Werden wir Menschen immer dümmer?

17. November 2012 von Trota von Berlin in Hirn

Schlauheit ist ein evolutionärer Vorteil der Menschheit. In der Steinzeit überlebten die Cleversten und gaben damit die meisten Gene weiter. Doch nun behaupten Wissenschafter: Was sich früher durch Auslese entwickelte, hat die Zivilisation durch fehlende Selektion wieder schwinden lassen – und das bereits seit etwa 2000 Jahren.

Antike Superhirne

"Angenommen, ein durchschnittlicher Bürger Athens aus der Zeit 1000 vor Christus erschiene plötzlich unter uns. Ich wette, er oder sie würde zu den klügsten Menschen der Gegenwart gehören: ausgestattet mit einem guten Gedächtnis, einer Fülle von Ideen und einer klaren Sicht auf wichtige Probleme." Mit diesen Worten beginnt Gerald Crabtree von der Stanford-University seinen etwas ungewöhnlichen Artikel im Fachblatt "Trends in Genetics".

HippokratesHistorische Intelligenzbestie? Hippokrates von Kos (um 460–370 v. Chr.), der berühmteste Arzt des Altertums. Kupferstich von Peter Paul Rubens (1577-1640) nach einer Skulptur von P. Pontius

Provokante These: Zivilisation lässt Intelligenz schwinden

Die Behauptung des US-amerikanischen Molekularbiologen: Unsere intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten hätten sich in den letzten 500.000 Jahren entwickelt. Unter den widrigen Bedingungen der Savanne seien wir zu Hochleistungswesen geworden. Durch den Überfluss moderner Industriegesellschaften sei diese Art der Selektion allerdings nicht mehr möglich. Die Folge: Geistiger und emotionaler Verfall.

Crabtree beruft sich dabei auf Studien zu Intelligenzstörungen, deren Ursachen auf dem X-Chromosom zu finden sind. Der einzigartige menschliche Verstand basiert auf vielen verschiedenen Erbanlagen, die stark zu genetischen Mutationen neigen. An der "X-Linked Intellectual Disability" (XLID) sind mehr als 200 Gene beteiligt – mehr als 25 Prozent aller Erbfaktoren auf dem Geschlechtschromosom.

Offenbar kann bereits eine einzelne Mutation ein XLID-Syndrom auslösen. Daraus schließt Crabtree, das unsere Intelligenz ein zerbrechliches Gut ist, zumal ähnliche Gene auch auf anderen Chromosomen vorkommen - insgesamt sind es 2.000 bis 5.000.

Der Wissenschaftler hat für seine Analysen die durchschnittliche Mutationsrate in den Intelligenz-Genen bei jedem Generationswechsel berechnet und kommt dabei zu folgendem Ergebnis: In den nächsten 3.000 Jahren, was etwa 120 Generationen entspricht, werde jeder Mensch zwei dieser schädlichen Mutationen in den entsprechenden Erbanlagen tragen.

Trifft diese Prognose zu, werden die Menschen in einigen Tausend Jahren im Durchschnitt dümmer sein als heute und im Verhältnis zu den Geistesgrößen der Antike sogar noch dümmer.

Immunität statt Intelligenz

Die Intelligenz war in der Evolution des Menschen ein Hauptfaktor für seine Erfolgsgeschichte. Für die Steinzeitmenschen war Intelligenz ein klarer Überlebensvorteil, denn sie war vor allem für die Nahrungsversorgung wichtig.

Die Entwicklung der Landwirtschaft habe den Menschen Versorgung und Sicherheit gebracht, aber auch Krankheiten, die sich durch die Sesshaftigkeit leichter ausbreiten konnten. Dadurch wurde die Selektion von der Intelligenz in Richtung Immunität verschoben. Jetzt überlebten plötzlich die Gesündesten und nicht mehr die Schlausten – alles im Leben scheint seinen Preis zu haben.

Wissenschaftliche "Lösung"?

Das Thema ist nicht neu: Bereits vor 40 Jahren warnte der österreichische Zoologe und Nobelpreisträger Konrad Lorenz in den „Acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“ vor dem "genetischen Verfall", der "Dehumanisierung" und weiteren Entartungen unter zivilisierten Lebensbedingungen.

So provozierend wie Lorenz klingt Crabtree jedoch nicht. Während Lorenz noch vor dem Eingriff in das menschliche Genom warnte, setzt Crabtree voll auf die Errungenschaften der modernen Wissenschaft. So schlägt er vor, die fehlende Selektion in Zukunft durch Gentechnik zu ersetzen. Weiterhin empfiehlt er, durch Optimierung der Bildungsmaßnahmen das vorhandene Potenzial besser zu nutzen.

Mit einem Augenzwinkern beschließt der Forscher seinen Artikel: "Die Wissenschaft hat sich in den letzten 100 Jahren so rasch entwickelt, dass man ohne Risiko behaupten kann: Sie wird auch dieses Problem bewältigen. In der Zwischenzeit hole ich mir noch ein Bier und sehe mir die nächste Folge meiner Lieblings-TV-Serie 'Miami CSI' an (sofern ich rauskriege, wo ich die Fernbedienung gelassen habe)."

Da die Genussmittel der Zivilisation wie Alkohol oder auch Nikotin bekanntermaßen langfristig eher zum Wachstum bösartiger Zellen als zu Gedächtnissteigerungen führen, bleibt nur zu hoffen, dass sich die Gentechnik rasch genug weiterentwickelt. Was hätte bloß Hippokrates dazu gesagt?

 

Quelle / weiterführende Literatur:

 


49 Kommentare zu “Werden wir Menschen immer dümmer?”

  1. Dr. W Antworten | Permalink

    Weil

    ... man ja nicht weiß wie die Verständigkeit genetisch angelegt wird, ist der hier beschriebene Versuch, der dem Schreiber dieser Zeilen auch aufgefallen ist, er ging ja durch die Populärmedien, letztlich untauglich.

    Ansonsten, ja, man scheint allgemein dümmer zu werden, der Schreiber dieser Zeilen kann das bestätigen.

    Aufgefangen wird diese leichte Zunahme der Dummheit aber sicherlich durch die heutzutage sehr breite Bereitstellung von Wissen.

    Was eher Sorgen macht, ist die Abnahme der Fertilitätsrate. Sollte diese nicht einer Mode geschuldet sein, wovon der Schreiber dieser Zeilen ausgeht, stimmt etwas nicht, korrekt.

    Es gibt verschiedene End of the World oder Armageddon-Szenarien, die allgemeine Depression gehört hier hinzu:
    http://www.ted.com/talks/stephen_petranek_counts_down_to_armageddon.html

    LG
    Dr. W

  2. Detlef Piepke Antworten | Permalink

    Nikotin und Gedächtnis

    Nun bin ich wirklich kein Medizin Fachmensch, hatte aber von Nikotin ganz anderes gehört. Ein Blick in die Wikipedia bestätigt das: "Zu den zentralen Effekten (des Nikotin) gehören vor allem die Steigerung der psychomotorischen Leistungsfähigkeit sowie der Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen."

  3. Silvio Geisler Antworten | Permalink

    Da gab es ne Sendung auf arte

    Dort ging es zwar nicht direkt um Intelligenz, aber um die menschliche Evolution allgemein, die sich zumindest stark verlangsamt haben soll.

    Die Sendung gibt es bei Vimeo.

    http://vimeo.com/33104019

  4. Dr. W Antworten | Permalink

    Evolution und Mensch

    Dort ging es zwar nicht direkt um Intelligenz, aber um die menschliche Evolution allgemein, die sich zumindest stark verlangsamt haben soll.

    In den Siebzigern wurde seitens bestimmter linker Soziologen die Evolution als beendet erklärt; bei Bedarf sucht der Schreiber dieser Zeilen mal was raus.

  5. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    IQ nimmt im Durchschnitt ab.

    Es gibt heute viel mehr intelligente Menschen als zur Zeit der alten Griechen, einfach darum weil es viel mehr Menschen gibt. Wenn aber die durchschnittliche Intelligenz sinkt - was aufgrund fehlender Selektion anzunehmen ist - könnte man sich eine Zukunft der Experto- und Technokraten vorstellen und damit das Ende der Demokratie. Damit unsere komplexe Zivilisation weiter läuft genügen vielleicht ein paar Intelligenzler die zum rechten schauen während die grosse Masse davon gar nichts mehr mitbekommt. Eine grosse durchschnittliche Intelligenz braucht es gar nicht. Sogar Schimpansen sind in der Lage, das Fernsehgerät ein- und auszuschalten.

  6. Statistiker Antworten | Permalink

    Klar, Menschen werden dümmer

    insbesonder der "Dr" W.

    Ansonsten: Wären wir immer dümmer geworden, warum sind wir gerade erst im letzten Jahrhundert zum Mond geflogen und nicht schon in der Steinzeit?

    Also dort, wo "Dr" W. immer noch lebt und auf Höhlenwände seione erektilen Fantasien kritzelt......

  7. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Statistiker: IQ != Leistung

    "warum sind wir gerade erst im letzten Jahrhundert zum Mond geflogen und nicht schon in der Steinzeit?"
    Weil in der Steinzeit nur schon die Verbesserung eines Speers oder Bogens eine ungeheuere Leistung war, die die meisten Heutigen unter den gleichen Umnständen nicht zustande brächten.

    (Zitat)"Wir stehen alle "auf den Schultern von Riesen" (1) mit diesen Worten umschreibt Robert K. Merton wissenschaftliches Vorgehen. "Wissen schaffen" - um beim Begriff zu bleiben - ist ein kontinuierlicher Prozess, der sich nach Peterßen (2) u.a. auch dadurch auszeichnet, "... dass nicht immer wieder jede einzelne Untersuchung, jeder einzelne Gedankengang gleichsam am »Nullpunkt« ansetzen muss; vielmehr bauen wissenschaftliche Untersuchungen und Gedankengänge aufeinander auf, setzen fort, was von anderen begonnen wurde, treiben die Erkenntnis Schritt für Schritt voran".

    Sehen sie, wenn ich den obigen Abschnitt nicht als Zitat gekennzeichnet hätte, wären sie vielleicht auf die Idee gekommen, ich hätte mir sehr viel dabei überlegt. Dabei habe ich doch nur kopiert. Genau das was die meisten heute ständig machen - wenn auch nicht immer in der plumpen Art a la Guttenberg.

  8. Beate Antworten | Permalink

    Afrika

    Eigentlich keine Überraschung.

    Wissenschaftler sind Käuflich.

    Hitler hatte auch solche Broschüren.

    Nur, galten damals, die Afrikaner, wo ungehindert der Selektionsdruck wütet, als dumm.

    Wie lassen sich die Wechselwirkungen von 5000 Chromosomen berechnen?

  9. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Der IQ-Kult

    Der IQ ist ein junges Konzept. Etwas jünger als der Genie-Kult, der sich unter dem Einfluss des IQ-Begriffs gewandelt hat und tendenziell nicht mehr das geniale Schaffen sondern nur noch das geniale Potenzial umfasst.

    Vor allem in einer Gesellschaft, die die Chancengleichheit hochhält wird der IQ zum alles entscheidenden Faktor. Nur noch der IQ zusammen mit der Bildung soll nun über das Fortkommen eines Mitglieds einer solchen Gesellschaft entscheiden. Deshalb sind heute auch Themen wie Neuroenhancement so brandaktuell - selbst wenn es sich nur um einen Mythos handelt.

    Der Lösungsvorschlag des obigen Wissenschaftlers "So schlägt er vor, die fehlende Selektion in Zukunft durch Gentechnik zu ersetzen." tönt zwar heute (noch) problematisch. Wenn wir aber die lange Zeitspanne einbeziehen in der die Degeneration unserer Geistesfähigkeiten droht (Zitat) "In den nächsten 3.000 Jahren, was etwa 120 Generationen entspricht, werde jeder Mensch zwei dieser schädlichen Mutationen in den entsprechenden Erbanlagen tragen." dann ist eine grosse Vielfalt von später einmal eingesetzten "heilenden, reparierenden" Verfahren nicht nur wahrscheinlich, sondern so gut wie sicher.

    Die meisten sind sich zu wenig bewusst wie experimentierfreudig der Mensch ist, selbst wenn das Experimentationsfeld der Mensch selber ist. In gewissen Gesellschaftskreisen und Ländern sind heute schon Schönheitsoperationen weit verbreitet. Doch eine solche body-modifying manipulation ändert doch mindestens so viel für das Leben wie ein bisschen mehr oder weniger Grips. Deshalb bin ich mir sehr sicher, dass sehr viele Menschen Gebrauch machen würden von Möglichkeiten ihren geistigen und emotionalen Haushalt aufzumöbeln.
    Was uns heute als ethisch problematisch erscheinen mag, wird in 100 Jahren nicht einmal des Nachdenkens würdig erscheinen.

    Letztlich spricht der Forscher Gerald Crabtree gar nicht von einem aktuellen Problem sondern von einer aktuellen Angst. Schon bevor diese intellektuelle und emotionale Degeneration, von der er spricht, einsetzt, werden die Menschen unserer nahen Zukunft an sich herumdoktern was das Zeugs hält.

  10. Gerald Fix Antworten | Permalink

    Ich bin hier Laie: In verschiedenen Texten (z.B. Dieter E. Zimmer, Ist Intelligenz erblich?) wird darauf hingewiesen, dass IQ-Tests regelmäßig nach 'oben' angepasst werden müssen. Wer vor 30 Jahren im Durchschnitt lag, liege jetzt deutlich darunter.

    Widerspricht sich das nicht?

  11. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Gerald Fix: Flynn-Effekt ist Lerneffekt

    Der sogenannte Flynn-Effekt, also die steigenden IQ-Werte über die Zeit- ist mit groser Wahrscheinlichkeit ein Lerneffekt und eine Anpassungsleistung. (Zitat) "Der Flynn-Effekt wird großteils auf die Verbesserung der Umweltbedingungen zurückgeführt z. B. Bildung, Ernährung, Gesundheitsversorgung und Massenmedien. (siehe auch: Euthenics).[3]"

    Flynn stellte 2012 fest: " So verbessere sich vor allem das visuelle und logische Denken der Kinder, der Wortschatz hingegen nur unwesentlich."

    Es gibt zwar auch andere Erklärungsversuche, insbesondere sogar genetische, doch vieles spricht dafür, dass das kulturelle Umfeld eine Traingingseffekt hat. In Ländern mit grassierenden Kinderkrankheiten, gar Mangelernährung, kann aber auch die Entwicklung auf uneinholbare Weise beeinträchtigt sein.

    Der Flynn-Effekt stellt aber auch den IQ-Begriff in Frage, wenn man im IQ die nicht lernbedingten, sondern angelegten intellektuellen Fähigkeiten sieht.

    Hierzu ein Zitat aus dem Artikel Was beschreibt der „Flynn-Effekt“?: "Eine genetische Ursache für den Flynn-Effekt scheidet von vornherein aus – dazu erstrecken sich die beobachteten Veränderungen über einen viel zu kurzen Zeitraum. Die Ursachen sind wohl eher im Messverfahren und in der immer noch fehlenden Definition der Intelligenz zu suchen. .... Beliebt sind dabei Testaufgaben, die auf das schnelle Erkennen von Mustern abzielen, und bei diesen Bilderrätseln macht sich der Flynn-Effekt besonders stark bemerkbar.

    So vermuten Psychologen, dass die zunehmende Bilderflut unserer Zeit zu einer Steigerung der Testergebnisse geführt haben könnte. Wird dagegen erlerntes Schulwissen abgefragt, dann schneiden heutige Testkandidaten nicht besser ab – eher im Gegenteil."

  12. Beate Antworten | Permalink

    Amazonas Indianer

    Wie ist der Chromosomenzustand der Philsophen im Urwald, mit maximal förderndem Selektionsdruck?

    Waren die Menschen vor 200 Jahren geduldiger als Jetztmenschen?

    Waren diese bereit sich stellenden Hindernissen mit größerer Geduld und Ausdauer zu begegnen?

    Denken Sie an Hindernisse wie Perioden mit Ernteausfällen, Umweltgifte, Klimaänderungen, kulturelle Anpassungen, usw.

    Die alle auf unsere Gesundheit einwirken.

    Hier soll für Geld nur wieder mal begründet werden, dass der Sozialetat im Staatshaushalt der USA gekürzt werden soll.

    Das ganze ist einfach nur nonsens.

    Wie das Lorenzsche Gequatsche von der Verhausschweinung des Mannes.

  13. DH Antworten | Permalink

    Zivilisationskompetenz

    Was Crabtree übersieht , ist die Fähigkeit , jene so "schädliche" Zivilisation aufrecht zu erhalten.

    Ist das keine intelligente Leistung?

    Im Übrigen dürfte die These sehr stark von der allgemeinen gesellschaftlichen Selbstverblödung der letzten 20 , 25 Jahre beeinflusst sein , da kann man schon mal pessimistisch werden....

  14. Dr. W Antworten | Permalink


    Im Übrigen dürfte die These sehr stark von der allgemeinen gesellschaftlichen Selbstverblödung der letzten 20 , 25 Jahre beeinflusst sein , da kann man schon mal pessimistisch werden....

    Die zunehmende allgemeine gesellschaftliche Selbstverblödung führt zu Verblödungsthesen, die aber falsch sein sollten. - Yup!, sehr schön auf den Punkt gebracht.

    MFG
    Dr. W (der das mit dem 'IQ-Kult' auch goutiert hat)

  15. Trota von Berlin Antworten | Permalink

    @ Detlef Piepke: Nikotin & Intelligenz

    Vielen Dank, es fehlte ein Wort: langfristig. Denn es stimmt natürlich: Nikotin fördert temporär die Gedächtnisleistung, allerdings langfristig auch die Entartung von Zellen. Ich habe das Wort im Text eingefügt.;-)

  16. Trota von Berlin Antworten | Permalink

    @ Beate: Amazonasindianer & Immunsystem

    Die Frage nach der Intelligenz der Naturvölker, vor allem der heute noch lebenden Nomaden, habe ich mir auch schon gestellt. Das wäre sicher ein interessantes Thema.

    Es ist bekannt, dass das Immunsystem der Amazonasindianer mit vielen Zivilisationskrankheiten völlig überfordert ist. So starben in den 1990er Jahren binnen sieben Jahren 20 Prozent der Yanomami, als Goldsucher und Bauern in ihr Gebiet einfielen. Das würde für Crabtrees These sprechen.

  17. Birke Antworten | Permalink

    Allgemeinaussagen

    Allgemeinaussagen zum Thema menschlicher Evolution halte ich für unseriös.
    Weder ist der IQ als Maß für Intelligenz zuverlässig, noch ist der Zusammenhang von Intelligenz und Genen geklärt, auch der soziale Faktor in der genetischen Evolution der Menschheit scheint unerforscht.

  18. Statistiker Antworten | Permalink

    Herr Holzherr

    der von Ihnen gewählte Ausdruck IQ! bezeichnet einen mathematischen Begriff namens fakultät.

    da Sie mir unterstellen, ich würde nicht nachdenken (können), muss ich entsprechende Schlüsse auf Ihren Geisteszustand ziehen.

    Jaja, wir werden immer dümmer, sowas wird gerne propagiert, so verkaufen sich Bücher..... Deutschland schafft sich ab.... Solche Slogans haben sich schon immer gut verkauft und sind immer schlimm egendet......

  19. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Selektion bei Amazonas-Indianern

    Viele Kommentatoren hier gehen in die Irre, wenn sie unsere technischen und wissenschaftliche Leistungen als Zeichen einer hohen genetisch angelegten Intelligenz betrachten und tendenziell Amazonas-Indianern und Steinzeitmenschen eine kleinere Intelligenz zuordnen (abgesehen davon spricht Gerald Crabtree auch von möglichen emotionalen Defiziten, die sich durch fehlende Selektion anhäufen können).
    Amazonas-Indianer und wohl auch Steinzeitmenschen können im entsprechenden Umfeld und mit Bildung zu Erwachsenen heranwachsen, die wir nicht von uns bekannten Kollegen unterscheiden können.

    Entscheidend für die längerfristige Entwicklung einer Population ist aber wohl schon, dass schädliche Gene eliminiert werden oder deren Träger eine kleinere Fortplanzungschance haben.
    Nehmen wir als Beispiel einen Defekt des FOXP2-Gens, das eine entscheidende Rolle für die Sprachentwicklung hat. FOXP2-geschädigte haben sprachliche Schwierigkeiten und als Amazonas-Indianer wären sie vielleicht schlechte Mitglieder einer Jagdgemeinschaft und dieser Nachteil könnte sich auf ihre Fortpflanzungschancen auswirken.

    (Anmerkung: "Beim Vergleich von Mensch und Schimpanse nämlich war Enard schon früh aufgefallen, dass ein Gen namens FOXP2 in der Steinzeit offenbar extrem starker Selektion ausgesetzt war")

    Die von Gerald Crabtree erwähnten "X-Linked Intellectual Disabilities" sind mit genetisch bedingten relativ schweren Kognitionsstörungen assoziiert.
    Solche genetisch bedingten emotionalen und kognitiven Beeinträchtigungen sind überhaupt nicht selten, findet man doch Angaben, dass 2 bis 3% der Kinder mit einer intellektuellen Invalidität geboren sind und bei einigen Fällen ist auch schon die genetische Ursache bekannt.
    Fehlende Selektion würde über viele Generationen tatsächlich zu einer deutlichen Veränderung der Population führen. Wenn (Zitat)"In den nächsten 3.000 Jahren, was etwa 120 Generationen entspricht, jeder Mensch zwei dieser schädlichen Mutationen (die zu X-Linked Intellectual Disabilities führen) in den entsprechenden Erbanlagen trägt", dann hätte das auf die Gesellschaft bestimmt gewaltige Auswirkungen, denn wie gesagt, X-Linked Intellectual Disabilities führen zu relativ schweren Beeinträchtigungen der Kognition und nicht einfach dazu, dass man etwas schlechter im Kopfrechnen ist.

    Doch man muss sich bewusst sein, dass es nicht um ein aktuelles Problem geht. Der Prozess der genetischen Degeneration würde sich über viele Generationen (Crabtree spricht von 120) hinziehen und jetzt über etwas zu spekulieren, was in 3000 Jahren sein wird, ist müssig.

    Für heute gilt dagegen (Zitat Crabtree)
    "Schließlich ist Vererbung bei weitem nicht alles, wenn es um Intelligenz geht. Erziehung und Bildung beeinflussen die intellektuellen Fähigkeiten enorm. Selbst wenn die genetische Basis für den Intellekt des Einzelnen erstaunlich anfällig sei, so sei das intellektuelle Fundament der Gesellschaft stabil, schreibt deshalb auch der Wissenschaftler. "

  20. Dr. W Antworten | Permalink

    Das

    ... sollte auch jedem ein Trost sein, der, wie der Schreiber dieser Zeilen, Grund darin sieht als weniger intelligent eingestuft zu werden.

    Die Intelligenz ist ein Kunstwort, meint irgendwie vor einem kulturalistischen Kontext die Verständigkeit und kann womöglich in Teilen als zivilisatorische Eignungsvorgabe taugen, vielleicht auch nicht.

    Zudem gilt: 'Du kannst noch so blöd sein, hier im [geeignetes Biotop oder geeigneten Kontext bitte einsetzen] gibt es immer noch jemanden, ..., der ist blöder!'

    HTH
    Dr. W

  21. Statistiker Antworten | Permalink

    Herr Holzherr

    Wenn ich Ihre Argumentation richtig interpretiere, heißt dies folgendes: Ein Mensch, der zum Mond fliegt, ist blöd, weil das ja schon jemand gemacht hat. Ein Mensch, der zum ersten mal einen Stein schmeißt, ist hyperintelligent.

    Na, das ist auf dem Niveau eines § 132a StGB-Dr-W.......

    Okay, ich bin nach ihrer definition saublöd, da ich es wage, meinen Verstand zu benutzen, im Gegensatz zum § 132a StGB-Dr-W.......

  22. Horst Antworten | Permalink

    @Dr. W

    In den Siebzigern haben Soziologen, Psychologen, Politiker u.a. vor allem linksgerichtete einiges aus kapitulativen Gründen zum System für beendet erklärt. Man war aus Beschränktheit in der hierarchieschen Bildung von und zu materialistischer "Absicherung" nicht bereit und fähig besonders die Grenzen im Kopf zu überschreiten um ganz andere Wege der Kommunikation zu beschreiten.

    Ich kann mich an evolutionäre Beschreibungen erinnern, wo dem Mensch eine sehr hohe Stirn vorhergesagt wurde, wohl weil man annahm das Gehirn würde sich wegen der technokratischen Wissenschaft massiv vergrößern :-)

    Die Wissenschaft aber stößt heute zunehmend an Grenzen die sich dann aufgrund unseres systematischen "Zusammenlebens" zu Grenz-Wissenschaften und Esoterik auflösen, anstatt wie in den Siebzigern das uns beschränkende System der Überproduktion von Kommunikationsmüll in Frage zu stellen und letztendlich konsequent komplett wirklich-wahrhaftig menschenwürdig zu verändern - geistig-heilendes Selbst- und Massenbewußtsein, mit allen daraus resultierenden Möglichkeiten, anstatt Neurosen und Psychosen eines teils brutal-egoisierenden "Individualbewußtseins" im nun "freiheitlichen" Wettbewerb um ...

  23. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Statistiker:SieSindNichtZumMondGeflogen

    Ein Bekannter von mir fragte sich einmal, ob die Menschen vor 200 Jahren dumm gewesen seien, sei doch das Meiste was unser Leben ausmache erst in den letzten 200 Jahren erfunden und erschaffen worden.
    Die Antwort darauf ist unter anderem, dass die meisten Menschen, die heutigen Errungenschaften nicht selbst erfunden oder erschaffen haben sondern sie nur nutzen. Und dazu braucht es keine überragende Intelligenz. Und selbst diejenigen, die neue bahnbrechende Entdeckungen und Erfindungen gemacht haben, haben das nicht allein getan. Was die Menschheit vorangebracht hat ist das Zusammenarbeiten vieler. Der Austausch von Ideen, das Arbeiten unterschiedlicher Menschen mit ganz unterschiedlichen Ideen an gemeinsamen Zielen und eine Gesellschaft, die das alles ermöglicht und genutzt hat. Es ist aber sehr menschlich, dass man sich als Teil dieser Entwicklung sieht, sich vielleicht sogar einbildet, man sei selbst ein halber Astronaut und Mondfahrer, nur weil die eigenen Landsleute ihren Fuss auf den Erdtrabanten gesetzt haben.

  24. Dr. W Antworten | Permalink

    @Horst

    Der letzte Absatz Ihrer Nachricht wurde nicht umfänglich verstanden, Blödheit, bei Ihnen oder hier, sehr wahrscheinlich hier.

    Die Intelligenz hat etwas Lustiges, gell, wenn Sie mal hier schauen:
    -> http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz
    -> http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeiner_Faktor_der_Intelligenz#Allgemeiner_Faktor_der_Intelligenz_nach_Spearman

    Die Intelligenz (vs. Weisheit, Klugheit, Verständigkeit etc.) wurde also regelrecht erfunden und ist als Wert sehr umstritten.

    MFG
    Dr. W

  25. Trota von Berlin Antworten | Permalink

    Relativität der Intelligenz

    Zuerst einmal allen herzlichen Dank für diese vielen tollen Kommentare, die zeigen, dass zumindest hier auf den SciLogs noch Hoffnung besteht. :-)

    Der wohl bekannteste Experte der Relativität wusste:
    "Jeder Mensch ist ein Genie, aber wenn du einen Fisch nach seiner Fähigkeit einen Baum zu erklimmen beurteilst, wird er sein ganzes Leben lang glauben, dass er dumm ist." (Albert Einstein)

  26. Horst Antworten | Permalink

    geistige Evolution

    "... glauben, dass er dumm ist." (Albert Einstein)"

    Aber nur wenn der Fisch intelligent ist, anstatt ein Bewußtsein für die Erkenntnis von Verstand zu Vernunftbegabung zu haben ;-)

    "Dumm wird man nicht geboren, dumm wird man gemacht." (ziemlich deutlicher Kinderspruch)

    Zeit ist relativ - so werden wir eines Tages, eines fernen Ortes und in einer ganz anderen Daseinsform den Baum auch ohne Arme und Beine erklimmen, selbst wenn wir den Glauben zwischendurch komplett verlieren, es gibt immer wieder eine neue Festplatte für sinnvolle Speicherware :-)

  27. mzeug Antworten | Permalink

    Wer es als bedenklich und problematisch betrachtet, dass die natürliche Selektion ausgesetzt hat, bei dem ist die Degeneration bereits zur Gänze abgeschlossen.

  28. DH Antworten | Permalink

    Noch`n Spruch

    Einstein sagte übrigens auch :

    "Zwei Dinge sind unendlich , das Universum und die menschliche Dummheit.

    Beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher."

  29. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @mzeug:Selbstselektion anstatt Selektion

    Pränataldiagnostik ersetzt heute teilweise schon die natürliche Selektion. Viele ältere Mütter lassen sich bereits auf das Risiko einer Trisomie-21 beim Kind untersuchen. Mit der Benutzung von fötalem Blut, das sich im mütterlichen Kreislauf befindet wird das heute über eine gewöhnliche Blutentnahme möglich.

    Es gibt aber auch heute noch eine natürliche Selektion. Beruflich und intellektuell Erfolgreiche (Schrifstellerinnen, Künstlerinnen, Aerztinnen) haben weniger Kinder als im Durchschnitt der Bevölkerung. Auch das ist eine Selektion, allerdings eine negative.

  30. Horst Antworten | Permalink

    dumm gelaufen

    Die natürliche Selektion hat der Mensch SYSTEMATISCH mit Bildung zu Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche in seinem "Recht des Stärkeren", bzw. in einem SYSTEMRATIONALEM Zeit-/Leistungsdruck zu einer Karriere von Kindesbeinen gestaltet - ist die Festplatte erst einmal entsprechend formatiert, wird es schwierig für einen weiteren GEISTIGEN Evolutionssprung im Sinne der Schöpfung / der kosmischen Ordnung / dem Zentralbewußtsein / von "Gott"!?

    Wird es Mutationen in Folge eines weiteren GEISTIGEN Evolutionssprunges geben, dann wird unsere bewußtseinsschwache Art des "Zusammenlebens" dafür sorgen, daß unsere "individualbewußte" Dummheit eine weitere Eskalation von symptomatischem Rassismus entwickelt. Und ich meine ENTWICKELT, weil unsere "Werteordnung" bisher immernoch in solche multischizophrenen Tücher GEWICKELT ist, bzw. derzeit ziemlich offenbar wieder fester gewickelt und konfusionierend verknotet werden :-)

    Und noch ein wie ich finde für die Festplatte / Menschheit passendes Zitat:

    "Nicht Mangel an Geist, sondern ein Geist*, der sich ununterbrochen selbst gegenwärtig ist, eine Ausgeglichenheit gegen die nichts und niemand ankommt. Die Menschen reden, die Karawane zieht vorüber: Die Dummheit erkennt man an jenem ruhigen Fortschreiten eines Wesens, das Worte von aussen weder ablenken noch berühren können. Sie ist nicht das Gegenteil der Intelligenz, sondern jene Form der Intellektualität**, die alles auf ihr eigenes Maß zurechtstutzt und jeden Anfang in einem vertrauten Vorgang auflöst. Der Dummheit ist nichts menschliches jemals fremd; die macht – über die Lächerlichkeit hinaus – ihre unerschütterliche Kraft und ihre mögliche Grausamkeit aus." (Alain Finkielkraut)

    *Bewußtsein, wenn der Autor nicht den Zeitgeist meint
    **gebildete Suppenkaspermentalität auf Sündenbocksuche

  31. Statistiker Antworten | Permalink

    Dafür bin ich intelligent genug

    und zwar inteligenter als meine Vorfahren, um zu merken, dass Sie mich beleidigen wollen, Herr Holzherr:

    "Es ist aber sehr menschlich, dass man sich als Teil dieser Entwicklung sieht, sich vielleicht sogar einbildet, man sei selbst ein halber Astronaut und Mondfahrer, nur weil die eigenen Landsleute ihren Fuss auf den Erdtrabanten gesetzt haben."

    Aha, also:
    1) Ich bin eingebildet
    2) Ich sehe mich als halber Astronaut
    3) Ich ilde mir ein, einen Fuß auf unseren Trabenten gesetzt zu haben.

    Dies ist
    a) abwegig
    b) absurd
    3) asozial
    4) widerwärtig

    Sie beleidigen damit den Intellekt aller denkenden Menschen, und das tut weh, das ist widerlich und arrogant.

    Es zeugt zudem von einer Selbstherrlichkeit udn einer Selbstverliebtheit, die unwissenschaftlich ist. Peinlich, nur noch peinlich.....

  32. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Statistiker: Verstehen ist sogar die ..

    Voraussetzung für gelungene Beleidigungen und wer seine Zeit in einem ähnlichen Umfeld verbringt versteht sich (in jeder Hinsicht) besser.

    Ich hatte sie aber nicht ernsthaft beleidigen wollen und wenn es trotzdem passiert ist tut mir das leid (Ich hoffe diese Entschuldingung genügt schon).

    Was ich beschrieben habe ist aber weit verbreitet und normal. Viele haben ein hypertrophes Selbstbild (vielleicht auch ich) und es ist schwierig und gefährlich Illusionen wie Seifenblasen zu zerstören. Ein Beispiel: Mein Sohn unterrichtet Nachhilfeschüler in Mathematik und Physik und berichtet, dass praktisch alle - auch die Besseren-, nicht in der Lage sind Aufgaben zu lösen, die sie noch nie präsentiert bekommen haben. Oft höre er schon nach 3 Sekunden: "Diese Aufgabe kann (und kenn) ich nicht." (heutige Menschen sind in dieser Art von Mustererkenntnis in der Tat schneller als frühere Generationen.) Seiner Ansicht nach bedeutet das aber, dass keiner seiner Nachhilfeschüler und wahrscheinlich überhaupt die meisten, die eine höhere Schule besucht haben, ein mathematisches und physikalisches Verständnis aufgebaut und sich erworben haben. Eigentlich seien die gängigen Techniken zu lernen heute in der Schule für alle Fächer ähnlich und immer mehr den sprachlichen Fächern entlehnt. Wir alle sind heute also effizienter, können uns scheinbar mehr in kürzerer Zeit aneignen. Doch genau dies ist die Illusion: Dass jeder der einen höheren Abschluss hat sich all die Fächer die er belegt hat, angeeignet hat.
    Meist wurde einfach das Memorieren, Muster-Erkennen und das prozesshafte Vorgehen trainiert. Das gilt auch für Kenntnisse im Lösen von Mathematik- und Physikaufgaben. Damit ist es aber eine Illusion, alle Leute, die einen höheren Physik- oder Mathematikkurs belegt hätten, seien nun - auf ihrem Niveau - kundige Physiker oder Mathematiker.

  33. Ludwig Trepl Antworten | Permalink

    Hatten wir schon

    "Zivilisation lässt Intelligenz schwinden".

    Das hat uns unser Genetikprofessor (Kaudewitz) Ende der 60er auch erzählt und lang und breit evolutionsbiologisch begründet. Damals dachten wir Studenten fast einhellig: Wie fest doch die Nazi-Ideologie auch noch im Kopf ansonsten recht liberaler Professoren - also nicht nur in dem von K. Lorenz, den hatte ich auch, aber von dem erwartete man nichts anderes - sitzt. Heute scheint kein einziger mehr eine solche Verbindung zu ziehen. Wie sich doch die Zeiten ändern! Oder wiederkommen.

  34. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    @Trepl

    Was halten Sie von der Sicht, dass der "Survival of the Fittest-Gedanke" nur deshalb nicht brauchbar ist, weil der diesbezüglich Denkende selbst Systemteilnehmer ist - wogegen ein außen Stehender Beobachter sehr wohl dementsprechend theoretisieren darf?

    Nur ein Gedanke, eher ein Gag, danke für Ihre Nachricht, es ist schon faszinierend, was (noch in den Sechzigern und jetzt ansatzweise wiederkehrend) alles gemeint worden ist.

    MFG
    Dr. W

  35. Horst Antworten | Permalink

    geistiger Stillstand

    "Wie sich doch die Zeiten ändern!"

    Also, angesichts der hierarchisch-gepflegten Bewußtseinsschwäche im Tanz um den zeitgeistlich-heißen Brei, sehe ich keine menschenwürdig-nennenswerte Veränderung, seit der "Vertreibung aus dem Paradies" (unser erster und bisher einzige GEISTIGE Evolutionssprung), nur be- und verachtenswerte Reformen unserer krampfhaften Dummheit am und im System.

    Ja, die Zivilisation wird die Menschheit entweder zur finalen Eskalation, oder zur absoluten Verblödung führen und nur mit viel Glück nicht aussterben und ...!?

  36. Wizzy Antworten | Permalink

    @mzeug

    "Wer es als bedenklich und problematisch betrachtet, dass die natürliche Selektion ausgesetzt hat, bei dem ist die Degeneration bereits zur Gänze abgeschlossen."

    Wieso? Ich halte es für ziemlich problematisch, wenn die natürliche Selektion beim Menschen sich abschwächen sollte, wobei dies meines Erachtens der Fall ist.
    Aufgrund Ihrer Schlussfolgerung würde ich mir durchaus weitere Erläuterungen zu Ihrer These wünschen.

    Falls Sie meinen, dass die zu erwartende zukünftige künstliche Auslese als Substitut unproblematisch sei, dann gehen wir vielleicht halbwegs konform. Obwohl diese mE schon Probleme aufwirft.

  37. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Wizzy @mzeug: Selektion durch AI

    (Zitat)"Ich halte es für ziemlich problematisch, wenn die natürliche Selektion beim Menschen sich abschwächen sollte, wobei dies meines Erachtens der Fall ist."
    Das ist sicher der Fall. Und wenn Crabtree sagt, dass ohne Selektion bereits in 120 Generationen jeder zwei Mutationen mit sich trägt, die zu einer "X-Linked Intellectual Disability" führen, würde das nichts anderes bedeuten, als dass der Homo sapiens spätestens in 120 Generationen verschwunden wäre.

    Doch wahrscheinlich ist schon diese Annahme viel zu optimistisch - dass der Mensch noch 120 Generationen durchhält nämlich.

    Nach den Visionen der Transhumanisten werden wir schon bald von unseren eigenen technischen Geschöpfen abgelöst. Gegen ihre superhumane Intelligenz werden wir keine Chance haben und allenfalls geben sie uns noch eine Chance in einem von ihnen angelegten Zoo. Der Punkt an dem sich alles wendet wird von den Transhumanisten technologische Singularität genannt, ein Begriff der bereits von John von Neumann geprägt wurde.

    The specific term "singularity" as a description for a phenomenon of technological acceleration causing an eventual unpredictable outcome in society was coined by mathematician John von Neumann, who in the mid 1950s spoke of "ever accelerating progress of technology and changes in the mode of human life, which gives the appearance of approaching some essential singularity in the history of the race beyond which human affairs, as we know them, could not continue."

    Die Optimisten unter den Transhumanisten glauben, dass der Mensch davon profitieren werde:
    "The Singularity will allow us to transcend these limitations of our biological bodies and brains ... There will be no distinction, post-Singularity, between human and machine"."

    Die Pessimisten dagegen sehen es so:
    "AI researcher Hugo de Garis suggests that artificial intelligences may simply eliminate the human race for access to scarce resources,[52][59] and humans would be powerless to stop them.[60] Alternatively, AIs developed under evolutionary pressure to promote their own survival could outcompete humanity"

    Alles nachzulesen im Wikipedia-Eintrag Technological singularity und alles mitzuerleben in diesem Jahrhundert.

  38. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Wie

    ... kann man überhaupt in einer globalisierten Welt auf die Idee kommen, dass die Selektivität abnimmt? - Müsste diese verglichen mit vglw. abgeschlossenen Biotopen nicht zunehmen?

    Davon unabhängig ist das Spekulatius und AI-Fans ist hier mit Vorbehalt entgegenzutreten, denn AI, womöglich irgendwie als Klugheit definiert, kann nicht von nichts kommen und benötigt Kontext wie Zielrichtung; womöglich sogar Zukunftsinteresse wie Sex. >:->

    MFG
    Dr. W (der zumindest prognostisch nichts gegen Mampf-Szenarios hat)

  39. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Dr. Webbaer:Wie kann Selektion abnehmen

    Ganz einfach: Kinder auf die Welt stellen ist heute kein Erfolg mehr, sondern alles andere ist Erfolg: Also das berufliche Fortkommen, das Beteiligtsein an ambitionierten Projekten, die zu Produkten und Erkenntnissen führen können, die den Menschen obsolet machen, ihn glattweg ersetzen oder ihn aber eliminieren. Womit wir dann bei der Atom-,/Nano-und Biotechnolgie wären.

  40. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    @Holzi

    Wenn Kinder für einige heutzutage keinen Erfolg mehr darstellen, wie Sie sagen, würde Ihr Kommentatorenfreund, der Webbaer, aber auf eine Verstärkung der Selektivität tippen wollen - durch von Ihnen weniger Beachtete.

    Zurück zur Verständigkeit: Der IQ mag abnehmen, nicht aber das Veranstaltungsinteresse.

    MFG
    Dr. W

  41. Ano Nym Antworten | Permalink

    @Martin Holzherr: ?

    Die Optimisten unter den Transhumanisten glauben, dass der Mensch davon profitieren werde: [...]

    Die Pessimisten dagegen sehen es so:
    "AI researcher Hugo de Garis suggests that artificial intelligences may simply eliminate the human race

    Mit fehlt vermutlich das ansozialisierte Mitgefühl mit Abstrakta wie Sippe, Rasse, Nation oder Art, um solche Bewertungen anstellen zu können.

    Was treibt einen an, dem Verkünder des Aussterben "des Menschen" (also der Art) in 120 Generationen Pessimismus zu attestieren?

  42. Ano Nym Antworten | Permalink

    Martin Holzherr: ??

    Kinder auf die Welt stellen ist heute kein Erfolg mehr,

    Kinder (Nachkommen) sind auch heute noch ein Erfolg für die Gene, so wie Taufe und Beschneidung ein Erfolg für die Meme sind. (um das mal etwas griffig zu formulieren).

    sondern alles andere ist Erfolg: Also das berufliche Fortkommen, [...]

    Beim ersten Erfolg geht es um den reproduktiven Erfolg der Gene/Meme (das Individuum ist hier nur materieller Träger), der zweite ist der (ökonomische) Erfolg des Individuums. Diese Erfolge stehen anscheinend in einem Konkurrenzverhältnis.

  43. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Ano Nym: Empathie mit unsern Nachfahren

    Mein Schwiegervater war nachhaltig geschockt von der Aussicht, dass die Erde schon bald oder auch irgendwann von einem Meteoriten getroffen werden könnte, der alles (oder das meiste) Leben auslöschen könnte. Dabei war es nur eine Wissenschaftssendung, die über eine Möglichkeit berichtete. Doch das beunruhigte ihn.

    Apokalyptische Zukunftsbilder haben die Gläubigen verschiedener Relgionen immer wieder beschäftigt (Höhepunkt der Apokalyptik war die Zeit Luthers) und das Ende der Menschheit lässt bis heute kaum jemanden kalt.

  44. Ano Nym Antworten | Permalink

    Sterben vs. Aussterben

    Mein Schwiegervater war nachhaltig geschockt von der Aussicht, dass die Erde schon bald oder auch irgendwann von einem Meteoriten getroffen werden könnte, der alles (oder das meiste) Leben auslöschen könnte. [...] Doch das beunruhigte ihn.

    Mich würde interessieren, was genau hier die Unruhe verursacht. Meiner Meinung nach ist es das Sterben der Menschen, jedenfalls ruft das bei mir Mitgefühl hervor.

    Würde Ihr Schwiegervater auch (und auf die gleich Art) unruhig werden, wenn der Meteorit nicht den physischen Tod sondern nur die Unfruchtbarkeit über das Menschengeschlecht brächte, so dass nach einer Generation ebenfalls auf dem Planeten kein menschliches Leben mehr existierte?

    Vielleicht erinnern Sie sich an den Fall von Lonesome George [1]. Mit Ihm "starb [...] als letztem lebenden Vertreter von Chelonoidis nigra abingdoni, seine Unterart aus" heißt es etwa in der Wikipedia. Medienrezipienten werden mit solchen Formulierungen irgendwie auf zwei Todesfälle konditioniert.

    [1] http://de.wikipedia.org/wiki/Lonesome_George

  45. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    @Ano Nym: Wir denken uns in die Ewigkeit

    Sie suggerieren in ihrem letzten Kommentar, dass den meisten Menschen die Zukunft der Menschheit als Gattung egal ist.
    Das stimmt nur teilweise. Hier 2 Beispiele, die das in Frage stellen:
    - Wenn über die Zukunft der Erde und ihr Verbruzzeln in der sich ausdehnenden Sonne spekuliert wird, hört man oft einen Unterton von Besorgnis über die Zukunft der Menschheit. Dabei dauerts bis zur Unbewohnbarkeit des Planten sicher noch 1 Milliarde Jahre
    - Buch und Film "The World Without Us" wurden von vielen darum kritisiert, weil in dieser Phantasie einer Welt nach dem Menschen, der Mensch überhaupt keine Rolle mehr spielt:
    (Zitat)"Several critics found the lack of an anthropomorphic point of view hurt the book's relevance.[61] Robert Braile in The Boston Globe wrote that it has "no real context ... no rationale for probing this fantasy other than [Weisman's] unsubstantiated premise that people find it fascinating"
    und sogar:
    "a prime example of the wrongheaded, extremist views of the Greens"

    Dabei beschreibt "Welt ohne Menschen" lediglich eine Post-Human-World ohne einen Grund für das Verschwinden des Menschen anzugeben. Doch einige können sich mit dem Gedanken, dass es eine Zeit nach dem Menschen gibt, offensichtlich nicht anfreunden.

  46. Ano Nym Antworten | Permalink

    @Martin Holzherr: ?

    Sie suggerieren in ihrem letzten Kommentar, dass den meisten Menschen die Zukunft der Menschheit als Gattung egal ist.

    Das Gegenteil wollte ich zum Ausdruck bringen. Mich wundert gerade, dass sich Menschen Sorgen um die (ewige) Zukunft der Gattung Mensch machen und ich frage mich, woher das kommt, schließlich handelt es sich ja um eine doppelte Abstraktion, zu der man nur durch Verstandesleistung (ideologisch) eine Beziehung herstellen kann.

    Dass nicht nur die Gattung Mensch sondern auch andere Taxa (z. B. Chelonoidis nigra abingdoni) in den Fokus einer solchen Besorgnis geraten, kann man bei Ludwig Trepl regelmäßig (?) nachlesen.

  47. Wizzy Antworten | Permalink

    @Ano Nym

    Ich würde im Gegenteil sagen, dass man keine Abstraktion braucht, sondern nur Instinkt um das Aussterben der eigenen Art als angsteinflößend zu empfinden.

    Schließlich sind sicherlich jene Gene erfolgreich, die einem Aussterben des Individuums, der eigenen Gruppe - und als erweiterte Gruppen eben Nationen bzw. die eigene Art - entgegenzuwirken versuchen. Notfalls indem einer/-m als potentiell rivalitär empfundenen Individuum/Gruppe/Art (/A.I.) Aggression entgegengebracht wird, um den durch den Rivalen verstärkten Selektionsdruck zu reduzieren.

  48. Ano Nym Antworten | Permalink

    @Wizzy: Abstraktion

    Ich würde im Gegenteil sagen, dass man keine Abstraktion braucht, sondern nur Instinkt um das Aussterben der eigenen Art als angsteinflößend zu empfinden.

    Das Aussterben (1. Abstraktion) der eigenen Art (2. Abstraktion) ist eine doppelte Abstraktion. Es handelt sich um einen abstrakten Verstandesbegriff.

    Was konkret Angst einflößt, ist schon die Äußerung des Begriffs, und nicht der bisher gar nicht stattgefundene Sachverhalt. Um Menschen Angst einzuflößen, reichen eben bei passender Konditionierung mitunter Worte. ("Sterben", "Aussterben", "Absterben").

    Schließlich sind sicherlich jene Gene erfolgreich, die einem Aussterben des Individuums, der eigenen Gruppe - und als erweiterte Gruppen eben Nationen bzw. die eigene Art - entgegenzuwirken versuchen. Notfalls indem einer/-m als potentiell rivalitär empfundenen Individuum/Gruppe/Art (/A.I.) Aggression entgegengebracht wird, um den durch den Rivalen verstärkten Selektionsdruck zu reduzieren.

    Wenn ich das richtig verstehe, heißen Gene erfolgreich (im biologischen Sinne), die sich reproduzieren. Das ist aber nur eine Definition, es ist keine materielle Aussage. Ihren letzten Satz kann ich nicht einordnen.

  49. HF Antworten | Permalink

    3000 Jahre

    Dass die Kinderzahl keinen Maßstab für Erfolg darstellt, mag hier und heute richtig sein.
    Das ist aber noch nicht lange so und in großen Teilen der Welt noch nicht so. Die Annahme, dass der Gradient auch nur die nächsten 100 Jahren unverändert bleibt, halte ich für gewagt.
    Zur Evolution der Intelligenz: Die positiven Eigenschaften, die wir heute mit dem Begriff Intelligenz verbinden, müssen nicht die Eigenschaften sein, die bei der Anthropogenese selektiert wurden. Lüge und Täuschung fordern das menschliche Gehirn und das Sprachvermögen weit mehr als die Jagd es je könnte. Die Wissenschaften erforderten kein neues Gehirn, die Fähigkeit zum Geschichtenerzählen reicht aus.

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