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Herzlichen Glückwunsch Adolf Kunert...

11. Februar 2012, 11:59

...  zum 90sten Geburtstag!

Heute ehrt die Wilhelm-Foerster-Sternwarte Berlin ihren langjährigen wissenschaftlichen Leiter Adolf Kunert. Er lenkte das Programm und den Kurs der größten Westberliner Astronomie-Einrichtung, die aus einem Planetarium am vierspurigen Steglitzer Munsterdamm und einer Sternwarte auf dem Schöneberger Trümmerberg Insulaner besteht, von 1963 bis 1987, also in einer historisch außerordentlich spannenden Phase zu den rigorosesten Zeit der deutschen Teilung (Artikel aus der Berliner MoPo von 2009) und heißestens Phase des Kalten Krieges.

In das beinahe viertel Jahrhundert seines Amtes fällt der Wettlauf einer ost-west-geteilten Welt zum Mond und schließlich die ersten Schritte von Menschen auf einem anderen Himmelskörper überhaupt. Aber auch die nicht-bemannte Raumfahrt brachte fundamentale Erkenntnisse übers Sonnensystem und revolutionierte vor allem die Forschungsmethode: Was in den 50er Jahren noch unter den Top-Themen der astronomischen Forschungsziele auf beiden deutschen Seiten des eisernen Vorhangs geplant war (z.B. Beobachtungen von leuchtenden Nachtwolken, von Mond und Planeten ... das steht zumindest in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaften der DDR, die ich im Laufe früherer Forschungen analysierte), verschob sich in dieser Zeit hin zur Beschäftigung von Hobbyastronomen und anderen Wissenschaftsgebieten als Astronomen (Meteorologie, Geo- und Planetenforschung)...

Mithin mussten sich auch die Zielgruppen, die Themen und die Methoden der Planetarien und öffentlichen Volkssternwarten fundamental ändern. Gerade in den 60er Jahren entwickelte sich auch ein neues Hobby: Beobachtung künstlicher Erdsatelliten - was wir heute schon nicht mehr als spektakulär empfinden, weil es nunmal zu viel von den künstlichen "shooting stars" gibt, die als ungebetene Gäste dauernd die Aufnahmen der Astronomen kreuzen. In der Anfangszeit der Raumfahrt war es gewiss (so entnehme ich den historischen Quellen) etwas besonderes "einen Sputnik", also einen künstlichen Erdbegleiter am Himmel zu sehen. 

Kunert hatte im Amt des Wissenschaftlichen Leiters der WFS den sehr populären Astronomie-Autor Joachim Herrmann als Vorgänger abgelöst und trat also ein bedeutendes Erbe an: die Berliner Öffentlichkeitsastronomie sieht sich schließlich in der Tradition des Urania-Gründers Wilhelm Foerster, seines Schülers und Riesenfernrohr-Erbauers Friedrich S. Archenhold, des berühmten Wissenschaftspoeten Bruno H. Bürgel und des ersten Planetariumsdirektors Richard Sommer (Planetarium am Bhf Zoo, im 2.WK zerstört), der auch die "astronomische Arbeitsgemeinschaft" von Hobbyastronomen ins Leben gerufen hatte... Bedeutende Pioniertaten auf dem Weg zur volkstümlichen Astronomie in der Stadt, in der in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Planet Neptun zum ersten Mal am Himmel nachgewiesen wurde (Johann G. Galle, 1846).

... und Kunert bewährte sich bestens in diesem Amt: 1980 wurde er als beratendes Vorstandsmitglied der Astronomischen Gesellschaft (AG) ernannt, um deren Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern. Man erhoffte sich davon bessere Kontakte zu den Hobby-Astronomen/ Sternfreunden, zu Schulen und Lehrkräften (Quelle). Diese Ernennung in einer solch renommierten Elite-Gesellschaft der Astronomie spricht gewiss für die Qualität von Kunerts Arbeit.

 

Anlässlich des 90sten Geburtstages des Wissenschaftlichen Leiters dieser aufregenden historischen Zeit, Adolf Kunert, findet heute ab 15 Uhr ein halbtägigen Ehrencolloquium im Planetarium am Insulaner statt, bei dem seine Familie und zahlreiche Ehrengäste Geschichten aus ihrem gemeinsamen Leben mit dem zu Ehrenden erzählen. Zahlreiche ehemalige deutsche Planetariumsleiter und öffentlich Astronomieaktive versammeln sich zu dieser Feier und reflektieren die "alten Zeiten", ihre jüngeren Nachfolger sprechen dazu Grußworte und ehren so den ehemaligen Kollegen. 

 

Herzlichen Glückwunsch, Herr Kunert, zum Geburtstag!

Gesundheit auch in den späteren Lebenstagen und viel Freude an den Aktivitäten Ihrer Nachfolger, des heutigen Teams vom Insulaner, in der AG und in der Berliner und gesamtdeutschen (nicht mehr geteilten) Populärastronomie!

Viel Spaß allen Gästen bei der Feier!



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Exomonde

21. Januar 2012, 21:21

Exoplaneten findet man seit 1995 am laufenden Band (zur Betrachtung des Themas auf Schulniveau: akt. Heft Nr 126 von A+R i.U.) – doch bei der Suche nach der zweiten Erde stellen nur wenige die Frage, ob es vielleicht auch Monde um diese Begleiter geben könnte und ob wir diese finden. Ich habe mich vor ein paar Jahren in meiner ersten Diplomarbeit mit dieser Frage beschäftigt.

Eine der Teilfragen der Statistik der Astronomie ist auch, wie häufig Monde überhaupt in anderen Sonnensystemen vorkommen. Wieviele von den Exoplaneten, die man mit verschiedenen Methoden findet, haben Monde und wie kann man diese eventuell nachweisen?

Laut der Greenbank-Formel stellt sich auf der Suche nach der zweiten, dritten und vierten Erde auch die Frage: Gibt es irgendwo ähnliche Lebensbedingungen wie auf unserem Planeten und wie "typisch" ist unser Sonnensystem im Vergleich zu anderen? Die ersten Funde von extrasolaren Planetensystemen schien zu eröffnen, dass unser SoSy was ziemlich besonderes ist. Allerdings ist das wohl nur ein "natürlicher Effekt" der Erstentdeckung von Exoten: Es ist, wie beim Blick in eine Menschenmenge: die besonders übergewichtigen oder besonders hochgewachsenen stechen heraus und fallen zuerst auf. Erst später nimmt man die ganzen "gewöhnlichen" Leute wahr. Inzwischen gab es mehrfach die Meldung von der Entdeckung erdähnlicher Planeten (siehe SuW, z.B: 2011).

Manche wissenschaftlichen Thesen behaupten, dass die Erdachse insbesondere deshalb über Jahrmilliarden stabil ist, weil unser Mond die Erde umkreist. Vielleicht ist dies einer seiner tatsächlichen Beiträge für das Leben auf der Erde (nicht zu verwechseln mit den zahlreichen angedichteten Einflüsse)?

Was haben wir zum Finden von Planeten?

Gehen wir dazu die einzelnen Methoden kurz durch: Exoplaneten finden wir heute mit fünf verschiedenen Methoden. Pulsarplaneten stören die Regelmäßigkeit der Pulse jener kosmischen Taktgeber, die als Neutronensterne ihren Magnetpol gerade zufällig in unsere Richtung drehen. Hätte ein solch exotischer Planet einen Mond, dann könnte auch der Mond den Puls verkleinern oder aussetzen lassen, aber da der Mond naturgemäß immer nah am Planeten steht, würde auch der Planet allein denselben Effekt bewirken und der Mond nichts "aufmodulieren". Wir würden den Mond nur registrieren, falls seine Bahnebene in exakt der Ebene der Pulse liegt und die Bahngeometrie des Mondes (Entfernung zum Pulsar und Durchmesser des Mondes) hinreicht, den Puls ebenfalls abzudecken oder seine Intensität merklich zu schwächen. Um dies vernünftig abzuschätzen, bräuchte man eine statistische Verteilung der Monde, die mindestens halb so groß sind wie ihr Planet. Zum Zeitpunkt meiner Diplomarbeit zählte Pluto-Charon noch als Doppelplanet und damit wäre die Häufigkeit eines solchen Falles in unserem SoSy = 1 bei etwa zehn Planeten und tausenden von Monden (Fehlerbalken der Astrophysik liegen ja oft im Exponenten). Betrachten wir nun aber noch, dass Pluto zu weit von der Sonne entfernt wäre, um bei seiner Mini-Größe einen Pulsar-Puls (Lichtkegel) zu stören, könnte es auch sein, dass wir Pluto und Charon, die um einen Pulsar kreisen, gar nicht finden.

Also, angenommen, alle Pulsarplaneten haben Monde. Dann ist die Chance, dass einer dieser Monde halb so groß ist wie sein Planet etwa 0,1 (mit der Stichprobenmenge von eins, die wir haben, nämlich unser SoSy). Kreist der Planet dicht am Pulsar, könnten er den Puls stören, kreist er in großer Entfernung stört er vielleicht nicht messbar. Die Chance für die Entdeckung von Pulsar-Monden liegt also im günstigsten Fall bei 0,1 mal der Anzahl der entdeckten Pulsar-Planeten, im ungünstigsten Fall bei 0. Bei deren geringer Häufigkeit und noch viel geringeren Relevanz für die Suche nach Leben im All ist dies jedoch wohl schlicht weg vernachlässigbar. :-(

Ähnliches gilt für die astrometrische Planetenfinde-Methoden:

Weil im Gravitationsgesetz die Anziehungskräfte der beteiligten Massen gleichberechtigt eingehen, zieht jeder Planet auch seinen Stern an. Wir können entweder versuchen, die resultierende rhythmische Bewegung des Stern mit dem Planetenumlauf direkt zu messen, also als Verschiebung des Sternortes am Himmel, wenn der Stern an unserem Himmel quasi hin- und hertänzelt. Alternativ können wir versuchen, die Sternbewegung "auf uns zu" und "von uns weg" im Planetenrhythmus durch die Messung von Radialgeschwindigkeiten, also die Doppler-Verschiebung seines Spektrums zu bestimmen. In jedem Fall würde ein Mond um den Planeten kaum einen Effekt bewirken, weil er sich ungefähr am Ort des Planeten befindet. Die aufmodulierte Verschiebung des Sterns, die durch den Mond verursacht wird, ist derzeit mit astrometrischen Methoden gar nicht nachweisbar und auch bei der Doppler-Whobble-Methode wäre ich skeptisch, da sie ohnehin große Planeten (relativ zu ihrem Stern) auf engen Bahnen bevorzugt.

Es bleiben zwei Hauptverdächtige unter den Methoden, wie man Monde nachweisen kann: Die Transitmethode und die Gravitationslinsenmethode. In beiden Fällen handelt es sich um photometrische Methoden, bei denen wir also die Helligkeit eines Sterns messen. In den Veränderungen der Helligkeit eines per se kontinuierlichen Strahlers messen wir charakteristische Veränderungen, die auf Planeten schließen lassen.

Transitmethode

Bei der Transitmethode beobachten wir auf diese Art den Vorübergang eines Planeten vor seinem Mutterstern. Wir sehen also einen Helligkeitseinbruch in der Lichtkurve des Sterns, denn für die Dauer des Vorübergangs des Planeten vor seinem Mutterstern wird ein Teil der leuchtenden Sternoberfläche abgeschattet. Würde beim Planeten ein Mond stehen, könnte er in einer günstigen Konstellation die Symmetrie dieser Kurve brechen, denn er könnte z.B. beim Eintritt des Planeten vor die Sternscheibe "neben" dem Planeten stehen, so dass mehr Sternfläche abgedeckt wird als der Planet allein verdecken könnte. Andererseits könnte er bei Austritt oder spätestens beim nächsten Vorübergang desselben Planeten vor seinem Mutterstern eben nicht mehr "neben" dem Planeten stehen, so dass infolge der Rotation des Mondes um den Planeten, also seine Bindung an den Planeten die Sternhelligkeit jedes n-te Mal stärker zurückgeht als sonst - je nachdem, ob der Begleiter des Planeten gerade ebenfalls Sternlicht abschattet oder nicht.

Transit

Abb. 1: Im linken Bild gehen Planet und sein Mond "nebeneinander" an der Sternscheibe vorüber. Der Helligkeitsabfall ist die Summe aus den beiden einzelnen Helligkeitsabfällen. Im rechten Bild wäre der Mond nicht detektierbar, weil er sich in der Helligkeit des Sterns überhaupt nicht bemerkbar macht.

Natürlich ist der Effekt sehr klein und seine Messbarkeit fraglich. Der größte Mond unseres Sonnensystems, Ganymed, hat einen Durchmesser von 5262 km, also ein Dreihundertstel Sonnendurchmesser. Weil die Leuchtkraft aber mit dem Quadrat des Radius skaliert, kann man daraus grob abschätzen, dass Ganymed für einen Beobachter auf Alpha Centauri oder auf der Wega einen Helligkeitseinbruch von 0.7 Promille verursachen würde. Zum Vergleich: Jupiter hat ca 10 % des Sonnendurchmessers und verursacht mithin - grob geschätzt - einen Helligkeitsabfall von 1%.

Hätten wir also photometrische Genauigkeiten von 0.1 Promille, also Genauigkeiten, die einen Helligkeitsabfall um ein Hunderttausendstel registrieren können, dann könnten wir Ganymed und ähnlich große Monde in anderen Sonnensystemen mit der Transitmethode nachweisen. Meines Wissens hat das aber bisher noch niemand versucht. Selbstverständlich ist Ganymed wirklich einer der Giganten unter den Monden. Die meisten Monde - also "typische" Kandidaten - wären deutlich kleiner und erforderten eine Genauigkeit von 0.01 Promille und weniger. Wie mit jeder Art von Entdeckung wäre es aber wichtig, zunächst den prinzipiellen Nachweis zu bringen, dass die Methode funktioniert, also einen ersten Mond auf diese Art zu finden. Hinterher kann man dann auch die Messgenauigkeit verbessern und die Methoden verfeinern, damit einem auch die "kleinen Fische" ins Netz gehen (können).

ligthlack

Abb. 2: Lichtablenkungen durch Gravitationslinsen: Der Mittelpunktstrahl kommt nicht an, stattdessen aber zahlreiche andere, die sonst an uns vorbei gehen würden. Wir sehen den Hintergrundstern heller.

Gravitationslinsenmethode

Die vielleicht raffinierteste und gleichzeitig brisanteste Methode der Planetensuche ist die Ausnutzung des Gravitationslinseneffektes. Mit ihr kann man erdähnliche Planeten sogar in gigantischen Entfernungen nachweisen, z.B. im Zentrum der Milchstraße. Wir beobachten dafür ferne Hintergrundsterne und messen deren Helligkeit. Falls wir Glück haben, zieht zwischen uns und diesen fernen Sternen eine andere Sonne mit ihren Planeten und Monden vorüber.

kaustik-lichtkurve-relation

Diese Himmelskörper - egal, ob wir sie selbst sehen können oder ihre Helligkeit dafür nicht ausreicht - lenken das Licht des fernen Hintergrundsterns ab. Dieser Effekt, den wir aus der Allgemeinen Relativitätstheorie ableiten, führt bei großen Skalen (also Galaxien usw) zu Doppel- oder Mehrfachbildern des Hintergrundobjektes. Auf den hier betrachteten kleinen Skalen aber, wenn wir also nur von Sternen innerhalb unserer Milchstraße reden, können wir diese Mehrfachbilder nicht auflösen, sondern beobachten am Himmel "nur" eine Lichtverstärkung des Hintergrundobjektes. (siehe Abb.)

lichtablenkung

Abb. 4: Umwandert ein Mond den Planeten, dann wird das Muster der Lichtverstärkung komplizierter. Weil die Lichtstrahlen zwischen den Mikrolinsen Stern, Planet und Mond hindurch navigieren müssen, ist die Lichtverstärkung nicht eine einfach Addition der Einzellichtkkurven, sondern hängt empfindlich von der genauen Geometerie der Konstellation ab.

Das linke Teilbild zeigt ein Szenario in der Frontansicht (von uns aus gesehen). Eingezeichnet sind die projizierten Mehrfach-Abbilder B1, B2 einer Quelle Q in einem beliebigen System mit dem Einsteinradius RE um die Linse im Zentrum. Bei B1 und B2 würden wir die Bilder sehen, wenn wir sie auflösen könnten (in praxi auf diesen Skalen nicht gegeben). Das rechte Teilbild zeigt deren Zustandekommen in der Seitenansicht.

Hier wird natürlich kein Licht zusätzlich erzeugt und wir addieren auch nicht das Licht von verschiedenen Quellen. Man kann es sich vereinfacht so vorstellen: Der Hintergrundstern strahlt in alle Richtungen Licht ab, wovon uns das meiste natürlich nicht erreicht, weil er es nicht in unsere Richtung schickt. Steht nun aber eine Gravitationslinse zwischen uns und dem Stern, trifft uns der direkt auf uns gerichtete Lichtstrahl zwar nicht. Allerdings kommen ein paar Lichtstrahlen bei uns an, die ohne die Linse einfach "links und rechts" oder "oben und unten" an uns vorbei gehen würden - jene Lichtstrahlen also, die ohne Linse vielleicht ein Mond"bewohner" oder ein Mars"bewohner" sehen würde oder ein Beobachter auf dem Planeten um 51 Peg). Die Linse bewirkt also, dass von dem Hintergrundobjekt mehr Licht zu uns hingelenkt wird und bei uns ankommt, anstatt anderswo und wir sehen, wie der Hintergrundstern heller wird.

So sehen die Karten der Lichtverstärkung aus: Betrachten wir einen winzigen Bereich am Himmel um einen Hintergrundstern (unten links, weit außerhalb des Bildes: etwa die doppelte Kantenlänge der Bildhöhe), dann zeigen hier die (erdachten) Linien und Flächen an, wo es eine Verstärkung in der Lichtkurve des Hintergrundsterns gäbe, falls sich ein Planet bzw. Mond des Vordergrundsterns an dieser Himmels-Stelle befinden würde.

Planet Mond Kaustiken

Abb. 5: Gravitationslinsenkaustiken wie diese entstehen als theoretische Simulationen des umgekehrten Lichtwegs. Sie geben sozusagen eine "Karte der Lichtverstärkung". Weiß sind die Orte hoher Lichtverstärkung falls man nur einen jupiterähnlichen Planeten um einen Stern hätte. Dunkelgrau bis schwarz sind die Orte derselben Planet-Stern-Konstellation, wenn der Planet durch einen großen Mond begleitet wird. Der Mond verschiebt also auch den Ort der Lichtverstärkung für den Planeten. Natürlich wäre dieser Effekt nicht messbar, weil man den Mond ja nicht entfernen kann, aber für die theoretischen Simulationsrechnungen ist dieser Effekt sehr wichtig.

Problem der Größe von Hintergrundsternen

Auch Monde haben natürlich Massen und würden mithin eine solche Lichtablenkung bewirken. Da gerade die Linseneffekte bei einem solchen Dreipunktlinsen-System stark nichtlinear werden, kann man jedoch nicht einfach die Lichtkurven von zwei Sternbegleitern (einem großen, dem Planeten, und einem kleineren, dem Mond) addieren, wie es bei der Transitmethode möglich war. Stattdessen ergeben sich verschiedene Effekte in den Lichtkurven je nachdem, wie der Exoplanet, sein Mond und ihrer beider Mutterstern durch unser Gesichtsfeld vor der Hintergrundquelle vorüberwandern.

Monde können theoretisch auch einen Helligkeitsanstieg von einigen zehn oder sogar einigen hundert Millimagnituden bewirken, den wir heutzutage bereits detektieren könnten. Allerdings könnte sogar dieser relativ starke Effekt im Fall von großen Hintergrundsternen im Rauschen verschwinden: Hat nämlich ein Hintergrundstern einen größeren Durchmesser, dann wird seine Leuchtkraft stärker um eine (idealgedachte) Punktquelle verschmiert, als wenn er kleiner wäre. Selbst wenn also der ferne Riesenstern mehr Licht abstrahlt, als der ferne Hauptreihenstern, so trifft dennoch das meiste seines Lichts nicht in den Linsenbereich unserer Mikrogravitationslinse und wird folglich doch nicht zu uns irdischen Beobachtern umgelenkt. Das Licht, das von der Gravitationslinse zu uns hin abgelenkt werden kann, wird also eher weniger, wenn der ferne Strahler groß ist.

Eine Hoffnung ist allerdings, dass wir aufgrund der größeren Anzahl von kleinen und durchschnittlichen Sternen als von Riesen auch mehr von diesen kleineren beobachten als von den Riesensternen. Natürlich erfordert dieses Ziel sensible photometrische Messgeräte, denn die Riesen sind nunmal auch leuchtkräftiger als die Zwerge (weiter oben im HRD).

Eine andere - wenngleich sehr schwierige - Lösung dieses Dilemmas könnte sein, dass man gar nicht Sterne im Hintergrund beobachtet, sondern Quasare oder andere Objekte, die an sich Quasi-Punktquellen sind. Dann würden sich die Monde der Exoplaneten jedenfalls in den Lichtkurve zeigen. - Die Frage ist eher, ob es für ein derartiges Szenario eine sinnvolle Konstellation geben kann: Exoplaneten suchen wir bisher nur in unserer Milchstraße, der Galaxis, und wo sich die Sterne und die interstellare Materie der Galaxis befinden, können wir leider nicht ins ferne All schauen. Wo wir umgekehrt in die Ferne schauen können, da sind eben keine nahen Objekte im Weg, d.h. es ist sehr unwahrscheinlich (wenngleich nicht unmöglich), dass wir dort einem Freefloater begegnen, der vielleicht dann auch noch einen lunaren Begleiter mit sich führt.

 

Stern Ein Fusor, d.h. er generiert Energie durch Kernfusion.
Planet Ein Nichtfusor, der (unmittelbar) um einen Fusor kreist. Ein Fusor erzeugt sein Licht durch Kernfusion selbst.
Mond Ein Nichtfusor, der um einen Nichtfusor kreist.
Freefloater Ein Objekt planetarer Masse, dass nicht um einen Fusor kreist, sondern sich zwischen den Sternen frei bewegt.

 

Die charakteristische Form dieses Helligkeitsanstiegs lässt (nach unserem heutigen Wissen) eindeutig auf ein Linsenereignis schließen, auch wenn leider jedes Ereignis einzigartig und unwiederholbar ist. Jedoch verletzt diese Suchmethode daher ein ganz fundamentales Messprinzip der modernen Wissenschaften: Normalerweise fordern wir die Reproduzierbarkeit von Beobachtungen und das können wir in diesem Fall nicht garantieren: Im Gegensatz zur Transitmethode beobachten wir hier ja eine Helligkeitsänderung von einem unabhängigen Hintergrundstern und nicht eine Änderung bei der Muttersonne des Planeten. Wenn also der Mutterstern mit seinem Sonnensystem einmal den Hintergrundstern passiert hat, dann ist dieses Ereignis unwiederholbar vorbei. Man stützt also die Beobachtung eines solchen Events auf eine Mehrfachbeobachtung von unabhängigen Beobachtergruppen auf der Erde. Nur falls mehrere Gruppen gleichzeitig diese Beobachtung machen, gilt eine Lichtkurve als gesichert und wird akzeptiert. 

Hintergurndstern Effekt

Abb. 6: Je größer der Hintergrundstern ist, desto weniger von seinem Licht steht der Linse für die Verstärkung zur Verfügung. Beobachten wir also unter den Hauptreihensternen eher größere von ca 4 Sonnenradien, dann kommt Effekt in für den hier simulierten Fall eines Doppelplaneten (Uranus umkreist Jupiter) gerade noch übers Detektionslimit. Doch falls dieselbe Konstellation an einem nur wenig größeren Riesenstern vorüberzieht, geht der Effekt des Mondes bereits im Rauschen unter. Man bedenke, dass typische Messdaten - im Gegensatz zur hier dargestellten Rechnung - keine kontinuierlichen Messkurven zeichnen könnten und die Punkte obendrein einer starken Streuung unterliegen würden.

Planeten und ihre Monde können also Lichtverstärkungen an Hintergrundsternen verursachen und die gute Nachricht ist: Sie können es sogar gleichermaßen intensiv. Ein Jupiter um die Wega könnte also die gleiche Höhe der Lichtverstärkung an einem (ideal punktförmig gedachten) Hintergrundobjekt bewirken, wie sein Mond Ganymed, weil die Höhe der Lichtverstärkung nicht von der Größe oder Masse der Linse abhängt, sondern nur von der Geometrie der Konstellation und der Größe des Hintergrundobjektes.

Dauer des Effekts

Überhaupt ist der Durchmesser der Linse von geringer Bedeutung, sondern als Einflussgröße benutzen Gravitationslinsenphysiker stets die Masse. Die Masse des linsenden Himmelskörpers hat eine andere Auswirkung auf die Beobachtung: sie reguliert nämlich die Dauer des Ereignisses! Ein durchschnittlicher Stern wie die Sonne würde z.B. als Gravitationslinse eine Helligkeitssteigerung beim Hintergrund bewirken, die einige Monate oder vielleicht ein Jahr andauert. Ein Planet hingegen hellt einen Hintergrund nur für einige Wochen auf, was aber noch immer bequem beobachtbar ist, solange es keine nachhaltigen globalen atmosphärischen Veränderungen gibt. Betrachten wir nun aber typische Mondmassen in unserem Sonnensystem, so müssen wir erkennen, dass ihre Mikrogravitationslinsenlichtkurven für sie nur von wenigen Stunden Dauer sein könnten. Monde sind also nur kurzfristig erhellend.

Diese Erkenntnis ist allerdings fatal für die Abschätzung der Beobachtbarkeit, denn dann könnte z.B. ein Teleskop in Zentralasien einen Exomond-Peak beobachten und während sich die Erde weiterdreht und binnen desselben Tages später, wenn es in Europa und Afrika oder den USA Nacht wird, der Exomond-Peak schon vorbei sein. Selbst wenn die Verstärkung sogar länger als einen Tag dauert und es dann in Zentralasien bewölkt ist, würde uns der Exomond durch die Lappen gehen, weil wir mit hoher Wahrscheinlichkeit diese eine Beobachtung niemals werden bestätigen können.

Plausibilität der Entdeckungswahrscheinlichkeit

Ein dritter Effekt kommt zum Tragen, den ich nicht unerwähnt lassen möchte: Die Unwissenheit des Beobachters. - Ich habe hier aus Sicht der theoretischen Astrophysik entwickelt, welche Effekte lunare Begleiter von Exoplaneten in deren Mikrogravitationslinsenlichtkurven überhaupt verursachen würden. Das Ergebnis ist, dass die Stärke des Effekts von Monden hauptsächlich vom Massenverhältnis Mond-Planet und der geometrischen Konstellation (Enge der Mondbahn und Lage, also Inklination in Bezug auf unser Beobachterbezugssystem) abhängen. Ich habe also kurzfristig aus der Perspektive des "allwissenden Gottes" nachgeschaut, wie stark der Effekt ist und ob der irdische Beobachter ihn bemerken könnte. Bei dieser deduktiven Methode ist es natürlich leicht zu behaupten, dass das doch mit Wahrscheinlichkeiten von einigen Prozent oder Promille eigentlich klappen könnte.

ABER Der Beobachter aber weiß ja in realitas nicht, ob ein Exoplanet einen Mond hat oder nicht. Wir haben gesehen, dass der Effekt photometrisch nahe am Rauschen ist, dass er von kurzer Dauer ist und dass er später auch nicht reproduzierbar sein wird.

ACHTUNG Es wäre also leicht, für einen Beobachter, diese Datenpunkte - selbst wenn er sie messen würde - als Messfehler zu deuten und gar nicht erst auf die Idee zu kommen, hier eine weitere Mikrolinse hinein zu interpretieren.

Bitte, liebe Beobachter, sucht trotzdem! :-)

Es gibt mit dem neuen Exoplaneten-Suchprogramm auch für Amateure (SETI@home) wunderbare Möglichkeiten, sich in diesem Feld auszutoben! Lasen wir nicht kürzlich in SuW von Aufrufen zur Unterstützung der Kepler-Daten-Auswertung?

Ideen und Perspektiven

Im Grunde müssten also an jeder Beobachtungsstation auf der Erde mindestens zwei konkurrierende Gruppen stets gleichzeitig messen und sich gegenseitig bestätigen, um abzusichern, dass ein oder zwei Messpunkte, die man dann vielleicht nur hätte, tatsächlich real sind und weder technische Messfehler noch Fehlinterpretationen der Auswertung. Am besten wäre dafür sogar, die Erde mit einem feinmaschigen Netz aus (doppelten) Beobachtungsstationen zu umspannen, um eine Lichtkurve lückenlos und einwandfrei aufzuzeichnen. - Ob der einzelne Beobachter dann auf die Idee kommt, einen Ausreißer in seiner Lichtkurve tatsächlich mit einem Exomond in Verbindung zu bringen, ist trotzdem fraglich. Meine theoretischen Simulationen verschiedener Linsenszenarien und Betrachtungen, ob wir es schaffen werden, Exomonde auf diese Art zu finden, resümiere ich daher leider eher skeptisch.

Ich glaube, dass der Effekt der Monde an sich durchaus messbar wäre, wenngleich er mit einigen Prozent oder Promille recht klein erscheint: Beobachten wir aber einige hundert oder tausende von Sterne, die ein Sonnensystem mit Monden haben, dann wäre die Detektion von Monden realistisch. Die Chance jedoch, dass wir einen Mond tatsächlich als solchen erkennen, wenn er sich kurz bemerkbar macht, geht m.E. leider gegen Null. - Ich würde mich allerdings sehr freuen, wenn künftige Beobachtungen und Auswertungen diese derzeit ungünstige Abschätzung als zu pessimistisch herausstellen. Es bleibt also spannend in der Suche nach den Monden der "zweiten Erden". :-)

Good Luck!

 


 

alt Endlich aufgeschrieben, was schon seit Jahren in meiner Schublade schlummert. 



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Modelle in der Physik

14. Januar 2012, 15:56

... sind eben Modelle, also erheben gar nicht den Anspruch, die absolute Wahrheit zu sein (falls es eine solche gibt). Ein Modell taugt für einen bestimmten Bereich, für ein bestimmtes Erklärungs-Schema oder einen bestimmten Denkstil (Begriff von Ludwik Fleck). Alle unsere Methoden zur Beschreibung der Natur sind nach meiner Deutung stets ein Versuch, das (mit allen Sinnen oder Messgeräten) Beobachtete in ein Schema zu pressen. So wie jeder Messvorgang ein Vergleich der Realität mit einem bekannten Maß (grch.: metron: [μέτρον, métron]) ist, ist eben das Modell der Vergleich der (modernerweise möglicherweise unsichtbaren, mikroskopischen und teleskopischen) Realität mit etwas Bekanntem.

In meinem Beispiel (siehe unten) werden auf humorvolle Art die verschiedenen Modelle für Elektronen dargestellt. Ein fingierter Streit von Professoren um "die Wahrheit" stellt wieder einmal unter Beweis, dass beim Streit um Wahrheit der Streit die einzige Wahrheit bleibt. Jedes der Modelle ist irgendwie, irgendwo richtig ... manch eines genauer als ein anderes, aber für manche Zwecke taugt eben schon das ungenauere Modell.

Das ist nun einmal der Denkstil der modernen Naturwissenschaft. Man soll (wie seit der Antike nach Sparsamkeitsprinzip) die Modelle stets so einfach wie möglich gestalten. Wenn aber das einfachste Modell, z.B. die Hypothese der Thermodynamik und statistischen Physik, das Elektron sei ein Kügelchen, nicht mehr taugt, weil das Elektron am Doppelspalt Interferenzmuster zeigt, dann muss man halt das Modell wechseln. Wir verlassen also für diesen Versuch den Gültigkeitsbereich des ersten Bildes.

Weiters wünscht sich die Festkörperphysik ein Modell fürs Elektron nicht als einsames Teilchen, sondern als verschmiertes Etwas in einem Leitungs- oder Valenzband, wenn sie die Leiter-, Halbleiter- oder Nichtleitereigenschaften bestimmter Stoffe "erklären" will.

Mit diesem Modell würde hingegen wiederum die statistische Physik, die ja eigentlich nur wissen will, wieviele Teilchen sich wie schnell bewegen, ziemlich kompliziert aussehen. In deren Anwendungsbereich sind Teilchen oder Quanten (Pakete) sehr viel praktischer als ein "Elektronensee".

So gibt es in der Anschauung stets mehrere Modelle nebeneinander, die alle gleichzeitig ihre Daseinsberechtigung haben und von denen keins als "absolute Wahrheit" betrachtet wird. Jedes Modell, also "Bild" taugt für einen bestimmten Gültigkeitsbereich und für einen anderen nicht. So, wie auch jede mathematische Formel einen bestimmten Gültigkeitsbereich hat, manche Reihen oder Funktionen vielleicht im Bereich von \N (natürliche Zahlen) und andere im Bereich der reellen Zahlen \R...

Die Wahrheit lässt sich also vllt augenblicklich reduzieren auf den Satz, dass es Elementarteilchen namens Elektronen gibt. Wie genau man die sich vorstellen soll, das hängt davon ab, was man gerade damit erklären möchte ... und provoziert mithin die Frage, ob man sie sich überhaupt "vorstellen" soll und muss.

Ich kenne kein Naturgesetz, dass besagt, dass der liebe Gott die Natur bis ins Allerkleinste und Allergrößte so geschaffen hat, dass sie in die Alltagsanschauung aller Menschen passt. Also: Was ist daran schlimm, wenn man sich ein Unsichtbares Detail wie das Elektron eben nicht "vorstellen" kann?

chap:tDas Elektron

             (oder)

Rumpelstilzchen für Physiker

Sagt, was ist ein Elektron
fragt ein Student und will es lernen.
Professor A in wicht'gem Ton
belehrt, es sei leicht zu entfernen.

Zumindest gelt' das im Metall,
dort gibt's 'nen Elektronensee.
Professor B lacht los mit Schall:
"Erzählen Sie nicht solchen Schnee!

Richtig ist, es gibt ein Gas
aus Elektron' der Atomhüllen."
Professor C berichtigt das:
"Viel' Elektronen braucht's zum füllen.

Doch eins allein ist eine Welle."
Student bereut schon seine Frage
Professor D antwortet schnelle:
"Meine Herr'n, welch eine Plage!

Das Elektron ein Teilchen ist:
'ne kleine Kugel ist's Elektron!"
Student verwirrt, wird Germanist,
Prof's fahr'n fort mit Diskussion.

Und unser kleines Elektron?
Saust um den Kern, kichernd vor Hohn.


(Machmut Agathe Dalena)



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Hilmar Duerbeck verstorben

06. Januar 2012, 23:09

gestern, am 5. Januar 2012, ist der in Hobby- und professionellen Astronomiehistorikerkreisen bekannte Hilmar Duerbeck überraschend in seinem Haus in der Eifel verstorben (*1948, CV).

Astronomiehistoriker kannten ihn als Redakteur der Reihe, der Acta Historica Astronomiae. Sehr populär waren auch eigene Forschungsberichte und Bücher von ihm (z.B. Hubble-Universum (in dt.)).

Diese traurige Meldung trifft auch die Sternfreunde-Szene wie ein Schlag.

Nachrufe erscheinen gewiss in nächster Zeit von berufenerer Stelle oder von beruferer Person...

[diese Info z.B. auch hier in engl.]

 

Wer genauso betroffen ist wie wir Sternfreunde darf gerne auch hierunter kommentieren.

 


 

(hier nur sein jüngstes Bild, aufgenommen in Hammerfest)



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"Wir haben einen Stern gesehen"

25. Dezember 2011, 11:00

ein künstlicher Super-Meteor gestern Abend über Zentral-Deutschland - pünktlich zur Zeit der Bescherung bzw zum Ende der Vorabendmesse gegen 17:30, so dass sehr viele Menschen in den Genuss kamen. Das Objekt konnte es an Helligkeit durchaus mit einer Straßenlaterne aufnehmen, wie dieses Amateurvideo von YouTube eindrucksvoll zeigt:

Was das genau war, das da verglühte, sei noch unklar, hieß es noch den ganzen Sonntagvormittag (sagen viele Radio-Nachrichten, vorerst ... z.B. auch wetterOnline, oder Blick.ch): ob es Weltraumschrott war [Link zu Daniel Fischers Blog, NACHTRÄGL. ergänzt] oder ein natürlicher (hier wohl "höchstens faustgroßer", Zitat DLR - angesichts der Videos wäre ich da schon skeptisch) Meteoroid, also eins von den zahllosen Teilchen, die im Sonnensystem herumschwirren und als Meteor in der Erdatmosphäre verglühen können... 

Jedenfalls gibt's KEINEN KRATER, kein Impakt, sondern Verglühen in der Atmosphäre, also KEIN Komet, wie in diesem Video geschrieben ... Der diesjährige Weihnachtskomet "Lovejoy", der von der Erdsüdhalbkugel und der ISS sichtbar ist, wurde bereits von Jan Hattenbach beschrieben.

Der Titel dieses Videos ist allerdings nur ungeschickt gewählt, hört man vom Sprecher auf russisch: künstlicher Weltraumschrott wird hier spekuliert. Nicht ein ganzer Satellit, nur ein Teil Weltraumschrott (die Sojus-Stufe), meinen die Astro-Journalisten. N24 schrieb dazu gestern nach Anfrage beim DLR (Meteor = Sternschnuppe).

Ein Kollege weiß es: zu Florian Freistetter (verglühende Sojus-Stufe)

NACHTRAG 2: und hier noch ein hausinterner Link (doch Sojus, sagt SuW).

NACHTRAG 3 ... und jetzt auch beim Tagesspiegel

... und inzwischen sogar mit Berufung auf die ESA statt "belgische Forscher". (Nachtrag 4)

Wegen Weihnachtsstern - die drei Weisen sind schon lange unterwegs:

Dieses Foto hat ein Freund & Kollege von mir 2005 in der südwestlichen Sahara gemacht, während ich selbst im Bild bin. Ich hab's dieses Jahr an Freunde als Weihnachtsgruß verschickt ... und siehe prompt erscheint uns ein "Weihnachtsstern" ;-) , also zumindest eine auffällige Leuchtspur am Himmel (keine Nova).

Der WEIHNACHTSSTERN zu Jesu Geburt soll übrigens nach gängiger Lehrmeinung ebenfalls KEIN KOMET gewesen sein (was möglich wäre, aber unwahrscheinlich, weil es nicht zur astrologischen Deutung der drei Weisen passt). Vielmehr wird der Weihnachtsstern als Große Konjunktion (nahes Zusammenstehen am Himmel) der hellen Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische gedeutet (... und es gibt natürlich noch andere Theorien, es wird sicher noch lange darüber spekuliert, vermute ich). Das passt zur damaligen Himmelsdeutung, denn Jupiter war der Königsplanet, Saturn wurde wohl in Persien vor allem mit den Juden in Verbindung gebracht und das Sternbild der Fische stand für eine sich ankündigende Geburt. Schließlich zeichnen wir es noch heute so am Himmel: zwei Baby-"Fische", die - noch verbunden mit einer Nabelschnur - aus dem Wal"fisch" (Cetus) schlüpfen. Die Deutung, dass der "König der Juden (I.N.R.I.) geboren" werde/ sei, liegt also nahe. "Große Konjunktion" heißt, dass - im Gegensatz zu einer normalen Konjunktion - die Planeten nicht nur einmal kurz zusammentreffen, sondern drei Mal im Abstand von nur einem Jahr, d.h. der schnellere Jupiter überholt Saturn nicht nur mal eben am Himmel, sondern die Oppositionsschleifen liegen derart übereinander, dass sich die beiden dreimal sehr eng begegnen. Die Abstände der drei Begegnungen (exakt errechenbar) passen wohl auch ganz gut zu den damaligen Reisezeiten und Standort überm lokalen Horizont, wenn die Perser bei einer Begegnung loszogen, ihre Richtung in Jerusalem änderten und bei der letzten Konjunktion in Bethlehem ankamen.

Zauber der Weihnacht (?!)

Die Deutungen dieses Phänomens (sowohl das damalige, als auch das gestrige) auf der Meta-Ebene möchte ich jedem Menschen selbst überlassen, aber ich spendiere Ihnen noch ein paar weitere Bilder, die mir in letzter Zeit beim Zusammenschreiben einer Monografie über meine Zeit in der Wüste unterkamen ... und die, wie ich finde, fabelhaft zur aktuellen Woche zwischen den Jahren passen.

Damals, bevor man in den USA den Luftraum freigeben musste für eine CocaCola-Ikone, die am Nordpol wohnt ... damals, als der Grund von Weihnachten war, dass man die Geburt eines erlösenden Propheten feierte, wurden Güter (wie z.B. Weihnachtsgeschenke) noch transportiert, indem man sie auf Lasttiere verlud. So habe ich das oft gesehen, als ich durch die Sahara ging:

Karawanen handelten klassisch mit Salz und Gold. Heute transportieren sie Touristen, die einen sehr ökologisch nachhaltigen Tourismus pflegen, naturnah leben, unterm freien Sternhimmel schlafen und sich für urbi et orbi (die Stadt und den Weltkreis) interessieren... und ich habe solche oft begleitet. :-)

... eine unbeschreiblich schöne und erkenntnisreiche Zeit meines Lebens ...

Bei meinen letzten Karawanen, nach dem ich eine Woche lang mit einem afrikanischen Freund allein über Land unterwegs war (mir egal, was die Leute dachten - er hat mir nur sein Land gezeigt) und schon unzählige Touristen durch die Sahara und die islamische Kultur geführt hatte, entstanden folgende Fotos:

Ruhe und Besinnlichkeit

Jesus ist (natürlich lange nach seiner Geburt) auch in die Wüste gegangen und hat sich von Johannes taufen lassen. Viele große Propheten fanden ihre Erleuchtung in der Wüste.

Jedenfalls ist das gegenseitige menschliche Miteinander, das gelebte "egal, welche Hautfarbe du hast" und egal, wie du aussiehst, egal, wieviele Drachmen-Konten du hast und welche Beträge da drauf sind, sogar egal, von welcher Sprache deine Worte sind ... sondern wichtig ist, dass du hier und jetzt dein Wasser mit mir teilst oder mir eine halbe Stunde deiner Zeit bei drei Gläschen Tee schenkst. 

Wichtig ist, was du für eine Seele und was du für ein Herz hast ...  ganz im Sinne der großen Weltreligionen.

 

 

 


Herzliche Grüße an unsere Leser, 

frohe Feiertage - egal, was Sie feiern ...

[ein Lichterfest, vorgezogen die Geburt Jesu oder einfach nur ein paar Urlaubstage]

 

Ihr Weihnachtsengel vom Dienst ;-)

 

Arabische Nächte

Voyage extraordinaire

Sahara-Tour 2007

Bücher der Sahara

Literatur:

  • Antoine de Saint-Exupéry: Le petit prince, Der Kleine Prinz, erstmalig 1943
  • Antoine de Saint-Exupéry: Dans le Désert (in der Wüste) und Les camerades (die Kameraden) in: Terres des Hommes (Erde der Menschen, dt. Titel: "Wind, Sand und Sterne"), erstmalig 1939 


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Sonne 2011 - Polarlichter in Deutschland sehen und hören

26. November 2011, 19:51

Zunahme der Sonnenaktivität - Polarlichter möglich, sogar schon in Norddeutschland sichtbar. Im August wurden hier welche gesehen - jetzt ist noch viel mehr los auf der Sonne! Wer die Polarlichter (z.B. wegen Wolken) nicht sehen kann, kann sie auch hören! Mit einem einfachen Radioempfänger, den jeder bauen darf - auch ohne Amateurfunk-Lizenz - kann man die Veränderungen in der Reflexionseigenschaften der Ionosphäre für Funkwellen durch den solaren Teilchenstrom hörbar machen!

Bei CONRAD gibt's einen lustig eingepackten Bastelsatz für ein Kurzwellenradio: Link. Man kann aber mit ein paar einfachen Bauelementen auch ein Mittelwellenradio bauen:

simpler Mittelwellenempfänger - Der Kondensator sollte im Bereich von 0 bis 500 pF regelbar sein, als Antenne genügt ein langer Draht und als Spule ca 100 Windungen Kupferdraht auf einer Klopapierrolle (man kann ja immernoch einen Eisenkern reintun - weitere Infos & Bild).

 

Zwar ist das Jahr noch nicht vorüber, aber ich habe gerade die wolkigen Tage für eine Bilderauswertung genutzt. Seitdem ich mein Solarscope hier wieder bei mir habe, wurde so oft wie möglich damit die Sonne fotografiert: Entweder früh morgens vorm Losgehen oder im Laufe des Tages in der Uni. Man erkennt leicht die Randverdunkelung der Sonne, Wolken der Erde, Sonnenflecken und manchmal auch Fleckengruppen - und bei genauer Betrachtung (nicht auf den Fotos, aber im Original) sogar helle Flares am Rand.

Hier das Ergebnis von diesem Jahr:

Deutlich sieht man hier die Wolken vor der Sonne, aber auch einen Sonnefleck.

Man sieht, die Sonnenaktivität entwickelt sich gen Maximum: ein dicker Fleck mit klar trennbarer Umbra und Penumbra.

Schwer was los auf der Sonne! :-)

Im August gab's ja schon mal Polarlichter hier in Mitteldeutschland (Freunde von mir haben sie gesehen), also jetzt wird's bestimmt wieder munter - und im Winter vllt sogar zu abendlichen Uhrzeiten, wo's mehr Menschen sehen. :-)

 

Und hier das Instrument:

Ein Solarscope ist sozusagen die moderne, zusammenklappbare Papp-Variante einer Camera Obscura (Was das ist: CameraObscura_superkurz.pdf): Eine einzelne Linse wirft ein Bild, das lediglich durch einen kleinen Spiegel umgelenkt wird auf die Rückseite der Pappe, die das direkte Licht abschirmt.

Es ist leicht transportierbar (im kompakten Pappkarton) und damit überaus reisetauglich.

Außerdem hat sich dieses Gerät bei mir als äußerst langlebig herausgestellt: Ich habe es ca. 2004 bekommen (nachdem ich die Bedienungsanleitung ins Deutsche übersetzt hatte) und es seither in zahlreichen Sommerlagern, Kursen und auf Reisen verwendet. Zwar leiern allmählich die haltenden Laschen ein wenig aus, aber dennoch sieht es noch überraschend gut aus.

 

Für den Venustransit nächstes Jahr also unbedingt empfehlenswert!

 

 


 

Links zur Vereinigung der Sternfreunde e.V.

Fachgruppe Sonne

Fachgruppe Meteore/ Atmosphäre

Polarlicht-Warnung


 

Mach es wie die Sonnenuhr:

Zähl die schönen Stunden nur! :-)



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Achromasie - Antwort auf Leserbriefe

12. November 2011, 22:42

Im Heft 5/2009 erschienen zwei Leserbriefkommentare zu meinem Artikel in 1/2009. Leider war es der Redaktion bis heute nicht möglich, meine Antwort auf Papier zu drucken: Der Platz ist ja strikt limitiert. Damit sie aber nicht in den unendlichen Weiten meiner Festplatten und der Festplatten der SuW-Redaktion verschwindet, stelle ich sie hiermit online. 

Wer nahm die Farbe aus dem Teleskop

In meiner sehr knappen historischen Skizze zur Einordnung des von mir studierten Rolfschen Medials in Rathenow von 1953 hatte ich aufzuzeigen versucht, dass Linsen- und Spiegeloptiken sich gleichzeitig entwickelten und über einige Jahrhunderte ein Wettrennen lieferten: Alexander von Humboldt stellt es in seinem Kosmos dar: "Auf eine lange Herrschaft der Reflectoren folgte wieder in dem ersten Fünftel des 19ten Jahrhunderts ein Wetteifer in Anfertigung von achromatischen Reflectoren und Heliometern [...] Zu den Objectiven von außerordentlichen Größen lieferten in Deutschland das Münchener Institut von Utzschneider und Fraunhofer, später Merz und Mahler; [...]" (S. 79 f.) Wie Gerhard Schmitt in seinem Leserbrief konstatiert, wurden also erst mit Fraunhofers Arbeiten große Achromate für Riesenfernrohre wie das Rolfsche 70-cm-Medial in Rathenow und das Vergleichsteleskop von F.S. Archenhold in Berlin-Treptow - übrigens ein traditioneller Achromat - möglich.

Achromasie

Richtig ist der Einwand, dass Fraunhofer die Achromasie nicht erfunden hat (herzlichen Dank fürs Bemerken dieser Ungenauigkeit an Herrn Witt), sondern dass er sie von einem Einzelhandwerk zur mathematisch verstandenen und entwickelbaren Serienfabrikation in großem Stile ausbaute. Seine Arbeiten sowie die von Ernst Abbe und Otto Schott (Jena) waren also grundlegend für Ludwig Schupmann in seiner Schrift über Medialfernrohre von 1899 (siehe insbes.: Vorwort Schupmanns).

Zur Priorität: Das Patent für den Achromaten hatte John Dollond 14 Jahre lang ab 1758, weil sein Sohn als gewitzter Geschäftsmann dies erwirkt hatte. Geschichtsforschung hat jedoch nachgewiesen, dass er nicht der Erfinder der achromatischen Optik war. Stattdessen wird diese Idee dem Optikmeister Chester Moore Hall zugeschrieben, von dessen Vorerfindung um 1729 Dollond gewusst hat. (lt. Riekher, S. 110 und Einsporn, S. 34 ff.)

Reflektor

Diskussionswürdig hingegen ist der Protest von Volker Witt bezüglich des Datums des ersten Spiegelfernrohrs. Ich schlage vor, dies hier in den kosmologs zu diskutieren und warte auf viele konstruktive Beiträge. Die Priorität ist allerdings wahrlich nicht der wichtigste Aspekt in der Geschichtsforschung, sondern vielmehr die Wege der Erkenntnis.

In meinem Artikel nannte ich "Niccólo Zucchi 1608" und berufe mich dabei auf das Handbuch zur Gechichte der Optik, Erg.Bd. 1, S. 387. Dort wird der Wiener Sternwartendirektor Johann J Littrow in Gehlers Wörterbuch (1825-1845), S. 164 zitiert. Womöglich gibt es alternative Datierungen.

Fakt ist jedenfalls, dass die Idee zum Spiegelfernrohr mindestens gleichzeitig mit dem Linsenfernrohr auf dem Markt war und nicht erst später hinzukam, wie oft in Schulbüchern dargestellt. So schreibt Sven Dupré in SuW 1/09, S. 46 "Es gab in der Tat eine lange und ausufernde Tradition im Studium sphärischer und parabolischer Brennspiegel ..., die bis in die Antike zurückreicht." und S. 45 zitiert er della Porta (von manchen als "Erfinder" oder zumindest Vorbote der Teleskope deklariert, obgleich er in seiner Magia Naturalis nur einige zwiedeutige Andeutungen macht): "... Leuchtturms Pharos im alten Alexandria. An dessen Spitze soll König Ptolemaios angeblich einen Hohlspiegel montiert haben, um 'um damit feindliche Schiffe sehen zu können (...)' ... Interessanterweise wurden ... die teleskopischen Eigenschaften Hohlspiegeln zugeschrieben, nicht Linsen."

wann

wer

was

1608

Niccolo Zucchi

lt. Littrow (1845) erstes Spiegelfernrohr (zitiert nach Schmitz, 1982)

1616

Niccolo Zucchi

Veröffentlichung über Konstruktion und Beobachtung mit einem Reflektor

1626

Cesar Caravaggi

Reflektor konstruiert

1639

Marin Mersenne

Publikation über Reflektor

1661

James Gregory

experimentiert mit Reflektor

1663

James Gregory

Publikation über seine Arbeiten

1668

Isaac Newton

experimentiert mit Reflektoren

1669

Isaac Newton

präsentiert Isaac Barrow seine Arbeiten

1672

Isaac Newton

Präsentation des Newton-Reflektors in der Royal Society

1672

Laurent Cassegrain

erfindet sein Spiegelsystem (lt. Riekher)

 

Referenzen 

Leserbriefe in SuW 05/ 2009 S. 8 von Volker Witt und Gerhard Schmitt. 

Sven Dupré: Die Ursprünge des Teleskops, in SuW 1/09, S. 44 ff.

Herbert Einsporn: Vom Brillenglas zum Riesenspiegelteleskop, in: Susanne Hoffmann [Hrsg]: Augen des Astronomen, Archenhold-Sternwarte, 2003, S. 34-43

Alexander von Humboldt: Kosmos, Entwurf einer physischen Weltbeschreibung, 1845, Bd 3

Rolf Riekher: Fernrohre und ihre Meister, Verlag Technik GmbH Berlin, 1990

Emil-Heinz Schmitz: Handbuch zur Geschichte der Optik, Bonn 1982

Ludwig Schupmann: Die Medialfernrohre - Eine neue Konstruktion für große astronomische Instrumente, Druck und Verlag Teubner, Leipzig 1899

 

Nota Bene

Leider ist Volker Witt einem Trugschluss aufgesessen, wenn er meint, "Sicher hätte dann auch Galilei ... diesen Instrumenttyp ausprobiert", wenn es bereits erfunden gewesen wäre. Allein die Tatsache, dass eine Person im 17. Jh. etwas erfunden hat, sagt überhaupt nichts aus über die Verbreitung dieser Erfindung zu jener Zeit. In einer Zeit ohne die flächendeckende Verbreitung von schnellen Internetzugängen, ist man hinsichtlich Publikationen auf langsamere Medien angewiesen (z.B. Brief per Bote). Zudem ist es sehr stark von Zufällen abhängig, ob ein bestimmter Gelehrter von einem bestimmten anderen Nachricht erhält. Dieser Schluss ist also nicht zulässig.

 


Historische Wissenschaften sind eine knifflige Angelegenheit, mindestens so knifflig wie Physik, nur auf andere Art - nicht zuletzt deshalb, weil die Leute oft von einander abschreiben (zitierend oder früher manchmal auch nicht) und man nicht immer alle Quellen nachvollziehen kann, so dass sich auch Falsches tradiert. Ich danke daher meinen Lesern für die Hinweise auf andere Literatur, womit ich manche (nach bestem Gewissen zitierten) Lexikoneinträge ad absurdum führen kann. Ich bitte aber im Gegenzug auch um Ihrerseits kritisches Hinterfragen von vermeintlichen Zitaten, bevor Sie mir Leserbriefe schreiben: Nicht alles, das irgendwer in einem Museum gehört oder gesagt hat, ist korrekt und wissenschaftlich wertvoll. Der Wissenschaft wäre jedoch sehr geholfen, wenn wir dies hier im Blog online diskutieren können, um miteinander gemeinsam der Wahrheit auf die Spur zu kommen... bevor es im Print-Medium SuW ins Reine geschrieben (gedruckt) wird. Danke!  :-)



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VdS-Astro-Historiker in Nürnberg

07. November 2011, 21:28

In einer der Hochburgen der Wissenschaften in der Renaissance, in Nürnberg, fand letztes Wochenende die 8. Jahrestagung der wissenschaftshistorisch Interessierten der VdS statt.

alt

Niveau und Inhalte der Vorträge streuten sehr breit und reichten von zahlreichen Infos zur Astronomie im historischen Nürnberg über kleine Recherche-Projekte zur Wissenschaftsgeschichte: Von Thony Christie bekam man eine Einführung über Astrolabien, mit der überraschenden Info, dass schon in der Frühen Neuzeit Papier als preiswertere Alternative zu Metall-Instrumenten gehandelt wurden. Wie so oft ist also gar nicht so modern, was heute als Innovation verkauft wird - auch Menschen in den Generationen vor uns hatten schon gute Ideen. :-) Außerdem wurde Keplers so genannter ScienceFiction Roman Somnium thematisiert: In Somnium beschreibt Kepler in einer Erzählung eines "Traums" seine - erstaunlich modern anmutende - Weltsicht, denn er erkennt die unterschiedlichen Perspektiven des Relativitätsprinzips und beschreibt sie visualisierend auf einer Reise zum Mond. Man kann daraus sehr viel lernen über das Denken des Autors, über sein Wissen und Nichtwissen. Man könnte auch - als DidaktikerIn - herausfinden, was denn mögliche Trugschlüsse oder Fallen im Denken sein könnten... also, auf welche Hürden die Lernenden stoßen werden, wenn sie auf dem Erkenntnisweg zum Relativitätsprinzip sind.

altalt

Lieblingsthema Uranometria (1603)

Eines der spannendsten Themen ist sicher die Suche nach Quellen für die Uranometria: In diesem Punkte wurden auf dieser Tagung sogar von zwei Referenten schon Ergebnisse präsentiert, die deutlich vom amateurischen Niveau abheben und ins Professionelle reichen. Man sollte eben die Amateure nicht unterschätzen, was von manchen Forscherkollegen oft getan wird. Wo auch sonst könnte man besser über die Geschichte der Sternkarten philosophieren als an dem Ort, an dem einst Albrecht Dürer lebte und neue Maßstäbe hinsichtlich des Duktus setzte: nicht nur zur Schreibweise der arabischen Zahlen, sondern auch der Himmelskarten. Es ist schließlich nicht trivial, eine Kugel vom Globus in die Ebene zu projizieren, d.h. mathematisch gibt es dafür schon seit der Antike mehrere Methoden und daher auch mehrere verschiedene Stile zur Darstellung der Sternbildfiguren. Winfried Berberich setzte auch nach Neuerscheinen seines Druckwerkes im Kunstschätzeverlag seine Arbeiten dazu fort und Arndt Latußeck springt auf diesen Zug auf im Kontext seine Geschichte der Milchstraßendarstellungen.

altErster Erdglobus aus Nürnberg

Aus Nürnberg stammte auch der portugiesische Ritter Martin Behaim, der als Autor des ältesten bekannten Erdglobus gilt. Ihm ist das nebenstehende Denkmal in der Stadt gewidmet: oben stützt er sich auf seinen Globus, während zu seinen Füßen andere Gelehrte sitzen.

Ironie des Schicksals ist, dass der Behaim-Globus ausgerechnet im Jahre 1492 erschien, also wenige Monate bevor Christopher Columbus von seiner Expedition der Suche des Westweges nach Indien zurück kehrte und dabei die Kunde brachte, dabei das Bild der Welt veränderte. Auf dem Behaim-Globus ist also noch die alte Welt abgebildet: Eurasien und Afrika.

Erst lange nach Columbus fanden andere heraus, dass das "neue Land" gar nicht der Ostrand Asiens war, sondern ein weiterer Kontinent - Amerika (benannt nach Amerigo Vespuci, der dort 1502/3 Entdeckugnsreisen vornahm und erstmalig dargestellt in den Karten von Martin Waldseemüller 1507). Ich habe das in meinem Überblicksartikel zu Weihnachten 2009 erwähnt.alt

Nürnberger Astronomie

Die erste Nürnberger Sternwarte war eine Beobachtungsstation auf einer der Bastionen der Burg. Weithin sichtbar standen dort bereits in Zeit riesige astrometrische Instrumente (Teilkreise), aufgestellt von Georg Ch. Eimmart 1678 und wegen erosionsbedingter Funktionsuntüchtigkeit abgebaut 1751. Also, quasi eine riesige "Balkon-Sternwarte". Inzwischen erinnert seit vier Jahren ein Denkmal an diese einstigen Glanzzeit, das von Freunden der Astronomie von der Regiomontanus-Sternwarte aufgestellt worden ist. 

Benannt ist die heutige Sternwarte nach dem Astronomen Johannes Müller (1436-1476), der im fränkischen Königsberg geboren worden war und damit seinen Allerweltsnamen latinisierte. Würde er noch leben, könnte er sich sehr freuen, da er nächstes Jahr einen Venustransit zum Geburtstag bekommen wird. Also ... die Nürnberger haben dann also tüchtig was zu feiern. :-)

Die Astronomie ist eine sehr interdisziplinäre Kunst und Wissenschaft, für die man mehr braucht als nur eine Hochschuldisziplin. das hat sich hier mal wieder gezeigt, denn an dieser Stelle fließen Kunst, Physik, Mathematik/ Informatik unmittelbar zusammen. :-) Sie ist eine "herrlich erhabene, weil erhebende Wissenschaft" (Diesterweg) und sollte deshalb auch niemandem vorenthalten werden. :-)

altalt
Der schöne Brunnen auf dem Nürnberger Marktplatz enthält nicht nur in seinem Gitter einen sagenumwobenen "nahtlosen Ring", sondern ist auch mit Allegorien der gotischen christlichen Wissenschaft umrahmt: Für die Septem Artes Liberales aus dem Bildungskanon des Mittelalters (Rhetorik, Grammatik, Dialektik, Arithmetik, Astronomie, Musik, Geometrie) und die Philosophie sitzen acht Gelehrte der Antike (z.B. Cicero, Aristoteles, Ptolemaios - hier im Bild). Hinter ihnen stehen die vier Evangelisten und vier Kirchenväter.


Danke an Dr Wolfgang Steinicke und Hans Gaab für die Organisation der Tagung und danke an alle Teilnehmenden für das schöne Programm und die entspannte Atmosphäre! :-)alt

alt



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next week, Berlin: ISS "live"

22. Oktober 2011, 19:32

Nach dem Cliffhanger im Juni geht's jetzt weiter mit einer spacigen & lustigen Show monochrom's ISS im Ballhaus Ost in Berlin. Erstklassige Darsteller & -innen spielen eine illustre Besatzung der internationalen Raumstation ISS. Für die Kulisse und das Verhalten der Jungs und Mädels wurde sehr gründlich recherchiert: Sei es das "How-to" für den Konsum von Lebensmitteln in Schwerelosigkeit oder die entlang-hangelnde Bewegung entlang von Griffen an den Wänden: alles wurde so gut nachgestellt bzw nachgespielt wie unter Schwerkraft möglich.

Hier ein Foto vom Juni:

Ich hatte im Sommer ausführlich davon berichtet und eine unbedingte Empfehlung ausgesprochen! :-) Bei dem Impro-Theater wird auf der Bühne etwas live dargestellt, das als Reaktion auf Eingaben der deutschen Mission Control (wie bei jedem Theater: hinterm Publikum) folgt. Die Bühne wird allerdings permanent gefilmt und die Filme sind anschließend auf der Seite von monochrom.at erhältlich und abonierbar. 

Am Donnerstag, dem 27.10. gibt's einen Glückskeks, am Freitag (28.) geht's um Hagelfrequenzen und der Samstag steht unter der philosophischen Überschrift "Die entsetzliche Kühnheit der Preisgabe eines Moments" (oder so ähnlich ... ): 

#8: "Fortune Cookie" (will be recorded October 27, 2011 at Ballhaus Ost, Berlin)

#9: "Hail Frequency!" (will be recorded October 28, 2011 at Ballhaus Ost, Berlin)

#10: "The awful daring of a moment's surrender" (will be recorded October 29, 2011 at Ballhaus Ost, Berlin)

Go ISS!

Hier können Sie also live zuschauen, wie es sich in einer hypothetischen ISS zutragen könnte - und wie es sich im Theater bzw am Filmset zuträgt. Nur, dass im echten Film vieles weggeschnitten würde, was beim Impro-Theater live zu sehen ist. :-)

more info - see: http://www.monochrom.at/iss/  


Nächstes Wochenende ist viel los für Astros: In Stuttgart gibt's 'nen Astrofotografie-Kurs, in Nürnberg treffen sich die Astronomie-Historiker (m/w) der VdS und in Berlin gibt's eine Fortsetzung von monochrom's ISS. Es ist leider ein physikalisches Gesetz, dass ein makroskopischer Körper nicht an mehreren Orten gleichzeitig sein kann - manchmal wäre ich gern ein mikroskopisches Elementarteilchen mit sehr, sehr großer Wellenlänge - hinreichend groß, dass ich gleichzeitig in Stuttgart, Nürnberg und Berlin sein kann. 



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Auge Gottes - Buch & lustige E-Mails

08. Oktober 2011, 15:47

"Als Galilei sein Fernrohr zum erstenmal auf den Mond richtete, in einem Garten zu Padua an einem klaren Herbstabend des Jahres 1609, mag die Frage, ob sich das Weltall verändert, auch schon existiert haben, aber sie war nicht drängend."

An einem Herbstabend wie heute (nur mit besserem Wetter und weiter südlich in Europa) war es also und in einem kleinen Garten. Weiters lernen wir: Galilei hat sich niemals als "Erster Erfinder" des Teleskops bezeichnet, was damals der gängige Begriff war für jemanden, der ein Patent anmelden könnte. Vielmehr hat er sich nur als "Erfinder" bezeichnet, also als jemand, der ein Gerücht durch eigene Experimente in eigener Werkstatt vom Hörensagen in eine anfassbare Realität performierte.


In seinem Buch mit dem Untertitel "Das Teleskop und die lange Entdeckung der Unendlichkeit" erzählt der renomierte Wissenschaftsjournalist Richard Panek die Geschichte der Astronomie und mithin unseres Weltbildes als eine Geschichte von verbessertem Instrumentarium. Offensichtlich hat sich der Autor mit der Geschichte der Kartografie oberflächlich, aber zumindest tiefgründiger als ein durchschnittlích allgemeingebildeter Geograph oder Geographielehrer beschäftigt. Er zitiert die Karten und Weltbilder von Ptolemaios und dem großen römischen Geographen Strabon, aber er beschreibt deren Weltkarten nur mit Worten. 

Überhaupt enthält Paneks Buch kein einziges Bild, keine Skizze und kein Foto. Dies zeigt bereits sehr deutlich, dass es weit entfernt ist davon, ein Lehrbuch zu sein. Allerdings hat der Autor sehr breit recherchiert, zitiert Aristoteles "de caelo" mit dem Blick durch lange Rohre als Beobachtungshilfe, um tags die Sterne zu beobachten, genauso wie auch die Sternenbotschaft (Sidereus Nuncius) des Galilei im Original, Briefe der Fugger an die Medici in dieser causa und vieles mehr.

 
"Stattdessen [statt der Antwort auf die Frage nach der Veränderlichkeit des Alls] lernte Galilei, welche Fragen er aus den gefundenen Antworten ableiten konnte. Schon bald darauf schien das Fernrohr selbst die Antwort zu sein ... " meint Richard Panek. Also... ich denke, wenn man gelernt hat, die richtigen Fragen zu stellen, hat man schon viel gelernt auf dem Weg zum Forscher des 21. Jahrhunderts. Und auf diesen Weg begibt er sich, quasi rückwärts, denn er konstatiert die sprunghaft angestiegene Anzahl der bekannten Galaxien durch das Hubble-Weltraumteleskop und betrachtet davon ausgehend die faszinierende Geschichte von Individuen der Menschheit, die seit mindestens zweitausend Jahren versuchen, immer mehr von der Welt dem Auge zugänglich zu machen: sei es in Gestalt von besseren Instrumenten des Sehens (Seh-Rohre ohne Linsen, Brillen, Teleskope) oder durch Karten und andere Abbildungen zur Visualisierung.

Der metaphorische deutsche Buchtitel "Auge Gottes" ist zwar gewiss eine zügellose Übertreibung, denn wessen Auge das Teleskop ist oder erweitert, sollte wohl jedem klar sein: Das Instrument erweitert als Lichteimer das Auge des Astronomen (m/w) und in Kombination mit anderen Medien als Messinstrument ggf. die Zeitauflösung unseres Gehirns. Nun, muss man vllt nicht mit jeder Metapher anderer einverstanden sein - aber wer diesen blumigen Stil eines Geschichtenerzählers mag, ist hier sicher gut bedient. Der englische Originaltitel war ja auch treffender "Seeing and Believing - How the Telescope Opened Our Eyes and Minds to the Heavens". Auch hier lässt sich die Doppeldeutigkeit von "heaven" nicht verhehlen, aber es sind immerhin "unsere" Augen und Hirne, die geöffnet werden. Wie ein roter Faden durchzieht Paneks Text der Leitgedanke: Je besser das Instrument, desto mehr lernen wir über unsere Welt, über das Universum. Daher beginnt er auch keineswegs mit Lipperhey, Galilei oder Aristoteles - sondern der Start seiner Geschichte ist der 15. Januar 1996, dem Tag der Veröffentlichung des Hubble Deep Fields.

Sein Resümee zum Thema ist auf Seite 189: "Das Teleskop als ein Mittel zur Erforschung des Weltbilds in unseren Köpfen, der Annahmen, durch die wir uns ständig beschränken, der Zwänge, denen wir unterliegen, kurz: zur Erkenntnis unserer eigenen Grenzen, des Welt-Ozeans, der uns
für immer umschließt."  und er schließt ab mit den Worten "Die Antwort ... war, was wir nicht wissen, die Frage war das Teleskop, und der Rest war Geschichte."

Auch wenn der Inhalt aus Sicht der Geschichtsforschung an manchen Stellen hinterfragbar oder nicht (mehr) der letzte Stand der Diskussion ist, so ist es Panek gelungen, hier eine lebhafte Geschichte zu erzählen - ausgeschmückt mit zahlreichen Details, die aus eigener Lebenserfahrung stammen müssen, wie wenn er Galileis zitternde Hände und das Beschlagen der Objektive bei der Beobachtung des Mondes durchs Teleskop in einer klaren Herbstnacht schildert. 

Fazit:

Ein nettes Buch der Unterhaltungsliteratur, bei dessen Lektüre man sicher noch einiges lernen oder wieder auffrischen kann. 

 


 

Data

Richard Panek: Das Auge Gottes - Das Teleskop und die lange Entdeckung der Unendlichkeit,

Verlag Klett-Cotta, Stuttgart, 2001 - engl. Ori 1998

 


gimmick of the post:

Kürzlich erreichte mich eine Anfrage, ob ich etwas über "The Eye of God" wisse, denn es kursiert gerade eine lustige E-Mail:

 "This photo is a very rare one, taken by NASA. This kind of event occurs once in 3000 years. This photo has done miracles in many lives. Make a wish .... you have looked at the eye of God. Surely you will see the changes in your life within a day. " (attached ein Foto von M57 wie rechts. d.i. der bekannte Ringnebel in der Leier, ein Standard-Beispiel-Objekt für die Klasse "Planetarischer Nebel", Fotos wie dieses waren schon vor Erfindung der NASA in Standardlehrbüchern der Astronomie - wenn auch nicht so schön bunt, was wiederum an der oben diskutierten Entwicklung der Teleskope und Kameras liegt)

Alle Hobby-Astros dürfen sich also riesig freuen: Nicht nur bei Sternschnuppen dürft Ihr Euch was wünschen, sondern auch, wenn Ihr Planetarische Nebel beobachtet! Toll, ne!?! :-D 

Tipp: "Eye of God" bei Google-Bildersuche eingeben ;-)))

 

PS: "Yesterday I saw god, she was black."


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"Himmel" von Tübingen

26. September 2011, 19:15

verlängert ... nur noch bis 3. Oktober! ... Ein bißchen surreal wirkt sie schon, die Ausstellung "Himmel" im Schloss Hohentübingen, mitten in der Universitätsstadt Tübingen am Neckar. Gerade haben meine Freundin und ich den Berg erklommen und stehen (als Flachländerinnen solche Touren kaum gewohnt) im Innenhof des Schlosses genießen wir die Aussicht: in die Weite des Landes, in die näckische Altstadt, in den Innenhof und Rittersaal, der mit einem spitzen Glasdach versehen gewiss auch schmunzelnd den Kosenamen "Tübinger Louvre" verdient hätte. Die Ausstellung zum Himmel erzählt von "Wunschbildern" und "Weltverständnissen" von "da oben"  - es beginnt mit einer Höhlennachbildung, deren Decke voller Jagd-Vieh ist und endet noch lange nicht mit dem Wettlauf zum Mond und der modernen Astrophysik.  

Buntes

Da stehen antike Statuen neben Museumsinformationstafeln über den Urknall, moderne Mond-Infos neben einem griechischen Relief, der Urknall ist durch eine 3D-Skulptur symbolisiert, die aussieht wie ein aufgewölbter Scherenschnitt mit Laub aus dem Tübinger Stadtpark. Hinter einer anderen Stellwand stehen antike Büsten, über deren Köpfen moderne Astrofotografien schweben und über den Porträt-Skulpturen von römischen Gefangenen thront ein goldgerahmtes Gemälde des Erdmondes.   

 

Bizarres

Eine bizarre Zusammenschau präsentiert hier das MUT, das Museum der Universität Tübingen. Ein Fernrohr als Symbol für die Erkundung des Himmels "neben" einem Gyroskop, das laut Ausstellungsbegleitheft in Tübingen erfinden worden ist und Filmsequenzen, die zeitgenössische Dokumentationen des Wettlaufs zum Mond zeigen. An sich ganz nett gemacht, aber man wünscht sich die Info, welche Sequenz/ Nachrichtenreportage von woher kommt, einen Quellennachweis, eine historische Kontextuierung. Außerdem MUTet es wiederum ein wenig bizarr an, dass ausgerechnet neben der Maus am Computer ein Schildchen liegt "bitte nicht berühren". Vielleicht hätte man auch besser neben den Plastiken schreiben sollen "bitte nicht füttern"? ;-)

 

Dazu fällt mir noch ein:

"Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis

mit dem Radius null,

das nennen sie dann ihren

Standpunkt."

Dieser weise Mathematiker-Satz wird lt. wiki-quote z.B. Leonhard Euler und David Hilbert zugeschrieben ... und natürlich auch Albert Einstein, wobei ich letzteres für am wenigsten glaubwürdig halte, sondern eher, dass die beiden jüngeren Euler zitierend  diesen nicht namentlich genannt haben (z.B. weil man schlichtweg vergisst, wer's zuerst gesagt hat, wenn man den Satz treffend formuliert findet und zitierend "unterschreiben" möchte). :-)

Kopflos, zahllos und der älteste Smilie der Welt

Etwas kopflos flattert die Siegesgöttin Nike übergroß in Richtung Saalmitte und würde (wenn sie nicht aus Stein wäre) sicher über einen der zahlreichen Computer stolpern. Fahl beleuchtet in einer Vitrine grünt die Himmelsscheibe von Nebra (dem "ältesten Zwinker-Smilie der Welt" ;-) ) und gegenüber der Nike rollt ihr der kleine Sonnenwagen von Trundholm entgegen, als wollte er sie zum Ausrutschen bringen (ohne Kopf, kann sie ihn eh nicht sehen). 

An der Seite findet man ein Faksimile des Buchs von as-Sufi aufgeschlagen, wo der Zentaur Chiron als Schütze abgebildet ist und neben ihm eine Sternliste. Neben dem aufgeschlagenen Buch liegen alte persische Münzen (hier als Inlay-Bild), auf denen eine männliche Figur abgebildet ist. Sie wird als Sternbild Perseus gedeutet, da sie analog zu as-Sufis Sternkarten auf der einen Seite "linkshändig", auf der anderen "rechtshändig" abgebildet ist. Also: Wo bei uns gefragt würde "Kopf oder Zahl", müsste man bei diesen Münzen fragen: Himmelskugel von außen oder von innen angeguckt?

 

 

Nicht Grimms Märchen, sondern Grimms Astrophysik findet man hier in dem Tübinger Wunderkabinett... gleich neben Büchern, Karten und Himmelsgloben aus den letzten paar Jahrhunderten seit etwa der frühen Neuzeit. Da liegen die Karten von Johann E Bode (1782), Karl F. V. Hoffmann (1835), Johann G Doppelmayer (1742) und Christian Goldbach (1799) für Laiensterngucker und Forschende friedlich nebeneinander und es darf natürlich auch die Bayersche Uranometria (1603) nicht fehlen.

Weiters ein paar Weltbilder und natürlich der Verweis auf einen der berühmtesten Schüler Tübingens, Johannes Kepler, der - in Weil der Stadt (bei Stuttgart) geboren - hier bei Mästlin studierte. 

 Tübingen ist außerdem stolz auf seine astronomische Uhr am Rathaus und schon am Bahnhof sieht man neben dem groß aufgehängten Stadtplan ein "Foto" vom Tübinger Marktplatz: So würde ein Myon ihn sehen, wenn es mit fast-lichtgeschwindigkeit sich auf den zentralen Brunnen zu bewegen würde.

Man sieht: Wo schon einst Kepler studierte, sind (Astro)physiker auch noch am Beginn des 21. Jahrhundert am werkeln an einem neuen Weltbild. Das alles in eine einzige Ausstellung zu packen, ist schon eine MUTige Idee. 

 


nota bene

Vielleicht waren wir beide an diesem Tag besonders albern drauf, aber vielleicht war es auch wirklich die Ausstellung, die dies triggerte... who knows ... ? Es ist in jedem Fall eine sehr ungewöhnliche Zusammenschau.



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Besuch in Stuttgart

22. September 2011, 23:41

wiedermal Donnerstag, Volkssternwarte offen, zwei Sternwärtler da, Himmel wechselhaft bewölkt, keine Besucher... nichts Spektakuläres. Doch da - es läutet. "Oh nein! Besucher..." ;-) ... nur zwei, aber dafür ein ganz besonderer unter ihnen: ein Wissenschaftler, der Volkssternwarten erforscht: Ben Mirwald aus Regenburg. Aufgrund einer Nachwuchswissenschaftler-Tagung ist die Stadt mit Neugierigen bereichert und es haben sich zwei Nachwuchs-Wissenschaftshistoriker auf die Warte "verirrt"... naja eigentlich sind sie schnurstraks hingelaufen. Der eine schreibt seine Diss über die Gründung von Volkssternwarten ab ca 1900 und nutzt den Besuch für Recherchen. Volltreffer! Da haben sich doch mal die richtigen gefunden: stundenlanges Fachsimpeln über die Gründung der wohl aktivsten süddeutschen Volkssternwarte, die übrigens rein ehrenamtlich betrieben wird.

Ein Steinturm statt Einsteinturm

Der Vereinsvorsitzende Andreas Eberle führt alle Instrumente vor, zeigt die raffinierte komplett wegschiebbare Blechhütte der großen Fernrohre auf dem Dach der Sternwarte und kein geringerer als der europaweit bei Sternbedeckungsbeobachtern bekannte Ottó Faragó assistiert ihm beim Einstellen der Geräte. Es ist doch immer wieder dasselbe mit den Astronomen: erstzuckt man zusammen, wenn Besucher kommen, doch dann kann man kaum aufhören am Fernrohr zu fummeln und taut regelrecht auf, wenn man kluge Fragen gestellt bekommt. Ich weiß das nur zu gut, weil ich dies ja selbst jahrelang gemacht habe. 

Das Prachtstück dieser Sternwarte ist ein 100jähriger Refraktor, wunderschön zum Anschauen und gewiss bei gutem Wetter auch praktisch beim Durchschauen und fürs Publikum... Heute sehen wir Jupiter mit Wolkenbändern - nur leider sind einige der Wolkenbänder auf der Erde und vernebeln den Planeten bisweilen. :-(

Trotzdem ein netter Besuch auf der Sternwarte Stuttgart und ich bedaure mal wieder, auf der Durchreise so wenig Zeit zu haben. Natürlich war ich auch früher schon mal hier und auch im Stuttgarter Plantarium (das derzeit von Stuttgart21-Gegnern auf der grünen Wiese umlagert wird), aber es ist jedesmal wieder schön. 

 

  Es ist natürlich eine Spur ungerecht, wenn ich hier mal wieder nur einen Exzerpt der Stuttgarter Astro-Landschaft antippe. Ich müsste noch erwähnen,

  • dass es natürlich neben den zwei genannten auch noch um die 20 weitere aktive Hobby-Astros gibt,
  • dass es eine weitere Sternwarte an der Uni gibt, die (angebl.) das Fauth-Fernrohr - ein Schupmann-Medial Smile - besitzt, mit dem der berühmte Mondbeobachter Philipp Fauth in den 1930er Jahren seine höchstgenaue Karte beobachtend gezeichnet haben soll
  • dass es im Umkreis noch viele aktive Hobby-Astros gibt
  • u.v.a.m.

Ich möchte mich hier aber als schnelle Impression darauf beschränken, den drei genannten Sternfreunden für den schönen Abend zu danken! Immerhin haben wir kurz den Jupiter gesehen und immerhin fühlt man sich unter Sternfreunden stets willkommen ... auch wenn das Wetter nicht perfekt polierten Himmel präsentiert. :-)

 


"Urlaub" nennt man das Laub im Ur-wald, nicht wahr?!

 

... oder das Laub, aus dem eine neue Pflanze wird (z.B. Zyperngras-Ableger, die ich kurz vor meiner Abreise von einer Kollegin-Nachbarin dankend "erbte")?

Wenn ich zumindest bei meiner Chefin "Urlaub" einreiche, fragt sie mich am Tag vor meiner Abreise "schönen Urlaub ... oder ist es wieder gar kein richtiger Urlaub?". Innocent Ich fühl mich durchschaut... O:-) denn sie hat natürlich Recht: Die Woche, die ich an der einen Uni als "Urlaub" einreichte, bin ich im Auftrag einer anderen Uni auf vier Tagungen (wenn auch auf manchen nur teilzeit). Der Tagungsmarathon von Astronomiehistorikern, Astrophysikern, Wissenschafts- und Technikhistorikern und deren Nachwuchsgruppe war zwar ganz schön anstrengend, deckt aber ziemlich genau mein Interessenspektrum ab. Inzwischen habe ich das Gefühl, in jedem dieser Kreise zu einer großen Familie zu gehören - und das ist schön! 

Smile

Da das ganz sicher nicht nur mir so geht, sondern ich im Namen vieler spreche, wollte ich es an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen und freue mich aufs nächste Jahr in Hamburg und(?) Mainz. Ganz vielen lieben Dank jedenfalls auch an die Freundinnen, bei denen ich während der Tagungen in Heidelberg, Mannheim und Stuttgart kostenfrei Unterkunft fand! Und wenn man dann sogar in der Herberge bei zufällig zusammengewürfelten Mehrbett-Zimmern das Zimmer mit einer anderen Tagungsteilnehmerin teilt, muss sich doch auch das Gefühl sozialer Verbundenheit einstellen

- oder? :-)

"die aus dem Tubus Geborene" O:-) 

 

 



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Rätsel

11. September 2011, 22:28

Please help me: Die abgebildete Seite ist aus einem Manuskript über Astronomie, wahrscheinlich 14./15. Jh. (J) und liegt in der Bibliothek Habut in Mauretanien. Die Sprache ist nicht arabisch, sondern Varici oder Machreq (persisch) ... lt. verschiedenen "Beipackzettel".

 Was steht hier geschrieben? 

 

Wichtig ist mir vor allem die Bildbeschriftung:

  1. was steht in dem zentralen Kreis? 
  2. was steht in den kleinen Kreisen (a) oben, (b) links, (c) unten, (d) rechts

Danke im voraus für alle konstruktiven Beiträge!

BTW: Leider habe ich das Bild nicht größer und in besserer Auflösung.  

 

 


Als Dank und Ansporn für alle konstruktiven Antworten auf meine Frage, erzählte ich bereits früher Antworten und Geschichten in diesem Kontext:

 

  Mein Aufenthalt in Mauretanien 2008

 Zum Thema maurische Bücher 2007

 Astronomiekurs in der Sahara 2005 bis '07

 Über den Sand



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IdeenExpo in Hannover

04. September 2011, 23:05

Fünf Kinder haben die Kraft von einem halben PS, also einer halben Pferdestärke. Das war eine der Erkenntnisse auf der Showbühne im Freien auf dem Hannoveraner Messegelände vor Halle 9, auf dem während der ganzen Woche niedersächsische Gruppen von Schülerinnen und Schüler um einen Schulpreis wetteiferten. Sie mussten Fragen zur Physik und Technik beantworten und Experimente durchführen, wie den Bau eines gummibandbetriebenen Autos, das sich im Wettrennen gegen das Auto der anderen Gruppe bewähren musste. 

2007 wurde die IdeenExpo vom jetzigen Bundespräsidenten Christian Wulf ins Leben gerufen, die Messe für Junge Leute. Alle zwei Jahre findet sie seither statt und wir sind gespannt aufs nächste Mal. Kinder und Jugendliche präsentierten ihre eigenen Ideen und sie können sich an den zahlreichen Ständen der Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen über Chancen der Berufswahl informieren. Vor der Messehalle stand ein Raumsimulator der Bundeswehr,  in der Messehalle präsentierten sich Sennheiser mit Hörproben, Mischpulten und akustischen Experimenten, Volkswagen mit einem PKW-Parkur und Fahrsimulartoren, bei denen schon die jüngsten auf dem Schoß der Eltern am Lenkrad sitzen durften. Auch ein Polizeihubschrauber uwar ausgestellt, das LKA präsentierte Analysemethoden, mit denen man Tätern auf die Schliche kommt und zahlreiche Fahrräder, Fahr- und Flugsimulatoren, Fahrräder und viele andere Sportgeräte konnten hier zu physikalischen und chemischen Analyse- und Messzwecken benutzt werden: Mal betrieb man mit einem Fahrrad eine Lampenkette, mal benutzte man es einfach zum Sport oder stieg in ein Trocken-Ruder-Gerät, um die Kraft zu bestimmen, die zum Rudern im echten Wasser nötig ist.

 

Gleich nebenan präsentierte sich auch der Verlag Spektrum der Wissenschaft mit seiner neuen Kinder- und Jugendausgabe "Spektrum NEO" und das altbekannte GeoLino aus dem Hause Grunar und Jahr. Sie waren einige unter vielen Ausstellern auf der IdeenExpo.  

Ein Erlebnis für die ganze Familie waren auch Luftballons, die Azubis der Firma Linde in flüssigen Stickstoff tauchten. Der Luftballon schrumpfte instantan, weil im Inneren das CO2 unserer Ausatemluft zu Eis gefror, das man beim Schütteln des Ballons auch deutlich rascheln hörte. An einem anderen Stand wurde von der Firma Nordzucker die Zuckerherstellung erklärt und an einem wiederum anderen die Stahlverarbeitung erläutert. Lehrlinge, Studierende und Doktoranden präsentierten mit Feuer und Flamme ihre technische Berufswahl in Gestalt von z.B. einem Wetterballon der Uni Hildesheim, verschiedenen Autofahrsimulatoren und einem selbstgebauter Roboter, der um die Beine der Besucher streifte. Wie silvesterliches Bleigießen mutete es den Kindern an, als sie Azubis beim Prägen von Medaillons zuschauten. Auch über natürliche Radioaktivität und den Aufbau der Materie vom Kristall übers Atom bis hin zum Quark konnte man sich informieren: ein echter Göttinger Physikprofessor, der hauptberuflich am ATLAS-Experiment am CERN arbeitet, erläuterte an einem Stand eine Nebelkammer, die laufend von munteren alpha-und beta-Teilchen durchquert wurde. Professoren waren hier allerdings eher die Ausnahme an vorderster Front der Messestände, denn eines der Leitbilder der Ideenexpo ist das Erklären der Exponate durch Azubis und Studierende anstelle von Anzugträgern. "Die sind viel näher dran an den Kindern und Jugendlichen und sprechen deren Sprache" erläutern die Initiatoren. Im Gegensatz zu den ersten Weltausstellungen im 19. Jahrhundert war natürlich diesmal neben der Weltausstellungsallee in Hannover auch fürs leibliche Wohl gesorgt - anders hätte man's auch gar nicht den ganzen Tag dableiben können, um die Vielzahl von sportlichen Aktivitäten für Körper und Geist zu genießen.

So überrascht es auch wenig, dass die Besucherzahlen laufend steigen: "2013 wird die IdeenExpo wahrscheinlich nicht mehr mit nur einer Halle auskommen", freut sich der Veranstalter und das ist auch kein Wunder bei so viel action, Show, Fun und live-Experimenten.

  In Podiumsdiskussionen unter dem Label "Vision Zukunft" wurden nicht nur Schülerinnen und Schüler über den Spaßfaktor und Lernwert der Messe-mit-ScienceCenter-Flair interviewt, Experimente vorgeführt und Lehrbotschaften in die Welt gestreut. Insbesondere am letzten Tag gab es auch resümierende Diskussionen mit Personal-Chefs und Firmenleitern, bei denen die undurchdachten Klischees über die Männlichkeit oder Weiblichkeit von Berufsbildern weggewischt wurden. Drei Azubinen erklärten Windräder und führten Bühnenexperimente damit durch, Firmen wie Sennheiser und StibelEltron priesen ihre Schulprogramm an und zeigten deutlich ihre offenen Türen für junge QuerdenkerInnen und aufgeschlossene Geister. 


Gimmick des posts

 

Sorry an meine Leser, dass ich erst im Nachhinein berichte, aber ich konnte leider aufgrund einer Exkursion mit meinen Studierenden erst gestern, am letzten Tag die Messe besuchen. Freuen wir uns einfach alle aufs nächste Mal! :-) Der Grund für meine Verhinderung ist ein Projekt zu Wasserrädern, das wir an der Spree durchführten (Abb. links). 



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Potsdam - Sanssouci et Astronomie

27. August 2011, 01:12

Telegrafenberg: Hier wurde im ausgehenden 19. Jh. die weltweit erste Forschungseinrichtung zur Astrophysik gegründet. "Astronomie" hieß das Fach zuvor, das sich mit den Sternen beschäftigt, doch gerade die neuen Analyseverfahren des 19. Jh. führten es in eine neue Ära: So entschloss man sich im kaiserlichen Deutschland erstmals zur Anwendung des neuen Begriffs im Namen eines Instituts: Astrophysikalisches Observatorium Potsdam (AOP). Sein moderner Nachfolger im 21. Jh. ist das AIP, das astrophysikalische Institut potsdam ... allerdings wohnt es nicht mehr in diesem Hauptgebäude, sondern in der ehemaligen Berliner Sternwarte, die im beginnenden 20. Jh. von der Stadtmitte nach (Berlin-)Babelsberg umzog. ... Nun, in der Zwischenzeit ist Babelsberg nicht mehr Südwestzipfel von Berlin, sondern Nordost-Zipfel von Potsdam. things change - that's the only constant in life 

Das ehemalige Hauptgebäude des AOP wird heute vom GeoForschungszentrum (GFZ) genutzt. Mit dem Sonnenteleskop in der Ostkuppel habe ich dereinst im Uni-Praktikum einmal Sonnenflecken gezählt, aber professionell wird es seit 2000 nicht mehr genutzt.

Ein "frisch" angestrichenes Prachtexemplar eines Großen Refraktors findet sich in der Kuppel gegenüber dem Hauptgebäude. Mit 80 cm Linsendurchmesser rangiert dieser Doppelrefraktor auf Platz Nr 4 der TopTen der Riesenrefraktoren dieser Welt. Der Große Refraktor hat einen Förderverein, dessen Vorsitzender, Herr Ernst August Gussmann, das riesige Instrument auch noch live bedienen kann.

 

 

Nicht nur für den Großen Refraktor, sondern auch für den Einsteinturm ist das AOP auf dem Telegrafenberg berühmt. Gedacht war er eigentlich für den Nachweis der Gravitationsrotverschiebung an der Sonne, allerdings war das mit diesem Instrument leider nie möglich. Stattdessen kann man aber mit ihm solare Magnetfelder messen und das habe ich sogar schon selbst mehrfach gemacht: Spektrallinien werden im Magnetfeld aufgespalten (Zeeman-Effekt) und können folglich über das Magnetfeld Aufschluss geben. 

Und so funktioniert's: Licht tritt durch die Kuppel ein. Zwei Planspiegel lenken es in den Turm (Coelostat, großes Bild: Licht wird erst auf den Spiegel rechts unten und von diesem auf den links oben reflektiert). Dort fällt es durch eine Linse (Inlay-Bild links), die zur Focussierung verstellbar gelagert ist. Im Keller des Turms (Abb. oben rechts) kommt das Sonnenbild nach einer weiteren Umlenkung an einem Spalt in der Wand an (da steht jetzt das Sonnenfoto davor): Dahinter befindet sich in einem wohl temperierten Raum ein empfindlicher Spektrograph. Seine Ergebnisse wurden dann früher mit einem Buch (= "Tafelwerk der Spektrallinien") und heute mit dem Computer ausgewertet. 

Im Besprechungsraum vorne in dem U-Boot-artigen Gebäude gibt es vier Stühle um einen Holztisch im Bauhaus-Stil. Auf ihnen sollen angeblich schon Albert Einstein, Max Planck, Walter Nernst, Erwin Freundlich und andere wichtige Leute gesessen haben. :-) Da diese Herren aber längst tot sind, haben wir uns die Freiheit genommen, ihre Plätze einzunehmen (28.7. 2011, dt.-russ. SpaceCamp). ;-)  

 

 

 


Gimmick dieses Blog-Posts

Schloss und Park Sanssouci sind Unesco Welterbe und mithin weltberühmt. Vor den Römischen Bädern hier im Park steht eine der faszinierendsten Sonnenuhren, die ich kenne. Während meines Studiums hier in Potsdam habe ich sie oft besucht. Es handelt sich um einen Würfel mit Friedrich-Wilhelm-Initialen, bei dem jeder Strich ein Gnomon ist und zusätzlich noch einige Halb-Skaphen eingraviert sind. Insgesamt sind auf dem ca 30cm-Kubus bestimmt 30 Sonnenuhren. Faszinierend!



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Prag - Sitz der dt. Kaiser und mithin berühmter Hofastronomen

21. August 2011, 22:14

Nur einen halben Tag hatte ichkürzlich Zeit für einen Zwischenstopp in der mitteleuropäischen Metropole, aber ich möchte unbedingt nochmal hin: Prag ist eine wunderschöne Stadt!

In Prag wurden die Rudolphinischen Tafeln erstellt. Berühmt ist die alte Kaiserstadt für den die verstrittenen großen Astronomen Tyge Brahe und seinen Nachfolger Johannes Kepler, dem man unterstellt, beim Tod seines menschlich unausstehlichen Herrn nachgeholfen zu haben. Diese Unterstellungen durch die moderne Presse sind zwar historisch haltlos, lesen sich aber zuweilen sehr unterhaltsam (wer's mag...). 

Tycho Brahe ist in der Teynkirche am Marktplatz bestattet, die jedoch leider sonntags nachmittags verschlossen ist. So konnte ich nicht andächtig vor die letzte Ruhestätte des letzten großen vorteleskopischen Astronomen in Europa treten. Das wird aber bei Gelegenheit nachgeholt. 

Ein Kepler-Museum wurde erst im IYA 2009 eröffnet - also genau 400 Jahre nach dem Erscheinen der berühmten Astronomia Nova von J. Kepler. :-) 

ist gegenüber des Eingangs zur berühmten Karlsbrücke über die Moldau, der ältesten Brücke der Stadt aus dem 14. Jh., deren Grundsteinlegung von Astrologen terminiert worden war. Sie ist eine Fußgänger-Zone mit zahlreichen Künstlern und abergläubischen (typisch-slawisch) Berührungspunkten von Statuen: Angeblich geht z.B. ein Wunsch in Erfüllung, wenn man die Statue des Hl. Nepomuk streichelt. 

Astronomisch aber viel interessanter ist das alte Jesuiten-Kolleg St Clemens. Im barocken Gebäude des Klementinums befindet sich die Nationalbibliothek, eine Sternwarte und ... viele schöne Globen! :-) 

Berühmt ist Prag natürlich auch für seine astronomische Uhr am Rathaus! Das Orloj aus dem 15. Jh. besteht aus zwei großen Zifferblättern: Auf dem unteren Zifferblatt ist ein Kalender angezeigt, auf dem oberen die aktuelle Uhrzeit sowie die Mondphase. Zu jeder vollen Tagesstunde (zw. 9 und 21 Uhr) erscheinen oben die 12 Apostel in den blauen Türchen, die vom Tod (Allegorie: Skelett, das eine Sanduhr wendet) mit einer Glocke "geweckt" werden. Auch die anderen Figuren neben dem oberen Zifferblatt (Eitelkeit, Habsucht links und neben dem Sensenmann rechts die Wollust) erwachen scheinbar zum Leben. Abschließend kräht der goldene Hahn und das Skelett dreht die Sanduhr.  

  Auf ein Neues!  :-)


Anspruch auf Vollständigkeit erhebt diese kleine Skizze natürlich nicht (wie immer), sondern gibt nur einen Reisetipp, weil ich kürzlich mal wieder unterwegs war. Es war ein verregneter Tag am 31. Juli, als ich eigentlich in ehrenamtlicher Mission der internationalen naturwissenschaftlichen Jugendarbeit dort Station machte, aber ein paar Stunden Pause vom Ehrenamt musste ich mir in dieser Stadt einfach gönnen. :-)  Bei nächster Gelegenheit werde ich diese Zusammenstellung vllt präzisieren und ergänzen. hints are wellcome. :-) 

Mach es wie die Sonnenuhr

zähl die schönen Stunden nur :-)

 



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Hamburg im Sommer

13. August 2011, 23:46

... wieder einmal in der Freien und Hansestadt :-) und diesmal in Bergedorf ...

der Großen Refraktor in Aktion: Sogar die vierjährige Selma, Tochter einer befreundeten Lehrerin, konnte das 9m-Rohr mit Leichtigkeit bewegen (Abb. unten), ... nachdem der Kuppelfußboden hinreichend hoch gefahren war, dass wir herankamen. Beeindruckt standen die russischen und deutschen Teenager um sie herum und ermutigten sie zur Beschäftigung mit Astronomie. 

Am 2.8. war ich mit einer Schülergruppe bei der AstronomieWerkstatt in Bergedorf zu Gast: Aufgrund des schönen Wetters wurden unsere Pläne für eine "theoretische" Schülerlabor-Session spontan gecanceled und stattdessen die Sonne beobachtet: Klaus Huber, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Bergedorfer Stellarphysik erklärte die Entstehung von Sonnenflecken anhand der Magnetfeld-Eigenschaften der Sonne. Die Gruppe war bereits vorgebildet, da sie eine Woche zuvor am Potsdamer Einsteinturm eine ähnliche "Kurzeinführung" erhalten hatte. :-) Insofern konnten wir hier auf höherem Niveau einsteigen und die Sonne sogar noch live im Fernrohr sehen:

Am Lippert-Astrographen (nicht gerade die hübscheste Kuppel, aber für die Russen sah's fast aus wie dahei und funktionieren tut's allemal) sahen wir eine grüne Sonne visuell und im H-alpha-Licht. Beeindruckende Fleckengruppen und sogar ein paar Protuberanzen waren erkennbar.

Später am gleichen Tag besuchte die Gruppe das Planetarium HH mit dem 3D-Film "Sprung ins All", einer niederländischen Produktion. Die 3D-Technik mit Shutterbrillen wurde als unschön empfunden, weil das Bild stets flimmert und es bei diesem Film sogar mitunter Geisterbilder gibt - aber inhaltlich passt die Geschichte von den Anfängen der Raumfahrt mit Sputnik, Juri Gagarin (im Gagarin-Jahr 2011), Leonow bis hin zu Neil Armstrong wunderbar in unser SpaceCamp! Inhaltlich wirklich schön gemacht - mit O-Ton auch der russischen Kosmonauten, was natürlich insbesondere meine russisch-sprachigen Gäste aus Sibirien beglückte.

 

Natürlich gab's noch ein Abendprogramm - aber das war nichtastronomisch und darum werde ich es an dieser Stelle nicht berichten. :-) Planten un Bloomen hat z.B. eine hübsche Wasserlichtspiel-Show geliefert. 

Das dt.-russ. SpaceCamp 2011 dankt Klaus Huber, der AstronomieWerkstatt und dem Planetarium. :-) Es ist an diesem sonnigen Tag gewiss für jeden Geschmack etwas dabei gewesen in der Nordsee-Metropole. :-) 

 



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Stern- und Kerzenschnuppen, Schlossgespenster und Astronomie

23. Juli 2011, 19:18

13.-15. August ist es wieder soweit: Herzliche Einladung zu den Burggesprächen von Der Orion.com - schon zum dritten Mal! Mehr Infos. Der Ort der Zusammenkunft ist das Schloss Albrechtsberg (Österreich), dessen älteste Teile fast 1000 Jahre alt sind. Homepage: www.schloss-albrechtsberg.org

Das Astronomie-Internetportal  Der Orion lädt wieder zum Plaudern, Sterne gucken mit und ohne Teleskop ein... und natürlich zum Spaß haben mit Freunden. :-) 

Wer noch unentschlossen ist, kann sich in Berichten von früheren Veranstaltungen ein Bild von der kultigen Stimmung machen. 

Wenn Sie teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte rechtzeitig an (für die Essenplanung wichtig).

Die Veranstalterin freut sich auf Sie!

 



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ISS mal anders

26. Juni 2011, 12:18

ein internationales Team: zwei Astronauten (USA bzw. Canada), ein Kosmonaut (RUS) und ein Weltraumtourist (US) leben derzeit auf der ISS. Input kriegen sie von einem deutschen Ingenieur der Mission Control in Darmstadt, "hier in se bjutifull heßia, tschörmenie", das mal eben in einen Hinterhof an der Berliner Pappelallee verlegt wurde. Hier nämlich, im Ballhaus Ost fand am Sa, dem 25. Juni die vorerst letzte Mission statt. Erst im Oktober folgt die Fortsetzung nach der Sommerpause.

Realistische und sehr durchdachte Kulisse:

[Abb.: Foto von der Aufführung - es sieht nur aus wie schwerelos, in Wirklichkeit sind wir in einem Berliner Hinterhof]

Alles, das nicht in jemands Hand ist, wird mit Klettverschlüssen an der Wand befestigt - so, wie die Geschenkpackung für den Kapitän zum Geburtstag. Auch die Frisur von Claire ist entsprechend drappiert. Die Crew hangelt sich an Griffen entlang... man merkt die professionelle Beratung. :-) 

 

monochrom's ISS startet mit der Devise "In space no one can hear you complain about your job." (im Weltraum hört's niemand, wenn Du Dich über Deinen Job beklagst). Mit dieser simplen Feststellung einer Konsequenz der Tatsache, dass Schall der menschlichen Stimme nunmal ein Medium braucht - z.B. Luft braucht, um ans Ohr des Empfängers zu gelangen, spielen Johannes G., Roland G. und ihr Team! In ihrem Impro-Theater lassen sie vier Schauspieler die Crew der Raumstation spielen und Probleme lösen, die von einem Team am Boden per Video-Übertragung auf die Bühne eingegeben werden.

    Ein Publikum sieht dem Schaupiel vergnügt zu: Es gibt viel Gelächter - sowohl die Berliner als auch die Wiener waren begeistert! 

 monochrom's ISS

ein Impro-Reality-Sitcom mit folgenden Charakteren: 

Auf dem Bild links sieht man die "directors" Dr Mordecai Finkelstei (.il), Dipl.-Ing. Bodo Holtzmann (.de) und Dr. Reto Blücher (.ch) vom Bodenzentrum. Im Bild rechts die SpaceCrew: Captain Ulysses van Hundsbak (US, NZ), Missionsspezialistin, die kanadische Astrophysikerin Dr Claire Saint-Jacques, als Weltraum-Tourist der Multimillionär der Spiele-Industrie Angus Slernotzki (US) und der russische Kosmonaut Leutnant Fjodor E. Golenko. Ihre fingierten Biographien sind auf der monochrom.at-Webseite einsehbar. 

Sehr überzeugend ist der russische Akzent des Kosmonauten, ebenso wie dessen klischee-haftes Zelebrieren seiner Kultur als Kontrast zu der des Kapitäns. Die "Kanadierin", also aus der nordamerikanischen franco-germanischen Mischkultur spielt überzeugend das Mädchen an Bord und karrikiert mithin genau jene Rolle, die die einzige Frau in einem Männerteam eigentlich immer hat: die Jungs "erziehen" und bei Laune halten. [Warum? k.A., es sagen jedenfalls zahlreiche Astronauten und auch meine früheren Kommilitonen: angeblich betragen sich Männer besser in der Gegenwart einer Frau.] Der Mann, der durchs Programmieren reich wurde, wird genau derart dargestellt, wie man sich derlei Typen eben vorstellt: schlau, aber sehr unsicher im Umgang mit Menschen. Der Russe das genaue Gegenteil: wenig zimperlich, spätestens mit ein bißchen Wodka intus, der US-Kapitän lang und schlank wie man ihn sich vorstellt - und Ingenieur mit menschlichen Schlichterqualitäten.

Die Nachricht, dass dem Millionär gerade das Geld ausgeht und der Tourist folglich von nun an auf der Raumstation nun mitarbeiten muss, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Allerdings müsste man fairerweise die Frage stellen, ob die bespöttelte Arbeit, die er vorher geleistet hatte, um das Geld zu erwirtschaften (und sei es, indem er für anderer Menschen Unterhaltung sorgte durch die Entwicklung von Computerspielen) hiermit in Frage gestellt wird. Schnippische Bemerkungen einiger Crew-Mitglieder und der Bodenstation werden vom Captain vorbildlich geschlichtet. Astronauten sind eben charakterlich großartige Menschen! :-) 

Claire ist es schließlich, die des Kapitäns Weisheiten gekonnt in der erschütternden Erkenntnis zusammenfasst "Wenn wir einander besser kennenlernen, dann können wir auch besser zusammenarbeiten". Daraufhin entwickelt sich abermals eine neue Dynamik auf Bühne: der Russe und der Amerikaner schweben in den Nachbarsektor zum gemeinsamen Fernsehen, Claire bringt Angus das Flirten bei, während er ein gewisses Interesse für wissenschaftliche Experimente entwickelt.

Abschließend kulminierte diese Folge in einem Cliffhanger: der Crew wird offenbart, dass sie nun unter chinesischer Flagge fliegt, sie salutiert und wir warten auf die Fortsetzung im Oktober. 

 [Abb.: Beim Abschluss-Applaus vor der Bühne: die Leute von Mission Control, die bisher am Mischpult des Theaters hinten saßen.]

Geniales Konzept, großes Kino!

Durch die statische Bühne, die einem Zusammenkunft-Raum gleicht, hat das Ganze den Charme eines Sitcoms, also jener amerikanischen TV-Soaps, die im wirklichen Leben typischer, gewöhnlicher Kleinfamilien spielen - wie Married... with Children (Eine schrecklich nette Familie), Alf u.a. Serien im Nachmittagsprogramm, die lustig sein sollen und den Nachbarschafts- und Kleinstadt-Tratsch entschärfen, weil die Leute sich so eben über fiktive "Nachbarschaft" (=Leute wie Du und ich) die Mäuler zerreißen können, also über fiktive allseits bekannte Typen "tratschen" und lachen kann. Die anderen Module der Raumstation sind nicht sichtbar, man kann mit ihnen lediglichper Funk kommunizieren. Das zentrale Swesda-Modul hat also eine ähnliche Funktion wie ein Wohnzimmer, in dem man sich trifft. Input von außerhalb gibt's hier per Video-Screen.

Die Show wird beworben als live-Comedy oder (professioneller bezeichnet) als Impro-Reality-Sitcom, d.h. ein Genre-Crossover. Für Nicht-Medienwissenschaftler: Improvisationstheater und Sitcom (was das ist, siehe oben). Die Situation ist eine "Utopie" im wahren Sinn des Wortes, als u-topos, also grch. "Un-Ort", d.h. als Ort, den es nicht gibt. In der ursprünglichen Wortbedeutung meinte dieses Genre, als dessen Begründer der englische Staatsmann und Schriftsteller Thomas Morus (1478-1535) gilt, eine Romanart, die eine mögliche Organisationsform von Menschen schildert - also, z.B. Staatsformen, die (noch) nicht existierten, aber schön zu haben wären, weshalb die Handlung an fiktiven Orten spielte. Eine andere Form dieses Genre ist, dass man nicht Staatsformen erträumte, sondern neue Technologien und die große Synthese von beidem gelang z.B. Gene Roddenberry 1966-'69 in StarTrek (in Deutschland ausgestrahlt unter dem Titel "Raumschiff Enterprise").

monochrom's ISS hat es am Beginn des 21. Jh. nicht mehr nötig, Un-Orte oder Un-Zeiten als Schauplatz zu wählen. Unsere Realität ist "abgedreht" und "utopisch" genug. Recht nahe an der Realität im Weltraum ist daher die Show, die erst in Wien und dann in Berlin gedreht wurde. Die Crew auf der Bühne weiß nicht vorher, was Mission Control ihnen heute geben wird und Mission Control weiß (natürlich) auch nicht, was die Crew "antworten" wird, wie sie reagiert. Daraus ergibt sich eine überraschende Dynamik, die - wenn's gut läuft - fast an den meistens zutreffenden Slapstick-Charakter von TBBT herankommen kann.

  [Abb.: Aufführung am 25.06. 2011]

 "smart ist das neue sexy"

monochrom's ISS startete also mit dem "Missionierungsanspruch" und der Berufung des Narren seit altersher, den Menschen einen Spiegel vorzuhalten. Es ist näher an der Realität als die ScienceFiction in StarTrek, wo die Kulisse des Spiels um einige Jahrhunderte in die Zukunft gerückt wird. Andererseits wirkt auch schon die heute reale, moderne Technologie für uns im Alltag derart utopisch, dass man es direkt benutzen kann. Welcher Besucher eines Hinterhof-Theaters in Berlin kann sich schon wirklich vorstellen, wie es auf der Internationalen Raumstation: Was heißt es überhaupt, dort zu leben, für viele Monate nur ca drei andere Menschen um sich zu haben und bestenfalls Funkkontakt mit Familie und Freunden? Wie kann man in Schwerelosigkeit leben, essen, Musik hören, (k)ein Fußball-Spiel sehen, auf Klo gehen und in welcher Pose ausgeruht schlafen, ohne dass die Schwerkraft einem die Wirbelsäule gerade biegt...? Wie arbeitet man, wenn jeder Handgriff schon 150.000 US$ kostet? 

Beim Start in Wien wurden zur Beantwortung dieser Fragen noch zwei "Experten" auf die Bühne geholt, die dem Publikum dies erläuterten: Norbert Frischauf (Raumfahrtwissenschaftler und -Kommunikator im ÖWF) und die Astro-Online-Journalistin Maria Pflug (DerOrion).


Was bringt uns die Raumfahrt überhaupt

Wozu müssen überhaupt Menschen in den Weltraum starten? Neben den zahlreichen physikalischen, biologischen und chemischen Experimenten und der Herausforderung an die Ingenieur-Wissenschaft gibt es auch ethische und philosophische Ergebnisse, die man aus der Raumfahrt lernt. Raumfahrende aller Nationen und jeden Geschlechts erzählen immer wieder, wie die von Peter Sloterdijk (einem der großartigsten und provokantesten Gegenwartsphilosophen) propagierte Perspektivenumkehr für uns wirkt: Aus dem All sieht man weder Staatsgrenzen noch etnische Unterschiede, "alles was hier groß und wichtig erscheint", wirkt dort "nichtig und klein". Aus dieser Perspektive sieht man die Erde als sensibles blaues Juwel in der Schwärze und Einsamkeit des Alls. Man sieht, wie dünn die schützende dünne Haut der Erde ist, die Atmosphäre, die uns das Leben auf der Erde ermöglicht. Man sieht die Schutzbedürftigkeit der Erde ein, aus der schließlich in den 1980er Jahren die "Grüne Revolution" in Europa losbrach: zuerst schleichend, doch heute sogar schon in der Landesregierung von Baden-Württemberg. :-)

Kommt die Erde in den Himmel, wenn sie tot ist?

 

 [Abb.: Aufführung am 25.06. 2011;
 Das Sport- und Wohnmodul "Swesda" ist die Bühne, der Weltraumtouri entdeckt gerade seine Vorliebe für Pflanzen.]

 

 Einladung  zur Fortsetzung

Anyway: Im Ballhaus sehen Sie ganz un-philosophisch den fingierten, aber sehr realistischen profanen Alltag einer vierköpfigen Mannschaft auf einer internationalen Station im Orbit unseres Planeten. Mal abgesehen von der spacigen Kulisse gibt es menschliche Dissonanzen und Harmonie wie überall und es ist einfach ein Gaudi - für Weltraumfans ganz besonders.  

Die sehr professionellen Darsteller (m/w) singen und reden gewiss jedem einen schönen Abend. Man kennt sie bereits aus dem Fernsehen oder aus Musical-Inszenierungen. Doch auch wenn nicht: auf der ISS-Bühne im Ballhaus merkt man ihre Professionalität sofort! 

spontan, spritzig, witzig, originell

und wie im echten Leben: jeden Abend anders :-) 



Wenn Sie's diesmal verpasst haben, gibt's im Oktober nochmal eine Chance für

monochrom's ISS

27., 28. und 29. Oktober im Ballhaus Ost in Berlin (Nähe Bhf. Schönhauser Allee). 

Zwischenzeitlich werden die bisher gedrehten Folgen binnen der nächsten Monate peu-à-peu auf der monochrom-Webseite veröffentlicht. 

Die Show ist in Englisch (native speakers, bewusster deutscher bzw russischer Akzent). 

 

 


Gimmick dieses Logs
Credits:
Danke an Maria für die Presse-Backstage-Karte, an Johannes für die herzliche Begrüßung und den Service und an Paula für die Fotos, da meine Handy-Kamera leider in diesem Lichte streikte.

Abb.: Auf der Fahrt nach Berlin (Danke Falko & Co): Ein durchgehender Doppelregenbogen begleitete die Fahrt ab Hannover bis ca. Magdeburg. Der Haupt-Regenbogen rückte dabei immer näher heran: er endete zeitweise nicht - wie typisch - irgendwo "in der Luft" oder in der Ferne, sondern zuerst auf dem Feld neben der Autobahn und später sogar direkt am Auto.

Faszinierend, wie die Natur malen kann!



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SpaceCamp in Berlin-Potsdam und Hamburg

24. Juni 2011, 00:13

noch freie Plätze: SpaceCamp für Teens und Twens von 16 bis 27 Jahre. Jetzt für Kurzentschlossene nur 360 Euro! Darin enthalten: ÜVP und gesamtes Programm (Eintrittsgelder, Fahrkosten), gezahlt werden müssen lediglich Anreise nach Berlin und Abreise von Hamburg oder Berlin. 

Flyer_SpaceCamps_2011.pdf

Datum: vom 25.07. bis 05.08.

 

Das Programm beinhaltet Kahnfahrt im Spreewald, experimentieren im DLR SchoolLab, Besuch von Einsteinturm, Sternwarte Bergedorf und Archenhold-Sternwarte, Stadtrundfahrten in Berlin, Hamburg, Ausflüge nach Potsdam und Bremen... u.v.a.m. also: sehr viel Wissenschaft, Spiel, Spaß und Freizeit ... tolles Ferienprogramm. Dazu: Juri Gagarins Kultur live erlebt durch unsere russischen Gast-Teilnehmer (so alt wie ihr!). 

 

Programmpunkte im Einzelnen: 

Mo 25.07.11 Anreise, offizielle Eröffnung, Begrüßung in
Berlin, Kennenlernen, Übernachtung in JHB
Di 26.07.11 Astronautentraining, Raumflug-Spiel, Schülerlabor im Orbital des FEZ, Beobachtung bei den SiFEZ
Mi 27.07.11 Stadtrundfahrt Berlin, Besuch Technikmuseum (Sightseeing, Besuch IMAX)
Do 28.07.11 Besuch in Potsdam: Führung in Sanssouci, Astrophysikalisches Institut Potsdam, (Aleksandrowka, Sightseeing)
Fr 29.07.11 DLR-SchoolLabs, Sowjetisches Ehrenmal, Archenhold-STW, Kneipentour
Sa 30.07.11 Tagesausflug Spreewald, Bootstour Lübbenau, Freilichtmuseum Lehde
So 31.07.11 Fahrt nach Hamburg, Kennenlernen der Gastfamilien
Mo 01.08.11 Stadtrundfahrt Hamburg, Hafenrundfahrt, Michel Sightseeing
Di 02.08.11 Sternwarte Bergedorf, Planetarium
Mi 03.08.11 Ausflug nach Bremen, Fallturm, Universum, Stadtrundfahrt, Sightseeing
Do 04.08.11 Abschlusstag, Feedback, Freizeit (Shopping), ggf. Rückreise nach Berlin
Fr 05.08.11 Abreise

  Have Fun! Join us!

Fragen und Anmeldung: 

Nina Mut (Berlin): ninkamutik@googlemail.com

Tel.: 0176 - 821 74547

 

 

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 (dort jeweils weitere Links)

 



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