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VdS-Astro-Historiker in Nürnberg

07. November 2011, 21:28

In einer der Hochburgen der Wissenschaften in der Renaissance, in Nürnberg, fand letztes Wochenende die 8. Jahrestagung der wissenschaftshistorisch Interessierten der VdS statt.

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Niveau und Inhalte der Vorträge streuten sehr breit und reichten von zahlreichen Infos zur Astronomie im historischen Nürnberg über kleine Recherche-Projekte zur Wissenschaftsgeschichte: Von Thony Christie bekam man eine Einführung über Astrolabien, mit der überraschenden Info, dass schon in der Frühen Neuzeit Papier als preiswertere Alternative zu Metall-Instrumenten gehandelt wurden. Wie so oft ist also gar nicht so modern, was heute als Innovation verkauft wird - auch Menschen in den Generationen vor uns hatten schon gute Ideen. :-) Außerdem wurde Keplers so genannter ScienceFiction Roman Somnium thematisiert: In Somnium beschreibt Kepler in einer Erzählung eines "Traums" seine - erstaunlich modern anmutende - Weltsicht, denn er erkennt die unterschiedlichen Perspektiven des Relativitätsprinzips und beschreibt sie visualisierend auf einer Reise zum Mond. Man kann daraus sehr viel lernen über das Denken des Autors, über sein Wissen und Nichtwissen. Man könnte auch - als DidaktikerIn - herausfinden, was denn mögliche Trugschlüsse oder Fallen im Denken sein könnten... also, auf welche Hürden die Lernenden stoßen werden, wenn sie auf dem Erkenntnisweg zum Relativitätsprinzip sind.

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Lieblingsthema Uranometria (1603)

Eines der spannendsten Themen ist sicher die Suche nach Quellen für die Uranometria: In diesem Punkte wurden auf dieser Tagung sogar von zwei Referenten schon Ergebnisse präsentiert, die deutlich vom amateurischen Niveau abheben und ins Professionelle reichen. Man sollte eben die Amateure nicht unterschätzen, was von manchen Forscherkollegen oft getan wird. Wo auch sonst könnte man besser über die Geschichte der Sternkarten philosophieren als an dem Ort, an dem einst Albrecht Dürer lebte und neue Maßstäbe hinsichtlich des Duktus setzte: nicht nur zur Schreibweise der arabischen Zahlen, sondern auch der Himmelskarten. Es ist schließlich nicht trivial, eine Kugel vom Globus in die Ebene zu projizieren, d.h. mathematisch gibt es dafür schon seit der Antike mehrere Methoden und daher auch mehrere verschiedene Stile zur Darstellung der Sternbildfiguren. Winfried Berberich setzte auch nach Neuerscheinen seines Druckwerkes im Kunstschätzeverlag seine Arbeiten dazu fort und Arndt Latußeck springt auf diesen Zug auf im Kontext seine Geschichte der Milchstraßendarstellungen.

altErster Erdglobus aus Nürnberg

Aus Nürnberg stammte auch der portugiesische Ritter Martin Behaim, der als Autor des ältesten bekannten Erdglobus gilt. Ihm ist das nebenstehende Denkmal in der Stadt gewidmet: oben stützt er sich auf seinen Globus, während zu seinen Füßen andere Gelehrte sitzen.

Ironie des Schicksals ist, dass der Behaim-Globus ausgerechnet im Jahre 1492 erschien, also wenige Monate bevor Christopher Columbus von seiner Expedition der Suche des Westweges nach Indien zurück kehrte und dabei die Kunde brachte, dabei das Bild der Welt veränderte. Auf dem Behaim-Globus ist also noch die alte Welt abgebildet: Eurasien und Afrika.

Erst lange nach Columbus fanden andere heraus, dass das "neue Land" gar nicht der Ostrand Asiens war, sondern ein weiterer Kontinent - Amerika (benannt nach Amerigo Vespuci, der dort 1502/3 Entdeckugnsreisen vornahm und erstmalig dargestellt in den Karten von Martin Waldseemüller 1507). Ich habe das in meinem Überblicksartikel zu Weihnachten 2009 erwähnt.alt

Nürnberger Astronomie

Die erste Nürnberger Sternwarte war eine Beobachtungsstation auf einer der Bastionen der Burg. Weithin sichtbar standen dort bereits in Zeit riesige astrometrische Instrumente (Teilkreise), aufgestellt von Georg Ch. Eimmart 1678 und wegen erosionsbedingter Funktionsuntüchtigkeit abgebaut 1751. Also, quasi eine riesige "Balkon-Sternwarte". Inzwischen erinnert seit vier Jahren ein Denkmal an diese einstigen Glanzzeit, das von Freunden der Astronomie von der Regiomontanus-Sternwarte aufgestellt worden ist. 

Benannt ist die heutige Sternwarte nach dem Astronomen Johannes Müller (1436-1476), der im fränkischen Königsberg geboren worden war und damit seinen Allerweltsnamen latinisierte. Würde er noch leben, könnte er sich sehr freuen, da er nächstes Jahr einen Venustransit zum Geburtstag bekommen wird. Also ... die Nürnberger haben dann also tüchtig was zu feiern. :-)

Die Astronomie ist eine sehr interdisziplinäre Kunst und Wissenschaft, für die man mehr braucht als nur eine Hochschuldisziplin. das hat sich hier mal wieder gezeigt, denn an dieser Stelle fließen Kunst, Physik, Mathematik/ Informatik unmittelbar zusammen. :-) Sie ist eine "herrlich erhabene, weil erhebende Wissenschaft" (Diesterweg) und sollte deshalb auch niemandem vorenthalten werden. :-)

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Der schöne Brunnen auf dem Nürnberger Marktplatz enthält nicht nur in seinem Gitter einen sagenumwobenen "nahtlosen Ring", sondern ist auch mit Allegorien der gotischen christlichen Wissenschaft umrahmt: Für die Septem Artes Liberales aus dem Bildungskanon des Mittelalters (Rhetorik, Grammatik, Dialektik, Arithmetik, Astronomie, Musik, Geometrie) und die Philosophie sitzen acht Gelehrte der Antike (z.B. Cicero, Aristoteles, Ptolemaios - hier im Bild). Hinter ihnen stehen die vier Evangelisten und vier Kirchenväter.


Danke an Dr Wolfgang Steinicke und Hans Gaab für die Organisation der Tagung und danke an alle Teilnehmenden für das schöne Programm und die entspannte Atmosphäre! :-)alt

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Besuch in Stuttgart

22. September 2011, 23:41

wiedermal Donnerstag, Volkssternwarte offen, zwei Sternwärtler da, Himmel wechselhaft bewölkt, keine Besucher... nichts Spektakuläres. Doch da - es läutet. "Oh nein! Besucher..." ;-) ... nur zwei, aber dafür ein ganz besonderer unter ihnen: ein Wissenschaftler, der Volkssternwarten erforscht: Ben Mirwald aus Regenburg. Aufgrund einer Nachwuchswissenschaftler-Tagung ist die Stadt mit Neugierigen bereichert und es haben sich zwei Nachwuchs-Wissenschaftshistoriker auf die Warte "verirrt"... naja eigentlich sind sie schnurstraks hingelaufen. Der eine schreibt seine Diss über die Gründung von Volkssternwarten ab ca 1900 und nutzt den Besuch für Recherchen. Volltreffer! Da haben sich doch mal die richtigen gefunden: stundenlanges Fachsimpeln über die Gründung der wohl aktivsten süddeutschen Volkssternwarte, die übrigens rein ehrenamtlich betrieben wird.

Ein Steinturm statt Einsteinturm

Der Vereinsvorsitzende Andreas Eberle führt alle Instrumente vor, zeigt die raffinierte komplett wegschiebbare Blechhütte der großen Fernrohre auf dem Dach der Sternwarte und kein geringerer als der europaweit bei Sternbedeckungsbeobachtern bekannte Ottó Faragó assistiert ihm beim Einstellen der Geräte. Es ist doch immer wieder dasselbe mit den Astronomen: erstzuckt man zusammen, wenn Besucher kommen, doch dann kann man kaum aufhören am Fernrohr zu fummeln und taut regelrecht auf, wenn man kluge Fragen gestellt bekommt. Ich weiß das nur zu gut, weil ich dies ja selbst jahrelang gemacht habe. 

Das Prachtstück dieser Sternwarte ist ein 100jähriger Refraktor, wunderschön zum Anschauen und gewiss bei gutem Wetter auch praktisch beim Durchschauen und fürs Publikum... Heute sehen wir Jupiter mit Wolkenbändern - nur leider sind einige der Wolkenbänder auf der Erde und vernebeln den Planeten bisweilen. :-(

Trotzdem ein netter Besuch auf der Sternwarte Stuttgart und ich bedaure mal wieder, auf der Durchreise so wenig Zeit zu haben. Natürlich war ich auch früher schon mal hier und auch im Stuttgarter Plantarium (das derzeit von Stuttgart21-Gegnern auf der grünen Wiese umlagert wird), aber es ist jedesmal wieder schön. 

 

  Es ist natürlich eine Spur ungerecht, wenn ich hier mal wieder nur einen Exzerpt der Stuttgarter Astro-Landschaft antippe. Ich müsste noch erwähnen,

  • dass es natürlich neben den zwei genannten auch noch um die 20 weitere aktive Hobby-Astros gibt,
  • dass es eine weitere Sternwarte an der Uni gibt, die (angebl.) das Fauth-Fernrohr - ein Schupmann-Medial Smile - besitzt, mit dem der berühmte Mondbeobachter Philipp Fauth in den 1930er Jahren seine höchstgenaue Karte beobachtend gezeichnet haben soll
  • dass es im Umkreis noch viele aktive Hobby-Astros gibt
  • u.v.a.m.

Ich möchte mich hier aber als schnelle Impression darauf beschränken, den drei genannten Sternfreunden für den schönen Abend zu danken! Immerhin haben wir kurz den Jupiter gesehen und immerhin fühlt man sich unter Sternfreunden stets willkommen ... auch wenn das Wetter nicht perfekt polierten Himmel präsentiert. :-)

 


"Urlaub" nennt man das Laub im Ur-wald, nicht wahr?!

 

... oder das Laub, aus dem eine neue Pflanze wird (z.B. Zyperngras-Ableger, die ich kurz vor meiner Abreise von einer Kollegin-Nachbarin dankend "erbte")?

Wenn ich zumindest bei meiner Chefin "Urlaub" einreiche, fragt sie mich am Tag vor meiner Abreise "schönen Urlaub ... oder ist es wieder gar kein richtiger Urlaub?". Innocent Ich fühl mich durchschaut... O:-) denn sie hat natürlich Recht: Die Woche, die ich an der einen Uni als "Urlaub" einreichte, bin ich im Auftrag einer anderen Uni auf vier Tagungen (wenn auch auf manchen nur teilzeit). Der Tagungsmarathon von Astronomiehistorikern, Astrophysikern, Wissenschafts- und Technikhistorikern und deren Nachwuchsgruppe war zwar ganz schön anstrengend, deckt aber ziemlich genau mein Interessenspektrum ab. Inzwischen habe ich das Gefühl, in jedem dieser Kreise zu einer großen Familie zu gehören - und das ist schön! 

Smile

Da das ganz sicher nicht nur mir so geht, sondern ich im Namen vieler spreche, wollte ich es an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen und freue mich aufs nächste Jahr in Hamburg und(?) Mainz. Ganz vielen lieben Dank jedenfalls auch an die Freundinnen, bei denen ich während der Tagungen in Heidelberg, Mannheim und Stuttgart kostenfrei Unterkunft fand! Und wenn man dann sogar in der Herberge bei zufällig zusammengewürfelten Mehrbett-Zimmern das Zimmer mit einer anderen Tagungsteilnehmerin teilt, muss sich doch auch das Gefühl sozialer Verbundenheit einstellen

- oder? :-)

"die aus dem Tubus Geborene" O:-) 

 

 



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IdeenExpo in Hannover

04. September 2011, 23:05

Fünf Kinder haben die Kraft von einem halben PS, also einer halben Pferdestärke. Das war eine der Erkenntnisse auf der Showbühne im Freien auf dem Hannoveraner Messegelände vor Halle 9, auf dem während der ganzen Woche niedersächsische Gruppen von Schülerinnen und Schüler um einen Schulpreis wetteiferten. Sie mussten Fragen zur Physik und Technik beantworten und Experimente durchführen, wie den Bau eines gummibandbetriebenen Autos, das sich im Wettrennen gegen das Auto der anderen Gruppe bewähren musste. 

2007 wurde die IdeenExpo vom jetzigen Bundespräsidenten Christian Wulf ins Leben gerufen, die Messe für Junge Leute. Alle zwei Jahre findet sie seither statt und wir sind gespannt aufs nächste Mal. Kinder und Jugendliche präsentierten ihre eigenen Ideen und sie können sich an den zahlreichen Ständen der Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen über Chancen der Berufswahl informieren. Vor der Messehalle stand ein Raumsimulator der Bundeswehr,  in der Messehalle präsentierten sich Sennheiser mit Hörproben, Mischpulten und akustischen Experimenten, Volkswagen mit einem PKW-Parkur und Fahrsimulartoren, bei denen schon die jüngsten auf dem Schoß der Eltern am Lenkrad sitzen durften. Auch ein Polizeihubschrauber uwar ausgestellt, das LKA präsentierte Analysemethoden, mit denen man Tätern auf die Schliche kommt und zahlreiche Fahrräder, Fahr- und Flugsimulatoren, Fahrräder und viele andere Sportgeräte konnten hier zu physikalischen und chemischen Analyse- und Messzwecken benutzt werden: Mal betrieb man mit einem Fahrrad eine Lampenkette, mal benutzte man es einfach zum Sport oder stieg in ein Trocken-Ruder-Gerät, um die Kraft zu bestimmen, die zum Rudern im echten Wasser nötig ist.

 

Gleich nebenan präsentierte sich auch der Verlag Spektrum der Wissenschaft mit seiner neuen Kinder- und Jugendausgabe "Spektrum NEO" und das altbekannte GeoLino aus dem Hause Grunar und Jahr. Sie waren einige unter vielen Ausstellern auf der IdeenExpo.  

Ein Erlebnis für die ganze Familie waren auch Luftballons, die Azubis der Firma Linde in flüssigen Stickstoff tauchten. Der Luftballon schrumpfte instantan, weil im Inneren das CO2 unserer Ausatemluft zu Eis gefror, das man beim Schütteln des Ballons auch deutlich rascheln hörte. An einem anderen Stand wurde von der Firma Nordzucker die Zuckerherstellung erklärt und an einem wiederum anderen die Stahlverarbeitung erläutert. Lehrlinge, Studierende und Doktoranden präsentierten mit Feuer und Flamme ihre technische Berufswahl in Gestalt von z.B. einem Wetterballon der Uni Hildesheim, verschiedenen Autofahrsimulatoren und einem selbstgebauter Roboter, der um die Beine der Besucher streifte. Wie silvesterliches Bleigießen mutete es den Kindern an, als sie Azubis beim Prägen von Medaillons zuschauten. Auch über natürliche Radioaktivität und den Aufbau der Materie vom Kristall übers Atom bis hin zum Quark konnte man sich informieren: ein echter Göttinger Physikprofessor, der hauptberuflich am ATLAS-Experiment am CERN arbeitet, erläuterte an einem Stand eine Nebelkammer, die laufend von munteren alpha-und beta-Teilchen durchquert wurde. Professoren waren hier allerdings eher die Ausnahme an vorderster Front der Messestände, denn eines der Leitbilder der Ideenexpo ist das Erklären der Exponate durch Azubis und Studierende anstelle von Anzugträgern. "Die sind viel näher dran an den Kindern und Jugendlichen und sprechen deren Sprache" erläutern die Initiatoren. Im Gegensatz zu den ersten Weltausstellungen im 19. Jahrhundert war natürlich diesmal neben der Weltausstellungsallee in Hannover auch fürs leibliche Wohl gesorgt - anders hätte man's auch gar nicht den ganzen Tag dableiben können, um die Vielzahl von sportlichen Aktivitäten für Körper und Geist zu genießen.

So überrascht es auch wenig, dass die Besucherzahlen laufend steigen: "2013 wird die IdeenExpo wahrscheinlich nicht mehr mit nur einer Halle auskommen", freut sich der Veranstalter und das ist auch kein Wunder bei so viel action, Show, Fun und live-Experimenten.

  In Podiumsdiskussionen unter dem Label "Vision Zukunft" wurden nicht nur Schülerinnen und Schüler über den Spaßfaktor und Lernwert der Messe-mit-ScienceCenter-Flair interviewt, Experimente vorgeführt und Lehrbotschaften in die Welt gestreut. Insbesondere am letzten Tag gab es auch resümierende Diskussionen mit Personal-Chefs und Firmenleitern, bei denen die undurchdachten Klischees über die Männlichkeit oder Weiblichkeit von Berufsbildern weggewischt wurden. Drei Azubinen erklärten Windräder und führten Bühnenexperimente damit durch, Firmen wie Sennheiser und StibelEltron priesen ihre Schulprogramm an und zeigten deutlich ihre offenen Türen für junge QuerdenkerInnen und aufgeschlossene Geister. 


Gimmick des posts

 

Sorry an meine Leser, dass ich erst im Nachhinein berichte, aber ich konnte leider aufgrund einer Exkursion mit meinen Studierenden erst gestern, am letzten Tag die Messe besuchen. Freuen wir uns einfach alle aufs nächste Mal! :-) Der Grund für meine Verhinderung ist ein Projekt zu Wasserrädern, das wir an der Spree durchführten (Abb. links). 



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Potsdam - Sanssouci et Astronomie

27. August 2011, 01:12

Telegrafenberg: Hier wurde im ausgehenden 19. Jh. die weltweit erste Forschungseinrichtung zur Astrophysik gegründet. "Astronomie" hieß das Fach zuvor, das sich mit den Sternen beschäftigt, doch gerade die neuen Analyseverfahren des 19. Jh. führten es in eine neue Ära: So entschloss man sich im kaiserlichen Deutschland erstmals zur Anwendung des neuen Begriffs im Namen eines Instituts: Astrophysikalisches Observatorium Potsdam (AOP). Sein moderner Nachfolger im 21. Jh. ist das AIP, das astrophysikalische Institut potsdam ... allerdings wohnt es nicht mehr in diesem Hauptgebäude, sondern in der ehemaligen Berliner Sternwarte, die im beginnenden 20. Jh. von der Stadtmitte nach (Berlin-)Babelsberg umzog. ... Nun, in der Zwischenzeit ist Babelsberg nicht mehr Südwestzipfel von Berlin, sondern Nordost-Zipfel von Potsdam. things change - that's the only constant in life 

Das ehemalige Hauptgebäude des AOP wird heute vom GeoForschungszentrum (GFZ) genutzt. Mit dem Sonnenteleskop in der Ostkuppel habe ich dereinst im Uni-Praktikum einmal Sonnenflecken gezählt, aber professionell wird es seit 2000 nicht mehr genutzt.

Ein "frisch" angestrichenes Prachtexemplar eines Großen Refraktors findet sich in der Kuppel gegenüber dem Hauptgebäude. Mit 80 cm Linsendurchmesser rangiert dieser Doppelrefraktor auf Platz Nr 4 der TopTen der Riesenrefraktoren dieser Welt. Der Große Refraktor hat einen Förderverein, dessen Vorsitzender, Herr Ernst August Gussmann, das riesige Instrument auch noch live bedienen kann.

 

 

Nicht nur für den Großen Refraktor, sondern auch für den Einsteinturm ist das AOP auf dem Telegrafenberg berühmt. Gedacht war er eigentlich für den Nachweis der Gravitationsrotverschiebung an der Sonne, allerdings war das mit diesem Instrument leider nie möglich. Stattdessen kann man aber mit ihm solare Magnetfelder messen und das habe ich sogar schon selbst mehrfach gemacht: Spektrallinien werden im Magnetfeld aufgespalten (Zeeman-Effekt) und können folglich über das Magnetfeld Aufschluss geben. 

Und so funktioniert's: Licht tritt durch die Kuppel ein. Zwei Planspiegel lenken es in den Turm (Coelostat, großes Bild: Licht wird erst auf den Spiegel rechts unten und von diesem auf den links oben reflektiert). Dort fällt es durch eine Linse (Inlay-Bild links), die zur Focussierung verstellbar gelagert ist. Im Keller des Turms (Abb. oben rechts) kommt das Sonnenbild nach einer weiteren Umlenkung an einem Spalt in der Wand an (da steht jetzt das Sonnenfoto davor): Dahinter befindet sich in einem wohl temperierten Raum ein empfindlicher Spektrograph. Seine Ergebnisse wurden dann früher mit einem Buch (= "Tafelwerk der Spektrallinien") und heute mit dem Computer ausgewertet. 

Im Besprechungsraum vorne in dem U-Boot-artigen Gebäude gibt es vier Stühle um einen Holztisch im Bauhaus-Stil. Auf ihnen sollen angeblich schon Albert Einstein, Max Planck, Walter Nernst, Erwin Freundlich und andere wichtige Leute gesessen haben. :-) Da diese Herren aber längst tot sind, haben wir uns die Freiheit genommen, ihre Plätze einzunehmen (28.7. 2011, dt.-russ. SpaceCamp). ;-)  

 

 

 


Gimmick dieses Blog-Posts

Schloss und Park Sanssouci sind Unesco Welterbe und mithin weltberühmt. Vor den Römischen Bädern hier im Park steht eine der faszinierendsten Sonnenuhren, die ich kenne. Während meines Studiums hier in Potsdam habe ich sie oft besucht. Es handelt sich um einen Würfel mit Friedrich-Wilhelm-Initialen, bei dem jeder Strich ein Gnomon ist und zusätzlich noch einige Halb-Skaphen eingraviert sind. Insgesamt sind auf dem ca 30cm-Kubus bestimmt 30 Sonnenuhren. Faszinierend!



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Prag - Sitz der dt. Kaiser und mithin berühmter Hofastronomen

21. August 2011, 22:14

Nur einen halben Tag hatte ichkürzlich Zeit für einen Zwischenstopp in der mitteleuropäischen Metropole, aber ich möchte unbedingt nochmal hin: Prag ist eine wunderschöne Stadt!

In Prag wurden die Rudolphinischen Tafeln erstellt. Berühmt ist die alte Kaiserstadt für den die verstrittenen großen Astronomen Tyge Brahe und seinen Nachfolger Johannes Kepler, dem man unterstellt, beim Tod seines menschlich unausstehlichen Herrn nachgeholfen zu haben. Diese Unterstellungen durch die moderne Presse sind zwar historisch haltlos, lesen sich aber zuweilen sehr unterhaltsam (wer's mag...). 

Tycho Brahe ist in der Teynkirche am Marktplatz bestattet, die jedoch leider sonntags nachmittags verschlossen ist. So konnte ich nicht andächtig vor die letzte Ruhestätte des letzten großen vorteleskopischen Astronomen in Europa treten. Das wird aber bei Gelegenheit nachgeholt. 

Ein Kepler-Museum wurde erst im IYA 2009 eröffnet - also genau 400 Jahre nach dem Erscheinen der berühmten Astronomia Nova von J. Kepler. :-) 

ist gegenüber des Eingangs zur berühmten Karlsbrücke über die Moldau, der ältesten Brücke der Stadt aus dem 14. Jh., deren Grundsteinlegung von Astrologen terminiert worden war. Sie ist eine Fußgänger-Zone mit zahlreichen Künstlern und abergläubischen (typisch-slawisch) Berührungspunkten von Statuen: Angeblich geht z.B. ein Wunsch in Erfüllung, wenn man die Statue des Hl. Nepomuk streichelt. 

Astronomisch aber viel interessanter ist das alte Jesuiten-Kolleg St Clemens. Im barocken Gebäude des Klementinums befindet sich die Nationalbibliothek, eine Sternwarte und ... viele schöne Globen! :-) 

Berühmt ist Prag natürlich auch für seine astronomische Uhr am Rathaus! Das Orloj aus dem 15. Jh. besteht aus zwei großen Zifferblättern: Auf dem unteren Zifferblatt ist ein Kalender angezeigt, auf dem oberen die aktuelle Uhrzeit sowie die Mondphase. Zu jeder vollen Tagesstunde (zw. 9 und 21 Uhr) erscheinen oben die 12 Apostel in den blauen Türchen, die vom Tod (Allegorie: Skelett, das eine Sanduhr wendet) mit einer Glocke "geweckt" werden. Auch die anderen Figuren neben dem oberen Zifferblatt (Eitelkeit, Habsucht links und neben dem Sensenmann rechts die Wollust) erwachen scheinbar zum Leben. Abschließend kräht der goldene Hahn und das Skelett dreht die Sanduhr.  

  Auf ein Neues!  :-)


Anspruch auf Vollständigkeit erhebt diese kleine Skizze natürlich nicht (wie immer), sondern gibt nur einen Reisetipp, weil ich kürzlich mal wieder unterwegs war. Es war ein verregneter Tag am 31. Juli, als ich eigentlich in ehrenamtlicher Mission der internationalen naturwissenschaftlichen Jugendarbeit dort Station machte, aber ein paar Stunden Pause vom Ehrenamt musste ich mir in dieser Stadt einfach gönnen. :-)  Bei nächster Gelegenheit werde ich diese Zusammenstellung vllt präzisieren und ergänzen. hints are wellcome. :-) 

Mach es wie die Sonnenuhr

zähl die schönen Stunden nur :-)

 



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Hamburg im Sommer

13. August 2011, 23:46

... wieder einmal in der Freien und Hansestadt :-) und diesmal in Bergedorf ...

der Großen Refraktor in Aktion: Sogar die vierjährige Selma, Tochter einer befreundeten Lehrerin, konnte das 9m-Rohr mit Leichtigkeit bewegen (Abb. unten), ... nachdem der Kuppelfußboden hinreichend hoch gefahren war, dass wir herankamen. Beeindruckt standen die russischen und deutschen Teenager um sie herum und ermutigten sie zur Beschäftigung mit Astronomie. 

Am 2.8. war ich mit einer Schülergruppe bei der AstronomieWerkstatt in Bergedorf zu Gast: Aufgrund des schönen Wetters wurden unsere Pläne für eine "theoretische" Schülerlabor-Session spontan gecanceled und stattdessen die Sonne beobachtet: Klaus Huber, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Bergedorfer Stellarphysik erklärte die Entstehung von Sonnenflecken anhand der Magnetfeld-Eigenschaften der Sonne. Die Gruppe war bereits vorgebildet, da sie eine Woche zuvor am Potsdamer Einsteinturm eine ähnliche "Kurzeinführung" erhalten hatte. :-) Insofern konnten wir hier auf höherem Niveau einsteigen und die Sonne sogar noch live im Fernrohr sehen:

Am Lippert-Astrographen (nicht gerade die hübscheste Kuppel, aber für die Russen sah's fast aus wie dahei und funktionieren tut's allemal) sahen wir eine grüne Sonne visuell und im H-alpha-Licht. Beeindruckende Fleckengruppen und sogar ein paar Protuberanzen waren erkennbar.

Später am gleichen Tag besuchte die Gruppe das Planetarium HH mit dem 3D-Film "Sprung ins All", einer niederländischen Produktion. Die 3D-Technik mit Shutterbrillen wurde als unschön empfunden, weil das Bild stets flimmert und es bei diesem Film sogar mitunter Geisterbilder gibt - aber inhaltlich passt die Geschichte von den Anfängen der Raumfahrt mit Sputnik, Juri Gagarin (im Gagarin-Jahr 2011), Leonow bis hin zu Neil Armstrong wunderbar in unser SpaceCamp! Inhaltlich wirklich schön gemacht - mit O-Ton auch der russischen Kosmonauten, was natürlich insbesondere meine russisch-sprachigen Gäste aus Sibirien beglückte.

 

Natürlich gab's noch ein Abendprogramm - aber das war nichtastronomisch und darum werde ich es an dieser Stelle nicht berichten. :-) Planten un Bloomen hat z.B. eine hübsche Wasserlichtspiel-Show geliefert. 

Das dt.-russ. SpaceCamp 2011 dankt Klaus Huber, der AstronomieWerkstatt und dem Planetarium. :-) Es ist an diesem sonnigen Tag gewiss für jeden Geschmack etwas dabei gewesen in der Nordsee-Metropole. :-) 

 



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Astronomietag in Hildesheim

10. April 2011, 02:55

Der zehnjährige Walter hat heute viel gelernt: Er hat erst die Sonne, dann den Mond und schließlich Saturn im Teleskop gesehen und erfahren, wie man mit der ausgestreckten Hand Winkelabstände schätzt.

Die Sonne wurde ihm in einem der Teleskope rot gezeigt, in einem anderen grün und im dritten gelb: was ist denn nun richtig? Schnell erkannte er, dass die Astronomen mit unterschiedlichen Tricks das "weiße" Sonnenlicht eingefärbt haben: sie haben einfach verschiedene Filter vor ihre Teleskope gesetzt, die jeweils verschiedene Farben des gesamten Regenbogens hindurchlassen. Weil Teleskope nämlich sowas sind wie große "Lichteimer", mit denen man die Lichtsammelfläche des Auges vergrößert, würde das grelle Sonnenlicht uns andernfalls erblinden lassen. Wir brauchen ja schon an hellen Frühlingstagen eine Sonnenbrille, also braucht das Teleskop erst Recht eine - und zwar eine viel, viel stärkere. 

Auf dem Mond erkannten wir Krater, Lava"seen" und Gebirge, die genauso heißen wie die Gebirge auf der Erde; auf der Sonne sahen wir helle und dunkle Bereiche wie eine Orangenhaut, Flecken und in den rot abbildenden Sonnenteleskopen hatte die Sonne sogar "Fransen" an ihrem Rand.

 

 

(Mondfoto: mit der Handy-Kamera durchs Okular gezielt, daher die geringe Qualität, 09.04.'11 SMH)  

Wie die vielen im Hauptspiegel gesammelten Lichtstrahlen zwischen den Spiegeln und durch die Linse zum Auge laufen, hatte Walter (oben in der Abb. rechts) ohne Erklärung sofort durchschaut. Während sein buntes Lieblingsfernrohr noch justiert wurde, hat er sogar mal einen Blick auf eine Hausecke der pitoresken Kulisse aus Fachwerkhäusern werfen dürfen und festgestellt, wieviel mehr das Teleskop als der Sucher vergrößert. Zu später Stunde wurde seine Ausdauer sogar noch belohnt, weil er selbst das Fernrohr einstellen durfte: Er packte es, peilte durch den Sucher und mit nur wenig Hilfe gelang es ihm sogar, den Mond im Achtzöller wieder zu finden. 

Ein kleines Zwischenspiel gab es zwischen Sonne und Mond am dämmerungsblauen Himmel in der Erdatmosphäre, als ein Wetterballon aufstieg und einige Leute sogar im Teleskop sehen konnten, wie er zerplatzte und die Teile anschließend auseinanderstrebten.  

In Hildesheim haben viele Menschen diesen Service "Astronomietag" der bundesweit organisierten Hobby-Astronomie-Szene genutzt, sich von passionierten Sternguckern den Himmel zeigen zu lassen. Es war wunderbares Wetter und bestimmt gibt es auch viele ähnliche Berichte zu diesem Thema. Gewiss werden sich alle meine LeserInnen wie ich auf Ihre Kommentare freuen. :-)

 

Die öffentliche Sternwarte Hildesheim auf dem Gelben Turm hatte ebenfalls Besuch - allerdings nur auf der Aussichtsplattform und das Teleskop von einem Journalisten. Er recherchierte gerade zur Farbe "gelb", die dem Turm seinen Namen gab: Der Turm aus dem selteneren gelben (statt roten) Klinker ist von außen mit der Hildesia und dem Stadtwappen geschmückt, sowie mit einer ehemals Potsdamer Sternwartenkuppel gekrönt, in der ein 60 cm Spiegelteleskop (Cassegrain) wohnt. Die Sternwarte ist jeden Freitag abends geöffnet und mit ihren 4 km Entfernung vom Marktplatz etwas abgelegen. Der Fußmarsch auf den Berg durch den dunklen Wald ist für manche Mitmenschen außerdem etwas abschreckend - darum kam die Gelegenheit bei der Marktplatz-Aktion vielen Mitmenschen sehr gelegen. :-)

Hier ein Foto vom 19.08.1998, als die Kuppel in Potsdam neben dem Einsteinturm das Gelände verließ und mit einem Hubschrauber quer durch Deutschland geflogen wurde (Danke an meinen Dozenten vom Einsteinturm, Dr Horst Balthasar, der es mir zur Verfügung stellte).

Auf dem Turm haben wir auch erfahren, dass die Sonne eigentlich gar nicht so "gelb" ist, wie es viele Kinder malen. Stattdessen strahlt sie eigentlich - grob gesagt - weißes Licht ab, also alle Farben. Nur wenn ihr Licht durch die Erdatmosphäre geht, wird es von dieser eingetrübt und färbt die Sonne (wie alle anderen Gestirne) beim Auf- und Untergehen gelb, orange oder rot ein. Schon Goethe hatte dies beobachtet und baute darauf seine Farbenlehre auf.

Das meiste von ihrem Licht strahlt die Sonne zwar tatsächlich im gelblich-grünen Bereich ab, aber das sehen wir nicht, weil Mutter Natur unsere Augen pfiffigerweise so kalibriert hat, dass wir Sonnenlicht "weiß" sehen. Nur wenn die Astronomie andere Sterne zum Vergleich heranzieht, können wir sagen, dass die Sonne ein eher "gelber" Stern ist: Schließlich ist ihre effektive Oberflächentemperatur von ca 6000 K recht mittelmäßig und es gibt heißere (weiße und blaue) Sterne sowie kühlere (orangefarbene und rote) Sterne. Alle diese Farben der Sterne finden sich auch auf dem bunten Teleskop auf dem Marktplatz wieder, das es Walter so angetan hatte.

Das bunte Fernrohr hat übrigens einen Namen: Es heißt "Caroline Herschel" wie jene große Astronomin der frühen Neuzeit, die als erste Frau eine finanzielle Vergütung für ihre wissenschaftliche Arbeit erhielt. Sie forschte zusammen mit ihrem Bruder Wilhelm Herschel nächtelang an großen und alleine an kleineren Teleskopen in England, die sie dort gemeinsam selbst gebaut hatten (anfangs noch mit dem Bruder Alexander). Bei ihren systematischen Surveys hatten sie den Planeten Uranus entdeckt. Geboren und gestorben ist jene Caroline Herschel hier in der Nähe von Hildesheim, in Hannover. 


  Gimmick dieses Log-Posts

Mein herzlichstes Dankeschön an alle mitwirkenden AHA-Sternfreunde für den wunderschönen, lustigen Abend, das Sternegucken und die Unterstützung und an Gerhard Heringslake für die Organisation!

 



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Expedition ins Ruhrgebiet

02. September 2010, 20:49

Duisburg ist aus traurigen Gründen in den diesjährigen Sommerschlagzeilen. Dabei hat hat das Ruhrgebiet soviel Schönes zu bieten - und zwar ganz ohne Mega-Events wie die versuchte Berlin-Kopie "LoveParade". Oft werfen solche Projekte bei mir eher die Frage auf, was Menschen mit sowas beweisen wollen: Manchmal ist die Zeit für eine Sache wohl einfach vorbei - auch wenn es schmerzt, wenn man live dabei ist, wie etwas Großartiges Lebendiges Geschichte zu werden beginnt.

Wiedermal war ich vor einer gewissen Weile mit einer kleinen interessierten Reisegruppe unterwegs, doch in diesem Fall nicht als Reiseleiterin, sondern ebenfalls als interessierte Teilnehmerin: ein passabler Anlass, um mal eine gehörige Portion Positives aus dem Ruhrgebiet - der Kulturhauptstadt 2010 - zu berichten!

Großer Kartograph an der Mündung der Ruhr in den Rhein

Gerade uns Astronomen sollte Duisburg bekannt sein: Nicht wegen seines größten europäischen Binnenhafens und dem wunderschönen Museum für Binnenschiffahrt - nein: Für Interessierte an Mathematik, Kunst und (historischer) Kartographie sollte Duisburg bekannt sein für einen Bürger dieser Stadt im 16. Jahrhundert, dessen Name bis heute bekannt ist: Gerhard Mercator (latinisiert für den belgischen Einwanderer G. Kremer). Bestattet ist er in der Salvatorkirche und das Stadtmuseum ist nicht nur wegen Mercator interessant, sondern bietet eine unglaubliche Sammlung an Fundstücken von römisch-antik bis heute. Ich habe bisher wenige Stadtmuseen gesehen, deren Sammlung und Präsentation mich derart positiv überraschten und beeindruckten wie das Stadtmuseum in Duisburg! 

Jedesmal, wenn wir einen Atlas aufschlagen - egal, ob Erd- oder Himmelskarte - könnte es eine Mercator-Projektion sein: eine winkeltreue Projektion, die es ermöglicht, aus einer Karte nicht nur die grobe Richtung abzulesen, sondern die exakte Winkellage von Punkten zueinander.

Wassertürme als Museum  

(links: Schloss Broich, rechts: Aquarius)

Camera Obscura im Broicher Wasserturm 

Wassertürme finden sich in dem Ballungsgebiet natürlich mehrere - und unter anderem den Wasserturm Aquarius in Mühlheim a.d. Ruhr mit einer sehr gut gestalteten Ausstellung, bei der man viel über Wasser und seine Wege, seine Aufbereitung und Spielen. So kann man z.B. das persönliche Wasserverbrauchsverhalten herausfinden und sich so quasi einstufen lassen.  

(links: Wasserturmkuppel von außen, mitte: Leinwandtisch im Hörsaal, rechts: Lichtschacht im Kuppelzenit von innen)

Im Mühlheimer Wasserturm ist jedoch etwas gar nicht wässriges, sondern vielmehr optisches spektakulär: Der Wasserturm im Schlosspark Broich befindet sich die weltweit größte begehbare Camera Obscura!

Die Führungen leitet der sehr kompetente und passionierte Direktor persönlich! Oben aus der Turmkuppel ragt - wie ein Periskop - ein drehbares Röhrchen heraus, in dem man einen schrägen Spiegel erkennt. Dieser Planspiegel lenkt das Licht aus der Umgebung in die Kuppel, in deren Zenit sich eine verschiebbare Linse befindet. Die Linse macht aus der Lochkamera eine Camera Obscura. Dass sie verstellbar ist, ermöglicht dem Beobachter im Kuppelhörsaal die Beobachtung von Objekten in verschiedener Entfernung: Mal schaut man auf Bäume im umgebenden Optik-Park, mal auf viel entferntere Kirchtürme. Alles live -- live das Blätterbewegen des Windes in den Baumkronen, live auch die Zeigerstellung an der Kirchturm-Uhr. Das Bild, das auf der Tisch-Leinwand im Hörsaal erscheint, ist wunderbar klar und deutlich an diesem Sommertag meines Besuchs. 

Unter diesem Optik-Live-Erlebnis befindet sich ein hübsch gestaltetes Museum zur "Vorgeschichte des Films", also zur Lochkamera, der Kamera Obscura und all den anderen Zwischenschritten.

Was vielleicht nicht jeder weiß: Man kann die Camera Obscura auch als Vorstufe des Teleskops betrachten und insbesondere in der Sonnenbeobachtung wurde sie bis ins 18. Jahrhundert sogar parallel zum Fernrohr benutzt: Sonnenflecken, Merkurtransits und vieles mehr wurde damit beobachtet und sogar an Venustransits wurde sich probiert. In zwei Jahren (2012) ist der nächste, also mal schauen, welche Methode mir dann einfallen wird. 

Im Grunde ist das französische "Solarscope", das ich zum letzten Venustransit mit-promotet hatte und in einem früheren Post hier nochmals ins Gedächtnis gerufen hatte, ja aber auch nichts anderes als eine kleine "Camera Obscura". 

Hier ein kleiner Preview einer Zusammenstellung von mir: CameraObscura_superkurz.pdf Es ist (m)eine Kurzfassung eines wunderbaren Projektberichts vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin von Herrn Dr Wolfgang Lefèvre, den ich das Glück hatte, vor ca vier Jahren bei Beginn des Bauprojekts einer historischen Camera zu treffen - leider ohne die Chance zu haben, bei diesem wunderbaren Projekt langfristig mitzuarbeiten (man kann halt nicht alles auf einmal machen und ich ging damals gerade weg aus Berlin); nichts desto trotz ist es ein faszinierendes Thema!

Sternstunden in Oberhausen

In Oberhausen gibt es jüngst die große Astronomie-Ausstellung "Sternstunden" im ehemaligen Gasometer. Hier wird die Geschichte der Himmelserforschung und Weltbildern von Frühkulturen bei Mayas, Ägyptern u.a. Götterglauben, über Instrumentkunde wie Vermessungs- und Beobachtungsgeräten verschiedenster Zeiten, bis hin zur Fernerkundung und Weltraumfahrt des jüngst vergangenen, unseres 20. Jahrhunderts. 

 

In diesem Zusammenhang auch erwähnenswert ist die Superlative in dieser Ausstellung: Sie besitzt den "größten Mond auf Erden", d.h. unter der begehbaren Decke des Riesenzylinders befindet sich ein Riesenmondglobus vongigantischen Ausmaßen: Man hat das Gefühl, man säße in einer Raumsonde und beobachtet den Südpol des Erdtrabanten, der für irdische Beobachter normalerweise unsichtbar ist. 

 

Ein wenig bizarr ist diese Darstellung (links), bei der alle acht Planeten gleich groß suggeriert werden. Ist dies vielleicht - in alter Kunst-Tradition - eine Bedeutungsperspektive, mit der das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt erklären will, dass es alle Planeten gleichermaßen zu erforschen gedenkt? Wer weiß... auf jeden Fall ein hübsches Bildchen. 

 

Walter-Hohmann-Sternwarte Essen

Der Namenspatron der Sternwarte ist ein Essener Hobby-Astronom, der vor ca 100 Jahren durch Marsbeobachtungen durchs Teleskop zu Bahnberechnungen von Raumschiffen inspiriert wurde: Walter Hohmann ist jener große Rechner, nachdem heute die so genannte "Hohmann-Ellipse" benannt ist, dargelegt in seinem berühmten Büchlein "Über die Erreichbarkeit der Himmelskörper". Der junge Mann stand in Kontakt mit Hermann Oberth und war wie dieser vom Raketenfieber der 1920er infiziert. Während Oberth u.a. die technischen Geräte bauten, berechnete Hohmann die Bahnen dieser Flugkörper - schon bevor man sie überhaupt gebaut hatte. 

 

 

 

Die Volkssternwarte Essen ist allein von Hobby-Astronomen errichtet. Liebevoll ist die Innenausstattung der Vereinsräume gestaltet und begeistert erklärt der Metusalem des Clubs, dem in der Hobby-Szene bekannten Ansgar Korte, wie er als junger Mann den Bau einer Sternwarte initiierte und wie im Laufe seines Lebens ein Teleskop nach dem anderen hinzukam. Nicht nur, dass er jede Schraube an jedem Gerät persönlich kennt, sondern auch kennt er die - teilweise abenteuerlichen - Geschichten dazu, was sie hier auf den Hügel nahe dem Stadtteil Werden (Essen) verschlug.

 

  (links: das größte Teleskop in Essen, ein modernes Spiegelteleskop, rechts: der Refraktor in der Nachbarhütte)

Schiefspiegler in der Essener Hohmann-Sternwarte

 

 

 

An der Tür des Vereinshauses: 

Die eiserne "Galaxie" zeigt Symbole für ganz verschiedene Wissenschaften:

Kepler-Ellipse und Planetenschleifen, klassische Planetensymbole der Astronomie, Astrologie und Alchimie stehen neben Gleichungen der moderen Quantenmechanik und Relativitästheorie, Kants Modell unserer Galaxis und das Sternbild Eridanus, die Bahnen des Sonnensystems und die Bohrschen Elektronenbahnen im Heliumatom, ergänzt von Atommodellen und einer Doppelhelix der menschlichen DNA u.v.a.m.

Das Planetarium Bochum,

geleitet von der Professorin Susanne Hüttemeister, die an der Bochumer Uni Astrophysik lehrt, ist ebenfalls einen Besuch Wert. Durch die Bochumer Herbsttagung ist die Ruhr-Uni Bochum vielen Hobby-Astros bekannt und gilt auch bei dortigen Studis als nicht besonders hübsch, aber zweckmäßig. Irgendwie entspricht die Architektur aber dem Lifestyle im Pott - nicht schön, aber selten. 

Das Planetarium bietet ein typisch-illustres Programm mit hohem fachlichen Anspruch und doch nicht anspruchsvoll sowie Musikveranstaltungen von klassisch bis modern. 

Dem Astronomie-Interessierten bieten sich weiters die Sternwarte Recklinghausen, die Halde Hoheward vom Initiativkreis Ruhrgebiet e.V. mit den gigantischen Halbkreisen der "steinzeitlichen"  Horizontastronomie und vieles mehr!

Natürlich ist also auch das Ruhrgebiet stets eine astronomische Reise Wert!

 

Was in dieser Gegend natürlich nicht fehlen darf: Thema Bergbau!  

Das Welterbe Zeche Zollern, Museen für Schwerindustrie (Oberhausen) und Bergbau (Bochum) bis hin zur Arbeitsschutzausstellung (Dortmund)... zahlreiche Museen thematisieren die industrielle Triebfeder der Region. Natürlich denkt man bei dieser Gelegenheit nicht nur an die Arbeiter unter Tage, sondern auch an die großen Reichtümer der Familie Krupp, die gleichzeitig auch mit Gedanken an soziale Leistungen vor deren gesetzlich verordneter Pflicht durch Bismarck verknüpft ist. 

Vielleicht hat nach dieser kleinen Zusammenschau auch der eine oder die andere Lust auf eine Expedition ins Ruhrgebiet. :-) 

 

 

 

Auf dass sich Herr Krupp - mit all seinen Zielen zu persönlichem Reichtum und sozialer Gewissenhaftigkeit - auch künftig ruhig zurücklehnen kann.

 

 

 


kleine Zusammenstellung nach einer Exkursion der Wissenschaftshistoriker der Uni Hamburg; herzlichen Dank die Organisatorin, Frau Prof Dr Gudrun Wolfschmidt.

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Hamburg

05. März 2010, 00:30

Ein paar Worte zur Astronomie in der Stadt an der Elbe, in der ich mich jüngst mit Carolin Liefke nur kurz überschnitt.  @Caro: hier vermisst man Dich, trotzdem herzlichen Glückwunsch für Dein neues Leben!



Astronomie als Physik & Mathematik, als Kulisse und als Kulturprogramm: » weiter

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VdS Tagung in Jena

04. Oktober 2009, 01:34

Jena als Astronomiestadt habe ich hier bereits vor geraumer Zeit skizziert. Ich mag das charmante Städtchen sehr - und lande seit Jahren (aus verschiedenen Gründen) immer wieder mal dort. Heute führte mich die VdS nach Thüringen:

Auf den VdS-Tagungen gibt es stets ein illustres Programm aus Vorstands-, Fachgruppen und Individualpräsentationen. Sie gehören zu den Veranstaltungen, auf denen sich die Hobby-Astroszene trifft. » weiter

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AstroTour

07. August 2009, 09:48

Morgens, ca 7:30 in der fränkischen Rhön: Ruhezeit - das erlebt man selten in dieser Gegend im Hochsommer. Das dritte Jahr in Folge findet das ASL auf dem Bauersberg in der Rhön statt. Tag und Nacht sind hier ca 50 junge Erwachsene (SchülerInnen, Studierende vieler Fächer) zu Gange. Sie basteln Experimentalraketen, schauen nachts in den Himmel und drehen einen Film. Wissenschaftliches Arbeiten von jungen NaturwissenschaftlerInnen und Freaks, sowie deren geballte kreative Ergüsse in Gestalt einer Camp-Zeitung, eines Orchesters, Chors, eines Filmteams... » weiter

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SpaceCamp Tagesausflug II & III

11. April 2009, 11:53

Gründonnerstag, 9.4.2009

Der Vormittag spielte sich im DLR SchoolLab in Berlin-Adlershof ab, am Nachmittag wurde die Archenhold-Sternwarte besucht. Dazwischen erhielten wir ein üppiges Mittagessen in der Mensa "Oase" auf dem modernsten Uni-Campus Berlins, der zu Berlins ältester Universität, der Humboldt-Universität, gehört. Anschließend war bei sonnigem Wetter eine gute Stunde Freizeit im Treptower Park an der Spree.

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SpaceCamp Tagesausflug I

09. April 2009, 06:53

Vormittag

Das Astrophysikalische Institut Potsdam (AIP) ist ein Stück Wissenschaftsgeschichte made in Germany. Das Institut, das 1992 diesen Namen trägt, sieht sich in Tradition zweier Linien: erstens die Linie der Berliner Sternwarte von 1700. Diese war lange weltberühmt für ihre guten Beobachter! Daher wurde hier durch den Astronomie-Assistenten Galle 1846 der Planet Neptun nach seiner Vorausberechnung durch Leverrier zum ersten Mal im Teleskop gesehen. Die zweite historische Linie des AIP ist das Astrophysikalische Observatoriums (AOP), das als erstes Astro-Institut weltweit die Physik im Namen hatte. » weiter

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Riesenfernrohr an neuem Standort

21. Dezember 2008, 21:56

Seit Dienstag, dem 16.12. steht das Rathenower Riesenfernrohr komplett montiert an seinem neuen Standort, am Rand des öffentlichen Optikparks. Nach Osten stehen einige Bäume ca 5m entfernt, so dass sie zwar nicht die Bewegung, aber das Gesichtsfeld des Fernrohrs einschränken. In alle anderen Himmelsrichtungen haben wir jedoch freie Sicht. » weiter

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Optikpark in Rathenow

25. Mai 2008, 22:55

Zirka eine Zugstunde von Berlins Zentrum entfernt, liegt die märkische Stadt der Optik, Rathenow. Die AnfängeMaskottchen im Optik Park für diesen Namen wurden im 19. Jahrhundert von Pater Duncker gemacht und bis heute ist die Stadt Sitz vieler Firmen der Optik-Industrie, Brillenmacher und Feinmechanik. So lag es nahe, den Park der Landesgartenschau 2006 als Optikpark zu gestalten: Informationen zu seiner Geschichte und seinem Veranstaltungsprogramm finden sich hier: http://www.optikpark-rathenow.de/

Direkt an der Bundesstraße liegt das große Gelände, auf dem sich Kinderspielplätze in Gestalt von Teleskop, Mikroskop und Periskop befinden, ebenso ein begehbarer Filmvorführer und verschiedene Wasser- und Lichtspiele mit hübschen optischen Effekten. Auch die Weltzeituhr vom Berliner Alexanderplatz, die hier in Rathenow gebaut wurde, findet ein Pendant auf der Wasseroberfläche eines der zahlreichen natürlichen Seen. Gesäumt wird der See von regenbogenfarbenen Strandliegen und einer Galerie mit Spiegeln und Drehscheiben für optische Täuschungen, während man in den ruhigeren Ufergräsern Teichhühner, Libellen oder auch mal eine schwimmende Ringelnatter beobachten kann. » weiter

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