“Gefährliche Gehirne” – Die Geschichte einer Idee

6. August 2013 von Stephan Schleim in Hirnforschung

Nach neueren Publikationen zu beurteilen, sind Psychopathie und Kriminalität weiterhin zentrale wissenschaftliche Themen. Insbesondere mithilfe neuer Verfahren aus der Hirnforschung suchen viele nach biologischen Ursachen dieses Verhaltens. Auf einem Workshop reflektieren wir die Idee "gefährlicher Gehirne" in ihrem historischen und gesellschaftlichen Kontext.

In jüngster Zeit erschien eine Reihe neuer wissenschaftlicher Sachbücher zu den Themen Psychopathie und Kriminalität. Nachdem sogenannte Psychopathen immer wieder als empathielose oder moralisch kranke Wesen dargestellt wurden, versuchte es beispielsweise der britische Forscher Kevin Dutton, in sehr medienwirksamer Weise die "Weisheit der Psychopathen" zu verstehen (The Wisdom of Psychopaths). Sollten wir für ein erfolgreiches Leben alle ein bisschen psychopathisch sein? Vor Kurzem veröffentlichte auch Adrian Raine, wohl einer der bekanntesten Forensiker in den USA, seine neues Buch über die "Anatomie der Gewalt – Über die biologischen Ursachen des Verbrechens" (The Anatomy of Violence).

Lehre vom geborenen Verbrecher

Schon im Jahr 1876 publizierte der italienische Krimonologe Cesare Lombroso ein Buch mit dem Titel "L'uomo delinquente" – Der kriminelle Mensch. Inspiriert von der Physiologie und Hirnforschung seiner Zeit, versuchte Lombroso, Kriminalität messbar zu machen: im Aussehen, selbst im Gang, vor allem aber in Merkmalen des Kopfes fahndete er nach den Erkennungszeichen von Kriminellen. Gepaart mit einer Vererbungslehre entwickelte er gar die Idee eines "geborenen Verbrechers", also eines Menschen, den man schon vor Begehung einer Tat anhand wissenschaftlicher Kriterien als gefährlich einstufen könne. Lombrosos Lehre sollte jedoch nach der Jahrhundertwende an Einfluss verlieren. Forscherkollegen, die Lombrosos Beobachtungen an anderen Menschen wiederholten, konnten seine Ergebnisse nicht bestätigen.


Eine Illustration aus dem Buch L'uomo Delinquente (1876) von Cesare Lombroso. Gezeigt sind hier die vermessenen Schädel einiger Krimineller.

Bis heute gibt es einen wissenschaftlichen und auch politischen Streit darüber, welche Eigenschaften angeboren, welche erlernt sind: Als "nature versus nurture", Anlage gegen Umwelt, bezeichnet man dies im Englischen. Neben der Intelligenz steht auch immer wieder Kriminalität im Zentrum dieser Debatte. Prominente Ansätze des 20. Jahrhunderts, Kriminalverhalten in der Biologie zu verankern, versuchten es mit Y-Chromosomen, Hormonen, verschiedenen Genen und in neuerer Zeit auch vermehrt wieder mit Veränderungen in Gehirnstruktur und -funktion. In zwei italienischen Fällen erhielten Mörder in den letzten Jahren eine Strafminderung, nachdem Neurowissenschaftler bei ihnen genetische beziehungsweise hirnanatomische Auffälligkeiten fanden, die sie mit höherer Aggressivität in Zusammenhang brachten (Gehirnstruktur entschuldigt Mörderin).

Schuldunfähig – aber gefährlich?

Umgekehrt könnten solche Funde aber auch zur Bestätigung der besonderen Gefährlichkeit eines Angeklagten verwendet werden, was zusätzlich zu einer Strafe eine Sicherungsverwahrung oder statt einer Strafe eine psychiatrische Unterbringung zur Folge haben kann. Beide Maßnahmen müssen zwar in bestimmten zeitlichen Abständen überprüft werden, ein "gefährliches Gen" oder eine "gefährliche Gehirnstruktur" wird man aber so schnell nicht mehr los. Im sogenannten Maßregelvollzug nach § 63 StGB befinden sich in Deutschland zurzeit ca. 10.000 Menschen, wofür die Gesellschaft jährlich Kosten in höhe von etwa einer Milliarde Euro aufbringen muss. Von Strafrechtlern wird kritisiert, dass diese Maßnahme manchmal zu schnell verhängt wird und die Kriterien hierfür einer Überarbeitung bedürfen.

Am 6. September 2013 organisieren wir an der Ludwig-Maximilians-Universität München einen interdisziplinären wissenschaftlichen Workshop, auf dem wir uns mit verschiedenen Aspekten der Idee "gefährlicher Gehirne" kritisch auseinandersetzen: Ergebnisse der Hirnforschung zu kriminellem Verhalten oder psychischen Störungen, die mit antisozialem Verhalten in Zusammenhang gebracht werden (Antisoziale Persönlichkeitsstörung, Psychopathie) sind und waren im Fokus von Debatten zu Gefährlichkeit, Schuldfähigkeit und möglicher Rückfälligkeit von Straftätern. Die dazugehörige neuro-/biologische Forschung zu Aggression, Gewalt oder unmoralischem Verhalten wird von verschiedenen akademischen Disziplinen erforscht. Unser interdisziplinäre Workshop bringt Sprecher/innen der forensischen Psychiatrie, der Sozialpsychologie, der Wissenschaftsgeschichte, und der Rechtswissenschaften zusammen um die Fragen: Wie, wo, warum, in welchen Kontexten und mit welchen Konsequenzen wurden und werden "gefährliche Gehirne" erforscht und diagnostiziert? zu diskutieren.

Workshop am 6. September 2013

"Gefährliche Gehirne" – Interdisziplinäre Zugänge. Workshop an der Ludwig-Maximilians-Universität München am 6. September 2013. Um Anmeldung bis zum 16. August 2013 wird gebeten. Nähere Details entnehmen Sie bitte der Internetseite für den Workshop.


21 Kommentare zu ““Gefährliche Gehirne” – Die Geschichte einer Idee”

  1. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Schuldunfähig aber Gefährlich: Das gibts

    .. nur sollte man äusserst vorsichtig sein mit dieser Festlegung, denn Schuldunfähigkeit bedeutet ja, dass die Einsicht fehlt - und wohl immer fehlen wird. Somit wird die Gefährlichkeit auf unabsehbare Zeit weiterbestehen was nur Verwahrung auf unabsehbare Zeit bedeuten kann.
    Kann und soll man Schuldunfähigkeit an Genen und Hirnuntersuchungen festmachen? Vielleicht. Doch auch hier sollte man angesichts der Neuheit solcher Verfahren mit Schlussfolgerungen zurückhaltend sein. Erkenntnisse aus der Hirnforschung sind jetzt wohl meist noch als Forschungsresultate einzustufen und ein unmittelbarer "klinischer" Einsatz solcher Forschungsresultate würde gegen das übliche Vorgehen beispielsweise in der Medizin verstossen, wo viele Phasen durchlaufen werden müssen bevor ein etwas in den klinischen Alltag übernommen wird.

  2. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    Schuldunfähigkeit unvollständig

    … Schuldunfähigkeit bedeutet ja, dass die Einsicht fehlt - und wohl immer fehlen wird.

    Nein, es geht auch um die Kontrollfähigkeit, und die kann – z.B. im Affekt, durch Substanzgebrauch oder eben durch eine akute psychische Störung – auch nur kurzzeitig eingeschränkt sein.

    Im Übrigen formuliert die Pressestelle der DGPPN den Sachverhalt sehr unglücklich, wo sie schreibt:

    Straftäter, die Gerichte aufgrund ihrer psychischen Erkrankung als nicht oder vermindert schuldfähig erklären, werden in forensisch-psychiatrische Kliniken (psychiatrischer Maßregelvollzug) zur fachgerechten Behandlung eingewiesen.

    Hier wird leider die wesentliche gesetzliche Einschränkung nach § 63 StGB außer Acht gelassen. Dort heißt es:

    … wenn die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Tat ergibt, daß von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist.

    Die Maßregel setzt also zwingend Gefährlichkeit voraus, während die DGPPN-Stelle nur von einer Schuldunfähigkeit aufgrund psychischer Störung spricht. Leider hat das die DGPPN (bisher) auch nach meinem freundlichen Hinweis nicht korrigiert.

  3. Forschungsgeld Antworten | Permalink

    Realitas

    Herr Schleim,

    [...] die eigentliche Frage aber, die dringend einer Lösung bedarf, wie verhält es sich nämlich mit einer Systematik der Psychopathologie erfolgreicher Politiker, wird weder in neueren noch in älteren Publikationen grundlegend berührt. Sind denn diese i.d.R. etwa keine Prototypen "gefährlicher Gehirne"?, fragt man sich.

    Das wäre einer Erwähnung wert gewesen; das ist durchaus ernst gemeint.

    Wer aber soll diesen Sonderforschungsbereich finanzieren?, werden Sie ggf. einwenden.

    Dann würde ich allerdings sagen, na ja, stimmt auch wieder. Universitäten sind eben nationale Aushängeschilder und keine Anstalten der Aufklärung, und man muß als Wissenschaftler ja auch sehen, wo man bleibt. Da darf auch mal Fünfe gerade sein und ein schmissiger Titel den Raum einnnehmen, der sonst von wichtigen Themen besetzt zu werden droht.

  4. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Kompliment: Sie nehmens genau

    und genau muss man Dinge nehmen, die grosse Konsequenzen haben.
    Daran hab ich natürlich auch gedacht, an die aktute Schuldunfähigkeit infolge Intoxikation oder akuter psychischer Störung.

    Übrigens: auch Kinder unter 14 Jahren (im Rechtssinne Kind) sind nach deutschem Strafgesetzbuch schuldunfähig.

    Das finde ich durchaus diskussionswürdig und wird in anderen Ländern - habe ich den Eindruck - auch anders gehandhabt. Unter Defense of infancy findet man zwar, dass alle Länder diese altersabhängige Schuldunfähigkeit kennen, sie aber bei ganz unterschiedlichen Altern ansetzen (das niedrigste Alter ist 6, das höchste 18 Jahre).

  5. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    @Forschungsgeld: Politik & Gesellschaft

    Berlin/dpa Insiderberichten zufolge will die Bundesregierung ein Gesetz verabschieden lassen, das öffentlichen Amtsträgern einen Hirnscan vorschreibt. Zukünftig müssten dann beispielsweise Diplomaten, Richter und Abgeordnete einen bestimmten Test passieren, der ihre Hirnaktivierung als für das Amt geeignet einstuft. Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat sollen von der Regel jedoch ausgenommen sein. Diesen Überlegungen sind Ergebnisse aus der Hirnforschung vorausgegangen, dass Menschen wichtige Entscheidungen manchmal nicht durch rationales Abwägen, sondern aufgrund unbewusster emotionaler Einflüsse träfen. Wenn das Gesetz wie erwartet Bundestag und Bundesrat passiert, könnte es schon zum 1. Januar 2012 in Kraft treten. Neue Bewerber für ein öffentliches Amt würden dann als berufsunfähig gelten, wenn ihnen der Hirnscan ungeeignetes Denken attestiere. Unklar ist jedoch, inwiefern sich das Gesetz auf bestehende Amtsverhältnisse auswirken würde. (Meldung vom 31. März 2011)

    Das ist die Einleitung meines Buchkapitels für den Braintertainment 2.0-Sammelband.

    Und wenn Sie eine ernsthafte Antwort von mir wollen: Nun ja, Sie scheinen hier sehr individualistisch zu denken ("Prototypen 'gefährlicher Gehirne'") aber ist es nicht vielmehr das System, das diese Menschen selektiert, um eine bestimmte Rolle zu erfüllen?

    De Maizière sagte jüngst in einem Zeit-Interview auf die Frage, wie er das Wort "Dienen" versteht:

    Dienst ist für mich weniger als Tapferkeit. Dienen bedeutet nicht Diener sein, sondern es heißt Verpflichtung, ein Amt haben. Nicht Selbstverwirklichung, sondern sich zurücknehmen für etwas Größeres. Jede Institution ist auf einen solchen Dienst angewiesen, sonst geht eine Gesellschaft kaputt. Es steht einer modernen Gesellschaft gut zu Gesicht, das so zu formulieren.

    Ich glaube, wir brauchen in diesem Zusammenhang gar nicht über "gefährliche Gehirne" zu diskutieren – das System zerstört sich schon selbst. Hubert Selby jr. hat es einmal so schön formuliert (siehe mein älterer Post Occupy SciLogs: Wir Menschen, so klein):

    … ich glaube, dass es nicht nur aussichtslos ist, den American Dream zu verfolgen, sondern selbstzerstörerisch, denn schließlich zerstört es alles und alle, die darin involviert sind. Dies muss es per Definition, denn es nährt alles außer jenen Dingen, die wichtig sind: Integrität, Ethik, Wahrheit, unser wahres Herz und Seele. Warum? Der Grund dafür ist simpel: Leben heißt geben und nicht kriegen. (Hubert Selby, Jr., 1999, im Vorwort zu seinem Buch "Requiem for a Dream", meine Übersetzung)

    Versuchen Sie doch einmal, nach Wahrheit zu streben: die Menschen werden Sie einen Naiven schimpfen; versuchen Sie doch einmal, ein ethisches Leben zu führen: die Menschen werden Sie der Selbstgerechtigkeit zeihen und Sie hassen; versuchen Sie doch einmal, integer zu sein: die Menschen werden Ihren kleinsten Fehler finden und Sie dafür zerreißen.

  6. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    @Holzherr: Alter und Schuldfähigkeit

    Die Sache mit dem Alter ist ein guter Hinweis, um zu verdeutlichen, wie unterschiedlich Gesellschaften mit der Schuldunfähigkeit umgehen. Es ist meines Erachtens auch ein Konstrukt der Moderne, dass wir Kinder und Jugendliche (in manchen Ländern) überhaupt von strafrechtlichen Konsequenzen ausnehmen; vor ca. 200-300 Jahren wurden Kinder und Jugendliche meiner Erinnerung nach ebenso zur Verantwortung gezogen wie Erwachsene (mit allen Konsequenzen).

    In den USA beispielsweise werden zum Tatzeitpunkt 16- bzw. 17-jährige erst seit Kurzem prinzipiell von der Todesstrafe ausgenommen, seit noch kürzerer Zeit auch von Lebenslänglich ohne die Möglichkeit auf Bewährung.

    In Deutschland wird die Schuldunfähigkeit gemäß § 19 StGB (jünger als vierzehn Jahre) im § 63 StGB (Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus) aber gerade nicht als Grund für eine Maßregel angeführt, sondern nur die Schuldunfähigkeit bzw. verminderte Schuldfähigkeit nach §§ 20, 21 StGB.

  7. Horst Antworten | Permalink

    unten & oben, im geistigen Stillstand

    "... versuchte es beispielsweise der britische Forscher Kevin Dutton, in sehr medienwirksamer Weise die "Weisheit der Psychopathen" zu verstehen."

    Welche Psychopathen?
    Die, die systematische Ausbeutung und Unterdrückung direkt zu spüren bekommen? Oder die, die Ausbeutung und Unterdrückung mit systemrationaler Kontrolle auch, oder vor allem, ihrem brutal-egoisierendem "Individualbewßtsein" dienlich sind?

  8. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Risikoaversion auch gegenüber Menschen

    In der westlichen Nachkriegs- und Wohlstandsgesellschaften (USA, Europa, Japan) hat sich eine extreme Risikoaversion ausgebildet.
    Selbst statistisch gesehen seltene Vorkommnisse wie Flugzeug- oder Eisenbahnunfälle oder Erdstösse wegen Fracking/Geothermie/Erdgasbohrung werden als nicht akzeptabel eingestuft.

    Verbrecher freizulassen, die rückfällig werden könnten, wird ebenfalls zunehmend als nicht akezptables Risiko aufgefasst, vor allem, wenn es sich um schwere Verbrechen handelt. Auf dieses Problem haben einige US-Staaten mit dem Wegschliessen nach 3 Wiederholungstaten reagiert. In Europa gibt es die Institution der Verwahrung: Auch nach Absitzen der Strafe bleiben "gefährliche" Täter auf unbestimmte Zeit in Haft.

    Könnte die Rückfallwahrscheinlichkeit eines Straftäters aufgrund eines tieferen Wissens über seinen Geisteszustand bestimmt werden, kämen unter heutigen Umständen wohl mehr Weggesperrte und Verwahrte wieder frei.

    Hirnscans können bereits heute aufgrund recht unspezifischer Untersuchungen wie der Bestimmung der Hirnaktivität in bestimmten Stirnlappenbereichen oder der Impulsivität Rückfallwahrscheinlichkeiten bestimmen. Vom eigentlichen Gedankenlesen sind diese Methoden allerdings noch weit entfernt. Zudem scheinen auch konventionelle, psychologisch orientierte Untersuchungstechniken,gute Abschätzungen der Rückfallwahrscheinlichkeiten zu erlauben, wenn sie von einem erfahrenen Team ausgeführt werden.

    Allerdings werden mit jedem sich doch ereignenden Rückfall die Prüfkriterien für eine Freilassung verschärft. Auch eine bereits risikoaverse Gesellschaft kann ihre Risikoaversion noch steigern.

  9. Forschungsgeld Antworten | Permalink

    @Stepahn Schleim

    Herr Schleim,

    danke für die Antwort. Aber ich verzweifle umfänglich an dem letzen Absatz:

    "Versuchen Sie doch einmal, nach Wahrheit zu streben:"

    Was glauben Sie; was unterstellen Sie mir - sicher nicht in böser (eher vereinnahmender) Absicht - daß ich tue? Daß ich etwa nicht nach der Wahrheit strebte? Wie kommen Sie um Himmels Willen darauf, eine Formulierung zu wählen, die zur Grundlage hat, daß Menschen das "eigentlich" gar nicht können?

    Wonach sollte ich (man) denn sonst streben? Sagen Sie es mir? Erklären Sie mir auch, wie man sich in einer selbstgewählten Welt der Unwahrheit einzurichten vermag, ohne Selbstekel zu empfinden? Wie in dieser Umgebung Erkenntnis ohne Wahrheit gefunden wird? Wie dort Wissenschaft betreiben?

    Ich liebe das Leben: Weil ich es für eine außerordentliche Sensation halte, der ich mich aus Selbstsucht "würdig" gegenüber erweisen will und kann. Denn ich bin, in engster Verwandtschaft mit Ihnen, scheinbar Teil dieses erstaunlichen Universums. Diese beinahe absurd enge Verwandtschaft bedeutet, daß ich weiß, daß meine Unaufrichtigkeit Ihnen (also auch mir) schließlich (und sei es auch nur in effigie) zum Schaden gereichen würde - und das will ich nicht. Ich bin naiv und möchte es - mit allen Menschen - schön haben.

    "...die Menschen werden Sie einen Naiven schimpfen."

    Und Recht haben sie. Ich bin ja kein Politiker; und wer sind überhaupt "die Menschen"? "Die Menschen" (abzählbar, ja) in meiner Umgebung sind mir wahre Freunde und meine Freude, genauso wie ich für sie. Diese Art der Belohnung ist großartig und nicht überhoben im Sinne einer Utopie, die angesichts eines pragmatischen Weltenlaufs etwa zu belächeln wäre.

    "Versuchen Sie doch einmal, ein ethisches Leben zu führen: die Menschen werden Sie der Selbstgerechtigkeit zeihen und Sie hassen."

    Nein, tun sie nicht!, solange Sie aufrichtig sind und nicht herumtönen und alles und jeden aus einer aufdringlich überlegenen Position zu bekehren trachten.

    Wären Sie so ungern ein Beispiel für einen Wissenschaftler, der ernsthaft ethische Prinzipien zu leben versucht? Sie trauen sich ein ethisch motiviertes Leben als Wissenschaftler nicht zu? Aber wo genau liegt da die Schwierigkeit? Könnten Sie das vielleicht irgendwann einmal konkret, in einfachen Sätzen, darlegen?

    Wollen Sie vielleicht sagen, der Wissenschaftsbetrieb, und Sie mittendrin, sei so weit weg von aller Moral und Ethik, daß es eine unheimliche Art habe?

    "versuchen Sie doch einmal, integer zu sein: die Menschen werden Ihren kleinsten Fehler finden und Sie dafür zerreißen"

    Aber was. Diese ganze merkwürdige Logik erschließt sich mir nicht, obwohl sie mir als Prinzip leider allzu wohlbekannt ist.

    Was ist nun die Konsequenz Ihrer Aussagen? Was schreiben Sie da? Einen Abgesang? Einen Aufruf zum notwendigen, unumgänglichen Duckmäusertum? Nochmal: Sind Wahrheit, Ethik und Integrität wirklich so exquisiter Natur, daß Sie schlußfolgern, es sei schlicht notwendig, sich nicht wirklich darauf einzulassen, weil es (karrieretechnisch und also in vielerlei Hinsicht) zu nichts weiter führe als Schimpf, Haß und Zerriß? Da hätte ich Sie eigentlich anders eingeschätzt.

    Entschuldigen Sie übrigens die Länge.

  10. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Wohlwohlwahr:

    Versuchen Sie doch einmal, nach Wahrheit zu streben: die Menschen werden Sie einen Naiven schimpfen; versuchen Sie doch einmal, ein ethisches Leben zu führen: die Menschen werden Sie der Selbstgerechtigkeit zeihen und Sie hassen; versuchen Sie doch einmal, integer zu sein: die Menschen werden Ihren kleinsten Fehler finden und Sie dafür zerreißen.

    Deshalb ist auch der Begriff der Kultur so wichtich, deshalb benötigt es eben Freunde, die Ihre Sichten zwar nicht teilen, aber eben für tolerierbar halten, deshalb benötigt es Bären (vs. Menschen).

    MFG
    Dr. W

  11. schrittmacherm Antworten | Permalink

    @ Forschungsgeld

    -> Betreffend der Suche nach Wahrheit ist eindeutig anzunhemen, dass dies alle Menschen machen. Die wenigsten aber werden sie tatsächlich finden, sondern nur glauben, sie gefunden zu haben, weil jene Wahrheit ihnen die Psychophaten eingeredet haben, die (nach geltendem Recht und Gesetz) nicht kriminel geworden sind. Dabei ist der, welcher die Möglichkeit und Fähigkeit dazu hat, "Wahrheiten" zu verbreiten, diese Möglichkeit dann für eine Lüge oder Halbwahrheit benutzt, der größte Verbrecher unter uns. Solche gehörten dann präventiv weggesperrt. Aber das ergäbe anderweitig Probleme.

    Der Fehler liegt also besser in der Gutgläubigkeit der Suchenden. Aber welchen Vorwurf will man jenen machen, die offiziel anerkannten Wissenschaften/lern etwa glaubten?

    Wie man sich in einer (selbstgewählten?) Welt der Unwahrheit einrichten kann? Ach, wie kann man auf so eine Frage bloss kommen?

    Erstens: Sie bilden sich eben ihre eigenen Wahrheit ein und sind in der Lage diese Wahrheit auch mit ihrer Umgebung zu vereinbaren.

    Zweitens: Sie fragen ein paar mal zu viel und zu nachdrücklich nach Wahrheit und man vergiftet sie, was eine Neurodegeneration zur Folge hat und sie fragen dann irgendwann nicht mehr, weil sie die Souveränität und die Kapazität nicht mehr besitzen - und überhaupt die Frage irgendwann nicht mehr verstehen, gar einst feststellllen, dass irgendwie keine Frage mehr zu stellen sei. Das Einrichten in reduzierter Wahrheit ist dann keine Kunst mehr und ergibt sich von selbst.

    Ausserdem fällt einem das Glauben einer naiv einfachen und quasi harmlosen Wahrheit leichter - sogar das Ausdenken und Vermitteln ist leichter für den Denker selbst. Das ist nämlich kein ausgesprochen bekanntes Phänomen: Das wir wie kleine Kinder solche naiven Wahrheiten sogar vorziehen und unangenehme Wahrheiten als böse Nachrichten verdrängen, unkritisch in Zweifel ziehen und die Überbringer dafür sogar ablehnen und hart bestrafen. Was ein weiterer Grund für schmeichelhafte Wahrheiten sei (Halbwahrheiten oder Lügen). Das ad hominem-Problem: wenn ich meine Wahrheit nicht besser machen kann, mache ich anderer Leute Wahrheit schlechter (inklusive der Verkünder dieser - keine Unart, sonder eine Art Instinkt). Das schreckt ab vor allzu drastischer Wahrheiten.

  12. schrittmacherm Antworten | Permalink

    Was ich an der jüngst in den Medien zu findenden Berichten sehr sonderbar finde ist, dass man sich wundert, dass Psychopathen zwar sogenannte Empathie empfinden können, dies aber nicht "automatisch" tun.

    Das ist sogar Bedrohlich, wenn man es weiterspinnt. Es hiesse dann nämlich, dass man es für Krankhaft hält. Das Problem daran sei, dass es eben blöd sei, von sich auf andere zu schliessen. Mir wurde das immer (zu passenden Situationen) ausgeredet. Hier solle es aber passen?

    Wozu Angst und vielleicht Neid so alles fähig sind.

    Denn das ist klar: Jede erzwungene Therapie ist eine Verletzung des Menschenrechtes. Vor allem dann, wenn die neuronale Eigenschaft gar nicht zwingend zur Therapie führt (etwa bei Personen, welche ohne Auffälligkeiten ihr Leben erfolgreich und integriert führen).

    Das hieße, dass dem Wettbewerbsverlierer seine körperliche Integrität und Unversehrtheit zerstört wird, weil ein Problem da sei, was es bei anderen auch gibt, sich aber anders auswirkt - dies aber nur deswegen, weil gewisse Bedingungen günstiger für die erfolgreichen waren.

    Eine Gesellschaft, die Integrationsbemühungen schuldig blieb, und ihre Schuld in der Zuweisung krankhaften Hirnstrukturen/-funtkionen versteckt und dem Betroffenen die Last und den Schaden zumutet, steht vor einem echten Rechtfertigungsprtoblem - normalerweise.

    Aber sie hat ja demokratische Rückendeckung, die sich daraus ergibt, weil der Großteil des Volkes durch Empathie derart terrorisiert ist und sich vor den vermeintlich drohenden Folgen der postulierten Hirnfehlfunktionen vorrauseilend gehorsamst fürchtet und sein Recht auf Schutz einfordert und Prävention erzwingt.

    Die Tatsache, dass 90 % der Menschen offenbar empathische Reaktionen nicht unterdrücken können, ist kein Hinweis darauf, dass bei den wenigen "Andersartigen" eine Fehlfunktion besteht, die man den Stempel "Krankhaft" aufdrücken kann.

    Die Tendenz dazu ist aber unleugbar existent.

    Zudem ist man in der Frage des "freien" Willens günstig von der Infragestellung dessen angerückt, stellt aber im Falle solcherart psychischer Störungen jederzeit per Diagnose solchen doch regelmäßig zur Disposition - wie es belieben, so scheint es.

    Dieses Belieben hat auch eine recht abgründige Systematik. Solche Fragestellungen demokratisch zu entscheiden, ist schon ein strammer Rechtsbruch, weil gerade, aber nicht nur bei Prävention ein Eingreifen in der Konsistenz des Subjekts erzwungen wird, der mit keinem Menschenrecht hinreichend abgestimmt werden kann, auf welches sich aber die demokratische Menschheit so beruft und verlässt. Die Verletzung von Menschenrechten mit Menschenrechten zu rechtfertigen ist schon eine steile Strategie. Solcherart Dissonanzen muß man erstmal aushalten - um sie später auch ernsthaft zu vertreten. Aber die bloße Angst macht es wohl möglich. Und das Kalkül der (anderen) integrierten Psychopathen. Denn die haben einen unbekannten Vorteil dadurch, dass ihre "Konkurrenz" beseitigt wird und arbeiten liebend gerne an deren "Absägen" mit.

  13. schrittmacherm Antworten | Permalink

    kommentarabo

    Jedenfalls klingt auch die Überschrift eindeutig tendenziel. Ein Gehirn kann nicht gefährlich sein. Nur das Subjekt mit einem Gehirn in der Interaktion mit seinem Umfeld kann u.U. gefährlich sein.

  14. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    @Holzherr: Risiken und Gehirne

    Auch gehen schon seit vielen Jahren die Gewaltstraftaten zurück, dennoch fühlen sich sehr viele Menschen verunsichert. Ich denke, bei den Risiken geht es nicht nur um deren Größe (in der Provinz Groningen, wo ich in den Niederlanden lehre, können Sie übrigens schon Häuser besichtigen, die wahrscheinlich aufgrund der Gasförderung und damit verbundener Erdstöße Risse bekommen haben), sondern auch um deren Vermeidbarkeit – und dann sind wir freilich im Politischen, denn verschiedene Parteien denken sehr unterschiedlich darüber; und da geht es nicht nur um logische Abwägung, sondern z.B. auch darum, ob der gefährliche Atommüll velleicht gerade vor meiner Tür gelagert werden soll (was gemäß ethischer gebotener Universalisierung ja keine Rolle spielen dürfte).

    Man vergleiche jedoch mit all den Risiken, die wir hier diskutieren, einmal mit den tatsächlichen Todeszahlen infolge von Konsummittelgebrauch (v.a. Alkohol und Zigaretten) oder Straßenverkehr. Ginge man nach den Tatsachen, dann müssten wir viel mehr Angst davor haben, über eine Straßenkreuzung zu gehen, als z.B. durch einen Überfall ums Leben zu kommen. Dennoch gehen wir zigmal am Tag über Kreuzungen, manchmal vielleicht sogar bei rot, ohne Angst zu haben.

    Die Idee, dass Hirnscans auch entlasten können, läuft natürlich dem Grundsatz entgegen, dass im Zweifel für den Angeklagten entschieden werden muss; und wenn kein Zweifel mehr bleibt, wie soll dann ein Hirnscan entlasten können?

    Daran ändert auch die zitierte Studie aus dem Hause Kiehl nichts. Es geht hier um die Analyse mehrerer zehntausend verrauschter Datenreihen, die auf Gehirnaufnahmen beruhen; darauf können Sie dann mehrere Dutzend Methoden anwenden. Dabei findet man immer etwas. Ob man hier überhaupt von einer Vorhersage (prediction) sprechen kann und nicht nur von einer Nachhersage (retrodiction), das werde ich gelegentlich noch prüfen.

    In der Regel ist diese Prüfung aber enttäuschend und geht es einfach um eine Korrelation, die man Vorhersage nennt. Tja, "Vorhersage ist ein weiter Begriff", wie mir ein Forscher einmal erwiderte. Zu einem ähnlichen Fall hatten wir schon einmal eine Diskussion in Gehirn&Geist: Gebrochene Versprechen.

  15. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    @forschungsg.: Bitte nicht verzweifeln!

    Sie machen das doch schon ganz gut und wenn Sie auch noch über solche Freunde verfügen, dann haben Sie schon einmal bessere Chancen für einen entsprechenden Erfolg.

    Wie hat Bertolt Brecht gesagt? "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!" Meine auf Sie resignierend wirkende Zusammenfassung basiert auf der Wahrnehmung der Belohnungsstrukturen der Systeme, so wie ich sie kennengelernt habe: Wahrheit, Ethik, Integrität wird dort meines Erachtens kaum belohnt; stattdessen Loyalität gegenüber dem Vorgesetzten. Anders kann man meines Erachtens gar nicht die Stabilität zum Beispiel unserer politischen Parteien verstehen, die immerhin die Legislative und Exekutive stellen und die Ernennung der RichterInnen vorschlagen. Dort wird zu denen gehalten, die gute Stellen versprechen: Erst wenn dieses "Fressen" erledigt ist, dann kommt vielleicht noch etwas Moral; doch nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf.

    Das fängt doch schon in einer Partnerschaft an: Wie stabil wird die Durchschnittsbeziehung sein, wenn auf Fragen wie "Hat's geschmeckt?", "Findest du mich hübsch?", "War ich gut?" ehrlich und integer geantwortet wird? Meiner Philosophie nach sollte man diese Art Fragen gar nicht erst stellen, sondern lieber regelmäßig ehrliche Komplimente machen.

    Ich resigniere nicht, sehe aber immer mehr Analogien zwischen meinem Leben und dem des Sisyphos – und wie schrieb Camus?

    Dieses Universum, das nun keinen Herrn mehr kennt, kommt ihm [= Sisyphos] weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen. (Der Mythos des Sisyphos)

    Selbst wenn der Widerstand gegen ein System (objektiv) sinnlos ist, kann er doch (subjektiv) sinnstiftend sein.

  16. Horst Antworten | Permalink

    geistiger Stillstand

    Wenn man eines der Bibel glauben darf, dann sind die Menschen in ihrer Gesamtheit SCHULDUNFÄHIG - und es stimmt absolut, solange Mensch sein Erbe des Instinkts, den Wettbewerb ("freiheitlich" & im "gesunden" Konkurrenzdenken) zelebriert, solange bleibt Mensch & sein / das Denken gefährlich.

    Die Hierarchie der systemrational-gepflegten Bewußtseinsschwäche in Angst, Gewalt und "Individualbewußtsein", verankert in kreislaufend blöd-, stumpf- und wahnsinniger Symptomatik von materialistischer "Absicherung" in "Wer soll das bezahlen?" und "Arbeit macht frei", bzw. in zweifelswürdiger Schuld- und Sündenbocksuche!

  17. DH Antworten | Permalink

    Brave Mitte

    Die "Psychopathen" werden in der Mitte der Gesellschaft produziert , von den "anständigen" Bürgern , und je anständiger sie scheinen , desto mehr empfiehlt es sich , hinter die Fassade zu gucken.

    Da paßt es dem Kleinbürger gut , wenn das Ergebnis seines Tuns nicht nur stigamtisiert wird , sondern wenn es auch gleich lebenslang weggesperrt wird , aus den Augen , aus dem Sinn.

    Gerade bei den wiederkehrenden Amokläufen fällt extrem auf , daß immer jede Menge Energie aufgewandt wird , um nur ja nicht auf tatsächliche Ursachen kommen zu müssen , eine dieser Erklärungen ist der archaische Versuch , sowas wie naturgegebene Kriminelle zu finden.

    Daher ist es absehbar , daß sich die Folgen dieses Denkens verschlimmern werden , der nächste Amoklauf zum Beispiel dürfte bald kommen und die bisher dagewesenen erneut in den Schatten stellen.

  18. Dr. Webbaer Antworten | Permalink

    Was generell

    auffällt, ist dass in D [1] statt harter Strafen oft psychologisiert/pathologisiert wird, dass versucht wird bei schwerwiegenden Gewalttaten das vorgesehen und vergleichsweise niedrige Strafmaß auszudehnen indem dem Täter eine psychische Krankheit und somit eine außerstrafrechtliche Gefährlichkeit zugewiesen wird.

    Das geht streng genommen nicht in Ordnung.

    MFG
    Dr. W

    [1] und nicht nur da - siehe Breivik, kommt der in 15 Jahren wieder raus?, auf welcher Grundlage wird man ihm ein "Lebenslänglich" verpassen? - das nur als Beispiel für andere Gewaltverbrecher der üblen Sorte

  19. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    DGPPN: Fehler ausgeräumt

    Die DGPPN hat zwar nicht den Fehler in ihrer älteren Pressemitteilung korrigiert, wohl aber in einer neuen Pressemitteilung zum Thema ausgeräumt. Dort heißt es jetzt:

    Straftäter, die Gerichte aufgrund ihrer psychischen Erkrankung als nicht oder vermindert schuldfähig erklären, werden – wenn auch in der Zukunft erneut krankheitsbedingte Straftaten zu erwarten sind – zur fachgerechten Behandlung in forensisch-psychiatrische Kliniken eingewiesen. (8.8.2013)

    Vorher hieß es noch (falsch):

    Straftäter, die Gerichte aufgrund ihrer psychischen Erkrankung als nicht oder vermindert schuldfähig erklären, werden in forensisch-psychiatrische Kliniken (psychiatrischer Maßregelvollzug) zur fachgerechten Behandlung eingewiesen. (26.07.2013)

    Die hätten sich ja wenigstens einmal für den Hinweis bedanken können. :-)

  20. Balanus Antworten | Permalink

    Nicht „falsch“,…

    …sondern unvollständig und daher vielleicht missverständlich war die vorherige Pressemitteilung der DGPPN in diesem Punkt:

    Straftäter, die Gerichte aufgrund ihrer psychischen Erkrankung als nicht oder vermindert schuldfähig erklären, werden in forensisch-psychiatrische Kliniken (psychiatrischer Maßregelvollzug) zur fachgerechten Behandlung eingewiesen. Die Voraussetzungen dazu sind im Strafgesetzbuch geregelt.

    (Ich gehe jetzt ohne nachzuprüfen davon aus, dass die Voraussetzungen für die Einweisung tatsächlich im Strafgesetzbuch geregelt sind).

    (Aber eine kleine Dankes-Mail hätten sie schicken können, da hast Du völlig Recht ;-)

  21. Stephan Schleim Antworten | Permalink

    @Balanus: schlechte Textarbeit

    Ach, Balanus, an deiner schlechten Textarbeit besteht hier wirklich kein Bedarf.

    (1) Was die DGPPN in der ersten Pressemitteilung behauptet ist, dass Menschen, die eine Straftat begangen haben, und vom Gericht für schuldunfähig bzw. vermindert schuldfähig angesehen werden, (ohne Einschränkung, d.i. automatisch) in eine forensisch-psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Das ist aber falsch. Dafür brauchen wir nicht interpretieren, denn das steht so wörtlich im Text.

    Richtig ist, dass diese Einweisung unter dem zwingenden Vorbehalt steht, dass "… die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Tat ergibt, daß von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist." (§ 63 StGB)

    (2) Wenn du jetzt noch den nächsten Satz hinzufügst, dass die Voraussetzungen für (1) im Strafgesetzbuch geregelt sind, wird nicht der Fehler behoben, sondern durch einen zweiten verschärft: Wer sich nämlich nicht mit der Materie auskennt und auch nicht selbst im Gesetz nachliest, der muss nun sogar glauben, dass die in (1) (falsch) formulierte Regel so auch noch im Gesetz steht!

    Mit Blick auf die gegenwärtige öffentliche Debatte, auf die die DGPPN in der zweiten Pressemitteilung verweist, und die ihrer Meinung nach die Psychiatrie in keinem guten Licht erscheinen lässt, und mit Blick auf die Versuche der DGPPN, sich an der Verbesserung der Kommunikation und der Gesetzeslage beteiligen zu wollen, darf man diese Fehler wohl als... eher ungeschickt ansehen.

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