Weltrettung: der Comic!


Können wir es noch schaffen, die globale Erwärmung auf höchstens 2 Grad zu begrenzen – und wenn ja, wie? Die dazu nötige Transformation unserer Wirtschafts- und Lebensweise ist bereits angelaufen (bei weitem nicht nur in Form der deutschen Energiewende) und wird jeden betreffen. Wie diese Transformation gestaltet werden kann hat technologische, ökonomische, politische und kulturelle Dimensionen.

Wer wissen möchte, was etwa der Ingenieur Jürgen Schmid, der Kulturwissenschaftler Claus Leggewie oder der Entwicklungsexperte Dirk Messner dazu zu sagen haben, der musste bislang zu dem seit seinem Erscheinen 2011 heiß diskutierten 400-Seiten-Wälzer Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation greifen. Doch jetzt hat der Jacoby & Stuart Verlag das Werk als spannenden und unterhaltsamen Comic aufbereitet.

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Beides – das dicke Gutachten und der Comic – sind entstanden aus der Arbeit des Wissenschaftlichen Beirats globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU). Das ist ein Gremium aus neun Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen, die vom Bundeskabinett ernannt werden (ich selbst bin seit 2004 dabei - siehe meinen KlimaLounge-Beitrag dazu). Der WBGU berät die Bundesregierung zu Fragen des globalen Wandels, und seine Gutachten sind das zentrale Produkt dieser Beratung (und natürlich frei als Download erhältlich).

Das Besondere an diesen Texten ist, dass sie nicht einfach nur die Sichtweisen der einzelnen Forscher darstellen, sondern Resultat eines intensiven, mehrjährigen Recherche- und Diskussionsprozesses sind, über alle Disziplingrenzen hinweg. Der WBGU holt Expertisen ein, organisiert Anhörungen anderer Experten, seine wissenschaftlichen Mitarbeiter werten systematisch die Fachliteratur aus, und wenn nötig geht der Beirat auch auf Reisen, um sich vor Ort zu informieren.

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Im Comic beleuchten die Mitglieder des WBGU die verschiedenen Dimensionen der kommenden Großen Transformation – einem spannenden Wettlauf der Menschheit gegen die knappe Zeit, die die Physik des Klimas uns noch lässt. Für die Rahmenhandlung zu „meinem“ Kapitel im Comic haben die Autoren sich übrigens von der KlimaLounge inspirieren lassen, von meinem Beitrag über unser Meeresspiegelprojekt auf den Outer Banks von Carolina.

Die Umsetzung des WBGU-Gutachtens in ein Comic wurde vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Hier kann der Comic bestellt werden.

Updates: Hier ein Info-Radio-Beitrag zum Comic!

Und die Süddeutsche, der Tagesspiegel, die BZ, und Berliner Morgenpost.

Der Comic ist von der Deutschen Umweltstiftung zum Umweltbuch des Monats gekürt worden!

19. Juli: Der WBGU-Comic ist unter den nominierten Büchern für das "Wissenschaftsbuch des Jahres 2013" (in der Kategorie "Überraschung – Das Buch, das ein Thema am originellsten anpackt"). Hier können Sie mit abstimmen!

p.s. Noch etwas Aktuelles aus der Forschung: In unserem neuen Paper bei PNAS belegen wir eine wichtige Rolle der planetaren Wellen in der Atmosphäre bei den starken Wetterextremen des letzten Jahrzehnts. Erstautor Vladimir Petoukhov erläutert das hier im Interview. Die Extreme (z.B. der "Jahrhundertsommer" 2003 in Europa) kommen dadurch zustande, dass sich diese Wellen durch Resonanz aufschaukeln. Die Resonanzbedingungen ergeben sich aus der Theorie der planetaren Wellen - wie anhand der Wellengleichung im Paper erläutert. Die Auswertung der Wetterdaten der letzten Jahrzehnte legt nahe, dass diese Resonanzbedingungen immer öfter erfüllt sind, weil sich bei der globalen Erwärmung die Arktis rascher erwärmt als die mittleren Breiten.

Das Paper ist hier (open access) und ein erklärender Artikel für Laien hier (auf englisch).

 

 

 

 

 

 

 

 


7 Kommentare zu “Weltrettung: der Comic!”

  1. Stephan Fleischhauer Antworten | Permalink

    Bisher kaum Resonanz

    Von Spiegel online oder taz hätte ich ja eine Meldung erwartet zu den neuen Erkenntnissen bezüglich der Rossby-Wellen. Die Welt berichtet immerhin.

    [Antwort: Die internationale Resonanz ist schon sehr groß, sicher kommt auch noch einiges, wenn das Paper publiziert ist (ich rechne damit für morgen). Stefan Rahmstorf]

  2. Lars Fischer Antworten | Permalink

    Rossby-Wellen...

    Ich hatte beim Lesen der Pressemitteilung zum neuen PNAS-Paper ein kleines Déjà-vu-Erlebnis. Auf die ganze Geschichte mit der Wanderungsgeschwindigkeit der Rossby-Wellen bin ich schon bei meinen Recherchen für einen entsprechenden Artikel letzten August gestoßen. Insofern war mir das sooo neu nicht.

    Ist das Paper jetzt quasi die Veröffentlichung dessen, was Vladimir Semenov mir letzten Sommer erzählt hat, oder geht es darüber hinaus?

    [Antwort: Das Paper hat schon rund zehn Jahre Vorlauf - Vladimir Petoukhov ist die Sache mit den planetaren Wellen schon nach dem "Jahrhundertsommer" 2003 aufgefallen und er hat damals die Resonanz-Theorie dazu ausgearbeitet. Wir konnten das damals aber nicht durch den peer review bekommen, weil wir nur zwei Datenpunkte hatten, die Elbeflut 2002 und den Rekordsommer 2003. Inzwischen sind ja viele ähnliche Ereignisse hinzugekommen und die Zeit war reifer für eine Publikation, weil auch andere Kollegen inzwischen ihre Aufmerksamkeit diesen Wellen zugewandt haben. Die Idee erscheint heute nicht mehr so abwegig wie vor zehn Jahren und ging diesmal glatt durch den Review! Stefan Rahmstorf]

  3. Patrick Felge Antworten | Permalink

    Aber ist das überhaupt noch möglich?

    Die Idee einer großen Transformation ist ja schön und gut, aber kann man die positiven Rückkopplungen überhaupt noch aufhalten (Methan-Ausstoß etc)?

    Dieser Artikel : http://arctic-news.blogspot.ie/...n-one-human.html argumentiert, dass aufgrund der bereits in Gang gesetzten Mechanismen eine katastrophale Entwicklung nicht mehr verhindert werden kann. Haben die Argumente dieses Artikels Bestand?

  4. Wizzy Antworten | Permalink

    Nachdenkliches

    Hm, irgendwie verleiht so ein Comic mir ein mulmiges Gefühl.

    Einerseits habe ich große Achtung vor Ihrer Arbeit und begrüße natürlich ethische Überlegungen.

    Andererseits kann ich den Gedankengang Axel Bojanowskis (den ich ansonsten wegen zahlreicher tendenziöser Darstellungen nicht so gerne lese) in seinem jüngsten Artikel durchaus nachvollziehen, dass das Comic einen politischen Aktivismus offenbart, der zumindest im Prinzip als einer objektiven Forschungshaltung abträglich wahrgenommen werden kann. Immerhin gibt es nicht wenige _politische_ Akteure, die objektive Fakten (sehr) selektiv handhaben.

    Insofern besteht meines Erachtens bei politischer Einflussnahme - also welche Handlungsoption zu empfehlen sei anstatt einer möglichst neutralen Darlegung, was uns in diesem oder jenem Fall erwarten würde - tendentiell ein Glaubwürdigkeitsproblem.

    Andererseits natürlich kritisiert man heute Wissenschaftler, die z.B. zur Entwicklung der Atombombe beitrugen, obwohl dies eine politische Entscheidung war. Die Abwägung der wissenschaftlichen Neutralität mit Fragen der Ethik ist also keineswegs leicht, daher kann ich Ihre Vorgehensweise auch sehr gut nachvollziehen.

    [Antwort: Es geht bei der wissenschaftlichen Politikberatung (und übrigens auch in unserem Comic) ja gerade darum, Handlungsoptionen aufzuzeigen (zum Beispiel in dem Technologie-Kapitel mit dem Ingenieur Jürgen Schmid) und auch die Konsequenzen verschiedener Pfade darzulegen, zum Beispiel die klimatischen Folgen verschiedener Emissionspfade oder die Kosten von Emissionsreduktionen (im Kapitel mit der Ökonomin Renate Schubert), damit die Politik und Gesellschaft auf Basis möglichst solider Informationen ihre Entscheidungen treffen können. Wir treten ja nicht für eine Expertokratie ein sondern im Gegenteil für mehr Demokratie und Bürgerbeteiligung - was natürlich auch einen transparenten und offenen Dialog zwischen Bürgern und Experten erfordert, zu dem unser Comic oder auch dieser Blog beitragen soll. Es gibt natürlich immer einige, denen es lieber wäre, wenn die Wissenschaftler den Mund halten würden (meist weil ihnen nicht gefällt, was wir sagen) - wer als Wissenschaftler dieser Meinung ist, kann ja gerne danach leben. Ich teile sie nicht und würde mich freuen, wenn sich viele andere Kollegen viel stärker an der öffentlichen Diskussion beteiligen würden! Stefan Rahmstorf]

  5. Martin Herzog-Witten Antworten | Permalink

    Energiewende nicht mit CCS blockieren

    Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Menschen in diesem Land sehr engagiert und erfolgreich die dezentrale Energiewende in Angriff nehmen (z.B. Aktion des BUND: Energiewendebürger). Die Politik unternimmt nun alles, um sie auszubremsen. Da zeigt sich aber, wo das eigentliche Problem liegt: Es ist nicht die fehlende Technik, sondern der fehlende Wille letztendlich der Energiekonzerne, die sich in der IEA ein Werkzeug zur Gestaltung der Europapolitik geformt haben, dies herbeizuführen. Tatsache ist, dass die EU-Kommission derzeit ein Papier der IEA umsetzen will, welches uns ab 2020 240 neue Kohlekraftwerke mit zweifelhafter CCS-Technik, zusätzlicher CO2 Belastung durch EGR und EOR mit CO2, ein riesiges höchst anfälliges Pipelinesystem und massenhafter CO2-Verpressung aufdrücken wird, wenn jetzt nicht was ganz Entscheidendes passiert. Ich fordere sämtliche Wissenschaftler auf, diesen Irrsinn zu verhindern. Es ist beschämend, dass ihre Berufskollegen sich auf die Bürgerbewegungen ansetzten lassen und sogenannte "Akzeptanzforschung" betreiben, wenn es um CCS geht. Die veranschlagten Investitionen (ca. 1 Billion €) und zusätzliche wettbewerbsverzerrende Fördermaßnahmen zur Sicherstellung der Rendite für die gesteigerte Fortführung des Kohlebergbaus (...Teersande, Fracking....)mit all seinen nicht mehr zu tolerierenden Auswirkungen, stünden bereit für eine zügige Umsetzung einer dezentralen Energiewende. Die Energiewende trägt in sich weitere Potentiale hinsichtlich der Demokratisierung, der Teilhabe, der Förderung des globalen Friedens (sofern eine resolute Recyclingwirtschaft betrieben wird), dies alles sollte uns mehr wert sein als sämtliche Renditen aus Rüstung und Rohstoffwirtschaft. Auch die Haltung der Forscher muss sich ändern, es darf nicht sein, dass ihre Kollegen einfach Gutachten nach Bedarf ausstellen und Methoden wie CCS und Fracking als ungefährlich erscheinen lassen, damit die Politik Gegener kriminalisieren kann, wie in der Antiatomszene zu beobachten ist. Statt dessen ist ein radikales Umdenken dran, es müssen simple und überschaubare Umsetzungen den Bürgern in die Hand gegeben werden, der Stromhandel muss eine einfache Art der Direktvermarktung ermöglichen. Es ist zu befürchten, dass durch Weiterbetrieb der Kohleverstromung ein preissenkendes Überangebot erzeugt wird, wodurch die Bürgerenergieanlagen in betriebswirtschaftliche Engpässe geraten, während die Fossilen ihre Renditen einklagen. die Parteien CDU und SPD verstecken den Hang zur fossilen Technik in wohlklingenden Worten wie "moderne" ,"effiziente","regelbare" oder "klimafreundliche" Kraftwerksneubauten in ihren Wahlprogrammen, Speichertechnik kommt fast nicht vor, - selbst die Grünen wollen CCS nur bei fossilen Kraftwerken nicht anwenden, - Fracking natürlich nur, wenn niemand gefährdet wird und am besten mit ungiftiger Chemie, ist das dann CO2? Alles nur eine Frage des passenden Gutachtens, gar kein Problem. Was ist das für ein Betrug? Was versprechen sich diese Leute davon, wie sieht diese Welt aus, die sie damit schaffen?
    Bitte unterstützen Sie auch die Initiative zur Aufnahme des Straftatbestandes "Ökozid" welcher u.a. in Form einer europäischen Bürgerinitiative angeregt wird mit in die internationale Rechtsprechung einfließen zu lassen, es es auch andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind.

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