Eisschmelze und kaltes Wetter + Updates

28. März 2013 von Stefan Rahmstorf in Klimadaten

Die Medien debattieren den Zusammenhang des arktischen Eisrückgangs mit dem kalten Wetter in Deutschland. Wir zeigen hier die aktuellen Forschungsergebnisse dahinter – die wichtigsten Grafiken aus den relevanten Studien.
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Zunächst: wie sieht die ungewöhnliche Temperaturverteilung in diesem März eigentlich aus? Hier die Daten (bis einschl. 25. März, NCEP/NCAR Daten geplottet mit KNMI Climate Explorer):

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Eisige Kälte in Sibirien, die bis nach Nordwesteuropa herüber reicht. Ungewöhnlich milde Temperaturen über der Labradorsee und Teilen von Grönland. Ein Kälteband schräg über Nordamerika, zwischen Alaska und Florida. Gemittelt über die Nordhalbkugel heben sich diese Anomalien weg – der Mittelwert ist nah am langjährigen Durchschnitt. Die Verteilung von warm und kalt hat natürlich mit Luftströmungen zu tun, und damit mit der Luftdruckverteilung. Die Luftdruckanomalie sieht so aus:

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Ungewöhnlich hoher Luftdruck zwischen Skandinavien und Grönland. Da ein Hoch im Uhrzeigersinn umströmt wird, erklärt dass den Einstrom arktischer Kaltluft bei uns ebenso wie die warme Labradorsee.

 

Das arktische Meereis

Nun zum Meereis. Das Sommer-Minimum im September setzte einen neuen Negativrekord, aber auch beim kürzlich erreichten Winter-Maximum gab es ungewöhnlich wenig Eis (Rang 6 – wobei die zehn Jahre mit der geringsten Eisausdehnung allesamt in den letzten zehn Jahren lagen). Besonders gering war durch diesen Winter hindurch bis in den März hinein die Eisbedeckung der Barentssee - da fehlte etwa die Fläche von Deutschland im Vergleich zum langjährigen Mittel.

Gibt es einen Zusammenhang mit dem Winterwetter? Beeinflusst der Eisschwund die atmosphärische Zirkulation, weil das offene Meer die arktische Atmosphäre kräftig von unten beheizt? (Das Wasser ist ja viel wärmer als die darüber liegende polare Kaltluft.) Führt die damit verbundene Verdunstung von Meerwasser zur Befeuchtung der Luft und damit zu mehr Schneefall? Diese Fragen wurden in den letzten Jahren in mehreren Studien untersucht.

 

Petoukhov und Semenov, JGR 2010

Die beiden Forscher vom Potsdam-Institut und vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel benutzten das ECHAM5 Atmosphärenmodell und reduzierten die Eisbedeckung in der Barentssee und der benachbarten Karasee, als Randbedingung bei einer Reihe von Simulationen. Bei einer mittleren Reduktion der Eismenge (wie wir sie heute finden) ergibt sich folgende Anomalie der Druckverteilung:

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Also abnormal hoher Luftdruck zwischen Skandinavien und Grönland. Und folgende Temperaturanomalie:

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Kalt von Sibirien bis Westeuropa und eine Wärmeblase mit Zentrum Labradorsee – ganz ähnlich wie die Temperaturen in diesem März.

 

Jaiser et al., Tellus 2012

Die Kollegen vom Alfred-Wegener-Institut, gemeinsam mit einem US-Forscher, sind der Frage nachgegangen, ob man diesen Zusammenhang auch in Messdaten findet. Dazu haben sie die Korrelation von Luftdruckverteilung und Eisbedeckung in einer Kovarianzanalyse untersucht. Ergebnis:

Our analysis suggests that Arctic sea ice concentration changes exert a remote impact on the large-scale atmospheric circulation during winter

Die folgende Grafik zeigt aus dieser Analyse die Luftdruckverteilung im Winter, als Differenz zwischen Phasen mit niedriger und hoher Herbst-Eisbedeckung in der Arktis:

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Man sieht, dass wenig Eis mit Hochdruck in der Arktis korreliert, auch zwischen Skandinavien und Grönland – ganz ähnlich wie in den Modellrechnungen von Petoukhov und Semenov. (Temperaturkarten zeigt dieses Paper nicht.)

 

Liu et al., PNAS 2012

Als nächstes im Reigen erschien kurz darauf eine Studie von Forschern aus den USA und China, die sich dem Thema gleich von beiden Seiten annahm: Modellsimulationen und Datenauswertung. Die folgende Grafik zeigt die lineare Regression zwischen geringer Eisbedeckung im Herbst und der Temperatur im folgenden Winter:

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Diese Temperaturanomalien sehen wieder ähnlich aus wie die beiden oben gezeigten Temperaturkarten für diesen März und aus dem Modell von Petoukhov und Semenov.

Eine beobachtete Korrelation (wie in dieser Grafik und in Jaiser et al.) belegt aber noch keinen Kausalzusammenhang, daher haben auch Liu et al. eine Serie von Modellrechnungen gemacht, aber mit einem anderen Modell (dem amerikanischen NCAR-Modell). Zudem haben sie ein größeres Ensemble gerechnet (je 20 Läufe mit variierten Anfangsbedingungen), was die Ergebnisse statistisch robuster macht. Als Randbedingung im Modell haben sie die beobachtete Eisreduktion in der Arktis genommen und je ein Ensemble mit bzw. ohne diese Eisabnahme gerechnet. Das Ergebnis dieser Simulationen für die Temperatur sieht so aus:

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Da sehen wir es wieder: die Kälte über Sibirien und Europa, die Wärme über der Labradorsee, das Kälteband über Nordamerika. Im Modell weiß man, dass es nicht nur eine Korrelation ist sondern ein Kausalzusammenhang: Die vorgegebene Eisrandbedingung ist die Ursache der Kälte über Europa, genau wie bei Petoukhov und Semenov. Auch die zugehörigen Luftdruckkarten sehen ähnlich aus.

Liu et al. haben auch die Frage behandelt, ob als Alternative die Arktische Oszillation (AO) oder Nordatlantische Oszillation (NAO) die Temperaturanomalien erklären können und zeigen, dass diese natürlichen Oszillationen andere räumliche Muster und zwischenjährliche Schwankungen aufweisen - sie schließen sie als Ursache daher aus.

Außerdem haben sie noch den Zusammenhang mit Schneefall untersucht und kommen zu dem Schluss, dass die zusätzlichen offenen Wasserflächen in der Arktis die Luftmassen befeuchten und zu stärkerem Schneefall führen. Die Schneedecke ist wichtig, denn selbst die kräftige Märzsonne kann das schneebedeckte Land kaum aufheizen; die hellen Flächen spiegeln die Sonnenstrahlen einfach zurück. Liu et al. folgern:

We conclude that the recent decline of Arctic sea ice has played a critical role in recent cold and snowy winters.

Die taz zitierte gestern dagegen den Sprecher des Deutschen Wetterdienstes mit der Aussage, wenn es einen direkten Zusammenhang mit der Meereisbedeckung geben würde, hätte ja der gesamte Winter in Deutschland zu kalt sein müssen. Dieses platte Argument, mit dem er die oben gezeigten Ergebnisse der Klimaforschung vom Tisch wischen möchte, halte ich für ziemlich blamabel für den DWD. Denn offenes Wasser in der Arktis setzt selbstverständlich das stochastische Wettergeschehen nicht außer Kraft; es wird immer einen Wechsel von kalten und warmen Perioden geben. In allen genannten Studien geht es um veränderte Wahrscheinlichkeiten in den vorherrschenden Wettermustern: Petoukhov und Semenov etwa schätzen, dass sich die Wahrscheinlichkeit von kalten Winterextremen verdreifachen könnte, das steht schon im Abstract. Man fragt sich, ob der DWD-Vertreter die relevanten Studien überhaupt gelesen hat – und wenn nicht, weshalb er sich berufen fühlt, sie in den Medien zu kommentieren. Leider hat es eine gewisse Tradition, dass Meteorologen, die sich mit Wettervorhersage befassen, wenig vertraut mit der Klimaforschung sind.

Aus meiner Sicht liefern die oben genannten Studien deutliche Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem arktischen Eisverlust infolge der globalen Erwärmung, häufigeren Winter-Hochdrucklagen insbesondere über dem atlantisch-europäischen Teil der Arktis, und damit verbundenem Einstrom von Kaltluft nach Europa. Wie wir sie in den letzten Wintern oft erlebt haben - zum Beispiel spektakulär in der ersten Februarhälfte 2012.

Damit ist das allerdings noch keine bewiesene Sache – die Studien sind relativ neu und müssen und werden in der Fachcommunity noch intensiv diskutiert und durch weitere Forschung erhärtet oder womöglich wieder infrage gestellt werden. Das ist der normale wissenschaftliche Debattenprozess, durch den am Ende robuste und weithin akzeptierte Erkenntnisse herausdestilliert werden, wie etwa die Tatsache, dass unsere Treibhausgasemissionen das Klima aufheizen.

P.S. (29.3.) Ich sehe gerade, dass der Klima-Lügendetektor sich den herrlichen Artikel in Welt Online vorgeknöpft hat, der vor einigen Tagen wieder einmal die sprichwörtlichen „russischen Forscher, die eine Eiszeit vorhersagen“ präsentierte und vor einem „eisigen Schweinezyklus“ warnte. Besser kann man eigentlich die These von den Sonnenschwankungen nicht widerlegen, als wenn selbst ein eingefleischter "Klimaskeptiker" keine seriöseren Argumente dafür finden kann. Diesmal sogar von Gazprom gesponsert (ernsthaft!)

Wer sich zum Thema Klima und Sonne informieren möchte: Welche Rolle spielt die Sonne?

Update (29.3.): Eli Rabett hat hier eine englische Übersetzung dieses Beitrags gemacht.

Update (10.4.): Vom DWD habe ich jetzt folgende Stellungnahme zu dem oben erwähnten taz-Zitat erhalten, die ich mit Erlaubnis hier wiedergebe. Ich finde es erfreulich, dass es hier offenbar keine Meinungsunterschiede mit dem DWD gibt.

Der DWD hat darauf hingewiesen, dass die Aussagen in der TAZ nicht dem Standpunkt des DWD entsprechen und in dieser Form vom Pressesprecher auch nicht getätigt worden sind. Auf die ursprüngliche Anfrage der TAZ hat der  Pressesprecher (Andreas Friedrich) geantwortet, dass er die zitierten Studien persönlich nicht kenne und sich daher zu diesen Studien auch nicht äußern könne.

Er machte nur Äußerungen zur aktuellen kalten Witterungsperiode, die er als mögliche Varianz im chaotischen System der Atmosphäre bezeichnete. Auf Nachfrage erläuterte er, dass der vergangene Winter nicht deutlich zu kalt ausgefallen ist und dass weder der vergangene Winter noch die aktuelle kalte Witterungsperiode im Widerspruch zur Klimaerwärmung stehen und mit so einem einzelnen Ereignis solche Studien nicht als falsch oder richtig eingestuft werden können.

Update (16.4.): Fast erwartbar schwirrt im Netz einiges an unseriöser Klimaskeptikerpolemik herum von der Art: da die letzten Winter so kalt waren, hätten sich die Klimaforscher schnell im Nachhinein die Arktis als Erklärung ausgedacht. Dazu muss man sich nur anschauen, wann Petoukhov und Semenov ihr Paper zur Publikation eingereicht haben: im November 2009. Wir erinnern uns: der Winter 2007 war mit +4,4 °C der wärmste Seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1761, und auch der Winter 2008 war mit +3,0 °C außergewöhnlich warm. Danach eine solche Prognose zu stellen wie die Kollegen Petoukhov und Semenov war durchaus mutig - sie konnten zu dem Zeitpunkt nicht ahnen, wie sehr gleich der Winter 2009/2010 und die dann folgenden ihre These stützen würden.

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Quellen

Jaiser R, Dethloff K, Handorf D, Rinke A, Cohen J (2012) Impact of sea ice cover changes on the Northern Hemisphere atmospheric winter circulation. Tellus Series a-Dynamic Meteorology and Oceanography 64. doi:10.3402/tellusa.v64i0.11595

Liu JP, Curry JA, Wang HJ, Song MR, Horton RM (2012) Impact of declining Arctic sea ice on winter snowfall. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 109 (11):4074-4079. doi:10.1073/pnas.1114910109

Petoukhov V, Semenov VA (2010) A link between reduced Barents-Kara sea ice and cold winter extremes over northern continents. Journal of Geophysical Research-Atmospheres 115. doi:10.1029/2009jd013568

 


52 Kommentare zu “Eisschmelze und kaltes Wetter + Updates”

  1. Jens Christian Heuer Antworten | Permalink

    Kältere Winter Eisschmelze Arkti

    Lieber Herr Rahmstorf,
    Einen sehr gute Artikel haben Sie da geschrieben, mit einer überzeugenden Beweisführung! Die Übereinstimmung zwischen Modellsimulationen und der Wirklichkeit ist verblüffend, ja geradezu umheimlich!
    Sie hätten auch noch Ihr jüngstes Paper anführen können, das Sie zusammen mit Petoukhov veröffentlicht haben. Da ging es zwar um den Mechanismus der zu häufigeren und ausgeprägteren Hitzewellen führt (wenn ich den richtig verstanden habe: Der infolge der besonderen Erwärmung der Arktis abnehmende Temperaturgradient in den mittleren Breiten begünstigt die Bildung langer, langsam wandernder Rossby-Wellen. Wird die Resonanzfrequenz (Eigenfrequenz) des Jetstreams erreicht, dann nimmt die Amplitude der Rossbywelle sprunghaft zu und die Welle kommt zum Stillstand (stehende Welle). Wetterlagen halten unter diesen Bedingungen länger an, z.B. im Wellenberg das wolkenarme Hochdruckwetter aus dem dann leicht eine Hitzewelle wird, allein schon durch den Zeitfaktor). Im Winter sollte dieser Mechanismus zu gehäuften Kälteeinbrüchen über die Wellentäler, die sog. Tröge der Rossby-Wellen im Jetstream)und im Gegenzug zu Warmluftvorstössen polwärts führen, genauso wie es sich ja auch in letzer immer wieder Zeit abspielt.
    Sehen Sie das ähnlich?
    Noch eine weitere Frage: Sie weisen in Ihrem Artikel darauf hin, daß die gehäuften Kälteepisoden in den letzten Wintern nicht die direkte Folge einer negativen arktischen (AO) bzw. nordatlantischen Oszillation (NAO)sind, sondern unabhängig davon wohl allein durch die Eisschmelze in der Arktis verursacht werden. Bei den meisten (aber nicht allen) Kälteeinbrüchen war aber der AO-Index (bzw. NAO-Index) deutlich im Minus (d.h. meridionale Luftzirkulation!), so z.B. jetzt wieder in diesen Märztagen, wo der AO-Index unter -5 liegt, ein Rekordwert! Gibt es da womöglich einen zusätzlichen Einflussfaktor? Wird die AO bzw. NAO ebenfalls durch die arktische Eisschmelze beeinflusst (wäre eigentlich zu erwarten) oder vielleicht auch durch die derzeit schwache Sonne?
    Viele Grüße und schöne Osterfeiertage
    Jens Christian Heuer
    http://weltenwetter2013.wordpress.com/

    [Antwort: Lieber Herr Heuer, AO-Index and NAO-Index sind ja nur diagnostische Indizes, die die Luftdruckverteilung beschreiben. Natürlich zeigt sich die abnormale gegenwärtige Wetterlage auch in diesen Indizes - auch wenn die Ursache nicht die übliche natürliche Schwankung in NAO und AO ist sondern der Eisrückgang. Stefan Rahmstorf]

  2. Martin Schindler Antworten | Permalink

    Klimageschichte und kalte Winter

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    wie erklären Sie sich - gemäß den von Ihnen aufgeführten Studien - eigentlich, dass es während der vergangenen Wärmzeiten (Klimaoptimum des Holozän, Römisches Klimaoptimum und Mittelalterliches Klimaoptimum) in der Arktis auch wärmer war - demzufolge es also auch weniger Meereis gab - wir in Europa und Deutschland aber keine strengen Wintereinbrüche hatten, sondern sehr milde Winter?

    Die Theorie passt für die Vergangenheit also nicht so recht.

    [Antwort: Lieber Herr Schindler, es gibt eine Rekonstruktion der arktischen Eisbedeckung, die bis ins Jahr 550 n. Chr. zurück reicht (Kinnard et al, Nature 2011) - wir haben die hier gezeigt. Danach gab es nie annähernd so wenig Eis wie in den letzten Jahren. Außerdem gibt es eine Temperatur-Rekonstruktion für die Arktis für die letzten 2000 Jahre (Kaufmann et al., Science 2009) siehe hier. Danach war es in der Arktis in diesem Zeitraum nie so warm wie in den letzten Jahren. Nach dieser Datenlage halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass es in den letzten 2000 Jahren schon einmal so wenig Eis in der Arktis gegeben hat. Im frühen Holozän dagegen ist das durchaus wahrscheinlich, aufgrund der viel stärkeren Sommer-Sonneneinstrahlung wegen der Milankowitsch-Zyklen. Aber woher wollen Sie wissen, ob es damals solche Wintereinbrüche gab? Können Sie mir Ihre Datenquelle für Ihre These nennen? Stefan Rahmstorf]

  3. Torsten Becker Antworten | Permalink

    Arktische Ostergrüße

    Wenn ich's richtig sehe, war's die letzten Wochen in Nuuk eher wärmer als in Köln. Wie mag das bloss werden, wenn es nächsten Winter noch weniger Eis in der Arktis gibt?

  4. SLGramann Antworten | Permalink

    ätzende Aussicht

    Wenn sich diese Studien bestätigen sollten, wäre das für uns in Deutschland sehr unschön.

    Diese "Kaltlufteinbrüche" sind ja absolut kein Spaß und kein bisschen komisch. Die Kälte macht viele Menschen nämlich krank - psychisch und körperlich. Und es kostet Milliarden (Heizkosten, Straßenschäden, Bauwirtschaft, Arbeitsausfälle wegen Krankheit).

    Was ich als Laie dabei überhaupt nicht verstehe ist, warum das Aufeinandertreffen von warmem Wasser und kalter Luft über der Barent- und Grönlandsee dort zu einem Hochdruckgebiet führt (führen soll).
    Eigentlich würde ich denken, dass die Luft erwärmt wird und aufsteigt, was zu einem Tief führen sollte.

    Deprimierte Grüße.

    [Antwort:
    Dass sich ein Hoch bildet, geht in der Tat gegen unsere an mittleren Breiten geschulte Intuition, diese berechtigte Frage haben wir hier letztes Jahr schon beantwortet. Stefan Rahmstorf]

  5. Jens Christian Heuer Antworten | Permalink

    Wie war in vergangenen Warmzeiten?

    Sehr geehrter Herr Schindler,

    Vielleicht gab es damals ja keine so massive Eisschmelze in der Arktis wie heute? Womöglich sind es ja die Rußemissionen, welche entscheidend für das Ausmaß der heutigen Eisschmelze verantwortlich sind? Rußablagerungen fördern unmittelbar das Abschmelzen des Eises, denn sie machen das Eis dunkler. Durch das dann geringere Albedo (Rückstrahlvermögen) wird mehr Sonnenlicht absorbiert.
    Das könnte vielleicht eine Antwort auf Ihre zu Recht aufgeworfene Frage sein.

    Viele Grüße
    Jens Christian Heuer

  6. Frank Heinze Antworten | Permalink

    Traurig

    Traurig bei diesem Artikel ist wieder mal die antidiskurseinstellung des Autors. Obwohl er ausführlich die Thesen der Potsdamer zitiert und auch im Schlussabschnitt die grundsätzlichE Irrtumswahrsxheinlichkeit anspricht, konstatiert er den wissenschaftlichen Gegnern lediglich "platte Argumente", die "vom Tisch wischen wollen", was er für "blamabel" hält. Das ist pure Polemik, keine Wissenschaft.

    [Antwort: Lieber Herr Heinze, ich habe ein spezifisches Argument als platt bezeichnet und dies auch sachlich begründet. Das ist nach meinem Verständnis Diskurs und nicht Antidiskurs, oder? Stefan Rahmstorf]

  7. Martin Schindler Antworten | Permalink

    Eisgeschichte

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf, Sie schreiben:

    Lieber Herr Schindler, es gibt eine Rekonstruktion der arktischen Eisbedeckung, die bis ins Jahr 550 n. Chr. zurück reicht ...

    Die Rekonstruktion aus Proxydaten halte ich für abwegig.

    Gut belegt ist z.B., dass Wikinger-Siedlungen aus dem Mittelalter in Grönland gerade durch den Rückzug der Gletscher freigelegt werden. Um das Jahr 1000 (der Mittelalterlichen Warmzeit) muss es folglich in und um Grönland schon einmal wärmer gewesen sein als heute. Selbes gilt übrigens für die Alpengletscher.

    Auch die Warmzeit während der Römerzeit, vor ca. 2000 Jahren, ist durch Gletscherfunde in den Alpen, die gerade durch den Rückzug der Gletscher auftauchen, gut belegt.

    Selbes gilt für das Klimaoptimum des Holozän. Der Eismann Ötzi stammt z.B. aus dieser Zeit und tauchte jetzt durch die aktuelle Klimaerwärmung und durch Sahara-Staub, welcher auf dem Gletscher niederging und das Eis in der Sommersonne zum Schmelzen brachte auf.

    Zudem möchte ich auf diese Studie verweisen, welche das Klimaoptimum des Mittelalters und der Römerzeit in der Grönland-See gut belegt und aufzeigt, dass die Temperaturen dort früher höher lagen als heute.

    "Decadal variability of sea surface temperatures off North Iceland over the last 2000 years"

    http://tinyurl.com/bqyqa67

    Die Temperaturen im Klimaoptimum des Hölozäns lagen sogar weit über den heutigen Temperaturen, wie diese NATURE-Studie mit Eisdaten aus Grönland zeigt (Abb. c, unten).

    "Holocene thinning of the Greenland ice sheet"

    http://tinyurl.com/d8hspfd

    Somit sind die Warmzeiten nach der letzten Eiszeit, mit Temperaturen, die teils über den heutigen lagen, in und um Grönland gut belegt.

    Die Gletscherfunde in Grönland und den Alpen sprechen auch für sich.

    Folglich muss es während dieser Warmzeiten auch weniger, oder ähnlich wenig Meereis in der Arktis, wie heute gegeben haben. Alles andere wäre absurd.

    Somit komme ich auf meine Aussage zurück: wie erklären Sie sich - gemäß den von Ihnen aufgeführten Studien - eigentlich, dass es während der vergangenen Wärmzeiten (Klimaoptimum des Holozän, Römisches Klimaoptimum und Mittelalterliches Klimaoptimum) in der Arktis auch wärmer war - demzufolge es also auch weniger Meereis gab - wir in Europa und Deutschland aber keine strengen Wintereinbrüche hatten, sondern sehr milde Winter?

    Die Theorie passt für die Vergangenheit also nicht so recht.

    MfG

    Martin Schindler

    [Antwort: Lieber Herr Schindler - darüber, dass es in der ersten Hälfte des Holozän in nördlichen mittleren und hohen breiten wärmer war und weniger Eis gab, darüber sind wir uns einig. Alles andere wäre auch sehr verwunderlich angesichts der wesentlich stärkeren Sonneneinstrahlung im Sommer aufgrund der Milankowitsch-Zyklen.

    Uneins sind wir uns über die vergangenen 2000 Jahre. Folgt man Ihrem Link zu dem Sedimentkern vor Island, zeigt dieser nicht dass es damals wärmer war als heute, sondern etwa gleich warm. Bei den von mir oben genannten Studien wurden solche Proxydaten aus der ganzen Arktis zusammengestellt, Sedimentkerne, Eisbohrkerne etc, und nicht nur ein einzelner Sedimentkern herausgesucht. Ich halte das daher für wesentlich aussagekräftiger.

    Das mit den Alpengletschern ist auch ein häufig zu hörendes Skeptikerargument - sehen Sie z.B. meine Antworten auf Leserfragen aus dem Jahr 2003. Damals habe ich diese Frage einem norwegischen und einem Schweizer Gletscherforscher vorgelegt - beide sagten, die Gletscher in Norwegen und in den Alpen seien im Mittelalter größer gewesen als heute (bzw. vor zehn Jahren, als ich ihnen diese Frage stellte).

    Das stützt ja auch die Geschichte vom Ötzi: der verschwand im mittleren Holozän, vor circa 5.250 Jahren, unter Eis und blieb gefroren bis 1991. Wäre er zwischenzeitlich vom Eise befreit gewesen, wäre er verwest. D.h. im römischen oder mittelalterlichen Optimum war das Eis permanent da, das erst 1991 abgetaut ist. Und seither haben wir mehr al 20 Jahre weiteren starken Gletscherschwund in den Alpen erlebt. (Bei Studien zur Gletscherlänge müssen Sie darauf achten, welches Datum "heute" in diesen Arbeiten ist - sind sie schon etwas älter, sind die Gletscher seither weiter stark geschrumpft.) Stefan Rahmstorf]

  8. Martin Schindler Antworten | Permalink

    Nachtrag

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    ergänzend möchte ich noch auf die Weinanbaugeschichte in England hinweisen. Auch hier sind das Klimaoptimum während der Römerzeit und des Mittelalters gut belegt. Wein wurde nur während dieser Warmzeiten, zunächst von den Römern und dann von den Normannen, in England angebaut. Hätte es starke Wintereinbrüche im Frühjahr gegeben, wäre der Wein eingegangen. Am Vorstoß und Rückzug der Weinbaugrenze in Großbritannien lassen sich somit recht genau die Klimaschwankungen der letzten 2.000 Jahre zurück verfolgen.

    MfG

    Martin Schindler

    [Antwort: Weinanbau in England findet man heute noch weiter nördlich als im Mittelalter (und englischer Wein gewinnt internationale Preise). Wenn Sie also Weinanbau für einen guten Klimaproxy halten, dann spricht er dafür, dass es heute in England wärmer ist als damals. Stefan Rahmstorf]

  9. Alex Antworten | Permalink

    März ist Frühling

    und nicht Winter, meteorologisch zumindest.
    Die Eisausdehnung war die letzten Tage und Wochen im genannten Bereich fast normal, um es mal so zu formulieren, also kann die beschriebene Hypothese kaum funktionieren. Im Dez. und Jänner, als die Eisfläche deutlich unter dem Mittel lag, kamen ähnliche Wetterlagen kaum vor. Hier wird meiner Meinung nach versucht, kalte Witterung mit höchst zweifelhaften Theorien zu erklären. Außederm fehlt hier das Wesentlichste: warum soll ausgerechnet eine eisfreie Region in der Arktis Zyklogenese vermindern bzw. Antizyklonen generieren? Das widerspricht gängigen synoptischen Vorstellungen und wenn man ein Modell laufen lässt, wäre es gut, wenn man zeigt, wie das Modell aufgebaut ist bzw. wie es "gefüttert" wurde, bis die Ergebnisse der Theorie enstprechen?

    [Antwort: Das von Petoukhov und Semenov verwendete Modell ist das etablierte ECHAM5 Atmosphärenmodell des Hamburger Max-Planck-Instituts, Liu et al. verwendeten das NCAR-Modell des National Center for Atmospheric Research der USA. Was haben Sie für eine Vorstellung von Wissenschaft, wenn Sie schreiben, ein Modell werde "gefüttert, bis die Ergebnisse der Theorie enstprechen"? Diese Atmosphärenmodelle wurden einfach in Vergleichsexperimenten mit mehr bzw. weniger Eis in der Arktis als Randbedingung laufen gelassen, dies ist in den Papers natürlich transparent dokumentiert. Dabei kommt es über den eisfreien Flächen natürlich nicht permanent zu einem Hoch, sondern einfach nur häufiger als mit Eis - daher wird es auch trotz dieser Eislage weiterhin oft andere Wetterlagen geben, wo es bei uns relativ warm ist. Deswegen macht man ein Ensemble von Modellexperimenten - Liu et al. haben das Atmosphärenmodell 20mal laufen lassen und die Ergebnisse gemittelt, damit man trotz "Rauschen" des Wetters das Signal der häufigeren Hochdrucklagen statistisch gesichert feststellen kann. Stefan Rahmstorf]

  10. Markus Vering Antworten | Permalink

    Messdaten

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    etwas OT, evtl. auch nicht der "richtige" Artikel, aber trotzdem würde mich Ihre Meinung interessieren

    Die Augsburger Allgemeine berichtete am 27. 3. 2012 unter dem Titel "Uni Augsburg forscht auf der Zugspitze" über mögliche Messprobleme durch den Wechsel von alter auf neue Messtechniken:

    "...Der globale Klimawandel beschäftigt Wissenschaftler aus aller Welt seit vielen Jahren. Aber erst jetzt sind die Forscher auf ein Messproblem aufmerksam geworden. Es hängt mit einem Wechsel der Messtechnik bei den Wetterdiensten in den vergangenen Jahrzehnten zusammen. Kurz gesagt, kamen bei den alten Thermometern oft niedrigere Temperaturen heraus als bei den heutigen elektronischen Messungen. An der Universität Augsburg untersucht man das Phänomen genauer. ..."

    (http://www.augsburger-allgemeine.de/...601596.html)

    Wie schätzen Sie das ein?

    Mit freundlichen Grüßen

    Markus Vering

  11. V. Brunkhorst Antworten | Permalink

    Schweinezyklus

    Dass den Welt-Online-Lesern Gazprom-Propaganda als seriöse Klimaforschung verkauft und ihnen damit Angst vor einem Schweinezyklus gemacht wird - das hat schon was. Anscheinend kann sich Herr Kulke in der Welt-Redaktion alles erlauben. Traurig finde ich das vor allem für die vielen guten Journalisten, die heutzutage arbeitslos sind, und die sicher liebend gerne in seiner Position seriöse Berichte abliefern würden.

  12. Robert Kühn Antworten | Permalink

    Tja Hr. Vering,

    Sie zitieren hier die Meinung eines 71-jährigen Privatdozenten, der seine "Erkenntnisse" aus seiner Tätigkeit am Fliegerhorst Lagerlechfeld gewonnen hat.
    Hätten Sie den Artikel in der von Ihnen als Quelle erwähnten Regionalzeitung bis zu Ende gelesen, wären Sie auf die Aussage seines Chefs (Prof. Jacobeit an der Uni Augsburg) gestoßen, wörtliches Zitat aus diesem Artikel:

    Wer angesichts der Messprobleme nun generell am Klimawandel zweifelt, dem sagt Professor Jacobeit: „Der Klimawandel ist Fakt. Die wissenschaftliche Kontroverse dreht sich nur um die Frage, wie groß der Anteil des Menschen daran ist.“

    Prinzipiell geht es bei der o.a. Untersuchung lediglich um die bekannte Vorgehensweise, beim Wechsel eines Masssystems (hier die Temperatur-Sensorik) parallele Messungen durchzuführen um Sprünge in den Datenreihen zu eliminieren.

    Was also wollten Sie hier aussagen, etwa, dass die Klimaforscher zu blöd sind, die Temperaturdaten aus unterschiedlichen Messsystemen zu korrelieren?

  13. Alex Antworten | Permalink

    Re: Rahmstorf

    Alex März ist Frühling 29.03.2013, 15:58

    "füttern" ist freilich nicht der wissenschaftliche Ausdruck, sollte in diesem Zusammenhang aber auch von Wissenschaftern richtig verstanden worden sein. Man verändert also die Randbedingung Meereisfläche da und dort. Ok, warum nicht, wurde auch so verstanden. Das Ensemble Mittel aus 20 od. mehr Rechenläufen zeigt also eine positive p Anomaly bei weniger Eisfläche. Tja, ich bin erstaunt, auch weil Ensemblemittel nicht mal zur groben Witterungsvorhersage geeignet sind, wie auch, es gibt praktisch keinen Fall nach welchem sich der Zustand der Atmosphäre entlang dem Mittel der Rechenläufe bewegt. Die genannten Studien zeigen also nichts neues und widersprechen sogar den Analysen der GWL Statistik. Die genannten GWL zeigen über die letzten 5 Dekaden keine Zunahme.

  14. Neven Antworten | Permalink

    Dezember und Jänner

    Im Dez. und Jänner, als die Eisfläche deutlich unter dem Mittel lag, kamen ähnliche Wetterlagen kaum vor.

    Vielleicht nicht in Deutschland, aber schon in Russland und China. Und vergiss Sandy nicht.

    Ötzi, Wikinger-Siedlungen auf Grönland und Weintrauben in England sind ein ganz schlechter Beweis dafür dass es zwischen den frühen Holozän und jetzt auch Zeiten gegeben hat wo es gleich warm im Arktis war und es also weniger Meereis gegeben hat, aber 'wir' in 'Deutschland' trotzdem keine strengen Wintereinbrüche hatten (ist das so?).

    Und der große Unterschied zwischen den frühen Holozän oder Atlantikum und jetzt ist dass die Arktische Erwärmung damals vor allem im Sommer stattfand, aber jetzt auch oder sogar vor allem im Winter stattfindet (z.B. dieser Winter), weil es nicht von Milankowitsch-Zyklen verursacht wird, sondern von extra Treibhausgase die auch im Winter Strahlung absorbieren und reflektieren.

    Das hat wieder Folgen für die Temperaturdifferenz zwischen Äquator und Nordpol, was sehr wahrscheinlich Konsequenzen für den Jetstream hat und sehr möglich zu Blockade-Wetterlagen wie die derzeitige führt.

    Und das ist ein der Gründe dass Arktisches Meereis auch für 'uns' in 'Deutschland' wichtig ist.

  15. Martin Schindler Antworten | Permalink

    Eisgeschichte II

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf, Sie schreiben:

    Das stützt ja auch die Geschichte vom Ötzi: der verschwand im mittleren Holozän, vor circa 5.250 Jahren, unter Eis und blieb gefroren bis 1991. Wäre er zwischenzeitlich vom Eise befreit gewesen, wäre er verwest. D.h. im römischen oder mittelalterlichen Optimum war das Eis permanent da, das erst 1991 abgetaut ist.

    Wie gesagt, nicht nur die Klimaerwärmung war hier verantwortlich, sondern auch der Sahara-Staub, der sich auf den Gletscher niederlegte und das Eis in der Sommersonne zum Schmelzen brachte, so dass Ötzi zum Vorschein kam. Das ging seinerzeit durch die Presse. Heute liegt an der Ötzi-Fundstelle und auch darunter wieder Eis und Schnee.

    http://tinyurl.com/bpyt62d

    Gletscherfunde, die heute noch aus den sich zurückziehenden Gletschern in Grönland und den Alpen auftauchen, zeigen, dass es - zumindest an diesen Orten - im Klimaoptimum der Römerzeit und des Mittelalters wärmer gewesen muss.

    Weiter schreiben Sie:

    Weinanbau in England findet man heute noch weiter nördlich als im Mittelalter ...

    Das ist nicht korrekt. Heute wird Weinbau vor allem im Süden Britanniens betrieben. Mit viel Idealismus, in geschützter Lage, mit neunen Rebensorten und moderner Technik wird sogar ein kleiner Weinberg in Yorkshire betrieben (Leventhorpe Vineyard). Damit reicht die Weinanbaugrenze ähnlich weit nach Norden wie im Mittelalter, bzw. wie zur Römerzeit. Der einzige Unterschied. Damals war alles noch Handarbeit und man hatte keine große Auswahl an Rebsorten, keine Pflanzenschutzmittel und keinen Industriedünger.

    Zudem möchte ich auf direkte Eisbeobachten vor Island hinweisen, also dort wo das Eis die Arktis verlässt, die bis in das Jahr 1150 zurückreichen. (Fig. 1.2 und 1.3).

    http://www.dmi.dk/dmi/sr05-02.pdf

    Auch hier gab es einige Phasen mit weniger Meereis als heute.

    Folglich hätte es während dieser Warmzeiten, mit wenig Meereis, auch zu winterlichen Kälteeinbrüchen in Nordeuropa und Deutschland kommen müssen. Das ist mir jedenfalls nicht bekannt.

    @Heuer

    Sie schreiben:

    Vielleicht gab es damals ja keine so massive Eisschmelze in der Arktis wie heute? Womöglich sind es ja die Rußemissionen, welche entscheidend für das Ausmaß der heutigen Eisschmelze verantwortlich sind?

    Selbiges müsste man dann auch in der Antarktis und bei den Gletschern beobachten können. Die Gletscherfunde aus den Klimaoptimum der Römerzeit und des Mittelalters, sowie die Meereiszunahme in der Antarktis sprechen hier eine andere Sprache. Zudem geht die Luftverschmutzung seit den 1980er Jahren stark zurück.

    MfG

    Martin Schindler

    [Antwort: Lieber Herr Schindler, was die Eisbedeckung angeht vertraue ich wie gesagt eher auf die quantitativen Rekonstruktionen für die Arktis, die in den letzten Jahren in Nature und Science erschienen sind, als auf anektdotische Evidenz. Die Zeitreihe der Eissichtungen von Island aus ist interessant - aber eben nur ein einziger Punkt und stark windabhängig. Aber selbst wenn Sie Recht hätten: Sie haben bislang keinerlei Belege genannt, die zeigen würden, dass in denen von Ihnen angenommenen früheren Zeiten mit wenig Eis nicht auch solches Winterwetter in Europa aufgetreten ist wie in den vergangenen Jahren. Das wäre auch sehr schwierig wegen der nötigen hohen zeitlichen Auflösung, denn die letzten Winter waren im Mittel ja recht durchschnittlich (siehe meinen vorigen Artikel). Sie müssten also Proxydaten finden, die innerhalb eines Winters kalte Phasen von nur einigen Wochen belegen könnten. Stefan Rahmstorf]

  16. Reinhard Koehrer Antworten | Permalink

    @Martin Schindler

    Sie drehen sich argumentativ allmählich ziemlich im Kreis.

    Zu der Ötzi-Geschichte: Natürlich mag - neben der Klimaerwärmung - auch der Saharastaub eine gewisse Rolle gespielt haben. Man fragt sich allerdings, warum sich diese Klima/Staub-Konstellation erst in unseren Tagen und nicht in den fünftausend Jahren vorher ereignet hat. Wie Herr Rahmstorf richtig anmerkte, hätte Ötzi kaum "überlebt", wäre er schon früher einmal vollständig aufgetaut. Wenige Tage an der freien Luft, und die bakteriellen Fäulnisprozesse hätten irreparable Arbeit geleistet.

    Zum mittelalterlichen Weinbau in England: Nicht nur dort, sondern auch an vielen anderen Orten wurden damals Weine angebaut, deren Qualität jedoch jeder Beschreibung spottete. Selbst an der bayerischen Donau wurden vor Jahrhunderten Weine gekeltert, mit denen während der Landshuter Fürstenhochzeit die öffentlichen Brunnen gefüllt wurden. Damals entstand die Geschichte vom "Drei-Männer-Wein" (einer, der ihn trinken musste, und zwei, die den von Krämpfen geschüttelten Trinker dabei festhielten bzw. stützten).

    Es ist jedenfalls kein unbedingt stichhaltiges Proxy, die nördliche Weinbaugrenze mit klimatischen Gegebenheiten in Korrelation zu setzen, da die Qualitätsunterschiede von damals zu heute gravierend waren. Was hingegen leicht feststellbar ist, dass in Frankreich und Deutschland zunehmend mediterrane Rebsorten auf dem Vormarsch sind. Seit einigen Jahren wird sogar diskutiert, die an relativ gemäßigte Temperaturen angepassten Sorten (wie sie zum Beispiel in der Champagne beheimatet sind) nach England "auszulagern", um die Champagner-Grundweine dort herzustellen. Eine Menge diesbezüglicher Informationen bietet der Wikipedia-Artikel "Folgen der globalen Erwärmung für den Weinbau".

  17. Jan Bösenberg Antworten | Permalink

    Klimafolgen Online

    Sehr geehrter Herr Rahmsdorf,

    vielen Dank für die Informationen. Sind denn die beschriebenen Erkenntnisse schon in den Prognosen für Deutschland, die man unter KlimafolgenOnline betrachten kann, enthalten? Dort wir ja für Winter und Frühjahr stets eine stärkere Erwärmung als für Sommer und Herbst für den größen Teil Deutschlands prognostiziert. Ist diese Vorhersage unter Berücksichtigung der genannten Zusammenhänge noch zu halten oder schon überholt?

  18. Toni Erlbacher Antworten | Permalink

    Blockierendes Hoch

    [Die globale Erwärmung versteckt sich hinter der Abkühlung]
    Mir gefällt der Ausspruch, weil ich damit veränderte Meeres-/Luftströmungsmuster, die Mitteleuropa betreffen, assoziiere.

  19. Thomas Jordi Antworten | Permalink

    Meteorologenschelte

    Ich finde den Seitenhieb gegen uns Meteorologen am Ende des Abschnitts für unangebracht. Ich spiele den schwarzen Peter mal zurück und sage, dass wir Meteorologen vieles ausbaden, was die Klimatologen verbockt haben. Klimaforschung ist in der Tat nicht die Kerndisziplin des Meteorologen, dass aber die Medien immer an uns Wetterfrösche gelangen, ist wohl eher der mangelhaften Öffentlichkeitsarbeit der Klimaforscher zuzuschreiben.
    Herr Rahmstorf, Sie haben doch genug Erfahrung mit der Medienwelt um zu wissen, wie so ein Gespräch abläuft. Ziemlich sicher wird der DWD-Mann das „platte Argument“ benutzt haben, um die Suggestivfrage des Journalisten abzuwehren. Diese hat sehr wahrscheinlich etwa so gelautet: „Wenig Meereis, gleich kalte Winter. Wird nun also jeder Winter in Deutschland kalt?“ Und wie Sie selber gemerkt haben, geht es um „veränderte Wahrscheinlichkeiten“ und nicht einen 1:1 direkten Zusammenhang mit unmittelbarer Wirkung. In diesem Kontext ist das Argument gar nicht mal so platt. Zumal es NICHT ZITIERT ist. Der Herr Friedrich weist lediglich auf den Umstand hin, dass Wetter und Witterung nicht Klima sind. Alles korrekt, oder gibt es in der Klimaforschung das Prinzip des stochastischen Wetterrauschens nicht mehr? Wissen Sie, ich bin Meteorologe und kenne mich leider mit Klimaforschung nicht so gut aus, gut möglich also, dass die Klimaforscher das nun behaupten.

  20. Martin Schindler Antworten | Permalink

    Frage zum Winter 2007/2008

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    abschließend hätte ich noch eine Frage.

    2007 hatten wir ein Rekordminimum an Meereis in der Arktis. Der Winter 2007/08 war in Deutschland aber ausgesprochen mild. Der Winter 2007/08 war mit einer durchschnittlichen Temperatur von 2,9 Grad Celsius (°C) der sechstwärmste Winter seit 1901. Er lag um 2,7 Grad über dem vieljährigen Klimawert von 0,2°C.

    Warum hatten wir in jenem Winter, trotz Meereisminimum in der Arktis, keine starken Frosteinbrüche?

    MfG

    Martin Schindler

  21. H. Müller Antworten | Permalink

    Athmosphärenmodelle

    Guten Tag,

    ich zitiere: "Diese Atmosphärenmodelle wurden einfach in Vergleichsexperimenten mit mehr bzw. weniger Eis in der Arktis als Randbedingung laufen gelassen,..."

    Meine Frage: Bilden die Modelle damit auch die kälteren Winter der 60-er Jahre vorigen Jh. korrekt ab?

  22. H. Müller Antworten | Permalink

    Hochs und Tiefs

    Ich zitiere:
    "Dass sich ein Hoch bildet, geht in der Tat gegen unsere an mittleren Breiten geschulte Intuition, diese berechtigte Frage haben wir hier letztes Jahr schon beantwortet."

    Intuition? Das ist wohl nach wie vor gängige Lehrmeinung in der Meteorologie.
    Ist dieser Euphemismus hier nicht etwas unangebracht?

    Ebenso unverständlich das Postulat, dass weniger Eisbedeckung sommers diese Druckgebiete im folgenden Winter beeinflusst. Solche Kausalitäten suchen doch die Meteorologen seit Jahrzehnten für Langfristaussagen -und fanden sie nicht.

    Mir wird das alles immer unverständlicher.

  23. Markus Antworten | Permalink

    Widersprüche?

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf, einerseits greifen Sie den Sprecher des DWD an und bezeichnen seine Aussage, dass der gesamte Winter - auf Grund des Eisverlustes - hätte kalt sein müssen und bezeichnen diese Aussage als "plump". Andererseits schreiben Sie aber auch, dass sich Warm- und Kaltphasen weiterhin abwechseln werden, da das "stochastische Wettergeschehen" nicht außer Kraft gesetzt wird. Wenn dem so ist, warum können Sie sich so sicher sein, dass die aktuelle Kaltphase tatsächlich ein durch den Eisverlust hervorgerufener Effekt ist, und keine Veränderung auf Grund natürlicher Ursachen? Immerhin erwähnen Sie auch, dass die Studien "Hinweise" liefern, aber noch keinesfalls bewiesen sind, oder sogar wieder in Frage gestellt werden könnten. Es wäre nett, wenn Sie diese Widersprüche auflösen würden. Danke.

    [Antwort: Ich kann keinen Widerspruch erkennen. Die Aussage meines Beitrages ist: es gibt konkrete Hinweise aus Modellen und aus Beobachtungsdaten, dass der Meereisschwund eine Wetterlage wie in diesem März begünstigt und damit häufiger macht. Damit ist weder behauptet, dass diese Wetterlage nun ständig auftritt (jeden Winter, oder andauernd über den gesamten Winter), noch würde ich behaupten, dass das Wetter in diesem März mit Sicherheit durch den Eisschwund verursacht wurde. Das ist die berühmte Würfelanalogie, die wir seit vielen Jahren bei jeder Gelegenheit erläutern: wenn Sie mit einem gezinkten Würfel, der häufiger eine 6 würfelt, eine einzelne 6 würfeln, dann können Sie selbstverständlich nicht sicher sein, dass diese 6 dadurch enststand, dass der Würfel gezinkt ist. Stefan Rahmstorf]

  24. Mario Götz Antworten | Permalink

    Was passiert mit Grönland?

    Lieber Herr Rahmstorf,
    vielen Dank für die Zusammenfassung. Wenn diese Wetterlagen häufiger auftreten, könnte es dann sein, dass sich durch die Temperaturerhöhung rings um Grönland der dortige Eisschild schneller zurückziehen könnte, als bisher berechnet? Oder sind die Temperaturen immernoch so niedrig, dass eine Erhöhung um bspw. 8°C die Temperaturen immernoch weit unter null hält, wie dies in der zentralen Antarktis der Fall ist? Gibt es hierzu uU bereits Erkenntnisse/Modellrechnungen/Paper?
    Vielen Dank!
    Mario Götz

  25. J. Radefahrt Antworten | Permalink

    Grober Fehler.

    Herr Rahmstorf,

    Die drei von Ihnen angesprochenen Studien beziehen sich auf die Abhängigkeit der Geopotenziale bei 500 mb von der Eisbedeckung und nicht des Luftdrucks von selbiger ansich. Mit diesem Irrtum stiften Sie leider Verwirrung.

    Beide Größen (GPH und SLP) haben nur mittelbar miteinander zu tun. Insbesondere das Grönland-Hoch kann sich durchaus bei sehr geringer GPH ausbilden und auch die Tiefdruckgebiete sind nicht zwangsläufig an sie gebunden.

    Ich würde Sie im Interesse der Verständlichkeit und der Korrektheit bitten, dies zu korrigieren.

    Abgesehen davon ergaben sich die von Ihnen in Szene gesetzten Großwetterlagen in Häufigkeit und Intensität durchaus zu Zeiten, als die Meereisbedeckung weitaus höher war, beispielsweise ca. 50 bzw. ca. 100 Jahre zurück.
    Man kann dies mittels Durchsicht entsprechender Rekonstruktionen bestätigen.

    In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, in wie weit sind die Modelle in der Lage, diese belegbaren Szenarien der Vergangenheit nachzubilden?
    Gelingt das nicht, halte ich die Modelle für nicht ausreichend und demzufolge die entsprechenden Studien für wenig aussagekräftig.

    MfG Jörg Radefahrt.

    [Antwort: Sie werfen mir hier einen "groben Fehler" vor und fordern eine Korrektur, ohne offenbar die Papers angeschaut zu haben: Liu et al. untersuchen den Zusammenhang mit dem Luftdruck auf Meeressniveau, ebenso Jaiser et al. und Petoukhov und Semenov. Letztere zeigen Karten für unterschiedliche Höhen in der Atmosphäre (1000, 850, 700, 250 100 hPa), um zu belegen, dass sich das Signal durch all diese Höhenstufen hindurch zeigt. Ich bitte darum, hier in den Kommentaren sachlich fundiert zu argumentieren und sich mit haltlosen Vorwürfen zurückzuhalten. Danke, Stefan Rahmstorf]

  26. H. Müller Antworten | Permalink

    Erwärmung auch im Winter, @Neven

    Zitat:"Und der große Unterschied zwischen den frühen Holozän oder Atlantikum und jetzt ist dass die Arktische Erwärmung damals vor allem im Sommer stattfand, aber jetzt auch oder sogar vor allem im Winter stattfindet (z.B. dieser Winter), weil es nicht von Milankowitsch-Zyklen verursacht wird, sondern von extra Treibhausgase die auch im Winter Strahlung absorbieren und reflektieren."

    Sie sehen da tatsächlich die im Winter in Polnähe vernachlässigbare Sonnenstrahlung als Hauptgrund? Klingt alles andere als überzeugend.

  27. Herr Dredd Antworten | Permalink

    ZDF Wetterredaktion mit falschen Infos

    Zum Punkt "Rolle der Medien" bei der Darstellung des langen Winters dieses Jahr:
    Heute Mittag beim ZDF Mittagsmagazin ist mir die Kinnlade runtergefallen als ZDF Wetterfrontmann Tarik El-Kabbani folgendes in die Fernsehkamera sagte: "Und Klimaforscher sind immernoch relativ unentschieden, ob sich die schwankende Sonnenintensität sogar auf unser Klima hier auf der Erde auswirkt, sogar auf die Wolkenbildung."
    Danach zeigte er einen bizarr anmutenden Film, der damit anfing "Sie kennen ja bereits die Sonnenflecken" und damit suggerierte, die Sonnenflecken seien für die derzeitige Frühlingsverspätung hauptverantwortlich... Von Öl&Kohle-Lobby gesponsert?

  28. Thorsten Seifert Antworten | Permalink

    Falsche Berichterstattung im mdr

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    hiermit möchte ich Ihnen mitteilen, dass im mdr Ihre Theorie als "Unsinn" bezeichnet wurde.

    http://www.readers-edition.de/...-3-am-29-03-2013/

    Ich persönlich halte das für eine Anmaßung von Herrn Globig. Können Sie dem nicht etwas entgegnen?

    Danke!

  29. Werner Kohl Antworten | Permalink

    Rekonstruktionen vs. Beobachtung

    Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,

    Sie schreiben:
    "was die Eisbedeckung angeht vertraue ich wie gesagt eher auf die quantitativen Rekonstruktionen für die Arktis, die in den letzten Jahren in Nature und Science erschienen sind, als auf anektdotische Evidenz."

    Ist dies so zu verstehen, dass archäologische Befunde als anekdotisch beiseite gewischt werden, wenn sie nicht zu Ihrem Klimamodell zu passen scheinen? Eine "quantitative Rekonstruktion" basiert doch sicherlich auf einem Modell zur Datierung und zur Eichung/Kalibrierung von Messgrößen. Ist ein Modell daher Ihrer Auffassung nach der Beobachtung vorzuziehen?

    Es ist doch sicherlich nicht nur eine Anekdote, dass Archäologen in Grönlands Permafrost Wikingergräber und Siedlungsreste freigelegt haben (z.B. http://tinyurl.com/d8fscoj ).
    Ich glaube nicht, dass solche Funde einfach beiseite gewischt werden können - genau wie die der Baumreste, die in den letzten Jahrzehnten von den Alpengletschern freigegeben wurden. Diese Bäume wuchsen beispielsweise während der Römerzeit an Stellen, die heute von Gletschern bedeckt sind. Prof. Schlüchter (Uni Bern) und Prof. Patzelt (Uni Innsbruck) sind Ihnen doch sicherlich ein Begriff (z.B.http://tinyurl.com/d8jrmn7 ).
    Es lässt sich m.E. nicht wegdiskutieren, dass es während des Holozäns Phasen gab, während der sich die Gletscher weiter als heute zurückgezogen hatten. Der Zustand der Gletscher alleine ist daher wohl kein hinreichender Indikator für eine anthropogene Erwärmung.

    Zu Ihrer Erklärung der derzeitigen Großwetterlage als Folge einer Klimaerwärmung bzw. des Rückgangs des arktischen See-Eises:

    Ich habe mir noch nicht genügend Zeit genommen, um das von Ihnen vorgetragene Modell näher würdigen zu können. Aus einem ganz bestimmten Grund bin ich jedoch etwas skeptisch.
    In der Vergangenheit gab es einige Prognosen darüber, was uns infolge einer katastrophalen Erwärmung bevorsteht. Beispielsweise sollte es kaum mehr Fröste oder gar Schnee in Mitteleuropa mehr geben. Das wurde alles in wunderbaren Modellen durchgerechnet und plausibel dargestellt. Jetzt kommt es genau umgekehrt - und wieder gibt es ein wunderbares Modell, das das jetzige Wetter erklärt.
    Für das naive Publikum klingt das so (und genau in diesem Tenor habe ich eine Reihe von Kommentaren vernommen): Wird es warm, so ist das ein Indikator für die CAGW, wird es kalt, dann ebenso. Wird es feucht, ...
    Diese Einschätzung ist zwar zu einfach gedacht, verdeutlicht aber, dass es hier möglicherweise ein Glaubwürdigkeitsproblem gibt, vielleicht als Folge ungenügender Kommunikation.

    Anders ausgedrückt:
    Voraussetzung für wissenschaftliche Hypothesen bzw. Theorien ist die Falsifizierbarkeit ihrer Aussagen und Schlussfolgerungen. Ergeben sich im Experiment bzw. der Beobachtung Widersprüche zu den Prognosen, so ist die Theorie falsch. Mein Eindruck (bitte korrigieren Sie mich, falls ich mich irre) ist, dass bei der Klimaforschung in einem solchen Fall weitere Annahmen dem Modell aufgepfropft werden, um die aktuelle Diskrepanz zu beseitigen. Mit jedem weiteren Aufpfropfen wird das Modell hässlicher und weniger konsistent. Passt beispielsweise der Temperaturverlauf nicht mit dem Verlauf der CO2-Konzentration zusammen, dann wird überlegt, an welchem Parameter man "drehen" bzw. welchen man einführen könnte, um im Nachhinein wieder alles passend zu machen (Beispiel: Ruß in China).
    Durch diese Maßnahmen wird m.E. das Prinzip der Falsifizierbarkeit untergraben.

    Mein Eindruck ist, dass man noch weit davon entfernt ist, eine geschlossene Klima-Theorie zu entwickeln. Daher sollte m.E. der öffentliche Eindruck vermieden werden, dass eine echte Prognosefähigkeit - auch nur für wenige Jahrzehnte - gegeben sei und dass die Klimatologen von keinem Phänomen der letzten Jahre überrascht worden seien.

    Modelle können ein wertvolles Werkzeug zum Verständnis der Vorgänge und Einflussfaktoren darstellen. Bevor einem Modell aber eine Prognosetauglichkeit zugestanden werden kann, muss dieses validiert sein. Meines Wissens nach ist dies bisher bei keinem Klimamodell gelungen. Oder täusche ich mich?

    Dazu meine Frage:
    Haben Sie das oben in Ihrem Artikel vorgestellte Modell anhand der letzten Jahrzehnte verifiziert? Eine ein- oder zweimalige Koinzidenz hat eine nur beschränkte Aussagekraft.

    [Antwort: Lieber Herr Kohl, ich bezweifle ja gar nicht, dass es während des Holozäns wärmere Phasen (vor allem in hohen und mittleren Breiten der Nordhalbkugel) gab als heute. Ich glaube allerdings, dass z.B. eine Wikingersiedlung an der Westküste und Südküste Grönlands nicht viel darüber aussagt, ob es auf dem arktischen Ozean insgesamt mehr oder weniger Meereis gab.

    Was die Klimamodelle angeht: die sind natürlich vielfältig validiert, nicht nur was das heutige Klima und seinen Jahresgang angeht, sondern natürlich gehört es zum Standard, mit solchen Modellen auch die Klimaentwicklung der letzten 100 Jahre oder 1000 Jahre nachzurechnen und mit Beobachtungsdaten zu vergleichen. Die Ergebnisse solcher Validierung finden Sie ausführlich z.B. in den IPCC-Berichten diskutiert. Konkret für den Fall des Zusammenhangs von Eisbedeckung, Luftdruckanomalien und Kaltluft in Europa zeige ich ja die Datenauswertungen von Liu et al. und Jaiser et al., die anhand von Beobachtungsdaten zeigen, dass der zunächst im Modell gefundene Zusammenhang auch in der Realität auftritt.

    In meiner Arbeitsgruppe nutzen wir stark Paläoklimadaten zur Modellvalidierung, zum Beispiel die drastischen Klimaänderungen der letzten Eiszeit. Ich würde zB nur einem Modell für die Zukunft vertrauen, dass auch die Eiszeiten realistisch reproduziert.

    Ich weiß nicht, wo Sie jemals gehört haben, es werde jetzt kaum mehr Fröste oder Schnee in Mitteleuropa geben. Bei ungebremsten Treibhausgasemissionen wird das gegen Ende des Jahrhunderts der Fall sein, sicher. Denn dann haben wir bei uns im Mittel 6 °C oder mehr Erwärmung, genug, um nur noch selten unter Null zu kommen. Aber jeder, der einmal die Schwankungen der Wintertemperaturen von Jahr zu Jahr angeschaut hat (z.B. in meinem letzten Beitrag) sieht doch sofort, dass es auch derzeit - nach nur ca. 1 °C Erwärmung - noch kalte Winter geben muss, da die Schwankungen schon in der Winter-Mitteltemperatur von einem Jahr zum nächsten ohne weiteres 5 Grad oder mehr betragen können. Stefan Rahmstorf]

  30. Werner Kohl Antworten | Permalink

    Eisrückgang infolge von Ruß

    Sehr geehrter Herr Heuer,
    wollten Sie mit "Rußablagerungen fördern unmittelbar das Abschmelzen des Eises" zum Ausdruck bringen, dass der Rückgang des arktischen See-Eises möglicherweise nicht durch den postulierten CO2-bedingten Temperaturanstieg bedingt ist, sondern durch pure Umweltverschmutzung?

    Dieses Problem wäre dann relativ einfach dadurch lösbar, dass man die Emissionen von Ruß und ähnlichen Teilchen reduziert.

    Übrigens findet man per Google durchaus eisbedeckte Regionen mit Ruß-Eintrag, z.B. in Grönland:
    http://www.dmi.dk/dmi/640_snavset_is_groenland.jpg
    http://blogs.dw.de/...ghin_GreenlandMeltStream.jpg

    MfG
    Werner Kohl

    [Antwort: Rußablagerung macht des Eis zweifellos dunkler und trägt damit zum Abschmelzen bei, weil mehr Sonnenstrahlung absorbiert wird. Die Fachdiskussion geht hierbei natürlich nicht um ein Entweder/Oder, sondern um die Frage: welchen Anteil hat der Ruß? (Siehe z.B. hier). Auf jeden Fall ist die Bekämpfung der Rußemissionen (z.B. durch Schiffe in der Arktis aber auch den Rußeintrag aus entfernten Quellen außerhalb der Arktis) vordringlich, weil das nicht nur dem Eis und dem Klima nützt sondern weil die Rußemissionen zudem noch gesundheitsschädlich sind. Stefan Rahmstorf]

  31. Werner Kohl Antworten | Permalink

    IPCC-Szenarien

    Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,
    sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich bezüglich der Validierung der Klimamodelle nachhake.

    Kürzlich ging der Leak des AR5 (Final Draft) durch die Presse. Fig. 1.4 des Einführungskapitels
    http://tinyurl.com/csts3xj
    zeigt einen Vergleich der Messwerte mit den Prognosen von AR1 bis AR4.
    Dieser Vergleich stimmt mich eher pessimistisch in Bezug auf die Validierung der IPCC-Modelle. Deren Temperatur-Szenarien scheinen den zu erwartenden Temperaturanstieg im 21. Jhdt. zu übertreiben.

    Im Summary for Policymakers
    http://tinyurl.com/cs5w98p
    wird der zu erwartende Temperaturanstieg auch deutlich vorsichtiger als zuvor eingeschätzt (S. 13, Zl. 46-49):

    "By mid-21st century, the rate of global warming begins to be more strongly dependent on the scenario. For RCP4.5, 6.0 and 8.5, global mean surface air temperatures are projected to at least likely exceed 2°C warming with respect to preindustrial by 2100, and about as likely as not to be above 2°C warming for RCP2.6"
    Diese Werte liegen niedriger als die von Ihnen prognostizierten 6°C.

    Wie beurteilen Sie diese neuen IPCC-Szenarien?

    Mit freundlichen Grüßen
    Werner Kohl

    [Antwort: Lieber Herr Kohl, bezüglich der Grafik 1.4 würde ich empfehlen, die fertige Version abzuwarten und nicht eine Entwurfsfassung zu diskutieren, bei der direkt dabei stand, dass noch Änderungen zu erwarten sind. Eine ähnliche Analyse - die aber bereits begutachtet und publiziert wurde - finden Sie in diesem Paper. Dort wird gezeigt, dass der beobachtete Temperaturanstieg fast genau in der Mitte des Vorhersagekorridors der beiden letzten IPCC-Berichte liegt. Vorübergehende Abweichungen enstehen durch natürliche kurzfristige Schwankungen (v.a. durch El Niño), die ja in den IPCC-Szenarien auch nicht vorhergesagt werden und daher bei einem fairen Vergleich auch nicht einbezogen werden sollten.

    Meine Angabe von 6 Grad Erwärmung in Deutschland bis 2100 ist konsistent mit den IPCC-Szenarien; bedenken Sie, dass Landgebiete sich deutlich stärker erwärmen als der globale Mittelwert, in den natürlich stark der kühler bleibende Ozean eingeht. Stefan Rahmstorf]

  32. J. Radefahrt Antworten | Permalink

    @Herr Rahmstorf.

    Ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Sie haben Recht, ich war unsachlich.

    Zwei Probleme habe ich jedoch noch anzmerken:
    (1) Pethousov:
    Sie verwenden hieraus die Grafik der GPH bei 850hPa. Dazu die Bildunterschrift Figure 3 (Sie verwenden daraus Teil 'h'): "...(g–i) same as Figures 3a–3c but for the geopotential height at 850 hPa (Z850, in gpm)..."
    Wäre hier nicht die Grafik der GPH bei 1000hPa besser gewesen (Figure 4 b), damit man der SLP-Anomalie relativ nahe kommt?

    Auch wenn im Paper mehrere Geopotenziale verwendet werden, sind diese nur bedingt (mittelbar) mit dem Bodendruck verbunden und unter Anderem auch von vertikaler Konvektion abhängig.
    Beide Größen können korrelieren, müssen das aber nicht. Warum sollte man sonst kombinierte Karten bestehend aus Isobaren und Isohypsen erstellen?

    (2) Jaser et. al.:
    Ich nehme an, diese Grafik sollte aus Figure 9 im Paper stammen. Wenn dem so ist, würde ich gern wissen, aus welcher Quelle die von Ihnen gewählte Grafik stammt. Die Unterschiede vom Original (mehrere Bezugsquellen überprüft) zu der Ihrigen Grafik sind nicht von der Hand zu weisen. Anderenfalls (also falls nicht Figure 9) bitte ich Sie um Aufklärung, welche Grafik Sie genutzt haben.

    Wenn Sie zu dieser Grafik schreiben: Die folgende Grafik zeigt aus dieser Analyse die Luftdruckverteilung im Winter oder auch Man sieht, dass wenig Eis mit Hochdruck in der Arktis korreliert, dann suggerieren Sie (ich hoffe unbewusst) die Existenz einer Verschiebung bzw. "Verankerung" von Drucksystemen. Das ist offensichtlich falsch, da es sich in den entsprechenden Grafiken generell um eine Anomalie handelt. Das bedeutet, dass Hochdruckgebiete stärker ausfallen, Tiefdruckgebiete hingegen weniger intensiv, was aber mit der tatsächlichen Verteilung der Zyklone und Antizyklone rein gar nichts zu tun hat.
    Sie erzeugen dadurch ein nicht korrektes und demzufolge verwirrendes Bild. Hier müssten Sie tatsächlich nachbessern.

    Nebenbei schließen Liu et al. die Rolle der AO nicht aus, sie weisen ihr nur eine geringe Bedeutung zu (ca. 8% Einfluss). Eigenartigerweise wurde die Aussage dieser Arbeit im Winter 2011/12 ad absurdum geführt. Das war ein schneearmer Winter in der nördlichen Hemisphäre und zeigt, dass der Einfluss der AO wahrscheinlich größer ist als von Liu et al. angenommen, denn in besagtem Winter war die AO positiv, was aber entsprechend der Aussage der Liu et al. Studie nur einen minimalen Einfluss hätte haben können.
    Möglicherweise ist das Seeeis ein Faktor, der den eigentlichen AO-Effekt um Größenordnungen verstärkt, was den vorherigen Winter 2011/12 durchaus mit in das Gesamtbild bringen würde.
    Diese Interaktion wiederum, und darauf gehen Liu et al ebenfalls ein, ist perspektivisch zu überprüfen.
    "Better understanding of interactions between the diminishing Arctic sea ice and dominant modes of climate variability (i.e., NAO/AO, El Niño) and natural chaotic variability of the general circulation is a fertile area for further research, given the potential to improve seasonal forecasts."

    MfG Jörg Radefahrt.

    [Antwort: Es handelt sich um Abb. 2b aus Jaiser et al., die den sea level pressure zeigt als Differenz zwischen Phasen niedriger und hoher Eisbedeckung. Sie haben Recht, dass die ganze Diskussion um Anomalien in Temperatur und Druckverteilung geht, also Abweichungen vom langjährigen Mittel - alle Grafiken in dem Beitrag zeigen solche Anomalien. Sorry, wenn ich das nicht klarer gesagt habe - für uns Forscher ist das nahezu selbstverständlich. Stefan Rahmstorf]

  33. Werner Kohl Antworten | Permalink

    Temperaturverlauf, Meeresspiegelanstieg

    Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,
    besten Dank für Ihre Erläuterungen und für den Link auf Ihr Paper.

    Ein wenig überrascht bin ich, dass hier auch während der letzten Dekade ein Temperaturanstieg zu verzeichnen ist. Datensätze wie HadCRUT3, HadCRUT4, GISTEMP LOTI, BEST, CRUTEM4 oder HASSST2 zeigen doch seit über 10 Jahren eine Stagnation an. Ich dachte, diese Stagnation sei inzwischen Konsens zwischen den Klimaforschern.

    Von welchen Datensätzen der Temperaturaufzeichnungen sind Sie ausgegangen?
    Ihrer Erläuterung zufolge haben Sie, wenn ich das richtig verstanden habe, kurzzeitig variable Einflüsse – Sonne (TSI?), vulkanische Aerosole sowie ENSO - quasi als Störgrößen aus den Temperaturdaten eliminiert.
    Laut Bob Tisdale (http://bobtisdale.wordpress.com/) kann man aber ENSO nicht als kleine Störgröße eliminieren, da ENSO eine dominierende Einflussgröße sei. Ist das, was er in seinem Buch "Who Turned On The Heat?" schreibt, alles Quatsch?

    Was mir auch etwas Magengrimmen bereitet, ist die Anpassung der Temperaturdaten überhaupt. Diese Anpassung wurde in Ihrer Publikation für die letzten 3 Dekaden durchgeführt. Sämtliche historische Aufzeichnungen wurden aber unkorrigiert publiziert. Wie kann man dann überhaupt einen Vergleich zwischen der aktuellen Temperaturentwicklung und den vorhergehenden Aufzeichnungen anstellen? Werden da nicht Äpfel mit Birnen verglichen?
    Wurde die Eliminierung dieser Störgrößen auch in den IPCC-Modellen von AR1 bis AR4 durchgeführt - und auch in gleicher Weise? Andernfalls wäre m.E. der Vergleich zwischen Modellen und korrigierter Messung ebenfalls höchst problematisch.

    In Ihrem Paper steht weiterhin über den Anstieg des Meeresspiegels:
    "The rate of sea-level rise of the past few decades, on the other hand, is greater than projected by the IPCC models".
    Sie geben als neuen Wert 3.2 +/- 0.5 mm/Jahr an und verweisen darauf, dass der AR4 einen Wert von 2.0 mm/Jahr annimmt.
    Jedoch finde ich in Kap. 5.5.2.2 des AR4 (http://tinyurl.com/crgdrtr) einen Wert von 3.1 +/- 0.7 mm/Jahr.
    Das passt doch gut zusammen, oder habe ich etwas übersehen?

    MfG
    Werner Kohl

    [Antwort: Lieber Herr Kohl, Sie führen hier lauter Argumente von den Klimaskeptikerwebsites ein - aber das ist OK, es sind Sachargumente. Zur Temperatur: wir haben alle fünf verfügbaren globalen Temperaturdatenreihen (Land+Ozean) ausgewertet (ich glaube das Paper ist open access, Sie können das dort alles genau nachlesen): HadCRUT3, GISTEMP, NCDC und die beiden Satellitenreihen. Wir haben darüber auch gebloggt: hier.

    Zum Meeresspiegel: da liegt offenbar ein Missverständnis vor (ja, das wird auch von Skeptikerwebsites so verbreitet): wir vergleichen in dem Paper die Projektionen des IPCC mit Beobachtungsdaten. Die von Ihnen zitierten 3.1 mm/Jahr sind die Beobachtungsdaten, über die wir natürlich keinerlei Differenzen zum IPCC haben, es sind dieselben Satellitendaten - aber dieser beobachtete Trend liegt eben deutlich höher als der vorhergesagte. Stefan Rahmstorf]

  34. Gast Antworten | Permalink

    Erwärmung auch im Winter @ H. Müller

    Zitat: "Sie sehen da tatsächlich die im Winter in Polnähe vernachlässigbare Sonnenstrahlung als Hauptgrund? Klingt alles andere als überzeugend."

    Nein, er meint die Abstrahlung von der Erde die von den Treibhausgasen absorbiert wird und bewirkt das die Arktis im Winter weniger stark abkühlt als früher.

  35. Werner Kohl Antworten | Permalink

    Vergleich (nicht) korrig.Temp.-reihen

    Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,
    ein wenig bin ich schon von Ihrer Antwort enttäuscht.

    Der Hinweis darauf, dass meine Argumente bzw. Fragen bereits auf irgendwelchen Skeptiker-Seiten gebracht worden seien, lässt meinen Kommentar ein wenig unanständig erscheinen. Abgesehen davon, dass ich diese Fragen für legitim halte, wird es mir vermutlich kaum gelingen, Argumente bzw. Fragen zu bringen, die zuvor noch niemand gebracht hätte. Immerhin bin ich zwar an der Klimaforschung hochgradig interessiert, allerdings kein Experte darin. Deshalb sind für mich Antworten von wirklichen Experten hochwillkommen.

    Danke jedenfalls für die Auflösung des Missverständnisses bezüglich des prognostizierten Meeresspiegelanstiegs.

    Eine Antwort auf den wichtigsten Punkt vermisse ich leider. Ich zitiere ihn nochmals:

    "Was mir auch etwas Magengrimmen bereitet, ist die Anpassung der Temperaturdaten überhaupt. Diese Anpassung wurde in Ihrer Publikation für die letzten 3 Dekaden durchgeführt. Sämtliche historische Aufzeichnungen wurden aber unkorrigiert publiziert. Wie kann man dann überhaupt einen Vergleich zwischen der aktuellen Temperaturentwicklung und den vorhergehenden Aufzeichnungen anstellen? Werden da nicht Äpfel mit Birnen verglichen?
    Wurde die Eliminierung dieser Störgrößen auch in den IPCC-Modellen von AR1 bis AR4 durchgeführt - und auch in gleicher Weise? Andernfalls wäre m.E. der Vergleich zwischen Modellen und korrigierter Messung ebenfalls höchst problematisch."

    Wie gelingt Ihnen ein plausibler Vergleich Ihres korrigierten Temperaturverlaufs mit nicht korrigierten Messreihen bzw. Modellen?

    Besten Dank für Ihre Informationen!

    Mit freundlichen Grüßen
    Werner Kohl

    [Antwort:Lieber Herr Kohl, die IPCC-Szenarien enthalten keine Prognose dafür, wann ein El Niño oder La Niña auftreten wird. Deshalb sollte man für einen fairen Vergleich von Prognose mit Beobachtungsdaten den Effekt von El Niño vorher aus den Beobachtungsdaten entfernen. Stefan Rahmstorf]

  36. Alex Antworten | Permalink

    kein Zusammenhang

    wenn nun die relativ kleine Kara See od. andere, im "1% - Bereich" angesiedelte Flächen der NHK gröbere Auswirkungen auf den Polajet bzw. die Zyklonen und Antizyklonen der nördlichen Breiten hätten, dann gilt das genau so gut für alle Regionen der NHK, exkl. den Tropen vielleicht.
    Etwas mehr Schnee da oder dort od. eben weniger zu gewissen Jahrezeiten, veränderte Niederschlagsmuster etc. kommen ebenso zur Frage wie vieles andere.
    Die Eisflächen der Kara See usw. sind recht gut über einige Dekaden dokumentiert, ebenso die GWL Europas.
    Wenn nun eine Häufung genannter Lagen über die letzten 2 Dekaden im Vergleich zu denen davor festzustellen wäre, könnte man den Ansatz hier weiter diskutieren. Nur existiert hier keine Häufung und damit ist das ganze hier mehr als nur zweifelhaft.

    MfG

    Alex Omms

  37. Martin Schindler Antworten | Permalink

    Update (16.4.)

    Sehr geehrter Prof Rahmstorf,

    bzgl. des Updates ...

    Update (16.4.): ... und auch der Winter 2008 war mit +3,0 °C außergewöhnlich warm. Danach eine solche Prognose zu stellen wie die Kollegen Petoukhov und Semenov war durchaus mutig - sie konnten zu dem Zeitpunkt nicht ahnen, wie sehr gleich der Winter 2009/2010 und die dann folgenden ihre These stützen würden.

    ... möchte ich anmerken, der Winter 2008/2009 (vor dem Paper, welches erst im Nov. 2009 eingereicht wurde) war um -0,5°C in Deutschland zu kalt.

    MfG

    Martin Schindler

    [Antwort: Laut den von mir im letzten Post gezeigten und verlinkten Daten des DWD lag der Winter 08/09 mit -0,2 °C sehr nahe am Mittelwert der Datenreihe (-0,35 °C). Das Paper wurde also nach zwei besonders warmen und einem durchschnittlichen Winter publiziert - die mediale Diskussion über kalte Winter wurde ja auch erst durch die Kälte im Winter 2009/2010 ausgelöst - keinesfalls kann man also behaupten, Petoukhov und Semenov hätten darauf mit ihrem Paper reagiert, weil es ja vor diesem Winter schon fertig war. Stefan Rahmstorf]

  38. Martin Schindler Antworten | Permalink

    Winter 2008/2009 um -0,5°C zu kalt

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    Sie schreiben:

    Laut den von mir im letzten Post gezeigten und verlinkten Daten des DWD lag der Winter 08/09 mit -0,2 °C sehr nahe am Mittelwert der Datenreihe (-0,35 °C).

    Das ist nicht Korrekt. Der DWD schreibt zum Winter 2008/2009:

    Insgesamt lag die Durchschnittstemperatur der drei Monate, gemittelt für ganz Deutschland bei -0,3 Grad Celsius (°C) und damit um rund 0,5 Grad unter dem vieljährigen Klimamittelwert von 0,2°C. Anders als in den letzten beiden Wintern blieben längere milde Witterungsperioden aus. Stattdessen gab es zwei bemerkenswerte Kältewellen. ...

    http://tinyurl.com/bllj9wu

    Erst danach, im Nov. 2009, wurde das Paper von Petoukhov et. al. eingereicht.

    MfG

    Martin Schindler

    [Antwort: Der DWD benutzt als Referenz den Mittelwert über rezente 30 Jahre, die ja auch schon von der Erwärmung beeinflusst sind - dabei ist z.B. das Wintermittel über 1981-2010 schon 0,6 Grad Celsius wärmer als das über 1961-1990. So oder so war 2008/09 nah am Mittelwert, während die beiden Winter davor mit +4,4 und +3,0 Grad extrem warm waren. Stefan Rahmstorf]

  39. Oliver Tamme Antworten | Permalink

    Artikel "Nature Geoscience"

    Lieber Herr Rahmstorf,

    Wie kommentieren sie die Studie (von Pinto/Reyers/Woolings/Gregory/Brayshaw mit der Kernthese: "Je stärker die Abnahme der warmen Meeresströmungen (in den einzelnen Modellen) war, desto mehr nimmt die Intensität der Tierfdruckgebiete über dem östlichen Nordatlantik zu"

    Weiters: "Der Polarjet der oberen Atmosphäre verschiebt sich nach Osten, die tiefer gelegenen Tiefdruck-Sturmgebiete folgen der Höhenströmung".

    Ich habe mich sehr über deren Ergebnisse gewundert und ich versuche sie für mich zu plausibilisieren. Nach meiner Beobachtung scheint doch das genaue Gegenteil einzutreten (weniger arktisches Meereis - Abschächung des LD-Gradienten - vermehrt Blocking-Lagen - Umlenkung der TD-Systeme nach Norden und in den Mittelmeerraum)

  40. Patrick Flege Antworten | Permalink

    Sommer-eisfreie Arktis

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf

    Erst einmal vielen Dank für diesen Artikel und generell, für diese hervorragende Blog ( Mein zweitliebster Klimablog nach Realclimate).

    Eine Frage: Wann wird die Arktis ihrer Meinung nach zum ersten Mal im Sommer eisfrei sein? Namhafte Experten (Peter Wadhams) sagen meinem Wissenstand nach, eine "eisfreie Arktis" (Sommereis) schon im Sommer 2015/2015 voraus. Würde Sie dem zustimmmen?

    Was wären die Folgen eines solche Abschmelzens für die Erderwärmung? Wadhams hat ja eine Aussage getätigt, dass eine sommereisfreie Arktis equivalent zu 20 Jahren unserer Kohlendioxidemissionen wäre, was sich ja ungefähr in 40 ppm umsetzt,und, soweit ich richtig gerechnet habe einem Strahlungswert von 0,6 W/m² entspräche. Wie sehen Sie als Experte die Wirkung eines Abschmelzens? (Sollten Sie diese Fragen bereits aderswo hier beantwortet haben, entschuldige ich mich).

    Mit freundliche Grüßen

    P. Flege

    [Antwort: Lieber Herr Flege, Wadhams markiert hier sicherlich das eine Extrem in der Bandbreite der Experteneinschätzungen. Wann die Arktis tatsächlich erstmals eisfrei sein wird, kann derzeit niemand zuverlässig vorhersagen. Stefan Rahmstorf]

  41. Stefan Tritschler Antworten | Permalink

    aktuelle Wetterlage

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf !

    Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Wetterlage und den Behauptungen von dem russischen Astronom Khabibullo Abdusamatow vom Pulkovo-Observatorium in St. Petersburg.
    Er sagt, dass 2013/2014 die neue "kleine Eiszeit" beginnt.
    Hintergrund ist die veringerte Energieabstrahlung der Sonne.
    Im Voraus vielen Dank für eine Antwort.

    Mit freundlichen Grüßen

    Stefan Tritschler

    [Antwort: Nein! Stefan Rahmstorf]

  42. Lars Dominik Antworten | Permalink

    Maikälte

    Nun hat sich ja das kalte und sehr regenreiche Wetter mit Ausnahme weniger Tage bis Ende Mai fortgesetzt. Kann man die kalte Witterung auch aktuell auf den Rückgang des Meereises in der Arktis beziehen? Hängt es wie schon 2009 von Petoukhov beschrieben, mit quasistatischen Rossby-Wellen zusammen?
    Wäre in diesem Fall nicht ein eindeutiger Zusammenhang von Wetter und Auswirkungen des Klimawandels gegeben?

  43. Stefan Tritschler Antworten | Permalink

    aktuelle Wetterlage

    Von jemandem wie Ihnen hatte ich mehr erwartet als ein Nein auf meine Antwort.
    Vielleicht muss ich meine Frage anders stellen. Warum sagt die eine Seite, dass sich das Klima erwärmt und die anderen sprechen von einer Abkühlung.
    Was mich auch wundert, beide Seite können es wissenschaftlich belegen.
    Und was hat es mit den Sonnenflecken auf sich, die für unsere Wärme oder Kälte auf der Erde verantwortlich sind ??
    Dieser Zyklus soll dieses Jahr seinen Höhepunt erreichen und dann soll die Erde abkühlen. Wie kommt denn einer zu
    so einer Aussage wenn es nicht stimmt wie Sie es sagen ??

    [Antwort: Hier eine ausführlichere Antwort: Welche Rolle spielt die Sonne? Stefan Rahmstorf]

  44. Toni Erlbacher Antworten | Permalink

    "Komisches" Wetter

    Aus lokaler Sicht in nordseitiger Salzburger Gebirgstallage waren die ersten 5 Monate des Jahres 2013 schon äußerst ungewöhnlich.
    Der Jänner viel zu warm mit viel Regen bis auf 1000 m NN. Februar halbwegs normaler Winter, aber die ganz streng-kalten Tage haben gefehlt. Die nicht kommen wollende Frühlingserwärmung im März, und jetzt im Mai wieder diese kalte, langandauernde Nordwest-Strömung mit Schnee bis auf 1000m herunter. DAS ist ganz und gar nicht das "normale" Klima in unserem Gebirgsbecken. Es sind irgendwelche Umbrüche am Werk, garantiert.

  45. Oliver Tamme Antworten | Permalink

    Seit einigen Jahren ist die NAO/AO quasi in Permanenz im negativen Modus (wurden hier nicht schon "historische Rekorde gebrochen?). Damit einher gehen jene langwierigen, hartnäckigen Troglagen (auffallend seit 2007 mit seinem historischen Minimum beim arktischen Meereis), zu deren Auswirkunge ich auch die das 2013er-"Jahrhunderthochwasser" zähle. Die Zirkulation auf der Nordhalkugel ist gestört. Der Jetstream mäandert und greift vor allem im Nordatlantik vermehrt in den Süden aus und bleibt über Wochen, Monate quasipersistent. Zonale Großwetterlagen treten nur mehr vereinzelt auf. Nun meine Frage: Kann man die natürliche Schwankung von NAO/AO und den Klimawandeleinfluss durch den abnehmenden N-S-Temperaturgradient der sich in den vermehrt auftretenden stehenden Rossby-Wellen äußert auseinanderhalten. Bzw. ist diese außergewöhnliche Häufung meridionaler Wetterlagen noch in einem natürlichen, statistischen Korridor oder lässt sich hier schon die Systematik eines neuen Klimamusters erkennen bzw. nachweisen?

  46. Jürgen Tallig Antworten | Permalink

    Westwinddrift und Polarwirbel

    Durch die extrem starke Erwärmung der Arktis hat sich doch der Temperatur- und Druckunterschied zu den mittleren Breiten stark verringert, der in der planetarischen Frontalzone abgebaut und umgelenkt wird. Deshalb anhaltend schwache Westwinddrift, negativer AO und NAO-Index und instabiler Polarwirbel (Jetstream).
    Islandtief und Azorenhoch gibt es doch schon garnicht mehr. Die zirkulation ist deshalb völlig verändert. Und die kalte Polarluft wird nicht mehr zurückgehalten, durch die West-Ost-Strömung, sowohl bodennah, als auch in der Troposphäre, ständige Nordströmung nachwievor und nach Süden verschobener
    Tiefdruckgürtel.
    Ich verweise auf meinen Artikel "Vom Wetter zum "Un"Wetter", den ich Ihnen zugesandt habe (Prof. Rahmstorf)

  47. Jürgen Tallig Antworten | Permalink

    Vom Wetter zum "Un"Wetter

    Eiseskälte im Frühjahr und die jetzigen Hochwasserkatastrophen sind zwei Seiten einer Medaille. Die gesamte atmospärische Zirkulation ist nachhaltig verändert.
    Mein Artikel erscheint in der Juli-Ausgabe
    von "Umwelt-aktuell". Ich würde ihn auch hier gerne hier zur Diskussion stellen, weiß aber nicht, wie ich ihn importiert kriege.

  48. Dennis Antworten | Permalink

    das frage ich mich auch mit dem Winter 2007/2008 oder auch 2011/2012. Im Dezember 2011 war ein gesunder Polarwirbel vorhanden, das hätte ja wenn die Theorie von oben stimmt nicht sein dürfen, da hätte es ja dann kalt sein müssen mit gestörter Zirkulation. Dass es dann im Februar eine Ostlage gab und dies mit der Eisschmelze in Zusammenhang zu bringen das finde ich fragwürdig. Eigentlich hätte es im Dezember schon kalt sein müssen, war es aber nicht.

    Und der Winter 2011/2012 war ein Westwinter, das ändern auch die 3 Wochen Kälte nicht.

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