kosmologs Europas Zukunft im Weltraum

Eine eigene Europäische Raumkapsel - EADS und DLR Präsentieren konkretes Konzept

von Markus Landgraf, 15. Mai 2008, 10:59

Europäische bemannte Raumkapsel 

Am Mittwoch gaben in Bremen der Europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und das Deutsche Zentrul für Luft und Raumfahrt (DLR) bekannt, dass man die Weiterentwicklung des äusserst erflogreichen ATV zu einer bemannten Kapsel plant. Bereits ab 2013 soll eine unbemannte Kapsel für die dringend benötigte Rückführung von Experimentproben von der ISS zur Verfügung stehen. Basierend auf dieser soll dann eine mit Lebenserhaltungssystemen ausgerüstete Version ab 2017 Europäische Astronauten befördern. Damit wäre Europa nach der Sowjetunion, den USA und China die vierte Nation, die selbständig Astronauten ins All befördern könnte.



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Kommentare

  1. Michael Khan Etwas verwirrt
    15.05.2008 | 16:48

    Es faellt mir schwer, den Kontext dieser Pressemitteilung von EADS und DLR einzuordnen. Die ESA studiert (bzw., sie laesst studieren) seit langem Szenarien fuer Weiterentwicklungen des ATV, Stichwort "ATV Evolution".

    http://www.esa.int/esaMI/ATV/SEMNFZOR4CF_0.html

    Wie sich dieser neue DLR/EADS-Vorschlag nennenswert von dem "CTV" (Crew Return Vehicle)-Szenario abhebt, erschliesst sich mir nicht so ganz.

    Die wirkliche technische Herausforderung eines bemannten Systems, auf ATV-Basis, bei dem der Nutzlastbehaelter durch eine bemannte Kapsel ersetzt wird, sehe ich noch nicht einmal in dieser Kapsel, sondern in dem Rettungskonzept.

    Es muss eine Loesung gefunden werden, die eine Rettung der Mannschaft in den verschiedenen Phasen des Aufstiegs ermoeglich und dabei weitgehend kompatibel mit den noch weiterzuverwendenden Teilen der ATV-Technik bleibt. Das halte ich fuer eine ziemliche Herausforderung.

  2. Markus Landgraf Auch etwas verwirrt
    16.05.2008 | 09:19

    Hallo Michael,

    klar hast Du recht. Mit ARD/CRV hat man die Eintrittsphase ziemlich solide studiert. ATV gibt uns Erfahrung in der Aufstiegs/Rendezvous-Phase. Was noch bleibt sind die fuer bemannte Fluege typischen Anforderungen: Abbruch in jeder Missionsphase (wie von Dir schon gesagt), Zeitbeschraenkung durch die begrenzte Lebenserhaltung und andere dynamische Einschraenkungen (G-Kraefte, thermale und akustische Belastungen).

    Was mich allerdings noch mehr verwirrt ist, dass am Dienstag offensichtlich zwei Projekte publik gemacht wurden: ATV Evolution in der PK von EADS/DLR und Kliper (der ist ja auch nicht tot zu kriegen) von unseren Russischen Kollegen. Nur wir (ESA) haben bisher nicht viel verlauten lassen. Soll Kliper und ATV Evolution als parallele Antraege in der Ministerratskonferenz vorgeschlagen werden? Wir werden es wohl abwarten muessen. Vielleicht gibt es ja Neuigkeiten auf der ILA.

  3. Astra Orbital-Trabbi
    16.05.2008 | 09:45

    Dieses Konzept kann man wohl eher unter der Rubrik "Vorbereitung der deutschen/europäischen Öffentlichkeit auf die Einführung bemannter Raumfahrt in Europa" werten. Der Astrium-Vorschlag ist ein Orbital-Trabbi, mit dem man zunächst einmal mit niedrigen jährlichen Kosten trumpfen will, um es in vorhandene (oder bestenfalls leicht erhöhte) jährliche Budgets reinquetschen zu können.

    Der Ungereimtheiten sind hier viele, ein Beleg dafür, dass das ganze Konzept noch in einer frühen Powerpoint-Phase ist. Es wird hier beispielweise von einem Startgewicht von 9 Tonnen gesprochen, und nur wenige Zeilen davon entfernt behauptet, das dafür vorgesehene Startgerät wäre die Ariane 5 in der ATV-Version. Wenn die Massenangabe aber stimmt, wäre die aber völlig überdimensioniert. Eher ist das Kapselchen für die Sojus 2 ausgelegt, was die ESA kaum begeistern dürfte, will man sich doch nicht schon wieder - wie derzeit beim Transport von Astronauten in den Orbit - von unzuverlässigen Partnern abhängig machen. Überhaupt gibt die ESA wesentlich anspruchsvolleren Lösungen den Vorzug
    Das Ding hier entspricht in etwa dem(für 2014 geplanten indischen Design, leistet nicht mehr als die seit drei Jahren im Einsatz befindliche Shenzhou und ist weniger leistungsfähig als der 2010 zum Erstflug startende SpaceX-Dragon Design. Von Orion, mit dem es in etwa zeitgleich fertiggestellt sein soll, ganz zu schweigen.
    Die ESA wird nichts unter einer (bei Notbesetzung) sechs-Personen-Kapsel zulassen, um über eine volle autonome ISS-Rescue-Kapazität zu verfügen. Sie wird auch die Nutzlastkapazität einer Ariane 5 ES voll ausschöpfen und ein evolutionäres System haben wollen, das später auch mal mondflugtauglich ist. Studien in dieser Richtung hat die ESA übrigens auch bei Astrium (damals noch EADS Space Transportation) in Auftrag gegeben, wie dieses der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Executive Summary zeigt: http://esamultimedia.esa.int/...eted/C18303ExS.pdf

    Dieses Kistchen hier (70 Zentimeter Basisdurchmesser weniger als Apollo !) entspricht dagegen gerade mal der in den siebziger Jahren in der Sowjetunion entwickelten, mehrmals im Weltraum getesteten und danach wieder eingestellten TKS VA.
    Der leptosome Entwurf würde aber immerhin dann Sinn machen, wenn es Astrium auf eigene Kosten oder unter begrenztem Einsatz von Fördergeldern sehr schnell entwickelt, und der ESA in drei oder vier Jahren, allerspätestens aber 2015 (wenn die ISS-Barter-Agreements ablaufen) bemannte Flüge als Dienstleister verkauft. Das gäbe der ESA die Zeit ein "richtiges" Raumfahrzeug entwickeln. Der Astrium Space-Zweitakter könnte danach aber weiterhin für Privatmissionen oder als Reservevehikel zur Verfügung stehen, wenn es - grade in der ersten Einsatzphase muss man das ja erwarten - mit dem "richtigen" Raumschiff mal zu längeren "Grounding"-Zeiten kommt.
    Wie auch immer. So sehr dieses schwachbrüstige Raumschiffchen hier nach Hüftschuss aussieht. Es ist gut, dass die seit vielen Jahren überfällige öffentliche Debatte ins Rollen kommt. Die Zeit ist mehr als reif, und mit den richtigen Argumenten kann das Vorhaben "Volle Europäische Autonomie im Weltraum" endlich starten. Dafür sollte man Astrium dankbar sein

  4. Markus Landgraf Trabbi?
    16.05.2008 | 11:04

    Hallo Astra,

    meiner Meinung nach bedeutet die Massenangabe von 9 Tonnen, dass das Vehikel nicht allein fuer die ISS gedacht ist. Bei dem Gewicht ist die Ariane 5ES in der Lage, das Vehikel auf einen lunare Transferbahn zu schicken. Man will sich offensichtlich die Option fuer Explorationsmissionen offen halten. Ich bin Deiner Meinung, dass der Vorschlag natuerlich etwas von einem Testballon hat, den man erst einmal steigen laesst. Damit findet man hoffentlich bald raus, welcher Wind aus Paris, Rom und Berlin weht.

  5. Astra Orbital-Trabbi II
    16.05.2008 | 13:11

    Was die Gewichtsangabe betrifft, so ist hier der Spekulation Tür und Tor geöffnet. Eine Dreimann-Kapsel, auch wenn sie für eine Rückkehr mit annähernder Fluchtgeschwindigkeit ausgelegt ist, dürfte heutzutage kaum mehr als 4,5 - 5 Tonnen wiegen. Und das ist sicher schon hoch gegriffen. Der Rest entfällt damit auf das "Servicemodul", das damit für eine reine ISS-Zubringermission überdimensioniert ist, für eine Mondmission wiederum zu klein.
    Die Frage ist, was man mit einem 4,5 Tonnen Servicemodul eigentlich macht? Man könnte zirkumlunare Flüge à la "Zond" durchführen (dafür wäre aber wiederum der genannte Träger, die Ariane 5 ES ATV, wieder nicht optimiert. Die ECA wäre hier wesentlich besser). Man könnte ein kleines bisschen Station-Reboost durchführen. Eigentlich wäre es dafür aber wieder zu wenig. Solomissionen von 2-3 Wochen Dauer sind angedeutet, aber was für eine Art Solomission wäre es dann, mit drei Mann in einem Kapselchen, gegen das Apollo eine Turnhalle war? Hat man vielleicht schon als Ziel Robert Bigelows aufblasbare Habitate in Erwägung gezogen, die schon in wenigen Jahren bezugsfertig sind? Soviel frische unternehmerische Initiative traue ich Astrium und DLR aber nicht zu.
    Ich kann hier keine maßgeschneiderte Mission für das Ding erkennen. Bleibt also der Versuchsballon für's breite Publikum. Ich schau mir's jedenfalls übernächste Woche mal auf der ILA an.

  6. Markus Landgraf Mission fuer ATV Evolution
    16.05.2008 | 14:19

    Die Frage nach der Referenzmission ist wirklich spannend. Am wahrscheinlichsten erscheit mir, dass man eine Mond-Vorbeiflugsmission machen moechte, vielleicht ein Jahr bevor die NASA wieder hin fliegt. Da das System modular ist, koennte man sich auch vorstellen, dass man spaeter eine Landeeinheit und eine Transferstufe ankoppelt, ganz nach dem Vorbild von Ares/Orion. Dafuer braeuchte man dann allerdings einen Schwerlasttraeger. Zum Thema Einsatz an der ISS denke ich, wollte man eine sechssitzige Kapsel vermeiden, denn die wuerde als eigenstaendiger Europaeischer Beitrag den Pflichtanteil uebersteigen. Zur Erinnerung: wir haben lediglich einen 8.3%igen Anteil, d.h. auch nur entsprechend wenig Verpfichtungen bei der Bereitstellung der Infrastruktur. Am Ende ist der Vorschlag wahrscheinlich eher das Produkt vieler Kompromisse, als eines Versuchs Diskussionen loszutreten. Erfreulich finde ich, dass man sich auf ein machbares Projekt geeinigt hat und nicht wieder (wie bei Saenger und Hermes) einen zu grossen Schritt wagt.

  7. Astra Orbital-Trabbi III
    16.05.2008 | 14:45

    Sieht man sich die etwas detailreicheren Meldungen dazu an, dann kann man einige weitere Informationen herausklauben. Hier http://www.rp-online.de/...umfahrt-einsteigen.html findet sich ein Hinweis, dass die Kapsel vor der Westküste Afrikas wassern soll (wo man nur hoffen kann, dass sie dann nicht von Piraten aufgebracht wird, bevor die Bergungskräfte eintreffen ) und dass die Gesamtkosten bei unter einer Milliarde Euro liegen sollen, mit einem Jahresbudget von 150-200 M€
    http://www.dradio.de/...sendungen/forschak/784987/ . Dazu passt, als Kontrapunkt sozusagen, die Meldung http://www.physorg.com/news129984649.html dass die ESA und Roskosmos beabsichtigen, ein sechssitziges 20-Tonnen Raumschiff zu bauen. Mal schaun, was aus dem deutschen Solo-Vorstoß in Kombination mit der Gemengelage bei der ESA und möglichen weiteren europäischen Einzelvorschlägen (ich warte täglich auf einen Trumpf von Thales-Alenia-ASI-CNES ) bis gegen ende des Jahres, nach der Ministerratskonferenz geworden ist. Hoffentlich ein schmackhafter Eintopf, der schnell zubereitet werden kann. Von mir aus auch eine Ratatoullie, wenn es nur endlich zu bemannter Raumfahrt in Europa führt.

  8. Florian Das Blog-Teleskop #1
    01.06.2008 | 17:22

    Hallo!

    Das erste "Blog-Teleskop" mit Berichten über die deutschsprachigen Astronomieblogs ist heute erschienen. Über deine Mitarbeit würde ich mich freuen - mehr Informationen gibt es hier.

    vg Florian

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