Übung macht den Meister

11. Juni 2013 von Götz Müller in Bildungssystem, Forschung

Viele hochbegabte Schüler hören das nicht gern: Übung macht den Meister! Und doch wird es oft ausgesprochen, wenn es um schulisches Lernen geht. Und dabei sollte nicht nur an das Lernen von Vokabeln gedacht werden, sondern auch an methodische Kompetenzen wie z.B. aus Texten die Kernaussagen herauszulesen. Selbstverständlich drängt sich da die Frage auf, warum das denn so ist. Insbesondere für heranwachsende Lernende steckt hinter jedem Tun viel Information darüber, was man kann, was man ist und was man nicht kann und nicht ist. Persönlichkeit wird entwickelt, die im Idealfall sich selbst mag und das Bild eines fähigen und wirksamen Menschen enthält. Dafür ist es auch wichtig, dass Fähigkeiten vorliegen, die im ewigen Wettbewerb mit anderen Heranwachsenden möglich gut, am besten besser entwickelt sind.

Insofern ergibt sich aus dem Satz „Übung macht den Meister“ ein Dilemma, denn die einfache Verknüpfung von Leistung und Übung liefert den Boden für eine andere Form von Grundannahme: Wer viel übt (üben muss), hat weniger Begabung. Nun liegt es nahe, an pubertierende Jugendliche zu denken, die alles dafür tun, das Lernen zu umgehen, statt ein paar Minuten für Vokabellernen zu opfern. Wenn gelernt wird, besteht bei Versagen oder auch Ausbleiben des erwarteten Mehrgewinns die Gefahr, systematisch Selbstabwertung betrieben zu haben. Wer will das schon?!? Grundlage hierfür bildet die einfache Gleichung aus „Ergebnis ist gleich Fähigkeit plus Aufwand“. Erbringe ich bei gleichem Ergebnis mehr Aufwand, so muss meine Fähigkeit sinken. Insofern ist es verständlich, ökonomisch und psychisch gesund, möglichst wenig zu tun. Anwendbar scheint das unbeliebte Sprichwort in der Schule für Hochbegabte kaum, da auf Abruf immer wieder Leistungslichter möglich sind. Intelligenz bedingt nun einmal, sich relativ schnell in Systeme eindenken und logische Ableitungen treffen zu können, was – insbesondere aufgrund der Schnelligkeit – dem steten Üben widerspricht.

Im Bereich der Expertise hingegen kommt man Übung nicht vorbei. Auch hier gilt: Als nötige, aber nicht hinreichende Bedingung für eine Spitzenleistung wird Intelligenz angesehen. Insbesondere ist dies anwendbar, wenn es sich um eingegrenzte Bereiche handelt, in denen spezifisches Wissen einen Einfluss auf die Erbringung von Leistungen hat. Hier wird angenommen, dass Intelligenzunterschiede deutlich in den Hintergrund rücken, wenn die Lernenden über spezifisches Vorwissen verfügen. Allerdings ist dies nicht für alle Intelligenzgruppen gültig, denn je komplexer die Anforderungen werden, desto höher wird das grundlegende Intelligenzniveau - wenngleich dem Vorwissen nach wie vor ein Grand zuzusprechen ist. Und Vorwissen erwirbt man sich durch Übung, welche eben Zeit kostet. Schneider (2000) hat hieraus ein Modell des Schwellwertes gemacht, in welchem postuliert wird, dass das erbrachte Leistungniveau ab einem Grenzwert der Intelligenz im wesentlichen von nicht-kognitiven Merkmale abhängt. Unter diesen versteht er Interesse, Motivation, Ausdauer oder Konzentrationsfähigkeit, während er als Grenzwert für den IQ eine leicht überdurchschnittliche Begabung benennt. Eine Hochbegabung muss es gar gar nicht sein.

Aus „Übung macht den Meister“ formt sich somit eher: „Ein gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es muss.“

 

Literatur: Schneider, W. (2000). Giftedness, expertise, and (exceptional) performance. A developmental perspective. In: Heller, Mönks, Sternberg, & Subotnik: International handbook of research and development of giftedness and talent. London, UK: Elsevier Science.

9 Kommentare zu »Übung macht den Meister«

  1. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Outliers: The Story of Success

    .. ist ein Buch von Malcolm Gladwell, dessen Hauptthese es ist, dass jedes noch so grosse Genie 10'000 Stunden Übung brauche um in einem anspruchsvollen Gebiet zur überragenden Figur zu werden.

    Eigentlich verwundert das nicht. Auch wenn es weniger als ein Prozent Hochbegabte auf der Welt gäbe, wären das immer noch mehrere Millionen Hochbegabte weltweit. Doch wirklich "Karriere" machen viel weniger - und die wenigen, die es ganz an die Spitze schaffen, sind wohl die, die sich in eine Sache vertiefen und es dort zum Meister bringen.

    Was viele nicht tun ist eigentlich unabdingbar: Zwischen Potenzial und erbrachter Leistung zu unterscheiden.

    Potenzial, das sich beispielsweise darin zeigt, dass man (Zitat)" sich relativ schnell in Systeme eindenken und logische Ableitungen treffen [kann]" bringt zwar von vornherein einen Vorteil, vor allem für Generalisten oder Leute, die von Fach zu Fach springen; es reicht aber nicht um auf einem bestimmten Gebiet überlegene Leistungen zu erbringen. Dafür braucht es ein bisschen mehr Engagement.

    Das andere Thema, das als Subtext im Beitrag angesprochen wird (Zitat)?Ein gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es muss.? ist die natürliche Faulheit aller Menschen. Dahinter steckt etwas Grundlegendes. Es ist "ungesund" ständig an seine Grenzen zu gehen. Die richtige Beschäftigung ist eigentlich die, die einem liegt, die man so leicht erledigen kann wie Sprechen oder Schreiben. Wer eine spezielle Begabung hat, kann Dinge, die andern schwerfallen, so leicht wie Ein- und Ausatmen. Und Ein- und Ausatmen ist nichts anderes als leben.

  2. Heiner Prahm Antworten | Permalink

    Intellektuelles Lebensalter

    Nutzung der Lebenszeit, Qualität und intellektuelles Lebensalter

    ... auch hier gilt es aus meiner Sicht sehr zu differenzieren und zwar gibt es viele Faktoren, die bei solchen Überlegungen eigentlich nie berücksichtigt werden:

    1.) Schlafdauer

    Die durchschnittliche Schlafdauer beträgt im Durchschnitt 7 Stunden

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schlaf#Schlafdauer_und_Verteilung_beim_Menschen

    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/179970/umfrage/schlafen-schlafdauer-an-einem-normalen-werktag/

    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/179971/umfrage/schlafen-schlafdauer-am-wochenende/

    ... ich z.B. schlafe im Schnitt 4 1/2 Std. gehe um ca. 03:00 Uhr ins Bett, schaue dann heute immer noch so 30min Fernsehen, z.B. Phoenix, Arte, oder ZDFInfo, Reportagen wie History, TerraX u.ä. das bringt mein Gehirnaktivität runter (früher als es noch Sendeschluss gab, hatte ich einen ca. 1m hohe und 1,5m lange Bücherwand am Bett mit Wissenschaftsliteratur), dann schlafe ich wie ein Stein (nicht mal ein Extremgewitter bekommt mich wach) und bin um ca. 08:00 wieder hellwach und lege sofort, ohne Anlauf, mit meinen vielen Gedanken und Aktivitäten wieder los (selbst auf der Toilette liegt aktuelle Fachlektüre, die ich oft noch bei Zähneputzen in der Hand habe). Diesen Rhythmus habe ich seit dem Eintritt in die Grundschule.

    2.) Aktivitätsniveau

    Meine Freizeitaktivitäten 'beschränken' sich auf ein buntes Potpourri aus allen möglichen Wissensgebieten, ich habe als Kind z.B. mit Begeisterung Lexika gelesen und während andere sich z.B. einen Ghettoblaster wünschten, stand auf meinem Wunschzettel der kleine Brockhaus, oder ein Globus.

    Wenn ich mir dann anschaue was andere Menschen in ihrer Freizeit machen:

    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/176997/umfrage/freizeitaktivitaeten/

    ... dann sehe ich dort erhebliche Unterschiede, zu dem was ich wie oft mache und ich gehe auch davon aus, dass sich mein "Fernsehen","Im Internet surfen", "Bücher lesen" auch inhaltlich erheblich von dem unterscheidet, was die dort Befragten machen ... (gemeint ist das hier in der Befragung keine Differenzierung stattfindet, also z.B. 4 Stunden Internet surfen 'auf Facebook' unterschiedet sich dort ja nicht von 4 Stunden wissenschaftlicher, inhaltlicher Auseinandersetzung und diskutieren auf z.B. www.scilogs.de, oder www.astronews.com, oder 3 Stunden 'Messi-Show'auf RTL2 ist dort gleichgewertet, wie 3 Stunden Auslands-Reportage Fernsehen auf Phoenix).

    Worauf möchte ich hinaus ?

    Nicht nur dass sich meine Lebensrealität und die vieler anderer Hochbegabter ebenfalls, völlig von dem der normalen Bevölkerung unterscheidet, sondern es gibt auch oft sehr große qualitative Unterschiede, die dann noch gepaart sind mit einer schnelle Auffassungsgabe und einem hohen Umsetzungsvermögen. ... und auch wenn 'Übung den Meister macht' so zeigen sich doch erhebliche Unterschiede auch unter den Begabten und Hochbegabten selbst, wie viel von der 'Übung, welche den Meister macht' denn wirklich gebraucht wird, daher ...

    3.) Begabungsniveau

    Ich fasse mal ein paar Zahlen aus Losing Our Minds: Gifted Children Left Behind von Deborah L. Ruf zusammen:

    Wie verteilt sich 'Begabung' quantitativ und qualitativ in Schulen:

    (IQ 120-129) (3-4 Schüler pro Klasse in einer typischen Schule)

    (IQ 130-135) (1-3 Schüler pro Klasse in einer typischen Schule)

    (IQ 136-140) (1-2 Schüler pro Jahrgang in einer typischen Schule)

    (IQ 141+) (1-2 Schüler in zwei Jahrgängen in einer typischen Schule)

    (IQ 141++ mit sehr hohem intrisischen Lernwillen auf allen Gebieten 1:250.000)

    4.) Wiederholungen

    Es wurde weiter ermittelt, dass in der Grundschule:

    Ein normalbegabtes Kind (IQ 100) 8 Wiederholungen braucht, um einen Lernstoff zu erfassen (danach richtet sich die Lehrpläne aus).

    Ein sehr intelligentes Kind (IQ115+) braucht nur 4 Wiederholungen für den selben Lerninhalt.

    Ein hochbegabtes Kind (IQ130+ braucht oft nur 2 Wiederholungen.

    Ein höchstbegabtes Kind (IQ145+ braucht oft gar keine, also 0 Wiederholungen.

    ...was wiederum bedeutet das ...

    ... ein hochbegabtes Kind (IQ130+ ohne Vorbildung) problemlos in der Lage ist den gesamten Lernstoff der Grundschule Klasse 1-4 in unter 2 Jahren zu lernen.

    ... ein höchstbegabtes Kind (IQ145+ ohne Vorbildung) in der Lage ist den gesamten Lernstoff der Grundschule Klasse 1-4 in unter 1 Jahr zu lernen ...

    ... dieses Vermögen endet nicht in der Schule, sondern bleibt ein Leben lang bestehen.

    5.) intellektuelles Alter

    Wie 'alt' und 'intellektuell' entfernt sind denn dann Hochbegabte, die z.B. so sind wie ich von der Norm? Ich z.B. verfüge über einen sehr hohen intrisischen Lernwillen auf allen Gebieten; wenn ich etwas nicht weiß, dann ich will 'es' einfach genau wissen, ich will alles in Erfahrung bringen und wenn möglich bis ins letzte Detail und in der größtmöglichen Tiefe. Und nicht nur das ich das kann, sondern mein Gehirn verlangt danach so sehr, dass ich Strategien entwickeln musste dieses Verlangen zu dämpfen, um z.B. so etwas profanes wie Schlaf zu finden.

    Meine 'Rechnung' ergibt für mich, dass ich unter Berücksichtigung aller Faktoren intellektuell ca. 18 Jahre 'älter' bin, als es z.b. ein normalbegabter Durchschnittsschläfer, der als Hochleister in der ihm zur Verfügung stehenden Zeit und mit dem gleichen Elan wie ich, versucht die gleichen Inhalte zu erfassen wie ich (sprich er bräuchte bei voller zeitlicher und mentale Auslastung 18 Jahre länger, um die gleichen Inhalte zu erfassen, was dann ja aber noch nicht bedeutet, das diese auch gleich verstanden werden).

    Von normalbegabten Durchschnittsmenschen, die über keinen besondern Lernwillen verfügen, sondern einfach nur so 'vor sich hin leben' bin ich dagegen, soweit entfernt, dass z.B. eine Unterhaltung nur deshalb möglich ist, weil ich mich auf das Wesentliche im Dialog beschränke. Sobald ich z.B. mit umfangreichen Wissen und kritischer Analyse 'aus der Deckung' herauskomme, eskalieren solche Situationen sehr schnell, weil es den meisten anderen Gleichaltrigen nicht gelingt (und nicht gelingen kann) sich so ein umfassendes Wissen anzueignen und dort dann sehr schnell hoher Konkurrenzdruck entsteht, der z.B. nicht entstehen würde, wenn tatsächliches Lebensalter und intellektuelles Lebensalter, der Norm entsprechen würde. (Also ein 45 jähriger lernwilliger Hochbegabter, der mit 45 jährigen Normbegabten ohne Leistungswillen einen Dialog auf seinem hohen Niveau führt, eckt zwangsläufig bei denen an (wenn nicht explizit der Rat des Fachmanns gefragt ist)... würde die gleiche Unterhaltung jedoch zwischen einem 45 jährigen Normbegabten und einem 63 Jährigen Normalbegabten gleichen Wissenstands stattfinden, würde es nicht zum Konflikt kommen, sondern der Niveauunterschied der Lebenserfahrung zugeschrieben)

    Also "Übung macht den Meister", das stimmt, aber nicht generell, sondern für jeden individuell und jeder auf seinem Niveau und viele Hochbegabte wirken für Normbegabte auch ohne besondere Übung wie echte Meister, nur weil sie so sind wie sie sind.

  3. Der Suchende Antworten | Permalink

    @alle

    Herr Müller erklären Sie mir doch mal , wieso Ich trotz gelegentlichen Lernens nur mäßige Schulleistungen erbringe. Mein IQ liegt je nach Test bei 127 oder 135 . Ich habe das Gefühl , dass Sie da falsch liegen , wenn Sie sagen , dass wer intelligenter ist weniger lernen muss . Ich liege von meinem Lernaufwand meiner Einschätzung nach im Durchschnitt von dem was andere tun und dabei sogar teilweise besser sind ...

    (Ich bin im letzten Schuljahr vor dem Abitur )

  4. Heiner Prahm Antworten | Permalink

    Reines Glück

    @ Der Suchende

    "Herr Müller erklären Sie mir doch mal , wieso Ich trotz gelegentlichen Lernens nur mäßige Schulleistungen erbringe. Mein IQ liegt je nach Test bei 127 oder 135 . Ich habe das Gefühl , dass Sie da falsch liegen , wenn Sie sagen , dass wer intelligenter ist weniger lernen muss . Ich liege von meinem Lernaufwand meiner Einschätzung nach im Durchschnitt von dem was andere tun und dabei sogar teilweise besser sind ...

    (Ich bin im letzten Schuljahr vor dem Abitur )"

    Ich bin zwar nicht Herr Müller, aber auch ich habe Abitur gemacht ;O)

    Das was mir in der Oberstufe sehr aufgefallen ist und was sich letztlich auch als richtig erwiesen hat, ist die Feststellung, dass jegliches 'Lernen' von meiner Seite aus letztlich nicht zielgerichtet war!

    Ich verstand schlicht nicht was wirklich gefordert war. Ich schrieb in einer 2 Stunden Klausur 24 Seiten zum Thema Innertropische Konvergenzzone (das würde heute bei Wikipedia genauso stehen) und bekam dafür dafür ganze 8 Punkte, während mein Sitznachbar mit nur DIN A4 3 Seiten 14 Punkte bekam, weil er schlicht die einfachen Fragestellung beantwortet hat!

    Bei mir stand schlicht unter der Zensur "Am Thema vorbei" ... auch wenn ich natürlich im Text auch alle Fragestellungen auf das Genaueste beantwortet hatte, aber das war für die Lehrkraft eben nicht ersichtlich, viel zu komplex und so musste ich bis zu den Abi-Klausuren warten, die dann von 2 Lehrern kontrolliert wurden, um in meinem Lieblingsfach auf ein gute Note zu kommen (also dem Mittel aus 8 und 14 Punkten), weil der andere Lehrer eben verstand (das war reines Glück)...

    Daher mein Rat, nicht mit der Materie beschäftigen, sondern erstmal raus finden, ob es nicht einen klassischen Erwartungsniveaukonflikt gibt ? ... aus meiner Erfahrung heraus ist es in der Schule und im ersten Teil des Studiums (damals Vordiplom, heute Bachelor) für Hochbegabte immer besser, sich weit nach unten zu orientieren und vor allem zu lernen die Frage- und Aufgabenstellung in ihrer Einfachheit zu verstehen.

  5. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Leistungen in Bildungssystemen

    Herr Müller erklären Sie mir doch mal , wieso Ich trotz gelegentlichen Lernens nur mäßige Schulleistungen erbringe. Mein IQ liegt je nach Test bei 127 oder 135.

    ...benötigen anscheinend keinen höheren IQ. Originelle Ideen und politische Meinung kommen ja oft nicht so gut an, der Schüler oder Studierende kann sich so exponieren, was in derartigen Systemen oft nicht wünschenswert ist.

    Ansonsten muss der Kluge mehr üben als der Durchschnitt, wenn er Spitzenleistungen erbringen will, also Leistungen, die anzunehmenderweise bevorzugt er anstrebt.

    MFG

    Dr. W

  6. Köppnick Antworten | Permalink

    Malcolm Gladwell

    Das von Martin Holzherr verlinkte Buch von Gladwell gibt es auch auf Deutsch: "Überflieger". Hier eine Rezension. Zwei der drei zentralen Thesen passen gut zu Ihrem Blogeintrag:

    - Für Spitzenleistungen reicht ein leicht überdurchschnittlicher IQ aus (120 werden im Buch genannt).

    - Fächerunabhängig braucht es etwa 10.000 Stunden Übung, um zu einem Experten zu werden.

    Die dritte These im Buch: Man braucht auch das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

  7. Heiner Prahm Antworten | Permalink

    Gehirnforschung

    Man könnte diesbezüglich auch einmal die Gehirnforschung heranziehen und da sagt ein Bild mehr als tausend Worte!

    http://heinerprahm.he.funpic.de/gehirn_2.jpg

  8. Thomas Hofer Antworten | Permalink

    Übung und begabungsgerechter Unterricht

    Um für den hochbegabten Schüler ein adäquates Übungsniveau zu erhalten, bedarf es eines begabungsgerechten Unterrichts.

    Das heißt :

    ?Es darf nicht alles zur Routine werden? ? diese Forderung muss als eine umfassende Erwartung an jeden einzelnen Pädagogen im Hinblick auf die Arbeit mit klugen, begabten und hochbegabten Schülern verstanden werden.

    Immer wieder geistig neu zu fordern, das Interesse bei den begabten Schülern zu wecken, sie zum Einsatz ihres Intelligenzpotentials zu aktivieren, sie ?bei der Sache zu halten? durch anspruchsvolle Aufgabenstellungen und über diesen Weg durch hohes geistiges Forderungsniveau aufzuschließen ? dahinter verbirgt sich ein wesentlicher Teil der Objekt-Subjekt-Dialektik in der Arbeit mit Begabten und Hochbegabten im Unterricht.

    Dabei wissen Lehrer, dass didaktisch-methodische Grundmodelle im Prinzip ?stehen?.

    Aber gerade deshalb muss das eine oder andere im Unterricht so modifiziert werden, dass es den Zuschnitt für das Bedingungsgefüge eines begabten und hochbegabten Schülers erhält.

    Wenn hier nicht aufgepasst wird, kommt es sehr leicht zur stereotypen Unterrichtsführung, die bei den Begabten und Hochbegabten zu Desinteresse und Unlust am Aneignungs-, Erkenntnis- und Übungsprozess führt.

    Es ist in der Fachliteratur zur Begabung und Hochbegabung schon über die daraus resultierende Frustration und auch über das unter Umständen daraus entstehende brisante soziale Spannungsfeld geschrieben worden, so dass hier nicht näher darauf eingegangen werden muss.

    Deshalb muss der Lehrer ein ständig Suchender sein, das heißt eine höhere Zielorientierung, ein höheres Niveau der Problemstellungen, lebensnähere Fakten und inhaltsreichere Übungen für den begabten Schüler zu schaffen.

    Die Dynamik der globalen Prozesse unserer Gegenwart reflektiert sich nämlich für den Lehrer auf besonders fordernde Weise.

    Die Hauptforderung ist dabei die nach einem schülergerechten Unterricht, bezogen auf die Betrachtung der Begabten und Hochbegabten im Lernprozess, auf einen begabungsgerechten Unterricht für die davon betroffene ?Schülerklientel?.

    Die sehr klugen Schüler, das belegen vielfältige Beobachtungen, wollen stets einen hohen Grad persönlich-schöpferischer Gedanken in den Unterricht einbringen und haben von daher diese ganz besondere, eben adäquate Erwartungshaltung an den Lehrer.

    Dem kann der Unterricht nur dann entsprechen, wenn der Lehrer durch eine zielgerichtete Aufbereitung des Lehrstoffes im Sinne des differenzierten Unterrichts, dieser Erwartungshaltung gerecht zu werden versucht.

    Das heißt nicht etwa eine ?Knüllerschau? für die Fordernden, die Begabten zu veranstalten, sondern Knotenpunkte des Erkenntnisprozesses durch bewusste geistig-emotionale Stimulanzien aufzubereiten, also zweckorientiert auf folgende Hauptfrage hinzuarbeiten:

    Was dient dem Erkenntnisprozess der begabten und hochbegabten Schüler am besten und an welcher Stelle des Unterrichts und mit welcher Tiefe können entsprechende Denkprozesse aktiviert werden?

    Das Hauptkriterium muss sein:

    Was kommt für den begabten und hochbegabten Schüler dabei heraus, für den Zuwachs in seinem Wissen und Können, für seine sozialpsychologische Entwicklung, schlicht, für die Förderung seiner Begabungen und damit für seine Persönlichkeitsbildung und Persönlichkeitsentwicklung.

    > Ist das alles schwer zu realisieren? ? Ja und nein!

    Natürlich handelt es sich hierbei um eine sehr komplexe Angelegenheit, weil schließlich solche Fragen tangiert werden, wie:

    - Was kann der Lehrer Kraft seiner Ausbildung überhaupt dafür tun?

    - Welchen Rückgriff hat er auf welches didaktisch-methodische und organisatorische Material?

    - Verfügt er überhaupt über entsprechende Wissenskriterien zur Erkennung von Begabung und Hochbegabung?

    Deshalb ist gezieltere Hilfe für die ?Pädagogen vor Ort? durch die Kultusministerien, durch unsere Didaktiker und Methodiker und die Schulpsychologen nötig.

  9. Triphora Antworten | Permalink

    Erfahrung und Pragmatismus

    Zu ?Übung macht den Meister?: Die Frage ist doch, was hier geübt wird. Im Handwerk, wo die Redewendung gebräuchlich ist, geht es um praktische Fertigkeiten. Die lassen sich alleine durch Lesen und Beschaffen von Informationen nicht gewinnen. Eine gewisse Begabung, eine Geschicklichkeit ist nötig, aber nicht hinreichend. Das Verstehen dessen, was man da tut, ist ebenfalls hilfreich, aber nicht hinreichend. Erst das Tun und die Rückmeldung des Werkstücks mit seinen speziellen Material-Eigenschaften usw. macht die Übung und die Vervollkommnung.

    Im Transfer auf intellektuelle Aufgaben finde ich speziell das Vokabellernen kein optimales Beispiel. Dort bedeutet Übung doch nur, etwas so oft zu wiederholen, bis man es sich gemerkt hat. Ein gutes Gedächtnis reicht vollkommen aus - wem es fehlt, der braucht ein paar Runden mehr bis zum Ziel.

    Betrachten wir komplexere Herausforderungen, müsste die Redewendung eher ?Erfahrung macht den Meister? heißen. Wir können noch so viel lesen und Informationen aufsaugen und verstehen (was hochbegabten Menschen oft sehr leicht fällt), sie ersetzen keine praktische Erfahrung. Nämlich den Schritt, das erarbeitete Wissen für eine Lösung einsetzen zu wollen, und dann von der Realität eine Antwort zu bekommen, ob es überhaupt funktioniert, ob es wie erwartet funktioniert, ob es auch eine "gute" Lösung ist.

    Was ist eine ?gute? Lösung? Hier gefällt mir der Satz des ?Ein gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es muss.? sehr. Ich würde das nicht unbedingt als Faulheit ansehen, eher als Hinweis, dass eine gute Lösung oft eine pragmatische und damit auch ökonomisch effiziente ist.

    Das steht zuweilen im Gegensatz zu ?fachlicher Meisterschaft? und ?Vollständigkeits-Perfektion?, mit der man zu noch besseren Entscheidungen kommen mag - alleine, es dauert ggf. zu lange (während andere schon längst bei der übernächsten Entscheidung sind). Mit dem steigenden Informationsumfang verlieren Vollständigkeits-Fanatiker manchmal das Gespür für die passende Gewichtung dessen, was sie an Informationen versuchen zusätzlich mit einzubeziehen usw. So können aus mehr Informationen heraus auch schnell schlechtere Entscheidungen entstehen.

    Schaut man sich erfolgreiche Unternehmer-Persönlichkeiten an, dann fällt als eine besondere Kompetenz vor allem auf, schnell viele Entscheidungen zu treffen, und diese mehrheitlich richtig zu treffen, bzw. aus den wenigen Fehlern zu lernen. Manches davon mag Glück sein, anderes mag darauf beruhen, Informationen zu haben, die andere nicht hatten, viele erfolgreiche Entscheidungen wären sicher nicht möglich, ohne eigenes Know-How oder zugeliefertes Know-How guter Mitarbeiter. Aber im Kern ist es doch die Fähigkeit wesentlich, pragmatisch und schnell zu entscheiden, und lieber mal einen Fehler zu viel machen als eine Entscheidung zu wenig treffen, um dann die Erfahrung auswerten zu können für bessere und schnellere zukünftige Entscheidungen.

    Sehr interessant in dem Kontext ist das Buch ?Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition? von Gerd Gigerenzer und Hainer Kober.

Einen Kommentar schreiben

Hinweis: Diesen Blog betreiben "Gehirn und Geist" und Karg-Stiftung gemeinsam. Ihr Kommentar wird auf beiden Internetseiten veröffentlicht.