Von Genen, Viren und Tieren: Die Ursachen von Krebs


Krebs kennt mehr als eine Ursache: Genetische Veranlagung, Rauchen, Trinken, Viren … Angelina Jolie, hat sich für eine eine doppelte Mastektomie entschieden, nachdem Sie erfuhr, dass sie durch ein mutiertes BRCA1-Gen eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit hatte, an Brustkrebs zu erkranken. Sie hatte das mutierte Gen von ihrer Mutter geerbt, die genauso wie ihre Großmutter früh an Krebs gestorben ist.

Jedes Jahr gibt es in Deutschland geschätzt über 330.000 Krebs-Neuerkrankungen und 220.000 dokumentierte Krebstote. Krebs ist damit nach Herz- und Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Jedoch nur ein kleiner Teil der Krebserkrankungen, vielleicht fünf bis zehn Prozent, kann auf vererbte Mutationen wie bei Jolie zurück geführt werden, sagt Michael Bishop, der den Nobelpreis 1989 für die Entdeckung und Beschreibung von Onkogenen erhielt.

Obwohl Mutationen in hunderten unterschiedlicher Gene Krebs verursachen können, liegen der Erkrankung dennoch zwei einfache Prinzipien zu Grunde: Entweder das Gaspedal der Zellteilung wird durchgedrückt, oder eine Bremse der Zellteilung geht kaputt. Das Resultat ist das gleiche: Es kommt zu einer Deregulation der Zellteilung und zu unkontrolliertem Tumorwachstum. Bishop fasst dieses Dogma so zusammen:

Krebs wird entweder durch gain-of-function Mutationen in Proto-Onkogenen oder durch loss-of-function Mutationen in Tumorsupressorgenen ausgelöst.”

Neben vererbten Mutationen, wie bei Angelina Jolie, gibt es noch eine Reihe anderer Ursachen für Krebs. DNA-Mutationen werden zum Beispiel durch mutagene Chemikalien verursacht, wie sie etwa in Zigarettenrauch vorkommen. Bei etwa 25 bis 30 Prozent aller Krebserkrankungen spielt das Rauchen eine große Rolle, und zwar nicht nur bei Lungenkrebs, der dritthäufigsten Krebsart, sondern auch bei Krebserkrankungen in Mund und Rachen, sowie der Bauchspeicheldrüse und der Harnblase. UV-Strahlen führen zur Schädigung der DNA in der Haut, der Ursache des malignen Melanoms. Zwischen 3.5 und 4 Prozent aller Krebserkrankungen sind Hautkrebserkrankungen.

Harald zur Hausen weiß, dass neben Chemikalien und Strahlen auch Viren Krebs auslösen können. Für den Nachweis, dass fast alle Formen des Gebärmutterhalskrebses durch Infektionen mit Papilomviren verursacht werden, und für die Entwicklung eines Impfstoffs dagegen erhielt er 2008 den Nobelpreis.

Aktuell geht man davon aus, dass 20% aller Krebserkrankungen auf Infektionen zurück zu führen, vermutlich sind es aber mehr

sagt zur Hausen und präsentiert in Lindau eine Hypothese, wonach bestimmte Rinderviren sich im Menschen zwar nicht vermehren können, aber dennoch karzinogen wirken.

IMG_1653

Aus dem Vortrag von Harald zur Hausen.

Zur Hausen identifizierte mehrere bislang unbekannte, Virus ähnliche Partikel in Rinderserum und er stützt seine Hypothese mit Populationsdaten, wonach einerseits in Ländern, in denen wenig rotes Fleisch gegessen wird, die Darmkrebsfälle verhältnismäßig niedrig sind und andererseits eine Veränderung der Essensgewohnheiten hin zu mehr rohem oder halbgaren Rindfleisch mit einem Anstieg der Darmkrebsprävalenz korreliert, zum Beispiel in Japan und Südkorea.

Er nennt diese Viren “indirekte Karzinogene”, die auf mehreren Ebenen krebsauslösend und krebsverstärkend wirken könnten. Als mögliche Wirkmechanismen beschreibt er zum Beispiel eine Unterdrückung der Immunreaktion, und damit einer reduzierten Abwehr latenter Tumorviren, die nun aktiviert werden. Zudem kann die natürlichen Auslese mutierter Zellen durch den programmierten natürlichen Zelltod, der Apoptose, verhindert werden.

Zur Hausen weiß, dass seine Hypothese weit von einer belastbaren Theorie entfernt ist. Die postulierten Angriffspunkte der indirekten karzinogenen Viren sind dennoch faszinierend und realistisch zu gleich. Die Hauptmechanismen des Körpers zur Verhinderung von Krebs sind nämlich einerseits der apoptotische Selbstmord mutierter Zellen, und die Erkennung und Zerstörung entarteter Zellen durch ein aktiviertes Immunsystem.

Slidebild von euthmann auf flickr (CC BY-SA 2.0).

×

Die Kommentarmöglichkeit ist deaktiviert.