Preis für Klimablogger

19. Oktober 2011 von Stefan Rahmstorf in Allgemein

Die American Geophysical Union (AGU) ist die weltweit größte Organisation von Geowissenschaftlern, mit über 60 000 Mitgliedern in 148 Ländern. Dieses Jahr vergibt sie erstmals einen neuen Preis, den mit 25.000 US$ dotierten Climate Communication Prize. And the winner is ... unser NASA-Kollege Gavin Schmidt.

Gavin ist der führende Kopf des Realclimate Blogs, den er 2004 mit einer Gruppe von Kollegen (einschließlich des Autors dieser Zeilen) aus der Taufe gehoben hat. Realclimate hat bereits mehrere Preise gewonnen und kann wohl ohne Übertreibung als der weltweit führende Klimaforscher-Blog bezeichnet werden; die Zahl der Seitenaufrufe hat 14 Millionen überschritten.

Gavin Schmidt ist über den Blog hinaus bekannt durch Auftritte in Funk und Fernsehen in den USA und auch durch ein Klimabuch, das er zusammen mit dem Fotografen Josh Wolfe herausgegeben hat. Wer einen Beitrag von Gavin auf deutsch lesen will: die KlimaLounge veröffentlichte 2008 seinen Artikel Was war los im Jahr 536 n.Chr.?

Die AGU will mit dem neuen Preis Forschern den Rücken stärken, die sich im öffentlichen Diskurs engagieren.

AGU created this award to raise the visibility of climate change as a critical issue facing the world today, to demonstrate our support for scientists who commit themselves to the effective communication of climate change science, and to encourage more scientists to engage with the public and policy makers on how climate research can contribute to the sustainability of our planet,

sagt AGU-Präsident Michael McPhaden dazu. Die AGU setzt damit auch ein Zeichen gegen Versuche, Klimawissenschaftler zu diskreditieren, die sich öffentlich äußern. Während es etwa für einen Lungenexperten unproblematisch ist, öffentlich auf die Risiken des Rauchens hinzuweisen (oder gar vom Rauchen abzuraten), gelten für Klimaforscher offenbar andere Maßstäbe. Wer öffentlich auf die Gefahren unserer CO2-Emissionen für das Klima hinweist und etwa Emissionsreduktionen empfiehlt, wird rasch als "politisch" oder als "Aktivist" abgestempelt - und die wissenschaftliche Objektivität und Glaubwürdigkeit damit unterschwellig angezweifelt. Dabei ist es für eine sachlich fundierte öffentliche Debatte wichtig, dass sich auch die zum Thema kompetenten Wissenschaftler daran beteiligen.

Dass öffentliche Diskussion und speziell das Bloggen - trotz des unbestreitbaren Zeitaufwandes - der wissenschaftlichen Exzellenz keineswegs entgegen stehen, sieht man übrigens nicht nur an der hervorragenden Publikationsbilanz von Gavin Schmidt, sondern auch sonst bei Realclimate: unter den Autoren des Blogs sind z.B. gleich vier Fellows der AGU. (Die AGU zeichnet jährlich maximal ein Tausendstel ihrer Mitglieder für besondere wissenschaftliche Leistungen mit dem Titel Fellow aus.)

Gavin Schmidt selbst sagt zu dem Preis:

I hope that this can serve as an encouragement for more scientists to dip their toe into the public discussions.

Wer sich also ermuntert fühlt und sich einmal am Bloggen versuchen möchte: wir sind immer offen für Gastbeiträge (und auch für regelmäßige Mitarbeiter)!

p.s. In eigener Sache, auch zum Thema Wissenschaftsvermittlung: kürzlich ist mein neues Buch Wolken, Wind & Wetter in der Reihe Kinderuni bei DVA erschienen. Mehr dazu hier.

Foto Credit: Das Porträt von Gavin Schmidt ist von Bruce Gilbert

Links

Realclimate: A well deserved honor
AGU Pressemitteilung


4 Kommentare zu “Preis für Klimablogger”

  1. Gunnar Antworten | Permalink

    Herzlichen Glückwunsch

    von meiner Seite aus. Schön zu sehen, dass hier das Bloggen als ein probater Weg der Allgemeinbildung verstanden wird.

  2. Wetterfuzzi7 Antworten | Permalink

    Aktivisten

    Also einige Forscher würde ich schon als Aktivisten bezeichenen. GISS-Direktor Jim Hansen wurde ja bei Protesten vor einem Kohlekraftwerk verhaftet.

    [Antwort: Einverstanden: wer an Aktionen gegen Kohlekraftwerke teilnimmt, den kann man sachlich begründet als Aktivisten bezeichnen. Aber wenn Klimaforscher als Aktivisten abgestempelt werden, die noch nie an einer Klimaschutzaktion beteiligt waren und sich lediglich mit ihrer fachlichen Expertise in den öffentlichen Diskurs einbringen (etwa in Blogs), dann ist das einfach ein Diffamierungsversuch. Stefan Rahmstorf]

  3. Franz Neuhold Antworten | Permalink

    Aktivismus: Konsequenz der Wissenschaft

    Mr. Hansen macht das Richtige! Es ist nur konsequent, sein persönliches Handeln den erarbeiteten Erkenntnissen folgen zu lassen.

    Überdies: was machen Klimawandel-Leugner, wenn sie bloggen oder Journalisten belagern? Warum soll dies kein Aktivismus sein?

    Gratulation an Mr. Schmidt - ich lese seine realclimate-Beiträge sehr gern!

  4. Franz Zuber Antworten | Permalink

    Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,

    Wenn Herr Prof. Schellnhuber vom Anstieg der "Globaltemperatur" im 20. Jahrhundert von 14.5 auf 15.3 Grad Celsius spricht, und wenn Sie selbst vom 2-Grad Ziel der Begrenzung des Globaltemperaturanstiegs durch Einschränkung der CO2 Emissionen sprechen, können Sie mir bitte mitteilen auf Basis welcher "offiziellen", das heisst referenzierbaren Definition einer allseits anerkanten wissenschaftlichen Institution (z.B. IPCC, UNEP, WMO, DWD, PIK, NAS, ...) die "Globaltemperatur" definiert ist.

    Vielen Dank und freundliche Grüsse

    Franz Zuber

    [Antwort: Lieber Herr Zuber, es handelt sich um den (natürlich flächengewichteten) globalen Mittelwert der bodennahen Lufttemperatur. Die Details der Berechnung sind jeweils von den Instituten beschrieben, die diese Datenreihen herausgeben, u.a. die NASA: http://data.giss.nasa.gov/gistemp/ Stefan Rahmstorf]

Einen Kommentar schreiben

Dies ist eine moderierte Diskussion. Wir behalten uns vor, Kommentare gar nicht oder gekürzt zu veröffentlichen, um die Diskussion für unsere Leser möglichst relevant und interessant zu gestalten.


× 4 = sechszehn