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Auge Gottes - Buch & lustige E-Mails

08. Oktober 2011, 15:47

"Als Galilei sein Fernrohr zum erstenmal auf den Mond richtete, in einem Garten zu Padua an einem klaren Herbstabend des Jahres 1609, mag die Frage, ob sich das Weltall verändert, auch schon existiert haben, aber sie war nicht drängend."

An einem Herbstabend wie heute (nur mit besserem Wetter und weiter südlich in Europa) war es also und in einem kleinen Garten. Weiters lernen wir: Galilei hat sich niemals als "Erster Erfinder" des Teleskops bezeichnet, was damals der gängige Begriff war für jemanden, der ein Patent anmelden könnte. Vielmehr hat er sich nur als "Erfinder" bezeichnet, also als jemand, der ein Gerücht durch eigene Experimente in eigener Werkstatt vom Hörensagen in eine anfassbare Realität performierte.


In seinem Buch mit dem Untertitel "Das Teleskop und die lange Entdeckung der Unendlichkeit" erzählt der renomierte Wissenschaftsjournalist Richard Panek die Geschichte der Astronomie und mithin unseres Weltbildes als eine Geschichte von verbessertem Instrumentarium. Offensichtlich hat sich der Autor mit der Geschichte der Kartografie oberflächlich, aber zumindest tiefgründiger als ein durchschnittlích allgemeingebildeter Geograph oder Geographielehrer beschäftigt. Er zitiert die Karten und Weltbilder von Ptolemaios und dem großen römischen Geographen Strabon, aber er beschreibt deren Weltkarten nur mit Worten. 

Überhaupt enthält Paneks Buch kein einziges Bild, keine Skizze und kein Foto. Dies zeigt bereits sehr deutlich, dass es weit entfernt ist davon, ein Lehrbuch zu sein. Allerdings hat der Autor sehr breit recherchiert, zitiert Aristoteles "de caelo" mit dem Blick durch lange Rohre als Beobachtungshilfe, um tags die Sterne zu beobachten, genauso wie auch die Sternenbotschaft (Sidereus Nuncius) des Galilei im Original, Briefe der Fugger an die Medici in dieser causa und vieles mehr.

 
"Stattdessen [statt der Antwort auf die Frage nach der Veränderlichkeit des Alls] lernte Galilei, welche Fragen er aus den gefundenen Antworten ableiten konnte. Schon bald darauf schien das Fernrohr selbst die Antwort zu sein ... " meint Richard Panek. Also... ich denke, wenn man gelernt hat, die richtigen Fragen zu stellen, hat man schon viel gelernt auf dem Weg zum Forscher des 21. Jahrhunderts. Und auf diesen Weg begibt er sich, quasi rückwärts, denn er konstatiert die sprunghaft angestiegene Anzahl der bekannten Galaxien durch das Hubble-Weltraumteleskop und betrachtet davon ausgehend die faszinierende Geschichte von Individuen der Menschheit, die seit mindestens zweitausend Jahren versuchen, immer mehr von der Welt dem Auge zugänglich zu machen: sei es in Gestalt von besseren Instrumenten des Sehens (Seh-Rohre ohne Linsen, Brillen, Teleskope) oder durch Karten und andere Abbildungen zur Visualisierung.

Der metaphorische deutsche Buchtitel "Auge Gottes" ist zwar gewiss eine zügellose Übertreibung, denn wessen Auge das Teleskop ist oder erweitert, sollte wohl jedem klar sein: Das Instrument erweitert als Lichteimer das Auge des Astronomen (m/w) und in Kombination mit anderen Medien als Messinstrument ggf. die Zeitauflösung unseres Gehirns. Nun, muss man vllt nicht mit jeder Metapher anderer einverstanden sein - aber wer diesen blumigen Stil eines Geschichtenerzählers mag, ist hier sicher gut bedient. Der englische Originaltitel war ja auch treffender "Seeing and Believing - How the Telescope Opened Our Eyes and Minds to the Heavens". Auch hier lässt sich die Doppeldeutigkeit von "heaven" nicht verhehlen, aber es sind immerhin "unsere" Augen und Hirne, die geöffnet werden. Wie ein roter Faden durchzieht Paneks Text der Leitgedanke: Je besser das Instrument, desto mehr lernen wir über unsere Welt, über das Universum. Daher beginnt er auch keineswegs mit Lipperhey, Galilei oder Aristoteles - sondern der Start seiner Geschichte ist der 15. Januar 1996, dem Tag der Veröffentlichung des Hubble Deep Fields.

Sein Resümee zum Thema ist auf Seite 189: "Das Teleskop als ein Mittel zur Erforschung des Weltbilds in unseren Köpfen, der Annahmen, durch die wir uns ständig beschränken, der Zwänge, denen wir unterliegen, kurz: zur Erkenntnis unserer eigenen Grenzen, des Welt-Ozeans, der uns
für immer umschließt."  und er schließt ab mit den Worten "Die Antwort ... war, was wir nicht wissen, die Frage war das Teleskop, und der Rest war Geschichte."

Auch wenn der Inhalt aus Sicht der Geschichtsforschung an manchen Stellen hinterfragbar oder nicht (mehr) der letzte Stand der Diskussion ist, so ist es Panek gelungen, hier eine lebhafte Geschichte zu erzählen - ausgeschmückt mit zahlreichen Details, die aus eigener Lebenserfahrung stammen müssen, wie wenn er Galileis zitternde Hände und das Beschlagen der Objektive bei der Beobachtung des Mondes durchs Teleskop in einer klaren Herbstnacht schildert. 

Fazit:

Ein nettes Buch der Unterhaltungsliteratur, bei dessen Lektüre man sicher noch einiges lernen oder wieder auffrischen kann. 

 


 

Data

Richard Panek: Das Auge Gottes - Das Teleskop und die lange Entdeckung der Unendlichkeit,

Verlag Klett-Cotta, Stuttgart, 2001 - engl. Ori 1998

 


gimmick of the post:

Kürzlich erreichte mich eine Anfrage, ob ich etwas über "The Eye of God" wisse, denn es kursiert gerade eine lustige E-Mail:

 "This photo is a very rare one, taken by NASA. This kind of event occurs once in 3000 years. This photo has done miracles in many lives. Make a wish .... you have looked at the eye of God. Surely you will see the changes in your life within a day. " (attached ein Foto von M57 wie rechts. d.i. der bekannte Ringnebel in der Leier, ein Standard-Beispiel-Objekt für die Klasse "Planetarischer Nebel", Fotos wie dieses waren schon vor Erfindung der NASA in Standardlehrbüchern der Astronomie - wenn auch nicht so schön bunt, was wiederum an der oben diskutierten Entwicklung der Teleskope und Kameras liegt)

Alle Hobby-Astros dürfen sich also riesig freuen: Nicht nur bei Sternschnuppen dürft Ihr Euch was wünschen, sondern auch, wenn Ihr Planetarische Nebel beobachtet! Toll, ne!?! :-D 

Tipp: "Eye of God" bei Google-Bildersuche eingeben ;-)))

 

PS: "Yesterday I saw god, she was black."


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Neue Uranometria jetzt im Handel

05. Dezember 2010, 19:25

wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht: ein wahres Meisterwerk der Himmelskartographie wurde neu gedruckt: Die originale Uranometria von 1603 wurde in der alten Originalfassung (gefunden als Exemplar von einem Hobby-Astronomen, der sich mit Notizen versah) neu gedruckt. Auch heute zeugt der Reprint von einem interessanten verlegerischen und drucktechnischen Anspruch - die Blätter der originalen Uranometria wurden nicht verändert (handschriftliche Notizen und Linien eines Nutzers aus dem 17. Jh. nicht entfernt). Die rechte Seite des neuen Werkes ist ein Kartenblatt, das in der Mitte mehr oder minder gut auf einen Kopierer gepresst wurde, so dass man noch die Mittelfalte der Seite (oft mit Wölbung) deutlich sieht - sie tritt allerdings i.d.R. nicht störend in Erscheinung. Manchmal gibt es sogar "Eselohren", also abgeknickte Ecken (z.B. rechte obere Ecke beim Schlangenträger, der hier Serpentarius heißt). Die linke Seite des großformatigen Buches ist die zugehörige Liste der Sterne auf dieser "Doppelbuch-Seite".

Das Buch erscheint heute mit einem Begleitbuch von Jürgen Hamel, in dem die historische Genesis und Bedeutung kontextuiert ist (ich habe ihn in meinem früheren Beitrag diskutiert).

Viel Spaß beim Lesen und Blättern!
 
Johann Bayer: Uranometria 1603
Reprint Kunstschätzeverlag 2010
Begleitbuch von Jürgen Hamel: Die Himmelsvermessung des Johannes Bayer

(ergänzend zur vorherigen Diskussion, die ich aufgrund eines vorab gesandten PDFs führte)



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Super-Nova(e) am Bücherhimmel

26. November 2010, 23:34

Ein ganz neues Juwel am Bücherhimmel ist ein Reprint der originalen Uranometria von Johannes Bayer (1603). Sie erscheint heute mit einem Begleitbüchlein von Jürgen Hamel. Erstmalig erschienen ist die Uranometria 1603 in Augsburg und setzt Maßstäbe für Himmelskartographie: In diesem historischen Kartenwerk schuf der unvermähle Jurist unsere erste moderne (kurze) Sternnomenklatur mit griechischen Buchstaben. Er benannte die Sterne mit dem Namen des Sternbilds im lateinischen Genitiv und sortierte sie innerhalb eines Sternbilds nach ihrer Helligkeit, so dass der hellste Stern jedes Sternbilds alpha heißen sollte, der zweithellste beta usw.

Außerdem sorgte Bayer für große Übersichtlichkeit in seinen Karten: Im Gegensatz zu allen bildlichen Darstellungen vorher, traten bei ihm die Sternbildfiguren zurück und konnten den arbeitenden Astronomen nicht mehr verwirren. Die Sterne treten klar hervor und so dient diese Sternkartenvorlage als sehr gute Arbeitsgrundlage, auch für den nächtlichen Gebrauch. (Schließlich wurde nur fünf Jahre nach der ersten Drucklegung des Atlanten das Fernrohr erfunden und ab 1610 zur astronomischen Beobachtung eingesetzt). 

 

Der Autor des heutigen Begleitbüchleins zur Uranometria, Jürgen Hamel, rühmt daher das alte Standardwerk als "gelungene Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst, ... allein Bayers Verdienst", bezieht aber im nächsten Satz den ausführenden Kupferstecher mit ein: "Das Gemeinschaftswerk von Johannes Bayer und Alexander Mair steht in seiner konkreten Ausführung als vollkommen eigenständige Schöpfung da." (S.38)

Auf S.41 bezeichnet der Philosoph und Wissenschaftshistoriker Hamel berechtigterweise "Bayers Atlas als neue Stufe der Visualisierung wissenschaftlicher Erkenntnissse". Er führt auf den vorangehenden Seiten seine Argumente für diese These an und mithin argumentativ systematisch zu dieser Kulmination.

Das neue Büchlein ist offensichtlich von einem Hobby-Astronomen für Hobby-Astronomen geschrieben. Es weist ein paar sprachliche und inhaltliche Ungenauigkeiten auf, ist aber hinsichtlich Schreibstil und Aufbau so angelegt, dass man es nicht hintereinanderweg lesen muss (bzw. soll). Wie es Menschen in ihrer Freizeitbeschäftigung möglich ist, kann man also auch alle Jubeljahre einen Absatz lesen und hat keine Verständnisprobleme. Hamel redet auch expressis verbis den praktischen Sternguckern zu Pass und ganz wider der textbasierten Wissenschaften, wenn er den wissenschaftstheoretischen Ansatz zitiert, dass man an den Himmel schauen muss, wenn man etwas über den Himmel lernen wolle und nicht ausschließlich in die Bücher die Alten: Binsenweisheit aus Klatsch und Tratsch lernt man wenig, selber beobachten macht schlau. (sinngemäß auf S. 40)

Dagegen fällt es kaum ins Gewicht, dass in den einleitenden Überblickskapiteln, in denen er durch die Geschichte der Sternkarten-Abbildungen im christlichen Kulturkreis rast, einige kleinere Fehler sind. So ist es z.B. ein Märchen, dass es im arabischen Alphabet keine Vokale gäbe und auch, dass der Gottorfer Globus mit Löchern durchstochen gewesen sein soll – richtig ist vielmehr, dass es im Arabischen drei große Vokale gibt und weitere kleine in Gestalt von Vokalisation geschrieben werden können und dass der Gottorfer Globus von innen mit Kerzen beleuchtet wurde, deren Licht von den Metallsternen besser reflektiert wird als von den gemalten Sternbildern. (siehe z.B. die Arbeiten des Rekonstrukteurs dieses barocken Prachtstücks der Astronomiedidaktik: Felix Lühning, Schleswig, 1997 u. Herwig Guratzsch, 2004, u.a.) Auch euphorische Sätze wie "Die Uranometria als komplettes Werk durften heute nur wenige Experten im Original zu Gesicht bekommen." (S.7) sind sicher eine Übertreibung, denn Bayers Uranometria gibt es als Reprint im Taschenbuchformat sogar aus Cambridge.

All dies rückt aber das Hamelsche Begleitbüchlein ins rechte Licht einer pathetischen Hobby-Astronomie, also für Menschen, denen der Sternhimmel ein Hochgenuss und eine glückseelige Freude ist. Passionierte Menschen bzw. französisch "Amteure" und für genau diese ist es ja wohl gedacht!

Nun gehören die kritisierten Stellen aus dem 1. und 2. Kap. nicht unmittelbar zum Thema des Buches, der historischen Kontextuierung der Uranometria. Der knapp skizzierte Lebenslauf von Bayer (1. Kap.) und die Diskussion des Werkes in seiner Zeit (3. Kap.) scheint mir sehr ordentlich recherchiert zu sein. Der Text ist sehr einfach chronologisch aufgebaut. Der Schreibstil des Autors mit den zahlreichen Wiederholungen wirkt typisch-philosophisch, ist in sich einigermaßen schlüssig und erfahrungsgemäß mögen viele Menschen dies: Treffend gewählt ist der Autor vom Verlag wohl auch deshalb, weil es nur wenige Philosophen gibt, die sich hinreichend gut mit der Astronomie auskennen, dass sie Bayers Werk zu würdigen wüssten. 

Das eigentliche Glanzstück der Arbeit sind aber die Beschreibungen und Texte zu den Sternkarten, Bildtafeln und deren Beschreibungstexten. Sie sind ein Gemisch aus Übersetzungen des alten Meisters selbst und modernen Kommentaren von Hamel. Ich halte dieses Cross-over von historischen und modernen Angaben für durchaus gelungen, da man klar zwischen den Originalen des 17. Jahrhunderts und den Bemerkungen des 21. Jahrhunderts unterscheiden kann.

Typisch für diesen Autor (Hamel) sind die ausführlichen Listen und Tabellen. So enthält auch dieses Buch umfangreiche Verzeichnisse von Namen historischer AstronomInnen und deren Lebensdaten, ein Glossar zur Klärung vieler Fachbegriffe, alphabetische Verzeichnisse der Sternbilder zusätzlich zu den nach Karten sortierten und vor allem ausführliche Bibliographien, z.B. eine illustre Liste von historischen Quellen zu Sternkarten und deren Autoren. Er hat also eine weitere beeindruckend umfangreiche Sammlung zusammengetragen.

Empfehlung

Dem Kunstschätzeverlag ist es gelungen, mit einer Synthese aus verschiedenen Auflagen der altehrwürdigen Sternkarte (Ausgaben von 1603 und 1648) ein wunderbares Werk neu erstehen zu lassen. Neben Übersetzungen und Kommentaren hat der Verlag es hat sogar geschafft, einen Übersetzer für die drei langen einleitenden Gedichte zu finden. Sie wurden nicht von Hamel (aus dem Griechischen?) ins Deutsche übertragen, sondern von OstR Rainer Seelmann, der es wohl schaffte, dabei sogar Versmaß und Rhythmus zu erhalten. Alles in allem ist und bleibt das Gesamtwerk "Uranometria" daher m.E. ein wahrliches Juwel für den astronomischen Bücherhimmel – auch des 21. Jahrhunderts.

 

Jürgen Hamel: 

Die Himmelsvermessung des Johannes Bayer

Begleitbuch zur Uranometria des Johannes Bayer, 1603

Kunstschätzeverlag, 2010 (Link)

Reprint: ISBN 978-3-934223-35-6, 35cm x 45cm, 112 Seiten
Begleitbuch: ISBN 978-3-934223-36-3, 170 Seiten
Beide zusammen: ISBN 978-3-934223-37-0, 178 Euro

 



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Simonyi - Kulturgeschichte der Physik

13. November 2010, 23:14

gar nicht neu, aber ein Klassiker, den ich immer wieder gern empfehle:

Károly Simonyi (d.Ä.): Kulturgeschichte der Physik

sozusagen das "Standard-Schmökerbuch" aller Physiker, die sich nebenbei ein wenig geistig bereichern wollen. Das Buch erzählt die Geschichte der Physik von der frühen Antike bis quasi-heute. Gigantisch ist der Anspruch, großartig das Konzept: Neben dem Haupttext gibt es nicht nur zahlreiche Farbbilder, sondern auch ausführliche Marginalien. In den Randtexten zitiert der Autor oft auszugsweise historische Dokumente oder Texte. Dort kommt also mal Platons Timaios zum Einsatz, mal auch ein Gedicht von Einstein oder ein Zitat von Feynman, mal ein Minnesang des Walther von der Vogelweide und mal eine Newton-Biographie. 

Das faszinierende an Simonyi ist, dass er es schafft, Physik mit einem historischen Leitfaden zu erklären. Er bereichert die physikalischen Erklärungen nicht nur um Formeln und Grafiken, was jedes gewöhnliche Physiklehrbuch tut, sondern auch um Lehrgedichte, um Passagen aus historischen Originaldokumenten und mitunter auch um biografische oder persönliche Bemerkungen zu bestimmten Autoren. 

 

So sieht eine einigermaßen typische Seite in diesem Buch aus: rechts neben dem Haupttext gibt es einige ergänzende Schemata, links neben dem Haupttext ein Diagramm, das die im Text vertretene These visualisiert und argumentativ unterstreicht. 

Das Buch ist sachlich richtig und sowohl physikalisch als auch historisch korrekt. Es dient daher als wunderbarer Schmökerschinken, empfehlenswert für alle Physikstudierenden ab dem ersten Semester und für FachwissenschaftlerInnen der Wissenschafts- und Technikgeschichte ebenso wie der Physik und Ingenieurwissenschaften. Simonyi führte selbst zwei Doktortitel, jeweils einen von jeder der beiden Budapester Universitäten: den Dr Ing von der TU, den Dr rer nat von der Eötvös-Universität.

Man sieht aus seiner Biografie aber auch: Simonyi war kein Historiker! - Und das merkt man auch an seinem Buch. (schnüff) So schön, wie es ist und so wunderbar es auch begleitend zum Physikunterricht die Physik erklärt und dies an historischen Beispielen, so ist es doch nicht wirklich ein Geschichtsbuch. Es ist schon gar nicht ein Buch eines Historikers, denn dazu fehlt ihm der kritische Diskurs. Als Physiker und Ingenieur schreibt Simonyi über Fakten, als wären diese denn auch in der Geschichtsforschung immer strikt gegeben, was nicht der Fall ist. Sehr schön und kontrovers stellt er aber gerade in ausgewählten Epochen (z.B. in der frühen Neuzeit und in der Zeitgeschichte) Wechselwirkungen und gegenseitige Rezeptionen einzelner WissenschaftlerInnen dar. Simonyis Prägung durch das sozialistische System merkt man ihm allerdings ebenso an, wie man seine Skepsis gegenüber Frauen als Naturwissenschaftlerinnen in manchen Nebensätzen (und nicht einmal zwischen den Zeilen, z.B. in der Bildunterschrift auf S. 426 über die Doppelnobelpreisträgerin Marie Curie) herauslesen kann. Nun - jedem seine Meinung, aber diese Meinungen sind mittlerweile längst überholt. Im Grunde verwundert das nicht, wenn man bedenkt, dass auch dieser großartige Autor bereits seit ca neun Jahren verstorben ist, also im vergangenen Jahrhundert lebte.   

- - - 

Häkchen am Buch:

Einen echten groben Haken gibt es im eigentlichen Sinne nicht, aber das Buch ist eben doch schon einige Jahre alt. Das merkt man:

1. Simonyi hat es im sozialistische Ungarn geschrieben. Insofern lohnt es sich, den einen oder anderen Kapitel-Anfang bzw. die eine oder andere Einleitung zu überspringen. Ich denke, man muss nicht alle historischen Entwicklungen auf den Kontrast vom Kommunismus zur Sklavenhaltegesellschaft zurückführen und auch nicht die heuschreckenartige Profitgier mancher Unternehmer ausschließlich in den "bösen Kapitalismus" verbannen, nur weil man es gut mit Zitaten von Marx und Engels belegen kann. Ein humanes Zusammenleben verschiedener Menschen(typen) kann es in vielen Gesellschaftsformen geben, solange sich die Akteure (und Akteusen? ;)) eben human verhalten - unabhängig vom ihnen umschriebenen gesellschaftlichen Gesamtsystem.

Das gesellschaftspolitische Weltbild, das jedoch in dem Buch von Simonyi diktiert wird, mag nicht jedem gefallen und muss wohl unbedingt vor dem Hintergrund der Zeit der Ersterscheinung gelesen werden! Es sollte auf keinen Fall die sonst wirklich schöne Darstellungsweise schmälern. Die Physik bleibt richtig, ihre Zusammenhänge auch und ebenso die meisten historisierenden Darstellungen. Man muss schließlich jedes Buch "in seiner Zeit" lesen.

2. Wenn man mehr als 2000 Jahre historische Entwicklungen darstellen möchte, die naturgemäß keineswegs immer schnurgeradeaus verliefen, dann muss man auch in einem 600 Seiten dicken, ca DIN A4-formatigen Buch natürlich Abstriche machen: Man kann nicht alles beliebig detailliert erzählen und man muss vllt sogar das eine oder andere Kapitel weglassen.  So fehlt bspw eine Darstellung der Entwicklungen des arabischen Mittelalters, die man nicht vermissen würde, wenn er sich auf den christlichen Kulturkreis explizit beschränken wollen würde - seine Integration der arabischen Welt in die Wissensgeschichte weckt allerdings den Eindruck, dass hier nur ein oberflächliches Wissen vorhanden war oder zumindest dem Autor an dieser Stelle hinreichend erschien. Leider bleibt es bei dieser Oberflächlichkeit an dieser und anderen Stellen, an denen man mit etwas mehr Recherche-Aufwand leicht hätte ein wenig gründlicher sein können. Nunja, es ist immerhin das Werk eines einzelnen (nicht eines Autorenkollektivs) und dafür ist es sagenhaft umfangreich.

Analog auch folgendes Beispiel: In der oben zur Darstellung des Inhalts abfotografierten Seite befindet sich z.B. links ein Diagramm, in dem längs eines Zeitstrahls die Aktivitäten in Wissenschaft und Kultur irgendwie geplottet sind. Hier schweigt der Autor über die genaue Methode der Darstellung, wie er zu diesem Diagramm kam, also welche Daten er dahinein einspeiste. Diese und ähnliche Ungenauigkeiten sieht man aber wohl erst bei der gründlicheren Lektüre, denn sie werden fürs Erste überdeckt durch einen hohen Wert an Anschaulichkeit abstrakter Themen und guter Erklärungen.

--- 

Summa summarum

Alles in allem ist das Buch von Simonyi daher durchaus empfehlenswert! Es ist eine einzigartige Zusammenschau, großartig in seiner Darstellung von epochenübergreifenden und physikalische Teilbereiche umfassenden Zusammenhängen. Lehrende an Schulen und Hochschulen können dieses Kompendium wunderbar für die Vor- und Studierende für die Nachbereitung von Lehrveranstaltungen benutzen. Es eignet sich prima zum Schmökern und auch als Geschenkbuch fürs unaufhaltsam näherrückende Weihnachten.

Ob es ein wissenschaftliches Buch im engeren Sinn ist, darüber mag man streiten: es ist didaktisch gut aufbereitete Physik, die mit Erkenntnissen der Geschichtsforschung bereichert ist. Weder ist es ein Buch der aktuellen Physikforschung, noch der aktuellen Geschichtsforschung und auch kein wirklich "nur" populärwissenschaftliches Buch. Es ist ein sehr gutes Buch - aber es bedarf (an einigen Stellen mehr und vielen anderen weniger dringend) einer Überarbeitung!

Viel Freude beim Schmökern! ;-)



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Revolutionär wider Willen

11. August 2010, 18:41

Vor 16 Jahren, nämlich vom 22. Juli bis 19. Oktober 1994 gab es im Berliner Planetarium an der Prenzlauer Allee eine Ausstellung über Copernicus. Anlass war damals der 450. Todestag des großen Gelehrten, der das heliozentrische Weltbild wieder ins Bewusstsein der europäischen Wissenschaft holte.

Zu dieser Ausstellung entstand ein Begleitbuch:

Gudrun Wolfschmidt [Hrsg]:

Nicolaus Copernicus (1473 - 1543), Revolutionär wider Willen, GNT-Verlag, Stuttgart, 1994 

Die Herausgeberin, Gudrun Wolfschmidt, beschreibt auf den ersten 60 Seiten die Geschichte des Weltbildes seit der Antike, stellt antike Heliozentriker vor und gibt die subtilen Unterschiede zahlreicher geozentrischer Weltbilder an.

In den Teilen II, III und IV des Buches wird der Renaissance-Gelehrte von einem Team kompetenter Autoren ausführlich aus verschiedenen Richtungen beleuchtet: Man kontextuiert ihn in seiner Zeit, schildert seine Biographie und beleuchtet retrospektiv seine Wirkung auf die unmittelbare Nachwelt. Teil V ist der Ausstellungskatalog selbst.

Interessant an dem Buch ist aber nicht nur die interssante Zusammenstellung und gute Ordnung der historischen Modelle, sondern vor allem auch der Titel!

Den Untertitel "Revolutionär wider Willen" glaubt die Herausgeberin selbst eigens für dieses Buch ausgedacht zu haben. Mittlerweile ist er allerdings zu einem "stehenden Begriff" geworden.

Es ist gerade zwei Jahre her, dass die Max-Planck-Biographie von Dieter Hoffmann (MPIWG) mit dem gleichen Untertitel erschien. Prompt war dieses Büchlein in der Beck'schen Reihe erschienen und vom Spektrum-Verlag mit einem Sonderheft begleitet, wurde der Begriff im Darwin-Jahr 2009 für den berühmten Entdecker der "Entstehung der Arten" gebraucht. Es scheint ein wirklich gern genutzter Begriff zu sein: Womöglich liegt es in der Natur von Wissenschaftlern, zwar nach Erkenntnis zu streben und nach dem bestmöglich-treffenden Modell für irgendeine wissenschaftliche Welt, nicht aber nach Revolution. Ich meine, selbst große Skeptiker unter uns, die erstmal fast alles bezweifeln, sind ja nicht mürrische Revoluzzer, sondern wollen lediglich sicher gehen, keinen Fehler zu machen und hinterfragen daher alles sehr gründlich. Ich denke, das ist gesund für die Wissenschaften.

Die meisten wissenschaftlichen Revolutionäre sind wohl nicht mit dem Ziel angetreten, die Welt(bilder) zu revolutionieren. Man geht einfach seiner Neugier nach und stellt ein paar Dinge fest und wenn es der Zufall will, dann sind einige der Erkenntnisse hinreichend grundlegend oder tiefgreifend, dass die HistorikerInnen einen später einen "Revolutionär" nennen. Die konkrete Absicht der/des einzelnen ist das sicher nicht.   



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Raketen und Visionen - eine Rückschau auf die Zukunft

24. Juli 2010, 21:41

Es ist mal wieder Urlaubszeit und alle Welt verschickt Postkarten und Briefe. Bei der Gelegenheit möchte ich Ihnen zwei Bücher und einen Film empfehlen und nach deren Rezeption die vorsichtige Frage stellen: Warum bezahlen wir eigentlich so viel Porto bei der Post? :-)

Gerade habe ich mal wieder das Buch beim Wickel:
Hermann Oberth: Wege zur Raumschiffahrt, aus dem Jahre 1929
Ein Reprint ist 1986 im VDI-Verlag als "Klassiker der Technik" erschienen.

Nachdem im Jahre 1923 sein Buch "Die Rakete zu den Planetenräumen" noch mit dem Argument "zu utopisch" von den Doktorvätern abgelehnt wurde, verkaufte sie sich als Bestseller auf dem populären Büchermarkt. Wen wundert's: Es waren die "goldenen 20er", in denen Max Valier Raketenschlittschuhe für Winterabenteuer auf dem Chiemsee ersann und Raketen-Fritz von Opel mit einem Raketenauto über die Berliner Avus düste.

Des Stoffs von Oberths Ingenieursarbeit nahm sich die dänisch-stämmige Schriftstellerin Thea von Harbou an: Sie schrieb daraus den Roman "Frau im Mond", den ihr Ehemann, der berühmte Filmregisseur Fritz Lang, 1928 verfilmte. Der Stummfilm, der schon damals mit 3 Stunden Dauer Überlänge hatte, füllte die Kinos in Deutschland und wurde sofort weltberühmt. Oberth hat diesen Film beraten, er war die ganze Zeit am Set und passte auf, dass der Mondflug mit all seinen technischen Finessen und den Auswirkungen auf den Menschen so realistisch dargestellt wurde, wie er es sich damals ausmalen konnte. - Die wichtigen Raketentests, die Oberth machen konnte, waren aus dem Werbemittel-Etat der UFA finanziert, denn die Produktionsfirma wollte zur Filmpremiere einen spektakulären Raketenstart sehen. - Genial! Ein Film, der Technikgeschichte schreibt!

Fritz Lang hat mit Blick auf die Dramaturgie für die Zuschauer seines Films den CountDown erfunden, Oberth hat alle seine Modelle und Ideen vorgeführt und Thea von Harbou das ganze mit einer Prise Phantasie gewürzt (sie dichtet der Mondrückseite eine Atmosphäre an, den dortigen Bergen große Goldvorkommen und spinnt eine Liebesgeschichte als Rahmenhandlung).

Der Film zeigt quasi (mit Trick und Schauspielkunst) der Weltöffentlichkeit die Ideen, die zur Ablehnung von Oberths Arbeiten in der Wissenschaft führten. Er beflügelte aber Raketenpioniere und Politiker weltweit dermaßen, dass bei Oberths Tod im Jahre 1989 fast alle Punkte seines angeblich "zu utopischen" Ausblicks Realität waren.

[Der Film ist von der Friedrich-Murnau-Stiftung aufwändig restauriert worden und erstrahlt mithin auch moderner Projektionstechnik wie neu.]

In Dankbarkeit widmete Oberth dem Künstler-Ehepaar von Harbou und Lang sein nächstes Buch: Wege zur Raumschiffahrt von 1929. In diesem Buch beschreibt er nochmals aktualisiert, was er schon in seiner ersten Arbeit im letzten Kapitel andeutete:

Den Nutzen, den eine Rakete haben könnte, wenn man sie doch nur endlich bauen würde. Eine seiner Ideen war damals, man könnte damit die interkontinenale Post schneller befördern.

Die Postrakete

So liest man auf S. 270 f. eine wunderschöne Überschlagsrechnung: Eine Rakete, so meint er, sei in "einer halben Stunde von Berlin nach Neuyork" gefolgen. Man könne auf ca 10 km genau sagen, wo so einschlägt, müsse also nur vorher die Wetterdaten (Windrichtung und -stärke) über den Atlantik telegrafieren und dann die gewasserte Rakete mit einem Boot oder Wasserflugzeug abholen.

"Ich rechne mit einer Nutzlast von 30 kg und einem Landungsgewicht von nicht ganz 60 kg", behauptet er und stellt dann fest, dass die Autoren Gail und Valier Recht hätten wenn sie meinten "ein Normalbrief werde weniger kosten als 50 Mark (...). 20 Pfennige sind tatsächlich weniger als 50 Mark."

Also, Herr Oberth, habe ich Sie richtig verstanden: 20 Pfennige (Weimarer Republik vor der Wirtschaftskrise) für einen Normalbrief, der mit einer Rakete innerhalb von 30 Minuten von Berlin nach New York befördert wird, d.h. wahrscheinlich ungefähr 5 bis 10 Euro-Cent?

Da frage ich mich doch allen Ernstes, warum ich exakt 80 Jahre nach Veröffentlichungen dieses Buches für einen Normbrief nach Sibirien ca 25 Euro (!) und mehr bezahlen soll, damit er binnen einer Woche ankommt. ... Und das, obwohl inzwischen der Computer erfunden und miniaturisiert wurde und bereits vor einundvierzig Jahren echte Menschen auf dem Mond gelandet worden sind: das ist ja noch viel weiter.   

Wink


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Explorative Experimente

09. Mai 2010, 12:22

Diese Woche habe ich meinen Studierenden mal wieder ein Buch empfohlen, das ich hier auch kurz vorstellen möchte, obgleich es nichts mit Astronomie zu tun hat. Aber mit Physik! Und wer an der Kulturgeschichte unserer Wissenschaft(en) interessiert ist, wird es vermutlich genauso lieben wie ich:

Friedrich Steinle: Explorative Experimente, Steiner Verlag, 2005

Das Buch "spielt" hauptsächlich im 19. Jahrhundert. Es geht um die Anfänge der physikalischen Forschungen zur Elektrizität.  Entsprechend lautet der Untertitel: Ampère, Faraday und die Ursprünge der Elektrodynamik. » weiter

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Die Spur des Sputnik

11. Februar 2010, 12:21

Hiermit eröffne ich eine neue Rubrik: "Bücher zur Kulturgeschichte der Astronomie".

Die Spur des SputniksRelativ frisch auf dem Büchermarkt ist ein sehr gutes Buch zur Raumfahrt-Kulturgeschichte. Die Herausgeber Igor J. Polianski und Matthias Schwartz: der erste Akademischer Rat am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Ulm; der zweite wissenschaftlicher Mitarbeiter am Osteuropa-Institut für Allg. und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

Entsprechend schreibt das 349seitige Buch eine Geschichte, die den Start des ersten künstlichen Erdtrabanten in die Geschichte des Kommunismus und des Kalten Krieges kontextuiert. Ein buntes Autorenkonglomerat wird hier in weißem Einband gebunden und so illuster ist folglich der Inhalt des Buchs: Jede Autorin und jeder Autor - allesamt Fachleute auf ihrem jeweiligen Gebiet - erzählt eine andere Kulturgeschichte des Sputnik. » weiter

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alte Astronomie

05. November 2009, 09:47

2009 - wir schreiben das Internationale Jahr der Astronomie. Warum? ... "weil vor genau 2222 Jahren Eratosthenes von Kyrene seine Catasterismen veröffentlicht hat." Das ist zumindest die Begründung, die sich der Althistoriker Klaus Geus von der IAU gewünscht hätte. Professor Geus, Freie Universität Berlin, ist spätestens seit seiner Habilitationsschrift als versierter Kenner des antiken Universalgelehrten bekannt. Zusammen mit Pamias veröffentlichte er eine kommentierte Übersetzung des genannten eratosthenischen Werks, in dem der antike Dichter, Mathematiker, Astronom, Geograph und Bibliothekar (von Alexandria) die "Gestirnungen" verbal vorträgt und also sternbilderweise die Mythen und Anzahl der zugehörigen Sterne nennt. » weiter

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Fernrohre und ihre Meister

19. Mai 2009, 09:37


Rolf Riekhers Buch "Fernrohre und ihre Meister" liest sich wunderschön! Als hätte jemand im Stil der Scheherazade ein Tor aufgestoßen, um nun die Lesenden mitzunehmen auf einen Gang durch alle Gärten der Optikgeschichte. Ein Spaziergang kommentiert durch einen wahren Kenner des Sujets! Herr Riekher ist selbst als Augenoptiker und Ingenieur ausgebildet worden und hatte so das Glück, während und nach dem 2. Weltkrieg einer der gefragtesten Handwerker zu sein. (hoher Brillenbedarf)

Er siedelte von seiner Heimatstadt Schwerin nach Berlin über, brachte sich das Linsenschleifen bei und gründete schließlich eine eigene Werkstatt. Er bildete sich weiter, wurde später Abteilungsleiter in der Akademie der Wissenschaften der DDR und gehörte dort sogar zum Reisekader. Aus dieser Zeit stammt die faszinierende Sammlung von Steinen und Mineralien aus Österreich, Südafrika und aus mehreren Staaten von hier bis zur Mongolei.


Der Optikmeister Rolf Riekher (nebenstehendes Foto habe ich 2007 aufgenommen) beschäftigt sich seit den 1950er Jahren als Hobby mit der Geschichte seines Berufes und dessen Verbindung zur Astronomie. Daher sind der alte Herr und sein Buch eine faszinierende Fundgrube für alle Fragen zum Thema, da er die Geschichte und sein Fach im Detail beherrscht! Deshalb wird der liebenswürdige - heute auf den Tag genau 87jährige - von Wissenschaftshistorikern und Kuratoren gerne konsultiert. Sein einziges Buch zum Thema ist die leidenschaftlich erzählte und wegen ihrer Langwierigkeit (50 Jahre Recherche für 424 Seiten!) überaus gut recherchierte Geschichte eines Liebhabers, der in seinem Fach aufgeht.

Kommentar auf Volker Witts Leserbrief in SuW 5/09

Stilistisch ist diese narrative (thematische) Art der Darstellung allerdings nicht immer übersichtlich, wenn man eine bestimmte chronologische Information such: sie kann sich an verschiedenen Stellen des Buches befinden. Volker Witt sagt in seinem Leserbrief bzgl meines Artikels zum Rolfschen Medialfernrohr, dass Riekher ein bestimmtes Datum fürs erste Spiegelfernrohr nenne: Ich konnte diese Angabe nicht finden. Möglicherweise hat Volker Witt eine andere Stelle des Buches gefunden oder die ältere Ausgabe aus den 1950ern benutzt. Ich freue mich auf Kommentare hierzu.

Zusammenfassung: Persönlich habe ich große Achtung vor Rolf Riekher, schätze ihn als Mensch und als Autor des genannten Buches. Aus meiner Sicht ist sein Buch eine erfrischende Lektüre für jeden Hobbyforschenden und Poesie für leidenschaftliche Profis!



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