Der Mythos von der “drohenden Eiszeit”

4. Januar 2012 von Gunnar Ries in Atmosphäre / Klima

Letzten Monat hatte die wissenschaftliche Blogosphäre ihre Solidarität mit dem Klimaforscher und Blogger Stefan Rahmstorf erklärt. Markus Pössel hat die Geschichte im Einzelnen sehr anschaulich zerpflückt (mit zweitem Teil).

Das Medien oftmals wissenschaftliche Erkenntnisse, über die sie berichten, bis zur Unkenntlichkeit verändern, dafür gibt es viele Beispiele. Und natürlich ist meist nicht Absicht im Spiel, sondern der Versuch, komplexe Dinge möglichst einfach und allgemeinverständlich darzustellen. Hinzu kommt, dass nur wenige Journalisten aus dem Fach sind, über das sie berichten. Daher mag es manchmal auch schwer fallen, wenn es, wie in der Klimadebatte (die interessanter Weise weniger eine echte Debatte ist, als eine Scheindebatte, aber das soll hier nicht stören), zwei oder mehrere widerstreitende Meinungen gibt, ohne dass man auf die Schnelle entscheiden kann, welche denn die "Richtige" wäre.

Warum habe ich aber "Scheindebatte" geschrieben? Ich sehe hier nämlich keine echte Debatte unter Forschern, ob es denn so etwas wie den Klimawandel überhaupt gibt. ja, noch nicht einmal, ob der beobachtete Klimawandel nun natürlichen Ursprungs ist, oder zum großen teil von menschlichen Aktivitäten angefeuert wird. Denn wer aufmerksam zuhört, der wird rasch erkennen, dass die Meinung der mit der Materie gut vertrauten und an der Forschung beteiligten Wissenschaftler ziemlich einheitlich ist. Erstaunlicher Weise erkennen das ja sogar die Klimaleugner (wie ich sie mal nennen möchte, auch wenn es da viele unterschiedliche Fraktionen gibt, von Komplett-Leugnern bis zu den "nicht Menschenwerk"-Leugnern) an, denn sie bezichtigen die Forscher ob ihrer Einigkeit ja sehr häufig der Verschwörung, zum Zweck der Weltherrschaft Drittmitteleinwerbung und der Ruhms oder ähnlichem.

Und da in Amerika anscheinend auch hier alles eine Nummer größer ist (die Autos, der CO2-Ausstoß und die Klimaleugner), habe ich hier ein sehr schönes beispeil, wie Desinformationen aus interessierten Kreisen, unkritische (oder vielleicht sogar absichtlich?) Journalisten und aus dem Zusammenhang gerissene Fetzen aus Aussagen von Forschern schnell aus einer Klimaerwärmung eine drohende Eiszeit konstruiert werden kann.

Dass nämlich das zu erwartende Minimum an Sonnenflecken dem Maunderminimum ähnlich sein soll und uns folglich ein Klimaereignis vergleichbar der Kleinen Eiszeit ins Haus steht.Und wenn das über die bekannten Mainstream Medien nur oft genug in das Volk geblasen wird, dann wird es für die Wissenschaftler entsprechend schwer, die Dinge wieder in den richtigen Kontext zu bringen.

Hier also die Geschichte vom Mythos der drohenden "Kleinen Eiszeit" als Video.


9 Kommentare zu “Der Mythos von der “drohenden Eiszeit””

  1. Martin Holzherr Antworten | Permalink

    Sonnenfleckenminimum bereits hinter uns

    Wir befinden uns im 24. Sonnenfleckenzyklus und es zeigt sich eine deutliche Aktivitätszunahme auf der Sonne.
    Bereits im April und Mai 2010 wurden in Norddeutschland erste Polarlichter fotografisch nachgewiesen. Jan Hattenbach berichtete sogar über Polarlichter über Deutschland

    Der obige Bericht über ein bevorstehendes Sonnenfleckenminimum
    (Zitat)Dass nämlich das zu erwartende Minimum an Sonnenflecken dem Maunderminimum ähnlich sein soll und uns folglich ein Klimaereignis vergleichbar der Kleinen Eiszeit ins Haus steht würde sich also auf das nächste Minimum vielleicht in 5 Jahren beziehen oder aber der Bericht hat sich einfach in der Zeit verirrt und wäre eigentlich zum Jahresübergang 2009/2010 angesagt gewesen.

  2. Glee Antworten | Permalink

    Sehr interessant! Ich kann es erwarten, daß Fox News irgendwie reißerische Nachrichten berichtet, was wäre aber denn der Grund, wenn sie tatsächlich FÜR jemanden lügen? Wem nützt so was?

  3. Physiker Antworten | Permalink

    @Glee

    Journalisten und Wissenschaftler haben eines gemeinsam, sie sind auf der Suche nach der Wahrheit und damit grösstenteils Idealisten. So gut wie niemand (der einen Artikel geschrieben hat) macht eine Kosten-Nutzen-Rechnung, nach dem Motto "Wenn ich das publiziere dann bringt mir das folgende Vor/Nachteile, egal ob der Inhalt stimmt". Ein Journalist/Wissenschaftler, der nicht hinter seinen Behautungen steht hält das auf die Dauer nicht durch.

    Man sollte niemals Böswilligkeit (oder Lüge) unterstellen, wenn Unwissenheit/Halbwissen völlig ausreicht um alles zu erklären. Die permanente Frage nach dem Nutzen offenbart meiner Meinung nach darüber hinaus nur ein perverses Menschenbild.

  4. Robert Kühn Antworten | Permalink

    @glee

    Da gibt es genug:

    Die Energieindustrie, die an fossilen Brennstoffen verdient. Die Autoindustrie, die so weiter machen möchte wie bisher. Die Banken, die ihre langfristigen Investitionen in die o.a. Industrien sichern wollen. Und nicht zuletzt die Klimaleugner, die entweder aus Fanatismus oder weil sie dafür bezahlt werden, jeden Unfug posten, der die wissenschaftlichen Aussagen zum Thema "Klimaänderung" in den Medien angreifen. Beispiel hier mit vielen weiterführenden Links ("Spiegel vs. Zeit"):
    http://www.scilogs.de/...l-vs-zeit-zum-klimawandel

    Robert

  5. J. Radefahrt Antworten | Permalink

    @ M. Holzherr

    Sie sollten hier zwischen den Minima der Sonnenzyklen und einem Minimum wie Maunder bzw. Dalton unterscheiden. Der Beitrag bezieht sich nämlich nicht auf die Zyklen,, sondern auf die allgemeine, von den Zyklen unabhängige Abschwächung der Sonnenaktivität.
    Desweiteren gebe ich Ihnen den Rat, sich mit der Bewegung des magnetischen Nordpols etwas genauer zu beschäftigen, denn dieser "rast" mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 70 km per Anno auf Russland zu, was den Bereich der Auroren in Richtung Eurasien verschiebt. Es werden also zukünftig mehr Nordlichter zu beobachten sein.
    Weiterhin sollten Sie in Betracht ziehen, dass Sonnenstürme, welche Auroren verursachen, unabhängig von Sonnenflecken und somit absolut kein Indiz für den allgemeinen Aktivitätsstatus der Sonne darstellen. Beide von Ihnen genannten Ereignisse fanden statt, als die Sonne sehr wenige aktive Bereiche, sprich Flecken zeigte.

    Dass die Sonne sich tatsächlich in einem Aktivitätsminimum befindet, zeigt sich am Ap-Index, der den Einfluss des Sonnenmagnetfelds auf die Erde anzeigt. Dieser bewegt sich derzeit auf einem Niveau, welches unterhalb dem des Zyklus-Minimums von 1933 liegt - und wir befinden uns nur ca. 1 Jahr vor dem Maximum.

    Welchen tatsächlichen Einfluss das letztendlich auf das Klima haben kann/wird, wissen wir leider erst, wenn es soweit ist. Sämtliche Spekulationen sind müßig, ebenso jegliche Vorwürfe der "Klimafronten" gegeneinander.
    Desinformation kommt leider durch unzureichende Kommunikation zustande, und die liegt nunmal in der Verantwortlichkeit der Wissenschaft selbst - zumindest dann, wenn Wert darauf gelegt wird, nicht in Verruf zu geraten.

  6. Physiker Antworten | Permalink

    @J. Radefahrt

    Ihre Informationen sind falsch. Die Lage des magnetischen Nordpols findet sich auf Wikipedia. Um festzustellen ob sich der mag. Nordpol von Deutschland entfernt, muss man die Distanz auf Grosskreisen bestimmen - dabei ergeben sich oft kontraintuitive Ergebnisse. So entfernte sich der mag. Nordpol vom Mittelpunkt Deutschlands (Schwerpunkt) zwischen 2001 und 2005 um 50km. Polarlichter sollten also tendentiell bei uns seltener werden.
    Ausserdem sind Sonnenstürme, Sonnenfleckenzahl und die Sichtbarkeit von Polarlichter sehrwohl korreliert.
    Übrigens ist Ihr Vorwurf, dass Martin Holzherr nicht zwischen den Sonnenfleckenzyklen und längerfristigen Variationen (die beide im Video gezeigt werden) unterscheidet, absurd. Lesen Sie einfach nochmal den Kommentar und benennen Sie die Stelle an der eine Verwechslungsgefahr besteht.

  7. J. Radefahrt Antworten | Permalink

    @Physiker

    Fehler meinerseits, ich hätte schreiben müssen "geomagnetischer Nordpol". Dieser, für die Ausdehnung der Aurora Borealis zuständige Pol bewegt sich nachweislich in Richtung Zentralsibirien, wobei er sich dreht (er ist im Gegensatz zum magnetischen Nordpol kein Punkt, sondern mehr ein Streifen). Das zeigt sich durch die Zunahme der Feldstärke in Deutschland (von ca. +28 nT/a) bei gleichzeitiger Abnahme der Gesamtfeldstärke (ca. 6% in den letzten 100 Jahren). Das kann also nur dann auftreten, wenn sich der geomagnetische Pol auf uns zubewegt. Zum Überprüfen hilft hier vielleicht die NOAA weiter. Mit dem Magnetic Field Calculator sollte das kein Problem darstellen.

    CME sind nicht zwangsläufig an Sonnenflecken gebunden. Coronal holes können ebenso Ursache sein wie auch Flares. Die Häufigkeit der Ereignisse korreliert zwar, schließt aber keineswegs das Auftreten solcher Phänomene bei schwacher Aktivität bzw. nicht vorhandenen Sonnenflecken aus. Deswegen ist das bloße Auftreten dieser Ereignisse kein Indiz.

    Dass Herr Holzherr tatsächlich die tatsachen verwechselt, zeigt sich darin, dass er "auf das nächste Minimum vielleicht in 5 Jahren" oder den "Jahresübergang 2009/2010" (beides zyklische Minima) in Verbindung mit dem Maunder-Minimum setzen will, welches sich über mehrere Zyklen zog und, was aus dem Video hervorgeht, eine ähnliche Situation durchaus im Bereich des Möglichen ist.

  8. Physiker Antworten | Permalink

    @J. Radefahrt

    "Fehler meinerseits, ich hätte schreiben müssen "geomagnetischer Nordpol"."
    Das ist schon wieder falsch. Der geomagnetische Nordpol ist ein mathematisches Konstrukt. Die geladenen Teilchen im Sonnenwind orientieren sich aber nicht an Hilfskonstruktionen (d.h. an einer nach dem ersten Glied abgebrochenen Multipolentwicklung), sondern an den physikalischen Feldlinien. Und die Feldlinien stehen auf dem magnetischen Nordpol senkrecht und (i.A.) nicht auf dem geomagnetischen.

    "Dieser, für die Ausdehnung der Aurora Borealis zuständige Pol"
    Das ist auch falsch. Der Ort des geomagnetischen Pols ist weder für die Ausdehnung des Gebiets in dem Polarlichter zu sehen sind noch für die Position dieses Gebiets ausschlaggebend. Stattdessen ist es die Feldlinienkonfiguration. Es besteht nur ein indirekter Zusammenhang (über eine Multipolentwicklung).

    "[Der geomagnetische Pol] bewegt sich nachweislich in Richtung Zentralsibirien"
    Sibirien ist gross. Auch der geomagnetische Pol bewegt sich von uns weg (aber nur um ca. 17km zwischen 1995 und 2000):
    http://sspg1.bnsc.rl.ac.uk/...ordinates/dipole.htm

    "wobei er sich dreht (er ist im Gegensatz zum magnetischen Nordpol kein Punkt, sondern mehr ein Streifen)."
    Das ist auch falsch. Der geomagnetische Nordpol ist bereits aufgrund seiner Konstruktion ein Punkt und kann sich deshalb nicht "drehen".

    "Das zeigt sich durch die Zunahme der Feldstärke in Deutschland"
    Die Feldstärke in Deutschland zeigt/beweist gar nichts, da gerade auf der Erdoberfläche Multipolkomonenten sehr viel zur Feldstärke beitragen, siehe z.B.:
    http://upload.wikimedia.org/.../WMM2010_F_MERC.pdf
    http://eoimages.gsfc.nasa.gov/...0517/02_globe.jpg

    "Das kann also nur dann auftreten, wenn sich der geomagnetische Pol auf uns zubewegt."
    Offensichtlich nicht.

  9. J. Radefahrt Antworten | Permalink

    @Physiker

    Der geomagnetische Nordpol ist ein mathematisches Konstrukt.
    Dieses mathematische Konstrukt beschreibt ziemlich gut das tatsächliche Aussehen des Magnetfeldes (in grober Näherung). Es zeigt, dass das Erdmagnetfeld alles andere als ein ideales Feld ist.

    Und die Feldlinien stehen auf dem magnetischen Nordpol senkrecht und (i.A.) nicht auf dem geomagnetischen.
    Sofern die Inklination des geomagnetischen Felds 90° beträgt, stehen die Feldlinien real senkrecht, und das kann an mehreren Orten der Fall sein, wie Ihre Links bestätigen.

    Der Ort des geomagnetischen Pols ist weder für die Ausdehnung des Gebiets in dem Polarlichter zu sehen sind noch für die Position dieses Gebiets ausschlaggebend.
    Da, wie erwähnt, das Erdmagnetfeld alles andere als ein ideales Feld ist, ist das Aussehen des geomagnetische Feldes sehr wohl entscheidend für das Aussehen/Ausdehnung der AB, weil die AB nicht am Pol selbst, sondern um ihn herum auftritt. Die Ladungsträger erzeugen die Effekte beim Durchqueren des Magnetfelds, jedoch nicht, wenn sie ihm parallel folgen.
    Sie selbst haben das bereits bestätigt:
    Stattdessen ist es die Feldlinienkonfiguration.
    Und eben diese wird durch das geomagnetische Feld beschrieben, oder wollen Sie dem widersprechen?

    Auch der geomagnetische Pol bewegt sich von uns weg
    Das lässt sich so nicht bestätigen, da die Inklination in den vergangenen 10 Jahren um ca. 5' zunahm (siehe Tool), was -auf ein ideales Feld umgerechnet- ca. 8km ausmacht. Demzufolge bewegt(e) er sich auf uns zu, virtuell, versteht sich.

    Wir könnten durchaus noch weiter am Thema vorbei diskutieren, sollten dies aber lassen.

    Eigentlich sollte es hier um den Einfluss der Sonne (oder deren Inaktivität) auf das Klima gehen. Da das IPCC diesen Part als"low level of understanding" einstuft, bleibe ich dabei, dass wir leider erst dann wissen, welchen Einfluss diese "schwächephase" der Sonne auf unser Klima haben wird, wenn es soweit ist (mMn in ca. 15-20 Jahren).

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