Das Ebola-Forum beim WEF in Davos


Globale Antworten auf lokale Probleme: Wie soll mit Pandemien umgegangen werden?

Fabiola Gerpott, Tagungsteilnehmerin der 5. Lindauer Nobelpreisträgertagungen für Wirtschaftswissenschaften im Sommer 2014, reflektiert die Diskussionsinhalte des offenen Forums zu „Pandemien – Wessen Problem?“ im Rahmen des Weltwirtschaftsgipfels, der vergangene Woche in Davos stattfand.

Die Infektionskrankheit Ebola zog 2014 durch die zahlreiche Menschen betreffende Erkrankungswelle in Westafrika weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Je nach Ausbruch, Behandlungsmöglichkeiten und Art verläuft die Krankheit in 25 bis 90 Prozent aller Fälle tödlich. Das Ebolavirus kann von erkrankten Menschen, Tieren (und deren Fleisch) sowie von kontaminierten Gegenständen übertragen werden. Aus diesem Grund ist die Isolation infizierter Individuen umgehend notwendig – eine Tatsache, die Menschen in den betroffenen Gebieten nicht selbstverständlich bekannt ist.

Die schnelle Ausbreitung von Ebola, eine lückenhafte Kommunikationsstrategie und die nur schleppend anlaufenden globalen Hilfsmaßnahmen motivierten eine Vielzahl von öffentlichen Diskussionen zu den Lernmöglichkeiten aus diesem optimierungsbedürftigen Umgang mit der Pandemie. Lindau Alumnus Yasin Emanee erinnert in diesem Kontext daran, dass Ebola nur eine Krankheitsform unter zahlreichen weltweiten Gesundheitsherausforderungen darstellt – eine Fokussierung auf die spezifischen Umstände der Ebola-Verbreitung greift also zu kurz. Vielmehr sollten die Fehler in der Reaktion auf das Virus zur Ableitung umfassenderer Handlungspläne für den künftigen Umgang mit Pandemien im Allgemeinen genutzt werden.

Globale Probleme wie Pandemien sind näher an der idyllischen Schweizer Bergwelt als es den Anschein hat. Foto: Fabiola Gerpott

Globale Probleme wie Pandemien sind näher an der idyllischen Schweizer Bergwelt als es den Anschein hat. Foto: Fabiola Gerpott

Doch was können wir aus dem Ebola-Ausbruch in 2014 lernen? Wer ist bei derartigen Ereignissen für Handlungen verantwortlich? Diese Fragen wurden am vergangenen Donnerstag in einer „Open Forum“ Mittagsveranstaltung  des Weltwirtschafsforums 2015 in Davos adressiert. Die Intention der Eventreihe ist die Öffnung der Diskussionen der weltpolitischen Elite für eine breitere Öffentlichkeit, zu denen unter anderem Nachwuchswissenschaftler gehörten. Ähnlich wie der Grundgedanke der Lindauer Nobelpreisträgertagungen sollen auf diese Art und Weise neue Impulse durch den Austausch mit vielfältigen Interessengruppen erhalten werden.

Unter der Moderation von Ertharin Cousin, Executive Director des United Nations World Food Programms (WFP), stellten sich Kofi Annan, Valerie Amos, Stanley M. Bergman, Jeremy Farrar und Moustapha Ben Barka den Fragen des Publikums. Zunächst waren sich die Teilnehmer einig darin, dass Schlagwörter wie „globale Vernetzung“, „Partnerschaft“ oder „Netzwerk“ zwar immer wieder im Kontext von Pandemien genannt, aber nicht wirklich gelebt werden. Es gäbe zwar eine Vielzahl an Hilfsorganisationen und Maßnahmenpläne, diese sind aber nicht ausreichend koordiniert und aufeinander abgestimmt. Die Panelteilnehmer forderten, Rollen und Verantwortlichkeiten in Zukunft weltweit eindeutig zu definieren bevor die nächste Krise ausbricht.

Besonders Jeremy Farrar, Professor für Tropenmedizin an der University of Oxford und Direktor der Charity-Organisation Wellcome Trust, hebt hervor, dass das Auftreten von Pandemien eine unvermeidliche Tatsache darstellt. Sie seien ein immer wieder auftretendes Phänomen, von denen er allein in den letzten zehn Jahren acht oder neun regionale beziehungsweise globale Formen erlebt habe. Die Weltgesellschaft sollte ihre Kraft also nicht darauf verwenden sich zu fragen, ob (oder wo) eine erneute Pandemie auftritt. Vielmehr ist es Aufgabe der globalen Gemeinschaft ein grenzübergreifendes öffentliches Gesundheitssystem aufzubauen, welches im Falle einer erneuten Auftrittswelle jederzeit effektiv reagieren kann. Der Forscher warnt: Pandemien passieren nicht weit weg von Davos – sie sind schneller in den westlichen Industrieländern angelangt als viele Politiker denken. Aus diesem Grund sei es in Bezug auf die Einleitung von Maßnahmenpaketen besser, bei vermeintlich gefährlichen Virenerkrankungen ab und an zu überreagieren, anstatt kontinuierlich zu unterreagieren („It is better to occasionally overreact than to continuously underreact“).

WORLD ECONOMIC FORUM/swiss-image.ch/Photo Jolanda Flubacher (CC BY-NC-SA 2.0)

Foto: WORLD ECONOMIC FORUM/swiss-image.ch/Photo Jolanda Flubacher (CC BY-NC-SA 2.0)

Ein weiterer zentraler Diskussionsaspekt des Open Forums stellte die Rolle der Presse im Umgang mit Pandemien dar. Kofi Annan wies auf das zweischneidige Schwert der Medienarbeit hin: Auf der einen Seite könne die Presse wichtige Aufklärung leisten und Einheimische über die richtige Reaktion bei Viruserkrankungen informieren. Auf der anderen Seite sei die Presse in der Vergangenheit oftmals durch Politiker zu eigenen Zwecken genutzt worden, so dass sie statt objektiver Informationsabbildung zu voreingenommener Berichterstattung neigte. Damit konzentrierten sich die Medien vor allem auf das „blame game“, das heißt die Suche nach Schuldigen, anstatt Verantwortungsträger zur Suche nach Lösungsmöglichkeiten zu motivieren. Nach Meinung der Teilnehmer sollte jedoch keine übermäßige Angstverbreitung („overfearing“) stattfinden. Anstatt dessen wäre eine verstärkte Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Medienarbeit wünschenswert, durch welche die Presse ihrer Bildungsverantwortung nachkommen würde.

Wie lässt sich nun die eingangs gestellte Frage nach den Verantwortlichkeiten im Umgang mit Pandemien beantworten? Für mich kristallisiert sich gegen Ende der 90-minütigen Diskussionsrunde vor allem eine Botschaft heraus: Prävention ist besser als Reaktion – für die wir alle als globale Gemeinschaft verantwortlich sind.


Foto aus Slider-Grafik: WORLD ECONOMIC FORUM/swiss-image.ch/Photo Jolanda Flubacher (CC BY-NC-SA 2.0)

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