mehr oder minder so alt wie die Informatik selbst, geht sie doch mindestens auf Alan Turing Ende der 1940er Jahre mit seinen Betrachtungen rund um die prinzipielle Möglichkeit künstlicher Intelligenz, und die Tauglichkeit des Imitation Game (TB: Imitationsspiel) als Grundlage des sogenannten Turing Tests für künstliche Intelligenz, zurück. (Für eine kleine Blogtrilogie rund um Alan Turings diesbezügliche Ideen, sowie eine prominente Antwort auf einige der von ihm aufgeworfenen Fragen, siehe 1, 2, und 3.) Die Idee der Erschaffung einer Form von künstlicher Intelligenz ist jedoch in Grundzügen noch ungleich älter - man denke zum Beispiel an den Golem der jüdischen Legende, oder den Homunculus aus Goethes "Faust".

Doch zurück zum HLF: Zwar konnten sich unser Musikkritiker und seine IT-Widersacherin nicht auf eine abschließende Antwort auf obige Fragen einigen, sondern wurden an einem gewissen Punkt (überaus menschlich) von den mehr emotionalen Aspekten ihres Austauschs übermannt. Dennoch bildete die Kombination aus musikalischer Darbietung, bewusst überspitzten theatralischen Elemente, und einigen überaus tief- und hintergründigen Fragen der KI eine ungewöhnliche Mischung, welche einen Teil des HLF-Geists auch den anwesenden Heidelbergern und Heidelbergerinnen zugänglich machte - in meinen Augen ein gelungener Abschluss des Auftakttages des Heidelberg Laureate Forums 2013.

PS: Und wer sich über den Jazz im Titel des Posts wundern sollte - dieser stellt eine uneingeschränkt positive Referenz an das Balanced Action Saxophonquartett dar, welches Teile der Eröffnungszeremonie umrahmte. Einfach hörenswert!

Einen Kommentar schreiben


neun − = 6

E-Mail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
-- Auch möglich: Abo ohne Kommentar. +