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Woher wir kommen

01. September 2011, 20:04

Meistens sind wir so sehr gefangen im Alltag, dass wir gar nicht merken, wie unglaublich eigentlich jeder Tag und jeder gelebte Moment ist. Wir nehmen alles so selbstverständlich hin, stehen morgens auf, frühstücken, fahren zur Arbeit etc. und bewegen uns dabei durch eine Welt, die - wenn wir uns die Zeit nehmen, in Ruhe darüber nachzudenken - eigentlich alles andere als selbstverständlich ist.

Eine komplexe, interdisziplinäre Frage
Die Frage danach, woher diese Welt und wir selbst kommen, ist, wie wir mittlerweile erahnen können, extrem komplex. Unter'm Strich müssen wir feststellen, dass wir nur einen kleinen Bruchteil davon verstanden haben, wie es dazu kommen konnte, dass ein sich seiner selbst bewusster Mensch auf dieser Erde existiert, seine Umgebung wahrnimmt und aktiv gestaltet.

Meines Erachtens gibt es auf die Frage "Woher kommen wir?" fünf verschiedene Verständnisebenen:
  • die kosmologische Ebene: Ursprung des Universums
  • die physikalische Ebene: Ursprung der Materie und Kräfte
  • die chemische Ebene: Ursprung der Elementvielfalt
  • die biologische Ebene: Ursprung von Leben
  • die kognitive Ebene: Ursprung einer sich selbst bewussten Lebensform

Zu den ersten dreien möchte ich hier und jetzt etwas sagen und zu den letzten beiden sind Experten eingeladen etwas beizusteuern - z.B. über die Kommentarfunktion. Meine Anmerkungen müssen bruchstückhaft ausfallen, aber ich verlinke auf mein Weblexikon zum Vertiefen von Themen und gerne können wir hier offen Gebliebenes diskutieren.

Wo der Kosmos herkommt
Die stoffliche Welt, die uns umgibt, musste zunächst eine "Bühne" haben, auf der alles geschieht, nämlich Raum und Zeit. Nach dem, was wir heute in der modernen Kosmologie zu wissen glauben, wurde das Universum selbst vor 13,7 Milliarden Jahren im Urknall (Blog post "Der Urknall - 5 Gründe daran zu glauben") geboren. Allein das ist, finde ich, eine Erkenntnis ungeheurer Tragweite: Der Kosmos war nicht schon immer da, sondern "er kam auf die Welt, wie ein Menschenkind". Noch vor 100 Jahren dachte man, dass das Universum statisch sei: "Es war schon immer da, und es wird auch ewig da bleiben." Von wegen. Diese Weltengeburt wird durch mehrere voneinander unabhängige, astronomische Beobachtungen gestützt: die kosmische Hintergrundstrahlung, die großräumige Verteilung und Bewegung der Galaxien, die Verteilung der leichtesten, chemischen Elemente und entfernte Explosionen von bestimmten Sternen.

Es bleibt festzuhalten, dass diese Befunde nur belegen, dass das Universum vor endlicher Zeit in einem räumlich kleinen und heißen Zustand begann. Unklar ist bis heute, ob dieser Zustand im Prinzip unendlich klein war - die Urknallsingularität, wie wir mit der Allgemeinen Relativitätstheorie folgern müssten - oder doch von endlicher, räumlicher Ausdehnung. Und über das "Davor" wird erst recht keine Aussage gemacht. Dazu gibt es eine Reihe physikalischer Modelle (im Rahmen der Quantenkosmologie Hawkings, der Stringtheorie oder auch der Loop-Quantengravitation), aber die Forscher können sie (noch) nicht testen, so dass man sie als Spekulation bezeichnen muss.

Fakt ist: Der Kosmos ist da. Außerdem entwickelt er sich, insbesondere auch das, was sich darin befindet: die Materie. Interessanterweise haben Kosmos, Raum, Zeit und Materie sehr viel miteinander zu tun und können nicht unabhängig voneinander betrachtet werden, wie uns Albert Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie lehrt: Die kosmische Bühne entwickelt sich so, wie wir es beobachten aufgrund der darin befindlichen Energie und Materie - und in einer komplizierten, nicht linearen Rückwirkung darauf, verhalten sich Energie und Materie im Universum so, wie es die Dynamik der kosmische Bühne diktiert.

Der Stoff, aus dem der Kosmos ist
Das Universum ist nichts ohne das Materielle darin. Um zu erklären, woher die Materie kommt, muss man verstehen, was mit Materie und mit den Kräften, die die Materie zusammenhalten, geschehen, wenn sich die Umgebungstemperatur ändert. Denn kurz nach dem Urknall war das Milieu unvorstellbar heiß, ca. 10^32 Grad (Planck-Temperatur), und es kühlte sich durch die Ausdehnung des Universums rapide ab. Schon knapp 400.000 Jahre nach dem Urknall war der Kosmos durchschnittlich nur 3000 Grad "heiß".

Die Materie und die Kräfte haben schon während der drei ersten kosmischen Minuten einiges durchgemacht. Wir kennen auf der Erde vier fundamentale Naturkräfte in der Physik: die Schwerkraft, die elektromagnetische, die schwache und die starke Kraft. Sie haben unterschiedliche Reichweiten, betreffen unterschiedliche Teilchen (je nach ihrer Ladung) und bewirken damit auch ganz unterschiedliche Effekte. So hält uns die Schwerkraft, die zwischen Massen wirkt, am Erdboden. Die elektromagnetische Kraft hält unseren Körper zusammen und verhindert, dass wir durch den Erdboden in den Erdmittelpunkt fallen. Die schwache Kraft verhindert, dass die Teilchen in unserem Körper zerfallen, sonst würden wir regelrecht zerfließen. Und die starke Kraft hält die Teilchen in den Atomkernen unseres Körpers zusammen. Alles paletti, dank raffiniert ausgeklügelter Kräftewirkungen.

Aber die Gesetze der modernen Teilchenphysik besagen, dass wir besondere Verhältnisse, insbesondere eine besondere Umgebungstemperatur haben. Steigt die Temperatur, so verändern sich die vier Naturkräfte. Sie "verschmelzen" und verändern dabei ihren Charakter. Eine erste Verschmelzungsstufe ist die sog. elektroschwache Kraft, bei der elektromagnetische und schwache Kraft "zusammenwachsen". Sie werden damit ununterscheidbar. Dass das nicht ein bloßes Hirngespinst ist, wurde per Experiment bestätigt. Denn in der elektroschwachen Theorie treten neue Teilchen auf, die tatsächlich am Teilchenbeschleuniger am CERN entdeckt wurde. Dafür gab's auch einen Nobelpreis für Physik. Also keine schlechte Idee, dieser Verschmelzungsansatz.

Deshalb gehen diese Bestrebungen, die der Physiker mit "Vereinheitlichung der Kräfte" bezeichnet, mittlerweile weiter - auch in vollkommenes Neuland, das bislang nicht experimentell zugänglich ist. Das Tolle daran ist, dass diese Theorien uns etwas über die allerfrühesten Phasen kosmischer Entwicklung verraten. Sie besagen z.B., dass schon 10^-36 Sekunden nach dem Urknall die ersten superschweren Teilchen entstanden sein sollen. Wir reden hier nicht von Atomen, sondern von "Vorläuferteilchen", die, wie die theoretische Teilchenphysik offen legt, nötig sind, um den Ursprung der chemischen Elemente und Atome ableiten zu können. Längst ist nicht alles klar, was sich so früh nach dem Urknall genau abgespielt hatte, aber die Lehrmeinung favorisiert extrem schwere Teilchen, genannt Leptoquarks, die in dieser sehr frühen Epoche, der sog. GUT-Ära, entstanden sein sollen. GUT steht für Große Vereinheitliche Theorien (engl. Grand Unified Theories) und stellt eine Theorie dar, in der elektromagnetische, schwache und starke Kraft zu einer einzigen Kraft, genannt X-Kraft, verschmolzen sein sollen. In der GUT-Ära herrschen also nur X-Kraft und Gravitation.
Die schweren Leptoquarks sollen am Ende der GUT-Epoche in Materie und Antimaterie - also gewöhnliche Quarks und Leptonen - zerfallen sein. Dieser Zerfall geschah asymmetrisch zugunsten der Materie. Wir beobachten ja, dass es kaum Antimaterie um uns herum und im Kosmos gibt. Dieses Missverhältnis, dem wir unsere Existenz verdanken, hatte vermutlich seinen Anfang in der GUT-Epoche genommen *).

So entstanden also Quarks und Leptonen als elementare Bausteine der Materie, die sich danach - nachdem der Kosmos noch weiter abgekühlt war - zu Teilchen zusammenfügten. Drei Quarks bilden die Baryonen, z.B. Proton und Neutron. Zwei Quarks fügen sich zu einem Meson zusammen, z.B. dem Pion. Die Baryonen fanden sich wiederum zusammen, um z.B. Atomkerne wie Wasserstoff oder Helium zu bilden. Und die Leptonen, dazu gehören Elektronen, Positronen, Myonen, Neutrinos u.a. blieben frei oder wurden eingefangen. So bildeten sich drei Minuten nach dem Urknall die leichtesten neutralen Atome mit einem elektrisch positiv geladenen Atomkern, der aus Protonen und Neutronen besteht, sowie einer elektrisch negativ geladenen Hülle aus Elektronen. In der Fachsprache sprechen die Kosmologen von primordialer Nukleosynthese, der Entstehung von Atomkernen kurz nach dem Urknall. In dieser Epoche entstanden die bis heute am häufigsten vertretenen Elemente im Kosmos: Wasserstoff (75%) und Helium (25%) - alle anderen Elemente sind gewissermaßen kosmische Spurenelemente.

Erst mit der Entstehung der ersten neutralen Atome war auch der Weg frei, dass die darin enthaltene Wärmestrahlung, die zuvor noch in der elektrisch geladenen Ursuppe gefangen war, frei wurde. Sie machte sich auf den Weg in den sich ausdehnenden Kosmos und heute beobachten wir sie noch - infolge der kosmischen Ausdehnung stark abgekühlt bei nur knapp drei Kelvin - als kosmische Hintergrundstrahlung.

Die Gravitation übernimmt das Ruder
Nach all dieser Kern- und Teilchenphysik kam dann endlich die Astrophysik ins Spiel. Denn die fein verteilte Materie aus leichten chemischen Elementen, im Wesentlichen Wasserstoff und Helium, wurde nun von der Gravitation "massiert". Die schwächste aller vier Naturkräfte dominierte seither das weitere Schicksal des Universums und schuf Strukturen: Klumpen, die zu Sternen wurden; Sternansammlungen, die zu Galaxien wurden; und Galaxienansammlungen, die zu Galaxienhaufen und Galaxiensuperhaufen wurden, den größten gebundenen Systemen im Kosmos.

Sterne sind für den kosmischen Materiehaushalt ganz wichtig, denn erst sie bildeten die schwereren, chemischen Elemente in ihrem Innern über die Fusion von leichten Atomkernen. Ohne Sterne, kein breitgefächerter Element-Cocktail. Nicht einmal Wasser wäre in die Welt gekommen, da zum Wasserstoff (H) der Sauerstoff (O) fehlte. Den Stoff, den wir atmen, stellten erst die Sterne her - und das in einer Zeit von wenigen hundert Millionen Jahren nach dem Urknall. Im Unterschied zur oben erwähnten primordialen Nukleosynthese, reden die Astrophysiker hier von der stellaren Nukleosynthese, und meinen damit die Elemententstehung in Inneren von Sternen.

Um Elemente schwerer als Eisen herzustellen mussten massereiche Sterne sterben, denn erst die heißen Explosionsfronten der Supernovae (Typ II), ermöglichen Kernreaktionen, um Gold, Blei & Co. entstehen zu lassen. Diese dritte Form der Nukleosynthese heißt daher explosive Nukleosynthese.
Und auch hier sei betont, dass bei weitem nicht alles klar ist: Ursprung der gewöhnlichen Materie schön und gut; aber das macht im lokalen Universum nur 4% aus. Der große Rest steckt in rätselhaften dunklen Formen, Dunkler Materie und Dunkler Energie, deren Vorkommen indirekt messbar ist, deren Natur aber nicht bekannt ist. Wir neigen zum Prahlen mit unserer modernen Wissensgesellschaft, aber 96% des kosmischen Energiebudgets sind nicht verstanden.

Der Weg ins Sonnensystem und zu Leben
Die unbelebte Materie fand also ihren Weg in den Kosmos, und es dauerte ein paar Milliarden Jahre, bis die chemische Elementvielfalt vorhanden war, um der Materie Leben einzuhauchen. Vor 4,5 Milliarden Jahre entstand unser Sonnensystem: ein riesiger, leuchtender Wasserstoff-Gasball, der von einer kalten, "staubigen" Materiescheibe umkreist wurde. In der Scheibe bildeten sich die Planeten (wie genau, auch das noch eine Herausforderung an die Naturwissenschaften) und schließlich die Erde.

Auf diesem unbelebten Planet geschah etwas für uns bislang Einzigartiges, das Wunder des Lebens, über das ich mich mangels Sachkenntnis leider nicht auslassen kann. Offenbar muss es dafür bestimmte Voraussetzungen geben, denn bei den anderen Planeten und Monden des Sonnensystems fanden wir bislang kein Leben. Ein Puzzleteil im Verständnis dieser Vorgänge stellt sicher das Miller-Urey-Experiment aus dem Jahr 1953 dar, bei dem die Bausteine des Lebens (Aminosäuren) in einer einfachen Modellatmosphäre für die Erde erschaffen werden konnten.

Aber zu Leben gehört mehr als nur ein paar organische Bausteine. Ein weiteres Puzzlestück dürfte die Kohlenstoff-Chemie sein, nämlich dass irdisches Leben auf dem kosmisch recht häufig vorkommenden und vierbindigen Element Kohlenstoff basiert. Allein die Chemie dieses Elements erklärt schon einiges der beobachteten Vielfalt und Reaktionsverhaltens des kohlenstoffbasierten Lebens.

Aber Leben ist nicht gleich Leben. Einigen Lebensformen, nämlich uns Menschen, gelang es sogar, sich ihrer selbst gewahr zu werden - eine Fähigkeit, die der gemeinen Alge oder Amöbe verwehrt blieb. Dank unserer Erinnerungsfähigkeit können wir lernen und planen; dank unserer Fähigkeit soziale Netzwerke zu bilden können wir kooperieren und eine Schwarmintelligenz ausbilden, die die Leistungsfähigkeit eines Individuums um ein Vielfaches übertrifft. Eine wissenschaftliche Beschreibung dieser Sachverhalte geht natürlich weit über die Physik hinaus.

Nichts ist selbstverständlich
Aufstehen, sich ernähren, sich durch die Welt bewegen, interagieren, gestalten, verstehen - für uns sind das banale Automatismen geworden, was sie eigentlich nicht sind. Dieses Handeln und dieses Leben in Zyklen ist eine Konsequenz einer faszinierenden, kosmischen Geschichte vom Werden und Vergehen.

Unsere wissenschaftliche Arbeit hat schon so manches Geheimnis der Natur gelüftet und doch dürfen wir uns nicht der Versuchung hingeben zu glauben, schon alles verstanden zu haben - im Gegenteil. Nichts ist in diesem Zusammenhang treffender als die Sokratische Einsicht "Ich weiß, dass ich nichts weiß." Aber erstaunlich weit gediehen ist unser Verständnis schon; weit genug, um uns einen Eindruck zu geben, dass wir in einer wundersamen, raffinierten Welt voller Schönheiten leben, die es zu entdecken und zu bestaunen gilt.

*) Hinweis auf "Sterne und Weltraum", Oktoberheft 2011, Artikel "Das Rätsel der Antimaterie" von Peter Fierlinger



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Zeitreise nach 1911 - Die Welt vor 100 Jahren

08. April 2011, 13:20

Nachdem ich einen spekulativen Blick 100 Jahre in die Zukunft gewagt hatte, möchte ich unsere Gegenwart des Jahres 2011 nun der Vergangenheit von vor 100 Jahren gegenüberstellen. Wie war das Leben um 1911? Was wusste ein Zeitgenosse aus dem Jahr 1911 von der Welt und wie bewegte er sich darin?

Politik
Die Welt stand am Abgrund. 1911, das war kurz vor dem 1. Weltkrieg, der 1914 ausbrach. Verschiedene Mächte der Welt waren auf Konfrontationskurs und kämpften schließlich um die Vormachtstellung. Rückblickend betrachtet war 1911 ein Jahr in einer Zeit des Umbruchs, aus der viele neue Staaten hervorgingen. Wie war die politische Großwetterlage? 

Nun, die USA waren bereits entdeckt (1492), für unabhängig (1776) und für vom "Wilden Westen" befreit (1890) erklärt worden. Das Attentat auf US-Präsident Abraham Lincoln lag schon 46 Jahre zurück. Die USA erfreuten sich größter Zuwanderungszahlen, die dank großer Dampfschiffe vor allem aus Europa eingeschippert wurden. Am 06.02.1911 kam der spätere Schauspieler und US-Präsident der 1980er Jahre, Ronald Reagan, auf die Welt.

In Deutschland herrschte der letzte Kaiser, Wilhelm II. (übrigens ein Enkel der britischen Queen Victoria), in einer Staatsform, die konstitutionelle Monarchie genannt wird. Diese durch eine Verfassung eingeschränkte Monarchie läutete den Übergang in die heutige Bundesrepublik Deutschland ein. Nach 1918 gab es den Reichstag und den Reichskanzler, die später zu Bundestag und Bundeskanzler wurden. Übrigens dürfen erst seit 1919 auch Frauen wählen gehen - ein weiblicher Kanzler sollte in Deutschland erst im Jahr 2005 möglich werden. Ganz ohne Quote. Nur mit dem Charisma von hängenden Mundwinkeln.

Und sonst in Europa? Großbritannien war die führende Seemacht, die im Zeitalter des Kolonialismus viele Kolonien in Asien und Afrika einheimste. Über die sog. Triple-Entente war das British Empire mit Russland und Frankreich verbunden. Dem gegenüber stand der Block aus Deutschem Reich, Österreich-Ungarn, Königreich Italien und Osmanischem Reich. Deutschland geriet in Konflikt mit Großbritannien, Frankreich und Russland. 

Als Auslöser des 1. Weltkriegs wird das "Attentat von Sarajevo" am 28.06.1914 angesehen, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin von serbischen Aktivisten ermordet wurden, Aktivisten, die dem serbischen Geheimbund "Schwarze Hand" nahe standen. In der Konsequenz stand der Gegenschlag von Österreich-Ungarn gegen das Königreich Serbien und über die zahlreichen Bündnisverflechtungen die Einschaltung von Deutschland und Russland bis zur weltweiten Auseinandersetzung. 

Und im fernen Osten? Zum Jahresende 1911 führten Aufstände zum Ende des Kaiserreichs China und zur Gründung der Republik China am 01.01.1912. Noch ein Kaiser, der gehen musste.

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Vision 2100 - Blick in die Zukunft

07. März 2011, 19:55

Wie könnte die Welt in knapp 100 Jahren aussehen? Klar, eine Spekulation, aber spinnen wir doch mal.

Politik

Die Welt wird dominiert von vier Mächten: China, Indien, den USA und Europa. Die EU hat die Schweiz, die Türkei und Norwegen und die Länder des ehemaligen Jugoslawiens als neue Mitgliedsstaaten. Politische Entscheidungen zu Klima, Energie, Wirtschaft u.a. werden in einem Weltparlament getroffen, das sich anteilig aus den genannten vier Weltmächten zusammensetzt. Das Weltparlament ist richtungsweisend für die EU und Deutschland. 

Die deutsche Bundeskanzlerin ist die Urenkelin von Theodor zu Guttenberg, Maria-Helene Magdalena Esmeralda Claudia Annemarie-Anastasia Viktoria Elisabeth Katja Amelie Franziska Joséphine Johanna Madelaine die Dritte nach der Zweiten von und zugenäht zu Guttenberg. Der Urenkel von Dieter Bohlen, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Sauerland, ist Bundespräsident.

Zu den Schattenseiten: Der Terrorismus hat seinen Ursprung in den armen Regionen der Welt. Afrikanische Terroristen halten Europa in Atem und der vorderasiatische Terrorismus richtet sich immer noch gegen die USA, aber mittlerweile auch gegen Indien.

Natürlich gibt es Kriege, aber sie werden subtiler geführt, z.B. als "Wirtschaftskriege" oder "Informationskriege", indem der Gegner wirtschaftliche Repressalien erleidet bzw. Opfer von gezielter Desinformation oder Fehlinformation wird.

Klima

Der Treibhauseffekt konnte zunächst nicht aufgehalten werden wie geplant. Die Wüstenregionen in Nord- und Mittelafrika sowie Südamerika haben sich extrem vergrößert. Die meisten Afrikaner flüchteten nach Europa und stellten große Teile der spanischen, französischen und italienischen Bevölkerung. Afrika ist bis auf den Süden, vor allem Kapstadt, entvölkert und dient als globale Energiequelle (s.u.).

Südamerikaner flüchteten nach Nordamerika. Die USA haben fünf neue Bundesstaaten bekommen: Karibik, Neu Brasilien, Neu Venezuela, Südafrika und Antarctica. Mexiko wurde in New Mexico eingegliedert. Chile und der südliche Teil Südamerikas sind Wüstenland und entvölkert. Die Rohstoffquellen Südamerikas und Afrikas werden mit Robotern ausgebeutet. Unbemannte Drohnen fliegen die Bodenschätze direkt in die Metropolen der Erde. 

Das Ozon-Loch über Australien und den australischen Wüsten hatte sich vergrößert. Die australische Bevölkerung zog in geschützte Metropolen wie Sydney, Melbourne, Brisbane, Perth und Adelaide, die mit gigantischen Glaskuppeln geschützt und künstlich klimatisiert werden. 

Der Mittelatlantische Rücken bebt, und die Vulkane Islands zeigen eine erhöhte, regelmäßige Aktivität. Damit sie den Flugverkehr nicht behindern, wurden gigantische Absaugvorrichtungen für Rauch und Staub in Vulkannähe installiert.

Viele Gletscher gibt es nicht mehr, und dort wo sie waren dominieren Moränen die eintönige Landschaft. Sie wird erschlossen und bevölkert. Die Eisreservoire an den Polen sind auf ein Minimum geschrumpft. Das Eisschild der Antarktis legte um 2073 große Landmassen frei, die nun mit Metropolen wie "South Angeles" bevölkert werden.

Mit Techniken des Geo-Engineerings werden gezielt weitere Schwefelverbindungen in die Atmosphäre gebracht, die das Ansteigen der weltweiten Durchschnittstemperatur aufhalten sollen. Einige spezielle Meeresregionen werden gezielt trocken gelegt, um dort neue Metropolen entstehen zu lassen.

Energie

Die Kernfusionsenergie und die Solarenergie sind die Energieressourcen des 22. Jahrhunderts. Klassische Kernkraftwerke, die auf der Kernspaltung beruhen, wurden alle abgeschaltet, auch weil die Vorkommen spaltbaren Urans so gut wie erschöpft sind. Die wenigen noch vorhandenen Ölreserven werden noch industriell genutzt, aber nicht für Kraftstoffe. Damit wurde auch das E10-Problem schnell gelöst: ohne Grundstoff Benzin auch keine E10-Beimischung. Das ITER-Projekt in Südfrankreich brachte den Durchbruch in der Fusionsforschung, so dass jedes Land mehrere Fusionskraftwerke hat, die im Wesentlichen vom Wasser der Weltmeere gespeist werden. Jedes diese modernen Fusionskraftwerke entfaltet eine Leistung von 100 Gigawatt - so viel wie 90 klassische Kernkraftwerke des 20./21. Jahrhunderts. Die Energieprobleme der Menschheit sind damit trotz Überbevölkerung vorerst gelöst.

Gesellschaft

Die Lebenserwartung ist enorm gestiegen und liegt im Durchschnitt bei 110 Jahren. Der älteste Mensch der Welt ist 134 Jahre alt, erfreut sich bester Gesundheit und heißt Saskia Fischer, Enkelin von Johannes Heesters. 

Jede Oma hat ein Arschgeweih. Defekte Organe werden mittels adulter Stammzellen reproduziert und ersetzt. Die Erforschung und Nutzung von embryonalen Stammzellen ist in China, Indien und den USA erlaubt und in Europa verboten. Auf ein weltweit einheitliches Abkommen konnte man sich nicht einigen, was immer wieder zu politischen und wirtschaftlichen Spannungen führt. Organhandel ist vor allem in China und Indien ein großes Problem. 

Nach wie vor sehen die meisten Menschen ihre Lebensziele in der Gründung einer Familie und einer monogamen Partnerschaft - allerdings stört sich die Gesellschaft nicht daran, dass man 3-4 solcher Partnerschaften im Leben hat. Der Anteil an Patchwork-Familien ist enorm gestiegen und hat sich im Vergleich zu 2005 vervierfacht - auf knapp 80% .

Die Menschheit ist dank Gentechnik intelligenter geworden und der Intelligenzquotient liegt bei mindestens 130 - kleinere IQs werden gentechnisch unterbunden. Genauso werden Körpergröße, -gestalt und Aussehen gentechnisch auf ein Optimum manipuliert. Von Brustimplantaten über Fettabsaugen und Botox-Spritzen bis zur Nasenoperation sind in der Regel keine chirurgischen Eingriffe aus kosmetischen Gründen mehr notwendig - nur noch in der Rekonstruktionschirurgie nach Unfällen. 

Die Medizin ist zu einer Hochtechnologie geworden, die auch extrem teuer ist. Allerdings wurden gesetzliche und private Krankenversicherungen in Deutschland vereinheitlicht. Medikamente werden subkutan in den Körper als Hypospray eingebracht.

Unterhaltung

Sport, Musik, Unterhaltung  können als die Konstanten menschlicher Zivilisation angesehen werden, denn bei ihnen hat sich nicht besonders viel verändert. Die klassischen Sportarten und Wettbewerbe, wie z.B. die Olympischen Spiele und Fußballmeisterschaften gibt es nach wie vor. Die Tour de France ist zwar dopingfrei, kämpft aber mit gentechnisch manipulierten Superradlern, der Wadenumfang typischerweise bei 63 cm liegt.  

In der Musik hat sich vom Angebot nicht viel geändert: Von der klassischen Musik bis Elektrobeats ist alles vertreten. Die Musikindustrie hat Urheberrechtsverletzungen in Form der Piraterie mit Raubkopien überwunden, indem jedes Musikstück eine eigene opto-elektronische ID erhält, die erkannt und registriert wird - egal, wo das Stück auf der Welt gespielt wird. Der Nutzer muss eine faire Gebühr an den Produzenten abführen. Ähnlich wird mit Videomaterial, Filmen und Filmsequenzen verfahren. 

Wikipedia enthält den Wissensschatz der Menschheit und kann im Geist von "OpenAccess" von jedermann genutzt werden. Wissenschaftliche Publikationen sind ebenfalls für alle kostenlos abrufbar, denn Wissen gehört im 22. Jahrhundert allen und ist dank hohem IQs auch von den meisten Menschen zu verstehen.

Facebook und Twitter haben weltweit jeweils acht Milliarden Nutzer. Die gesamte Kommunikation - vom Chatten, Bloggen, über das Terminieren des nächsten Arztbesuchs bis zur Stellenbewerbung - wird fast alles über solche sozialen Netzwerke abgewickelt - egal wo sich der Nutzer befindet. Die Welt ist ein Dorf und Kommunikation ist grenzenlos, dank erschwinglicher Flatrate für Global Roaming.

Youtube, Wikipedia, Facebook und Twitter sind stark miteinander vernetzt. Damit ein Medienmonopol verhindert wird, kontrolliert sie ein Medienministerium, das von der Weltregierung einsetzt wurde und sich aus Vertretern aller Weltmächte zusammensetzt. Der Medienminister im Jahr 2100 heißt Francesco Berlusconi.

Das Fernsehen ist mit dem Internet verschmolzen. Fernsehsendungen und Filme werden ganz nach Wunsch abgerufen und per monatlicher Flatrate gezahlt. Die Internetverbindungen geschehen über Glasfaser und Funk mit Übertragungsraten von bis zu 100 Exabit pro Sekunde.

Die Ansprüche an Unterhaltung sind allerdings gestiegen, weil die Weltbevölkerung im Durchschnitt schlauer geworden ist. Es ist daher nicht verwunderlich, dass im deutschen Fernsehen die großen Erfolgsendungen Namen haben wie "Germany's Next Top-Denker", "Deutschland sucht das Super-Hirni" (DSDSH) oder "Schlauer sucht Frau".

Technologie

In der elektronischen Unterhaltungsindustrie setzten sich die virtuellen Realitäten durch: Der Anwender dringt mittels Visor (s.u.) und Cave in eine komplett gestaltete 4D-Welt ein, die er sehen, im vollen Raumklang hören und mittels spezieller Handschuhe fühlen kann. Hierbei dominieren Spielekonsolen wie die PS 21 und Wii 17 den Unterhaltungsmarkt. Psychologen behandeln Computergeschädigte, die 23% der Weltbevölkerung stellen und sich in virtuelle Realitäten geflüchtet haben, um dort ihr erfolgreiches Leben mit Schönheit, Reichtum und Ruhm zu führen.

Das Internet dominiert alle Lebensbereiche. Wir gehen fast ausschließlich im Internet einkaufen und bestellen online. Home-Computer gibt es nicht mehr, denn sämtliche IT-Services in einem deutschen Haushalt werden mittels Cloud-Computing bewerkstelligt. Die Cloud-Server haben keine klassischen Festplatten mehr, sondern Kristalle, in denen optisch große Datenmengen bis zu Yottabyte (= 1 Billion Terabyte) gespeichert werden können. Die Computerleistung wird mit typischerweise 100 Prozessoren mit Taktraten im Exahertz (= 1 Mrd. Gigahertz) erzeugt.

Das höchste Gebäude der Welt "Babylonia" ist 3,2 Kilometer hoch und steht in Neu Delhi, die zu einer Megametropole mit 100 Mio. Einwohnern angewachsen ist. Babylonia ist fast viermal größer als der Burdsch Chalifa in Dubai.

Die Robotik ist im Alltag angekommen. Für jeden Handgriff gibt es die technischen Helfer: sie helfen beim Einkaufen, tragen schwere Gegenstände, putzen samtweich den Hintern ab und erleichtern hilfebedürftigen Menschen den Alltag. Natürlich werden intelligente Roboter im großen Stil in der Industrie eingesetzt, wo sie Fertigungsprozesse und Logistik optimieren. Mikro- und Nanoforschung waren gestern; jetzt steht die Piko-Wissenschaft und Piko-Robotik im Vordergrund. Winzige opto-mechanische Bauteile kommen vielerorts zum Einsatz - auch in der Medizin. Allerdings wird hier auf einen Einsatz der Piko-Technik verzichtet, weil sie die Blut-Hirn-Schranke überschreitet und dem Hirn gefährlich werden könnte. Um das Jahr 2050 herum kam es zu massiven Protesten von Piko-Gegnern gegenüber Piko-Technikern, die das Weltparlament zur Verabschiedung des Hirn-Schutz-Gesetzes veranlasste.

Die Technikfeindlichkeit ist so verbreitet, dass es immer wieder zu Demonstrationen und Streitigkeiten kommt. Die Roboter haben eine recht hoch entwickelte, künstliche Intelligenz, die es ihnen erlaubt sehr autonom zu agieren - zu selbstständig, wie einige Technikkritiker meinen, und sie befürchten die technologische Singularität.

Verkehr

Selbstbestimmte Mobilität ist den Menschen nach wie vor sehr wichtig. Autos gibt es daher noch im Jahr 2100, aber sie werden ausschließlich durch Solarenergie und elektrischen Strom angetrieben. Es gibt sehr leichte und doch extrem leistungsfähige Batterien, die deformierbar in der Fahrzeugkarosserie untergebracht werden können. Sie entfalten Leistungen bis 250 PS, aber Tempolimits haben sich weltweit durchgesetzt, so dass die leistungsstärksten Antriebe gar nicht zum Einsatz kommen müssen. Jedes Fahrzeug ist serienmäßig mit Abstandshaltern, Tempomaten sowie Brems- und Beschleunigungsassistenten ausgestattet, was die Zahl der Unfälle auf ein Minimum reduziert hat. In der Windschutzscheibe der Autos befindet sich ein Head-up Display (HUD), das den Fahrer optisch unterstützt und wichtige Zusatzinformationen einblendet. Bewegte Gegenstände im Gesichtsfeld werden erfasst und optisch hervorgehoben. Bei Fahrten in Dunkelheit verbessern Restlichtverstärker die Sicht. Alle Fahrzeuge sind serienmäßig mit Navigations- und Kommunikationssystemen ausgestattet. Mitfahrer haben jederzeit Zugriff auf Internet und videobasierte Freisprechanlagen. 

Der Flugverkehr dominiert nach wie vor die Welt, weil Beamen erst 2199 erfunden wird. So gestattet Fliegen den globalen Wirtschafts- und Wissensaustausch auch im Jahr 2100. 

Die Besiedelung des Weltraums schreitet voran. Den USA gelang mit den Chinesen und Indern die erste Landung auf dem Mars im Jahr 2069 - genau 100 Jahre nach der Mondlandung. Der erste Mensch auf dem Mars, die auch tänzerisch begabte Inderin Bolli Woud Shankaranayanyanyanyan, sprach beim Betreten des roten Planeten die legendären Worte: "That's one small step for a woman, but where the f*** is the kitchen?" (etwas frei übersetzt: "Satt hab ich den Flug ohne zu steppen, aber wo man ist das Gefängnis?"). Auf dem Mars flattert allerdings keine Fahne der drei Weltmächte, weil sie die heftigen Marsstürme längst weggerissen hätte, sondern die drei Mächte hatten sich per Laser im Marsgestein verewigt.

Der Mond wurde bei Marslandemission als Zwischenposten genutzt. Das Mondlandeprogramm wurde in Kooperation aller führenden Weltraummächte 2025 wieder aufgenommen und führte zunächst zur Errichtung einer internationalen Mondbasis (International Moon Station, IMS). Sie wurde ausgebaut und 2050 wurde die erste Stadt auf dem Mond gegründet: Luna City. Es leben ca. 350 Menschen auf dem Mond, vor allem Techniker, Naturwissenschaftler und Ingenieure, die das Marsprogramm vorangetrieben hatten. Außerdem halten sie sich 33 Wölfe, die den ganzen Tag heulen vor Glück. Komponenten für "Mars Rendezvous 1", eine Rakete für 10 Marsonauten mit dem Lander "Ares", wurden auf der Erde gefertigt und auf dem Mond zusammengebaut. Nach gut einem Jahr Flugzeit erreichten die Marsonauten ihr Ziel. Die Lebensbedingungen sind auf dem Mars deutlich besser als gedacht. Die Besiedlung des Mars ist eines der großen, nächsten Ziele der Menschheit, denn auf der Erde wird es durch die Überbevölkerung langsam eng. NASA und ESA planen die Mission FETOM2222, "From Earth to Mars 2222".

Neben der betagten ISS gibt es fünf weitere Weltraumstationen, die für Kommunikations- und Forschungszwecke betrieben werden. Vor allem China, Indien und die USA sind Weltraummächte und betreiben Weltraumteleskope in allen Wellenlängenbereichen. 

Kommunikation

Wie bei Star Trek trägt jeder Mensch einen Kommunikator mit sich, allerdings nicht sichtbar. Es gibt subkutane Nanosender und -empfänger, die ein Mikro-Lautsprecherimplantat im Ohr ansprechen. 96% der Menschen trägen eine "Brille", vielmehr einen "Visor". Dieses Multifunktionsgerät ist weniger eine Sehhilfe, als ein Gerät mit halbdurchlässigem HUD, Mikroskop-/Teleskop-Funktion, elektromagnetischer Breitbandempfänger uvm. Computer senden kabellos Daten auf den Visor, so dass z.B. Internet und Fernsehen problemlos empfangen werden können. Der Visor kann das gesamte elektromagnetische Spektrum für das menschliche Auge sichtbar machen. Navigationssysteme folgen dem Menschen auf Schritt und Tritt. Je nachdem, in welcher Umgebung er sich befindet, werden drahtlos Angebote übertragen: vom Shop um die Ecke, vom Freund in der Nähe, von öffentlichen Einrichtungen. 13% der Visor-User leider an einem nervösen Augenzwinkern und wiederum 66% von ihnen haben mit diesem Tic ihren Partner kennen gelernt. Kommunikationsgebühren wurden weltweit vereinheitlicht und sind für jeden bezahlbar.

Wirtschaft

Die Weltbevölkerung ist auf knapp 14 Milliarden Menschen gestiegen. Die Versorgungslage wird schwierig. Die Meere wurden in Küstennähe einiger Metropolen bewohnbar gemacht. Es ist schick das kulturelle Leben in Unterwasser-Locations zu betreiben. "Down Under" meinte früher Australien und in 2100 die Kneipe 200 Meter unter dem Meer.

Die Globalisierung ist weiter vorangeschritten. China und Indien sind die größten und wichtigsten Wirtschaftsmächte der Welt. Ihre Produkte dominieren die Märkte. Reißenden Absatz findet "Nachbarshund Tandoori süß-sauer", zubereitet als dehydriertes Knabberzeugs.

Der Zahlungsverkehr geschieht ausschließlich bargeldlos, aber nicht mit Karten, sondern biometrisch mit dem Fingerabdruck: "Zahlen Sie mit Ihrem guten Daumen". 

Erkenntnisse in Physik und Astronomie

Viel geschah in 100 Jahren, hier nur die absoluten Durchbrüche: Am CERN gelang mit dem Superteilchenbeschleuniger LHC der Nachweis von Dunkle-Materie-Teilchen im Jahr 2013. Die neue Teilchenspezies "Squarks" hat eine Masse von 1,2 TeV.

Im Jahr 2016 wurde ebenfalls mit LHC-Daten zweifelsfrei das Higgs-Teilchen nachgewiesen. Damit ist das letzte Teilchen des Standardmodells der Teilchenphysik endlich entdeckt. Noch im gleichen Jahr wurde der 87jährige Peter Higgs, der Erfinder des Teilchens, mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Eines der größten Rätsel der Physik, die Natur der Dunklen Energie, ist gelöst. Die Kosmologen entdeckten im Jahr 2018, dass es die Dunkle Energie gar nicht gibt - sie entpuppte sich wie der Weltäther als ein Phantom. Die Messergebnisse um die Jahrtausendwende herum gaukelten die Existenz einer Dunklen Energie vor. Die schon 1998 beobachtete beschleunigte Expansion des Kosmos stellt sich nur als lokaler Effekt heraus, der nicht im ganzen Universum gilt. Wir beobachten ihn, weil wir an einem ausgezeichneten Ort mit verhältnismäßig hoher Dichte im Kosmos sind.  

Der erste Kontakt

Im Jahr 2099 findet eine hochentwickelte, außerirdische Lebensform in 2,5 Lichttagen von der Erde entfernt die "Goldene Schallplatte", die 1977 mit der Raumsonde  Voyager ins All flog. Sie entschlüsseln den trivialen Binärcode, bauen einen Schallplattenspieler und lauschen den Klängen der Erde. 2,5 Tage später regnet es auf der Erde grünen Schleim...

(Inspiriert von dem Song "Sekundenschlaf" und der Zeile "Jede Oma in Berlin hat'n Arschgeweih".)



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Mond-Experimente widerlegen Rössler

14. Juli 2008, 18:00

Mein letzter Beitrag zu den Winkelreflektoren auf dem Mond ist das Ausholen vor dem Schlag; der Schlag gegen eine Hypothese, die in den Medien für viel Aufregung gesorgt hat - und noch sorgt. Mein Beitrag soll endgültig dieser Aufregung ein Ende bereiten.

Worum geht's
Es geht um die kontroverse Diskussion zum Thema "Schwarze Mini-Löcher am LHC", die u.a. in den KOSMOlogs, im Forum von astronews.com und vor Kurzem auch auf 3sat stattfindet. Es wird gemutmaßt, dass am in Kürze am CERN startenden Teilchenbeschleuniger LHC Schwarze Löcher im Miniformat entstehen könnten. In der Debatte um die Gefährlichkeit dieser Mini-Löcher zitieren die Medien sehr gerne Prof. em. Otto E. Rössler von der Uni Tübingen. Der Professor Emeritus für Theoretische Chemie ist Chaosforscher, aber kein Physiker. Rössler behauptet nun, dass vom LHC eine Gefahr ausginge und Schwarze Mini-Löcher entstehen könnten, die nicht durch Aussendung von Hawking-Strahlung zerfielen. » weiter

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Überwältigende Sommernacht

03. Juli 2008, 02:19

Mitternacht. Eine laue Sommernacht. Ich bin auf dem Heimweg und bemerke an einer dunklen Stelle im Feld den Sternenhimmel. Nur ein paar Wolken bedecken den Himmel, aber das Wesentliche ist sichtbar: Sterne und Sternbilder. I had to stop and stare. Einsteins Kosmos breitet sich vor meinen Augen aus...überwältigend.

Vor meiner Nase, tief im Süden, sehe ich Sagittarius, das Tierkreiszeichen Schütze. Ja, der Schütze - dort befindet sich das Zentrum der Milchstraße und auch mit drei Millionen Sonnenmassen ihr größtes Schwarzes Loch, Sgr A*. Hoppla, was ist der helle Fleck dort? Die Venus? Nein, kann nicht sein - es ist viel zu spät für den Abendstern. Dann kann es nur Jupiter sein; aber so hell? Richtig, Jupiter steht kurz vor der Opposition (9.7.) und ist heller denn je. Wahnsinn! Er ist so hell, dass er sogar bei Stadtbeleuchtung noch gut zu sehen ist...überwältigend.

Rechts neben dem Schützen erhebt sich majestätisch der Scorpius, der Skorpion. Bedrohlich erscheint er nicht, weil sein Stachelschwanz besser von südlichen Gefilden zu beobachten ist. Aus dem Herzen des Skorpions zwinkert mir ein roter Stern zu: Antares, wie schön Du Dich von Deinem schwarzen Samtbett abhebst. Deinen Namen, übersetzt so viel wie "Gegenspieler von Mars", trägst Du vollkommen zu recht. Du bist kein naher Planet, sondern eher ein ferner Stern - Dein Licht war 600 Jahre bis zu mir unterwegs. Als es sich auf den Weg machte, wurde (in etwa) die Universität Leipzig gegründet...überwältigend.

Oberhalb des Skorpions entdecke ich Ophiuchus, den Schlangenträger. Ja, das verschmähte 13. Tierkreiszeichen. Wer mag schon die 13? Bei 12 Tierkreiszeichen wandert die Sonne jeden Monat um exakt 30 Grad weiter. Und Jupiter mit seinen 12 Jahren Umlaufzeit um die Sonne steht königlich jedes Jahr in einem anderen Tierkreiszeichen. Mit 13 Tierkreiszeichen hätte das nicht funktioniert. Armer Schlangenträger. Berühmt bist Du trotzdem und hast es in der Medizin weit gebracht. Als Äskulap oder Asklepios, griechischer Heiler mit Stab, der sich in eine um den Stab windende Schlange verwandelt. Du bist das Sinnbild der Heilkunst, das von der Antike bis in die Neuzeit überdauerte und an keinem Apothekenschild vorbeikommt. Griechische Mythen sind am Himmel verewigt...überwältigend.

Hinter meiner rechten Schulter, im Nordwesten, bemerke ich den Großen Wagen. Klar, das bekannteste Sternbild in unseren Breiten. Moment, der Große Wagen ist ja gar kein Sternbild, sondern nur ein Teil von Ursa Major, dem Großen Bären, der eigentlich eine Bärin ist (Ursa). Jedenfalls macht so eine Sternenschau einen Bärenhunger...einen überwältigenden.

Das Hungergefühl verflüchtigt sich, als ich links von mir das "Himmels-W" entdecke, Cassiopeia. War das nicht die Mutter von Andromeda? Ja, die Tochter ist ebenfalls am Himmel zu sehen, direkt neben Pegasus, dem fliegenden Pferd. Andromeda - die Kleine wurde doch von Perseus, dem griechischen Helden gerettet. Sie sollte dem Meeresungeheuer Cetus geopfert werden und erwartete ihr Schicksal an den Felsen gekettet. Perseus rettete sie. Und aus dem Meeresungeheuer Cetus wurde in der Transkription ein langweiliger Walfisch. Jedenfalls war Perseus ein Wahnsinnstyp - ein griechischer Held eben, der Spiderman der Antike. Er war nicht nur tapfer, sondern (welch seltene Kombination) schlau - was sicherlich eine bessere Kombination ist, als schön (und) blöd. Als Griechenlands First Top-Hero schlug er der Medusa das Schlangenhaupt ab, bis es sich ausgeschlängelt hatte. Und das, obwohl Medusas Betrachter doch zu Stein werden. Der Sage nach war nämlich das Schlangenhaupt so hässlich (Griechenlands Next Top-Hackfresse), dass man als ungeübter Betrachter versteinern musste. Aber Perseus nutzte sein blitzblankes Schild als (Kosmetik?)Spiegel und beäugte die Medusa indirekt. Diese Art von Voyeurismus behütete vor der Steinwerdung und Perseus besiegte so die Medusa durch einen gezielten Hieb auf den Hals, der zur Enthauptung führte - ein kopfloses Unterfangen. Perseus mit erigiertem Schwert in der einen und Medusakopf in der anderen Hand - so sieht man ihn am Himmel. Mit Medusas einem Auge assoziiert ist der Stern Algol, ein Bedeckungsveränderlicher, was den Eindruck erweckt, dass der abgeschlagene Kopf der Medusa nun fröhlich vor sich hinblinkert - die Astronomen haben schon einen Galgenhumor.  Für den Namen al-gul ("der Dämon" - sehr passend!) sind die Araber verantwortlich, von denen die Griechen einiges übernommen haben. Wie dem auch sei. Auch kopflos gab es ein Happy-end: Schwups, aus Medusas Hals sprang das Pferd Pegasus und alle waren...überwältigt.

Diese Sommernächte. Noch kurzweiliger sind sie nur um den 11. August, wenn die Perseiden über den Himmel flitzen. Ja, die Perseiden sind tatsächlich nach Superheld Perseus benannt und zwar weil sie alle (scheinbar) von dort kommen. Das hat nichts Mythisches, sondern ist knallharte Astrophysik: Der Komet Swift-Tuttle zerplatzte zerbröselt in kleine Bruchstücke, die nun alljährlich im August  - immer wenn die Erde die Bahn des ehemaligen Kometen kreuzt - auf die Erde niederregnen. Ein Meteorstrom ist der Fachbegriff für derartige, wiederkehrende Sternschnuppenregen. Also, noch gut einen Monat warten und bitte gegen Morgen an den Himmel schauen. So schnell werden Sie sich nichts wünschen können, wie da die Sternschnuppen purzeln! Ein grandioses Himmelsschauspiel...einfach überwältigend.

Überwältigt von meinen Gedankenblitzen und Assoziationen mache ich mich auf den Heimweg. Zuhause komme ich müde an und finde meine schlafende, bessere Hälfte auf einem bequemen Liegemöbel. Erschöpft lege ich mich neben sie und stelle fest wie gut ich es habe, denn sie ist...überwältigend.

Na, Lust bekommen?
Wenn Sie auch überwältigt werden möchten: Morgen um Mitternacht wiederholt sich dieses Spektakel. Und falls es bewölkt ist, dann probieren Sie es übermorgen...



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Was darf Forschung?

07. Juni 2008, 12:27

Forschung überschreitet Grenzen: Grenzen des technologisch Machbaren, Grenzen des Denkbaren und manchmal Grenzen des moralisch Vertretbaren. Sollte man die "moralische Notbremse" ziehen können, und wenn ja, wer signalisiert, in welchen Fällen das getan werden muss? » weiter

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Vergänglichkeit

01. Februar 2008, 18:54

Manchmal trifft mich dieser niederschmetternde Gedanke aus heiterem Himmel: Alles wird irgendwann vorbei sein! Ich werde mir schlagartig meiner Vergänglichkeit, meinem endlichen Dasein, meiner menschlichen Begrenztheit bewusst. Dieser Gedanke ist einerseits beunruhigend, andererseits strahlt er in seiner Absolutheit Ruhe und Gewissheit aus. Ein seltsames, gemischtes Gefühl - das nach erfolgreicher Verdrängung im Alltag verblasst.

Religiöse Menschen finden bei solchen Gedanken Trost im Motiv der Auferstehung, das in vielen Weltreligionen fest verwurzelt ist. Der Glaube verspricht: Es geht weiter, es ist zwar nicht ganz klar wie, aber es geht weiter.
Die regelmäßige Wiederkehr der Dinge ist wiederum ein weit verbreitetes Konzept in der Natur. Der Tag, der Monat, die Jahreszeiten, die Sonnenzyklen - das alles sind Beispiele von natürlichen, kosmischen Zyklen, die die Verhältnisse auf der Erde und auch die Eigenschaften des Lebens geprägt haben. Bricht man diese kosmischen Zyklen auf eine physikalische Grundeigenschaft herunter, so findet man die Rotation. Rotation, das Vermögen sich relativ zu einem Bezugspunkt zu drehen, ruft die zahlreichen Zyklen hervor, die uns so vertraut sind: die Rotation der Erde um ihre eigene Achse (Tag), die Rotation des Mondes um die Erde (Monat) und die Rotation der Erde um die Sonne (Jahreszeiten) etc. Ich fühle mich bei diesen phantastisch präzisen Räderwerken erinnert an die wohldefinierte, deterministische, mechanische Welt des 19. Jahrhunderts.

Im 20. Jahrhundert wurde mit den Entdeckungen in der Quantentheorie und in der nichtlinearen Dynamik ("Chaostheorie") klar, dass die Welt nicht so deterministisch ist. Weiterhin wissen die Astrophysiker, dass die wunderbaren Zyklen Tag, Monat und Jahr nicht ewig währen. So nimmt beispielsweise die Tageslänge durch die Gravitationswechselwirkung von Erde und Mond (die so genannte Gezeitenreibung) beständig zu. Ein Stern ist kein immerwährendes Gebilde - auch wenn der alte Name Fixstern das implizieren mag; ein Stern entsteht aus dem Kollaps einer Materiewolke, leuchtet - verglichen mit einem Menschenalter - eine ziemlich lange Zeit und er geht über in einen neuen kompakten Zustand oder explodiert. Auch Sterne sterben. Auch Sterne haben einen Lebenszyklus wie Menschen. Diese Erkenntnis an sich ist schon höchst erstaunlich.

Diese Überlegung kann noch weiter getrieben werden zu den größeren Strukturen im Kosmos. Galaxien, Ansammlungen von einigen hundert Milliarden Sternen und von Gas und Staub, sind ebenfalls irgendwann entstanden. Sie durchleben unterschiedliche Phasen: sie können hell strahlen in ihrer Jugend, mit anderen Galaxien verschmelzen und sie können dunkler werden zu ihrem Lebensende, so wie es Astronomen bei einigen dunklen Zwerggalaxien in der Nachbarschaft der Milchstraße beobachten.

Noch größere Strukturen in der Weite des Weltalls sind die Galaxienhaufen. Sie sind Spielball der Gravitation und der Dunklen Energie, zusammengehalten von Dunkler Materie. Auch die Galaxienhaufen entwickeln sich.

Wir dürfen nun mutig den letzten Schritt wagen und behaupten, dass auch das Universum selbst Lebensphasen durchläuft und - zumindest im Prinzip - wiedergeboren werden könnte. Geboren im Big Bang dehnt sich das Weltall aus; Teilchen, Kräfte und chemische Elemente entstehen, die sich zu Sternen und Galaxien zusammenballen. Aus den Materiescheiben einiger Sterne bilden sich Planeten, auf denen eine komplexe Chemie abläuft, die sich irgendwann selbst begreift. Doch dieses Bewusstsein ist zahlreichen Gefahren ausgesetzt: der eigenen Lebensfeindlichkeit, den langfristig instabilen Bedingungen der Atmosphäre, dem Bombardement von kosmischen Klein- und Großkörpern, dem Schicksal des Heimatgestirns, das explodieren oder sich zu einem roten Riesen aufblähen und alles verbrennen könnte.

Das sind alles Gefahren auf einer verhältnismäßig kurzen Zeitskala, die uns traurig stimmen mögen. Ich empfinde Erleichterung, wenn ich bedenke, dass es dem Universum als Ganzes nicht besser ergehen wird. Auch das Weltall wird sterben wie der Mensch. Das gängige Standardmodell der Kosmologie besagt, dass das Universum sich immer mehr, sogar beschleunigt, ausdehnt. Es wird größer und zieht die kosmischen Strukturen auseinander. Dabei wird es kälter. Nach dem, was wir heute (zu) wissen (glauben), wird es der Gravitation nicht gelingen, diesen Ausdehnungs- und Abkühlungsprozess aufzuhalten. Das Ende ist ein leerer, kalter Kosmos - angefüllt mit Schwarzen Löchern, Schwarzen Zwergen und kaltem Staub.   


Manchmal trifft mich dieser niederschmetternde Gedanke aus heiterem Himmel: Alles wird irgendwann vorbei sein!



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szmtag