Sieben Punkte zur Rettung der Welt – Christian de Duve


Nicht alle Laureaten hier in Lindau halten Vorträge über das Thema ihres Nobelpreises oder ihre aktuelle Forschung. Einige geben Ratschläge für ein erfolgreiches und glückliches Leben als Wissenschaftler, andere nutzen ihre Prominenz um auf weltweite Probleme hinzuweisen. Nur Christian de Duve, geboren 1917, überlebender zweier Weltkriege, Nobelpreis 1974 für die Beschreibung des Lysosoms und des Peroxysoms, kam mit einem sieben-Punkte Programm zur Rettung der Welt. Er war der einzige Laureat, der mit Standing Ovations bedacht wurde.

De Duve ist 93. Er nutzt seinen Gehstock an Stelle eines Laserpointers um auf Details seiner insgesamt vier Folien hinzuweisen. Das war egal, sein Vortag war einfach zu verstehen, seine Botschaft war klar. Was macht uns Menschen anders und was müssen wir tun, um weiter existieren zu können?

Christian de Duve zeigte auf, wie erfolgreich der Mensch ist. Mit gerade mal dem vierfachen an Gehirnmasse eines Schimpansen beherrschen wir die Welt mit der Folge, dass wir sie heillos überbevölkern. Über sechs Milliarden von uns leben derzeit auf der Erde, mit einem rasanten Anstieg in den letzten 200 Jahren. Die Überbevölkerung geht mit Problemen einher:

1. Die Rohstoffresourcen gehen zur Neige
2. Die Biodiversität geht zurück
3. Wälder gehen zurück und Wüsten breiten sich aus
4. Der Klimawandel
5. Die Energiekrise
6. Umweltverschmutzung
7. Übervolle Ballungsräume
8. Konflikte und Krieg.

De Duve mahnte nicht nur, er bot Lösungsvorschläge an. Ein sieben Punkte Programm zur Rettung der Welt mit ansteigender Wahrscheinlichkeit, dass die Vorschläge zur Lösung der Probleme beitragen:

1. Nichts tun.
Laut de Duve keine Lösung, wir sollten unser Schicksal nicht den Darwinschen Mechanismen überlassen.
2. Menschen genetisch optimieren
Derzeit keine Option, da dies zum einen ein ethisches Dilemma aufwirft und zum anderen technisch nicht realisierbar ist.
3. Die Plastizität des Gehirns ausnützen und neu “verdrahten”
Das dadurch bessere Menschen geschaffen werden ist unwahrscheinlich, technisch jedoch möglicherweise machbar.
4. Die Religionen aufrufen zum Wandel beizutragen
De Duve sieht hier großes Potential. Es gebe immerhin rund eine Milliarde Katholiken, das Wort der Religionsführer hätte gewicht. Er mahnte, Religionen sollten sich weniger mit dem Leben nach dem Tod beschäftigen als damit, was jetzt aktuell auf der Erde passiert. Zwischenapplaus aus dem Publikum.
5. Umweltschutz
Er betonte, es sei wichtig, die Umwelt nicht zu verschmutzen, kritisierte jedoch gleichzeitig, dass die Umweltbewegung religiöse Züge trüge mit der Natur als der heiligen Kuh. De Duve ist anderer Meinung: Nature is not good, nature is not bad, nature is indifferent.  
6. Chancengleichheit für Frauen
De Duve betonte, er habe keine feministische Agenda, jedoch seine Frauen gesellschaftlich benachteiligt und das müsse sich ändern. Er stellte Wichtigkeit der Frauen auf die frühkindliche Erziehung heraus. Auch dieser Punkt wurde mit Zwischenapplaus bedacht.
7. Bevölkerungskontrolle
“Wir sind zu viele Menschen auf der Erde, also muss die Zahl verringert werden. Er wog ab, wie das zu erreichen sei, der zivilisiertere Weg wäre Geburtenkontrolle anstatt Menschen zu töten. Da kann man ihm nur beipflichten.

De Duve ist ein alter Mann. Als er seinen Nobelpreis erhielt war wohl kaum einer der Nachwuchswissenschaftler hier bereits geboren. Wir werden alle das Phänomen kennen, mit zunehmendem Alter eine andere Perspektive auf die Zeit zu bekommen. Als Kleinkind hat man kein Konzept für Zeit. In der Grundschule dauern Wochen Monate und die Sommerferien scheinen endlos. Später wird in Semestern gedacht, dann in Jahren und die Zeit scheint zu verfliegen. Ich kann mir gut vorstellen, das man mit 93 wieder einen anderen Blickwinkel auf die Zeit hat. Einen noch größeren Rahmen. De Duve ist ein alter Mann, er wirkt jedoch Weise.

Ich würde mich über Meinungen zu de Duves sieben Punkte Plan oder zum Konzept der unterschiedlichen Wahrnehmung der Zeit freuen.

 

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